Titel:            Graf Schokula

Autor:            Lady Charena

Serie:            Star Trek TOS

Paarung:          TT-K/S

Code:             G

Archiv:           ja

 

Feedback: Gerne hier oder <LadyCharena@aol.com>

Summe: Es ist Halloween und Jim hat noch immer kein Kostüm.

 

Disclaimer: Paramount/Viacom gehört Star Trek und alles, was ich mir daraus borgte. Die Story ist mein und reine Fanfiction - ich beabsichtige also weder, damit Geld zu verdienen, noch irgendwelche Rechte zu verletzen. Wer unter 18 ist bzw. ein Problem mit Homosexualität hat, sollte sich besser anderswo nach passenderer Unterhaltung umsehen.

 

Erschienen in: Shaik – das etwas sehr andere K/S-Zine 4

 

 

 

 

Lady Charena

 

"Spock, doch nicht j-e-t-z-t!" Jim schüttelte die Hand seines Bondmates ab und rückte demonstrativ ein Stück zur Seite. "Ich bin beschäftigt."

 

"Ich bitte um Verzeihung, ich wollte natürlich nicht stören", erwiderte Spock trocken und zog sich in seine Betthälfte zurück.

 

Jim hob den Kopf von der Zeitschrift, in der er so vertieft gewesen war und blickte den Vulkanier tadelnd an. "Ist dir klar, dass bereits in drei Tagen Halloween ist? Und das wir zu dieser Party eingeladen sind? Einer Kostümparty, wohlgemerkt. Und ist dir vielleicht schon einmal aufgefallen, dass ich noch kein Kostüm habe??"

 

"Ja, Jim."

 

 

"Ist das alles, was dir dazu einfällt?" Jim wandte sich von ihm ab und schlüpfte unter die Decke. "Das ist eine Katastrophe!"

 

"Jim, ich habe auch kein Kostüm." Spock blickte auf den Rücken seines Bondmates. "Aber ich dachte, wir würden jetzt..." Es war schließlich wenig daran misszuverstehen gewesen, Jim nackt in ihrem Bett liegend vorzufinden. Zumindest aus seiner Sicht.

 

Jim fuhr zu ihm herum. "Ich weiß schon, was du dachtest", unterbrach er ihn kühl. "Aber dafür habe ich jetzt einfach keinen Kopf."

 

Ein denkwürdiges Ereignis, dachte Spock ironisch.

 

"Du machst es dir natürlich wieder einmal sehr einfach." Jim klappte die Zeitschrift zu. "Von dir erwartet niemand, dass du im Kostüm erscheinst, aber zumindest die Maske solltest du anlegen, die ich dir für das Kostümfest mit Nogura besorgt habe. Aber was soll ich nur machen? Noch einen Verleih suchen?"

 

"Ja, Jim." Wieder fand Spock es ratsamer, sich auf eine kurze Zustimmung zu beschränken.

 

Jim hingegen machte diese diskussionslose Bejahung stutzig. Das ging viel zu glatt. Aus leicht zusammengekniffenen Augen betrachtete er sein Bondmate. "Spock?", fragte er wie beiläufig. "Du hast nicht zufällig eine Ahnung, warum ich bei den drei Kostümverleihen, bei denen ich immer unsere Märchenklamotten besorgt habe, auf einer Art "schwarzen Liste" stehe und nichts mehr bekomme? Angeblich würde ich die Kostüme ja nicht pfleglich genug behandeln. Aber allein wegen dem abgerissenen Krönchen des Froschkönigs kann es doch nicht sein. Schließlich habe ich die Reparatur auch bezahlt."

Obwohl er nicht wirklich glaubte, dass Spock etwas damit zu tun hatte. So hoch waren die Kosten nun auch wieder nicht gewesen und sie hatten doch immer soviel Spaß zusammen mit den Kostümen...

 

Spock zog es vor, darauf nicht zu antworten. Immerhin hatte er veranlasst, dass Jim auf diese Liste kam, nachdem seine Ideen immer ausgefallener geworden waren. Ein Froschkostüm, um das Märchen des Froschkönigs nachzuspielen, war der vorläufige Höhepunkt gewesen - und für den Vulkanier die Veranlassung, dem Ganzen einen Riegel vorzuschieben.

 

"Nun, auf jeden Fall werde ich es morgen noch bei einem kleinen Geschäft im Einkaufszentrum versuchen." Jim schlug demonstrativ seine Zeitschrift wieder auf. "Ansonsten muss ich mich eben selbst darum kümmern." Damit war die Diskussion beendet.

 

* * *

 

"Was mache ich bloß?", seufzte Jim beim Frühstück. "Morgen ist diese Halloween-Party und ich habe noch immer kein Kostüm. Der kleine Verleih im Einkaufszentrum war auch völlig leergeräumt."

 

Sara blickte auf. "Aber das ist doch kein Wunder", meinte sie. "Du hättest dich auf jeden Fall spätestens letzte Woche darum kümmern müssen. Ich habe mein Kostüm für unseren Halloweenball in der Schule schon vorigen Monat besorgt."

 

Jim verzog den Mund. "Besten Dank, ich weiß selbst, dass ich spät dran bin", meinte er spitz. "Dein Vater hat mir das bereits unter die Nase gerieben. Aber ich konnte mich einfach nicht entscheiden, was ich nehmen sollte." Er seufzte erneut. "Am besten werde ich unter einem Vorwand absagen. Ich könnte ja krank sein..."

 

"Warum machst du dir nicht selbst ein Kostüm?", warf Sara ein. "Du hast mit Tommy und mir doch auch welche gebastelt, als wir klein waren. Das ist doch viel interessanter als ein fertig gekauftes oder geliehenes."

 

Die Miene ihres Vaters hellte sich beträchtlich auf. "Ich hatte diese Idee ja auch schon", sagte er nachdenklich. "Meinst du wirklich, ich kann so etwas? Ich weiß noch, wie süß ihr in eueren selbstgebastelten Gartenzwerg-Kostümen ausgesehen habt, aber die anderen haben euch ausgelacht."

 

"Ach Unsinn", meinte Sara. "Wenn du möchtest, dann helfe ich dir dabei, Daddy."

 

"Helfen wobei?", kam es von Tommy, der gerade die Küche betrat und sich zu ihnen setzte.

 

"Tommy, mein Schatz, guten Morgen. Du darfst natürlich auch mithelfen." Jim strich seinem Jüngsten durchs Haar, was der mit vulkanischer Gelassenheit ertrug. "Ich brauche ein Halloween-Kostüm."

 

Tommy grinste - seine vulkanische Gelassenheit von eben vergessend. "Du willst ein Kostüm basteln? Wie früher? Das wird... hey..." Er sah Sara an, die ihm unter dem Tisch gegen das Schienbein getreten hatte und nun warnend den Kopf schüttelte. "...eine herrliche Idee ist das, wollte ich sagen", korrigierte Tommy sich. "Aber ich habe leider keine Zeit. Es ist Samstag - Duncan und ich sind zum Fußball verabredet."

 

"Das ist aber schade", meinte Jim, dem das kleine Intermezzo zwischen seinem Nachwuchs völlig entgangen war. "Sei' nicht traurig, Tommy."

"Nein, Daddy. Mach' dir keine Gedanken", beeilte sich sein Filius, ihn zu beruhigen. "Ich überlasse das Vergnügen gerne ganz allein Sara." Er stand auf, als ihm seine Schwester einen eisigen Blick zuwarf und brachte sich vor weiteren Tritten in Sicherheit. "Ich bin jetzt weg."

 

"Das ist wirklich nett von dir. Aber wo willst du denn jetzt schon hin?", erkundigte sich Jim. "Willst du nicht mit uns frühstücken?"

Tommy gab seinem Vater einen Kuss auf die Wange und ging dann zur Tür. "Ich frühstücke nebenan, Daddy. Es gibt Pfannkuchen", sprach's und verschwand nach draußen.

 

Kopfschüttelnd sah ihm Jim nach. "Hat er nicht gesehen, dass ich auch welche gebacken habe? Dabei habe ich mir extra von Scotty das Rezept geben lassen..."

 

Sara lenkte rasch ein. "Hast du dir denn inzwischen überlegt, welches Kostüm du möchtest, Daddy?"

 

Jim wandte seine Aufmerksamkeit von seinem abtrünnigen Sohn ab und wieder seiner Tochter zu. "Ich weiß nicht so recht." Er stand auf und kramte im Küchenschrank.

 

"Vielleicht eine Märchenfigur?", schlug Sara vor, die sich allmählich für das Thema erwärmte. "Du magst Märchen doch so gerne."

 

Vielleicht besser nicht. Ein Märchenkostüm könnte seine Phantasie in ganz andere Bahnen lenken... Jim schüttelte den Kopf. "Das ist zu alltäglich", meinte er. "Es sollte irgend etwas sein, das zu mir passt." Triumphierend zog er eine Tafel Schokolade hervor. Nervennahrung brauchte der Mensch! Er wandte sich damit wieder seiner Tochter zu.

 

Und Sara hatte plötzlich eine Idee...

 

* * *

 

"Spock? Wir sind im Wohnzimmer", begrüßte ihn die fröhliche Stimme seines Bondmates, als der Vulkanier gegen Nachmittag nach Hause kam. "Sara und ich haben zusammen ein Kostüm gebastelt."

 

Neugierig trat Spock ins Wohnzimmer - um sich sofort in den nächsten Sessel niederzusetzen. Vor ihm stand etwas undefinierbares, einem braunen Oval ähnelnd, das auf zwei Beinen stand. Zwei Arme erschienen an den Seiten. Arme und Beine gehörten eindeutig Jim, aber wo war der  Rest von ihm?

 

Spock sah Sara an, die erschöpft wirkte. Sie schüttelte den Kopf. "Ich kann nichts dafür. Es ist nicht das, was ich mir vorgestellt hatte", meinte sie.

 

Vorsichtig blickte Spock zurück auf diese merkwürdige Erscheinung. "Jim?", fragte er. Er konnte bei genauerem Hinsehen nun Jims Gesicht ausmachen. Es war mit brauner Farbe bedeckt. "Was...?", er brach ab.

 

"Ich bin Graf Schokula. Die schokoladensaugende Vampir-Kakaobohne", meinte dieses seltsame Geschöpf und entblößte lächelnd ein Paar spitze Zähne.

 

Und Spock war plötzlich sehr froh, Jim versprochen zu haben, auch eine Maske zu tragen...

Ende