Titel:                      Frühstück bei einem Gott

Autor:                    Lady Charena

Serie:                      TOS, Humor

Paarung:                Apollo, Herkules, K, McC, Sc, Ch

Rating:                   G

Archiv:                  ja

 

Antwort auf die Juni-Challenge 2001 des Fanfiction-Paradies

 

Feedback: Gerne - LadyCharena@aol.com

Summe: Eine Szene aus der Classic-Episode „Der Tempel des Apoll / Who mourns for Adonis?“ die uns leider unterschlagen wurde...

 

Anmerkung: Ich hätte ja heftigst geleugnet, dass mir eine Story zu dieser Challenge einfallen könnte... doch dann kam die Erleuchtung plötzlich und ohne Vorwarnung beim Haarewaschen J  „Der Tempel des Apoll“ war die erste ST-Classic-Episode, an die ich mich erinnern kann, die ich bewusst gesehen habe. Und die mich mit TOS infizierte.

 

 

 

 

Disclaimer: Paramount/Viacom gehört Star Trek und alles, was ich mir hier borgte. Die Story ist mein, und Fanfiction - ich beabsichtige weder, damit Geld zu verdienen, noch irgendwelche Rechte zu verletzen.

 

Beta: the one and only... T’Len

 

Frühstück bei einem Gott

* * * * * * * * * * * * * * *

Lady Charena, Juni 2001

 

 

„Was?“, fragte Scotty fassungslos. „Deshalb hat er uns hierher geholt? Um mit uns zu frühstücken?“

 

Captain Kirk zuckte mit den Schultern. „Ich verstehe es ja selbst nicht, Scotty.“ Er ließ sich auf der marmornen Bank nieder und sah die Früchte an, die auf dem Tisch lagen. In tönernen Krügen wartete Wein darauf, in die goldenen Kelche geschenkt zu werden, die ebenfalls hier standen. Neugierig tauchte er einen Finger in die weiße Masse, die auf mehrere kleine Schälchen verteilt etwas abseits von den Früchten stand und kostete. „Schmeckt gar nicht so übel.“

 

„Das ist Da’No’Ne – die Speise der Götter, meine Kinder. Sie soll auch euch laben. Diese unglaubliche Cremigkeit erreicht sie nur durch beständiges Rühren – 38 mal in der Sekunde.“

 

Alle wandten sich zum Sprecher um, der plötzlich wieder aufgetaucht war. Ein junger Mann begleitete Apollo.

 

Wunderbar, noch ein Typ im Minikleid, dachte Kirk. Er beobachtete, wie Chekov die Augen übergingen und nahm sich vor, sich den jungen Mann nach ihrer Rückkehr mal zur Brust... äh... ins Gebet zu nehmen. Es war einfach unmöglich, wie Pavel sich benahm – er hatte schon Apollo schöne Augen gemacht.

 

Die anderen musterten den Gott und seinen Begleiter ebenfalls. Scotty blickte eher düster drein – er nahm es Apollo übel, dass der seine angebetete Carolyn Palomas aufs Schiff zurückgeschickt hatte. McCoy musterte die beiden interessiert, immer wieder die Anzeigen seines Trikorders studierend. „Der gleiche Typ wie Apollo“, zischte er Kirk zu. „Humanoid.“

 

Jim nickte. Er wandte sich an ihren „Gastgeber“. „Wir bedauern es wirklich sehr, aber wir müssen zurück auf das Schiff.“

 

Apollo zog einen Schmollmund. „Ich wünsche aber, dass ihr hier verweilt“, erklärte er. „Mich langweilt es, immer nur das gleiche Gesicht zu sehen.“ Das war wohl ein Seitenhieb gegen seinen Begleiter, der ihm einen bitterbösen Blick zuschoss.

 

„Wir hatten noch nicht das Vergnügen?“, wandte sich Jim an ihn.

 

Der zweite junge Mann nickte, doch bevor er antworten konnte, fuhr ihm Apollo über den Mund. „Ein entfernter Verwandter“, sagte er. „Die Menschen nannten ihn Herkules.“ Er klatschte in die Hände. „Nun lasst uns speisen. Es gibt nichts, was ich mehr verabscheue als warmes Da’No’Ne.“

 

Bevor sie sich versahen, saßen sie auch schon alle auf den Marmorbänken um den Tisch. Jeder hatte ein Schälchen vor sich und einen Löffel in der Hand. Chekov war der erste, der kostete – schließlich hatte er den Wissenschaftsoffizier zu vertreten. „Das schmeckt... wie... Jogurt“, meinte er und begann die weiße Masse mit Enthusiasmus in sich hineinzuschaufeln.

 

Unmöglich, diese Jugend. Jim legte den Löffel auf den Tisch. „Danke, aber ich habe jetzt keinen Hunger. Apollo, hören Sie, wir müssen wirklich auf das Schiff zurück.“

 

Doch der Gott, der sich auf seinen Thron in dem kleinen Tempel zurückgezogen hatte, winkte ab. „Deine Forderungen beginnen mich zu langweilen“, erklärte er. „Du bist kein sehr unterhaltender Gast, Captain Kirk.“

 

Jim schnitt eine Grimasse. Er fragte sich, ob Spock an Bord der Enterprise Fortschritte mit dem Kraftfeld machte. Lange hielt er es hier nicht mehr aus...

 

Herkules beugte sich vor, um Apollo etwas ins Ohr zu flüstern. „Natürlich, du hast recht“, rief der aus. „Ich bin wirklich ein sehr nachlässiger Gastgeber. Wir benötigen etwas Unterhaltung.“

 

Der Kelch, den Scotty in der Hand hielt, verwandelte sich in einen Bogen – und der Weinkrug, aus dem er sich gerade eingeschenkt hatte, in einen Köcher mit Pfeilen. Das verbesserte die Laune des Schotten nicht gerade. „Was soll ich denn damit?“, grollte er. „Sehe ich vielleicht wie Robin Hood aus?“

 

Chekov grinste.

 

Herkules ergriff einen Korb, der auf den Stufen zum Tempel stand. Er trat damit auf den freien Platz vor dem Gebäude und holte einen goldenen Apfel aus dem Korb.

 

„Ein Wettbewerb. Jeder Pfeil soll einen goldenen Apfel durchbohren. Wem es gelingt, der wird zum Sieger gekürt und erhält einen Krug Da’No’Ne zum Frühstück.“ Apollo blickte sehr zufrieden drein.

 

„Eigentlich esse ich lieber Toast zum Frühstück“, erwiderte Jim trocken.

 

Apollo warf einen Blick auf Herkules. „Ich auch“, gestand er ein. „Doch dieser Trottel hat den Toaster im Freien stehen lassen, als ich es das letzte Mal regnen ließ. Er wurde leider überschwemmt und ist seitdem unbrauchbar.“

 

Der Hüne sah verlegen auf den Boden.

 

„Aber widmen wir uns angenehmerem Zeitvertreib. Ich wünsche einen Bogenschieß-Wettbewerb. Einer der euren soll gegen mich antreten“, fuhr Apollo fort.

 

Kirk wandte sich an Scotty. „Na gut, tun wir ihm den Gefallen. Vielleicht kommen wir so schneller von hier weg. Scotty, los.“

 

Der Schotte schüttelte den Kopf. „Es tut mir leid, Sir, aber ich kann das nicht.“

 

Jim runzelte die Stirn. „Scotty, haben Sie statt der Akademie ein Mädcheninternat besucht?“, fragte er und nahm ihm Bogen und Köcher ab.

 

„Nein, Sir. Aber ich habe die Waffenkurse nicht besucht, um an einem Literaturkurs teilzunehmen.“

 

„Was? Einen Literaturkurs? Wozu dass denn?“, mischte sich McCoy ein, der bisher geschwiegen hatte.

 

„Nun, ich wollte immer schon einen Roman schreiben“, erklärte der Chefingenieur mit geröteten Wangen.

 

„Einen Roman?“, fragte Chekov. „Das ist übrigens auch eine russische Erfindung...“

 

„Welche Art von Roman?“, erkundigte sich der Arzt rasch, bevor der Russe zu einem längeren Vortrag ausholen konnte.

 

„Krimis“, erklärte Scotty mit nunmehr hochrotem Kopf. „Ich habe als Kadett sogar eine Geschichte veröffentlicht. Sie hieß: „Die Leiche im Bus“ und ich...“

 

„MEINE HERREN!!!“, donnerte Kirk dazwischen. „Dies ist kein Kaffeekränzchen. Könnten wir uns nun wieder auf unsere Mission konzentrieren?“ Er stand auf, nahm den ersten Pfeil aus dem Köcher und legte an.

 

Herkules warf den ersten Apfel in die Luft.

 

Nur leider ging Kirks Schuss daneben. Weit daneben. Wie auch sein zweiter und sein dritter und der vierte ebenfalls... „Das verstehe ich nicht“, murmelte er, als er den Bogen senkte.

 

„Dann bin ja jetzt wohl ich dran“, meinte Apollo und trat lächelnd aus seinem Tempel. Er streckte die Hand aus und ein Bogen und mehrere Pfeile materialisierten sich darauf.

 

Herkules hatte die goldenen Äpfel inzwischen wieder eingesammelt und begann nun erneut damit, sie nach und nach in die Luft zu werfen. Apollos Schüsse durchbohrten jeden Apfel genau in der Mitte. Triumphierend wandte er sich zu den Menschen um, die höflichen Beifall spendeten. Dann verschwand er wieder einmal.

 

Schmollend ließ sich Jim auf den Stufen des Tempels nieder. Er zog den Kommunikator vom Gürtel, um sich mit der Enterprise in Verbindung zu setzen, als Herkules zu ihm trat. Der Hüne hatte die Äpfel wieder eingesammelt und die Pfeile daraus entfernt. „Er verliert nicht gerne“, raunte er dem Captain leise zu. „Deshalb lässt er Wind wehen, der die Pfeile von ihrem Pfad abbringt.“

 

Irgendwo in der Ferne grollte Donner. Herkules sah sich hastig um, ließ den Korb fallen und verschwand.

 

Jim nahm einen der Äpfel in die Hand. Den würde er Spock als Souvenir mitbringen...

 

Ende