Geburtstagsüberraschung

T’Len

2007

 

 

 

Fandom: A-Team

Charaktere: Face/Murdock, Face/m

Kategorie: PG-15, ft, m/m-slash

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Summe: Murdock will Face überraschen und erlebt selbst eine Überraschung.

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Vielen Dank an Lady Charena fürs Beta.

 

 

„Pst, leise Billy.“ Vorsichtig drückte Murdock die Klinke der Tür zum Strandhaus mit seinem Ellenbogen hinunter. Er wunderte sich, dass Face nicht abgeschlossen hatte. Aber umso besser für ihn. Es war schwer genug, die Geburtstagstorte mit einer Hand zu balancieren und in der anderen ein Päckchen zu tragen. Da war er froh, das er seine Last nicht erst absetzen und ein Schloss knacken musste. Oder vielleicht gar ein offenes Fenster suchen, durch das er einsteigen konnte.

 

Vorsichtig schob er die Tür mit dem Fuß wieder zu nachdem er hindurch geschlüpft war. Billy winselte leise. „Pst“, machte Murdock erneut. Dann versuchte er sich zu orientieren. Er war erst einmal in diesem Strandhaus gewesen, dass Face vor drei Wochen einer reichen Blondine zur zeitweiligen Nutzung abgeschwatzt hatte. Da rechts musste das Schlafzimmer sein.

 

Face würde Augen machen, wenn er ihn genau um Mitternacht zu seinem Geburtstag gratulierte. Es hatte Murdock einige Überredungskunst gekostet, dass Doktor Richter ihn an diesem Abend frei gab. Aber da er dem A-Team schließlich sein Leben verdankte, hatte er letztendlich eingewilligt. Schwerer war es schon gewesen, Amy zu überzeugen, die notwendigen Besorgungen für ihn zu machen und ihn in die Nähe des Hauses zu fahren. Nicht, dass sie Face nicht gern eine Geburtstagsüberraschung bereiten würde, sie war nur nicht damit einverstanden, dass sie nicht dabei sein sollte. Doch genau aus dem Grund hatte er auch nicht Hannibal und B.A. fragen können. Die wären noch schwerer abzuschütteln gewesen als die junge Reporterin.

 

Doch diese Nacht sollte nur für Facey und ihn sein. Murdock summte vor Vorfreude leise vor sich hin.

 

Murdock fand die Tür zum Schlafzimmer glücklicherweise nur angelehnt und schob sie vorsichtig auf. Nichts rührte sich. Als sich seine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, sah er, dass der Bett leer war.

 

Für einen Augenblick verschwand Murdocks gute Laune. War Face etwa ausgegangen? „Unmöglich“, sagte er leise zu sich selbst. Er hatte die Corvette in der Einfahrt stehen sehen. Und selbst wenn Face ein Taxi genommen oder mit jemanden mitgefahren wäre, dann hätte er die Tür erst recht abgeschlossen.

 

Außerdem wusste Murdock, dass es nicht Face Art war, in seinen Geburtstag hineinzufeiern, wie andere Leute es taten. Im Waisenhaus, so hatte er einmal erzählt, lebten viel zu viele Kinder, als dass man es sich leisten konnte, den Geburtstag jedes einzelnen zu feiern. Später in Vietnam, in der grünen Hölle, in der die Zeit oft stillzustehen schien, hatten sie Geburtstage nur daran erinnert, dass sie ein weiteres Jahr überlebt hatten, aber auch, dass der Krieg noch immer kein Ende zu nehmen schien. Auch kein Grund diese Tage besonders zu feiern. Und heute war es wohl die Eitelkeit, die Face ungern zugeben ließ, dass er wieder ein Jahr älter geworden war. Aber vielleicht lag es ja auch nur daran, dass eigentlich niemand wusste, ob dieser Tag wirklich Face Geburtstag war oder nur ein vom Waisenhaus festgesetztes Datum, weil eben jeder Mensch einen Geburtstag haben musste. Immerhin lag vieles über Face Vergangenheit im Dunkeln.

 

Trotz allem war sich Murdock sicher, Facey würde sich über seine Überraschung freuen. Sie würden die ganze Nacht Torte essen und Cartoons kucken und herumalbern. So wie er es als Kind an seinem Geburtstag bei seinen Großeltern machen durfte. Ja, Face würde das garantiert gefallen.

 

Nur musste er ihn dazu erst mal finden.

 

Ein Geräusch drang an sein Ohr. Murdock lauschte. Es klang wie leises Lachen und kam ganz offensichtlich von weiter vorn, den Gang entlang. Er ging in diese Richtung und stieß eine andere Tür auf.

 

Das Wohnzimmer. Eine offene Tür führte auf die Terrasse zum Meer. Zwei Schatten standen dort nah beieinander. Murdock fluchte innerlich. Billy winselte. Verdammt. Face war zwar nicht ausgegangen, aber offensichtlich hatte er sich einen Partygast für die Nacht mitgebracht.

 

Murdock überlegte, ob Face sehr wütend sein würde, wenn er seine kleine Privatparty störte. Er könnte seine Torte und das Geschenk abstellen und einfach wieder verschwinden. Face würde wissen, von wem es kam. Aber es war ein langer, einsamer Weg zurück in die Stadt. Außerdem wollte er Facey doch persönlich alles Gute wünschen.

 

In der Ferne schlug eine Uhr Mitternacht. Er würde ihn jetzt überraschen, entschied Murdock. Punkt um. Face würde schon nicht sauer sein. Er trat näher zur Tür und stutzte. Irgendetwas an der Szene, die sich ihm dort im flackernden Licht einiger Kerzen darbot, schien nicht zu stimmen.

 

Und plötzlich verstand er.

 

Die Zeit schien für Murdock für einen Augenblick stillzustehen. Die zwei Männer, mit nackten Oberkörpern, auf der Terrasse, die Hand, die Face Kopf zu einem Kuss heran zog, Face Hand im Hosenbund des Anderen, sein eigener Überraschungsschrei, der nie über seien Lippen kam – alles wie eingefroren.

 

Mit einem lauten Knall fiel die Torte zu Boden, ihre Sahne in alle Richtungen verspritzend. Die beiden Männer fuhren auseinander. Es war eine Frage von Sekunden, dass Face in den Raum stürmte und Licht anschaltete. Er und Murdock starrten einander stumm an.


„Murdock“, sagte Face schließlich mit belegter Stimme. „Das ist aber eine Überraschung.“

 

Der andere Mann war hinter ihm aufgetaucht. „Dein Freund?“, fragte er sichtlich irritiert.

 

„Ja... nein... nicht so“, stotterte Face.

 

Plötzlich kam wieder Bewegung in Murdock. Er stürmte an den Männern vorbei auf die Terrasse und sprang über die Brüstung in den weichen Sand. Sein Geschenk ließ er dabei achtlos zu Boden fallen.

 

„Murdock, warte doch! Las dir erklären!“, rief Face ihm hinterher, doch der Pilot drehte sich nicht um.

 

„Verdammt.“ Face raffte sein Hemd vom Boden und warf es über. „Ruf dir ein Taxi und verschwinde“, sagte er zu seinem Begleiter, dann sprang er, ohne sich noch einmal umzudrehen, ebenfalls übers Geländer.

 

Er fand Murdock in der kleinen Bucht etwa 300 Meter vom Haus entfernt, wo ein Felsvorsprung fast bis zum Wasser reichte und damit ein lauschiges, verstecktes Plätzchen bildete. Da Wolken aufgezogen waren, war es fast komplett dunkel. Der Pilot hatte die Knie angezogen und die Arme darum geschlungen, den Kopf darin verborgen. Face ließ sich neben Murdock in den Sand fallen.

 

„Es tut mir leid“, sagte er. „Dass du es erfahren hast... ich meine, dass du es so erfahren hast. Es ist natürlich okay, dass du es weißt. Ich... ich hätte es dir schon längst sagen sollen, aber ich wusste nur nicht wie. Hey, Murdock, weiß du was, ich steh übrigens auch auf Jungs. Das hätte doch blöd geklungen, findest du nicht?“

 

Face versuchte scherzhaft zu klingen, doch er merkte, dass es selbst für seine Ohren nicht funktionierte. „Hör zu“, fügte er deshalb ernsthaft hinzu. „Du weiß nicht, wie es ist in einem katholischen Waisenhaus aufzuwachsen. Ich meine, gewisse Dinge gibt es dort einfach nicht, darf es nicht geben. Die haben uns immer gepredigt, welche Sünde es ist. Als die Nonnen einmal zwei Jungs, die eine Klasse über mir waren, beim Fummeln erwischten, wurden sie sofort in ein Heim für Schwererziehbare gesteckt. Als ich gemerkt habe, dass mich Jungs genauso wie Mädchen interessieren – weißt du, das mit den Frauen ist keine Lüge, ehrlich nicht. Ich mag sie gern, bin gern mit ihnen zusammen. Aber zwischen zwei Männern das ist irgendwie etwas ganz Anderes, Besonderes. Ich kann’s dir nicht erklären – na ja jedenfalls, ich habe rasch gelernt, dass ich gewisse Dinge besser für mich behalte. Und wie die Army über das Thema denkt, weiß du ja.“

Er hielt inne und sah Murdock von der Seite an. „Bist du okay? Du hast doch kein Problem damit“; fragte er besorgt. „Nun sag doch irgendwas, Murdock?“

 

Murdock hob den Kopf. „Billy, pfui lass das liegen“, wandte sich der Pilot statt einer Antwort an seinen unsichtbaren Hund.


„Hallo Billy“, Face streckte die Hand aus, als wollte er das Tier streicheln, doch Murdock schob es demonstrativ zur Seite. 

 

„Murdock“, sagte Face flehentlich. „Bitte.“ Er hob das Päckchen hoch, dass er bei seiner Verfolgung rasch aufgehoben hatte. „Darf ich auspacken? Du weißt doch, ich bin so schrecklich neugierig. Und die Torte ist bestimmt lecker. Wollen wir nicht zurückgehen und sie vom Boden auflecken. Das wird bestimmt ein Spaß. Und dann kucken wir Cartoons bis zum Morgen. Was meinst du?“

 

Face redete wie ein Wasserfall, konnte das Schweigen, Murdocks kühles, abweisendes Verhalten nicht ertragen. Er wollte... er brauchte eine Reaktion des Piloten. Irgendeine, die ihm zeigte, dass Murdock verstand, ihm nicht böse war. Verdammt, er hätte es ihm längst sagen sollen... müssen, irgendwie. Sie waren doch Freunde. Aber wie hatte er auch ahnen können, dass Murdock es ausgerechnet so herausfinden würde. Er hatte doch nur etwas Spaß haben wollen. Belanglosen Sex. Seien bedürfnsise befriedigen. Mehr nicht. Es war schließlich sein Geburtstag.

 

„Murdock, sag doch irgendetwas“, flehte er.


„Wissen es die anderen?“, fragte der Pilot unvermittelt. Das Gesicht abgewandt.

 

„Nein... nein, zumindest nicht offiziell“, erwiderte Face. „Ich habe keine Ahnung. Gibt es irgendetwas, dass Hannibal nicht weiß?“ Er zuckte hilflos mit den Schultern „Wenn er es weiß, dann hat er es mich jedenfalls nie merken lassen.“

 

„Wer ist er?“


„Wer? Oh du meinst... niemand besonderes. Ich habe ihn vor ein paar Tagen in einer Bar kennen gelernt. Ich wollte die Nacht nur ein bisschen Spaß haben. Schließlich habe ich nicht oft die Gelegenheit, mal mit einem Mann zusammen zu sein. Da ist nichts zwischen uns.“

 

Unvermittelt wandte Murdock ihm den Kopf zu. „Ich dachte, du vertraust mir“, sagte er und Face konnte trotz der Dunkelheit den Schmerz in seinen Augen sehen.


„Aber das tue ich doch“, antwortete er hastig.


„Nein“, sagte Murdock plötzlich, seine Stimme leise, monoton, abweisend. „Das tust du nicht. Sonst hättest du es mir erzählt und alles wäre anders geworden.“

 

„Was?“, fragte Face verwundert. Er verstand nicht, worauf Murdock hinaus wollte. „Was wäre anders gwroden?“


“Ich dachte, das zwischen uns ist etwas ganz besonderes, du liebst mich“, flüsterte der Pilot. Face musste sich anstrengen, um ihn überhaupt zu verstehen.


“Aber das tue ich doch“, versicherte ihm Face hastig.


“Nein, du treibst es lieber mit jedem dahergelaufenen Kerl.“ Murdock sprang auf, wirbelte herum und rannte davon.

 

„Was?“ Face starrte ihm wie gelähmt hinterher. Das klang ja fast so, als wäre Murdock... eifersüchtig. Konnte es sein, dass der Pilot in ihn verliebt war? Er langsam sickerte die Erkenntnis ein und Face rannte los. 

 

Er schaffte es tatsächlich, Murdock einzuholen.

 

„Murdock!“ Als der Pilot nicht anhielt, griff er nach ihm und riss ihn herum. Die Wucht ließ sie beide taumeln und zu Boden stürzen, in den weichen Sand, nah an der Wasserlinie.

 

„Liebst du mich?“, fragte Face schwer atmend, als er auf Murdock zu liegen kam.

 

Der Pilot drehte seinen Kopf weg. Sein „Ja“, kam so leise, dass Face es fast überhört hätte.

 

„Ich... ich...“ Face wusste nicht, was er sagen sollte. Wie konnte er Murdock erklären, dass es genau das war, was er sich seit Jahren ersehnt hatte zu hören? Wie die Gefühle in Worte fassen, die er solange sogar vor sich selbst verschlossen gehalten hatte? Damals in Vietnam, als sie an Körper und Seele zerschunden, eng beieinander lagen, waren sie da gewesen und einhergegangen mit der absoluten Gewissheit ihrer Hoffnungslosigkeit. Und später, wenn sie Murdock nach einem Einsatz wieder im VA ablieferten auch, gepaart mit seiner eigenen Hilflosigkeit, dem Freund nicht mehr Hilfe geben zu können. Wo oft hatte er sich gewünscht, Murdock einfach festzuhalten und die Dämonen, die ihn in seinen Albträumen jagten, mit seiner Zärtlichkeit zu vertreiben. Doch es erschien ihm unmöglich, dass Murdock seine geheimen Begierden teilen würde und so hatte er all das ganz tief im hintersten Winkel seines Herzens verschlossen - am allermeisten vor sich selbst – und seine Befriedigung in einem Leben voller Oberflächlichkeiten gesucht.

 

Da Face keine Worte fand, um all das auszudrücken, griff er zu der Sprache, die er am besten beherrschte. Er drehte Murdocks Kopf zu sich herum und küsste ihn. Sanft, zärtlich, voller Liebe und Versprechen.


Das Wasser umspielte ihre Füße, als ihre Lippen sich fanden. Und Face wusste, diesen Geburtstag würde er nie vergessen.

 

Ende