Sparkling Personalities
Autor: Lady Charena (2010)
Fandom: Forever Knight x Sanctuary
Episode/Spoiler aus: 2.14 The Fix (FK) / 1.07 The Five (Sanctuary)
Worte: 3120
Charaktere: LaCroix, Nicholas Knight, Nikola Tesla, diverse Charaktere erwähnt
Pairing: --
Rating: pg-12, oneshot, crossover
Beta: T'Len


Summe: Tesla sucht eine alternative Quelle für Vampirblut - leider zeigt sich LaCroix ebenso unwillig zur Kooperation wie Helen Magnus... (angesiedelt vor 1x07 The Five)

Hinweis: A/U-fic. Vampire zeigen in Sanctuary-Verse einen anderen historischen Hintergrund und andere Charakteristika als im eher an Bram Stoker orientierten Forever Knight-Verse. Ebenso sind Vampire (abgesehen von Tesla & seinen Experimenten) im Sanctuary-Universum ausgestorben bzw. ausgerottet worden. Für diese Story habe ich angenommen, dass LaCroix‘ Ancient und Teslas Sanguine Vampiris der gleichen Art entstammen.  Der Titel ist eine Anspielung auf Nikolas mehr...'elektrisierende'... Wesensaspekte.

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.



Nick, Schanke und einige ihrer Kollegen, die die Nachtschicht arbeiteten, waren in Captain Cohens Büro versammelt, um eine Überwachungsaktion zu planen, als der Desksergeant klopfte und den Kopf zur Tür herein steckte. „Knight. Telefon. Klang dringend.“

Nick und Captain Cohen sahen gleichzeitig auf, während Schanke etwas in seinen nicht vorhandenen Bart brummte und eine Karte beäugte, die auf dem Konferenztisch ausgebreitet lag.

Nick blickte seinen Captain an und Cohen nickte. Sie wies mit dem Kinn auf ihren Schreibtisch. „Legen Sie den Anruf auf meinen Apparat“, ließ sie den Desksergeant wissen und vertiefte sich dann wieder in die Details der Planung.

Währenddessen trat Nick zu ihrem Schreibtisch und nahm den Hörer ab, als das Telefon klingelte. „Hallo?“

„Ich erwarte dich in fünf Minuten in deiner Wohnung.“

LaCroix? Nick starrte verwundert den Telefonapparat an, als vermöge der ihm eine Antwort zu geben. „Wieso?“, fragte er schließlich. LaCroix hatte ihn noch nie angerufen. Er bevorzugte es, einfach uneingeladen im Revier oder im Loft oder sonst wo aufzutauchen. Oder Nick hörte plötzlich die Stimme des älteren Vampirs in seinem Kopf, die ihn irgendwohin rief.

„Tu’ was ich dir sage, Nicholas!“ Die Verbindung wurde unterbrochen.

Nick legte den Hörer langsam auf. Er hatte keinerlei Absicht, sich von LaCroix herum kommandieren zu lassen. Er hatte keine Zeit für solche Mätzchen...  Nur dass sich seine Füße scheinbar aus eigenem Willen in Richtung Tür bewegten, anstatt zurück zum Konferenztisch. Die zumeist einseitige, telepathische Verbindung zwischen ihm und LaCroix schien wieder einmal wie eine unsichtbare Leine zu fungieren, und ihn zu LaCroix zu zerren, ob er wollte, oder nicht. Er hasste es. Aber nach einigen hundert Jahren des Weglaufens musste er langsam einsehen, dass er keine Wahl hatte. So lange LaCroix existierte, existierte auch die Verbindung zwischen ihnen.

Schanke richtete sich in dem Moment aus seiner über den Tisch gebückten Haltung auf und presste mit einem leisen Stöhnen die Handflächen gegen seinen schmerzenden Rücken – und sah Nick an der Tür stehen. „Hey, wo willst du hin?“, fragte er seinen Partner. „Ist was passiert?“

Nun hob auch Captain Cohen den Kopf und musterte ihren Detective. „Knight?“

Nick zuckte mit den Schultern, als er die Tür zum Hauptraum des Reviers öffnete. „Glauben Sie mir, ich würde lieber hier bleiben, aber das geht im Augenblick nicht.“

„Knight. Wir sind hier noch nicht fertig!“ Captain Cohen klang ungehalten. Sie hatte einige Geduld mit Nicks gelegentlich exzentrischem Verhalten – aber mitten in einer wichtigen Besprechung hinaus zu spazieren? Das konnte sie nun wirklich nicht durchgehen lassen. „Detective Knight!“

„Es tut mir wirklich, wirklich leid, Captain.“ Nick stand bereits auf dem Flur und war dabei, die Tür wieder zu schließen. „Es ist ein Not...“ Die Tür fiel ins Schloss.

Captain Cohen blickte mit fragend gerunzelter Stirn Schanke an. „Hat er gesagt: Ein Notfall in der Familie? Welche Familie?“

Schanke zuckte mit den Achseln und nahm sich einen Becher Kaffee. „Sie kennen doch Nick.“ Er verschüttete ihn prompt, fluchte und griff nach ein paar bereit gelegten Servietten, um sich Kaffeeflecken vom Hemd zu tupfen.

„Kennt irgendwer Knight?“, murmelte Amanda Cohen, bevor sie sich Schanke und dem Rest des Teams zuwandte, das amüsiert Schankes unfreiwillige, kleine Comedy-Einlage beobachtete. „Meine Herren, wir haben auch ohne Detective Knight noch zu arbeiten. Schanke, das sind besser keine Kaffeeflecken auf meinem Lageplan...“


* * *


Fünf Minuten waren nicht besonders lange, um sein Loft zu erreichen – nicht im Caddy – also wandte sich Nick gar nicht erst in Richtung des Parkplatzes. Stattdessen trat er aus dem hell erleuchteten Eingangsbereich des Reviers und sah sich um. Als er sich versichert hatte, dass er alleine war, erhob er sich in die Luft.

Einige Minuten später landete Nicholas auf dem Dach des Gebäudes, in dem seine Wohnung lag und öffnete eine Art Dachluke, die ursprünglich als Notausgang gedacht war. Eine klapprige Eisenleiter führte nur zwei Stufen tiefer in einen niedrigen Zwischenraum, durch den sich Stromkabel wanden und in dessen Mitte wie ein heidnischer Altar der viereckige Kasten der Aufzugführung stand. Der Luftschacht der Klimaanlage klapperte in einer Ecke.

Er hielt sich hier nicht auf, sondern öffnete eine weitere Klappe, an der eine weitere Leiter befestigt war. Die Klappe fiel nach unten, in den Raum darunter und die Leiter faltete sich aus. Er kletterte hinab und stand auf der Balustrade, die den Hauptraum des Lofts an der einen Seite umrandete. Nicholas schloss den Ausgang zum Dach und spähte über die Balustrade nach unten.

Ein Fremder stand beim Kamin – in dem kein Feuer gebrannt hatte, als Nicholas bei Anbruch der Dunkelheit die Wohnung verließ – und schien in die Flammen versunken zu sein. Nicholas konnte nur sein Profil sehen. Er war dunkel gekleidet und schlank... fast zierlich, wie er dastand, die Arme auf dem Rücken verschränkt. Seine Haare sträubten sich über der Stirn, als wäre er auf dem Weg hierher in einen Sturm geraten.

Er schien Nicholas’ Anwesenheit zu spüren, denn er wirbelte auf dem Absatz herum und machte eine ironische kleine Verbeugung in Richtung des anderen Mannes.

Nicholas ging langsam die Treppe zum Hauptraum hinab. „Kann ich Ihnen helfen?“, fragte er.

Der Fremde musterte ihn. „Nicht ganz, wen ich erwartet hatte“, entgegnete er schließlich. „Aber Lucien zieht es wohl wieder mal vor, einen seiner Lakaien zu schicken.“

Nicholas ignorierte die beleidigende Bemerkung und musterte den Fremden seinerseits. Es war schwer zu schätzen, wie alt er sein mochte – dunkle Augen blickten ihn amüsiert aus einem Gesicht an, das wie glatt geschliffen wirkte. Genauso unschlüssig war sich Nicholas, ob er einem Menschen oder einem Vampir gegenüber stand. Der Mann vor ihm hatte warmes Blut und einen zwar langsamen, aber regelmäßigen Herzschlag. Gleichzeitig spürte Nicholas etwas von ihm ausgehen, das ‚Vampir’ in ihm flüsterte. War er ein zweiter Liam O'Neal – ein Mensch, der mit Vampirblut in Berührung gekommen war, ohne sich jedoch in einen Vampir zu verwandeln?

Nicholas spürte Abscheu in sich aufsteigen. War er einer von LaCroix’ Spielzeugen? Eins seiner Experimente? Der Fremde hatte von Lucien gesprochen. Das setzte eine gewisse Vertrautheit voraus. „Sie kennen LaCroix schon länger?“, fragte er, seine Stimme neutral.

Die Miene des Fremden änderte sich zu einem übertriebenen Ausdruck von Grübeln. „Hmmmh, ich glaube wir wurden einander im Jahre 1895 vorgestellt. Ich denke, es war auf einer Party und Lucien war in Begleitung einer bezaubernden jungen Dame, auf die ich ein Auge geworfen hatte.“ Er lachte leise. „Er...“

„Tesla.“ Eine dritte Stimme war plötzlich im Raum zu vernehmen und die beiden Männer am Kamin wandten den Blick nach oben zur Balustrade, wo am Anfang der Treppe LaCroix stand. „Immer noch am Leben, wie ich sehe.“

Der Fremde zuckte mit den Schultern und wandte sich LaCroix zu. „Mir gefällt dein Haustier, Lucien. Beißt er, wenn man versucht ihn zu streicheln?“

„Nicholas ist mein Sohn.“ LaCroix’ Nase kräuselte sich, als würde er etwas sehr unangenehmes riechen.

Eine Bewegung, so schnell wie ein Augenblinzeln, und der alte Vampir stand neben ihnen. Genauer gesagt, er stand zwischen Nicholas und dem Fremden, wie Nicholas auffiel.

„Natürlich. Die Familienähnlichkeit ist unverkennbar“, spottete Tesla. Er lehnte sich neben der Feuerstelle an die Kaminumrandung. „Deshalb wurde ich an diesen Ort geschickt, als ich mich nach dir erkundigt habe. Aber ich bin nicht hier, um Erinnerungen aufzufrischen, LaCroix.“

„Gut.“ LaCroix machte eine wegwerfende Geste in Richtung Tür. „Niemand hat dich eingeladen.“

„So einfach ist das nicht.“ Tesla machte keine Anstalten, sich vom Kamin weg zu bewegen. „Ich brauche Blut. Vampirblut. Sanguine Vampiris wäre mir am liebsten, aber ich würde mich auch mit der verwässerten Version dessen begnügen, was ihr in den Adern habt.“

„Ich habe keine Ahnung, um was es hier geht“, sagte Nicholas. „Aber ich sollte auf dem Revier sein. Captain Cohen ist ohnehin nicht gut auf mich zu sprechen.“

Tesla sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Ein Polizist?“ Er lachte. „Ein Vampir-Cop. Oh, das ist zu gut.“

LaCroix betrachtete ihn kalt. Und doch... wenn Nicholas es nicht besser gewusst hätte... da war eine Anspannung unter LaCroix’ äußerlicher Ruhe, die ihn zögern ließ, einfach zu gehen. Wer immer... und was auch immer... Tesla war, seine Anwesenheit beunruhigte den älteren Vampir. Und frei nach dem Motto: die Feinde meines Feindes sind meine Freunde...

„Wenn ich mich recht entsinne“, erwiderte LaCroix spöttisch – und ohne Nicholas’ Einwand irgendeine Beachtung zu schenken – „...habe ich dieses Ansinnen schon vor gut einhundert Jahren abgelehnt.“

Tesla zuckte mit den Schultern. „Damals wollte ich es nur für mich selbst“, meinte er abschätzend. „Doch jetzt plane ich etwas viel größeres. Die Wiederauferstehung der Rasse Sanguine Vampiris.“

LaCroix starrte ihn mit misstrauisch zusammengekniffenen Augen an. „Die Ancient sind längst tot. Ausgerottet von den gleichen Menschen, denen sie zu einer höheren Entwicklungsstufe verhelfen wollten.“

Nicholas hatte keine Ahnung, von was die beiden sprachen. Es war nicht so, als wäre er in der Geschichte der Vampire unterrichtet worden. LaCroix hielt es mit einer strikten Need-to-Know-Reglementierung – sprich: Nicholas erfuhr, was er wissen musste, wann und in welcher Form es LaCroix für notwendig erachtete. Das war schon so gewesen, bevor er sich von diesem Leben abwandte und versuchte, seine Menschlichkeit wieder zu finden.

Tesla hob wieder die Schultern. „Nun, dummerweise sahen die Menschen es als Versklavung an. Sie töteten die Sanguine Vampiris und übrig blieben halbblütige Geschöpfe wie du und ich.“

Eine Sekunde später fand sich Tesla gegen die Kaminbrüstung gepresst wieder, seine Füße fast einen halben Meter in der Luft. LaCroix schüttelte ihn wie einen ungehorsamen Welpen, schleuderte ihn dann weg. Tesla landete an der Wand unterhalb des Fensters.

„Vergleiche mich nie wieder mit dir, Tesla“, zischte LaCroix aufgebracht. Seine Augen glühten auf und Nicholas konnte die Spitzen seiner Fänge sehen. „Ich stamme in direkter Linie von einem Ancient ab. Du bist ein Mensch, der ein paar Tropfen angemodertes Vampirblut in den Adern hat.“

Tesla hob den Kopf und Nicholas sah, dass sich sein Gesicht verzogen hatte, wie eine Maske aussah, in der große, schwarze, pupillenlose Augen dominierten. Seine Finger hatten sich in spitze Klauen verwandelt. Ein paar Sekunden später sah er wieder aus wie der Mann, den Nicholas am Kamin hatte stehen sehen, als er die Wohnung betrat.

„Du bist nicht so verdammt viel besser als ich“, sagte Tesla, als er aufstand und sich Staub von der Jacke wischte. „Und ich muss die Sonne nicht fürchten.“

Nicholas sah interessiert auf. „Stimmt das?“, fragte er. Seit seiner Erfahrung mit der Droge, die es ihm ermöglicht hatte, einen ganzen Tag in der Sonne zu verbringen, war dies ein sehr wunder Punkt.

Tesla ignorierte ihn. „Ich hätte keine sechzig Jahre in den rattenverseuchten Labyrinthen von Bhalasaam verbracht, wenn ich nicht sicher gewesen wäre, dass es möglich ist, die Vampire erneut zu ihrer früheren Glorie zu erwecken. Aber ich brauche dazu Blut. Das Blut eines Vampirs der alten Linie. Meines ist nicht potent genug.“ Er machte eine wegwerfende Geste. „So angenehm es auch ist, Halb-Vampire zu schaffen, die jedem meiner Befehle gehorchen – es verliert an Reiz, nachdem sie zum wiederholten Male gegen die Mauer gelaufen sind, weil sie die Tür nicht finden konnten. Sie können nicht eigenständig denken.“

Nicholas sah LaCroix an. „Er ‚macht’ Vampire?“, fragte er mit belegter Stimme.

„Nein, das macht er nicht“, entgegnete LaCroix ohne den Blick von Tesla abzuwenden. „Er produziert geistlose Geschöpfe, die mit ihrem ziellosen Töten die Aufmerksamkeit auf uns ziehen, bis sich die Menschen ein zweites Mal gegen uns erheben. Menschen bedeuten mir nichts, aber ich habe bereits zu viele Jahrhunderte damit verbracht, von ihnen gejagt zu werden. Ich bin es leid.“

„So kann man es nicht nennen“, protestierte Tesla milde und rückte seinen Kragen zurecht. „Sie sind nicht geistlos. Sie sind nur nicht... intelligent. Ich bin überzeugt, die Qualität ließe sich mit einem kleinen Schuss reinerem Blut sehr steigern.“

„Wieso hier, Tesla? Wieso hast du mich gesucht?“, fragte LaCroix abrupt.

Tesla lächelte. „Oh, ich hatte eine nette, kleine Unterhaltung mit einem Cabal-Agenten. Sie halten gerne ein Auge auf die abnormalen Bevölkerungsgruppen. Er hat mir von der Vampir-Gemeinschaft in Toronto berichtet.“ Er hob die Augenbrauen und setzte eine Miene übertriebenen Erstaunens auf. „Da fällt mir ein, dass ich ihn getötet habe, bevor er seinem Hauptquartier von euch berichten konnte. Ich könnte direkt auf etwas Dankbarkeit hoffen, nicht wahr?“

LaCroix schüttelte den Kopf. „Ich habe in der Vergangenheit den Weg von Cabal-Mitgliedern gekreuzt – lange bevor sie sich vor den Augen der Öffentlichkeit verbergen mussten – sie sind keine Bedrohung für uns.“

„Die Cabal sind heute mächtiger als sie es jemals waren. Und sie haben Zugang zu Technologien und Waffen, von denen man nicht mal träumen kann. Sie fangen Abnormale, stecken sie in ihre Labore und wenn sie auch das letzte Geheimnis aus ihnen herausgekitzelt haben und jede Fähigkeit dokumentiert und kopiert ist, dann töten sie sie. Die Cabal lassen sich nicht von einem Vampir beeindrucken, der jeden kleinen Sonnenstrahl und Kreuze fürchten muss, egal wie lange du schon lebst, LaCroix. Vermutlich würden sie sich nicht einmal die Mühe machen, euch zu studieren, sondern gleich wie Ungeziefer ausrotten.“ Teslas Stimme hatte sich von Satz zu Satz erhoben, bis die Worte nur so aus ihm heraussprudelten. Er hob die rechte Hand hoch, die Finger abgespreizt und plötzlich erfüllte ein elektrisches Knistern die Stille, die seinen Worten gefolgt war. Kleine, blass-blaue Blitze tanzten zwischen seinen Fingerspitzen.

Tesla folgte Nicholas’ Blick zu seiner Hand und seine Miene glättete sich. Er lächelte und ließ die Hand sinken, nachdem er sie kurz zur Faust geballt hatte. „Verzeihung. Mir... brennt leicht mal eine Sicherung durch.“ Er lachte über seinen eigenen Scherz, wurde dann abrupt wieder ernst. „Und jetzt sollten wir endlich zum Geschäftlichen kommen. Ich werde Toronto nicht ohne Vampirblut verlassen. Nicht ohne dein Blut, LaCroix. Egal in welcher Form ich es bekomme. Wenn ich dir dazu den Kopf abschneiden muss, meinetwegen. Es wäre zwar bedauerlich, einen der letzten Nachkommen der Alten zu töten, aber wenn es sein muss, um ihre Wiederkehr zu ermöglichen, sei’s drum.“

„Du bekommst keinen Tropfen.“ LaCroix war völlig unbeeindruckt von Teslas Drohung.

Tesla grinste. „Oh, das erinnert mich wirklich an gute, alte Zeiten“, murmelte er und hob die Hände, die Handflächen nach oben gedreht. Über jeder davon tanzte ein kleiner, flirrender, grell blauer Ball konzentrierter Elektrizität.

Nicholas griff nach seiner Dienstwaffe, doch LaCroix schob seine Hand weg und deutete dann zur Treppe. „Du hältst dich da raus“, sagte er.

Wie zuvor im Revier, bewegten sich Nicholas’ Füße ganz aus eigenem Antrieb und er ging die Treppe hoch, wo er von der Balustrade auf die beiden hinunter sah.

„Sieh’ ihn dir gut an, Nicholas“, spottete LaCroix. „Das ist das wahre Bild der Menschlichkeit, nach der du so strebst. Uns wirft man Gier und Grausamkeit vor? Tesla ist das beste Beispiel dafür, warum die Alten die Menschen früherer Generationen leiteten und führten. Aber die Dummheit von Menschen kennt ebenso wenig Grenzen wie ihre Gier und ihre Grausamkeit. Sie töteten die Ancient und stürzten die Welt in ein dunkles Zeitalter. Sie verloren all’ das, was sie so sehr besitzen wollten. All’ die Geheimnisse und die Technologie der Alten. Eine ganze Kultur wurde ausgelöscht und aus der Historie gebrannt.“

„Moralische Reden von einem Vampir, der tötet, wann immer es ihm gefällt.“ Tesla schüttelte spottend den Kopf. „Man kann nie zu alt werden, um nicht noch etwas Neues zu lernen.“ Er hob die rechte Hand und der blaue Ball tanzte über seiner Handfläche wie auf der Oberfläche eines Sees. „Willst du dich wirklich mit mir anlegen? Das letzte Mal hat dich die Elektrizität gelähmt. Ich kann es jetzt wieder tun und mir so viel von deinem Blut holen, wie es mir beliebt.“

„Dazu wird es nicht kommen.“ Noch bevor LaCroix das letzte Wort ausgesprochen hatte, war er verschwunden – nur um sich Sekundenbruchteile später hinter Tesla wieder zu materialisieren. Er legte beide Hände um den Kopf des anderen Mannes und drehte ihn ruckartig zur Seite. Ein trockenes Knacken war zu hören, als Teslas Genick brach und er leblos zu Boden sackte.

LaCroix stieß ihn mit dem Fuß an und wischte sich dann die Hände ab. Einen Moment später stand er neben Nicholas auf der Balustrade, lehnte mit dem Rücken zum Raum gegen das Geländer.

„Du hast ihn getötet“, sagte Nicholas tonlos.

„Wesentlich schneller und schmerzloser als dieser Wahnsinnige es verdient hat.“ LaCroix verschränkte die Arme vor der Brust. „Nicholas, du bist ja tatsächlich über diesen kleinen Vorfall aufgebracht“, fuhr er spöttisch fort. „Man könnte denken, das war das erste Mal, dass du gesehen hast, wie ein Mann gestorben ist.“

„Er ist nicht einfach gestorben, du hast ihn umgebracht.“ Nicholas wandte sich ihm zu. „Ich bin Polizist. Wie soll ich eine Leiche in meinem Wohnzimmer erklären?“

„Ich kümmere mich darum. Du kannst wieder in dein Revier zurückgehen und deinen Captain besänftigen“, meinte LaCroix wegwerfend.

„Wieso hast du mich überhaupt hergeholt? Du hast doch nicht die Absicht, mir auch nur ein Wort von dem zu erklären, was er gesagt hat, oder?“

„Du, mein Junge, hast mehr als einmal deutlich gemacht, dass du es bevorzugst, ein Mensch zu sein. Was also interessieren dich die Angelegenheiten von Vampiren.“ LaCroix sah ihn an.

„Ich bin...“ Nicholas unterbrach sich. Er hatte den Blick wieder nach unten in den Wohnbereich schweifen lassen – und konnte Tesla nirgends entdecken. „Wo ist er hin?“

LaCroix warf einen uninteressierten Blick über die Schulter. „Problem gelöst.“

„Heißt das, er ist nicht tot?“, fragte Nicholas.

„Ein Teil von ihm ist Vampir und wurde aus dem Blut eines Ancient geschaffen. Und wir sind schwer zu töten, wie du dich erinnerst.“ Er lächelte sein dünnlippiges Lächeln – und löste sich dann scheinbar in Luft auf.

Nicholas blieb allein in der nun leeren Wohnung – allein mit seinen Gedanken. Bis das Telefon zu klingeln begann und Captain Cohens Stimme über den Lautsprecher des Anrufbeantworters kam, um ihn in die Realität zurück zu holen.


* * *


In einiger Entfernung zur Wohnung betastete Nikola Tesla seinen Nacken und seufzte leise, als es knackte und knirschte, während er den Kopf drehte. Kein Grund zur Sorge. Und kein Grund, länger in Toronto zu bleiben. Vielleicht hatte er in Old City mehr Glück...


Ende