Titel: Ein gewöhnlicher Morgen
Autor: Lady Charena
Fandom: Fringe
Episode: --
Pairing: --
Charaktere: Peter und Walter Bishop, Olivia, Astrid
Rating: gen, pg
Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Peter gerät mit seinem Vater in die Haare und Olivia versucht zu schlichten.

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.



Das erste, was Olivia auffiel, als sie das Labor betrat, war Astrid, die mit mehr Nachdruck als erforderlich auf die Tastatur ihres Computers einhämmerte. „Guten Morgen, Astrid. Ist alles in Ordnung?“

„Guten Morgen“, erwiderte die junge Agentin ohne aufzusehen. Sie strich eine Haarsträhne aus dem Gesicht zurück. „Walter hat Ausschlag.“

„Walter hat Ausschlag“, wiederholte Olivia trocken. Wenn dies heute ihr größtes Problem blieb… „Hat er wieder seine eigenen Medikamente zusammengemischt und die falschen Zutaten erwischt?“

„Ich habe nicht die geringste Ahnung.“ Astrid starrte verbissen auf den Bildschirm, über den Zahlenkolumnen liefen. „Als ich vorhin angekommen bin, hatten sie sich deshalb bereits in den Haaren.“

„Okay. Ich werde sehen, ob ich helfen kann. Danke, Astrid.“ Olivia gewöhnte sich langsam daran, zusammen mit Astrid gelegentlich den Blitzableiter zu spielen, wenn Vater und Sohn Bishop in eines ihrer endlosen Streitgespräche abglitten. Sie war noch nie so dickköpfigen Menschen wie den beiden begegnet. Wenn man sie zanken hörte, sollte man nicht glauben, dass sie es mit zwei Genies zu tun hatte. Aber vielleicht war an diesem alten Sprichwort von Genie und Wahnsinn tatsächlich etwas dran… Seit sie es mit den Bishops zu tun hatte, glaubte sie auf jeden Fall daran.

„Olivia!“ Peter winkte sie her, sobald er sie erblickte.

Vater und Sohn standen in der Ecke des Labors, in der Walter die Kuh untergebracht hatte. Und offenbar war er gerade damit beschäftigt, sie zu melken, während Peter gegen die Wand lehnte und ihn beobachtete, die Arme vor der Brust verschränkt.

„Gut, dass Sie da sind“, sagte er. „Vielleicht bringen Sie diesen Sturkopf zur Vernunft.“

„Ah, meine Liebe. Guten Morgen, Olivia.“ Walter wandte sich ihr zu und hielt den Eimer hoch. „Wie wäre es mit etwas frischer Milch? Gerade bei Frauen in Ihrem Alter ist es wichtig, genug Kalzium…“

„Walter!“, unterbrach ihn Peter ungeduldig. Er hasste es, wenn sein Vater abschweifte. „Ich bin sicher, sie ist nicht hier, um zu frühstücken, sondern weil es Arbeit für uns gibt.“

„Eigentlich nicht.“ Olivia lehnte sich an die gegenüberlegende Wand, die Hände hinter dem Rücken, um ihre Jacke nicht zu beschmutzen. „Astrid sagte etwas von einem Ausschlag. Ist alles in Ordnung, Dr. Bishop?“

Peters Gesicht verdunkelte sich. „Ich denke, er hat eine allergische Reaktion auf etwas, dass er gegessen hat. Ganz simpel. Aber mein Vater zieht es vor, sich wie ein Dreijähriger zu benehmen, der etwas Verbotenes genascht hat, anstatt mir zu sagen, was es war.“

Walter widmete sich wieder der Kuh. „Ich habe es vergessen.“ Er nahm jedoch das Melken nicht erneut auf. Stattdessen schien er das Fleckmuster ihres Felles mit den Händen abzumessen. „Wusstet ihr, dass Holsteiner…“

„Du wirst dich doch erinnern, was du in den letzten beiden Stunden gegessen hast“, unterbrach ihn Peter ungehalten. „Wir haben zusammen im Hotel gefrühstückt. Da war nichts dabei, was du nicht schon oft gegessen hast.“

Walter runzelte die Stirn, zuckte dann mit den Schultern. „Ich erinnere mich nicht.“

Olivia wählte einen praktischeren Ansatz zur Problemlösung als sich auf Walter Bishops mysteriöses Erinnerungsvermögen zu verlassen. Sie kontrollierte die Mülleimer des Labors und fand in einem davon einen Becher mit dem Aufdruck einer beliebten Milchbar, die sich auf dem Campus befand. Offenbar hielt sich Walter nicht nur an seine eigene Milchlieferantin. „Vielleicht hilft das Ihrem Gedächtnis auf die Sprünge.“ Sie hielte den Becher hoch.

Das Gesicht des Wissenschaftlers hellte sich auf. „Olivia, Sie sind eine wirklich gute Agentin. Natürlich, ich habe einen Milchshake getrunken. So etwas gab es in St. Claire's nicht und ich…“

Sie beobachtete, wie Peter ärgerlich die Lippen zusammenpresste. Er tat das immer, wenn Walter die Anstalt erwähnte und noch war sie sich nicht ganz im Klaren, woran das lag – Schuldgefühle? In den vergangenen Monaten war es zu einer zaghaften Annäherung zwischen Vater und Sohn gekommen, oft von stürmischen Ausbrüchen und unvermeidlichen Rückschlägen begleitet. Siebzehn Jahre ließen sich nicht so einfach wegwischen, ganz zu schweigen von den Einblicken in ihre Vergangenheit, die sie ihr größtenteils vorenthielten.

„Was war in dem Milchshake?“, wollte Peter wissen. „Und woher hast du ihn überhaupt? Hat Astrid ihn dir mitgebracht?“

„Nein.“ Walter klapperte mit dem Henkel des Milcheimers und schien zu beobachten, wie die Kuh darauf reagierte. „Ich habe einem der Studenten da draußen 20 Dollar gegeben, damit er mir einen besorgt.“

Peter massierte seinen Nasenrücken und sagte sarkastisch: „Okay, aber mach‘ so etwas nie wieder, verstanden?“

„Himbeeren“, kam es von Walter plötzlich. Über seinem Kopf leuchtete förmlich ein „Heureka“-Schild auf. „Es war ein Himbeer-Milchshake. Ich glaube, ich erinnere mich, dass ich gegen Himbeeren allergisch bin.“

„Das bist du nicht“, erwiderte Peter automatisch, aber mit Bestimmtheit. „Ich kenne deine medizinische Akte auswendig.“

Walter lächelte und nickte. „Den existierenden Teil zumindest, ja.“

„Was soll das nun wieder heißen?“, fragte Peter misstrauisch.

„Das soll heißen, dass ich nicht dein Sohn bin, sondern du meiner und ich dir deshalb nicht alles sagen muss“, konterte Walter.

„Du musst mir alles sagen, nicht weil ich dein Sohn bin, sondern weil du von einem Gericht als geistig unzurechnungsfähig befunden wurdest.“

„Bitte nicht streiten“, mischte sich Olivia ein, bevor das ganze erneut eskalierte. „Geht es ihm gut?“ Sie wandte sich mit dieser Frage an Peter, sah aber aus den Augenwinkeln, wie Walter die Augenbrauen hochzog.

„Es sollte, wenn er sich von Himbeeren und LSD fernhält“, entgegnete Peter. „Ich hatte heute morgen nicht annähernd genug Kaffee für so etwas“, murmelte er und rieb sich das Gesicht.

„Ich habe einmal daran gearbeitet… an einem Projekt… um Karotten mit Koffeingehalt zu züchten. Um unsere Unabhängigkeit von Kaffeeproduzierenden Nationen zu sichern. Karotten wachsen überall“, sinnierte Walter. „Ich frage mich, welche Auswirkungen das auf Kaninchen hätte…“ Er stand so abrupt auf, dass der Milcheimer umfiel und trat zu einem der Aktenschränke. „Ich bin sicher, die Unterlagen sind hier noch irgendwo.“

„Darf ich Sie zu einem karottenfreien Kaffee einladen, während mein Vater hier verrückter Wissenschaftler spielt?“, wandte sich Peter an Olivia.

„Gerne.“ Olivia folgte ihm zur Tür. Ein ganz gewöhnlicher Morgen im Büro des Doktor Walter Bishop…

Ende

Mein erster und sehr wahrscheinlich letzter Versuch in diesem Fandom