Titel: Kleine Opfer erhalten die Freundschaft

Autor: Lady Charena
Fandom: Bewegte Männer

Paarung: Axel, Norbert
Rating: Humor, gen

Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe/Hintergrund: Norbert überredet Axel, ihn auf eine Cocktailparty eines Auftraggebers zu begleiten. Und zwar unter der Vorgabe, sein Liebhaber zu sein.

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.

 

 

„Ja. Klar. Aber natürlich habe ich Zeit. Nein, ich komme gerne. Ich soll was? Mitbringen... nein, kein Problem. Ich bringe ihn mit, sicher. Ja. Heute Abend um Acht. Ich freue mich. Auf Wiedersehen.“ Norbert beendete das Gespräch und ließ sich seufzend aufs Sofa sacken. Er vergrub das Gesicht in den Händen.

 

„Was ist los?“, fragte Axel, der aus der Küche kam. „Sag’ nicht, Waltraud will wieder bei uns einziehen.“

 

„Nein.“ Norbert fuhr sich durch die Haare. „Diesmal ist es wirklich schlimm.“

 

„Okay, dann erzähl es mir bloß nicht.“ Axel griff nach der Fernbedienung.

 

Norbert nahm sie ihm aus der Hand. „Hör’ mal, du musst mir unbedingt helfen.“

 

„Sorry, aber ich habe kein Geld. Mein Kontostand küsst gerade mal wieder den Gehsteig.“ Axel grabschte nach der Fernbedienung, doch Norbert hielt sie außer Reichweite.

 

„Ich will kein Geld von dir, du musst mir nur einen Gefallen tun. Bitte, Axel.“

 

Axel sah ihn misstrauisch an. „Einen Gefallen?“

 

„Ja.“ Norbert seufzte. „Ich hätte nie gedacht, dass ich das einmal sagen würde: Geh’ mit mir auf eine Party.“

 

„Auf eine Party?“ Axels Miene heiterte sich beträchtlich auf und er schlug Norbert auf die Schulter. „Hey, da bist du bei mir genau beim Richtigen. Ich bin der Party-Man. Haltet die Hühner fest, denn wenn ich komme, schmelzen die Frauen dahin.“

 

„Das ist nicht so eine Art von Party, Axel“, wandte Norbert ein. „Eher... ein geschäftlicher Anlass. Einer meiner Auftraggeber gibt einen Cocktailempfang.“ Er sah, wie Axel das Gesicht verzog und sprach rasch weiter. „Es ist wirklich ausgesprochen wichtig, dass ich da auftauche. Ich brauche im Moment jeden Auftrag. Schließlich kostet so ein Kind Geld.“

 

„Du meinst wohl eher seine Mutter.“

 

Norbert winkte ab. „Auf jeden Fall kann ich es mir nicht leisten, da nicht hinzugehen.“

 

„Na dann geh halt.“ Axel blickte ihn verständnislos an. „Wozu brauchst du mich?“

 

Wieder seufzte Norbert. „Weil er mich ausdrücklich mit Begleiter eingeladen hat. Siehst du, der Mann ist selbst schwul und irgendwie... also irgendwie denkt er wohl, ich lebe in einer festen Beziehung. Mit dir.“

 

„Mit mir?“, wiederholte Axel fassungslos. „Wie kommt der denn auf so eine bescheuerte Idee?“

 

Norbert zuckte mit den Achseln. „Wir haben wohl mal im Rosenberg einen Auftrag bei einem Kaffee besprochen und irgendwie... habe ich wohl von dir erzählt... und er glaubte dann...“, druckste er herum.

 

„Du bist doch wohl bescheuert. Du glaubst doch nicht im Ernst, dass ich da mit gehe.“ Axel verschränkte die Arme vor der Brust. „Such’ dir doch einen anderen Idioten.“

 

„Das geht nicht. Er weiß doch, wie du aussiehst.“

 

„Was?“ Axel starrte ihn an.

 

Norbert verspürte den dringenden Wunsch, in der Sofaritze zu verschwinden. „Ich hab dich ihm gezeigt. Und wenn ich jetzt mit einem anderen Kerl da auftauche... Das ist ein ziemlich altmodischer Typ, hält viel von Treue und so.“

 

„Dann erzähl’ ihm doch irgendwas, sag’ ich hätte dich verlassen oder sonst was. Dir ist ja vorher auch was eingefallen!“, entgegnete Axel sauer.

 

„Bitte, Axel. Das ist wirklich enorm wichtig für mich. Ich brauche die Aufträge“, flehte Norbert. „Wir bleiben nicht lange. Nur eine halbe Stunde, nicht länger. Kommen, sagen Hallo, trinken einen Cocktail und verschwinden wieder. Du wirst praktisch kaum bemerken, dass du überhaupt dort warst.“

 

„Dann behaupte doch einfach, ich hätte keine Zeit. Oder ich wäre krank. Oder noch besser – sag’ ich bin tot.“ Axel tigerte gereizt vor dem Sofa auf und ab. „Frag’ doch irgendjemand anderes. Frank zum Beispiel.“

 

Norbert schüttelte den Kopf. „Nie. Waltraud würde mich umbringen, wenn ich auch nur den Vorschlag mache. Sie ist immer noch auf diesem Eifersuchts-Trip. Neulich hat sie einen von Franks Kollegen angefaucht, als der Frank auf die Schulter klopfte. Nein, unmöglich.“

 

Axel wischte das Argument mit einer Handbewegung weg. „Dann frag’ doch Waltraud. Sie ist doch ganz verrückt nach Partys. Ich wette, es gefällt ihr.“

 

„Eher bringe ich mich um“, erwiderte Norbert heftig. „Du musst mir einfach helfen. Wenn ich keine Aufträge mehr bekomme, dann kann ich mir diese Wohnung nicht länger leisten. Nicht mit dem Unterhalt für Marlon. Und dann sitzt du ganz schnell mit mir auf der Straße, anstatt vor dem Fernseher.“

 

Axel stoppte. Das war allerdings ein Argument, dem er nichts entgegen zu setzen hatte. „Ähem... wann sagtest du, fängt das an...?“

 

* * *

 

„Ich hatte dich gebeten, dich nett anzuziehen“, zischte Norbert, als sie in den Aufzug stiegen.

 

„Na und?“ Axel blickte zufrieden an sich herunter. Saubere Jeans, ein fast nagelneues T-Shirt und ein fast frischgewaschenes Hemd. Was gab es daran auszusetzen? „Ist das vielleicht nicht okay?“

 

„Für ‚Rock im Park’ schon“, gab Norbert bissig zurück. „Aber ein Anzug hätte nicht geschadet.“ Wieso hatte er nicht darauf bestanden, dass sie sich vorher trafen und gemeinsam hinfuhren. Aber Axel hatte behauptet, vorher noch was dringendes erledigen zu müssen und so hatten sie ausgemacht, sich vor dem Haus zu treffen, in dem der Cocktailempfang stattfand. „Du musst natürlich in einem dieser geschmacklosen, bunten Hemden auftauchen. Und mit Kaffeeflecken auf dem T-Shirt.“

 

„Jetzt hab’ dich mal nicht so“, erwiderte Axel. „Ich kann auch wieder gehen.“

 

„Das wird das beste sein“, gab Norbert zurück. „Ich muss verrückt gewesen sein, dich mitzunehmen. Das wird die größte Blamage meines Lebens.“ Doch in dem Moment glitten die Lifttüren auf und sie standen direkt im Penthouse – nicht auf einem Flur, wo niemand bemerkt hätte, wenn sie einfach wieder gingen – denn nun richteten sich alle Augen auf die beiden Neuankömmlinge. Offensichtlich waren Norberts letzte Worte gerade während einer dieser gelegentlichen Gesprächspausen erklungen, denn es schien ihm, als hätten alle ihn gehört.

 

Ein Mann löste sich von einer Gruppe und kam auf sie zu, um zuerst Norbert, dann Axel die Hand zu schütteln. „Norbert, wie schön, dass Sie kommen konnten. Und noch mehr freut es mich, Ihren Lebensgefährten endlich persönlich kennen zu lernen.“ Er musterte Axel von Kopf bis Fuß. „Erfrischend unkonventionell, Ihr Kleidungsstil gefällt mir, diese Empfänge können entsetzlich steif und langweilig sein. Aber sie sind gut für’s Geschäft. Norbert hat mir fast überhaupt nichts von Ihnen erzählt. Nennen Sie mich einfach Erik. Kommen Sie mit, wir holen uns etwas zu trinken und dann erzählen Sie mir, wo und wie Sie sich begegnet sind. “

 

Axel blickte Norbert hilflos an, als er sich von Erik Richtung Bar entführt sah. Norbert zuckte ebenso hilflos mit den Schultern, denn praktisch im gleichen Moment nahm ihn ein anderer Gast in Beschlag, mit dem er in der Vergangenheit schon einmal zusammengearbeitet hatte. Ihm graute davor, was Axel alles erzählen mochte.

 

Ein paar Minuten später schaffte Norbert es, sich frei zu machen und ging auf die Suche nach Axel und seinem Auftraggeber. Er entdeckte die beiden und durchquerte hastig dem Raum. Als er zu ihnen trat, hörte er gerade noch Axel: „Ja, in einem mexikanischen Restaurant. Wir hatten beide einen Manhatten bestellt. Und als der erste kam, griffen wir gleichzeitig danach.“ Axel machte eine gezierte Bewegung mit dem Arm. „Na und was soll ich sagen. Unsere Hände berührten sich...“

 

„Das war ja sehr romantisch“, erwiderte Erik. „Ah, Norbert. Schön, dass Sie sich zu uns gesellen. Ihr Freund erzählt mir gerade, wie Sie sich kennen gelernt haben.“

 

„Ja, es war einer dieser unvergesslichen Momente, in denen man das Gefühl hat, die Zeit bleibt stehen“, setzte Axel hinzu.

 

„Kommt mir jetzt genauso vor“, murmelte Norbert.

 

Axel blickte ihn beleidigt an. „Fängst du schon wieder an, an mir herum zu nörgeln?“, fragte er spitz. „Dann kann ich auch einfach gehen. Ich finde schon ein Taxi.“

 

„Nein.“ Norbert quälte sich ein Lächeln ab. „Nein. War nicht so gemeint. Es tut mir leid.“

 

„Tut mir leid, was?“, gab Axel zurück.

 

„Tut mir leid, Schatz.“ Norbert wäre am liebsten im nächsten Mauseloch verschwunden.

 

„So was kommt unter jungen Leuten schon mal vor. Erzählen Sie weiter, Axel“, forderte Erik sie auf.

 

„Na ja, wir saßen also so zusammen und unsere Hände streiften sich. Und unterhielten uns. Und Norbert war so nervös, dass er sich den Manhatten über sein schrecklich langweiliges Hemd schüttete. Na auf jeden Fall nahm ich ihn mit zu mir, um sein Hemd zu waschen – und Abrakadabra, Hokuspokus – hier sind wir.“

 

Norbert nahm Axels Glas und leerte es auf einen Zug.

 

„Das ist wirklich eine entzückende Geschichte“, freute sich Norberts Brötchengeber. „Warum haben Sie mir das eigentlich nie erzählt, Norbert.“

 

„Oh... ja... ich bin auch immer wieder... ganz gerührt“, murmelte Norbert und schoss Axel einen giftigen Blick zu.

 

„Ah, da ist jemand, dem ich Sie unbedingt vorstellen möchte. Nicht weglaufen, ihr beiden Süßen.“

 

„Aber auf keinen Fall, Herzchen“, flötete Axel.

 

Kaum waren sie allein, wandte sich Norbert Axel zu. „Du musst dich ein bisschen zusammenreißen“, flüsterte er. „Wie kommst du nur auf so einen Kitsch? Liest du heimlich Doros Frauenzeitschriften? Außerdem trinkt man in mexikanischen Restaurants ja wohl eher Margeritas.“

 

„Klingt doch fast ähnlich.“ Axel zuckte mit den Schultern. „Leier’ du dir mal auf die Schnelle so was aus dem Ärmel. Warum hast du mich nicht vorgewarnt? Und er hat’s doch wohl geschluckt.“

 

„Halt dich um Himmels Willen ein bisschen mehr zurück, Axel“, flüsterte Norbert. „Du benimmst dich ja wie ein schwuler Alleinunterhalter in einer Sitcom.“

 

„Hey, ein bisschen mehr Dankbarkeit könnte schon drin sein“, gab Axel wütend zurück. „Immerhin rette ich hier gerade deinen Arsch.“

 

„Mach’ so weiter und hier wird sich bald jemand mehr für deinen Arsch interessieren.“ Norbert setzte ein freundliches Lächeln auf, als ihr Gastgeber mit einer Frau zu ihnen trat.

 

„Darf ich euch eine liebe Freundin vorstellen?“, sagte er. „Norbert, Axel - das ist Rita, meine Ex-Frau, die mir alles verzeiht und so viel Geduld mit mir hatte.“

 

„Freut mich sehr.“ Axels Blick fiel sofort auf... oder genauer gesagt in... das üppige Dekollete der attraktiven, jungen Frau.

 

„Oh, ich wusste gar nicht, dass Sie einmal verheiratet waren“, erwiderte Norbert und gab Axel einen Stoß in die Rippen.

 

„Ja, das war bevor ich meine wahren Neigungen entdeckt habe.“

 

Rita lachte. „Aber nicht, bevor du meinen Cousin entdeckt hast.“

 

„Also ich kann durchaus verstehen, dass Sie es mit der Ehe versucht haben, Erik.“ Axel strahlte Rita an. „Sie sind ja wirklich eine atemberaubende Schönheit.“

 

Rita lächelte zurück. „Oh, danke. Wirklich nett von Ihnen.“ Sie strich sich das Haar aus dem Gesicht. „Wie schade, dass die Besten immer verheiratet oder schwul sind.“

 

Ihr Ex-Mann legte lächelnd den Arm um ihre Taille. „Gib’ dir keine Mühe, Rita – die beiden sind fest zusammen.“

 

Axel schnitt eine Grimasse. Rita zwinkerte ihm zu.

 

* * *

 

Norbert knallte die Tür zum „Rosenberg“ zu – direkt vor Axels Nase. Der folgte ihm und blickte seinen Mitbewohner an, der sich an die Theke setzte. „Sag’ mal spinnst du? Was ist denn auf einmal los mit dir?“, fragte er verständnislos.

 

„Wenn dir das nicht klar ist, brauchen wir schon gar nicht drüber zu reden“, gab Norbert säuerlich zurück.

 

Doro kam aus der Küche und musterte die beiden interessiert. „Streitet ihr?“

 

Beide ignorierten sie. „Schön, dann sag’s mir“, erwiderte Axel aufgebracht. „Was ist dir jetzt schon wieder nicht recht?“

 

„Du hast mich die ganze Zeit über kaum beachtet! Ich stehe wie ein Idiot allein auf dieser Party herum, während du nichts besseres zu tun hast, als dich zu amüsieren.“ Norbert wandte sich an Doro. „Gib mir irgendwas, mit dem ich mich vergiften kann.“

 

„Was machst du mich jetzt so an, heh?“, erwiderte Axel. „Du tust ja gerade so, als hätten wir ein echtes Date gehabt.“

 

„Darum geht’s doch gar nicht. Während ich mich in die Geheimnisse des Partner-Tarots einweihen lassen musste, hast du dich die ganze Zeit über mit dieser Rita amüsiert!“

 

„Ich war doch bloß höflich“, verteidigte sich Axel.

 

„Ich habe genau gesehen, wie du sie angestarrt hast!“

 

Doro stellte ein Glas vor Norbert und stemmte die Hände in die Hüften. Das klang ja alles sehr interessant.

 

„Ich werde doch wohl noch kucken dürfen“, ereiferte sich Axel.

 

„Nicht wenn du mit mir zusammen bist“, erwiderte Norbert trotzig.

 

„Sag’ mal, wie viele von diesen widerlichen Apfeltinis hast du getrunken, Norbert?“

 

„Das spielt hier ja wohl keine Rolle. Wir reden über dein Benehmen. Du hast sie angebaggert. Es wundert mich, dass du sie nicht mit zu uns gebracht hast. Oder taucht sie vielleicht noch auf? Habt ihr euch für später verabredet?“ Norbert nippte an seinem Glas und schnappte nach Luft.

 

„Schon vergessen dass sie denkt ich würde das Bettchen mit dir teilen?“, gab Axel wütend zurück.

 

„Du kannst dich ja als hetero outen“, gab Norbert giftig zurück.

 

„Hey, das ist gar keine schlechte Idee. Ich werde ihr sagen, dass sie mich bekehrt hat.“ Axel rieb sich das Kinn. „Da stehen manche Weiber doch tierisch drauf.“ Er ignorierte Doros verblüfften Gesichtsausdruck.

 

„Na worauf wartest du dann doch?“, fragte Norbert entrüstet. „Wenn du gehen willst, dann geh’ doch. Ich halte dich nicht zurück.“

 

„Doro, gib’ ihm irgendwas zu essen. Toast oder Waffeln, irgendwas das den Alkohol aufsaugt“, sagte Axel.

 

„Schieb’s jetzt bloß nicht auf den Alkohol“, erwiderte Norbert. „Wir reden hier über dich und dein unmögliches Verhalten! Was ist, wenn sie ihrem Ex-Mann davon erzählt? Dann bin ich meine Aufträge trotzdem los.“

 

„Ich weiß, was ich tue. Sie hat gesagt, sie geht morgen shoppen. Ich begleite sie einfach und sage, ich wäre bisexuell. Und dann mache ich mich an sie ran.“

 

„Du betrügst mich“, murmelte Norbert mit schwerer Zunge.

 

„Das ist kein Betrug“, gab Axel indigniert zurück.

 

„Und wieso nicht?“

 

„Weil ich nicht schwul bin und wir kein Paar sind!“, rief Axel.

 

„Und wie willst du dann bi sein?“

 

Axel holte tief Luft, öffnete den Mund – und schloss ihn dann wieder. „Du solltest wirklich nichts trinken, Norbert.“ Er wandte sich ab und verließ das Rosenberg.

 

Norbert sah auf und begegnete Doros Blick. „Willst du nicht wissen, was los ist?“

 

Doro schüttelte den Kopf. „Ich frage lieber nicht.“

 

* * *

 

Norbert kam gerade vom Einkaufen zurück. Noch während er versuchte, die Tür aufzusperren, wurde diese geöffnet. Axel zerrte ihn in die Wohnung. „Ich dachte schon, du kommst gar nicht mehr. Ich muss mit dir reden.“

 

„Jetzt nicht“, wehrte Norbert ab und ließ die Tüten fallen. „Hast du eine Ahnung, was um diese Zeit in einem Supermarkt los ist? Ich bin völlig k.o. Ich muss unbedingt ein wenig schlafen, bevor Rebekka Marlon vorbeibringt.“

 

„Wir haben Besuch!“, zischte Axel und gestikulierte Richtung Wohnzimmer, wo Norberts Auftraggeber erschien.

 

„Oh. Hallo, Erik“, stotterte Norbert. „Was führt Sie her?“

 

„Ich war gerade in der Nähe und dachte mir, ich könnte die Einzelheiten des neuen Auftrages gleich persönlich mit Ihnen klären.“ Erik lächelte Axel an, der einen Schritt rückwärts machte. „Aber ich habe mich ausgezeichnet mit Axel unterhalten. Ich hatte es nicht eilig.“

 

„Und da hat er mich übers Wochenende eingeladen. In sein Ferienhaus am Gardasee“, petzte Axel.

 

„Ach wirklich?“ Norberts Augen weiteten sich erstaunt.

 

„Es ist nicht, was Sie jetzt vielleicht denken...“, begann Erik verlegen.

 

„Doch, ist es.“ Axel verschränkte die Arme vor der Brust. „Er hat mir in die Augen gesehen und mir erklärt, was für ein knackiges Brotkörbchen ich hätte.“

 

„Was?“, fragte Norbert fassungslos.

 

„Also hören Sie, Norbert“, begann Erik erneut. „Neulich auf der Party, da hatte ich den Eindruck, es läuft zwischen euch beiden nicht mehr so toll. Und da dachte ich... es tut mir leid.“

 

„Aber das war nur ein... ein Missverständnis.“ Norbert blickte hilfesuchend zu Axel, doch der machte eine beleidigte Miene. „Ich... schätze... mit dem neuen Auftrag wird es dann wohl nichts.“

 

„Oh, nein. Nein“, beeilte sich Erik zu versichern. „Das war meine Schuld. Ich habe die Situation falsch eingeschätzt. Im Gegenteil. Ich bin sicher, wir werden in Zukunft noch sehr oft zusammenarbeiten.“ Er warf einen Blick auf die Uhr. „Es ist ja schon später, als ich dachte. Ich habe noch einen Termin, tut mir leid, ich hab’s jetzt doch eilig.“ Etwas überstürzt verließ er die Wohnung.

 

„Und danke für das Hemd!“, rief ihm Axel nach.

 

„Er hat dir ein Hemd geschenkt?“, fragte Norbert verblüfft und ließ sich aufs Sofa fallen.

 

„Ja. Ist zwar nicht mein Geschmack, sieht aber voll teuer aus.“ Axel wandte sich in Richtung seines Zimmers, stoppte aber und fragte über die Schulter. „Sag’ mal, ist das Brotkörbchen eigentlich vorne oder hinten?“

 

„Hinten“, erwiderte Norbert müde.

 

„Gut“, erwiderte Axel zufrieden. „Dann war’s nicht gelogen.“ Er verschwand in sein Zimmer.

 

Norbert sank zurück gegen das Sofa, nahm eins der Kissen und drückte es sich stöhnend aufs Gesicht. Manchmal fragte er sich, was er getan hatte, dass das Schicksal ihn so hasste...

 

 

Ende