Titel: Eine verhängnisvolle Frage

Autor: Lady Charena

Fandom: House, MD

Charaktere: House, Wilson

Thema: # 082. Wenn

Rating: gen

Word Count:

Spoiler: 2.18 Sleeping Dogs Lie

Anmerkung des Autoren: Vielen Dank an T’Len für’s betalesen.

Zeitlich zwischen 2.18 Sleeping dogs lie und 2.19 House vs. God angesiedelt (nach Wilsons Auszug, aber vor der „Grace“-Affäre)

 

Summe: Was wäre wenn... Vielleicht ist es besser, manche Fragen nicht zu stellen.

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. 

 

 

No matter how hard I try
You keep pushing me aside
And I can't break through
There's no talking to you
But after all is said and done
You're gonna be the lonely one… (Cher)

 

 

 

House ließ sich mit einem Seufzen auf das Sofa fallen und legte die Beine auf den Couchtisch. Er rieb sich den Nacken, und warf einen Blick auf Wilson. „Ich hoffe, die Frage erscheint dir nicht zu aufdringlich, aber was zum Geier machst du hier?“, fragte er schließlich ironisch. „Ich erinnere mich vage an einen Auszug. Ich bin nur nicht sicher... Moment, warst nicht du derjenige, der ausgezogen ist?“

 

Wilson zuckte mit den Schultern und sackte ein wenig mehr in sich zusammen. „Ich folge nur der Spur meines DVD-Players“, entgegnete er. „Mir war langweilig.“

 

„Hmh.“ House schielte nach der Fernbedienung, doch die hatte der Fernbedienungsdieb Wilson sicher außerhalb seiner Reichweite verstaut. Über die Mattscheibe flimmerte Hitchcock. Vertigo. Wieder einmal. Nicht unbedingt ein ermutigendes Zeichen. Wilson brütete offenbar über irgendetwas. Er revanchierte sich damit, sich die unbewacht auf Wilsons Schoß liegende Pretzel-Tüte zu schnappen und kippte das Knabberzeug in seinen Mund. Sein Freund schoss einen missbilligenden Blick auf ihn ab, als er Krümel von seinem T-Shirt wischte und dabei einen Teil auf Wilsons Hose landete. House ignorierte es und stopfte die leere Tüte in Wilsons offenen Hemdkragen.

 

„Hey, was soll der Quatsch“, beklagte sich der und fischte die knisternde Verpackung heraus. „Ich bin doch kein Mülleimer.“

 

House stand auf und ging ohne den Stock in die Küche. Seit Wilsons Auszug waren die Schränke und der Kühlschrank wieder ziemlich leer. Er angelte nach der Erdnussbutter und fand noch eine Packung mit leicht angetrocknetem Sandwichbrot. „Wenn ich eine Lebertransplantation brauchen würde und du mir einen Teil deiner Leber spenden könntest, würdest du es tun?“, fragte er, ohne aufzusehen.

 

Wilson blinzelte, dann wandte er den Kopf. „Was?“, fragte er verwundert, nicht ganz sicher, ob er die Frage richtig verstanden hatte.

 

House lehnte sich mit dem Sandwich in der Hand gegen den Türrahmen. „Was?“, äffte er Wilson nach. „Überfordert dich die Frage?“

 

Der jüngere Arzt fuhr sich durch die Haare. „Das kommt etwas überraschend.“ Seine Augen verengten sich misstrauisch. „Ist das ne Art Fangfrage? Oder verheimlichst du mir etwas? Haben die Pillen endlich deine Leber geschafft? Oder war es der Alkohol?“

 

House schnaubte verächtlich und kehrte an den Küchentisch zurück, um die Erdnussbutterschicht beträchtlich aufzustocken.

 

Wilson stand auf und nahm House’ Platz am Türrahmen ein, die Arme vor der Brust verschränkt. „Ich habe nicht die geringste Ahnung, von was du sprichst. Es ist spät, ich bin müde. Sag’ einfach, was du sagen willst, oder lass’ es meinetwegen auch bleiben. Mir ist heute nicht nach Spielchen.“

 

House war dazu zurückgekehrt, ihn zu ignorieren und stöberte im Kühlschrank. Er tauchte mit einer gelbverkrusteten Plastikflasche wieder auf.

 

„Du hast doch nicht etwa vor...“, begann Wilson ahnungsvoll und verzog angewidert das Gesicht. „Argh, House, das ist widerlich. Senf auf Erdnussbutter.“

 

House grinste und verteilte den Senf, dann klappte er das Sandwich wieder zu, um demonstrativ hinein zu beißen.

 

„Hat dein plötzliches Interesse vielleicht irgendetwas mit Hannah und Max zu tun?“, fuhr Wilson nach einem Moment fort.

 

House legte das Sandwich auf die Tischplatte. Er stützte beide Handflächen auf und starrte auf die zerkratzte Oberfläche des alten Tisches. „War es eine so verdammt schwierige Frage?“, entgegnete House. In seiner unerwartet leisen Stimme schwang ein warnender Unterton mit.

 

Wilson schwieg und wartete ab.

 

Überraschend bewegte sich House plötzlich und wischte sein Sandwich, die Senfflasche, das Erdnussbutterglas und das Messer, dass er benutzt hatte, vom Tisch. Das Glas explodierte förmlich, und auch die Plastikflasche mit dem Senf verteilte ihren Inhalt dekorativ in der Gegend.

 

„Hey!“ Wilson wich unwillkürlich zurück, obwohl der Senf ein Stück vor ihm auf den Boden spritzte. „Ich habe doch gar nichts gesagt.“

 

Blaue Augen blitzten ihn wütend an. „Und damit hast du deinen Standpunkt wohl unmissverständlich klar gemacht.“ House ging an ihm vorbei ins Wohnzimmer und warf sich auf die Couch.

 

Wilson folgte ihm und blieb hinter ihm stehen. Er legte beide Hände auf die Rückenlehne der Couch. „Ja, ich würde es tun.“ Er setzte sich neben seinen Freund und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. „Und du? Würdest du das gleiche für mich tun, Greg?“

 

House antwortete nicht. Er starrte auf den Bildschirm, als hätte Vertigo plötzlich eine ungeahnte Faszination entwickelt.

 

Wilson wartete noch einen Moment, dann nickte er, fast so als hätte er nichts anderes erwartet. Er stand auf, rückte seine Krawatte zurecht, kämmte sich durch die Haare und zog sein Jackett an. Dann ging er.

 

Als die Tür hinter Wilson ins Schloss fiel, rieb sich House übers Gesicht. Dann griff er in die Tasche seiner Jacke und zog das Vicodin hervor. Er schluckte zwei der Pillen, stellte die Dose auf den Tisch und rieb für einen Moment sein Bein, bevor er sich zurücklehnte, den Kopf in den Nacken sinken ließ und die Augen schloss.

 

 

Ende