Titel: Into the night
Autor: Lady Charena (2009)
Fandom: Forever Knight
Episode: --
Prompt: 100 Situations
Charaktere: LaCroix, Nicholas, Swan, Janette erwähnt
Pairing: LaCroix/Nicholas
Rating: pg-12, slash, oneshot
Länge: 1270 Wörter
Beta: T'Len

Summe: Der Nightcrawler spricht.
Nicholas lauscht. Und beide erinnern sich.

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What's the fun in playing it safe?
I think I'd rather misbehave.
Our way

Bitter:Sweet, Dirty Laundry.




„Hier ist CERK und der Nightcrawler heißt euch alle Willkommen in dieser neuen Nacht der Verheißungen.“

Nicholas lehnte sich zurück, die Finger lose um ein Glas geschlossen. Obwohl die Sonne bereits untergegangen war, erfüllte die Sommerhitze des Tages noch immer das dämmrige Loft und er spürte den feinen Dunst von Kondensat an seiner Handfläche, als er das Glas zum zweiten Mal füllte.

LaCroix’ körperlose Stimme schwebte durch den Raum – fast so, als befände er sich hier im Loft, säße neben ihm und nicht Meilen entfernt in einem Studio im Gebäude des Senders.

„Einige meiner Freunde haben mir mitgeteilt, dass es eine Sünde wäre, in so einer Nacht zu schlafen, also lasst uns darüber sprechen. Denn ihr wisst, der Nightcrawler hört euch immer, meine Kinder...“

Nicholas lächelte unwillkürlich. Es blieb ihm unverständlich, was LaCroix an dieser Sendung fand. Abgesehen von den Zeiten, in denen er das unbehagliche Gefühl hatte, dass jedes Wort, das über die Lippen des anderen Vampirs kam, nur für ihn bestimmt war. Er seufzte und rieb sich mit der freien Hand übers Gesicht.

Es hatte so viele Nächte wie diese gegeben... Nächte, die er mit Janette verbrachte. Nächte, die er alleine in der Dunkelheit umherstreifte, rastlos, ruhelos, ziellos. Nächte an der Seite von LaCroix im süßen Rausch von Blut und Hunger und den Leben, die unter seinen Händen vergingen...

Nicholas ließ die Hand sinken, verbannte diese Gedanken in die schattigen Regionen seiner Erinnerungen zurück und konzentrierte sich wieder auf die Stimme, die aus der Stereoanlage erklang.

„Unser letzter Anrufer hat uns mit einer interessanten Anregung hinterlassen. Riecht die Haut eines Menschen in der Nacht anders? Schmeckt sie anders im Dunkeln?“

Nicholas spürte einen Schauer durch sich rinnen und als er auf seine bloßen Unterarme sah, entdeckte er das sich dort eine Gänsehaut gebildet hatte.

»J'aime l'odeur de ton peau, Nicholas. »

Es waren mehr als zweihundert Jahre vergangen, seit LaCroix hinter ihn getreten war und diese Worte in sein Ohr flüsterte.

Eine neue Nacht war gerade angebrochen. Er spürte die Leben da draußen auf den Straßen; das sich auch davon nicht unterbrechen ließ. Er spürte Janette in ihrem Zimmer; hörte das leise Knistern der Seide, die über ihren Körper glitt, das Wispern ihres langen Haares, als sie es mit der elfenbeinernen Bürste glättete.

Er spürte LaCroix’ Atem auf seiner Wange, die Nähe des anderen Mannes, und wie sich die unwillkürlich die feinen Härchen an seinem Haaransatz aufrichteten – halb Warnung, halb Erwartung...


„Schließt die Augen, meine Freunde – alle, die nicht unterwegs sind um diese Stunde, denn der Nightcrawler wäre untröstlich, sollten meine Worte euch zu einem Unfall bewegen – und erinnert euch. Wann habt ihr das letzte Mal bewusst den Geruch der Person wahrgenommen, die ihr liebt.“

Nicholas hörte LaCroix’ Stimme aus dem Radio, doch sie war weit weg, und brandete über ihn hinfort, als seine Gedanken in die Vergangenheit zurückkehrten... Seine Augen schlossen sich.

Da war eine Stelle an seinem Hals, unterhalb des Ohrs, unfern der Pulspunkte, die besonders empfindlich war und LaCroix’ Mund fand sie ohne Mühe. Nicholas’ Kopf drehte sich aus eigenem Antrieb weiter zur Seite; entblößte mehr Haut. Seine Wange presste leicht gegen den schwarzen Samt der LaCroix’ Schulter bedeckte und er griff blind nach dem offenen Fensterflügel um sich an etwas fest zu halten. Seine andere Hand griff den Saum von LaCroix’ Ärmel.

Sein Atem verließ ihn deutlich hörbar, fast eher ein Aufstöhnen, als ein Ausatmen, als eine kühle Zungenspitze eine Linie quer über die Seite seines Halses, über seine Kehle, bis in die kleine Vertiefung an ihrem Anfang, zeichnete...



* * *


LaCroix lehnte sich zurück und betrachtete zufrieden das Schaltboard. Die Sendung lief gut und es warteten noch jede Menge Anrufer in den Leitungen, wie die blinkenden Lichter verrieten.

Bedauerlicherweise waren die meisten davon weder besonders phantasiebegabt noch interessant. So überließ er sie für Weile sich selbst und erlaubte seinen Gedanken freien Lauf. Denn es war so viel faszinierender, zu verfolgen welche Wirkung seine Worte auf Nicholas hatten.

Die dünnen Lippen zu einem blassen Lächeln verzogen, ließ er seine Gedanken in Nicholas’ Bewusstsein fließen; teilte sie – und fand ihn zu seinem Amüsement mitten in einer Erinnerung wieder, die auch ihn beinhaltete. Ah, mon naïf Nicholas... mon amour…   Wann lernst du endlich, dass es keinen Zweck hat, vor mir weg zu laufen...

Natürlich erinnerte er sich an diese Nacht. Er erinnerte sich an alle Nächte, selbst an die, die er lieber vergessen hätte. Doch Lethe blieb ein frommer Wunsch...

LaCroix schnitt den letzten Anrufer mitten in einer langatmigen Erzählung ab und schaltete ein Musikstück ein. Dann winkte er Swan, die heute Nacht Dienst am Mischpult im Vorraum hatte und bedeutete ihr, keine Anrufe für die nächsten Minuten durchzustellen.

Sie nickte und senkte sofort wieder den Blick auf die Zeitschrift, in der sie gelangweilt blätterte, während sie Anrufe entgegennahm, nach LaCroix’ Wünschen aussortierte und schließlich in die Sendung durchstellte.

Er stand auf, trat zum geöffneten Fenster und sah einen Moment hinaus auf die schlafende Stadt - die vielleicht nur dem unbeteiligten Betrachter träumend erschien – dann schloss er die Augen und folgte den gleichen Erinnerungspfaden, die auch Nicholas’ Gedanken gingen.

Nicholas’ Haut war kühl und glatt unter seiner Berührung und sie schmeckte salzig. Er hatte eine Schwäche für die frischen Sinneseindrücke eines neuen Liebhabers oder einer neuen Geliebten. Die komplexen Geruchs- und Geschmackskomponenten, die ihn meist nur kurz gefangen nahmen, bevor die Langeweile oder der Hunger über seine Faszination siegten und er es zu Ende brachte.

An Nicholas hatte er sich noch nicht satt getrunken, selbst nicht nach all den Jahrhunderten... Mit Zufriedenheit spürte er Nicholas’ unsicheren Griff an seinem Ärmel und die Macht, die er über ihn hatte, brachte ihren eigenen, prickelnden Geschmack ins Spiel.

Unter dem Salz kamen weitere Nuancen zum Vorschein. Die parfümierte Seife, die Janette liebte und ihr Duft, in diesen Zeiten fast untrennbar mit Nicholas’ eigenem verbunden. Ein bitterer, erdiger Geschmack mit Untertönen von Metallen... Spuren von Nicholas letztem Mahl. Und etwas, das ganz alleine Nicholas war.


LaCroix lachte leise, als er spürte wie Nicholas vor seiner Präsenz in seinen Gedanken zurückwich; ohne wirklich zu verstehen, was vor sich ging. Er öffnete die Augen und atmete die schwüle Nachtluft tief ein.


* * *


Nicholas setzte sich ruckartig auf und ohne es bewusst zu denken, flog seine Hand an den Hals. Es war nur eine Erinnerung gewesen – an eine längst vergangene Zeit überdies -  doch für einen Moment hatte es sich so real angefühlt...

Er schüttelte den Kopf um diese Gedanken zu vertreiben und leerte das Glas in einem Zug. Dann nahm er die Fernbedienung zur Hand und schaltete die Stereoanlage ab. Trotzdem war es, als höre er LaCroix irgendwo lachen – leise, aber unzweifelhaft amüsiert.

Die Gänsehaut auf seinen Unterarmen war zurück. Er stellte das Glas weg, legte die Fernbedienung zurück und zog sein Jackett über. Die Autoschlüssel lagen an ihrem üblichen Platz in der Schatulle auf dem Tischchen und er nahm sie auf dem Weg zum Fahrstuhl heraus. Eine quälende Unruhe erfüllte ihn und vielleicht half eine Fahrt durch die Nacht, sie los zu werden.

« Bonne nuit, mon cher Nicholas » echote es durch das stille Loft.

Ende