Fieber 3/4

 

Disclaimer siehe Teil 1

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*seufz* .... ich weiß, ich bin ein hoffnungsloser h/c Fall glaube ich. Aber irgendwann werde ich es sicher auch mal ohne schaffen. Viel Spaß und Feedback und konstruktive Kritik immer gerne :)
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McCoy saß an Kirks Bett und wartete, dass der Captain erwachte.

Inzwischen hatte die Enterprise an die Raumbasis angedockt und neue Medikamente an Bord genommen.

Die "Seuche" , wie McCoy es innerlich nannte war eingedämmt. Sie hatten insgesamt 25 Todesfälle zu beklagen, die
dem Darubischen Fieber zum Opfer gefallen waren. Auf der Raumbasis hatte das Fieber weitaus schlimmer gewütet. Noch immer galt die Quarantäne, doch die Versorgung lief inzwischen wieder.

Kirk hatte nun 8 Stunden durchgeschlafen und mit Hilfe von Vitaminpräparaten würde er innerhalb weniger Stunden wieder völlig fit sein. Ein gutes Frühstück und ein Kaffee würden den Rest erledigen. Die Todesfälle jedoch würden ihm zu schaffen machen, wusste McCoy.

Dem Arzt wäre es lieber gewesen, wenn Spock hier gewesen wäre, um die Nachrichten zu überbringen, doch der Vulkanier holte den Schlaf von 5 Tagen nach und nichts lag McCoy ferner als ihn dabei zu stören. Er würde später nach ihm sehen, die Kälte in Kirks Kabine hatte dem Vulkanier mehr zugesetzt als er zugab.

"Bones?"

McCoy fuhr aus seinen Grübeleien hoch und blickte in zwei braune fragende Augen.

"Ha! Da bist du ja wieder. Wie fühlst du dich?" McCoy grinste dem Captain ins Gesicht.

"Als ob mich ein Raumfrachter gerammt hätte. Was ist passiert? Wie lange war ich weg? Wo ist Spock? Er war hier, dass weiß ich.", fragte Kirk und setzte sich vorsichtig auf. Sein Kopf dröhnte und alle Muskeln waren steif.

"Langsam, langsam, Jim. Du hast über 2 Tage mit dem Fieber gekämpft. Dein Erster Offizier liegt ´hoffentlich´ in seinem
Bett und holt den Schlaf von 5 Tagen nach."
McCoy half Kirk hoch.

"Das Fieber! Ich habe es auch bekommen? Bones? Wie viel sind noch krank geworden?" Kirk fuhr sich mit einer Hand durch die Haare und setzte sich auf die Bettkante.

"Einige, Jim. Nun komm erst einmal richtig zu dir.", wich McCoy aus.

"Einige?", Kirk blickte McCoy scharf an. "Du siehst nicht gut aus. - Du etwa auch?"

Der Arzte seufzte und rollte die Augen zur Decke. "Also gut, du wolltest es nicht anders. Ja ich auch. Dummerweise genau zur selben Zeit als auch du flachgelegen hast und die Hälfte der Besatzung.Wir hatten eine ziemlich aggressive Mutation des Virus und .... ."

Kirk stand auf, "Das Schiff ...", er griff nach dem Intercom, doch McCoy stoppte ihn.

"Jim, wir sind inzwischen an der Raumbasis. Dein effizienter Erster Offizier hat das Schiff unter Volldampf durchs All gejagt und unter Quarantäne gesetzt, bis ein Serum für die Mutation gefunden wird. Die Raumbasis hat es schlimmer erwischt als uns.  Inzwischen befinden sich alle an Bord auf dem Weg der Besserung - fast alle."

"Fast alle?", Kirks Augen wurden zu schmalen Schlitzen.

"Wir hatten 25 Todesfälle.", antwortete McCoy leise. "Und die anderen - auch du - waren mehr als nur knapp."

Kirk starrte ihm entsetzt in die Augen. 25 seiner Besatzung am Fieber gestorben?

"Wer?"

McCoy antwortete nicht sofort. Kirk ging an seinen Computer, schaltete ihn ein und rief die Liste der Todesfälle auf. Er
schloss die Augen und setzte sich schwer an seinen Schreibtisch, nachdem er die Liste gesehen hatte.

McCoy schwieg. Er wusste das nichts was er sagen konnte irgendetwas besser oder leichter machen konnte. Ihr Beruf war gefährlich und es gab immer wieder Tote zu beklagen. Es war nie leicht, doch irgendwann lernte man als Arzt die Tatsache zu akzeptieren und an die Lebenden zu denken.

Kirk jedoch fühlte sich oft für jeden Tod selbst verantwortlich. Häufig konnte nur Spock ihn aus seinem Kokon an
Grübeleien und Schuldgefühlen herausholen. Wie er das machte, war McCoy allerdings ein Rätsel.

McCoy seufzte und nach einer Weile räusperte er sich. "Ich habe Frühstück mitgebracht und einen Kaffee, Jim."

Kirk nickte und ging ins Bad. "Danke Bones, ich mache mich frisch und dann ...", er drehte sich um und verschwand wortlos  im Bad. McCoy holte das Frühstückstablett und goss Kaffe ein. Minuten später saßen sie am Tisch und frühstückten.

"Wann wird Spock aufwachen?", fragte er und nippte an seinem Kaffee.

McCoy zuckte mit den Schultern. "Das fragst du mich? Ich bin froh das er endlich schläft. Er hat mehr als 5 Tage durchgemacht. Er müsste schlafen wie ein Stein."

"Ich weiß, er war bereits seit drei Tagen nachts im Labor, um bei der Suche nach einem Serum zu helfen, ab dann weiß ich's nicht mehr. 5 Tage?" Kirk blickte McCoy fragend an.

"Ich weiß es auch nur von dem, was mir Leslie oder Uhura berichtet haben. Ich war selber aus dem Verkehr mit diesem Fieber, wie du ja weißt. Spock war die letzten 2 Tage hier und hat verhindert, dass dein Fieber weiter steigt. Die Krankenstation war einfach übervoll und der Grossteil wurde in den Kabinen versorgt. Leslie sagt, es hat dich ziemlich übel erwischt. Sie haben die Kabine heruntergekühlt, dich in Eis gepackt, mich auch, wie alle anderen, und unser Vulkanier ist trotz Kühlschranktemperaturen keine Sekunde von deiner Seite gewichen. Erst als ich selber wieder auf
den Beinen war und dein Fieber gefallen war, habe ich ihn hier rausholen können. Er hat gezittert wie Espenlaub und war völlig durchgefroren, trotz Decken und dickem vulkanischem Wollumhang. Also lasse ich ihm seinen Schlaf, er hat ihn bitter nötig." McCoy biss herzhaft von seinem Toast ab und musterte den Captain neugierig.

Kirk blickte starr vor sich hin. "Spock.", flüsterte er leise, dann sah er McCoy wieder an. "Ich weiß, dass er hier
war. Ich habe kaum Erinnerungen an die letzten zwei Tage, doch ich bin irgendwann aufgewacht und weiß, dass er hier war. Es muss gewesen sein, als das Fieber zurückgegangen ist. Er sah furchtbar aus."

McCoy nickte. "Das kannst du wohl laut sagen."

"Und du bist sicher, dass der Virus nicht auch ihn erwischen kann oder schon hat?", fragte Kirk besorgt.

"Sicher?", McCoy schüttelte den Kopf und räumte die inzwischen leeren Tabletts zusammen. "Nein, sicher bin ich mir
bei Spocks chaotischem Stoffwechsel und dem Sirup, den er Blut nennt nie. Und das macht mir etwas Sorgen. Ich habe ihn gestern durchgecheckt, bevor ich ihn geweckt habe und da war noch alles in Ordnung, abgesehen natürlich von völliger Erschöpfung und Unterkühlung."

"Geweckt?", fragte Kirk verwundert und begann sich seine Uniform anzuziehen.

"Ja. Er ist schließlich eingewickelt wie eine Mumie da im Stuhl neben deinem Bett eingeschlafen. Ich werde nachher nach ihm sehen. Ich mache mir eigentlich mehr Sorgen, dass er sich eine Lungenentzündung geholt hat. Der einzige wirklich schwache Punkt an unserem Vulkanier sind unter bestimmten Bedingungen die Lungen. Sie haben sich über Jahrhunderte auf Wüstenklima, Staub und dünne Luft eingestellt. Mit Kälte und Feuchtigkeit kommen diese
Staubbeutel nicht besonders gut klar."

Kirk nickte. "Gut. Benachrichtige mich, wenn du nach ihm gesehen hast. Ich bin auf der Brücke."

McCoy stand auf und ging zur Tür, "Das dachte ich mir. Sag mir Bescheid, wenn Spock eher auftaucht, das erspart mir einen Gang in diese vulkanische Sauna."

Kirk grinste schräg und McCoy verließ die Kabine in Richtung Krankenstation.

Kirk setzte sich seufzend auf sein Bett und zog sich die Stiefel an. Spock war bei ihm gewesen. Er drehte und wendete diese Tatsache in seinem Kopf. Was hatte er im Fieberwahn alles erzählt? Hatte er Spock oder sich selbst in Verlegenheit gebracht, während der reservierte Vulkanier sich um die Belange seines Schiffes gekümmert hatte und ihn versorgt hatte?

Womit hatte er die Loyalität und diese intensive Freundschaft mit diesem Mann verdient?

Kirk zog sein Uniformhemd glatt und saß einen Moment auf dem Bett. Ihre erste Begegnung ging ihm durch den Kopf. Er hatte das Schiff von Spock übernommen. Damals war der Vulkanier noch mehr als kühl und reserviert gewesen. Dennoch hatte seine Erscheinung seine Wirkung auf Kirk nicht verfehlt. Er war fasziniert von diesem Mann
und von der Komplexität seines Verstandes gewesen.

Langsam hatte sich eine zunächst vorsichtige und schließlich zarte Freundschaft entwickelt. Als McCoy auf die Enterprise kam war diese zunächst auf die Probe gestellt und der Vulkanier hatte sich wieder in sein selbst gewähltes Schneckenhaus zurückgezogen, doch das hatte nicht lange angehalten.

Noch mehr hatte sich entwickelt. Kirk hatte recht bald bemerkt, dass er den Vulkanier nicht nur auf einer intellektuellen, beruflichen und freundschaftlichen Ebene anziehend fand, sondern auch auf körperlicher sexueller Ebene.

Er wollte ihn am liebsten ein Leben lang um sich haben, ihn beschützen, berühren und glücklich machen. Ein Begehren nach mehr als einer freundschaflichten Beziehung, was er sich sofort verboten hatte und sorgfältig verbarg. Dennoch hatte es sich eher gesteigert als abgeschwächt.

Spock würde es nicht verstehen, so reserviert wie er war. Das Thema selbst befand sich tief in einer vulkanischen Tabuzone, einer von vielen. Umgeben von Abschirmwällen und Mauern, die Kirk nicht wagte zu durchbrechen, wollte er die Freundschaft nicht riskieren. Ihm war klar, das die Freundschaft, die er mit Spock teilte etwas einzigartiges war, doch das es vermutlich alles war, was Spock ihm je geben könnte oder wollte.

Frustriert hatte er sich seitdem in mehrere Abenteuer mit Frauen gestürzt. Doch nichts war dauerhaft oder hatte ihm auch nur annähernd die Zufriedenheit und Erfüllung gegeben, die ein simpler gemeinsamer Abend mit Spock hatte, wenn sie Schach spielten, trainierten oder anschließend noch ein wenig miteinander sprachen.

Seufzend stand Kirk auf und nahm die Gedanken mit auf den Weg zur Brücke, bevor er sich mit der Realität und 25 Opfern einer Krankheit auseinandersetzen musste. Er wünschte Spock wäre bereits wieder wach, um ihm bei dieser Aufgabe zur Seite zu stehen, wie er es immer tat und nur er es konnte.


***


Spock erwachte und zitternd und frierend. Sein ganzer Körper wurde von Krämpfen durch unterkühlte Muskeln erfasst.
 
Benommen schlug er die Augen auf und sah nur diffuses rötliches Licht und die vagen Umrisse seiner Kabine. Waren die Temperatursensoren ausgefallen?

Er wollte sich aufsetzen und sofort begann es in seinem Kopf zu dröhnen und das Blut in den Ohren zu rauschen. Spock konnte ein Stöhnen nicht vermeiden als seine steifen bebenden Muskeln schmerzhaft protestierten und setzte sich vorsichtig auf die Bettkante.

Alles drehte sich um ihn und jeder Versuch seine verkrampften zitternden Muskeln unter Kontrolle zu bekommen scheiterte. Er schloss die Augen, doch sofort begann sein Gleichgewichtssinn chaotische Signale zu senden und er öffnete sie sofort wieder, um zumindest einen optischen Anhaltspunkt zu haben.

Mühsam zog er sich vom Bett hoch und stand schließlich auf wackeligen Knie mit einer Hand am Raumteiler gestützt. Noch immer drehte sich alles und seine Augen wollten die Umgebung nicht scharf stellen.

Warum war es so kalt? Spocks Kopf dröhnte und verweigerte jeglichen Zugriff auf die Kontrolle seiner Körperfunktionen. Er war krank - der Virus? Zitternd und torkelnd schaffte er den Weg zum Schreibtisch und aktivierte das Intercom.

"Brücke? Uhura hier...,", antwortete eine melodische Stimme.

"Spock .... hier....,", krächzte er leise. Was war mit seinen Stimmbändern? "Mrs. Uhura, .....ich ....", seine
Stimme verweigerte ihm völlig  den Dienst und er kämpfte um seine Atmung. Seine Lungen wollten sich nicht mit Luft füllen.

"Spock? ...... Was ist?", kam plötzlich Jims Stimme aus dem kleinen Lautsprecher.

Spock wollte antworten, doch er hatte plötzlich keine Luft mehr und glaubte zu ertrinken. Wie aus weiter Ferne nahm er wahr wie Jim seinen Namen rief und schließlich hektische Befehle gab, die er nicht mehr bewusst verstand. Seine Knie gaben nach und er fiel.


***


Kirk war im Turbolift, noch bevor er hören konnte wie Uhura McCoy alarmierte. Sein Magen krampfte sich zusammen und er hämmerte gegen die Tür des Liftes bis sie sich endlich auf dem Deck der Offiziersquartiere öffnete. Vor der Tür zu Spocks Quartier traf er McCoy, der aus der anderen Richtung in vollem Lauf angerannt kam.

"Jim, was ist ...?"

"Er hat die Brücke kontaktiert und plötzlich nicht mehr geantwortet. Er klang nicht gut,", keuchte Kirk und öffnete
die Tür mit seinem Code.

Spock lag zitternd und zusammengerollt auf dem Boden vor dem Schreibtisch.

"Verdammt.", McCoy hechtete an seine Seite und Kirk an die andere. Der Arzt ließ seinen Scanner über den offensichtlich bewusstlosen und sehr flach atmenden Vulkanier wandern.

"Er friert!", Kirk hielt ihn fest und zog den zitternden Körper zu sich.

McCoy nickte, "Und er bekommt keine Luft. Wie ich es befürchtet hatte und schlimmer. Er hat eine beginnende
Lungenentzündung und der Virus hat sich ebenfalls in seinem Stoffwechsel ausgebreitet. Er ist völlig unterkühlt. Ab ins
Bett mit ihm. Wir müssen ihn wärmen."

Gemeinsam schafften sie Spock in sein Bett zurück. Der Vulkanier war zwar dünn, fast mager, doch die seine für höhere
Schwerkraft ausgebildeten Knochen und Muskeln waren schwerer als die eines Menschen. Kirk war erstaunt wie schwer er war.

"Unterkühlt? Hier?", fragte Kirk besorgt. Er selbst begann bereits zu schwitzen. Die Temperaturen in Spocks Quartier waren gewöhnlich höher als auf dem restlichen Schiff, auch jetzt.

Spock rollte sich stöhnend auf dem Bett zusammen und murmelte etwas unverständliches.

"Er kommt zu sich." McCoy gab ihm mehrere Injektionen. "Ja, unterkühlt! Wir müssen ihn wärmen. Dieser verflixte
Virus hat scheinbar eine gegenteilige Wirkung auf seinen Metabolismus. Seine Körpertemperatur ist bereits um fast 4 Grad gefallen."

Der Arzt sah sich in der Kabine um und fand was er suchte. Säuberlich zusammengefaltet lagen die Decken vom gestrigen Tag auf einem Stuhl. Er griff sie und warf sie Kirk zu, der den zitternden Vulkanier sofort darin einwickelte.

"Was für eine Temperatur hat er hier? Verdammt es ist jetzt schon höllisch warm." McCoy ging zum Thermostat und tippte auf den Kontrollen während er sprach. "Soweit ich weiß ist die Standardtemperatur etwas um die 40° auf Vulkan. Er kann jetzt etwas mehr gebrauchen."

Kirk wickelte eine weitere Decke um Spock und blickte zu McCoy, "Wäre es nicht besser wenn wir ihn auf die
Krankenstation ..."

"Nein ....bitte.......", keuchte Spock und seine Zähne klapperten hörbar. Er rollte sich unter den Decken zusammen und
schlang bebend die Arme um den Körper.

"Spock? Wir sind bei dir, keine Sorge." Kirk legte besorgt eine Hand auf eine vibrierende Schulter unter dicken Decken.

Spock stöhnte leise und verkrampfte sich plötzlich. Hechelnd sog er Luft in seine Lungen bis sich der Muskelkrampf löste und er wieder zu zittern begann. McCoy setzte sich auf die andere Seite des Bettes.

"Es ..... ist .... kalt.", flüsterte Spock schlotternd. "Keine .... Luft."

McCoy beugte  dicht sich über den frierenden Vulkanier. "Spock? Ich bin es McCoy. Wir werden sie in ihrer Kabine lassen. Sie haben den Darubischen Virus bekommen und eine Lungenentzündung noch dazu. Ich habe ihnen Antibiotika gegeben und die Temperatur in ihrer Kabine erhöht. Mehr kann ich nicht tun. Der Virus bringt ihren Metabolismus durcheinander und ihre Körpertemperatur ist um 4 Grad zu niedrig. Deswegen frieren sie."

"Ja," keuchte Spock und hatte McCoy offensichtlich verstanden.

Wieder krampfte sich sein Körper zusammen und er atmete hechelnd. Länger dieses Mal und das Gesicht war schmerzverzerrt. Kirk blickte McCoy Hilfe suchend an, doch der schüttelte den Kopf.

"Ich habe ihm schon etwas gegen die Krämpfe gegeben. Mehr kann ich nicht verantworten. Es sollte gleich wirken." McCoy ließ wieder seinen Scanner über den Vulkanier wandern.

Spocks Muskeln lösten sich wieder und er stöhnte und begann stärker zu zittern. Kirk hielt ihn besorgt fest. "Spock. Halte
durch."

"Jim," flüsterte Spock kaum hörbar und einen Moment schien das Zittern nachzulassen. Leise murmelte er etwas auf
vulkanisch und schließlich erstarb seine Stimme und er sackte in sich zusammen.

"Er ist bewusstlos.", sagte McCoy und schaltete den Scanner aus. "Ich kann nicht mehr für ihn tun. Sein Immunsystem muss den Rest erledigen."

"Bones, sollte er nicht doch auf die Krankenstation?", frage Kirk besorgt und strich dem bewusstlosen und leise keuchenden Vulkanier beruhigend über den in decken eingepackten Rücken.

McCoy nahm Kirks Berührungen wahr, doch sagte nichts dazu. "Jim, du weißt wie er ist. Er würde lieber sterben als
zuzulassen, dass ihn jemand so sieht. Er ist hier besser aufgehoben, als in der noch immer überfüllten Krankenstation. Ich lege seine Werte auf meinen Monitor und bin in Sekunden hier, wenn etwas ist. Der Mistvirus reagiert bei ihm völlig anders und die Lungenentzündung vereinfacht es nicht gerade. Es sollte allerdings jemand bei ihm bleiben."
 
Kirk nickte und sah McCoy an. "Ich bleibe bei ihm."

McCoy packte seinen Scanner ein, "Gut! Ich dachte es mir. Halte ihn warm. Das ist das wichtigste. Ich werde sehen ob wir in der Krankenstation noch eine Heizdecke haben. Ich habe ihm außerdem Antibiotika gegeben, damit er von der Lungenentzündung nicht noch Fieber im Anschluss bekommt. Er ist robust, wie kaum ein anderer. Sein Immunsystem sollte in einigen Stunden die Oberhand gewinnen. Nur - er darf nicht weiter abkühlen!"

Kirk nickte schweigend und McCoy verließ die Kabine, nachdem er Kirk noch einen Klaps auf die Schulter gegeben hatte.

Spock war fast eine Stunde ohne Bewusstsein und lag zitternd unter dem dicken Deckenstapel. Irgendwann zog Kirk schwitzend sein Uniformhemd und seine Hose und Socken aus. Es waren inzwischen mehr als 40 Grad in Spocks Quartier und noch immer zitterte der Vulkanier und fröstelte, während Kirk immer wärmer wurde.

Er ging durch ihr gemeinsames Badezimmer in seine Kabine um seine Uniform wegzubringen. Als er wieder kam lag Spock nach wie vor zusammengerollt, keuchend und zitternd auf dem Bett. Kirk setzte sich wieder an seine Seite und strich behutsam durch die weichen schwarzen Haare. Fast das einzige, was aus dem Deckenberg herauslugte.

"Jim?", flüsterte der Vulkanier plötzlich leise.

"Spock? Bist du wach?", antwortete Kirk besorgt und strich weiter unbewusst über Spocks Kopf.

Spock stöhnte leise als sich seine Muskeln wieder etwas verkrampften. "So ...kalt...."

"Ja! Du bist krank Spock.", Kirk rutschte dichter an den frierenden Vulkanier heran. Er musste ihn wärmen.

"...kann nicht ...verzeih ...", Spock stöhnte wieder auf und ein neuer Krampf erschütterte seinen Körper. Kirk hielt ihn fest. Was sollte er verzeihen? Warum?

"Spock, was meinst du?"

"Keine Kontrolle .....deine .... Gedanken ....", murmelte Spock und keuchte wieder um seine angegriffenen Lungen mit
Sauerstoff zu füllen.

Er konnte sich nicht abschirmen? Das war es was er meinte. Vulkanier  empfanden es als grobe Verletzung der Privatsphäre, Gedanken anderer aufzufangen und lernten im frühesten Kindesalter sich abzuschirmen. Der Virus schien diese Kontrollen nun zu beeinflussen.

"Du hast meine Erlaubnis, wenn es dir hilft. Du bist mein Freund. Ich habe nichts zu verbergen."

Hatte er nicht? Kirk schluckte nervös. Was wenn Spock merkte, dass er mehr für ihn empfand als nur Freundschaft? Nein, das war jetzt nicht wichtig. Er musste ihn wärmen. Er würde aufpassen über was er nachdachte, wenn er Spock berührte.

Spocks Körper erzitterte wieder und er begann leise keuchend zu stöhnen.

Das Intercom piepte und Kirk reckte sich nach dem Knopf. "Kirk hier."

"Jim?", McCoy war am anderen Ende. "Seine Körpertemperatur ist um zwei weitere Grad gefallen und liegt
inzwischen sogar unter deiner. Mehr darf sie nicht runtergehen. Entweder klaue ich einem meiner Patienten eine Heizdecke, die wir im Moment alle noch im Gebrauch haben, weil wir sie als Kühldecken gegen das Fieber verwenden ......"

"Nein ...", stöhnte Spock. "....nein....Besatzung ... wichtiger ....." er keuchte wieder und bebete unter einem neuen
Krampf.

Kirk sah besorgt auf seinen zitternden Freund. Niemals würde Spock es sich verzeihen, wenn ein anderer seinetwegen litt. Eher würde er sich eine Hand abhacken.

"...... oder du wärmst ihn mit deiner Körperwärme. Vulkanische Prüderie hin oder her.", beendete McCoy seinen
Satz. "Aber ich denke er hat die Antwort bereits gegeben, wenn ich das eben richtig verstanden habe."

Kirk schloss die Augen. Wie oft hatten sie bei problematischen Missionen auf irgendeinem Planeten einen Schlafsack oder die Körperwärme geteilt? Er hatte immer mit seinen Gefühlen kämpfen müssen in diesen Situationen. Doch es war immer gut gegangen. Es würde auch dieses Mal gehen.

"Ich wärme ihn.", antwortete Kirk knapp.

McCoy schwieg kurz. "Okay. Ich sehe später nach euch. McCoy aus."

Kirk schloss die Verbindung und öffnete seine Augen wieder. Er blickte in zwei dunkle Pupillen, die ihn unter den Decken heraus fixierten ohne zu blinzeln. Offensichtlich hatte Spock alles mit angehört.

Kirk legte den Kopf schräg und lächelte, "Es ist nur logisch Spock."

Spock stöhnte und die Augen schlossen sich wieder, als sein Körper sich abermals zusammenkrümmte und verkrampfte. Kirk zögerte nicht länger. Auch wenn es für Spock unangenehm sein würde, er musste ihn wärmen.

Kirk schlug die Decken zurück, krabbelte neben Spock auf das Bett und legte sich hinter ihn. Dann wickelte er die Decken umständlich wieder um sie und zog den frierenden und zitternden Vulkanier in seine Arme. Spocks Kopf lag unter seinem Kinn und sein Rücken an Kirks Brustkorb. Löffelchenstellung, fuhr es Kirk kurz durch den Sinn, bevor er es verhindern konnte.

Spock hatte sich versteift und Kirk zog ihn behutsam enger zu sich. Er war ungewohnt kühl, zu kühl für einen Vulkanier, dachte Kirk besorgt. "Entspann dich mein Freund. Entweder ich wärme dich, oder McCoy klaut seinen Patienten Heizdecken."

"Nein,", flüsterte Spock leise und begann wieder zu zittern.

Kirk strich die weichen Haare, die an seinem Kinn kitzelten, glatt und nestelte sich dichter an den sonst so warmen Körper heran. Er schlang beide Arme von hinten um Spocks Brustkorb und schloss die Augen, als es unter den Decken langsam warm wurde. Irgendwann erschlaffte der bebende Körper in Kirks Armen und Spock war wieder bewusstlos geworden.

***

Kirk erwachte von einem leisen Rascheln in unmittelbarer Nähe seines rechten Ohres. Er nahm einem zarten Duft von Zimt wahr und einem Kitzeln unter seinem Kinn. Ein warmer Körper lag in seinen Armen und ihm war ebenfalls angenehm warm. Schläfrig öffnete er die Augen.

"Psst! Nicht bewegen Jim," flüsterte eine vertraute Stimme. McCoy?

Kirk blickte in zwei blaue Augen, die sich dicht über ihn beugten und ein Scanner summte leise über den schwarzen Haarschopf unter seinem Kinn. Eine Hand legte sich auf die Decken über seiner Schulter.

"Er schläft. Endlich! Ich bin schon ein Weilchen hier. Er hat dich offensichtlich mit ins Traumland gerissen, als die Krämpfe ihn ausgeknockt haben. Seine Temperatur ist Gott sei Dank stabil geblieben." McCoy flüsterte um den Vulkanier nicht zu wecken.Kirk folgte dem Scanner mit den Augen.

McCoy studierte die Anzeigen seines Scanners und nickte zufrieden. "Wenn es dich nicht weiter stört, was es
offensichtlich nicht tut, dann bleib so liegen.", wisperte der Arzt in sein Ohr. "Er hat ein paar harte Stunden hinter sich und kann die geteilte Wärme noch gebrauchen. Die Temperatur liegt noch immer unterhalb der Norm für ihn. Vor 10 Minuten ist er endlich in einen natürlichen Schlaf gefallen, als sein Immunsystem die Kontrolle übernommen hat."

Kirk nickte vorsichtig und fragte sich wie lange sie schon so lagen. Irgendwann musste Spock sich etwas herumgedreht haben. Er lag nicht mehr mit dem Rücken zu ihm. Vorsichtig bewegte sich Kirk und stellte fest, das ihre Beine ineinander verschlungen waren.

Spock seufzte unwillig, räkelte sich etwas, drückte sich dichter an Kirk heran und drehte sich etwas auf den Rücken. Dann lag er wieder still und schlief weiter. Kirk konnte nun sein Profil sehen und eine geschwungene Augenbraue.

"Lieg still, ich habe gesagt lass ihn schlafen. Am besten schläfst du auch ein wenig, du kannst es auch gebrauchen."
McCoys Augen glitzerten amüsiert.

Kirk wusste, dass der Arzt mit Kommentaren nicht sparen würde, wenn sie erst einmal wieder alle gesund waren. Jedoch wusste Kirk auch, dass McCoy jederzeit dasselbe für ihn oder Spock getan hätte.

McCoy klapste ihm auf die Schulter und schlich wieder aus der warmen Kabine. Kirk zog seufzend den schlanken Körper Spocks enger in seine Arme. "Schlaf mein Freund," flüsterte er leise in die dunklen Haare und hauchte einen vorsichtigen Kuss auf die Stirn unter den wirren dunklen Haarsträhnen.

Kirk schloss die Augen und genoss das Gefühl der festen Muskeln unter seinen Händen. Er hielt seinen Ersten Offizier und Freund in den Armen, etwas über das er sich bereits seit langem verboten hatte weiter nachzudenken oder davon zu träumen. Doch nun hatte die Situation dazu geführt und Kirk beschloss jede Sekunde und das angenehme Gefühl der Geborgenheit fest in seiner Erinnerung aufzubewahren.

Kirk wusste, dass es eine Geborgenheit auf Zeit war. Sobald sie aufwachten, würde Spock sich wieder in seine reservierte und distanzierte vulkanische Aura hüllen.

Er selbst würde sich mit der bedrückenden Situation der vergangenen Krise auseinandersetzen müssen. Captain und Erster Offizier, Mensch und Vulkanier -  und Freunde. Doch bis dahin konnte er die Nähe und Vertrautheit genießen, den Mann im Arm zu halten für den er so viel empfand.


...wird fortgesetzt in Teil 4/4