Serie: TOS

Paarung: K/S

Code: R

Summe: siehe weiter unten

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Disclaimer: Paramount/Viacom gehört Star Trek und alles, was ich mir hier borgte.

Die Story ist mein, „Fanfiction“ – ich beabsichtige weder, damit Geld zu verdienen, noch irgendwelche Rechte zu verletzen.

Wer unter 18 ist, bzw. sich am Inhalt dieser Story stören könnte, sieht sich bitte anderswo für passendere Unterhaltung um.

 

Erstveröffentlichung in der Amok Times Nr. 24, der Clubzeitschrift des ClassiKS-Clubs (http://www.geocities.com/classiks1701/index.html.)

 

 

 

Feuer  der  Rache

(Eine Nacherzählung zu „Kodos, der Henker“ – bezogen auf die Episode, sowie auf die Romanfassung von James Blish)

Lady Charena 

 

Herrlich, endlich einen Moment Ruhe! James T. Kirk, Captain der Enterprise, streckte sich genüsslich auf dem Bett seines Ersten Offiziers aus. Er lauschte einen Moment auf die leisen Geräusche, die aus dem Badezimmer drangen. Spock duschte - und wie er seinen wasserscheuen Vulkanier kannte, war das eine Sache von höchstens eineinhalb Minuten.

 

"Versuchst du einen Rekord im Schnellduschen aufzustellen?", fragte er grinsend, als Spock kurz darauf tatsächlich in seine Kabine trat.

 

 

Der Vulkanier beschloss, die Frage zu ignorieren. "Was machst du schon hier?", erkundigte er sich statt dessen und legte eine frische Robe zurecht . "Ich dachte, du wärst noch bei Dr. Leighton?"

 

Jims entspannte Miene verdüsterte sich und er setzte sich ruckartig auf. "Es gibt keine synthetische Nahrung, stell' dir das vor! Er hat uns - mich - hierher gelockt, damit ich mir einen Schauspieler ansehe."

 

Spock drehte sich zu ihm um, eine Augenbraue fragend hochgezogen. "Einen Schauspieler?"

 

Mit einem Seufzen kam Kirk auf die Beine und trat zu seinem Geliebten. "Ja", meinte er leise und lehnte sich müde  gegen den Vulkanier.

 

Offenbar spürte Spock, dass Jim irgend etwas bedrückte und hielt ihn fest. Und fasste sich in Geduld.

 

Doch nach einem Moment löste sich Kirk von ihm Er lächelte schief und hakte einen Finger unter den Saum des Handtuchs um Spocks Taille - gegenwärtig das einzige, was der Vulkanier überhaupt trug - und zog leicht daran. "Du solltest vielleicht etwas anziehen", schlug er vor. "Sonst fühle ich mich noch versucht, meine Verabredung heute abend platzen zu lassen und mich statt dessen ganz dir zu widmen..."

 

Die Augen des Vulkaniers blitzten amüsiert auf, doch er war in kürzester Zeit angezogen.

 

Jim setzte sich wieder auf der Bettkante und beobachtete ihn. Lange hielt er es nicht aus, sondern sprang wieder auf, aller Müdigkeit zum Trotz.

 

"Was ist auf Arkturus passiert, Jim?", unterbrach Spocks ruhige Stimme in seine Gedanken.

 

Kirk holte tief Luft und entspannte bewusst seine Schultern. Und erzählte dann von der unglaublichen Behauptung, die ihm sein alter Freund Thomas Leighton unterbreitet hatte – bei dem Schauspieler Anton Karidian handele es sich um Kodos, den totgeglaubten ehemaligen Gouverneur von Tarsus.

 

Als er endete, blickte er den Vulkanier, der ihm ohne zu unterbrechen zugehört hatte. Mit einiger Beunruhigung sah er die scharfe Falte auf Spocks Stirn. Es war ein wohlbekanntes Zeichen, das für gewöhnlich bedeutete, dass sein Erster Offizier besorgt war.

 

"Das ist eine sehr... gewagte... Behauptung, die Identität eines derartig bekannten Schauspielers einfach anzuzweifeln", meinte Spock vorsichtig, als er erkannte, dass Kirk auf eine Antwort von ihm wartete.

 

Seufzend fuhr sich Jim mit den Fingern durch das Haar - was nur dazu führte, es jetzt in alle Richtungen abstand. "Ich weiß. Aber ich habe wohl keine andere Wahl, als mir die Aufführung anzusehen. Und danach versuche ich, noch einmal mit Tom Leighton zu sprechen. Oder mit seiner Frau Martha. Vielleicht kann sie Tom von dieser absurden Vorstellung abbringen." Er warf einen flüchtigen Blick auf die Uhr und fluchte leise. In einer halben Stunde begann die Vorführung und er wollte zuvor noch duschen und sich umziehen.

 

Mit einem entschuldigenden Blick in Spocks Richtung verschwand er in ihrem gemeinsamen Badezimmer. Als er fünf Minuten später in die Kabine zurückkehrte, wartete bereits eine frische Uniform auf ihn. Er hielt einen Moment inne, das Uniformoberteil in den Händen. "Danke. Und du willst wirklich nicht mitkommen? Sie spielen Shakespeare - Macbeth. Und laut unserer Datenbank sollen sie gut sein."

 

Der Vulkanier schüttelte den Kopf. "Wirklich nicht, Jim. Außerdem - ich würde stören, wenn du mit Dr. Leighton und seiner Frau sprichst." Er schenkte seinem Captain jenes rare Halb-Lächeln, das jedes Mal Jims Stimmung aufhellte. Kirk nickte - Spock hatte natürlich recht. "Na gut", meinte er bedeutungsvoll und streifte seine Kleidung über. "Aber später kommst du mir nicht mehr so leicht davon."

 

"Ich werde das in Erinnerung behalten", versprach der Vulkanier feierlich, doch in seinen Augen funkelte es amüsiert, als Jim in Gelächter ausbrach.

 

Spock blickte ihm gedankenvoll nach, bevor er sich auf den Boden kniete n weg, um zu meditieren. Er machte sich Sorgen, wenn er sich auch nicht absolut sicher war, weshalb...

 

 

Jim hatte die Vorstellung genossen - trotz der düsteren Erinnerungen, die ihm Toms Behauptung (und die Daten des Schiffscomputers, die er früher am Abend vorsorglich durchgegangen war) ins Bewusstsein zurückgerufen hatten. Vor allem Lady Macbeth - dargestellt von Lenore Karidian, Tochter des fraglichen Schauspielers – war ihm besonders aufgefallen. Sie hatte die Rolle nicht nur einfach gespielt – Sie hatte sie mit Leben erfüllt.

 

Lenore Karidian erwies sich auch ohne das bizarre Bühnen-Makeup als eine äußerst attraktive junge Frau. Ihre Unterhaltung, in die Kirks vorsichtige Erkundigungen nach ihrem Vater einfließen liess, wurde allerdings nach kurzer Zeit vom Summen seines Kommunikators unterbrochen. Etwas unwillig über die Störung beantwortete er den Ruf. Es war Spock - und was er zu sagen hatte, war alles andere... nur keine gute Nachricht.

 

„Dr. Leighton ist tot.“ Einen Moment lang stand er da, starrte verständnislos auf das Gerät in seiner Hand. Ob wohl irgend jemand auf der Brücke das Mitgefühl in der ruhigen Stimme des Vulkaniers hörte?, dachte er zusammenhanglos.

Dann löste er sich aus der Starre. "Verstanden, danke. Ich kümmere mich sofort darum", meinte er leise. "Bis später. Kirk Ende." Nach einer knappen Verabschiedung von Lenore machte er sich auf den Weg in das Appartement der Leightons auf Arkturus.

 

 

Marthas ruhige Stimme, ihre traurigen - doch gefassten - Worte, verfolgten ihn, als er eine Stunde später an Bord zurückkehrte. Er fühlte sich vollkommen verwirrt und wütend. Toms Tod machte einfach keinen Sinn! Außer er hatte recht gehabt mit seiner Behauptung... Wenn er nur einen Beweis dafür finden könnte.

 

Spock war noch auf der Brücke, weswegen Jim sich in seine Kabine zurückzog und sich am Schreibtisch niederließ. Diese Truppe... morgen würde sie wieder weg sein und damit jede Möglichkeit, mehr über Karidian herauszufinden. Außer... Er aktivierte das Interkom und ließ sich von Uhura mit dem Captain der Astral Queen verbinden.

 

Müde lehnte er sich zurück und rieb seinen Nasenrücken, heftige Kopfschmerzen kündigten sich an. Er setzte Spock eher kurzangebunden über ihren Kurswechsel in Kenntnis, eine vage Idee verfolgend. Riley – der, wie er inzwischen erfahren hatte, ebenfalls ein Augenzeuge der schrecklichen Massaker auf Tarsus IV gewesen war – versetzte er vorsorglich in den Maschinenraum, so war er außer Sichtweite der Schauspieler. Er lächelte grimmig. Möglicherweise konnte ihm ja Lenore Karidian ein paar Fragen beantworten, nachdem ihr Vater es abgelehnt hatte, Besuch zu empfangen. "Ich denke, ich werde einer jungen Dame das Schiff zeigen", meinte er gedehnt.

 

Eine lange Pause folgte seinen Wortenn. Spock antwortete merklich kühl, doch Jim war zu sehr mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt, um es wirklich zu beachten.

 

 

Lenore Karidian erwies sich als begeistert, als er sie zu einer Schiffsbesichtigung einlud. Kirk ließ seinen berühmt-berüchtigten Charme spielen - irgendwie genoss er das ungezwungene Zusammensein mit einer Frau sogar.

 

Yeoman Rand unterbrach die romantische Stimmung leider. Dabei hatte er strikte Anweisung gegeben, nicht gestört zu werden. Die Nachricht des Vulkaniers, die sie ihm überbrachte, steckte er in die Hosentasche. Es konnte sich um nichts allzu dringliches handeln, sonst hätte Spock ihn über das Interkom informiert. Er konzentrierte sich lieber wieder auf die Unterhaltung mit Lenore. Irgendwann begann ihr Gespräch aber dann in etwas privatere Bahnen abzudriften. Und bevor er sich versah, hatten sie Worte bereits hinter sich gelassen - und waren beim Küssen angelangt.

 

Ihr Mund war kühl und ihr Körper weich und nachgiebig in seinen Armen. Er schloss die Augen - und sah Spock vor sich. Das hatte ungefähr die Wirkung einer kalten Dusche und vertrieb den Nebel aus seinem Verstand so rasch, wie er aufgetaucht war. Was mache ich da eigentlich?

 

Sanft löste er sich von ihr und wich zurück. Verdammt, was war nur mit ihm los? Knutschte wie ein Teenager mit einem Mädchen im Dunkeln  herum, während der Mann, den er liebte, sicherlich auf eine Antwort von ihm wartete. Mit einer lahmen Entschuldigung, die sogar für seine Ohren so klang, verabschiedete er sich von Lenore Karidian und ließ sie dann einfach stehen.

Im Korridor lehnte er sich einen Moment an die Wand und holte tief Luft. Er hatte doch nur beabsichtigt, sie über ihren Vater auszufragen - nicht eine Affäre  mit ihr zu beginnen. Früher ja - aber jetzt gab es Spock und niemanden sonst...

 

Damit schob er diesen Ausrutscher zur Seite und zog Spocks Nachricht aus der Tasche.

 

Sekunden später war alles andere vergessen - und Captain Kirk auf dem Weg in die Krankenstation.

 

 

Vergiftet! Ein Mitglied seiner Crew vergiftet! Am liebsten wäre er sofort in die Kabine der Schauspieler gestürmt und hätte sie dazu befragt. Er kochte innerlich vor Wut. Dazu McCoys unangenehme Fragen und Spocks eisige Förmlichkeit, die ihn nur noch mehr irritierten. Er verschob eine Aussprache auf später - und machte sich trotz der Einwände des Vulkaniers auf, Karidian sofort zu befragen. Es war schon zuviel Zeit mit Spekulationen  vergeudet worden, jetzt wollte er die Wahrheit wissen...

 

Vollkommen erschöpft und verwirrter als jemals zuvor, kehrte er später in seine Kabine zurück und warf sich auf sein Bett, das Gesicht in den Händen vergraben. War Karidian nun Kodos - oder war er es nicht...? Er wusste es nicht. Er wusste überhaupt nichts mehr. Das bizarre Gespräch mit Karidian spielte sich wieder und wieder vor seinem inneren Auge ab, doch er konnte zu keiner Entscheidung finden. Entweder ist er Kodos oder verrückt... Oder vielleicht bin ich es...

 

Ich bin so müde. Er sehnte sich plötzlich mit ungewohnter Heftigkeit nach Spocks beruhigender Präsenz. Doch der war noch auf der Brücke, überwachte den Kurswechsel nach Eta Benecia, dem nächsten Engagement der Schauspieler und schien auch sonst sehr beschäftigt zu sein. Offensichtlich viel zu beschäftigt, um sich um ihn zu kümmern.

Ruhelos wälzte er sich hin und her und konnte nicht einschlafen. Er wartete noch lange darauf, dass Spock vielleicht doch noch zu ihm kam. Doch der Vulkanier tauchte nicht auf. Schließlich schlief er über das Warten ein - und wurde von Alpträumen und alten Erinnerungen geplagt.

 

 

Spock hatte sich entschuldigen lassen, McCoy kam - wie fast schon üblich bei solchen Anlässen - wieder einmal zu spät. Unbehaglich saß Jim allein in der ersten Reihe ihres improvisierten Theaters und lauschte mit halbem Ohr dem erwartungsvollen Gemurmel der Crewmitglieder um sich herum.

 

Und dann wurde es wirklich schlimm. Zuerst kam der Ruf aus der Krankenstation – der kaum von seiner Vergiftung genesene Riley war verschwunden. Dann der aus der Sicherheitsabteilung - eine Waffe hatte sich offenbar in Luft aufgelöst.

 

Dieser verdammte Narr! Klaut' einen Phaser und versucht Racheengel zu spielen. Nicht, dass er die Gefühle des jungen Mannes nicht verstehen köonnte - aber er war immer noch nicht völlig überzeugt, dass Karidian wirklich Kodos war. Selbst der Verifikationstest von Karidians Stimme und der Mordanschlag auf sein eigenes Leben früher an diesem Abend hatten nicht alle Zweifel vollständig ausgeräumt. Während vorne die Vorstellung begann – Hamlet - musste er sich hinter der Bühne herumtreiben und nach einem Mitglied seiner Crew suchen, das darauf aus war, den Hauptdarsteller zu erschießen. Was ging nur plötzlich mit seinem Leben so schief?

 

 

 

Es war vorbei. Karidian - Kodos - war endgültig und diesmal zweifelsfrei tot, Lenore unter Bewachung in der Krankenstation. McCoy hatte ihm seinen Bericht übergeben. Sie war geisteskrank. Sie tat Jim fast leid.

 

Kirk lag auf seinem Bett. Barfuss, mit bloßem Oberkörper und versuchte sich zu entspannen. Er dachte über McCoys Frage nach - eine Frage, die er auf der Brücke nicht beantwortet hatte. 'Du hast sie gemocht, nicht wahr?' Eine ungewöhnlich vorsichtige Formulierung für seinen sonst sehr direkten CMO... Und keine Antwort. Weder damals, noch jetzt. Er drehte sich auf den Bauch, legte den Kopf auf verschränkte Arme. Gemocht? Vielleicht - ja, man konnte so sagen - anfangs zumindest. Er hatte sie sympathisch gefunden, sogar anziehend. Früher hätte er ohne Bedenken eine Affäre mit ihr angefangen - und sie dann wieder vergessen. Aber das war eben früher gewesen... und jetzt war jetzt. Jetzt war alles anders. Er liebte Spock und die Tiefe seiner Gefühle machte ihm manchmal Angst. Aber er bereute nicht einen Tag, seit sie Liebhaber waren. Es hatte schließlich lang genug gedauert, den Vulkanier dazu zu bringen, seine Gefühle - und die des Menschen - zu akzeptieren - und danach zu handeln.

 

Eine Zeitlang verlor er sich in weitaus angenehmeren Erinnerungen, als die der letzten Tage. Ein verträumtes Lächeln spielte um seine Lippen, als er einschlief.

 

 

Abrupt erwachte er in Dunkelheit. Irgendein Geräusch hatte ihn aus dem Schlaf gerissen. Er setzte sich auf, schüttelte die restliche Müdigkeit ab und lauschte. Mit einem belustigten Kopfschütteln sank er zurück in die Kissen. Die Dusche nebenan - offensichtlich war Spock endlich wieder zum Vorschein gekommen. Den ganzen Tag hatte sich der Vulkanier mit einem augenscheinlich unglaublich wichtigen Projekt in den Labors der Enterprise vergraben. Obwohl es irgendwie sehr beruhigend gewesen wäre, ihn auf der Brücke um sich zu haben. Sein Anker der Normalität.

 

Oder mied ihn sein Erster Offizier vielleicht? Er wusste, dass er während der letzten beiden Tage manchmal unausstehlich gewesen war, Spock grundlos harsch angefahren hatte. Aber der Vulkanier wusste doch sonst auch mit ihm umzugehen, wenn er unter Stress stand... Er diskutierte es mit ihm aus, erklärte ihm auch mal, wie unlogisch er sich benahm, wenn es notwendig war. Oder gab ihm eine dieser herrlichen Massagen. Die meist im Bett endeten. Eben Spocks ganz persönliches Anti-Stress-Programm für seinen Captain. Genau was der Arzt verordnete...

 

Irgend etwas ist nicht in Ordnung. Die leise Stimme der Intuition, der er fast immer vertrauen konnte, meldete sich zu Wort. Unsinn! Was sollte nicht in Ordnung sein? Er streckte sich wieder aus. Spock war eben manchmal etwas zurückhaltender...

 

 

Abrupt setzte er auf und schwang die Beine über die Bettkante. Trotzdem war es ungewöhnlich. Vielleicht sollte er den ersten Schritt machen?

 

Gesagt, getan. Kirk machte sich nicht die Mühe, etwas überzuziehen. In Spocks Kabine würde es heiß sein. Und für das, was er beabsichtigte, war zuviel Kleidung ohnehin nur hinderlich.

 

Spock saß an seinem Schreibtisch, ganz in die Datenkolonnen auf seinem Bildschirm vertieft, als er zu ihm trat. "Hi."

 

Der Vulkanier sah flüchtig auf. "Guten Abend. Was kann ich für dich tun?"

 

Der steife Tonfall ließ Jim seine ausschließlich amourösen Absichten ganz rasch vergessen. Er schlug eine andere Taktik an und lehnte sich an den Schreibtisch, die Arme vor der Brust verschränkt.

 

"Sehr beschäftigt?", fragte er leise und versuchte, aus den Ziffern schlau zu werden.

 

Der Vulkanier schaltete mit einer alarmierend heftigen Bewegung das Terminal aus und stand auf. Er entfernte sich einen Schritt vom Schreibtisch - und von ihm – und sah an Kirk vorbei, die Hände auf den Rücken gelegt. "Nein. Das ist nur eines meiner Forschungsprojekte, die ich in meiner Freizeit durchführe, Captain."

Dann also ein Direktangriff. "Okay, was ist los, Spock? Du bist mir heute den ganzen Tag  ausgewichen."

 

Zum ersten Mal, seit er eingetreten war, sah ihn der Vulkanier direkt an - und Jim unterdrückte ein Schauern angesichts der Kälte, die aus seinem Blick sprach.

 

"Mit mir ist nichts ‚los’", entgegnete Spock unterkühlt.

 

"Das sehe ich", schnappte Jim zurück. Und hätte sich am liebsten auf die Zunge gebissen, als er sah, wie sich das ohnehin strenge Gesicht seines Geliebten noch mehr verhärtete. Er hob beide Hände in einer beredten Geste - entschuldigend und besänftigend zugleich. "Entschuldige, das war unangebracht." Der Vulkanier schien sich etwas zu entspannen. "Aber rede mit mir", fuhr Kirk fort. "Bitte?"

 

Spock kam wieder näher. "Ich habe nur eine Frage, Jim. Hatte McCoy recht?"

Einen Moment hatte er keine Ahnung, worauf der Vulkanier anspielte. Dann glaubte er fast ein Klicken zu hören, als ihm einiges klar wurde.

Er stieß sich vom Schreibtisch ab und stellte sich, um das Möbel herumgehend, Spock in den Weg.

 

"Einen Augenblick", sagte er betont leise. "Verstehe ich dich richtig? Das hier ist wegen McCoys dummer Bemerkung über Lenore Karidian?" Als Spock nickte, widerstand er nur mit Mühe dem Impuls zu lachen. Spock war... eifersüchtig...? Eigentlich war ihm überhaupt nicht zum Lachen zumute. Was jetzt aber mit dieser Erkenntnis anfangen? Verwirrt strich er sich durch die Haare.

 

"Hattest du dich in sie verliebt?"

 

Der Vulkanier hatte ihm somit die Entscheidung abgenommen. "Nein - ja, vielleicht ein wenig... Himmel, Spock. Ich weiß es nicht!" Frustriert durchquerte er den Raum und setzte sich auf das Bett. Tief atemholend beruhigte er sich. Er hob den Kopf und sah Spock an, der ihm gefolgt war, jedoch am Raumteiler inne gehalten hatte. "Komm' setz' dich zu mir", meinte er. Für einen langen Moment bewegte sich Spock nicht, ließ sich dann aber doch steif neben seinem Captain nieder.

 

Jim wandte sich ihm voll zu und griff nach seinen Händen - was Spock widerspruchslos zuließ. "Hör' mir bitte zu", meinte er leise. "Ich war nicht in Lenore verliebt - noch bin ich es. Vielleicht war ich eine Zeitlang versucht. Ich weiß es nicht. Die letzten beiden Tage waren ein einziger Alptraum. Die ganzen Erinnerungen an die Zeit auf Tarsus IV, Toms Tod - und die ganze Zeit diese Zweifel, ob ich es nicht verhindern hätte können, wenn ich ihm nur mehr Glauben geschenkt hätte." Und erst jetzt, als er diesen Gedanken in Worte gefasst hatte, sah er zum ersten Mal, dass es wirklich so gewesen war. "Ich wollte es nicht glauben."

 

"Aber du konntest nicht anders handeln - zu diesem Zeitpunkt gab es keinerlei Beweise, dass Anton Karidian wirklich Kodos war", wandte Spock ein.

 

Jim lächelte schief und drückte die Hände des Vulkaniers. "Du scheinst immer zu wissen, was du sagen musst, Spock. Weißt du das?"

 

Spock sah zur Seite, löste seine Hände aus Kirks Griff. "Nein, das scheine ich nicht", erwiderte er bitter. "Ich..."

 

Doch Jim schnitt ihm mit einem Kuss das Wort ab. Er zog den Vulkanier an sich. "Lass' uns jetzt nicht darüber reden, bitte. Halt' mich einfach fest - und mach' mich glauben, dass dieser Alptraum vorbei ist..."

Er spürte die schmalen, heißen Lippen Spocks flüchtig auf seinen, dann langsam seinen Hals entlanggleiten.

 

"Es ist vorbei, Jim."

 

"Ja..."

 

 

Sie langen engumschlungen im matten Schein des Wächters. Jim legte den Kopf an Spocks Schulter - und begann zu erzählen.

Zum ersten Mal seit fast zwanzig Jahren sprach er wieder von demm oder lieber gleich vom Alptraum auf Tarsus IV, von den entsetzlichen Bildern, die den Sechzehnjährigen noch lange verfolgt hatten. Bis die Zeit die Erinnerungen langsam begraben, wenn auch nicht getilgt hatte.

Allmählich wurden Jims Worte immer spärlicher und immer häufiger von Gähnen unterbrochen. Er schlief schließlich ein.

 

Spock musterte sein im Schlaf entspanntes Gesicht. Es war ihm jetzt klar, dass er seinem t'hy'la Unrecht getan hatte Kirks Barschheit, seine Zurückweisung war nur eine Folge des Stresses gewesen, den ihn weg die Ereignisse der letzten Tage auf ihn ausgeübt hatten - kein Zeichen, dass Jim ihn nicht mehr liebte... über hatte hört sich für Spock zu umgangssprachlich an, ev. Eher dass er ihrer Beziehung schon überdrüssig war oder so

Er wusste, dass noch nicht alles wieder zwischen ihnen geklärt war. Es gab noch vieles, über das sie sprechen mussten. Über Vertrauen - und darüber, dass Sorgen dafür da waren, geteilt zu werden. Was für sie beide galt. Aber das hatte auch noch Zeit bis morgen... Ohne Jim aufzuwecken, zog er ihn so an sich, dass es für sie beide bequem war. Seine Fingerspitzen flüsterten einen letzten Gute-Nacht-Kuss auf die kühlen Lippen des Menschen, bevor auch er in den Schlaf driftete.

 

 

Du hast noch ein paar Trennungen im Text, nehme an, du hast mal die Schriftgröße geändert oder durch den Rand ist es runtergerutscht.

Ende