Fesselnde Erfahrung

T’Len

2007

 

 

 

Fandom: SK Kölsch

Charaktere: Jupp Schatz, Klaus Taube

Kategorie: G, Humor

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Summe: Wie heißt es so schön: Drum prüfe, wer sich ewig bindet – Jupp hätte mal besser darauf gehört.

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Vielen Dank an Lady Charena fürs Beta.

 

 

 

„Verdammt!“ Jupp Schatz fluchte laut, als das Telefon klingelte. Zum dritten Mal innerhalb der letzten zehn Minuten. Er war sich sicher, dass am anderen Ende der Leitung Klaus Taube dran war, der sich wunderte, dass er ihn noch nicht zum Dienst abgeholt hatte, so wie jeden Morgen und nun nachfragen wollte, wo er blieb. 

 

Nur war er leider gerade ans Bett gefesselt, im wahrsten Sinne des Wortes. Jupp fluchte erneut. Wie hatte er nur in diese peinliche Lage geraden können? Dabei war es doch gestern so ein schöner Abend gewesen. Karin, die blonde OP-Schwester, die er im „Rättematäng“ aufgerissen hatte, war nur allzu willig gewesen, mit ihm nach oben zu gehen, auf ein paar private Gläschen und ein bisschen Spaß. Dass sie, als sie seine Handschellen entdeckte, diese ausprobieren wollte, hatte er auch okay gefunden. War mal was anderes. Und ehrlich, sie ging danach ab wie eine Granate. Mal selber nichts tun zu müssen und sich ganz der Führung der Frau zu überlassen, war für Jupp zwar ungewohnt gewesen, aber im Endeffekt doch eine sehr befriedigende Erfahrung. Wirklich sehr befriedigend, wenn er ehrlich war.

 

Nur dummerweise hatten sie hinterher nicht mehr die Schlüssel gefunden, um ihn wieder zu befreien und dann hatte auch noch Karins Handy geklingelt und sie war zu einer dringenden Operation ins Krankenhaus gerufen worden. Zwar hatte sie versprochen, bevor sie ging, wiederzukommen und sich etwas einfallen zu lassen, um ihn zu befreien. Aber das war Stunden her. Seine Arme waren in der unbequemen Haltung, über seinem Kopf ans Bettende gefesselt, schon lange eingeschlafen. Seine Blase platzte gleich. Und natürlich war Flo gerade jetzt auf Klassenfahrt und seine Mutter in Aachen bei einer alten Freundin, also er allein in der Wohnung. Okay, zugegeben, so hätte er auch nicht unbedingt von seiner Mutter oder gar seinem Sohn gefunden werden wollen.

 

Es klingelte erneut, diesmal sein Handy. Leider steckte das in der Hosentasche und jenes Kleidungsstück lag wie der Rest wild verstreut im Zimmer. Jupp versuchte sich so weit er konnte aus dem Bett zu strecken und die Hose mit den Füßen zu angeln. Doch das einzige, was er so erreichte war, dass ihm die Betdecke runterfiel. Na prima, fluchte er innerlich, jetzt würde er auch noch frieren bis ihn endlich jemand fand.

 

Er konnte nur hoffen, dass Taube begann, sich Sorgen zu machen, wenn er ihn nicht erreichte und kam, um nach ihm zu schauen. Und hoffentlich nahm er dafür ein Taxi und nicht die Straßenbahn oder ging gar zu Fuß.


Er musste langsam wirklich dringend mal.

 

///

 

Zehn Minuten später klingelte es an seiner Tür.

 

„Klaus!“, schrie Jupp und hoffte, er würde ihn hören.

 

Es klingelte erneut. Dann bimmelte sein Handy.


„Klaus!“

 

Jupp versuchte, sich aufzurichten, dabei stieß er gegen den Nachttisch und die Weinflasche, aus der sie gestern getrunken hatten, fiel scheppernd zu Boden. Ihr restlicher Inhalt ergoss sich über den Teppich. Jupp seufzte. Seine Mutter würde ihm dafür wieder einen Vortrag halten.

 

Aber immerhin schien Klaus draußen mittlerweile hellhörig geworden zu sein. Jupp hörte, wie sich die Tür öffnete – Gott sei Dank war sie nicht abgeschlossen gewesen – und Klaus’ fragende Stimme im Flur ertönte. „Jupp?“

 

„Hier!“, rief Jupp hastig.

 

Die Tür zum Schlafzimmer öffnete sich. „Was ist denn los?“, fragte Klaus besorgt. „Du kommst nicht, du gehst nicht ans Telefon, bist du krank?“

 

Er überblickte das Chaos im Zimmer und sah schließlich auch Jupps gefesselten Zustand. „Bist du überfallen worden?“

 

„Quatsch“, erwiderte Jupp. „Jedenfalls nicht so, wie du es meinst.“

 

Klaus verstand und trat näher zum Bett, sich ein Grinsen nur schwer verkneifend. Das geschah Jupp nur Recht. Warum brachte er sich auch immer wieder in solche Situationen und konnte sich nie beherrschen. Er hob die Weinflasche auf und stellte sie wieder auf den Nachttisch. „Lass mich raten, das sind deine Handschellen“, sagte er. „Und die Dame, die sie dir anlegte, ist längst verschwunden?“

 

Jupp nickte.


„Du weißt schon, dass das Zweckentfremdung von Dienstmaterial...“

 

„Quatsch hier nicht rum“, unterbrach Jupp Klaus ungehalten. „Mach mich lieber los.“ Er dachte: Ein Königreich für ein Klo.

 

„Wo sind deine Schlüssel?“

 

„Na wenn ich das wüsste, dann läge ich wohl kaum hier, du Schlaumeier“, erwiderte Jupp. „Entweder sind sie in meinem Schreibtisch im Büro oder ich habe sie verloren:“

 

„Tja, dann musst du wohl so liegen bleiben:“ Klaus hatte sich derweil in aller Gemütlichkeit auf die Bettkante gesetzt und musterte Jupp interessiert von oben bis unten.

 

Dem wurde plötzlich siedend heiß bewusst, dass er nackt war. „Glotz nicht so“, fauchte er Taube an.


„Ach Jupp“, erwiderte Klaus grinsend. „Glaub mir, du hast nichts, was ich nicht schon zigmal in besserer Ausführung gesehen habe.“

 

Jupp wollte aufbrausen, überlegte es sich dann aber anders. Wenn er Klaus verärgerte, kam er hier nie los. Und er hatte es langsam wirklich verdammt eilig. „Mann, tu endlich was“, erwiderte er stattdessen. Für seinen Geschmack amüsierte sich Klaus momentan viel zu gut. Das Ganze würde er ihm wieder wochenlang vorhalten. Hoffentlich tratschte er es nicht gleich Achim weiter. Dann wusste es in Kürze das ganze Präsidium und er wurde zur totalen Lachnummer.

 

„Und was soll ich deiner Meinung nach tun?“, fragte Klaus betont unschuldig, während er seinen belustigten Blick noch einmal bezeichnend Jupps Körper auf und ab wandern ließ.

 

Jupp hatte das dringende Gefühl, er müsste bis in die Haarspitzen erröten. „Was weiß ich. Besorg nen Schneidbrenner oder so was“, erwiderte er.  „Lass dir halt was einfallen. Bist doch angeblich so ein schlaues Kerlchen.“

 

„Zerstörung von Staatseigentum, Jupp, das wird teuer“, antwortete Klaus. „Vielleicht ruf ich lieber den Schlüsseldienst oder gleich die Polizei?“

„Untersteh dich“, knurrte Jupp. „Lieber bleib ich so liegen.“ Keine gute Idee, machte ihm seine drückende Blase rasch deutlich.

 

Klaus zückte sein Handy. „Achim? Hier ist Klaus. Tu mir bitte einen Gefallen und kuck mal auf und in Jupps Schreibtisch nach, ob dort irgendwo die Schlüssel seiner Handschellen sind. Ja, jetzt gleich. Ich warte.“

 

Jupp betete inbrünstig, dass Achim tatsächlich die Schlüssel fand. Er wollte auf keinen Fall, dass ihn irgendjemand vom Schlüsseldienst – oder noch schlimmer Kollegen – so sah. Aber Klaus mit einem Schneidbrenner in seiner Nähe zu wissen, war auch nicht gerade eine ermutigende Vorstellung. Konnte der mit so was überhaupt umgehen?


„Du hast sie? Gut. Bring sie bitte gleich bei Jupp vorbei. Und sag dem Chef, wir kommen etwas später. Es gab einen kleinen... Unfall.“ Beim letzten Wort grinste er erneut. „Nein, es geht uns gut. Keine Bange. Zumindest mir. Jupp... na ja.“ Jupp schoss ihm einen warnenden Blick zu, doch Klaus schien ihn zu ignorieren. „Komm einfach mit dem Schlüssel her“, ergänzte er.

 

„Und beeil dich!“, schrie Jupp, aber da hatte Klaus sein Handy schon wieder zugeklappt.

 

„Kann ich sonst noch etwas für dich tun?“, fragte er süffisant. „Dir vielleicht das Frühstück ans Bett servieren? Oder die nächste Dame?“

 

„Haha, sehr witzig“, machte Jupp. „Ich lach später.“

 

Er stöhnte gequält auf.

 

„Was ist?“, fragte Klaus, nun wieder ernst.

 

„Nix“, erwiderte Jupp. „Ich brauch nur dringend ein Klo.“

 

„Ich könnte ja ein Töpfchen suchen gehen“, antwortete Klaus und in seinen blauen Augen funkelte es wieder belustigt. „Ich helf’ dir auch gern halten.“

 

Jupp stöhnte erneut – und betete Achim würde einmal in seinem Leben schnell fahren.

 

Ende