Einzug

T’Len

2006

 

 

 

Serie: SK Kölsch

Charaktere: Klaus Taube

Altersangabe: G

Feedback: tlen@freenet.de

Summe: Klaus verbringt die erste Nacht in seiner neuen Wohnung.

Hinweis: Eine Art Gegenstück zu „Auszug“, diesmal aus Taubes Sicht.

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Vielen Dank an Lady Charena fürs Beta.

 

 

 

Klaus Taube blieb mitten im Raum stehen, zögerte einen Moment, doch schließlich holte er tief Luft und setzte seine Taschen ab. Es roch nach frischer Farbe und Tapetenkleister, gemischt mit dem Geruch eines neuen Bodenbelags und neuer Möbel.

 

Klaus öffnete das Fenster und hoffte auf eine ordentliche Brise. Wenn es ihm nicht gelang, etwas frische Luft ins Schlafzimmer zu bekommen, würde er wohl kaum einen entspannenden Schlaf finden. Nicht, dass er den in letzter Zeit öfters hätte genießen können. Der Stress im Job und vor allen Dingen all die Sorgen und Probleme, die mit Ellens Tod einhergingen und die gerichtet werden mussten , wobei er Jupp tatkräftig zur Seite stand, hatten ihm mehr als eine schlaflose Nacht beschert.

 

Ganz zu schweigen von den Nächten, die er an Flos Bett verbracht hatte, wenn der Junge von Albträumen geplagt, schreiend aufwachte. Und die Nächte, die er mit seinem Vater durchwacht hatte. Manchmal sich stundenlang Jupps Erzählungen über seine Ehe mit Ellen anhörend, manchmal einfach nur mit ihm schweigend, wenn Jupp seinen Erinnerungen nachhing. Oft auch im Versuch, Jupps Selbstvorwürfe und -zweifel zu zerstreuen. Er wusste, dass Jupp sich schuldig fühlte an Ellens Tod, so unlogisch das auch war.

 

Klaus blickte auf das Bett. Es war unbezogen. Er würde die Nacht auf der nackten Matratze schlafen müssen. Seine Bettwäsche befand sich noch bei Jupp. Erst letzte Woche waren die Maler- und Tapezierarbeiten fertig geworden. Dass er sich von Jupp hatte überreden lassen, das Geld für eine Firma zu sparen, und es stattdessen mit den Kollegen nach Feierabend selbst zu tun, war dem Tempo nicht gerade förderlich gewesen.

 

Da er nach dem Rohrbruch in seiner alten Wohnung die meisten seiner Möbel entsorgen musste, hatte er sich zudem fast komplett neu einrichten müssen. Noch war nicht alles geliefert worden, hatte er nicht da Zeit gefunden, seine persönlichen Habseligkeiten in sein neues Zuhause zu transportieren.

 

Eigentlich hatte er geplant, noch ein paar Tage bei Jupp zu wohnen, bis er sich hier richtig eingerichtet hatte. Doch er wusste, dass er keinen Tag und vor allem keine Nacht länger hätte bleiben dürfen, bleiben können. Nicht, wenn er je wieder sein eigenes Leben führen wollte. Und das musste er, wollte er nicht eines Tages den Verstand verlieren.

 

Es machte ihm nichts aus, sich um Jupp und Flo zu kümmern, einzukaufen, die Wohnung sauber zu halten und zu kochen, auch wenn er Jupp schon aus Prinzip immer wieder zur Mitarbeit anhielt. Jupp war sein Freund und er half ihm gern. Außerdem machte es ihm Spaß für eine – ja seine, zumindest empfand er sie als solche – Familie zu sorgen. Wenn er etwas bedauert hatte in einem Leben, dann, dass er nie eigene Kinder würde haben können, eine Familie. Aber er war auch so ehrlich zu sich selbst, dass er keine Lüge leben wollte. Er hatte seinen Beruf, er hatte dann und wann eine Beziehung – leider bisher nichts dauerhaftes – das genügte, musste genügen.

 

Doch dann war er nach Köln gerufen worden – und geblieben. Und ein gewisser Jupp Schatz war ins ein Leben getreten.

 

Aber genau das war sein Problem. Auch wenn sie auf den ersten Blick das totale Gegenteil waren, etwas Besonderes schien sie zu verbinden. Er hatte bei Jupp und Flo etwas gefunden, was er weder in seiner eigenen Familie noch bei seinen früheren Partnern gefunden hatte: Wärme, Geborgenheit, Akzeptanz, Verständnis.

 

Alles, wonach er sich sein Leben lang gesehnt hatte – fast alles. Und er wusste, dass er das eine, was ihm zum vollkommen Glück noch fehlte, nie bekommen würde. Jupp würde ihn nie lieben können, nicht körperlich, nicht emotional. Etwas anderes auch nur zu erhoffen, wäre der pure Wahnsinn.

 

Und genau deshalb war er gegangen. Gegangen bevor er sich selbst zu tief in Gefühle verstrickte, die nicht sein durften, nicht sein konnten. Gefühle, die nie erwidert werden würden.

 

Er hatte gehen müssen bevor es zu spät war, bevor er nicht mehr gehen konnte, weil ihm die Kraft dazu fehlte. Bevor er sich in Träumen und unerfüllbaren Hoffnungen verloren. Bevor er vielleicht eines Tages etwas sagte oder tat, was ihm auch noch das einzige, das er erhoffen durfte, nahm, Jupps Freundschaft.

 

Er hatte gehofft, irgendwo tief in seinem Inneren, Jupp würde die Zeichen verstehen, würde erkennen, was er für ihn empfand. Aber Jupp konnte nicht sehen, was für ihn unvorstellbar war. Momentan schon gar nicht. Vielleicht eines Tages, wenn die Erinnerung an Ellen, der Schmerz über ihren Verlust, nicht mehr so groß war – aber Klaus konnte nicht auf einen Tag warten, der aller Voraussicht nach, nie kommen würde. Nicht, wenn er sich nicht selbst verlieren wollte.

 

Er brauchte Abstand, zumindest zeitweilig, um endlich wieder zu sich selbst zu finden.

 

Klaus fröstelte und zog den Mantel enger um sich. Ihm war kalt und er hatte sich noch nie so einsam gefühlt wie in diesem Augenblick.

 

Ende