Titel: Durch die Nacht
Autor: Lady Charena
Fandom: SK Kölsch

Paarung: Jupp Schatz, Klaus Taube
Rating: h/c, gen

Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Nach „Die letzte Partie“ (04/01) – Jupp bringt den angeschossenen Klaus nach Hause.

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Lyrics von Glashaus.

 

 

Jupp grinste breit – erleichtert, noch high von der Adrenalinwelle, die in seinem Blut kursierte, seit er mit quietschenden Reifen vor dem Haus angekommen war und Jan Holding mit einer Waffe auf den von einem Fenstersturz benommenen Taube zielen sah. Vielleicht war es auch der Gestank des überall im Raum verschütteten Benzins, der ihm in den Kopf stieg. Er steckte das Messer zurück, mit dem er die Fesseln seiner Kollegin Gabi und ihrer Zeugin durchgeschnitten hatte und ging auf Taube zu, der langsam den Flur entlang kam. „Das nächste Mal wenn du einen alten Freund triffst, sei gefälligst vorsichtiger!“ Er warf einen Blick über die Schulter und sah, wie sich Gabi aufrappelte und offensichtlich wütend darüber, überrumpelt worden zu sein, sich das Klebeband heftig vom Mund riss. Jupp nickte ihr zu, fragte wortlos: „Alles in Ordnung?“ und Gabi schnitt eine Grimasse, erwiderte aber das Nicken.

 

Er wandte sich wieder Klaus zu, der sich müde gegen den Türrahmen lehnte und seine schmerzende Schulter massierte. Zu dem Streifschuss am Rücken kamen nun auch noch die Prellungen von dem Sturz aus dem Fenster. Klaus zögerte einen Moment – war da so etwas wie Schuldbewusstsein in seinem Gesicht? – dann lächelte er erschöpft, lehnte den Kopf gegen die Tür. Die Drehung brachte eine Schnittwunde dicht an seinem Ohr und am Haaransatz ins Licht. Ein feiner Blutfaden lief in Richtung seines Kinns, und tropfte von da auf sein Hemd.

 

Jupp grinste unwillkürlich, als er daran dachte, was Taube sagen würde, wenn er das Blut entdeckte. Klaus konnte es auf den Tod nicht ausstehen, unordentlich gekleidet zu sein. Jupps lilafarbener Jogginganzug – das einzig tragbare in seinem Kofferraum – gegen den Klaus seinen durchnässten, blutigen Anzug nach dem Mordanschlag eingetauscht hatte, musste für ihn so was wie die Vorhölle gewesen sein. Er trat zu seinem Partner, legte ihm einen Hand auf die unverletzte Schulter und wartete, bis Klaus den Kopf hob. Dann warf er einen Blick zurück auf Gabi, die sich um die leise weinende Frau kümmerte. „Kommst du hier alleine klar?“, fragte er noch einmal. „Ich bring’ dann erst Mal Taube nach Hause.“

 

Gabi winkte. „Klar, kein Problem. Dino und ich machen das schon. Mit dem größten Vergnügen.“ Sie führte Yvonne zum Sofa und brachte sie dazu, sich zu setzen. Die junge Frau versuchte mit zitternden Händen eine Zigarette anzuzünden und sah verständnislos auf, als Gabi ihr das Feuerzeug wegnahm. In einem Raum voller Benzin war es wohl nicht besonders klug, zu Rauchen. Sie löschte auch die restlichen Kerzen und drückte dafür auf den Lichtschalter.

 

Klaus blinzelte, als die plötzliche Helligkeit den Raum erfüllte, und hob eine Hand vors Gesicht. Die simple Bewegung brachte ihn aus dem Gleichgewicht und ohne Jupps rasches Zugreifen wären ihm vermutlich die Beine weggeknickt. Trotzdem rappelte er sich wieder auf, löste sich aus dem Griff seines Kollegen. „Das ist nicht nötig. Ruf’ mir einfach ein Taxi“, protestierte er. „Sorg’ du dafür, dass mir Jan aus den Augen geschafft wird.“

 

Jupp schüttelte den Kopf, nahm ihn am Oberarm und führte Taube Richtung Treppe. „Quatsch, geht doch viel schneller.“ Und ungeachtet des gemurmelten Protestes seines Partners, brachte er ihn nach unten.

 

Inzwischen war ihre Verstärkung da und Dino heimste mit stolzgeschwellter Brust die Lorbeeren für Holdings Verhaftung ein. Dabei hatte seine ganze Leistung in dieser Angelegenheit darin bestanden, sich von Holding niederschlagen und wie ein Weihnachtspaket verschnüren zu lassen. Die Beule an seiner Stirn verfärbte sich allmählich dunkel. Er winkte Klaus zu, der ihn auf seinem Weg ins Haus losgemacht hatte.

 

Jupp warf auf dem Weg zu seinem Wagen einen Blick auf Holding, der mit gesenktem Kopf in einem Streifenwagen saß – dann auf seinen Partner, doch Klaus hatte die Augen auf den Boden gerichtet. Er half Taube ins Auto, schob Klaus Hand beiseite, als der automatisch nach dem Sicherheitsgurt griff. „Geht das mit deinem Rücken?“, fragte er und Taube nickte entschlossen. Jupp grinste. Sein Fahrstil war ein ewiges Zankthema zwischen ihnen. Dieses Mal blieb allerdings eine Bemerkung über seine Raserei aus.

 

Jupp schloss die Beifahrertür, umrundete den Wagen und setzte sich hinters Steuer. Klaus saß seitlich versetzt im Sitz, um den Druck von der Verletzung zu nehmen, den Kopf gegen die Kopfstütze gelegt, die Augen geschlossen. Er schien eingeschlafen zu sein.

 

Grinsend startete Jupp den Wagen – und hielt sich, so schwer es ihm auch fiel, an eine gewisse Geschwindigkeitsbegrenzung auf dem Weg nach Hause, um Taube nicht zu wecken.

 

* * *

 

„Los’ komm hoch.“ Jupp grunzte und zerrte den dösenden Taube aus dem Wagen. „Tut mir leid, deinen Schönheitsschlaf zu stören, aber ich kann dich nicht im Auto lassen.“

 

Klaus blinzelte ihn verschlafen an, schien aber dann zu verstehen um was es ging und half mit. Kurz darauf stand er an den Wagen gelehnt. „Wo zum Teufel sind wir?“, fragte er.

 

„Bei mir zu Hause.“ Jupp schob ihn Richtung Haustüre. „Hör’ mal, du bist den Rest der Nacht besser nicht allein, mit deinem Rücken und so und überhaupt.“ Er ignorierte den zweifelnden Blick seines Kollegen und öffnete die Tür.

 

Ein paar Minuten später saß Taube auf Jupps Sofa und blinzelte gegen die Schläfrigkeit an. Der Arzt im Krankenhaus hatte nicht übertrieben, als er sagte, die Tabletten würden ihn müde machen.

 

„Hier wisch’ dir mal das Zeug aus dem Gesicht.“ Jupp warf ihm ein angefeuchtetes Handtuch zu. „Brauchst du noch was? Pflaster oder so?“

 

Klaus rieb an dem angetrockneten Blut an seinem Kinn und schüttelte den Kopf, bevor er angewidert den Fleck auf seinem Hemd betrachtete. „Danke. Ich würde jetzt einfach gerne nur schlafen.“

 

„Klar.“ Jupp lehnte sich gegen das Sofa und nahm einen Schluck aus seiner Bierflasche. „Ich habe mit Gabi telefoniert.“

 

„Jupp, kann das nicht bis morgen warten.“ Klaus reichte ihm das Handtuch zurück und bemerkte, dass Schatz es mit ziemlich spitzen Fingern entgegen nahm. Er stützte den Kopf in die Handfläche.

 

„Sie sagte, Holding hätte dich angequatscht. Hat er irgendwas gesagt, dass ich auch wissen müsste.“

 

Taube seufzte. „Nein. Lass’ uns später darüber sprechen, okay? Ich bin tierisch müde.“

 

Jupp rieb sich das Kinn. „Ich dachte ja nur, dass du vielleicht drüber reden willst. Über deinen... alten Freund.“

 

Klaus schloss die Augen, drehte den Kopf zur Seite. „Das hatten wir doch schon. Sei’ friedlich, Jupp und lass mich schlafen.“

 

Schatz hob abwehrend die Hände. „Okay, okay. Ich wollte mir nur nicht wieder vorwerfen lassen, unsensibel zu sein.“ Er blickte leicht gekränkt drein, als Taube lachte. „Gut, dann geh’ ich auch besser schlafen. Gute Nacht, Klaus.“ Er verließ das Zimmer, knipste das Licht aus.

 

„Gute Nacht.“ Taube streckte sich aus, drehte sich auf die unverletzte Seite und schlief fast sofort ein.

 

Ein paar Minuten später tauchte Schatz im Türrahmen auf. In dem dünnen Lichtstrahl, der vom Flur ins Zimmer fiel, trat er leise an die Couch und blickte auf seinen schlafenden Kollegen. Er nahm die Decke, die er unter den Arm geklemmt hatte und deckte Taube damit zu.

 

Dann setzte er sich in einen Sessel gegenüber. Er würde noch ein wenig hier bleiben. Nur für den Fall, dass Klaus noch mal aufwachte oder so. Doch nach ein paar Minuten wurden auch seine Lider schwer, sein Kopf sackte zurück und der Schlaf setzte dem frommen Wunsch ein Ende.

 

Und genau da fand ihn Taube dann auch, leise vor sich hinschnarchend, als ihn einige Stunden später das Klingeln seines Handys weckte.

 

 

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Lass los, versuch zu schlafen
Ich bring' dich sicher in den Hafen
Dir kann nichts geschehen
 
Ich bring' dich durch die Nacht
Ich bin dein Freund der mit dir wacht
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Ende