Durch Zeit und Raum

Disclaimer siehe Teil 1

Teil 36

 

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Und dann... dann war alles vorbei.

 

Keiner von ihnen konnte es fassen, als sie vor den Toren von Gol standen und den Untergang der roten Sonne Vulkans beobachteten.

Die Meister von Gol hatten zugesagt, sich um alles weitere zu kümmern und auch die jeweiligen Regierungen über alles zu informieren.

 

Erschöpft und ausgebrannt wollte sie alle nur noch zurück in die heile und vertraute Umgebung der Enterprise. Kirk wollte bereits das Schiff rufen, um sie zurück beamen zu lassen, als Sareks Hand auf seinem Arm ihn stoppte.

 

"Bitte, Captain Kirk. Ich möchte sie alle als meine Gäste in mein Haus einladen. Nach dem nun die Gefahr abgewendet wurde, gibt es nur eines, was ich tun kann, um Ihnen allen zu danken."

 

Kirk tauschte einen Blick mit Spock, der jedoch nur ebenso verwundert die Brauen hob.

Er nickte. "Gerne Sarek. Aber nur, wenn es weder für Sie noch für Lady Amanda zu anstrengend ist, nach allem was geschehen ist."

 

"Das ist es nicht. Es wäre uns eine Ehre."

 

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Die nächsten Tage verbrachten Spock, Jim Kirk, Leonard McCoy, T'Alin, Kent O'Brian, Sarduk, Beatrice Gordon, Silen und Lirien als Sareks und Amandas Gäste.

Die Hausangestellten Sareks waren schnell informiert worden und so waren bereits alle Gästequartiere vorbereitet gewesen, als sie in der großzügigen Bergvilla Sareks ankamen.

Das Anwesen lag hoch oben in den Llangon-Bergen nördlich von Shi-Khar und war von einem großzügig angelegte, parkähnlichen Garten umgeben.

 

Sarek deutete an, dass er etwas plante, doch noch auf Si'jsk Genesung wartete. Es war für ihn kein Problem seine Beziehungen zum Starfleet-Hauptquartier zu nutzen um für die Crew der Enterprise einen großzügigen Landurlaub herauszuhandeln.

 

Spock hatte Kirk schon oft von dem Haus, dass Sarek wegen des hier kühleren Klimas für Amanda hatte bauen lassen erzählt, doch der Captain der Enterprise war nie hier gewesen. 

Jetzt nutzte er die Gelegenheit und ließ sich von Spock die Wege und Plätze zeigen, auf denen dieser viele Stunden seiner Kindheit verbracht hatte.

Kirk liebte Bergsteigen und so war es kein Problem für ihn, die wegen der höheren Gravitation für Menschen schwer zugänglichen schmalen Pfade zu überwinden. 

 

Spock liebte diesen Teil Vulkans und er freute sich, Jim nun alles zeigen zu können. Er wusste, es gefiel dem Menschen.

Doch mehr und mehr konnte er eine steigende Unruhe in ihm wahrnehmen. Die Mentalverschmelzung, die sie mit allen anderen so eng verbunden hatte, war schon längst gelöst worden, die letzten Spuren waren verschwunden. Ihr Partnerband war davon unbeeinträchtigt geblieben, war sogar noch eher stärker als zuvor.

 

Dennoch war da eine seltsame Scheu zwischen ihnen. Kirk wich jeder zufälligen Berührung aus, von intimeren Momenten ganz zu schweigen und Spock begann die Leidenschaft ihrer ersten Tage zu vermissen.

 

Mehr als einmal war er nachts in Kirks Zimmer gekommen, hatte versucht seinen Partner wenigstens in den Arm zu nehmen. Jedes mal hatte sich Kirk ihm mit fadenscheinigen Ausreden entzogen.

 

Er machte sich Sorgen. Auch den anderen blieb nicht verborgen, dass sich zwischen ihnen etwas geändert hatte. Doch keiner wagte etwas zu sagen oder einzugreifen.

 

Bis Spock schließlich nicht mehr so weiter machen konnte.

 

Sie waren auf dem Weg zu einem hochgelegenen Plateau. Dort wollten sie den phantastischen Blick auf die Wüste und den Sonnenuntergang genießen und dann die Nacht in einem mitgebrachten Zelt verbringen.

 

Kirk, dem Spocks Gedanken nicht vollständig verborgen blieben, der aber von den Meistern sehr schnell und effektiv darin unterrichtet worden war, seine eigenen Empfindungen und Gedanken vor Spock abzuschirmen, blieb schließlich stehen. Sie hatten den Rand des Plateaus erreicht und er konnte nicht länger davon laufen.

Er wusste, wie sehr Spock unter seiner plötzlichen Zurückweisung litt. Aber er wusste selbst nicht genau, warum er sich so verhielt. In dieser Nacht würde es keine Türen oder schützende Wände zwischen ihnen geben.

 

Spock blieb ebenfalls stehen. Er vermied es Kirk anzusehen und betrachtete statt dessen die fast spiegelglatte Fläche, die sich auf mehr als 300 Quadratmetern  vor ihnen ausbreitete. Das Plateau war riesig. Rechts von ihnen ragten die Felsen eines der höchsten Berge des Llangon-Gebirges neben der Ebene auf. Links und vor ihnen fielen die Felsen steil ab. Nur hier an dieser Seite war ein Aufstieg möglich, wie er als Kind herausgefunden hatte. Kein Tier wagte sich in diese Höhe und Einöde hinauf und nur wenige Vulkanier wussten überhaupt, dass das hoch gelegenen Plateau zugänglich war.

 

"Das sieht aus, als wäre es künstlichen Ursprungs."

 

Ganz in Gedanken versunken hatte Spock die leise Bemerkung fast überhört. Er schüttelte den Kopf.

"Nein. Es ist völlig natürlich. Der Felsen besteht hier zu über 90% aus Kristallen, den irdischen Bergkristallen nicht unähnlich. Die ebene Fläche wird durch die kristalline Struktur gebildet. Sie ist so hart, dass sie nur mit Diamanten oder Phasern bearbeitet werden kann."

 

"Wunderschön."

 

Spock hoffte darauf, das der auch immer schweigsamer werdende Kirk das Gespräch fortsetzte, doch der Mensch schwieg.

Trotz aller Disziplin geknickt machte sich Spock wortlos daran, ihr Nachtlager aufzuschlagen. Er achtete darauf, im Zentrum des Plateaus zu bleiben, um vor eventuellen Steinschlägen der spitz aufragenden Felsnadeln geschützt zu sein. Auf diese Weise war auch der Rand des Plateaus weit genug entfernt.

 

Kirk ging ihm wortlos zur Hand. Dann, die Dämmerung setzte bereits ein, beobachteten sie noch immer schweigend den aus dieser Höhe unvergleichlichen Sonnenuntergang.

Als sich Kirk danach zum Schlafen zurückziehen wollte, griff Spock nach seiner Hand und hielt ihn fest.

"Jim. Bitte. Rede mit mir. Was ist los? Was steht zwischen uns?"

 

Kirk schluckte, als er das Flehen in der leisen Stimme hörte. Er wollte Spock nicht verletzen. Dennoch tat er ihm weh. Er ließ den Kopf hängen und setzte sich wieder. Dann zog er die Knie an die Brust und schlang die Arme darum.

 

Es dauerte lange, bis er endlich zu reden begann.

"Ich weiß es nicht, Spock. Etwas nagt in mir, zerreißt mich innerlich. Ich habe schon mit den Meistern in Gol gesprochen und sie meinten, es sei alles in Ordnung."

 

Spock wusste nicht, was er antworten sollte. Sein Blick hing an Kirks Gesicht. Die letzten Strahlen Nevasas ließen die leicht gebräunte Haut des Menschen wie Gold schimmern. Ein Anblick, den Spock schon immer genossen hatte.

Er spürte die Aura der Einsamkeit, die Kirk immer mehr umgab, die immer undurchdringlicher wurde.

 

"Bitte Jim... lass mich dich halten. Du bist so weit weg von mir."

 

Kirk reagierte zunächst nicht. Dann rückte er zögernd näher.

Spock legte den Arm um ihn und zog ihn behutsam an sich. Es war, als würde er eine hölzerne Puppe im Arm halten und er wusste nicht, was er davon halten sollte.

 

"Wovor hast du Angst, Jim?"

 

Kirk seufzte leise.

"Ich weiß es nicht, Spock. Da ist so vieles, was ich noch immer nicht verstehe. Die Meleb... ihre Macht... was Si'jsk tun musste, um sie zu zerstörten..."

 

"Fürchtest du die psionischen Fähigkeiten, die in jedem Vulkanier verborgen sind?" Spock sah ihn alarmiert an. Es entsprach nicht Jims üblicher Art, vor einer Herausforderung oder dem Unbekannten zurück zu schrecken. Zudem waren seine eigenen mentalen Fähigkeiten ausreichend stark entwickelt und nun auch ausgebildet, um Spock wirkungsvoll Widerstand leisten zu können.

 

"Nein... das ist es nicht. Ich habe schon immer gewusst, dass mehr hinter der Fassade steckt, als du oder andere Vulkanier für gewöhnlich sehen lassen. Ich... ich habe nur das Gefühl zu ersticken. Alles ist so eng... so begrenzt."

Kirk ließ mutlos den Arm sinken und ein klein wenig löste sich die Spannung in seinem Körper.

 

Spock musterte ihn nachdenklich. Das, was Kirk da beschrieb, erschien ihm vage vertraut und plötzlich erkannte er, woher.

 

"Was du erlebst, Jim, ist eine völlig normale Nachwirkung der Mentalverschmelzung. Vulkanier nehmen den Effekt für gewöhnlich weniger intensiv wahr, da von Geburt an ein mentaler Zugang zu der mentalen Einheit aller Vulkanier besteht."

 

Kirk hob den Kopf und sah ihn verwirrt an.

"Was meinst du?"

 

Spock legte sich auf der Decke, die sie als Unterlage benutzten zurück und zog den leicht widerstrebenden Kirk mit sich.

"Du fühlst dich eingeengt, eingesperrt. So, als wäre alles um dich herum zu eng, nicht wahr?"

 

Kirk stützte sich auf einen Ellenbogen auf und musterte seinen Partner.

"Ja", gab er zögernd zu. "So was in der Art."

 

"Dir fehlt die Freiheit und Grenzenlosigkeit, die du in der Mentalverschmelzung erlebt hast. Öffne dich mir gegenüber, dann kannst du zumindest die begrenzte Freiheit unserer Bindung spüren."

 

Kirk brauchte einen Moment, bis er die fest geschlossenen Schilde öffnen konnte. Er holte überrascht tief Luft, als er spürte wie sich Spocks Worte bestätigten. Es war nicht das Gleiche, wie er in der Mentalverschmelzung erlebt hatte. Aber es kam dem sehr nahe. Und es tat gut, Spock wieder so nahe und unmittelbar zu spüren.

 

Mit einem erleichterten Lachen beugte sich Kirk über seinen Vulkanier und küsste ihn. Sofort schlossen sich Arme um ihn und hielten ihn fest an den wärmeren Körper gepresst. Spocks Körper überraschte beide mit der Intensität, in der er auf die an sich harmlose Liebkosung reagierte.

 

Kirk löste sich mit einem leisen Stöhnen von ihm, stand auf und streckte die Hand aus um Spock hoch zu helfen.

"Komm. Im Zelt haben wir es bequemer."

 

Spock folgte ihm, froh, dass Kirk wieder ganz der alte zu sein schien. Keiner von beiden fand in dieser Nacht viel Schlaf.

 

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Als sie am nächsten Vormittag wieder die Villa erreichten, wurden sie bereits von Sarek erwartet.

"Si'jsk wurde heute morgen von den Meistern aus der Heiltrance geweckt. Er ist noch geschwächt, hat aber die Nachwirkungen des Kampfes überstanden. Alle Wunden konnten geheilt werden."

 

Spock nickte äußerlich gefasst. Doch Kirk konnte über das wieder weit offene Band die profunde Erleichterung spüren, die Spock bei der guten Nachricht erfasste. Immerhin war Si'jsk sein Sohn und Spock bewunderte ihn für seinen Mut und seine Fähigkeiten.

 

Sarek schien noch etwas auf dem Herzen zu haben. Er räusperte sich und wartete, bis er die Aufmerksamkeit beider wieder hatte.

"Heute Abend wird sich der ganze Clan in Gol versammeln. Der Rat des Clans und die Hohemeister in Gol haben zugesagt, mir einen Wunsch zu erfüllen.

Alle Kinder Spocks, deren Partner, Silen und Lirien und Sie, James, werden in der Zeremonie des Satu-kir-tan-tepei als Mitglieder in den Clan aufgenommen werden."

 

Diesmal versagte sogar Spocks Beherrschung: Er starrte seinen Vater überrascht an, sah dann zu Kirk, der die Bedeutung dessen, was er gerade gehört hatte, nicht ganz verstand, und dann wieder zu Sarek und Amanda, die gerade hinter ihrem Gemahl erschien.

 

"Vater, das..."

 

"Still, Spock. Es ist der Wunsch deines Vaters, und auch mein Wunsch, dass alle Teil des Clans werden."

 

Spock nickte nur und mit einer Geste Sareks, die ihn und Jim entließ, nahm er seinen Partner an der  Hand und kehrte ins Haus zurück.

 

In seinem Zimmer angekommen blieb er stehen und zog Kirk fest an sich. Dann küsste er ihn.

"Jim! Weißt du, was Sarek da tut?"

 

"Nein. Aber ich hoffe, du erklärst es mir?"

Kirk streifte die staubige Kleidung ab, steckte sich auf dem Bett aus und klopfte einladend neben sich. Sofort folgte Spock seinem Beispiel und schmiegte sich dann an ihn.

"Mein Vater akzeptiert nicht nur unsere Bindung, sondern auch die meiner Kinder. Zudem wird er auch Silen, der wegen seiner Begabung für Waffenentwicklung von seinem eigenen Clan verstoßen worden war, mit seiner Partnerin in den Clan aufnehmen. Dadurch erhält jeder einzelne Zugang zu den Ressourcen und den Möglichkeiten, sowie den Schutz des Clans. Alle Mitglieder des Clans stehen durch eine schwache mentale Verbindung miteinander in Kontakt. Nicht so umfassend und offen, wie wir es erst kürzlich erlebt haben. Aber dennoch so, dass man stets die unaufdringliche Gegenwart anderer fühlt. Du wirst nie wieder allein sein, Jim."

 

Kirk legte sich zurück.

"Aber... was ist mit meinen Gedanken, Empfindungen... Was, wenn ein Mitglied des Clans stirbt?"

 

Spock strich ihm beruhigend übers Haar.

"Du wirst spüren, wenn ein Mitglied stirbt. Aber nur die Tatsache. Die Verbindung ist nicht intensiv genug, um Gedanken oder Emotionen zu übertragen. Nur, wenn du ganz bewusst und gezielt an eine bestimmte Person denkst und sie zu erreichen versuchst, wird sie das spüren. Mehr nicht. Keine Botschaft, keine Worte oder ähnliches."

 

"Hm... hört sich an, als wäre es genau das, was ich vermisst habe."

 

"Ja." Ein leichtes Lächeln erschien in Spocks Mundwinkeln.

 

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Am Abend versammelten sich Hunderte Vulkanier vor den Toren Gols. Sie warteten schweigend auf die Ankunft der neuen Mitglieder und deren menschlicher Partner. Nicht alle Mitglieder waren mit der auf Sareks Bitte hin getroffenen Entscheidung des Rates einverstanden gewesen. Aber sie fügten sich dem Beschluss der Mehrheit, als mehr und mehr bekannt wurde, vor welcher Gefahr sie von ihnen gerettet worden waren.

 

Schließlich öffneten sich die Tore und eine lange Prozession erschien.

Si'jsk, der noch immer geschwächt war, wurde in einer Sänfte getragen, Blight ging neben ihm, wobei er nie den Körperkontakt zu ihm unterbrach. Si'jsk schwer verwundetes Bewusstsein brauchte die ständige Versicherung der Gegenwart seines Partners. Momentan war er noch völlig Psi-blind und ein Verlust des Kontaktes würde von seinem Körper wie der Tot des Partners interpretiert werden. Nur unter der Obhut der Meister konnten sie sich für einige Stunden am Tag trennen. Eine Möglichkeit, die wiederum der Mensch für seine geistige Gesundheit brauchte. Für beide war es keine leichte Zeit.

Im Schutz des Clans würde es einfacher werden.

 

Jetzt geleiteten die Meister sie und den Rest des Clans zu dem Zeremonienplatz, der etwas entfernt in der Wüste lag, umgeben von halb verwitterten Statuen und Denkmälern.

 

Zwei Gleiter landeten nicht weit entfernt, aber auf der entgegen gesetzte Seite des Platzes und Sarek und dessen Gäste stiegen aus.

 

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Kirk musterte die alle in die gleichen hellen Gewänder gekleideten Vulkanier und Menschen, die auch er trug. Es handelte sich um traditionelle, vulkanische Kleidung aus echtem Stoff, nicht um repliziertes Gewebe aus dem die Uniformen bestanden. Der Unterschied war auf der Haut deutlich spürbar.

 

Er strich mit der Hand über das hauchzarte Gewand. Es war von einem schimmernden Elfenbeinton, an den Ärmeln und am Ausschnitt mit Goldfäden durchwirkt. Es wirkte so kostbar, wie es war. Im Grunde handelte es sich um einen schlichten, relativ eng anliegenden Overall, weiche hellbraune Stiefel aus einem lederähnlichen, aber pflanzlichen Material und einer Art Stola, die wie ein Mantel getragen wurde.

Kirk  hatte allerdings keine Ahnung gehabt, wie man sie anlegte. Spock hatte seine vergeblichen Bemühungen, sie ebenso elegant zu drapieren wie er selbst, eine Weile beobachtet und ihm dann mit einem amüsierten Lächeln den hauchzarten Stoff aus der Hand genommen.

Dann hatte er das eine Ende an einer verzierten Spange an Kirks Gürtel befestigt, etwa auf Höhe des Nabels. Anschließend wurde der  Stoff über dessen linke Schulter geschwungen und ein Teil davon zu der rechten Schulter gezogen, wo eine weitere Spange befestig war. Sie hielt den Stoff an  Ort und Stelle. Ein Blick in den Spiegel hatte Kirk gezeigt, dass die Stola, die jetzt fast wie ein römische Toga wirkte, in seidigen Falten über Schultern und Rücken drapiert war und von dort bis auf den Boden hinunterfiel.

 

Spock hatte ihn bewundernd gemustert und dann ein "Die Kleidung steht dir. Ich denke, ich werde dir einige vulkanische Gewänder anfertigen lassen" in sein Ohr geflüstert, bevor er ihn geküsst hatte. 

 

Kirk hatte  sich in seinen Armen umgedreht und seinen Partner betrachtet, der in dieser Kleidung ganz anders wirkte als der kühle Offizier. Das helle Gewand unterstrich den grünlich-bronzefarbenen Farbton der Haut und ließ das schwarze Haar schimmern.

Die Stola, die etwas dunkler war als der Overall, betonte Spocks athletische Gestalt.

Kirk war nicht viel Zeit geblieben um ihn zu bewundern, denn Spock hatte ihn entschlossen zu dem bereits wartenden Gleiter geführt

 

Hitze und ein warmer sandiger Wind hatten Kirk den Atem genommen, sobald er aus dem Gleiter gestiegen war. Noch stand Nevasa recht hoch am Himmel und schickte ihre sengenden Strahlen auf den Planeten. Obwohl das Licht eher rötlich als weiß war, musste Kirk die Augen zusammenkneifen. Er sah sich um.

Sie waren nahe vor den Toren Gols gelandet. Vor ihnen erstreckte sich eine in der Hitze wabernde Wüste, soweit er sehen konnte. Etwas entfernt konnte er mehrere Felsen in der Wüste entdecken. Dort bewegte sich etwas und als er genauer hinsah, konnte er mehrere Dutzend Personen erkennen. Alle trugen eine ähnliche Kleidung wie er selbst.

 

„Ist das dort der Zeremonienplatz?“

 

Spock nickte und führte ihn auf den Weg durch den Sand.

Sie  näherten sich  den Felsen schneller als Kirk erwartet hatte. Der Klang von dumpfen Trommeln und hellen Glockenrasseln mischte sich mit dem sanften Sirren des Windes. Der Wind sirrte tatsächlich, doch Kirk vermutete, dass das Geräusch eher von den wandernden Sanddünen herrührte.

Spock blieb neben zwei Steinsäulen stehen, die wohl einst einen Querbalken getragen hatten. Die gesamte Anlage öffnete sich vor ihnen und einen Moment lang fühlte sich Kirk an Stonehenge erinnert.

Riesige Steinsäulen, die mit kaum noch sichtbaren Ornamenten und Schriftzeichen verziert waren, ragten in einem großen Oval in den blutroten Himmel. Sand bedeckte den Boden bis auf ein etwas höheres Areal am gegenüberliegenden Ende. Dort schimmerte ein heller polierter Steinboden. Eine Art steinerner Thron stand darauf. Er war wohl für den Hohepriester bestimmt.

 

Mehrere Vulkanier warteten bereits ruhig und gelassen zwischen den Steinsäulen. Einige von ihnen hielten Zeremonienglocken – lange Stangen, an deren oberen Ende an mehreren Stäben unzählige kleine Glocken befestigt waren – und ließen sie rhythmisch klingen. In der Nähe des Podestes fielen Kirk jetzt auch zwei schimmernde Metallovale auf, bei denen es sich wahrscheinlich um Gongs handelte. Alles hatte eine frappierende Ähnlichkeit mit dem Spocks Familie gehörenden Zeremonienplatz. Kirk wollte jedoch nicht an die damaligen Ereignisse denken und verdrängte jede Erinnerung daran.

 

Spock bedeutete ihm weiterzugehen und Kirk folgte ihm.

Das Oval strahlte ein erhabene Würde aus. Eine Würde, die in Jahrhunderten ihren Ursprung hatte.

 

"Dieser Platz muss sehr alt sein."

 

"Ebenso alt wie die Enklave von Gol. Es heißt, es war einer der ersten dauernd besiedelten Orte auf Vulkan, zu einer Zeit, als noch alle Stämme als Nomaden umherzogen. Es gibt eine unterirdische Quelle in dem Heiligtum und sie war lange Zeit Ursache blutiger und grausamer Kämpfe. Wasser war und ist noch immer eines der kostbarsten Güter auf Vulkan. Heute werden große Mengen importiert. Aber damals war Wasser kostbarer als Blut."

 

Spock hob die Hand und hielt Kirk so von einer Erwiderung ab. Die Gespräche der anderen Vulkanier, die inzwischen eine beachtliche Menge bildeten, verstummten praktisch gleichzeitig. Der Wind war das einzige, was zu hören war. Doch dann hörte sogar Kirk das ferne Klingen von Zeremonientrommeln, Glocken und etwas, das nach einem Saiteninstrument klang.

Eine Prozession erschien am Horizont und kam überraschend schnell näher. Vier Vulkanier trugen eine Art Sänfte in der eine alte, würdevolle Vulkanierin saß. Dahinter folgten die Obersten Meister, in prachtvollere Varianten der allgemeinen Kleidung gehüllt. Umhang und Gürtel waren mit Ornamenten aus funkelnden Edelsteinen bestickt und um den Hals trugen sie Ketten aus den gleichen Steinen. Hinter ihnen wiederum gingen die Adepten von Gol, wie Kirk an den schlichten Roben, die an Mönchskutten erinnerten, erkennen konnte. Die Pracht war überwältigend. Zumal die Vulkanier kein Geräusch machten, als sie näher kamen. Nur die Musik der Zeremonieninstrumente begleitete sie.

 

T'Pau, denn um sie handelte es sich bei der alten Vulkanierin, wurde auf dem Podest abgesetzt. Sie stand auf und nahm mit langsamen Bewegungen auf dem steinernen Thron Platz.

Dann hob sie Hand und sofort verklang die Musik. Atemloses Schweigen breitete sich über der Menge aus.

„Wir sind hier, um Sarek, Sohn von Skonn, aus dem Hause Surak und dem Clan Telek-San-Deen die Bitte zu erfüllen, neue, von ihm genannte Mitglieder in den Clan aufzunehmen. Er möge seinen Wunsch hier noch einmal wiederholen, auf das alle ihn bestätigen können."

 

Sarek ging mit gemessenen Schritten zum Podest und kniete davor nieder. Die Hände wie zum Gebet aneinandergelegt, sah er zu der Matriarchin des Clans auf.

"Ich erbitte die Aufnahme in den Clan für Sarduk, Sohn von Spock, Si'jsk, Sohn von Spock, T'Alin, Tochter von Spock und Silen, Sohn von Sker aus dem Clan Arach-An-T'tal. Auch die Menschen, die hier als die Partner der genannten versammelt sind, sollen als Bindungspartner Teil des Clans werden. Diese sind James Kirk, Sohn von George, Beatrice Gordon, Tochter von Jacques, Kevin Blight, Sohn von Michael, Kent O'Brian, Sohn von Cal und Lirien, Tochter von Andrew."

 

T'Pau musterte die Genannten der Reihe nach. Ihre schwarzen Augen schienen dabei bis in die Seele jedes einzelnen zu Blicken.

"Wenn es auch Euer Wunsch ist, um eine Aufnahme in den Clan zu Bitten um fortan Teil des Clans Telek-San-Deen zu sein, so kniet nun nieder und erwartet die Entscheidung des Obersten Rates des Clans."

 

Die vier Vulkanier und die vier Menschen knieten stumm nieder, alle die Hände in einer Imitation von Sareks Geste vor der Brust aneinandergelegt.

Einige der älteren Vulkanier lösten sich aus der Gruppe der Clanmitglieder und traten auf die Knieenden zu. Nacheinander berührte jeder der von ihnen für einige Sekunden die Nervenpunkte in den Gesichtern der Bittsteller.

 

Kirk wollte aus einem Impuls heraus zurückweichen.

//Nicht, Jim. Es droht keine Gefahr. Sie prüfen lediglich die Ernsthaftigkeit unserer Bitte. Du wirst kaum etwas spüren.//

 

Und wirklich: Es war nur wie ein kurzer Lufthauch, der über sein Gesicht wehte. Kirk entspannte sich und konzentrierte sich auf die behutsam forschenden mentalen Berührungen der Ratsmitglieder.

 

Nach wenigen Minuten war es vorbei. Die alten Vulkanier traten vor T'Pau und knieten ebenfalls nieder. Einer von ihnen sprach mit tiefer, volltönender Stimme.

"Der Rat gewährt die Bitte. Alle seien von nun an Teil des Clans."

 

Dann standen sie auf und kehrten auf ihre Plätze im Kreis der anderen Vulkanier zurück.

 

T'Pau hob den Kopf, verharrte ansonsten aber reglos.

Schließlich fragte sie: "Nehmt Ihr die Ehre an in den Clan Telek-san-Deen aufgenommen zu werden? Gleichzeitig sollen auch Eure Bindungen anerkannt und bestätigt werden."

 

Die Knienden holten tief Luft und so, als wäre es ihnen vorher gesagt worden, was erwartet wurde, antworten sie jeder für sich und doch gemeinsam.

„Ich nehme die Ehre an, Ehrwürdige T’Pau vom Clan Telek-san-deen.“

 

„So sei es denn.“

 

Sie trat vom Podest herab und berührte die Nervenpunkte in Spocks Gesicht. Die Obersten Meister von Gol traten vor. Jeder von ihnen berührte einen der Knienden und gleichzeitig den neben sich stehenden Meister, bis schließlich alle in einer geschlossenen Kette vereinigt waren. Es war nur ein leichter, oberflächlicher Kontakt, völlig anders als das, was Kirk bisher erlebt hatte.

Nur undeutlich nahm er wahr, dass die anderen Vulkanier immer näher kamen.

 

Fremdartige Gedanken und Empfindungen wogten Kirk entgegen und flossen über ihn hinweg. Er spürte, wie sich Dutzende, Hunderte anderer Selbstsphären der Verbindung anschlossen, bis er und seine Gefährten schließlich von einer psionischen Flutwelle umgeben war. Doch sie gingen darin nicht unter. Sie schwamm mit den anderen – oder flogen sie? Es war wie ein Rausch und er schnappte wie ein Ertrinkender nach Luft, als die Verbindung plötzlich abriss.

 

Spock hielt ihn am Arm und verhinderte so, dass er zu Boden sank. Noch immer konnte Kirk die unterschwellige Präsenz hunderter Vulkanier wahrnehmen. Er sah auf und begriff plötzlich, dass es sich um eben jene handelte, die jetzt einen dichten Kreis um die Gruppe bildete. Reihe folgte auf Reihe. Die Menge war so dicht, dass er die Wüste dahinter nicht mehr erkennen konnte. Aber es hatte nichts bedrohliches an sich. Im Gegenteil: Die Nähe vermittelte eine nie gekannte Geborgenheit.

 

Er sah zu Spock, der es ebenfalls spüren konnte. Doch im Gegensatz zu Kirk, war ihm diese Verbindung von Kindesbeinen an vertraut. Es war der Clan, der sie nun in sich aufgenommen hatte. Und plötzlich verstand Kirk *wie* wichtig diese Bindung für alle Beteiligten war. Sie vermittelte eine Sicherheit, die er als Mensch nicht kannte. Jeder blieb der, der er war. Und dennoch waren alle Teil eines Ganzen. Und er gehörte jetzt ebenso dazu wie Spocks Kinder, Silen und deren menschliche Partner.

 

Langsam wichen die Vulkanier zurück. Der enge Kreis öffnete sich und gab den Blick frei auf die in den letzten Strahlen Nevasas rot aufglühende Wüste. Die Nacht senkte sich herab und verbarg die Schrecken, die hinter ihnen lagen. Der neue Morgen würde eine neue Zukunft bringen.

 

Und gemeinsam sahen sie dieser friedlichen und hoffnungsvollen Zukunft entgegen.

 

<><><> ENDE <><><>

 

 

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