Durch Zeit und Raum

Disclaimer siehe Teil 1

Teil 25

 

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Dunkelheit umgab sie.

 

Blight richtete sich langsam auf und tastete sich zurück zu seinem Sessel. Instinktiv tastete er in seinem Bewusstsein nach der Präsenz seines Partners und wurde sofort mit dessen beruhigender Gegenwart belohnt.

Jemand hustete, ein anderer stöhnte und brummte ärgerlich etwas Unverständliches. Das Geraschel von Kleidung ertönte.

 

"Bericht. Ist jemand verletzt? Was ist mit der Energie? Wo sind wir?"

 

Einen  Moment lang geschah gar nichts, dann erklang die ruhige Stimme Si'jsks.

"Energiestatus und Aufenthaltsort unbekannt. Die Konsolen sind ausgefallen. Da wir jedoch nicht mehr den Energiefluktuationen der Anomalie ausgesetzt sind, vermute ich, dass wir das Portal passiert haben."

 

"Ich bekomme erste Sensoranzeigen."

T'Alin setzte sich wieder auf ihren Stuhl und  versuchte  ihrer Konsole vernünftige Daten zu entlocken. Langsam kehrte die Energie in die Schaltpulte zurück und die gedämpfte Notbeleuchtung flammte auf.

 

Blight überzeugte sich mit einem kurzen Rundblick, dass niemand verletzt war.

Sie waren alle kräftig durchgeschüttelt worden, so dass sich schließlich sogar die automatischen Sicherheitsgurte geöffnet hatten. Doch jeder saß inzwischen wieder auf seinem Posten. Offensichtliche Schäden waren keine erkennbar.

 

"Wo sind wir?"

 

"Moment... " T'Alin überprüfte noch einmal die Sensorangaben. Langsam klärte sich das Datenwirrwarr.

 

"Wir haben die Anomalie hinter uns gelassen und sind jetzt auf direktem Kurs zur Energiequelle. Der betreffende Planet hat sich inzwischen auf seinem Sonnenumlauf weiter vom Portal wegbewegt, als zu dem Zeitpunkt, an dem die Enterprise hier war."

 

Lt. Gab warf ihr einen irritierten Blick zu.

"Das ergibt keinen Sinn. Der Planet bewegt sich laut den Daten der Enterprise sehr langsam auf seiner Umlaufbahn. Ich habe das bei der Kursberechnung berücksichtigt."

 

"Sehen Sie selbst."

T'Alin überspielte einige Daten in Gab's Konsole und der Navigator warf einen Blick darauf, wobei er sie mit den von der Enterprise ermittelten Daten verglich.

 

"Hm... sieht so aus, als würde die Emission der Energie ebenfalls parallel zur Erhöhung der Geschwindigkeit zugenommen haben. Als ob diese Energiequelle den Planeten antreiben würde. Er liegt aber immer noch auf der Kreisbahn um seine Sonne. Die allerdings ist merklich schwächer geworden..." Er murmelte noch etwas und drehte sich dann zu Blight um.

"Sir, ich vermute, dass die Wesen den Planeten gezielt beschleunigen und dafür die Energie der Sonne anzapfen."

 

"Auf diese Weise haben sie vermutlich die von Kirk dokumentierte gehäufte Entstehung vorzeitiger Novae hervorgerufen. Es gibt hier mehr schwarze Löcher, als es laut jeder Wahrscheinlichkeit geben dürfte. Vermutlich nutzen sie die emittierende negative Energie für ihre Zwecke. Welche immer das sein mögen."

Si'jsk stand auf und gesellte sich zu T'Alin an die Wissenschaftskonsole.

 

"Wenn die Sonne zur Novae wird, werden ungeheure Energiemengen frei..."

Blight starrte nachdenklich vor sich hin, während er auf den noch immer schwarzen Schirm starrte.

 

"Vielleicht brauchen ssie diesse Energie, um in unssere Galaxsie zu gelangen."

Lt. Yagmur schlängelte sich von ihrem speziell geformten Sessel neben Blight herunter und gesellte sich zu den beiden Vulkaniern.

 

"Möglich. Aber wir sollten zunächst versuchen, den ausgefallenen Schirm zu reaktivieren. Die Nahbereichssensoren arbeiten nicht einwandfrei."

Si'jsk ging in die Hocke und öffnete die untere Abdeckung der Konsole. Ein Funkenregen empfing ihn.

Ohne weiter darauf zu achten, griff er in das Gewirr aus Karbonleitungen und Sensornetzen. Wieder stoben Funken und kleine Rauchschwaden quollen an ihm vorbei.

Yagmur glitt neben ihm und half ihm mit ihrer extrem beweglichen Schwanzspitze einige zerstörte Verbindungen zu überbrücken.

 

Im nächsten Moment erwachte der Schirm flackernd zum Leben und präsentierte ein beunruhigendes Bild.

 

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"Was ist das denn?"

Blight richtete sich in seinem Sessel auf und schaute zum Schirm.

 

Si'jsk schob sich unter der Konsole hervor.

"Der aktuelle Anblick dessen, was sich außerhalb des Schiffes befindet."

 

Blight brummte nur etwas und starrte auf ein sich schnell näherndes, bunt schimmerndes und nur halb durchsichtiges, milchiges Gebilde. Es sah aus wie eine gewöhnliche irdische, allerdings farbige Wolke.

Aber es gab keine Wolken im All. Zumindest keine, die aus Wasserdampf bestanden.

 

Das Interkom piepste und gleich darauf erklang die Stimme Lt. Conellys.

"Sir, wir haben hier unten zwei leicht Verletzte. Die Energie läuft auf Notenergie, bis wir die Dilithiumkristalle neu ausgerichtet haben, die bei der Passage aus den Verankerungen gerissen wurden. Das dauert etwa 10 Minuten. Wir arbeiten bereits daran.

Aber auch dann werden wir nicht mehr als maximal 30% Energie haben. Schilde sind bei 12%. Mehr ist nicht drin."

 

Blight betätigte einen Schalter in seiner Armlehne.

"Danke Conelly. Brauchen Sie ärztliche Hilfe?"

 

"Nein. Nur ein paar Schrammen und Beulen."

 

"In Ordnung. Machen Sie weiter."

 

Blight wandte seine Aufmerksamkeit wieder der schnell näherkommenden Wolke zu.

"Was ist das?"

 

T'Alin drehte sich um.

"Die Sensoren nehmen nichts wahr. Nur... eine hohe Konzentration von flüssigem Wasser."

 

"Wasser? Es gibt kein flüssiges Wasser im All. Höchstens Eis."

 

"Das weiß ich. Trotzdem melden die Sensoren flüssiges Wasser mit Spuren unbekannter Proteine. Und es kommt schnell näher."

 

"Die Wesen?"

Kent O'Brian starrte ebenso wie die anderen gebannt auf den Schirm.

"Da gab es doch diese Meldung, in der zuerst von Doppelgängern und dann von ungewöhnlich viel Wasser die Rede war. Was, wenn die Wesen aus Wasser bestehen?"

 

Blight schüttelte langsam den Kopf, als er sich an die zuerst scheinbar gasförmige, dann semivisköse Flüssigkeit erinnerte, die Spocks Körper verlassen hatte.

Wie Wasser hatte das nicht ausgesehen. Es hatte ihn eher an Quecksilber erinnert. 

 

"Die Wessen können auf jeden Fall die Form wechsseln. Vielleicht auch den Aggregatsszsusstand?" Yagmur richtete sich auf und starrte wie die anderen auch auf den Schirm.

"In diesser Galaxsie herrsschen andere physsikalische Gessetzse. Vielleicht können ssie ssich ja hier in flüsssiger Form frei bewegen und brauchen keinen Wirt."

 

"Wir werden es gleich wissen."

Blight warf dem wieder an seiner Konsole sitzenden Si'jsk einen Blick zu.

"Haben wir Waffen?"

 

Si'jsk schüttelte den Kopf.

"Negativ. Die Energie reicht nicht für die Phaser aus. Und die Photonentorpedos sind vollständig ausgefallen."

 

"Können wir uns gezielt fortbewegen?"

 

Diesmal antwortete Lt. Gab.

"Ebenfalls negativ, Sir. Wir haben weder Impuls - noch Warpenergie. Im Augenblick treiben wir."

 

Blight blieb völlig ruhig. Nur ein Muskel zuckte in seiner Wange und verriet seine tatsächliche Anspannung.

Die Wolke kam immer näher und füllte bereits einen großen Teil des Schiffes aus.

 

Augenblicke später flackerte der rote Alarm auf und ein disharmonisches Pfeifsignal meldete Eindringlingsalarm.

 

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Es herrschte Chaos.

Die Wesen waren überall. Sie durchdrangen die praktisch ungeschützte Schiffshülle ohne nennenswerten Zeitverlust und fielen über die überraschten Menschen her.

 

Einmal im Inneren des Schiffes, nahmen sie eine annähernd humanoide Gestalt an. Sie waren fast zwei Meter groß, milchig-durchscheinend und schillerten in grellen Farbschlieren. Sobald sie einen Menschen berührten, drangen sie teilweise in den Körper ein und raubten ihm sämtliche Vitalenergie.

 

Die Menschen im Maschinenraum begriffen gar nicht, was geschah. Sie waren die ersten, die von den hungrigen Wesen überfallen wurden.

 

Sarduk, der noch immer seinen Sohn beobachtete, starrte entsetzt auf die Wesen, die plötzlich den Körper des Kindes umringten. Das Wesen, das auf Camelon in ihn eingedrungen war, verließ Sorel und gesellte sich zu seinen Artgenossen. Es schimmerte deutlich heller als die anderen.

Gleichzeitig spürte Sarduk durch einen letzten Rest des gelösten Elternbandes, wie sein Sohn starb. Er hatte etwas derartiges befürchtet, aber es zu erleben, war mehr als er noch ertragen konnte.

Als eines der Wesen in den kleinen Überwachungsraum eindrang und sich ihm näherte, erwartete er das Unvermeidliche.

 

Die Offiziere auf der Brücke blieben reglos sitzen, als sie plötzlich von den durchscheinenden Wesen umgeben waren. Auch sie wussten, sie hatten keine Chance.

 

Dann, wie auf ein geheimes Zeichen hin zogen sich die Wesen plötzlich zurück und sammelten sich wieder außerhalb des Schiffes.

 

Blight schüttelte die Starre ab, die ihn erfasst hatte, als ihn eines der Wesen berührt hatte. Auch einige andere der Offiziere regten sich. Einige blieben jedoch reglos liegen.

 

Bedrückt musterte er die stillen Gestalten von Yagmur, Peter Gab und einem Techniker, der Conelly auf der Brücke vertreten hatte. Sie waren tot.

 

Si'jsk rappelte sich gerade wieder auf. Er war bei dem Angriff der Wesen vom Stuhl gestürzt. T'Alin regte sich ebenfalls. Sie sah sich etwas verwirrt um und ging dann zu ihrem noch benommenem Partner.

Kent O'Brian taumelte und stützte sich an seiner Konsole ab. Er blutete aus einer Platzwunde an der Stirn, wirkte aber ansonsten unverletzt.

 

"Bericht?"

 

"Die Wesen haben sich zurückgezogen."

T'Alin gab einige Befehle ein und leitete die eingehenden Meldungen der Kommstation auf ihre Konsole um. Einen Moment lang hörte sie nur zu.

Blight beobachtete sie scharf; ihre sorgsam kontrollierte Körperhaltung verriet nichts gutes.

 

Schließlich ließ sie den Ohradapter sinken und drehte sich zu ihm um.

"Viele Tote in allen Sektionen. Der Maschinenraum meldet sich nicht. Energieausfälle in den unteren Decks. Es scheint, als habe Conellys Team die Energieversorgung nicht wieder reparieren können. Wir haben noch 19% Energie, Wert fallend."

 

Ihre Stimme klang kühl und sachlich. Ganz anders, als Blight es von ihr kannte.

Er stützte das Kinn in die Hand und starrte nachdenklich auf die bunte Wolke, die sich wieder in einiger Entfernung vom Schiff gebildet hatte.

 

Er murmelte halblaut vor sich hin, sich wohl bewusst, dass seine Gefährten ihm zuhörten.

"Ich nehme an, sie wollten uns aufhalten oder zumindest überprüfen. Vermutlich sind wir ein willkommener Leckerbissen. Warum aber haben sie sich dann zurückgezogen?"

 

"Unbekannt."

Si'jsk drehte sich nicht um. Er schaute starr auf den Schirm und beobachtete die langsam treibenden Wesen. Auch er verstand nicht, warum sie plötzlich den Angriff abgebrochen hatten.

 

"Die Sensoren melden eine Änderung der Strahlungsintensität der Energiequelle. Es scheint, als würde sie schwächer werden."

 

Blight sah auf.

"Vielleicht ist das der Grund für den Rückzug. Si'jsk, Kurs auf den Planeten. Ich möchte mir den Ursprung dieser rätselhaften Energie mal genauer ansehen. Vielleicht haben wir jetzt eine Chance dazu. Und T'Alin... versuchen Sie bitte Dr. McCoy oder Captain Kirk zu erreichen. Ich möchte wissen, ob einer der beiden etwas über diesen Planeten weiß. Immerhin hat Kirk ja diese Energiequelle entdeckt."

 

"Aye, Sir."

 

Blight beobachtete, wie Si'jsk mit seinen üblichen sparsamen Bewegungen den neuen Kurs berechnete und in die Navigationskonsole eingab. Das geschwächte Schiff gehorchte und fast glaubte er ein Ächzen zu hören, als es sich quälend langsam in Bewegung setzte.

T'Alins Konsole erwachte ebenfalls erneut zum Leben und er hörte mit halben Ohr zu, wie sie versuchte seinen Befehl auszuführen.

 

Einige Augenblicke später drehte sie sich zu ihm um.

"Dr. McCoy ist tot, Sir. Sarduk sagte, er hätte Spock und Kirk in eine Kabine verlegt. Beide sind durch den Kontakt mit dem Wesen auf Camelon gefährlich geschwächt."

 

Ihre Stimme war leise und brüchig, als sie nach einer kurzen Pause weitersprach.

"Ich bekomme keine Antwort aus der Kabine."

 

Blight nickte langsam. Er wusste, dass sie auf Camelon nur mit knapper Not davongekommen waren.

Die T'hyla-Bindungen hatten sie wieder geschützt. Er hatte es deutlich spüren können. Doch bei Spock und Kirk war sie nicht ausreichend gefestigt gewesen. Hatte das ihr Schicksal besiegelt? Er wusste es nicht.

 

Sein Blick glitt zu dem steif aufgerichteten Rücken Si'jsks. Er wusste, wie sehr sein Partner als Kind seinen Vater verehrt hatte, wie viel er ihm heute noch bedeutete.

Er hatte ihn wiedergefunden, nur um ihn zu verlieren. Es war nicht fair.

//Willst du zu ihm?//

 

//Ja.//

 

//Geh. Ich übernehme die Navigation.//

 

Si'jsk stand wortlos auf. Es spielte keine Rolle, dass die anderen nicht wussten, warum er die Brücke verlies. Sie ahnten es. 

 

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Si'jsk sah stumm auf das eng umschlungen liegende Paar. Sie wirkten, als würden sie nur schlafen. Ein Ausdruck absoluten Glücks und Friedens lag auf ihren Gesichtern.

 

Langsam schloss er seine Augen. Er schämte sich der Tränen nicht, die über seine Wangen liefen.

Es war so falsch. So verdammt falsch.

Er hatte diesen beiden alles Glück der Welt und eine gemeinsame Zukunft gewünscht. Alles was sie erhalten hatten, waren bestenfalls ein paar Minuten, bevor ihre geschwächten Körper die Anstrengung der Mentalverschmelzung nicht mehr länger hatten ertragen können.

 

War es das, was ihnen allen bevorstand?

Mit einer Handbewegung löschte er das ohnehin nur noch schwache Licht und lauschte in die Dunkelheit.

Nur sein eigener Atem war zu hören.

 

Und zum ersten Mal gestand er sich ein, dass er Angst hatte.

 

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Ende Teil 25

 

Teil 26