Durch Zeit und Raum

Disclaimer siehe Teil 1

Teil 24

 

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"Captain Blight. Wir müssen sofort zurück nach Camelon."

 

Blight schwang seinen Sessel herum und starrte Kirk verständnislos an.

"Das ist unmöglich! Wenn wir zurückkehren besteht die Gefahr, dass dieses Wesen an Bord gelangt und wir keine Chance mehr erhalten, etwas gegen die Invasion auszurichten."

 

Kirk baute sich vor ihm auf. "Glauben Sie, das wüsste ich nicht?" knurrte er. "Aber wir müssen dieses Wesen sogar an Bord nehmen. Es hat Sorels Körper übernommen und droht nun das Kind zu töten, wenn wir es nicht an Bord nehmen und zu der Energiequelle bringen. Wie es scheint, kann es sich nicht allein durchs All bewegen, sondern braucht dazu einen Wirt."

 

Blight starrte ihn entsetzt an. "Woher wissen Sie das?"

 

"Sarduk ist kurz vor der Krankenstation zusammengebrochen, kam aber vor wenigen Minuten wieder zu sich und hat berichtet, was geschehen ist.

Er steht mit seinem Sohn noch in mentalem Kontakt. Und über eben diesen Kontakt hat das Wesen seine Forderung Sarduk mitgeteilt. Er hofft einen Weg zu finden, Sorel und das Wesen wieder voneinander zu trennen und so noch mehr Informationen zu erhalten. Spock ist zu schwach."

 

Kirk hatte die Worte gehetzt ausgestoßen. Jetzt sah er bittend zu dem inzwischen stehenden Blight hinauf. Erst jetzt wurde ihm bewusst, wie groß der andere war.

 

Blight schloss kurz die Augen. Als er sie wieder öffnete, hatte er seine Entscheidung getroffen.

"Lt. Gab. Wenden Sie und bringen Sie uns zurück in den Orbit. Wir beamen Sorel an Bord und kehren dann sofort auf unseren ursprünglichen Kurs zurück. Programmieren Sie vorher die Steuerungsautomatik auf die Anomalie. Egal was geschieht, wir müssen dorthin."

 

"Aye, Sir."

 

Kirk stieß den Atem aus, den er unwillkürlich angehalten hatte und nickte knapp. Er hätte nicht anders entschieden. Es war ein Risiko. Ein enormes Risiko sogar. Trotzdem hatten sie keine andere Wahl.

 

Aber es war auch ein Vorteil. Auf diese  Weise konnten sie sich der Energiequelle nähern, ohne den Argwohn der andere Wesen zu erregen, denn immerhin brachten sie eines von ihnen mit.

 

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Wenige Stunden später waren sie der Anomalie schon beträchtlich näher gekommen. Es war eindeutig, dass sie sich weit ausgedehnt hatte und nun schon einen riesigen Bereich umfasste.

Das Schauspiel, das die changierenden, sich ineinander verwebenden Energiebänder - denn um nichts anderes handelte es sich laut T'Alins Analyse bei den Farbspielen - boten, war atemberaubend: Lange, bunt schillernde *Arme* aus reiner Energie schossen weit ins All hinaus; dehnten sich dabei wie Gummibänder und fielen wieder in das nebelartige Zentrum zurück. Das Ganze ähnelte ein wenig Sonnenprotuberanzen, und doch auch wieder nicht.

Es war unbeschreiblich.

 

Si'jsk stand auf dem ansonsten leeren Aussichtsdeck und starrte mit morbider Faszination auf die bunt schillernde Erscheinung. Er wusste, dass sie das Tor zu unsäglichem Leid, Tod und Zerstörung war. Nun, sie verbarg das Grauen nur, dass sie mit sich brachte.

 

Sorel war, seit dem er an Bord war, in einer abgeschirmten Quarantänekammer untergebracht. Er wirkte völlig normal und nichts deutete darauf hin, dass dieses Wesen seinen Körper übernommen hatte. Sarduk beobachtete ihn unablässig über Diagnosemonitore, nachdem Gordon darauf bestanden hatte, die elterliche Mentalverbindung zu kappen. Die Gefahr, dass auch Sarduk über diese Brücke übernommen wurde, war zu groß.

 

Si'jsk hatte ihr dabei assistiert. Es war hart für Sarduk, der noch immer unter dem zerrissenen Partnerband zu T'San litt, nun auch noch die Verbindung zu seinem Sohn zu verlieren. Doch schneller, als einer der beiden Heiler hatte reagieren können, hatte sich ein anderes Band gebildet.

 

Er lächelte still und erinnert sich an die Verblüffung der beiden, als sich plötzlich zwischen ihnen die silbern fluktuierende Brücke eines T'hyla-Bandes wob. Sarduks, durch den engen Kontakt mit Si'jsk ausgelöstes vorzeitiges Pon farr hatte den Prozess beschleunigt, so dass das Band nun genauso stark war wie jenes, dass ihn selbst mit Kevin Blight verband. Sarduk nahm zwar jetzt Drogen, die ihm halfen seinen Körper unter Kontrolle zu halten. Doch kurz hatte er sich trotzdem mit seiner neuen Bindungspartnerin zurückgezogen.

Plötzlich schlangen sich zwei Arme von hinten um seine Taille und ein kühler Körper schmiegte sich an seinen Rücken. Si'jsk seufzte leise und lehnte sich in die Umarmung. Seine Finger verwoben sich mit denen *seines* Menschen.

 

Blight küsste sanft die empfindsame Stelle am Halsansatz.

"Was amüsiert dich?"

 

Si'jsk schloss die Augen und ein Klumpen bildete sich in seinem Hals als ihm bewusst wurde, dass dies vielleicht ihre letzte Reise war. Niemand wusste, ob sie jemals wieder zurückkehren würden.

 

Er drehte sich um und zog Blight eng an sich. Dann küsste er ihn hungrig.

 

Als sie sich schließlich wieder voneinander lösten, suchte Blight seinen Blick.

"Was ist los?" fragte er sanft.

 

Si'jsk nahm sein Gesicht in beide Hände. "Egal was geschieht, Kevin. Ich möchte, dass du eines weißt."

Er küsste ihn zärtlich und fuhr dann fort.

"Ich liebe dich. Ich liebe dich mehr als alles, was ich zuvor glaubte zu lieben. Du bist mein Leben und durch dich wurde ich lebendig. Es gibt vieles in meinem Leben, dass du noch nicht weißt, und auch vielleicht nun nie erfahren wirst. Doch all dies ist nicht mehr wichtig."

 

Kevin Blight schluckte, als sich gleichzeitig mit den Worten das Band zwischen ihnen weit öffnete und Si'jsk intensive Empfindungen über ihn hinwegtosten. Der Vulkanier öffnete sich weiter als jemals zuvor in ihrer kurzen Beziehung. Selbst während des Pon farr hatte er Teile seiner Empfindungen zurückgehalten und kontrolliert.

Er konnte die Liebe und das Glück fühlen, dass Si'jsk durch ihre Bindung empfand. Aber auch den unstillbaren Lebenshunger des eigentlich noch sehr jungen Vulkaniers, dessen ganzes bisheriges Leben ein einziger Kampf gewesen war. Si'jsk wünschte sich Frieden und die Sicherheit, auch morgen noch einen Platz zu haben, an dem er sicher schlafen konnte und genug zu essen hatte.

 

Erst jetzt begriff Blight, dass diese Dinge für Si'jsk noch immer nicht so selbstverständlich waren, wie sie es für ihn fast immer gewesen waren.

Es grenzte an ein Wunder, dass Si'jsk nicht verbittert und resigniert reagierte.

 

Blight zog ihn an sich und Si'jsk verbarg sein Gesicht in seiner Halsbeuge. Über Si'jsk's Schulter hinweg konnte Blight das bunte Schillern der Anomalie sehen.

Dort draußen wartete ihr Schicksal. Wenn es ihnen nicht gelang die Wesen zu stoppen, würde alles keine Rolle mehr spielen.

 

Irgendwann löste sich Si'jsk von ihm und richtete sich auf. Schweigend betrachteten sie die langsam näherkommende Anomalie. Das Band war noch immer weit geöffnet, doch es pulsierte nur noch sanft und erfüllte beide mit Wärme.

 

"Sarduk und Beatrice sind inzwischen auch durch ein T'hyla-Band verbunden", sagte Si'jsk plötzlich unvermittelt. "Es entstand, als ich ihnen half die Verbindung zu Sorel zu kappen. Sie war zwar nur noch schwach und hätte sich bald von selbst gelöst, sobald Sorel die nächste Stufe seiner mentalen Ausbildung erreicht hätte. Aber das Risiko ebenfalls übernommen zu werden, war für Sarduk zu groß."

 

"Dann wären es nun also drei Paare, die ein solches Band teilen."

 

"Drei? Wer noch?" Si'jsk hob fragend eine Braue und sah seinen Partner neugierig an. "Meinst du Spock und Kirk? Die beiden verbindet eine rudimentäre Version des Bandes."

 

"Nein. T'Alin hat mir vorhin erzählt, dass auch sie sich gebunden hat - mit O'Brian. Er hat sich ebenfalls als latenter Telepath entpuppt, wobei diese Fähigkeit bereits bei ihm vermutet wurde. Er hat sich nur nie genaueren Tests unterzogen."

 

Si'jsk lächelte erfreut und zog Blight erneut an sich. "Es ist gut, dass auch sie nun dieses Glück erleben kann."

 

Blight nickte stumm, doch er wich dem Blick des Vulkaniers aus.

 

"Was ist?"

 

Blight seufzte leise und lehnte die Stirn gegen Si'jsks Schulter.

"Es sieht schlecht aus. T'Alin meinte, die Anomalie sei seit den letzen Messungen überproportional angewachsen. Die Energiequelle und damit auch die Stärke der Wesen muss enorm gestiegen sein."

 

"Du meinst, wir können nichts mehr ausrichten."

 

"Ich weiß es nicht. Wir wissen mehr, wenn wir die Anomalie passiert haben und die Energiequelle direkt untersuchen können. Entweder kommen wir noch rechtzeitig oder wir kommen zu spät."

 

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Kirk saß noch immer schweigend neben Spocks Bett und hielt dessen kalte Hände fest. Der Vulkanier war vor einiger Zeit wieder in einen unruhigen Erschöpfungsschlaf gefallen und auch McCoy döste nicht weit entfernt in einem Stuhl.

 

Leise Schritte rissen Kirk aus seinen Gedanken und er sah auf, als Sarduk langsam näher kam. Der Heiler war blass und bewegte sich mit müden, schleppenden Bewegungen. Die Strapazen der letzten Zeit hatten deutliche Spuren hinterlassen.

 

Stumm überprüfte er die Anzeigen der Diagnosesensoren. Checkte dann auch Kirks und McCoys Zustand und verabreichte beiden ein Hypospray mit einer Mineralien- und Nährstoffmischung. Dabei weckte er McCoy.

 

"Wie geht es Sorel?"

Kirks Stimme klang kratzig und er war sich nicht sicher, ob Sarduk ihn überhaupt verstanden hatte, denn der Vulkanier reagiert zunächst nicht.

 

"Er schläft", murmelte er schließlich leise, froh darüber, dass Kirk nicht eine andere Frage gestellt hatte.

Dann wandte er sich um und bedeutete McCoy ihm in das angrenzende Büro zu folgen.

 

Kirk achtete nicht weiter auf die beiden Ärzte. Sein Blick klebte an Spock. Er war sich nicht sicher, doch es kam ihm so vor, als würde diese erschreckend wächserne Blässe langsam wieder Spocks üblichem leicht olivefarbenem Teint weichen.

Gut.

Spock schien sich zu erholen.

 

Plötzlich fiel ein Schatten auf den schlafenden Vulkanier und McCoy erschien in Kirks Gesichtsfeld.

"Ich werde Spock in eine der leeren Kabinen verlegen. Dort hat er mehr Ruhe und Privatsphäre als hier in der Krankenstation. Sarduk ist einverstanden", informierte er seinen Freund und Captain knapp.

Auch er war erschöpft. Erschöpfter und müder, als er es eigentlich hätte sein dürfen. Doch jetzt war keine Zeit um sich darüber Gedanken zu machen.

 

Kirk nickte. Als McCoy nicht weitersprach, sah er zu ihm auf.

"Noch was?"

 

"Jim..." McCoys Stimme erstarb hilflos und er schluckte trocken. "Ich weiß, dass dir Spock sehr viel bedeutet. Du solltest bei ihm bleiben... jetzt... er wird dich brauchen."

 

Kirk zog die Stirn kraus, während er die leisen Worte zu deuten versuchte.

"Was meinst du?"

 

Der Bordarzt sah nur stumm zu dem blassen Vulkanier. Tiefe Schatten lagen auf den hageren Gesichtszügen und er atmete nur flach und unregelmäßig.

Kirks Blick wanderte zwischen dem Vulkanier und McCoy hin und her.

Unwillkürlich tasteten seine Hände nach Spocks ungewöhnlich kalten Fingern und er drückte sie sanft.

 

Kirk stellte keine Frage und McCoy gab keine Antwort.

Stumm brachte der Arzt seine beiden Freunde in einer nahegelegenen unbenutzten Kabine unter und kehrte dann in die Krankenstation zurück.

 

Er war so unendlich müde. Ein kurzes Nickerchen würde ihm vielleicht helfen, wieder etwas munterer zu werden.

Mit einem leisen Seufzen ließ er sich in den Sessel hinter dem Schreibtisch sinken und legte Kopf und Oberkörper auf den verschränkten Armen auf der Tischplatte ab.

 

"Nur ein kurzes Nickerchen", murmelte er, bevor ihn die endgültige Schwärze einhüllte und sein Herz aufhörte zu schlagen.

 

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Blight saß angespannt im Kommandosessel, Si'jsk hatte die Waffenkontrolle übernommen und T'Alin versorgte sie ständig mit aktuellen Daten ihrer Sensoren.

 

Sie waren nun in der unmittelbarer Nähe der Anomalie. Das bunte Gleißen und Schimmern füllte den gesamten Schirm aus und die Energiefluktuationen schüttelten das Schiff durch. Noch hielten die Schutzschilde die gefährlichen Strahlungen ab und dämpften die Gewalt der Protuberanzen, aber es schien nur eine Frage der Zeit zu sein, bis die Außenhülle des Schiffes die ersten Strukturschäden zeigte.

 

Sie mussten hindurch, solange sie es noch konnten.

 

Captain Blight atmete tief durch.

"Lt. Gab. Programmieren Sie die Navigation auf Automatik. Ziel: der Orbit des Planeten auf dem sich die Energiequelle befindet. Schilde auf volle Kapazität."

 

Er wartete das bestätigende "Aye, Sir." nicht ab, sondern öffnete eine Verbindung zum Maschinenraum.

"Lt. Conelly. Wie viel Energie haben wir?"

 

"89,7% konstant, Sir. Zumindest im Moment. Wir haben beim ersten Kontakt mit der Anomalie einen Teil der Energie verloren. Die Dilithiumkristalle weisen erste Schäden auf. Nach dem Durchtritt durch die Anomalie kann ich für fast nichts mehr garantieren. Ich schlage vor, dass wir mit Warp 2,5 oder Warp 3 diesen Hexenkessel durchqueren. Mehr würde die Warppylonen übermäßig belasten. Weniger würde uns zu sehr den gegensätzlichen Kräften im Inneren der Anomalie aussetzen."

 

"Verstanden."

Blight presste die Lippen zusammen und deaktivierte die Verbindung.

 

"Lt. Gab. Impulsenergie. Sobald wir in die Anomalie eintreten Warp 3. Wir müssen so schnell wie möglich hindurch. Sie haben Lt. Conelly gehört."

 

Der Navigator nickte nur knapp und gab die Befehle in seine Konsole ein. Er wusste von Sulus Berichten, dass er innerhalb der Anomalie nicht fähig sein würde sich gezielt zu bewegen. Besser, er sorgte vor.

 

Si'jsk drehte sich halb in seinem Stuhl um und tauschte einen Blick mit Blight. Worte waren nicht nötig, selbst nicht durch ihr Band. Es war ein Himmelfahrtskommando, aber sie hatten keine Wahl.

 

Blight atmete tief durch und sah konzentriert auf den Schirm.

"Energie."

 

Die Deirdre setzte sich in Bewegung und näherte sich vergleichsweise langsam der Anomalie. Dann, als sie deren Rand berührte und der Sogeffekt einsetzte, schoss das kleine Schiff getrieben von der Energie der Dilithiumkristalle vorwärts und verschwand in den grellbunten Farben.

 

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Kirk und Spock bekamen von all dem nichts mit.

 

Es war fast dunkel und überraschend kühl. Doch unter der dünnen Decke war es angenehm warm, so dass Kirk sich schnell wieder darunter kuschelte. Dann öffnete er die Augen etwas weiter und sah sich desorientiert um. Er konnte sich kaum daran erinnern, wie er in diese Kabine gekommen war. Alles was er noch wusste war, dass er in der Krankenstation nicht von Spocks Bett gewichen war und McCoy sie schließlich beide in diese Kabine verlegt hatte.

 

Irgendwann hatte Spock dann haltlos zu zittern begonnen und in dem Wunsch ihm irgendwie zu helfen, hatte er sich neben ihn gelegt um ihn zu wärmen. 

 

Kirk richtete sich auf einen Ellenbogen auf und betrachtete besorgt die angespannten Züge des Vulkaniers, der, noch immer bewusstlos, neben ihm lag.

 

"Spock?" Er schüttelte ihn sanft und eher halbherzig, da er nicht wusste, ob er ihn wecken durfte oder besser nicht.

 

Erneut lief ein Zittern durch den schlanken Körper und Spock stöhnte leise. Seine Augenlider flatterten und er schmiegte sich instinktiv enger an Kirks Körper. Er fror und die allgemeine Kälte half ihm nicht gerade dabei sich zu entspannen.

 

"Bist du wach?" Die müde klingende Stimme weckte Spock endgültig und er schlug die Augen auf.

 

"Jim." Mit langsamen, zittrigen Bewegungen berührte er die Wange des Menschen. Kirk schloss die Augen und schmiegte sein Gesicht in die ungewohnt kalte Hand seines Freundes.

 

"Wie geht es dir? Müde?"

 

Anstatt zu antworten, sah Spock ihn nur an, als wollte er sich die Gesichtszüge des Menschen bis in alle Ewigkeit merken. Kirk wurde es unter dem starren Blick mulmig.

 

"Bitte Spock, rede mit mir", flüsterte er.

 

"Lass mich dich halten, Jim. Es... uns bleibt... nur noch wenig Zeit bis..."

Spock schwieg erschöpft und schloss die Augen. Er war zu geschwächt um seine Schmerzen und seine Emotionen noch länger zu kontrollieren und wollte es auch nicht.

 

Kirk sah entsetzt, wie Tränen unter den geschlossenen Lidern hervorquollen und über die hageren Wangen liefen. Er zog den zitternden Vulkanier an sich und wickelte sie beide fest in die Decke.

 

Spock verbarg sein Gesicht in der Halsbeuge des Menschen. Er weinte hilflos. Er wusste, was ihm bevorstand und konnte dennoch nichts daran ändern.

"So viel verlorene Zeit...", murmelte er undeutlich.

 

Kirk streichelte ihm behutsam über den Rücken.

"Scht... es wird wieder gut. Du brauchst nur ein paar Tage, um dich zu erholen. Dann haben wir alle Zeit der Welt für uns."

 

Spock schüttelte kraftlos den Kopf, schaffte es aber, sich aus der engen Umarmung zu lösen. Er sah Kirk ernst an.

"Du verstehst nicht, Jim. Es gibt... keine Zeit für uns mehr. Ich... bin zu geschwächt. Und auch du... Das Wesen hat... auch dich... angegriffen... Ich..."

 

Ein kühler Finger auf seinem Mund ließ ihn schweigen. Es war nur zu deutlich, dass es ihn zu viel Kraft kostete.

"Verbinde unsere Gedanken, Spock. Dann ist es für dich leichter. Und ich kann noch näher bei dir sein."

 

Spock sah ihn lange schweigend an. Dann hob er zitternd eine Hand und legte die Finger auf die Kontaktpunkte auf Kirks Gesicht.

Helles, goldenes Licht empfing ihn und hüllte ihn in Wärme und Geborgenheit. Einen Moment lang ließ sich Spock darin treiben, konnte für kurze Zeit seine Verzweiflung und Schmerzen vergessen.

 

Kirk kam ihm freudig entgegen. Er hatte früher die kurzen, eher unpersönlichen mentalen Kontakte mit Spock immer genossen und jetzt, da er wusste, dass Spock ihn ebenso liebte wie er ihn, gab es für ihn keinen Zweifel, dass sie irgendwann gebunden sein würden - weit über das T'hyla-Band hinaus, das Sarduk erwähnt hatte.

 

Spock verharrte zögernd, als er Kirks überschäumende Freude wahrnahm. Der Mensch war derartig aufgewühlt, dass er seinen eigenen erschöpften Zustand gar nicht wahrnahm. Doch hier, tief im Bewusstsein seines Geliebten konnte Spock die Zerstörung sehen, die das Wesen bei dem kurzen Kontakt in der Krankenstation angerichtet hatte. Nur der Schutz ihres T'hyla-Bandes hatte Kirk davor bewahrt sofort zu sterben.

 

Spock schloss gequält die Augen. Sollte er Kirk die Wahrheit sagen, oder ihm seine Illusion bewahren?

 

Er hatte Kirk unterschätzt.

Der Mensch begriff sofort, was unweigerlich geschehen würde, als er sich, ausgelöst durch den mentalen Kontakt, seines Zustandes bewusst wurde.

Mit einem verzweifelten Aufschrei klammerte sich Spock an ihn, so dass ihre mentalen Abbilder ineinander flossen.

 

Das ließ Kirks Selbstbeherrschung zersplittern und er schrie auf.

//NEIN! Wir werden nicht sterben. Ich lasse es nicht zu!//

 

Spock hielt ihn fest an sich gedrückt.

//Wir haben keine Wahl, T'hyla. Wir haben nur diese kurze gemeinsame Zeit. Bitte verbring sie nicht damit, mit dem Schicksal zu hadern.//

 

Kirk wehrte sich verzweifelt. Nur langsam drangen Spocks Worte zu ihm durch. Erst die Trauer des Vulkaniers riss ihn aus seinem Selbstmitleid.

Spock hatte akzeptiert, was er nicht ändern konnte. Jahrzehntelang hatte dieses Wesen seinen Körper benutzt, hatte ihn daran gehindert er selbst zu sein. Er war zu stark gewesen und zu wertvoll, als dass ihn diese Wesen einfach töten wollten oder konnten. So wurde er zu einem Werkzeug für sie, das sie gnadenlos für ihre Zwecke missbrauchten.

 

Erst jetzt, vor wenigen Stunden war er endlich wieder befreit worden. Doch er würde einen hohen Preis dafür zahlen.

Das Wesen hatte, als es seinen Körper plötzlich verlassen musste, so viel Vitalenergie in sich aufgenommen, wie es in der kurzen Zeit konnte. Spocks Körper war durch das jahrzehntelange Martyrium zu geschwächt, um das verkraften zu können und um sich wieder zu erholen: er würde sterben.

 

Kirk weinte hemmungslos und drängte sich noch enger an Spock. Hatte er ihn  verloren und wiedergefunden nur um ihn jetzt endgültig zu verlieren?

Er spürte Spocks instinktive Angst vor dem Kommenden. Und plötzlich wusste er, dass er ihn niemals wieder allein lassen würde.

 

//Binde uns, Spock. Auch wenn wir vielleicht nur wenige Minuten haben, will ich sie als dein Bindungspartner verbringen.//

 

//Nein, Jim. Dann wirst auch du sterben.//

 

//Ich will nicht ohne dich leben. Auch ich bin geschwächt. Wer weiß denn, ob ich überleben werde? Bitte, Spock. Binde uns.//

 

Liebe, Schmerz, Trauer und Dankbarkeit vermischten sich zu einer mentalen Woge in Spock und  brandete über Kirk hinweg.

Dieser nahm die rituellen Worte kaum wahr, als Spock ein festes Partnerband zwischen ihnen formte. Da war nur absolutes Glück und das Gefühl eins zu sein.

 

Sie wussten nicht, wie viel Zeit verging, klammerten sich nur noch verzweifelt an das Einzige was ihnen geblieben war.

 

Bis schließlich alles von der Dunkelheit des Vergessens ausgelöscht wurde.

 

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Ende Teil 24

 

Teil 25