Durch Zeit und Raum

Disclaimer siehe Teil 1

Teil 20

 

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Spock hatte es nur bis zum Turbolift geschafft aus eigener Kraft zu gehen. Dann mussten Kirk und Gordon ihn stützen.

Sie rief sofort ein Medoteam, dass sie im Transporterraum der Akademie erwarten würde.

 

Besorgt überprüfte sie immer wieder die Werte des sichtlich schwächer werdenden Vulkaniers. Kirk hielt ihn inzwischen mehr im Arm, als dass er ihn *nur* stützte und trug ihn schließlich zum Transporterraum.

 

Sie lächelte kurz, als sie bemerkte wie widerwillig er den Vulkanier dem wartenden Medoteam übergab, das sie nach dem beamen förmlich umschwärmte.

 

„So schnell wie möglich in die Klinik. Sein Kreislauf ist am wegsacken und ich bekomme Werte, die für mich keinen Sinn ergeben. Ich will ihn an den Hauptdiagnosemonitor anschließen.“

 

Wenige Augenblicke später waren sie in einem der Intensivbehandlungszimmer. Mehrere Schwestern assistierten der Ärztin, als sie mit kurzen, präzisen Anweisungen die unterschiedlichsten Untersuchungen anordnete und gleichzeitig mehrer Diagnosescans initiierte.

 

Kirk stand etwas hilflos daneben und ließ den Blick nicht von dem inzwischen graublassen Vulkanier, der die ganze Betriebsamkeit ausgelöst hatte. Spock war kaum noch bei Bewusstsein und atmete so flach und unregelmäßig, dass ihn Dr. Gordon schließlich an ein Beatmungsgerät anschloss.

 

Es dauerte scheinbar endlos lange, bis sich die Werte des Diagnosemonitors über Spocks Kopf stabilisierten. Extrem niedrige Werte zwar, aber sie blieben konstant.

Kirk warf einen Blick auf ein Wandchronometer und stellte fest, dass nicht einmal drei Minuten vergangen waren.

 

Das Zischen der Hygieneschleuse riss ihn kurz aus seinen Grüblereien und er warf einen Blick auf den Neuankömmling.

 

McCoy eilte sofort an Spocks Seite und startete seinerseits einige Scans, während er mit Gordon in einen medizinischen Kauderwelsch verfiel, von dem Kirk nahezu nichts verstand. Nun - die beiden Ärzte schienen sich durchaus zu verstehen und das allein war wichtig.

 

Eine der Schwestern schob ihm einen Stuhl gegen die Kniekehle und er setzte sich automatisch. Wie mit Zauberhand erschien ein Becher Kaffee in seinem Blickfeld, zusammen mit dem lächelnden Gesicht der Schwester.

 

„Er ist außer Gefahr. Dr. Gordon hat Dr. McCoy dazugerufen, da sie sich von ihm weiter Daten über Sevrin erhofft. Geht es Ihnen gut, Captain Kirk?“

 

Kirk nickte automatisch und griff endlich nach dem Kaffee. Er verbrannte sich die Zunge, als er einen tiefen Schluck nahm.

Das brachte ihn endlich in die Realität zurück.

 

Mit seinem üblichen Kirk’schen Charme lächelte er die Schwester an.

„Ja, ich bin in Ordnung. Und vielen Dank für den Kaffee.“

 

Sie nickte, lächelte zurück und klopfte ihm noch einmal beruhigend auf die Schulter.

 

Kirk beobachtete weiterhin stumm den bewusstlosen Vulkanier auf dem Biobett. Es war Spock und dennoch erschien ihm etwas an ihm sonderbar.

Sicher... es waren über 40 Jahre vergangen. Jahre, die an Spock nicht spurlos vorbeigegangen waren. Himmel! Er hatte als "Sevrin" sogar drei Kinder und ein Enkelkind.

 

Kirk grinste verhalten bei dem Gedanken. Das passte gar nicht zu Spock.

 

Trotzdem. Kirk suchte in den vertrauten Zügen nach dem Gesicht seines Freundes. Es schien, als würde ein Schatten darauf liegen, der die Züge irgendwie verschwommen wirken ließ. Oder spielten ihm seine Sinne einen Streich?

 

Kirk rieb sich mit Daumen und Zeigefinger über die Nasenwurzel und beschloss die beginnenden Kopfschmerzen zu ignorieren. In den letzten Tagen  und Stunden war zu viel auf einmal geschehen. Er war müde und brauchte dringend Ruhe, um alle Geschehnisse wirklich begreifen und verarbeiten zu können.

 

Er trank den letzten Schluck seines Kaffees und lehnte sich erschöpft in seinem Stuhl zurück. Nur ein paar Minuten die Augen schließen... Das war genau das, was er jetzt brauchte.

 

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„Hey! Aufwachen du Schlafmütze!“

 

Kirk war sofort hellwach und sprang alarmiert auf. Direkt in die wartenden Arme McCoys. Der Bordarzt grinste breit.

 

„Na na... Das solltest du dir für Spock aufheben.“

 

Kirk schüttelte kurz den Kopf um seine Gedanken zu klären und den letzten Rest Benommenheit abzuschütteln.

Dann sah er an McCoy vorbei zum Biobett. Spock schlief ruhig.

 

„Es geht ihm besser. Seine Werte stabilisieren sich zusehends.“

McCoy packte ihn an den Schultern und führte ihn aus dem Zimmer und in ein angrenzendes kleines Bereitschaftszimmer. Dr. Gordon wartete dort bereit auf sie.

 

„Captain.“

Sie nickte grüßend und deutete auf eine bequem aussehende Sitzgruppe in einer Ecke des Raumes.

„Nehmen Sie Platz. Spock ist auf dem Wege der Besserung und liegt momentan in einer leichten Heiltrance.“

 

„Gut.“ Kirk räusperte sich. „Konnten Sie herausfinden, was genau passiert ist?“

 

„Nein.“ Dr. Gordon schüttelte den Kopf. „Spock hat eine Art mentalen Schock erlitten. Ich vermute, dass dies durch seinen Anblick im Spiegel ausgelöst worden war. Die vertraute Uniform, die Umgebung und die Begegnung mit Ihnen scheint eine Art mentale Blockade gelöst zu haben, die gewisse Hirnströme bisher unterdrückt hat. Hirnströme und Gehirnregionen, die Teile seiner Erinnerungen beinhalten und steuern.“

 

Kirk kratze sein bisschen neurologisches Wissen zusammen. Dennoch ergaben die Worte der Ärztin nur wenig Sinn. „Ich fürchte, ich verstehe nicht ganz.“

 

„Das Gehirn eines Vulkaniers ist völlig anders strukturiert als das menschliche, Jim“, mischte sich McCoy ein.

„So wie es aussieht, waren Teile seines Gehirns völlig vom Rest abgekoppelt, was die völlige Blockade der bewussten Erinnerungsfähigkeit hervorrief. Irgendetwas, vermutlich ein emotionaler Schock, hat diese Abkopplung teilweise aufgehoben, bzw. neue Verbindungen in das betroffene Areal entstehen lassen.“

 

„Das heißt, er erinnert sich wieder? Wenigstens teilweise?“

Kirk lehnte sich gespannt vor. Doch McCoys Gesichtsausdruck machte ihm nur wenig Hoffnung.

 

„Nicht unbedingt. Wir wissen noch immer nicht, was diese Blockade hervorruft. Es ist auf jeden Fall noch immer aktiv und breitet sich bereits wieder aus. Wir haben keine Möglichkeit es zu stoppen.“

 

„Verdammt!“ Kirk schlug mit der Faust auf den Tisch und sprang auf.

McCoy und Gordon beobachtete ihn stumm, während er unruhig und vor sich hinmurmelnd hin und her lief.

 

Schließlich wurde es McCoy zuviel. „Es hilft nicht, wenn du hier Spuren in den Boden läufst, Jim. Erzähl mir lieber, was da oben vorgefallen ist.“

 

„Nicht viel.“ Kirk gehorchte zu McCoys Überraschung und ließ sich in einen der Sessel fallen. Er rieb sich müde mit einer Hand übers Gesicht.

„Ich habe ihn an Bord der Enterprise gebracht und durch die Labors und auf die Brücke geführt. Er wollte sehen, wo sein Arbeitsbereich war. Dort... „

 

Kirk mied zunächst McCoys Blick, sah ihn dann aber an. „Dort hat er mich gefragt, welcher Art unsere Beziehung war und ich habe ihm die Wahrheit gesagt.“

 

McCoy nickte zufrieden damit, dass Kirk endlich mit seinen jahrelang verborgenen Gefühlen herausgerückt war. Auch wenn es vielleicht der ungünstigste Zeitpunkt überhaupt gewesen war. „Wie hat Spock reagiert?“

 

Dr. Gordon betrachtete interessiert die leichte Röte, die langsam am Hals des Captains emporstieg.

 

Kirk räusperte sich erneut. „Wir haben uns geküsst.“

 

McCoy starrte ihn kurz verdattert an, dann lehnte er sich zufrieden zurück. Ein deutliches *ich-habe-es-schon-immer-gewusst* war in seiner Mimik sichtbar. Dann wurde er wieder ernst. „Aber der Zusammenbruch kam in seinem Quartier.“

 

„Ja. Er wollte sich auch dort umsehen. Auf einem Stuhl lag seine Uniform und er zog das Oberteil über, bevor ich ihn davon abhalten konnte. Dann sah er in einen Spiegel und bekam diesen Anfall. Mehr weiß ich auch nicht.“

 

McCoy nickte und starrte stumm vor sich hin. „Klingt, als hätte wirklich sein eigener Anblick den Anfall ausgelöst.“

 

„Hey! Was....?“

Dr. Gordon war aufgesprungen und wollte aus der Tür eilen. McCoy, der ebenfalls durch das Sichtfenster eine Bewegung in Spocks Krankenzimmer wahrgenommen hatte, hielt sie zurück.

 

„Warten Sie. Etwas stimmt nicht mit ihm.“

 

Gespannt traten alle drei an das verspiegelte Sichtfenster und beobachteten, wie der eigentlich bewusstlose - wenn man den Biodaten glauben konnte - Vulkanier aus dem Bett aufstand, zu einem Leseterminal in der Ecke des Raumes ging und es aktivierte.

 

Dr. Gordon stellte schnell ein Lesegerät im Bereitschaftsraum auf simultane Anzeige ein. Verwirrt verfolgten sie dann was Spock tat.

 

Innerhalb weniger Augenblicke hatte er die Sicherheitsschranke überwunden und war in den Hauptdatenspeicher der Akademie vorgedrungen. Von dort aus aktivierte er sein eigenes Terminal und begann damit systematisch Daten zu löschen. Er war dabei so schnell, dass Dr. Gordon die Verbindung nicht rechtzeitig genug kappen konnte.

 

„Verdammt!“

 

Sie schnappte sich einen mit Beruhigungsmittel geladenen Injektor und stürmte in das Krankenzimmer. McCoy und Kirk folgten ihr auf den Fersen.

 

Spock bestätigte gerade den letzten Befehl und brach dann wie eine Marionette zusammen, als die Ärztin ihn erreichte.

Sie konnte ihn gerade noch auffangen.

 

„Helfen Sie mir, ihn wieder auf das Bett zu legen“, keuchte sie. Die beiden Männer griffen sofort zu und gemeinsam hoben sie den bewusstlosen Vulkanier hoch.

 

Dann aktivierte sie die Sicherheitsfixierung, die Spock daran hindern würde, das Bett noch einmal zu verlassen.

 

„Ich verstehe das nicht! Während der ganzen Zeit haben sich die Biodaten nicht geändert. Er ist in exakt dem gleichen Zustand in dem wir ihn vor einigen Minuten allein gelassen hatten“, murmelte sie verwirrt vor sich hin, während sie wieder und wieder den Scanner über seinen Körper wandern ließ.

 

Kirk hatte sich unterdessen das Terminal vorgenommen. Nach einigen Minuten fand er einige Datenfragmente, die zumindest *eine* Antwort lieferten.

„Er hat die Daten gelöscht, die er für Blight hatte zusammenstellen sollen.“

 

„Was hat das für einen Sinn, wenn er seine eigene Arbeit vernichtet?“

Dr. Gordons Blick wanderte zwischen den drei Männern hin und her.

 

McCoy sah stumm zu Kirk und dann auf den Vulkanier.

„Es macht dann einen Sinn, wenn er nicht der ist, der er zu sein scheint.“

 

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Das schrille Alarmsignal ließ Sarduk zusammenzucken. Er hatte sich in eine leichte Meditation fallen lassen um seinen eigenen Zustand besser kontrollieren zu können, während er Si'jsks und Blights Biodaten überwachte.

 

Jetzt starrte er bestürzt auf die sich rapide ändernden Werte. Es konnte nicht sein und dennoch bestätigten ihm seine Diagnosescanner das eigentlich unmögliche: Beide Männer waren in das Plak tow gefallen und schwebten jetzt in einem Zustand zwischen Bewusstlosigkeit und höchster Ekstase.

 

Sarduk wusste, was das zu bedeuten hatte. Zumindest wusste er es, wenn es sich bei beiden um reinblütige Vulkanier gehandelt hätte. So aber...

 

Stumm beobachtete er die sich schleppend langsam stabilisierenden Werte. Noch gab es keinen Grund einzugreifen. Beider Kreislaufsysteme waren stabil und sie waren zwar leicht erschöpft aber noch lange nicht am Ende ihrer Kräfte.

 

Er lehnte sich zurück und erinnerte sich an den kurzen mentalen Kontakt mit Blight. Der Mensch hatte weitaus mehr wahrnehmen können, als Sarduk zunächst bewusst gewesen war. Es war durchaus möglich, dass seine mentalen Fähigkeiten sehr viel stärker ausgeprägt waren, als er oder Si’jsk es vermuteten. Oder - er dachte kurz an seine eigenen schlechten Erfahrungen mit T’San - Blight war derartig hochkompatibel zu Si’jsk, dass sich dessen Fähigkeiten auf den Menschen übertrugen.

 

Was auch immer der Grund war: Beide Männer teilten das Pon farr in gleicher physischer, psychischer und psionischer Intensität. Dies kam selbst bei reinblütigen Vulkaniern nur sehr selten vor und wenn, dann führte es zur Entstehung eines legendären und geheimnisumwitterten Bandes.

 

Eines T'hyla-Bandes.

 

In früheren Zeiten hatte es gleichrangige Krieger miteinander verbunden, oftmals über den Tod hinaus. Das Katra des einen war bei dessen Tod völlig ohne Hilfe Dritter in den andere übergegangen. Und selbst zu Lebzeiten agierten die beiden Partner wie ein Wesen in zwei Körpern. Die mentalen Fähigkeiten beider verstärkten sich gegenseitig und es gab noch einige Dinge mehr, die Sarduk jedoch in den Bereich der Fabeln und Legenden einzuordnen pflegte. Zu unwahrscheinlich und unvorstellbar erschienen sie ihm. So hieß es zum Beispiel, dass ein solches Paar Raum und Zeit überwinden, oder geistige Ebenen erreichen konnte, in denen ihnen unvorstellbare Dinge möglich waren.

 

Ein leichtes Lächeln stahl sich in die ernsten Züge des Vulkaniers, als auf seinen Bioscannern das einzigartig fluktuierende Wellenbild des T'hyla-Bandes sichtbar wurde.

 

Er hatte schon immer geahnt, dass in seinem jüngeren Bruder eine ungeheure Macht schlummerte. Wie es schien, hatte dieser nun sein passendes Gegenpart gefunden, um diese Macht nutzen zu können.

 

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„Was meinst du damit?“

 

Kirk fuhr zu McCoy herum und starrte den Arzt verwirrt an. „Er ist Spock!“

 

„Ja und nein.“ McCoy nickt zu dem Diagnosemonitor hinauf.

„Laut den Biodaten ist er Spock. Aber da sind auch noch Werte, die ich nicht einordnen kann und ehrlich gesagt auch noch nie gesehen habe. Ich möchte noch einige weiterführende Untersuchungen machen.“

 

Dr. Gordon nickte nachdenklich. „Sie meinen, diese Werte und diese Aktion eben wurde durch etwas hervorgerufen, das Sevrin beeinflusst?“

 

„Exakt.“

 

„Können Sie die gelöschten Daten wiederherstellen, Kirk?“

 

„Nein. Ich bin kein Computerspezialist. So wie es aussieht, hat Spock auch alle Quellen gelöscht. Es gibt also keine Möglichkeit herauszufinden, auf was er gestoßen ist.“

 

„Worum ging es in diesen Quellen?“ McCoy sah fragend von Kirk zu Gordon.

 

Kirk zuckte mit den Achseln. „Blight sagte mir nur, dass Spock in Nachrichten und diversen Meldungen nach Hinweisen auf eine fremde Macht suchen soll, die hinter all der Gewalt und dem Chaos steckt.

Spock hatte Blight noch auf der Deirdre kontaktiert und ihm mitgeteilt, dass er etwas wichtiges gefunden hätte. Da sich Blight allerdings aus privaten Gründen für einige Tage zurückziehen musste, bat er mich die Daten durchzusehen. Nun... ich kam nicht dazu. Ich wollte Sevrin um die Auswertung bitten, doch als ich plötzlich Spock vor mir hatte, habe ich nicht mehr daran gedacht.“

 

„Okay. Dann IST er auf etwas gestoßen. Und wenn ich mir die Brisanz ansehen, die da wohl dahintersteht, dann war es eine Bestätigung von Blights Verdacht.“ McCoy runzelte nachdenklich die Stirn.

„Ich glaube nicht, dass mir die daraus vermutlich folgenden Konsequenzen gefallen werden.“

 

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Ende Teil 20

 

Teil 21