Durch Zeit und Raum

Disclaimer siehe Teil 1

Teil 18

 

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Auch Kirk hatte das Schiff verlassen und war jetzt auf dem Weg zu Dr. Gordon, die ihn zu sich bestellt hatte. Sie wollte jeden der Neuankömmlinge erst einmal gründlich untersuchen. Und Kirk, der so schnell wie möglich die brisanten Daten abholen wollte, murrte nicht, als sie ihm umfangreiche Untersuchungen in Aussicht stellte.

Je eher er sich fügte, um so schneller konnte er seinen Auftrag erfüllen.

 

McCoy, der das Gespräch zwischen Kirk und der Ärztin mitbekommen hatte, bedachte ihn lediglich mit einem schrägen Blick, verkniff sich aber jegliches Kommentar über die plötzliche Bereitschaft sich untersuchen zu lassen.

 

Eine Assistentin nahm Kirk in der Klinik in Empfang und brachte ihn zu der Ärztin.

Sie begrüßte ihn mit kontrollierter Höflichkeit und Kirk glaubte für einen Moment, er hätte eine Vulkanierin vor sich. Er sprach sie darauf an.

 

Sie lachte und deutete auf eine Liege.

"Sie sind nicht der erste, der das denkt, Captain Kirk. Legen sie sich bitte hin und ziehen sie den Uniformpulli aus."

 

Kirk tat wie ihm geheißen, warf aber dem Diagnosemonitor einen fragenden Blick zu.

"Ich dachte immer, die Medosensoren würden durch Kleidung nicht behindert werden? Und nennen sie  mich doch Jim."

 

"Gern. Wenn sie mich Beatrice nennen. Und die Sensoren sind nicht der Grund. Vielleicht will ich ja nur den Anblick eines halbnackten Mannes genießen?"

Sie grinste spitzbübisch und Kirk konnte nicht sagen, ob sie nun die Wahrheit sagte, oder ob sie ihn nur neckte.

 

Die nächsten Minuten verbrachte Kirk damit diverse Tests und Untersuchungen zu überstehen. Die regelmäßigen Routineuntersuchungen McCoys waren dagegen eine

Kleinigkeit und er nahm sich vor, sich nie wieder darüber zu beschweren.

 

Dr. Gordon ließ ihm keine Zeit für Small Talk, geschweige denn für wirklich informative Gespräche. Erst als sie mit allen Ergebnissen zufrieden war, wechselte ihr Tonfall von professionell zu alltäglich.

 

"Ihr allgemeiner Gesundheitszustand ist ausgezeichnet, Jim. In Anbetracht dessen, was Sie hinter sich haben, sogar hervorragend. Allerdings gibt es einen Punkt, der mir nicht ganz gefällt."

 

Kirk zog den Uniformpulli wieder über den Kopf und sah sie fragend an.

"Und der wäre?"

Der durchdringende Blick der Ärztin - eine Mischung aus Besorgnis und vorsichtigem Abwägen - gefiel ihm nicht.

 

"Ich habe eine kleine Abweichung in den Gehirnwellen festgestellt. Nicht ungewöhnlich für Vulkanier, aber bei einem Menschen hätte ich diese  Werte nicht vermutet. Haben Sie eine Erklärung dafür?"

 

Kirk zuckte mit den Achseln.

"Keine Ahnung. Vielleicht hat es etwas mit Spock zu tun. Er ist Vulkanier und wir sind sehr eng befreundet."

 

Dr. Gordon sah auf. "Gibt es eine mentale Verbindung zwischen Ihnen beiden?"

 

"Nein. Er hatte bei zwei oder drei Missionen eine Gedankenverschmelzung mit mir durchgeführt. Aber nur sehr oberflächlich und ohne eine dauerhafte Verbindung zu knüpfen. Zudem würde ich das doch merken, oder etwa nicht?"

 

"Hm... nicht unbedingt. Aber ich konnte auch keinen Hinweis auf einen Link finden. Dazu müsste ich eine Mentalverschmelzung durchführen, wovon ich Sie aber jetzt erst mal verschonen möchte.

Haben Sie denn so etwas wie physisches und/oder psychisches Unbehagen gespürt, als Ihr Erster Offizier das Schiff verlassen hatte?"

 

"Ja. Ich habe mir Sorgen um ihn gemacht. Mir war nicht wohl dabei, dass er allein in einem Krisengebiet unterwegs ist."

 

Kirk senkte betrübt den Kopf.

"Wie es scheint, hatte ich Recht mit meinen Bedenken. Blight sagte mir, dass es keine Spur von Spock gibt. Er ist vermutlich tot."

 

Dr. Gordon schwieg einen Moment. Dann holte sie tief Luft.

"Sie wollten zu Sevrin, nicht wahr?"

 

Verwirrt über den plötzlichen Themenwechsel hob Kirk den Blick.

"Ja. Er hat wichtige Daten, die ich in Vertretung Captain Blights bei ihm abholen soll. Aber was hat das mit Spock zu tun?"

 

"Ich weiß es nicht genau. Es gibt einige Rätsel um Sevrins Vergangenheit. Vielleicht gibt es einen Zusammenhang zwischen den beiden Männern."

 

"Was stimmt nicht mit Sevrin?"

 

"Er leidet an einer ausgeprägten Amnesie, die rund die erste Hälfte seines Lebens betrifft. Allerdings weigert er sich bislang, genauere Untersuchungen durchführen zu lassen."

 

Kirk verstand noch immer nicht, was das mit seinem Ersten Offizier zu tun haben sollte. Es war ihm im Moment auch gleichgültig. Er war neugierig auf diese so geheimnisvollen Daten und seine Gedanken kreisten um die möglichen Konsequenzen, die Blight angedeutet hatte.

 

Dr. Gordon merkte, dass Kirk nicht bei der Sache war und entließ ihn mit einem Wink.

"Verschwinden Sie schon. Aus medizinischer Sicht sind Sie in Ordnung. Alles andere wird sich fügen."

 

Kirk registrierte ihre Bemerkung zwar, dachte aber nicht weiter darüber nach. Dafür würde er sich später Zeit nehmen. Wenn die drohende Krise überstanden war.

 

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Kirk fand Sevrins Büro im Computerzentrum sofort und trat nach einem kurzen Anklopfen ein.

Sprachlos starrte er auf den Mann, der ihm hinter seinem Schreibtisch sitzend entgegensah.

 

„Spock!“

 

Sevrin erstarrte. Er kannte die Stimme und doch auch wieder nicht. Wieder dieser Name! Es musste jemand sein, der ihn noch aus der Zeit... aus der Zeit vorher kannte.

Während er mit einem letzten Tastendruck die ausgewerteten Daten an Si'jsks Terminal schickte, musterte er den Mann, der lächelnd vor ihm stand.

 

Ein Mensch, muskulös und gleichzeitig schlank, etwas kleiner als er selbst, mit dunkelblonden, leicht welligen Haaren und hellbraunen Augen. Sevrin kannte ihn nicht.

 

„Mein Name ist Sevrin. Wer sind Sie?“

 

Das Lächeln verschwand von den offenen Zügen. Der Mann senkte den Kopf.

„Aber... ich dachte... „

Nach einem kurzen Augenblick hob der Mensch den Blick.

„Dr. Gordon erzählte mir, was mit dir... mit Ihnen geschehen ist...“

 

Die Stimme verlor sich und ein bittender Ausdruck erschien im Gesicht des für Sevrin Fremden.

Sevrin stand auf und wich instinktiv zurück, als ihn eine Welle ungeordneter Emotionen und Gedanken traf. Er verstärkte seine Schilde noch mehr.

Weg... er wollte nur weg von hier. Warum konnten sie ihn nicht in Ruhe lassen?

 

„Es tut mir leid.“

 

Kirk sah dem davoneilenden Vulkanier nach. Es war Spock, und doch auch wieder nicht. Wut ballte sich in seinem Magen zu einem Klumpen zusammen und fraß sich durch seine Wiedersehensfreude. Was war nur mit Spock geschehen?

 

„Er hat Sie nicht erkannt, nicht wahr?“

 

Kirk schüttelte nur den Kopf und mied den mitfühlenden Blick der Ärztin, die ihm gefolgt war und nun tröstend eine Hand auf die Schulter legte.

 

„Er hat auch Sarek und Amanda nicht erkannt, doch beide haben ihn als ihren Sohn Spock identifiziert. Ich habe auch inzwischen genetische Tests durchgeführt: Das Ergebnis ist eindeutig. Sevrin ist Spock.“

 

„Kann eine Amnesie derartig stark sein?“

 

„Ja. Doch leidet Sevrin nicht unter einer Amnesie im klassischen Sinne. Sowohl Sarduk als auch ich haben sein Bewusstsein telepathisch untersucht, zumindest so weit er es zulassen konnte, nachdem er den ersten Schock überwunden hatte. Da ist nichts. Keine Erinnerungen, kein aktives Wissen. Er kennt sich zwar mit Computern aus, hat, rein instinktiv allerdings nur, ein umfangreiches wissenschaftliches Wissen. Doch wenn er ganz bewusst versucht darauf zurückzugreifen erinnert er sich an nichts.“

 

Kirk hob den Kopf. „Sein Bewusstsein wurde manipuliert?“

 

Beatrice Gordon zuckte mit den Achseln. „Möglich. Wir können nicht nachvollziehen, was genau mit ihm geschehen ist. Er kann sich nur erinnern, plötzlich als Computerspezialist in diesem Forschungslabor tätig gewesen zu sein. Er war mit einer Vulkanierin gebunden und führte ein völlig belangloses und eintöniges Leben.“

 

„Was man von Spock nicht behaupten kann.

Er hatte einen Verdacht, dass die Unruhen auf die Wirkung einer bisher unentdeckt gebliebenen Macht zurückzuführen seien. Er war dem nachgegangen. Offenbar hatte er Recht gehabt.

Aber wenn er ihnen zu nahe auf die Spur gekommen, oder ihnen sogar begegnet ist, warum haben sie ihn dann nicht wie die anderen auch in eine dieser Hibernationseinheiten gesteckt? Er wurde sicher zu einer Gefahr für sie.“

 

„Diesen Gedankengang habe ich auch schon verfolgt. Aber wir wissen noch immer nicht, welches Ziel diese Wesen verfolgt haben. Er steht unter ständiger Beobachtung, weiß aber selbst nichts davon.“

 

„Ich würde gern mit ihm reden, allein und ungestört. Und ich würde ihn gern auf die Enterprise bringen. Vielleicht weckt das Schiff seine Erinnerungen.“

 

Dr. Gordon nickte zustimmend. „Tun Sie das. Aber nehmen sie einen Kommunikator mit. Wenn er Anzeichen von Stress, Verwirrung oder Schock zeigt rufen Sie mich sofort. Er ist schon einmal zusammengebrochen, als er versuchte, sich zu erinnern.“

 

„Ich werde vorsichtig sein.“

 

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„Si’jsk?“

 

Blight betrat angespannt die kleine Wohnung seines Partners. Er konnte spüren, dass Si’jsk hier war, doch er sah ihn nicht. Einige unmissverständliche Geräusche wiesen ihm jedoch den Weg.

 

Er lächelte, als er sich an Si’jsk Vorliebe für Wasser erinnerte. Der Vulkanier konnte zwar nicht schwimmen, aber er mochte es zu duschen oder zu baden. Er genoss diesen auf seiner Heimatwelt fast unbekannten Luxus.

 

Si’jsk stand ganz offensichtlich unter der Dusche. Schnell streifte Blight seine Kleidung ab und bereitete sich vor. Ungeduld erfasste ihn und er wusste, dass er die Wirkung des Pon farr durch das sich jetzt spürbar verstärkende Band ebenfalls spürte.

 

Auf dem Weg zum Bad fiel sein Blick auf das blinkende Computerterminal und er erinnerte sich an Sevrins Nachricht. Er zögerte kurz und wollte seinen Weg schon fortsetzen, als eine innere Stimme ihm riet die Daten abzurufen.

 

Schnell fertigte er einen Ausdruck an und schaltete dann das Terminal ab. So würde sie niemand stören und er konnte sich die Daten irgendwann später bequem im Bett ansehen. Neugierig darauf war er nämlich durchaus.

 

Doch vorerst gab es etwas, das ihn noch viel mehr interessierte.

Leise trat er ins Bad und öffnete die Tür zur Duschkabine. Es war unübersehbar, dass Si’jsk ihn brauchte. Jetzt.

 

Blight hatte keine Einwände, als sein Partner ihn mit einem Aufstöhnen an sich zog und dann gegen die Wand drängte.

 

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Ein Klopfen an der Tür riss Sevrin aus seinem Versuch, die erste Stufe der Meditation zu erreichen. Mit einem leisen Seufzen gab er die kontrollierte Haltung auf und senkte erschöpft den Kopf. Dann straffte er seine Gestalt und stand auf.

 

„Herein.“

 

Sevrin stellte fest, dass es ihn nicht erstaunte, dass es der Mensch war, der vor der Tür stand. Er hob fragend eine Braue.

 

„Ich glaube, ich habe vorhin vergessen, mich vorzustellen. Ich bin James T. Kirk, Captain der USS Enterprise.“

Er zögerte kurz, suchte in den kontrollierten Zügen nach einer Regung des Erkennens. Da war nichts. Sevrin nickte lediglich.

„Darf ich hereinkommen?“

 

Sevrin nickte und deutete auf die Sitzgruppe im Wohnzimmer. „Ja. Nehmen Sie Platz. Dann ging er zum Nahrungsmittelreplikator und bestellte Getränke für sich und seinen Gast.

 

Kirk sah überrascht auf, als ihm der Vulkanier einen Drink reichte. Er sagte nichts, sondern nippte nur stumm an seinem Brandy.

Hatte sich Spock daran erinnert, dass dies sein bevorzugter Drink war?

War das nun ein gutes oder ein schlechtes Zeichen oder schlichtweg Zufall? Er wusste es nicht.

 

Sevrin nahm ihm gegenüber Platz und umschloss seine Tasse mit heißem Tee mit beiden Händen. Es wirkte fast wie eine Schutzgeste.

„Ich weiß, dass ich Sie eigentlich kennen sollte. Sie wissen, dass meine Erinnerungen... verändert worden sind?“

 

Kirk nickte. „Ja.“

Er nippte an seinem Drink.

„Ich bin hergekommen, um Ihnen einen Vorschlag zu machen.“

 

Sevrin hob eine Braue und legte den Kopf ein wenig schief. Kirk schluckte trocken, als er die viel zu vertraute Geste sah. *Spock* war ihm so nah und gleichzeitig unerreichbarer als jemals zuvor. Wie oft in den letzten Tagen und Wochen hatte er sich selbst verwünscht, weil er nicht den Mut gehabt hatte, Spock zu sagen, was er für ihn empfand, bevor dieser das Schiff verlassen hatte. Dann, im Computerzentrum,  hatte er kurz geglaubt noch eine zweite Chance zu haben. Doch wie es schien, hatte er Spock endgültig verloren.

Er schluckte bitter.

 

„Ich würde gerne mit Ihnen zur Enterprise beamen. Vielleicht weckt die vertraute Umgebung zumindest einen Teil der Erinnerungen.“

 

Sevrin musterte ihn einen Moment lang nachdenklich. Dann stellte er seine Tasse zur Seite und stand auf.

„Ich erwarte nicht, dass es etwas ändern wird. Dennoch bin ich bereit, Sie zu begleiten.“

 

„Gut.“

 

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Der Weg zur Transporterzentrale der Akademie war kurz. Kirk genoss es, das vertraute Schrittmuster des Vulkaniers wieder neben sich zu hören. Wieder  wurde ihm bewusst, wie sehr er Spock vermisst hatte.

Nun, es war noch immer Spock und vielleicht hatten sie ja eine zweite Chance? Kirk seufzte leise.

 

Von der Transporterzentrale aus benachrichtigte er die Enterprise, die im camelonischen Orbit im Dock lag und repariert wurde. Wenige Minuten später rematerialisierten sie an Bord.

 

Sevrin blieb einen Moment lang stehen, holte tief, fast prüfend Luft und sah sich um. Dann verließ er die Transporterplattform und ging zum Ausgang. Kirk folgte ihm schweigend. Er beobachtete ihn aufmerksam.

 

Im Gang blieb Sevrin plötzlich stehen und sah unsicher in beide Richtungen. Der Gang führte in einer leichten Krümmung auf der einen Seite zum Turbolift, auf der anderen Seite zu Mannschaftsquartieren. Doch keines von beidem war von ihrem momentanen Standort aus zu sehen.

„Wohin, Captain?“

 

Kirk hob in einer ausholenden Geste die Hand. „Sie entscheiden, Sevrin. Ich begleite Sie lediglich.“

 

Sevrin suchte seinen Blick und Kirk konnte Neugierde und Unsicherheit gleichermaßen darin erkennen.

„Ich weiß nicht, wohin ich mich wenden soll.“

 

Kirk lächelte leicht. „Vertrauen Sie auf Ihre Intuition.“

 

Als Antwort hob Sevrin lediglich eine Braue, dann sah er sich noch einmal um und ging dann zielstrebig zum Turbolift am Ende des Ganges.

Die Türen öffneten sich gehorsam und Kirk stellte zufrieden fest, dass die Reparaturen des Schiffes offenbar schnell voranschritten. Auf der Reise nach Camelon hatte er sich oft genug an den blockierenden Schotten gestoßen.

 

„Welches Deck?“

 

Sevrin hob überrascht den Kopf, als die unpersönliche Computerstimme erklang.

 

„Captain?“

 

„Sie entscheiden, Sevrin. Sie sind der Erste Offizier des Schiffes. Es gibt keinen Bereich an Bord, der Ihnen verschlossen ist.“

 

Der Vulkanier holte tief Luft und sprach dann das erste aus, was ihm in den Sinn kam.

„Deck fünf.“

 

Der Lift setzte sich in Bewegung und mit der unbewussten Gelassenheit langjähriger Gewohnheit federte Sevrin den kurzen Ruck ab, der beim Losfahren entstand. 

Auf dem fünften Deck stoppte der Lift und beide stiegen aus.

 

Sevrin wanderte langsam und zögernd den Gang entlang, las im Vorbeigehen die Namensschilder neben den Türen. Vor seiner Kabine blieb er stehen, doch eine Hand auf seinem Arm stoppte ihn, als er in den Bereich des Öffnungssensors  treten wollte.

 

„Ich halte das für keine gute Idee, Sevrin. Noch nicht.“

 

Sevrin begegnete dem besorgten Blick des Menschen. Über den Körperkontakt konnte er eine unbestimmbare Mischung von Emotionen wahrnehmen. Traurigkeit und Sorge waren die stärksten. Er trat zurück.

 

„Vielleicht haben Sie recht. Wohin dann?“

 

„Was würden Sie gerne sehen?“

 

„Welche Aufgaben hatte ich auf dem Schiff.?“

 

„Sie waren Erster Offizier und gleichzeitig Wissenschaftsoffizier.“

 

„Dann möchte ich zu den Labors. Ich gehe davon aus, dass ich dort einen großen Teil meiner Zeit verbracht habe.“

 

Kirk nickte und ging zurück zum Turbolift. „Ja. Das haben Sie.“

 

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Sevrin wanderte schweigend durch die diversen Labors. Es gelang ihm ohne Schwierigkeiten seinen Arbeitsplatz zu identifizieren, obwohl sich dieser nicht im geringsten von den anderen unterschied.

Er betrachtete da einen Versuchsaufbau, warf dort einen Blick auf eine Datenfolie. Doch er benahm sich noch immer eher wie ein Fremder, der als Besucher die Labors besichtigte, und nicht wie der Leiter dieser Abteilung.

 

Kirk folgte ihm während der ganzen Zeit schweigend und er begann zu begreifen, dass Spock sich wirklich an absolut nichts mehr erinnern konnte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er noch immer geglaubt, alles wäre nur gewissermaßen verschüttet worden und es bedürfe nur eines kleinen Anstoßes um alles wieder ans Licht zu bringen. Hoffnungslosigkeit machte sich in ihm breit. In dieser Verfassung konnte Spock unmöglich seinen Dienst wieder aufnehmen.

Er seufzte unterdrückt und beschloss Spock bei seinem *neuen* Namen zu nennen. Vielleicht würde es so leichter werde, die Enttäuschung zu akzeptieren.

 

„Erkennen Sie etwas, Sevrin?“

 

Der Vulkanier schüttelte bedauernd den Kopf. „Nein. Manches erscheint mir vage vertraut und gleichzeitig völlig fremd. Vielleicht erinnert mich ein Aufenthalt auf der Brücke an etwas.“

 

„Gut. Dann probieren wir das noch aus. Sie wirken angespannt. Sind Sie erschöpft?“

 

Sevrin hob überrascht eine Braue. Er fühlte sich tatsächlich müde und erschöpft, so als koste es ihn große Kraft durch das Schiff zu wandern.

Was ihn jedoch noch mehr erstaunte war die Tatsache, dass Kirk es bemerkt hatte.

Während Sie auf dem Weg zur Brücke waren, betrachtete er den Menschen unauffällig. Es war etwas an ihm, dass ihn anzog. Es fühlte sich richtig an, neben dem Menschen herzugehen. Es fühlte sich richtig an, mit ihm zu diskutieren.

 

Sevrin schloss verwirrt die Augen und ungefragt erschienen Bilder aus seinen Alpträumen in seiner Erinnerung: Blaue und goldene Farben, undeutliche, vage Empfindungen von Wärme und Zugehörigkeit.

Er hatte diese Empfindungen schon früher in seinem Träumen wahrgenommen, doch nie benennen können. Warum konnte er es nun auf einmal?

 

War es wirklich eine so gute Idee gewesen, auf das Schiff zu beamen? Anstatt Antworten zu erhalten, öffneten sich nur noch mehr Fragen und Rätsel.

 

Die aufgleitenden Turbolifttüren unterbrachen seine Überlegungen.

 

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Ende Teil 18

 

Teil 19