Durch Zeit und Raum

Disclaimer siehe Teil 1

Teil 16

 

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Kirk schluckte. Fünfundvierzig Jahre...

Eine lange Zeit.

Eine sehr lange Zeit.

Für einen Menschen fast ein halbes Leben.

 

Sein Blick richtete sich auf Blight, der ruhig wartete, bis Kirk den Schock verdaut hatte, den Silens Worte ausgelöst hatten.

 

„Wenn Sie einverstanden sind, Captain Kirk, ziehen wir Ihr Schiff mit einem Traktorstrahl weit genug von der Anomalie weg.“

 

Kirk nickte. „Ja. Doch ich bin mir nicht ganz sicher, ob die Enterprise einer punktuellen Belastung stand halten kann. Ich schlage vor, dass Sie die Daten mit meinem Chefmechaniker abklären.“

 

Blight nickte. „Ich gebe Lieutenant Conelly Bescheid. Er wird sich dann direkt mit Ihnen in Verbindung setzen. Deirdre Ende.“

 

Der Bildschirm zeigte wieder die Sterne und das für Kirk fremde Raumschiff. Nachdenklich betrachtete er den kleinen Raumer. Im Aufbau ähnelte er der Enterprise. Nur war das Diskussegment nicht rund, sondern oval und es war nur eine zentral gelegene Warpgondel vorhanden. Die dunkle Farbe irritierte ihn. Das Schiff war vor dem Hintergrund der Sterne kaum sichtbar.

 

Uhura drehte sich auf ihrem Sessel um und riss Kirk aus seinen Grüblereien.

„Sir, Commander Scott meldet, dass beide Schiffe bereit zum aktivieren des Traktorstrahls sind. Es werden offenbar noch zusätzlich zwei Shuttles eingesetzt, damit die Last besser verteilt wird.“

 

Kirk nickte. „In Ordnung. Scott soll die Aktion freigeben.“

 

Der Schotte kannte das Schiff besser als die Konstrukteure. Er wusste genau, was er der Enterprise zumuten konnte. Kirk vertraute ihm völlig.

 

Die Brückencrew beobachtete, wie die Deirdre zwei Shuttles ausspie, die sich in einem eleganten Bogen der Enterprise näherten. Dann wendeten sie plötzlich knapp vor dem Diskussegment und verankerten jeweils einen kleineren Traktorstrahl rechts und links am Schiff. Danach sandte die Deirdre ebenfalls einen Traktorstrahl aus, der sich am unteren Segment verankerte.

 

Kirk spürte, wie ein sanfter Ruck durch die Enterprise ging, als alle vier Schiffe sanft beschleunigten. Scott hatte offenbar Energie von den Schilden abgezogen, um die Unterlichttriebwerke der Enterprise wenigstens mit ein wenig Schub zu versorgen. Dennoch knirschte und knackte es überall in den Wänden des Schiffes.

 

Kirk lief eine Gänsehaut über den Rücken. Er mochte solche Geräusche nicht.

 

Wie in Zeitlupe krochen sie von der Anomalie fort, bis sie nur mehr noch ein winziger Hinweis im Sensor der wissenschaftlichen Abteilung war. Irgendwie war er froh, das bunte Flackern nicht mehr sehen zu müssen.

 

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T’Alin war, nachdem sie ihre Sensoren auf Langstreckenaufzeichnung programmiert hatte, aufgestanden.

Jetzt blieb sie hinter Blight stehen.

Das große Schiff faszinierte sie. Sie kam nicht umhin, die Eleganz und Würde wahrzunehmen, die davon ausging. Auch wenn es stark beschädigt war, konnte man dennoch die Schönheit erkennen. Ihr Blick wanderte über die zerfetzten und verbogenen Streben, die einmal eine zweite Warpgondel gehalten hatten. Dunkle Striemen zogen sich über den Rumpf des Schiffes hin, so als sei es durch Feuer geflogen. Überall zeigten sich hässliche Löcher.

Sie war froh, dass das automatische Reparatursystem des Schiffes funktioniert hatte. Andernfalls würden sie jetzt nur noch einzelne Atome orten können.

 

Blight drehte den Kopf und warf einen Blick auf Silen, der die Aktion gespannt verfolgte. Er konnte nicht erkennen, was der Vulkanier dachte. Silen schien den Blick zu spüren und drehte sich um.

 

„Sir?“

 

Der Captain schüttelte nur den Kopf. „Machen Sie weiter, Silen.“

 

„Sir, Captain Kirk ruft uns.“

 

„Auf den Schirm.“

 

„Captain Blight. Ich danke Ihnen und Ihren Offizieren für Ihre Hilfe.“ Kirk zögerte kurz und musterte den Jüngeren. „Sie verstehen sicher, dass wir einige Fragen haben.“

 

Blight nickte. „Davon gehe ich aus, Captain. Kommen Sie bitte mit Ihrem Team an Bord der Deirdre. Ich denke, dass wir mit Hilfe des Bordcomputers recht genau nachvollziehen können, was inzwischen geschehen ist.“

 

Kirk nickte. „Ich nehme die Einladung gerne an.“

 

„Gut. Mein Transporterchief wird Ihnen die Daten übermitteln.“

 

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„Uhura, benachrichtigen Sie bitte McCoy. Er soll sich im Transporterraum melden. Lirien. Sie begleiten mich ebenfalls.“

Kirk stand auf und trat in den Turbolift. Er musterte Lirien. Sie war blasser als gewöhnlich. Er unterdrückte ein Schmunzeln. Kein Wunder. Sie hatte wohl kaum damit gerechnet, Silen jemals wiederzusehen. 

 

McCoy erwartete sie bereits im Transporterraum. „Was weißt du über das Schiff, Jim?“

 

Kirk zuckte mit den Achseln. „Nichts. Nur dass ich dem Captain traue und Silen an Bord ist.“ Er wandte sich an Lirien. „Da Sie ihn besser kennen, als jeder andere von uns, ist es Ihre Aufgabe herauszufinden, wo er steht, Lirien. Wir müssen vorsichtig sein. Die Deirdre scheint zwar zur Föderation zu  gehören, doch können wir nur vermuten, was geschehen ist.“

 

Lirien nickte. Sie wusste nur zu gut, was auf dem Spiel stand.

 

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Sie rematerialisierten in einem Transporterraum, der ihnen vertraut erschien. Und doch auch wieder nicht.

Lt. Yagmur, die Riesenschlange, erwartete sie. „Willkommen an Bord der Deirdre. Bitte folgen Ssie mir. Captain Blight erwartet Ssie bereitss im Konferenzsraum.“

 

Sie glitt geschmeidig mit hoch erhobenen Kopf durch die relativ schmalen Gänge. Kirk fiel auf, dass an Bord der Deirdre alles irgendwie kleiner wirkte. Kein Wunder. Das ganze Schiff war deutlich kleiner. Er vermutete, das die Besatzung aus maximal hundert Personen bestand.

Schon nach wenigen Minuten erreichten sie das Konferenzzimmer.

Blight erwartete ihn stehend, ebenso wie sein Team. Kirk ließ den Blick über die Anwesenden gleiten.

 

Ein Wesen, das mehr einem Felsblock, denn einem Hominiden glich, stand neben ihnen. Die Insignien wiesen ihn als Sicherheitsmann aus. Genau der passende Job, wie Kirk vermutete. Silen stand neben Blight, die Hände auf dem Rücken verschränkt. Eine Haltung, die ihn schmerzlich an Spock erinnerte.

Eine junge Vulkanierin hatte den Platz neben Silen eingenommen, was bei Lirien ein irritiertes Stirnrunzeln hervorrief. Kirk bemerkte, dass sie keine offizielle Uniform oder Ranginsignien trug.

Neben ihr stand ein Techniker, wie Kirk unschwer an dem typischen Overall erkennen konnte. Die Insignien wiesen ihn als Lieutenant aus.

 

Sein Blick wanderte zurück zu Blight.

Er war offensichtlich ein Mensch. Stahlblaue Augen schimmerten unter einer Strähne schwarzen Haares hervor, die ihm in die Stirn gefallen war. Gebräunte Haut verriet, dass er sich nicht sehr oft an Bord eines Schiffes aufhielt, sondern eher unter freiem Himmel. Ein weiteres Rätsel.

 

Blight deutete auf den Tisch in der Mitte des Raumes.

„Bitte setzen Sie sich.“

Er wartete, bis alle Platz genommen hatten.

 

„Captain. Ich möchte Ihnen zunächst meine Offiziere vorstellen.“ Er deutete der Reihe nach auf die Personen.

„Lieutenant Yagmur, auf dieser Reise mein Erster Offizier, da Commander Si’jsk, der eigentliche Erste, nicht an Bord ist. Des weiteren Lieutenant Conelly, mein Chefmechaniker“ – der Techniker im Overall nickte Kirk zu und grinste breit –

„T’Alin, die als Spezialistin für Strahlungsphänomene bei dieser Reise mit an Bord ist und Lieutenant Zebron, unser Sicherheitschef.“

 

Er deutete auf den Felsbrocken, der zu nicken schien. Kirk sah genauer hin und konnte in den zerklüfteten Gesichtszügen ein freundliches Lächeln erkennen. Er lächelte zurück.

 

„Commander Silen ist Ihnen ja bereits bekannt.“

 

Kirk nickte und musterte den Vulkanier kurz. Die Jahre hatte ihre Spuren in dessen Zügen hinterlassen. Er wirkte ruhiger. Irgendwie vulkanischer.

Kirk stellte seine Begleiter ebenfalls vor. Dann konzentrierte er sich wieder auf Blight.

 

„Können Sie uns eine Zusammenfassung dessen geben, was in den vergangenen Jahren geschehen ist?“

 

Blight nickte und aktivierte einen in der Tischplatte verborgenen Bildschirm.

„Ich nehme an, sie wissen dass es, kurz bevor Ihr Schiff verschwand, zu eigenartigen Vorfällen innerhalb der Föderation kam. Es entstanden Unstimmigkeiten, Personen verschwanden und tauchten mit verändertem Verhalten wieder auf. Es kam zu den ersten feindlichen Auseinandersetzungen.“

 

Er schwieg und wartete das düstere Nicken seiner Gäste ab.

„Das waren nur die Vorboten. Wenige Monate später brachen die ersten Kriege aus. Zunächst relativ lokal begrenzt. Doch Bündnisse und Partnerschaften zerbrachen.

Immer mehr Planeten erklärten sich gegenseitig den Krieg, bis die gesamte Föderation sich in ein Tollhaus verwandelte.

Wir wissen, dass auch Romulaner und Klingonen, ebenso wie alle anderen bekannten Welten und Reiche innerhalb unserer Sensorenreichweite die gleichen Probleme bekamen.

Die Krieg dauerten Jahre. Selbst Vulkan erklärte den Krieg, wenn auch als einer der letzten Planeten. Doch dort wütete er besonders grausam. Suraks Lehren schien es nie gegeben zu haben.

Die Folge davon ist, dass Vulkanier inzwischen nirgendwo gern gesehen sind. Vulkan selbst wurde durch die Explosion einer Waffe, die von den Vulkaniern gebaut worden war, um andere Planeten zu zerstören, verseucht. Der Planet ist inzwischen evakuiert, die Atmosphäre wird sich von den ätzenden Gasen, die entstanden sind, selbst reinigen.

Doch der Schock, der durch diese Katastrophe innerhalb der Welten der alten Föderation – Ihrer Föderation, Kirk, - entstanden ist, war heilsam genug, um die sich gerade neu bildende Föderation zu stärken. Immer mehr der alten Koalitionspartner treten inzwischen wieder dem Planetenbund bei. Zumindest in unserem Teil der Galaxie ist wieder Ruhe eingekehrt.“

 

Er schwieg und gab seinen Gästen Gelegenheit, das Gehörte zu begreifen. Er rief einige Daten auf den zentralen Bildschirm. Ein kurze schriftliche Zusammenfassung der bisherigen Geschichte erschien.

 

Kirk überflog die Worte. Er konnte es noch immer nicht begreifen. Wollte es nicht begreifen.

Ein Blick in die Minen seiner Begleiter sagte ihm, dass sie ebenso empfanden.

McCoy kniff die Lippen so fest zusammen, dass sie völlig blutleer waren und Lirien starrte nur wortlos in Silens Gesicht.

 

„Ich werde einen ausführlichen Bericht in Ihren Bibliothekscomputer überspielen lassen, Captain Kirk.“

 

Kirk nickte und suchte dann Blights Blick.

„Ein Teil dessen, was Sie uns eben mitgeteilt haben, wussten wir bereits. Doch hatten wir keine Ahnung, wie umfassend die Zerstörung war.“

 

Er holte kurz Luft.

„In jenem Universum, in dass wir durch einen Raum-Zeit-Riss geraten waren, sind wir auf völlig zerstörte Welten gestoßen. Dort musste ein Krieg getobt haben, der kein Lebewesen verschont hat.“

 

Blight warf Silen einen schnellen Blick zu. Dann richtete er seine Aufmerksamkeit wieder auf Kirk.

Er nickte.

„Wir hatten bereits den Einfluss einer fremden und bislang unbekannten Spezies nachgewiesen. Zudem sind wir auf mehreren Welten auf Hibernationskammern gestoßen. Doch wir kennen den Zweck dieser Einrichtungen nicht.“

 

"Hibernationskammern?" Kirk verschränkte die Arme und lehnte sich zurück. "Wir

sind ebenfalls auf solche Einrichtungen gestoßen, doch alle waren erloschen. Kurz bevor wir durch die sich plötzlich bildende Anomalie hierher geschleudert wurden, haben wir auf einem Planeten eine ungeheure noch aktive Energiequelle gefunden. Vielleicht handelte es sich um eine noch funktionierende Einrichtung."

 

Blight nickte nachdenklich und traf eine Entscheidung.

„Meine Damen, meine Herren. Ich schlage vor, dass Sie uns zu unserem Stützpunkt auf Camelon begleiten. Dort könnten wir die gesammelten Daten auswerten und über ein weiteres Vorgehen entscheiden.

Da wir in den Warp gehen müssen, können wir Ihr Schiff nicht die ganze Zeit abschleppen. Ich schlage deshalb eine Übertragung von Sekundärenergie vor."

 

Kirk musterte sein Gegenüber verdutzt. Dann nickte er.

„Gut. Lieutenant Conelly, Commander Silen. Bitte setzen Sie sich mit den Technikern der Enterprise in Verbindung, damit die Energieübertragung keine zusätzlichen Probleme bereitet.“

 

Er drehte sich zu Kirk um. „Würden Sie sich gerne das Schiff ansehen, Captain?“

„Mit dem größten Vergnügen.“

 

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„Silen?“

Der Vulkanier wollte eben den Raum verlassen. Doch Liriens Stimme hielt ihn zurück.

 

Lirien.

Sie wiederzusehen hatte ihn mehr erschüttert, als er sich selbst eingestand.

Er drehte sich langsam um.

Noch war er nicht bereit, ihr gegenüber zu treten.

 

Sie stand vor ihm, hatte sich kaum verändert. Das blonde Haar fiel ihr in wirren Locken ins Gesicht und sie sah ihn mit ihren grünen Augen fragend an.

Silen glaubte, sich in ihrem Blick zu verlieren. Wie in Zeitlupe hob er die Hand und strich ihr eine Strähne aus der Stirn. Eine Geste, die sie noch nie bei ihm erlebt hatte.

 

„Lirien. Ich...“

Er straffte die Gestalt und warf einen Blick auf Conelly, der schon in Richtung des Transporterraums vorausgeeilt war. Wie alle Techniker konnte er es kaum erwarten, in den Eingeweiden des Schiffes zu verschwinden. Er und Scott würden sich gut verstehen.

 

„Lirien. Wir haben später mehr Zeit füreinander. Ich muss Conelly helfen.“

 

Sie nickte und trat einen Schritt zurück. Akzeptierte wortlos seine Prioritäten. Und seine Flucht.

 

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Kirk trat schweigend näher an die Wand aus Klarstahl. Es tat ihm sichtlich weh, sein Schiff so verwundet zu sehen. Blight konnte nachempfinden, was der andere Captain empfand.

 

Plötzlich wandte sich Kirk um.

„Wissen Sie, was mit Spock geschehen ist?“

 

Blight schüttelte den Kopf. „Alle Daten, die die Enterprise oder ihre Besatzung betrafen, wurden aus den Datenspeichern gelöscht. Ihr Schiff hat nur in Legenden und Geschichten weiterexistiert, Kirk. Ich wusste allerdings von Silen, dass Commander Spock das Schiff verlassen hatte. Doch es gibt keine Aufzeichnungen über ihn.“

 

Kirk senkte den Kopf und wandte sich ab. Er wollte seine Betroffenheit nicht zeigen.

Es war einfach nicht fair. Warum nur hatte er Spock nicht gesagt, was er für ihn empfand? Warum hatte er ihn überhaupt gehen lassen?

Er seufzte leise und presste die Lippen zusammen.

Noch wollte er sich nicht mit dem Gedanken abfinden, dass Spock vermutlich tot war. Aber bei dem, was er inzwischen wusste... Spock war diesen Wesen mit seinen Ermittlungen sicher gefährlich nahe gekommen. Die Chancen standen schlecht.

 

Blight hatte ihn schweigend beobachtet. Er sah die Schatten, die über das Gesicht dieses berühmten Mannes glitten, sah den Schmerz, der sich in den verkrampften Schultern und geballten Fäusten äußerte. Doch als sich Kirk wieder umdrehte, waren seine Züge beherrscht und zeigten nichts von dem was er empfand. Fast wie ein Vulkanier, dachte Blight überrascht.

 

 „Spocks Eltern, Sarek und Amanda hatten sich in einer der Hibernationskammern befunden, auf die wir gestoßen sind. Als ich mit der Deirdre aufgebrochen bin, befanden sich beide auf Camelon. Vielleicht wissen sie etwas.“

 

Hoffnung glomm in Kirks Augen, als er Blight ansah. „Sarek und Amanda leben?! Das ist eine wirklich gute Nachricht.“

 

Blight lächelte. „Kommen Sie, Kirk. Ich schlage vor, wir genehmigen uns einen Drink und tauschen alte Geschichten aus.“

 

„Gute Idee.“ Er lächelte still, während er mit Blight das Aussichtsdeck verließ. Er mochte den jungen Captain bereits.

 

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T’Alin betrat die Messe des Schiffes. Sie war hungrig. Zudem wollte sie sich die Kadetten ansehen, die auf Camelon eine Spezialausbildung erhielten.

In dem zu dieser späten Stunde nur schwach erhellten Raum hielten sich überraschend viele Crewmitglieder auf. Sie entdeckte einige Offiziere, die ihr unbekannte Uniformen trugen. Es musste sich um Besatzungsmitglieder der Enterprise handeln. Der Lärm war für ihre empfindlichen Ohren etwas zu laut, aber sie würde sich sicher daran gewöhnen.

 

Sie begann, sich durch das Gedränge zu arbeiten, als plötzlich jemand nach ihrem Arm griff und sie zur Seite zog. Instinktiv wehrte sie die Hand ab und ging in Angriffsposition.

 

„Hey, immer mit der Ruhe, T’Alin. Ich bin es, Blight.“

 

Sie entspannte sich sofort und nickte dem Captain der Enterprise zu, der neben Blight stand. In der Nische, die die beiden Captains für sich beanspruchten, war etwas mehr Platz als im Hauptraum. T’Alin stellte dankbar fest, dass offenbar auch der Geräuschpegel gedämpft wurde.

 

„Captain Kirk, Captain Blight.“

 

Sie bemerkte, dass der ältere Captain sie etwas verdutzt musterte. Dann schüttelte er den Kopf, so als wollte er sich selbst von etwas überzeugen.

„Stimmt etwas nicht, Sir?“ Sie hob fragend eine Braue und legte die Hände locker auf den Rücken.

 

„Sie erinnern mich an jemanden, den ich einmal sehr gut gekannt habe. Doch es ist vermutlich nur ein Zufall.“

 

Blight hatte Kirks Verwirrung bemerkt, entschloss sich jedoch, nicht näher darauf einzugehen.

 

„Möchten Sie etwas trinken, T’Alin?“

 

„Eigentlich bin ich gekommen, um etwas zu essen.“

Blight grinste. Die direkte Art der Vulkanierin gefiel ihm. Sie konnte nicht leugnen, dass Si’jsk und Sarduk ihre Brüder waren. Denn zumindest diese Eigenart teilten sie miteinander.

 

„Wenn Sie einverstanden sind, werde ich Ihnen etwas holen. Ich glaube kaum, dass Sie sich freiwillig in dieses Gewühl stürzen möchten.“

 

T’Alin verzog andeutungsweise das Gesicht, als sie einen Blick über die Schulter warf. „Nein, nicht wirklich, Captain.“ Ein belustigtes Funkeln erschien in ihren Augen und sie lächelte kaum merklich.

„Ich nehme Ihr Angebot gerne an.“

 

Blight nickte und war so schnell in der Menge verschwunden, dass Kirk den Kopf schüttelte.

„Geht es hier immer so zu?“ wandte er sich an T’Alin.

 

Sie zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. In den wenigen Tagen, die ich bisher an Bord verbracht habe, hatte ich keine Zeit, die Messe aufzusuchen. Ich war mit der Aufzeichnung und Auswertung der Daten über die  Anomalie beschäftigt.“

 

Blight, der schneller wieder da war, als T’Alin erwartet hatte, reichte ihr einen Teller mit einem vegetarischen Gericht und deutete auf einen Tisch der gerade eben frei wurden.

 

„Kommen Sie, dort können wir uns setzen.“

 

Während T’Alin aß, erzählte Kirk von den Erlebnissen, die sie in jenem fremden Universum gemacht hatten.

 

„Haben Sie Aufzeichnungen über jene Energieströme?“ T’Alin hatte die Unterhaltung fasziniert verfolgt. Einmal mehr fühlte sich Kirk an Spock erinnert. Er nickte.

 

„Mein Wissenschaftsoffizier, Lt. Ajdan, hat jede Menge Daten gesammelt. Ich vermute, dass er bereits mit der Auswertung begonnen hat.“

 

„Ich würde mich gerne mit ihm in Verbindung setzen. Die Daten interessieren mich.“

 

„Jederzeit, T’Alin.“

 

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„Ich dachte, du könntest eine Erfrischung brauchen. Immerhin arbeitest du nun schon seit über vier Stunden an der Energieübertragung.“

 

Silen schob sich aus der engen Jeffriesröhre, in der er bis zur Hüfte steckte und sprang mit einem eleganten Satz zu Boden. Dann nahm er stumm das Glas, dass Lirien ihm reichte und trank.

 

„Danke.“

 

„Kommt ihr voran?“

Lirien deutete mit einer umfassenden Geste auf das Chaos im Maschinenraum. Scott und Conelly brüteten mit Tarzer und Sulu über einigen hastig gezeichneten Schaltplänen und einigen Computerausdrucken. Mehrere Techniker montierten an einer offensichtlich durchgebrannten Konsole. Anhand der unterschiedlichen Uniformen konnte sie erkennen, dass es sich um Mitglieder beider Schiffe handelte.

 

„Nicht wirklich. Die Energieübertragung funktioniert nicht wie geplant und wir müssen einen Weg finden, die durch die fehlende Warppylone hervorgerufene Instabilität der Enterprise zu kompensieren, damit sie navigierbar wird. Die Energie der verbliebenen Warpplyone reicht für einen kurzen Warptranser, aber ohne sinnvolle Steuerung...“

 

Lirien nickte stumm. Lächelnd zupfte sie einige Staubflusen von Silens schwarzem Thermoshirt.

„Du solltest öfters schwarz tragen: es steht dir.“

 

Silen legte in einer fragenden Geste den Kopf ein wenig schief und hob eine Braue.

Lirien fühlte sich an Spock erinnert und fragte sich, ob alle Vulkanier diese Gestik hatten, oder ob es nur eine zufällig Übereinstimmung zwischen den beiden Offizieren war.

 

Die Vertrautheit ließ einen Klumpen in ihrem Hals entstehen. Anstatt ihre Hand zurückzuziehen umschloss sie die sehnige Schulter des Vulkaniers.

„Ich habe dich vermisst.“

 

Silen wich der Berührung nicht aus.

„Ich weiß“, flüsterte er. „Ich konnte dich wahrnehmen, kurz nachdem die Enterprise verschwand. Deshalb... deshalb habe ich nach dir gesucht.“

 

„Du... konntest mich wahrnehmen?“

 

„Ja. Über ein feines mentales Band, von dem ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, dass es überhaupt zwischen uns existiert.“

 

Silen sprach leise und ernst und Lirien begriff, dass ihr der Vulkanier mit diesen Worten sehr viel mehr sagte, als es zunächst den Anschein hatte. Sie wusste genug über Vulkanier, um seine Bemerkung deuten zu können.

 

„Ein spontanes Band?“

 

Silen nickte leicht und sah sie eindringlich an.

Dann, ohne auf ihre Umgebung zu achten, gab er einem Impuls nach und zog sie an sich. Viel zu lange hatte er es sich gewünscht, ihr seine Empfindungen zu offenbaren. Fast wäre es für immer zu spät gewesen.

 

Lirien schmiegte sich überwältigt an ihn und spürte, wie das feine, kaum wahrnehmbare Band in ihrer beider Bewusstsein pulsierend zum Leben erwachte. Instinktiv reagierten auch ihre Körper und ihre Lippen fanden sich zu einem leidenschaftlichen Kuss.

 

Genau in diesem Augenblick hob Sulu den Kopf und bemerkte das völlig mit sich beschäftigte Paar. Grinsend machte er die anderen Männer drauf aufmerksam.

 

Tarzer nickte zufrieden. Er war der verantwortliche Offizier für das Freizeitdeck und musste dafür sorgen, dass die Crew während anstrengender Missionen bei Laune blieb und sich erholen konnte. Es war bekannt, dass er alles mögliche realisieren konnte und Lirien hatte ihn mehr als einmal um eine Simulation des Planeten Vulkan gebeten.

Einmal hatte sie ihm von ihrer Freundschaft zu Silen erzählt. Eine Freundschaft, die schon längst keine mehr war. Er erkannte Liebeskummer, wenn er ihn sah.

Schon deshalb freute es ihn, dass diese beiden sich wiedergefunden hatten.

 

Blieb nur noch der Captain.

Tarzer hoffte inständig, dass er *seinen* Vulkanier auch wiederfinden würde. Auch wenn die Chancen sehr schlecht standen.

 

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Ende Teil 16

 

Teil 17