Durch Zeit und Raum

Disclaimer siehe Teil 1

Teil 14

 

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Währenddessen hatte Si'jsk den Akademiekomplex erreicht. Völlig durchnässt und zitternd vor Kälte brachte er das Pferd in den Stall, wo es ihm von einem der Stallburschen abgenommen wurde.

 

Dann kehrte er so schnell es ging in seine Wohnung zurück. Er war zwar hungrig, aber in diesem Zustand konnte er nicht zum Speisesaal gehen. Ein heißes Bad war eher das, was er jetzt brauchte. Und später würde er Dr. Gordon um eine weitere Dosis der Drogen und ein Medikament gegen seine beginnende Erkältung bitten.

 

Schließlich erreichte er seine Wohnung. Schnell streifte er die nassen Sachen vom Körper und ließ sich ein Bad ein.

Er mochte Wasser, allerdings musste es eine gewisse Mindesttemperatur haben. Und das Regenwasser war entschieden zu kalt gewesen.

Mit einem dankbaren Seufzen ließ er sich schließlich in das dampfendheiße Badewasser sinken. Er spürte, wie die Wärme in seinen unterkühlten Körper kroch und die verkrampften Muskeln lockerte.

 

Entspannt lehnte er sich zurück und schloss die Augen. Wieder kam ihm Kevin in den Sinn. Er musste die Anomalie inzwischen erreicht haben. Träge konzentrierte er sich auf die feine Verbindung und stellte nach kurzer Zeit erleichtert fest, dass er ihn wahrnehmen konnte.

Kevin war völlig ruhig und schien zu schlafen.

Si'jsk entspannte sich noch etwas mehr und unbewusst ließ er eine Hand über seinen Körper wandern, stellte sich dabei vor, es wäre sein Geliebter, der ihn berührte.

Plötzlich erwachte das Band zum Leben und Si'jsk spürte, dass Kevin aufgewacht war. Sinnlichkeit und gegenseitiges Verlangen ließ die Verbindung pulsieren und Si'jsk unterdrückte ein Stöhnen, als er Kevins unmissverständliche Erregung wahrnahm.

Es war wie ein Rausch, als sie sich, getrennt durch die riesige Entfernung und doch durch das Band so nahe, gegenseitig liebkosten und schließlich gemeinsam die Erfüllung fanden.

 

Si'jsk hatte so etwas nie zuvor erlebt. Es waren seine eigenen Hände gewesen, die geführt durch Kevin, sein Verlangen gestillt hatten. Der Mensch schien zu lachen und sandte ihm über das Band die Wärme der Freundschaft, die sich zwischen ihnen immer mehr verstärkte.

Beide wusste, dass sie längst nicht mehr nur Neugierde und reines Begehren verband.

Sie liebten sich.

 

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Sternzeit: unbekannt, USS Enterprise

 

„Sir, ich erwähne es nur ungern, aber unsere Energie ist weiter gesunken. Wir sind jetzt bei 65% absolut.“

 

Scotts Stimme klang ebenso trostlos wie Kirk sich fühlte. Seit fast zwei Monaten durchstöberten sie nun diese Galaxie, doch nirgendwo waren sie auf Leben gestoßen. Es hatte Leben gegeben. Sehr viel sogar. Doch alles war ausgelöscht worden.

Mehr als einmal waren sie auf riesige Höhlensysteme voller erloschener Hibernationseinheiten gestoßen. Die Lebewesen, die darin lagen, hatten keine Chance gehabt. Nirgendwo stießen sie auf Überlebende und je länger sie suchten, um so hoffnungsloser wurden sie.

 

Hinzu kam, dass irgendetwas die Energie aus dem Schiff abzog.

 

Lieutenant Ajdan hatte negative Strahlungen gemessen, die mehr oder weniger stark überall in dieser Galaxie vorhanden war. Er entwickelte eine Theorie, nach der es diese Strahlung war, die ihnen die Energie stahl. Und die für die Zerstörung der Galaxie verantwortlich war.

 

Kirk lehnte sich zurück und betrachtete die Sterne, die sich ihm auf dem großen Bildschirm darboten.

Alles war bunt. Zu bunt für seinen Geschmack.

Er wandte sich ab und richtete seine Aufmerksamkeit auf den Datenblock in seiner Hand. Wieder einmal sah er die Daten durch, die ihm Spock gegeben hatte, bevor er das Schiff verließ. Er hätte sicher seine helle Freude an den Messwerten gehabt, die sie ständig aufzeichneten.

 

Er konnte die Daten schon auswendig. Spock war auf einen Zusammenhang zwischen den überall aufflammenden Streitigkeiten, dem Verschwinden wichtiger Persönlichkeiten und dem Auftreten seltsamer Strahlungen gestoßen. Er hatte dem nachgehen wollen. Dann waren sie in diese Galaxie gezerrt worden.

Kirk konnte nur hoffen, dass Spock nichts zugestoßen war.

 

„Sir, ich habe da etwas entdeckt!“

 

Kirk stand auf und trat hinter Ajdan, der sich über den Sichtschlitz des Scanners gebeugt hatte. Ihm fiel auf, dass er genau Spocks übliche Haltung einnahm. Verwirrt schüttelte er den Kopf.

 

„Was gibt es, Lieutenant?“

 

„Sehen Sie selbst, Sir.“ Er trat zurück und deutete mit der Hand auf die Konsole.

 

Kirk beugte sich über den Scanner. Er konnte es kaum glauben, was er sah. Den Daten zu Folge befand sich auf einem der Planeten, die sie gerade passierten, ein gigantisches Kraftwerk. Die Energie, die es produzierte, schien geradewegs in den Weltraum gesandt zu werden. Es ergab keinen Sinn.

 

Er richtete sich auf und musterte Ajdan. „Haben Sie eine Erklärung?“

 

Er schüttelte den Kopf. „Nein, Sir. Ich schlage vor, das Kraftwerk direkt zu scannen. Allerdings gibt es Anzeichen eines Schutzschildes. Eventuell wäre es ratsam einen Landetrupp zur direkten Erkundung hinunter zu schicken.“

 

Kirk nickte langsam und warf dann Commander Lirien einen nachdenklichen Blick zu.

 

„Hm. Ein Schutzschirm. Können wir direkt zu der Energiequelle beamen?“

 

Ajdan warf einen Blick auf ihre Anzeigen, dann nickte er. „Ja. Der Schirm blockt lediglich Sensorstrahlen ab. Ich schlage aber Antigravausrüstung und Atemmasken vor.“

 

„Also gut. Sie und Lirien begleiten mich. Rufen Sie noch vier Sicherheitsmänner zum Transporterraum.“

 

"Halt Sir!"

 

Kirk drehte sich herum. "Was?"

 

Commander Lirien deutete stumm auf den Hauptschirm, auf dem sich ein phantastisches Schauspiel abzuspielen begann.

 

Bevor jemand die seltsamen Verzerrungen und Wirbel deuten konnte, die plötzlich auf dem Hauptschirm sichtbar waren, fiel sämtliche Energie aus. Dann ging ein heftiger Ruck durch das Schiff und alles versank in Dunkelheit.

 

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Sternzeit: 4831,7: USS Deirdre

 

Kent O'Brian lehnte sich bequem zurück und betrachtete die ebenmäßigen Züge seiner Begleiterin. T’Alins Züge waren weicher, als es für Vulkanierinnen typisch war. Auch ihre gesamte Art war alles andere als kühl und zurückhaltend.

Er genoss ihre Gesellschaft. Er genoss sie sogar mehr, als er es sich selbst einzugestehen wagte. Im stillen dankte er Blight, dass er ihm das Feld überlassen hatte. Ob an den Gerüchten, dass zwischen ihm und Si'jsk was lief, etwas dran war? O'Brian wusste es nicht. 

 

„Erzählen Sie mir etwas von sich. Ich möchte sie besser kennen lernen.“

 

T’Alin musterte ihn mit leicht schräg gelegtem Kopf. Menschen hatten sie schon immer fasziniert. O'Brian machte da keine Ausnahme.

Ging man nur nach der schlanken großgewachsenen Gestalt und den dunkelbraunen glatten Haaren, hätte er ohne weiteres als Vulkanier durchgehen können. Die Züge waren klar und für einen Menschen relativ kantig. Nur die Ohren waren nicht spitz genug, wie sie mit einer leichten Erheiterung feststellte.

 

Sie zuckte die Schultern. „Über mich gibt es nicht viel zu sagen. Ich habe als Kind eine Zeit lang in den Wüsten Vulkans gelebt. Dann habe ich mich als blinder Passagier in einem Handelsschiff versteckt und bin so einige Zeit im All herumgereist.

Ich hatte Glück. Die Besatzung jenes Handelsschiffes hat mich fast wie eine Tochter aufgenommen, als sie mich halb verhungert im Frachtraum fanden. Sie erlaubten mir, alles über das All zu lernen, was sie mich lehren konnten.

Irgendwann blieb ich auf einem Außenposten nahe der romulanischen Grenze. Ich schaffte es, mich im romulanischen Imperium an eine Universität einzuschreiben. Dort habe ich dann Physik und Astrophysik studiert. Seltsamerweise war es nicht der romulanische Geheimdienst, sondern der der Föderation, der mich entdeckte. Da ich bereits eine perfekte Tarnung besaß, arbeitete ich einige Zeit für den Geheimdienst. Doch irgendwann wurde mir das ständige Versteckspiel zu viel. Ich bat darum, innerhalb der Föderation arbeiten zu dürfen. Und so bin ich schließlich auf ihrem Schiff gelandet.“

 

Sie schwieg und nippte an ihrem Drink.

 

O'Brian unterdrückte ein Schmunzeln. „Und das soll nicht viel sein. Ich habe in der letzten Zeit zwar so einige ungewöhnliche Lebensläufe gehört, doch der ihre schlägt alles. Mir fällt dabei nur eine Gemeinsamkeit auf...“ Er schwieg und trank ebenfalls von seinem Drink.

 

„Die wäre?“

 

„Ich kenne zwei weitere Vulkanier, die ebenfalls Teile ihrer Kindheit in Vulkans Wüsten verbracht haben. Interessanterweise haben die beiden übrigens die gleiche Augenfarbe wie Sie, T’Alin.“

 

Er hatte seinen Worten eigentlich keine besondere Bedeutung beigemessen. Um so erstaunter war er über ihre Reaktion. Sie verschluckte sich und musste husten. Dann beugte sie sich vor.

 

„Wie sind die Namen der beiden?“

 

Sie sah ihn mit einer Dringlichkeit an, die ihn verblüffte.

 

„Si’jsk und Sarduk.“

 

Sie ließ sich in ihren Stuhl zurückfallen und sah ihn einfach nur an. Zunächst konnte er deutlich ihre Verblüffung erkennen. Dann wurde sie von einer Freude abgelöst, die sie förmlich zum Strahlen brachte.

 

„Ich glaube, Kent, Sie haben keine Ahnung, was Sie mir da gerade eben gesagt haben.“

 

O'Brian schüttelte den Kopf. „Nein, das habe ich wirklich nicht.“

 

Sie lachte ihn glücklich an. „Bei diesen beiden handelt es sich höchstwahrscheinlich um meine Brüder.“

 

Das Interkom unterbrach mit einem disharmonischen Piepsen den Moment.

„Captain Blight an Lieutenant O'Brian und T'Alin. Sir, wir nähern uns der Strahlungsanomalie. Ich möchte Sie beide auf der Brücke haben.“

 

O'Brian stand auf und aktivierte das Gerät. „Wir kommen sofort.“

 

Dann drehte er sich zu T’Alin um. „Kommen Sie. Es wartet Arbeit auf Sie.“

 

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Sternzeit 4834,3: Camelon

 

„Und sie können sich an nichts erinnern, was vor jenem Tag lag?“

 

Gordon ließ noch einmal den Tricorder über Sevrins Körper gleiten. Die Daten waren durchaus normal, sah man einmal von einem tief sitzendem Erschöpfungszustand ab. Er ruhte offenbar nur die absolut notwendige Zeit.

 

Sevrin schüttelte den Kopf. „Nein. Die erste Erinnerung, die ich habe, ist, dass ich mich in einem Computerzentrum befinde und an meinem Arbeitsplatz sitze. Ich bin Computerspezialist, daran besteht kein Zweifel, doch woher ich mein Wissen habe, kann ich nicht nachvollziehen.“

 

Sarduk, der ebenfalls die Daten überprüfte, schüttelte den Kopf. „Merkwürdig. Eine so partielle Amnesie ist äußerst selten. Zumal du erwähnst, keine schweren Verletzungen erlitten zu haben.“

 

Er warf einen Blick auf den Bildschirm. „Die Auswertung deiner Biodaten ergibt allerdings, dass du vor etlichen Jahren innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums von etwa drei Jahren mehrmals schwer verletzt warst. Dies liegt aber vor dem Zeitpunkt, an dem deine Erinnerungen wieder einsetzen.“

 

Gordon sah ihn nachdenklich an.

„Es gibt jemanden hier auf Camelon, der Sie vielleicht kennt, Sevrin. Möglicherweise sogar unter einem anderen Namen. Wenn Sie einverstanden sind, werden ich ihn um einen Besuch bitten.“

 

Sevrin musterte sie und warf dann einen Blick auf Sarduk. Er konnte deutlich das erst vor kurzem entstandene Partnerschaftsband zwischen den beiden wahrnehmen. Sarduk war noch immer mental verletzt, so dass er noch keine Patienten behandeln konnte, doch hatte ihn die Neugierde bewogen, bei der Untersuchung seines Vaters dabei zu sein. Obwohl er dies natürlich nicht offen zugab.

Die mentalen Verletzungen machten allerdings seine Abschirmung porös, so dass Sevrin immer wieder Gedankenfragmente von ihm wahrnehmen konnte. Doch diesmal war die Abschirmung perfekt.

 

„Wieso sollte mich hier jemand kennen?“

Er richtete sich auf und schwang die Beine von der Liege.

 

„Es handelt sich um einen Vulkanier, der den gleichen Clan-Namen trägt. Ich habe bisher keine Veranlassung dazu gesehen, über eine Blutuntersuchung eine verwandtschaftliche Beziehung nachzuweisen. Sarduk hat mir aber erzählt, dass es auf Vulkan keinen Clan-Namen zweimal gibt."

 

Sevrin nickte. „Das ist korrekt. Spaltet sich ein Clan auf, werden für jeden neu entstehenden Zweig völlig neue Bezeichnungen gewählt. Doch dies geschieht äußerst selten.“

 

„Nun, dann werde ich sehen, ob ich ihn finden kann.“

 

"Wir werden Sie begleiten."

 

Gordon warf Sevrin einen kurzen Blick zu und zuckte dann mit den Schultern.

"Gern, wenn Sie möchten."

 

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Vor der Klinik liefen sie einem sichtlich verschnupften Si'jsk in die Arme.

"Dr. Gordon. Ich wollte eben zu Ihnen."

 

Gordon grinste breit, als sie die heisere Stimme hörte. "Freiwillig? Ich kann's kaum glauben. Aber bei der Stimme kann ich mir schon denken, was los ist. Abgesehen davon denke ich, wird es auch wieder Zeit für Ihre Dosis."

 

Si'jsk verzog kurz das Gesicht. Dann wandte er seine Aufmerksamkeit den beiden Begleitern der Ärztin zu.

Er riss überrascht die Augen auf, als er den ältern Vulkanier erkannte.

 

"Vater! Wie...? Also doch?!" Er sah verwirrt zu Sarduk, der leicht nickte.

 

Sevrin neigte grüßend den Kopf und musterte den Jüngeren seiner beiden Söhne.

"Ja. Ich wurde als Computerspezialist hergeschickt."

 

Für einen kurzen Moment wurden die strengen Züge weich und er ließ seine Erleichterung und Freude deutlich sehen. Dann kehrte die vulkanische Kontrolle zurück.

 

Si'jsk konnte es kaum glauben. „Wo hast du die ganzen Jahre gelebt?“

 

Doch Gordon schob sich dazwischen. „Ihr könnte Euch später unterhalten. Si’jsk, Sie machen sofort, dass Sie in mein Büro gehen. Und ich meine sofort!"

 

Sevrin und Sarduk warfen ihr einen überraschten Blick zu. Sie achtete nicht weiter darauf, sondern griff nach Si’jsks Arm, der sich widerstandslos führen ließ.

 

„Was hat das zu bedeuten, Sarduk?“

 

Sevrin sah den beiden mit gehobener Augenbraue nach.

„Si’jsk hat eine für Vulkanier etwas unkonventionelle Art gefunden, den Druck des Pon farr gering zu halten. Doch allmählich ist er in eine Phase geraten, die den Einsatz von Medikamenten unumgänglich macht. Er lehnt sie allerdings ab und dehnt die Einnahmeintervalle stets bis zur äußersten Grenze aus.

T’Ric hat offenbar den Verdacht, dass sie ihn gründlicher untersuchen muss, als es hier draußen möglich ist. Vielleicht will sie aber auch nur unter vier Augen mit ihm sprechen.“

 

„Hat er keine Bindungspartnerin?"

 

Sarduk hob eine Braue. „Nein. Aber es gibt jemanden, den sich Si’jsk als Partner zu wünschen scheint“, antwortete er zögernd.

 

Sevrin hob andeutungsweise eine Braue. Die besondere Betonung war ihm nicht entgangen. „Partner? Ein Mann?“

 

Sarduk nickte knapp. Er selbst fand zwar nichts dabei, doch hatte er keine Ahnung, wie sein Vater darüber denken mochte. Um so mehr erstaunte ihn dessen Reaktion, denn Sevrin legte lediglich den Kopf etwas schief und nickte dann.

 

„Es ist seine Entscheidung. Und es erscheint mir durchaus logisch, dass er...“ Seine Stimme verklang und er runzelte deutlich verwirrt die Stirn.

 

„Was ist, Vater? Geht es dir nicht gut?“

 

Sevrin sah auf und begegnete dem besorgten Blick seines Sohnes. „Nein. Es ist alles in Ordnung. Für einen kurzen Moment glaubte ich, mich an jemanden erinnern zu können. Eine Person, die mir einmal sehr wichtig war. Doch es war nur ein flüchtiger Eindruck.“

 

„Hast du diese ... Erinnerungslücken öfter?“

 

Sevrin nickte knapp.

„Ja. Und ich habe immer wieder Alpträume, oder sehe während der Meditation Bilder vor mir, die mir zwar bekannt sind, die ich aber nicht deuten kann .“

 

Sarduk horchte auf. „Du hast bei der Untersuchung nichts davon gesagt. Ruhst du deshalb so wenig?“

 

„Ja. Ich kann die Reminiszenzen nicht einordnen. Eine Zeit lang habe ich versucht, herauszufinden, was es damit auf sich hat, doch inzwischen versuche ich, ihnen zu entgehen.“

 

Sarduk runzelte missbilligend die Stirn. „Du weißt, dass das kein guter Weg ist.“

 

„Natürlich weiß ich das, Sarduk. Aber spielt es eine Rolle? Ich werde vermutlich nie erfahren, was mit mir geschehen ist, oder wer ich wirklich bin.“

 

Fast so etwas wie Verzweiflung schlich sich in seinen Tonfall ein, als er fortfuhr.

 

„Sarduk, ich weiß, dass Sevrin nur eine Figur ist. Ich habe keine Erinnerung, keine Geschichte. Irgendjemand oder irgendetwas hat mir meine Erinnerungen genommen und sie durch das vertauscht, an was ich mich als Sevrin erinnere. Ich habe durchaus Erinnerungen an eine Kindheit, die ich jedoch nie gelebt habe. Es ist, als hätte ich bei einer Mentalverschmelzung einem anderen zugesehen, wie dieser seine Kindheit und Jugend verbrachte. Doch diese Bilder sagen mir nichts. Ich verbinde nichts mit ihnen.

Es sind Bilder.

Doch mit den Erinnerungen, die ich seit jenem Tage gesammelt habe, an dem ich mir selbst bewusst geworden bin - jenem Tag, an dem ich mich im Computerzentrum eines wissenschaftlichen Labors wiederfand - mit diesen Erinnerungen verbinde ich Emotionen und Gedanken. Ich habe sie wirklich erlebt. Und dieser Unterschied, und das Wissen darum, ist es, was es mir unmöglich macht, genauer nachzuforschen. Ich habe Angst vor dem, was ich vielleicht finden könnte.“

 

Sevrin schwieg und legte die Hände auf den Rücken.

 

Sarduk musterte ihn, dann legte er eine Hand auf den Arm seines Vaters.

„Ich möchte, dass du dich mit Sarek triffst. Vielleicht kennen er oder seine Gemahlin eine Antwort auf deine Fragen. Er wurde Jahre vor jenem Zeitpunkt, ab dem du dich erinnern kannst, in die Hibernationseinheiten gelegt. Wenn er dich kennt, so als der, der du vorher warst.“

 

Sevrin ließ den Kopf hängen. „Ich bin mir nicht mehr sicher, ob dieses Treffen wirklich klug ist.“

 

„Nun, wir werden sehen. Ich werde auf jeden Fall in der Nähe bleiben und T’Ric bitten, das Gleiche zu tun.“

 

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Sternzeit 4835, 6: USS Deirdre

 

„Können Sie mit den Daten etwas anfangen, T’Alin?“

Blight war hinter sie getreten und schaute ihr über die Schulter. Schon seit Stunden saß sie vor den neu aufgebauten Geräten und versuchte den Messreihen einen Sinn zu entlocken. Sie hatte durchaus schon Fortschritte gemacht. Mehr, als vermutlich jeder andere Wissenschaftler in der kurzen Zeit hätte machen können. Doch sie war nicht zufrieden.

 

Sie schüttelte langsam den Kopf. „Nicht wirklich. Ich habe solche Werte noch nie erhalten.“

Sie lehnte sich nachdenklich zurück und massierte mit den Fingerspitzen die Schläfen.

 

„Kopfschmerzen?“ Blight musterte sie besorgt.

 

„Nein. Nur eine Angewohnheit.“ Sie schien ihn gar nicht richtig wahr zu nehmen.

 

„Diese Messreihe hier. Sie deutet auf einen hohen Energieausstoß hin. Einem Schiff im Warptransfer vergleichbar... Und dies hier. Es handelt sich offenbar um negative Energie. Und diese Daten hier sind neu. Ich habe diese Folge von Messwerten bisher nicht gesehen.“

 

Sie deutete auf einige Zahlenreihen, doch Blight schüttelte den Kopf. „Ich bin kein Physiker. Diese Werte sagen mir nicht wirklich etwas.“

 

„Es sieht fast so aus, als ob sich der Raum direkt vor uns verzerrt. Es gibt eine Theorie, dass Reisen zwischen den einzelnen Galaxien möglich wären, indem man interstellare Raumkrümmungen nutzt. Es ist bekannt, dass solche Verbindungen existieren, doch ist die Umkehrung der Energie, so wie wir sie kennen, in diesen Bereichen so extrem, dass sie ein Schiff sofort in seine Atome aufspalten würden. Aber genau so ein Tor scheint sich vor uns zu öffnen.

 

Der Navigator hatte die Worte gehört und gab bereits eine Befehlskette in seine Konsole ein. Blight bemerkte es.

„Aktivieren. Warp sechs.“

 

"Aye Sir."

 

Blight glaubte zu spüren, wie ein Ruck durch das Schiff ging. Doch die Trägheitsabsorber arbeiteten natürlich einwandfrei.

 

Er wandte sich wieder zu T’Alin um. „Besteht Gefahr für uns?“

Sie hob eine Braue. „Die Reihenfolge ist etwas seltsam. Zuerst geben Sie Anweisung, das Schiff aus der Gefahrenzone zu steuern, dann fragen Sie, ob überhaupt eine besteht.“

 

Blight zuckte mit den Schultern. „Erst schießen, dann fragen. Nun, gibt es eine?“

 

Sie nickte. „Ja. Doch wir sind inzwischen weit genug entfernt. Die Anomalie hat damit begonnen, Protuberanzen auszusenden. Sie schleudert gewissermaßen ihre Energie in den Raum vor uns.“

 

Sie betrachteten fasziniert den Sichtschirm, der das Raumgebiet der Anomalie zeigte. Bisher war er schwarz geblieben, denn die Raumverzerrung war nicht visuell sichtbar gewesen. Doch jetzt schien dort draußen ein Feuerwerk gezündet worden zu sein. Funken und Farben sprühten in den unterschiedlichsten Mustern, fielen in sich zusammen, bildeten sich neu und verschwanden abermals. Die Farben waren unvorstellbar.

 

„Wunderschön.“

 

„Ja. Aber auch ebenso gefährlich. Die Plötzlichkeit, mit der die Veränderung eingetreten ist, kann für ein Schiff, dass sich in unmittelbarer Nähe aufhält, die Zerstörung bedeuten. Es handelt sich um negative Energie.“

T’Alin war genauso von dem Schauspiel beeindruckt, doch sie ließ auch ihre Daten nicht aus den Augen.

Plötzlich stutzte sie. Das konnte nicht sein. Das durfte nicht sein. Stumm deutete sie auf die Daten.

 

„Was ist, T’Alin?“

 

„Etwas kommt durch die Strahlungsenergie. Ein Schiff.“

 

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Ende Teil 14

 

Teil 15