Titel:              Driver’s heat – Frankensteins Sohn

Autor:            Lady Charena

Fandom:          Death Race 2000 (Frankensteins Todesrennen)

Paarung:         Frankenstein aka Mr. President, Free, Annie, Thomasina Paine & div.

Rating:            PG, Satire

Archiv:           ja

 

Summe:           Wie der Vater, so der Sohn. Frankenstein entdeckt, dass sein Sohn nicht nur sein Talent, sondern auch seine Leidenschaften geerbt hat. Die Tatsache, dass das etwas verboten ist, hält einen Teenager doch nicht davon ab, es trotzdem zu tun. Vor allem, wenn Daddy selbst schnelle Flitzer in der Garage stehen hat.

 

Triva: Natürlich bot es sich an, Frankensteins Sohn Free zu nennen <g> Eddie Miles ist ein Mechaniker, der in dem Film „Safari 3000“ gegen seinen Ex-Boss antritt und gewinnt – ebenfalls eine Rolle von David Carradine.

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Songtext aus “Driver’s seat” von Sniff´n The Tears.

 

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Doing alright - a little jiving on a Saturday night
And come what may - gonna dance the day away
Jenny was sweet - show a smile for the people she needs

I´m trouble, let´s drive - I don´t know the way you came alive
News is blue (the news is blue) - has its own way to get to you
What can I do (what can I do) - when I remember my time with you

Pick up your feet - got to move to the trick of the beat
There is no lead - just take your place in the driver´s seat…
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„Scha-atzi?“ Noch klang die fragende Frauenstimme süß und liebevoll.

 

Er ignorierte es.

 

„Schatz?“ Etwas Irritierung schwang mit.

 

Er hatte wirklich besseres zu tun, ein Land regierte sich nicht von allein.

 

„Liebling? Bist du in deinem Arbeitszimmer?“ Ein Anflug von Ärger verdrängte alle Lieblichkeit.

 

Er war taub.

 

„FRANKENSTEIN!!“ Die Fensterscheiben erzitterten leise.

 

Er war ein toter Mann.

 

Seufzend legte Frankenstein – nun besser bekannt als Mr. President - die Unterlagen zur Seite, die er gerade durcharbeitet hatte und sah zur Tür seines Arbeitszimmers. Seine Frau Annie stand dort, die Fäuste verärgert in die Hüften gestemmt. Wer hätte schon geglaubt, dass seine sanfte, liebreizende Gemahlin sich im Laufe der Jahre als ein ebensolcher Drache wie ihre Großmutter Thomasina entpuppen würde. „Was kann ich für dich tun?“

 

„Ich habe eben einen Anruf von der Schule bekommen. Free ist dort wieder nicht aufgetaucht. Sie haben gesagt, wenn dein Sohn noch einmal den Unterricht schwänzt, dann werfen sie ihn raus – egal ob du der Präsident bist oder nicht.“ Annie kochte vor Wut.

 

Warum war Free eigentlich immer sein Sohn, wenn es Ärger mit ihm gab? „Ich spreche mit ihm.“

 

„Das hast du das letzte Mal auch schon gesagt. Und tausendmal davor. Es geht einfach nicht mehr so weiter!“, erwiderte Annie.

 

„Das finde ich auch“, ließ sich eine Stimme hinter Annie vernehmen. Thomasina blickte den Ehemann ihrer Enkelin streng an. „Wenn ich Annie so viel hätte durchgehen lassen, wie du meinem Urenkel, wäre sie nie ein anständiges Mädchen geworden.“ Die beiden Frauen sahen sich zufrieden an.

 

Frankenstein widerstand mühsam dem Verlangen in seine künstliche Hand zu beißen. Dieser alte Drache tauchte immer dann auf, wenn er ihn am wenigsten gebrauchen konnte. Wer hätte gedacht, dass sie so ein zähes Biest war und immer noch lebte? Sie musste Hunderte von Jahre alt sein. „Ich werde mich darum kümmern. Wenn er nach Hause kommt, schick ihn in mein Büro.“

 

„Damit ihr wieder bei deinen Spielsachen in der Garage endet, so wie beim letzten Mal? Du belohnst ihn ja noch für sein Verhalten!“, rief Annie.

 

„Was soll ich denn machen?“, erwiderte Frankenstein. „Soll ich ihn übers Knie legen?“

 

„Im Buch des Herrn steht geschrieben, das der das Kind verdirbt, der mit der Rute an ihm spart.“ Thomasina blickte ihn streng an. „Aber auf mich wolltest du ja nicht hören.“

 

Den Teufel würde er tun. Die Vorstellung, einen Sechzehnjährigen, der fast so groß wie er selbst war, übers Knie zu legen, war ja wohl absolut lächerlich.

 

„Nimm’ ihm den Wagen weg“, forderte Annie. „Und keine Spritztouren am Wochenende mehr. Glaubst du ich weiß nicht, was ihr auf der alten Rennstrecke in den Bergen treibt? Du bringst ihm bei, wie man Rennen fährt!“

 

„Natürlich nicht!“ Frankenstein gab sich den Anschein tiefster Empörung. Schließlich hatte er höchstpersönlich das Gesetz erlassen, dass das Veranstalten von Rennen verboten war.

 

Woher zum Kuckuck wusste sie davon? Das ganze Gebiet war gesperrt und sein Sicherheitsdienst sorgte dafür, dass niemand etwas von seinen Ausflügen dorthin erfuhr. Verdammt, was war ihm denn auch schon an Spaß geblieben! Annie wurde jedes Jahr Thomasina ähnlicher, was bedeutete, sie war zänkisch und streitsüchtig wie des Teufels Großmutter. Zudem saß ihm mit Thomasina noch deren Verkörperung im Nacken. Die Staatsgeschäfte liefen mies, die Stimmung war noch mieser, seit man mit Frankreich Frieden geschlossen hatte und dem alten Erzfeind nicht mehr die Wirtschaftsmisere in die Schuhe schieben konnte. Zwar war er für viele ältere Leute immer noch ein Star, doch die erinnerten sich nur an seine glanzvollen Zeiten als Teilnehmer am Death Race. Die sonntäglichen Runden mit Free auf der alten Rennstrecke waren das einzige Vergnügen, das er noch hatte. Das Rennfieber bekam er nicht aus sich raus, trotz seiner Verachtung für das Death Race. Er war nur für diesen einen Zweck geboren und großgezogen worden – um Rennen zu fahren. Im Grunde genommen langweilte ihn Politik zu Tode. Wem versuchte er was vorzumachen? Genau wie sein Vorgänger war er eine Figur fürs Rampenlicht, während die Entscheidungen von anderen getroffen wurden.

 

„Ist das wirklich wahr?“ Empört schnappte Thomasina nach Luft. „Also, das ist doch wohl der Gipfel! Nach all den Opfern, die wir auf uns genommen haben, um dafür zu sorgen, dass niemand mehr Rennen fährt, bringst du das deinem Sohn bei!“

 

Frankenstein hätte ihr am liebsten gesagt, sie solle ihr giftiges Mundwerk halten. Aber dann hätte er sich wieder eine gesalzene Gardinenpredigt von Annie eingefangen und noch ne Nacht auf der Couch zu verbringen, war ihm echt zu viel. „Das ist alles ein Irrtum“, wiegelte er ab. „Ich war nur ein einziges Mal dort, um mich zu vergewissern, dass das Gebiet gesperrt ist. Natürlich habe ich Free mitgenommen. Ich wollte ihm zeigen, wo ich seine Mutter kennen gelernt hatte.“

 

Annie blickte ihn misstrauisch an, schien die Geschichte aber dann doch zu schlucken. „Ich hoffe für dich, dass das wahr ist.“

 

Frankenstein breitete die Arme aus und lächelte unschuldig. „Habe ich dich jemals belogen, Darling?“

 

* * *

 

Ein paar Tage später. Liebevoll polierte Frankenstein die letzten Stäubchen von der Motorhaube seines nagelneuen, gelben Lamborghinis. Sein alter Kumpel Eddie Miles – ein früherer Kollege und begnadeter Monteur – hatte ihm dieses Schmuckstück während eines Europaurlaubes besorgt.

 

Annie und der Haufen schnatternder Gänse, der sich zum Nachmittagstee zu Kuchen und Klatsch eingefunden hatte, war inzwischen zur blauen Stunde in den Salon übergesiedelt. Aus Erfahrung wusste er, dass die ersten Damen so gegen Mitternacht aufbrechen würden – sternhagelvoll. Annie sah es nicht gerne, wenn er sich während ihres Kaffeekränzchens im Haus aufhielt – tratschte es sich hinter seinem Rücken leichter? – und so nutzte er die Gelegenheit ein paar Stunden mit seiner Sportwagensammlung zu verbringen. Die Garage war sein Reich, zu dem nicht mal Annie Zutritt hatte. (Nicht, dass sie darauf bestanden hätte. Sie hatte von Rennwagen ein für alle Mal die Nase gestrichen voll.) Free durfte dagegen zum ersten Mal an seinem zwölften Geburtstag mit in die Garage, als sein Vater ihn für alt und vernünftig genug befand, nichts anzufassen oder gar kaputt zu machen. Es folgten viele wunderbare Abende und Wochenenden für Vater und Sohn. Sie pflegten die Wagen, bastelten daran herum und fachsimpelten. Allerdings war Free jetzt in einem Alter, in dem man seine freie Zeit – und schon gar nicht den Samstagabend - nicht unbedingt mit seinem alten Herrn verbringen wollte.

 

Das Telefon in einer Ecke des Raumes holte ihn mit leisem Surren aus angenehmeren Gedanken. Frankenstein seufzte. Halb zehn. Es war entweder Annie – was bedeutete, der Heuschreckenschwarm hatte das Buffet leergeräumt und der Kühlschrank war auch leer – die ihn losschicken wollte, um Nachschub zu holen. Oder jemand aus seinem Büro. Im Moment zog er letzteres vor und so war er wirklich froh, als sich am anderen Ende der Leitung die ernste Stimme seines Sicherheitschefs Simon Thomas meldete.

 

„Sie sollten so schnell wie möglich ins Arbeitszimmer kommen, Mr. President.“ Simon klang noch ernster als sonst.

 

„Hat das nicht Zeit?“

 

„Es tut mir leid, Sir – nein! Es ist wirklich dringend.“

 

„Was ist passiert?“ Wider Willen war Frankenstein jetzt doch interessiert.

 

„Das möchte ich ungern am Telefon besprechen.“

 

„Raus damit, Simon.“ Frankenstein lehnte sich neben dem Telefon an die Wand. „Was ist los?“

 

Ein Seufzen kam über die Leitung. „Ihr Sohn hat an einem illegalen Rennen teilgenommen, das heute Abend auf dem südlichen Highway stattgefunden hatte. Sir, er ist verunglückt. Unser Kontakt im Krankenhaus hat mich informiert, als er eingeliefert wurde. Sehr wahrscheinlich wird in Kürze die Polizei hier eintreffen. Sir, die Beifahrerin Ihres Sohnes ist tot.“

 

„Und was ist mit Free?“, erkundigte sich Frankenstein nach einer langen Pause.

 

„Er ist nicht allzu schwer verletzt. Offenbar war er nicht angeschnallt und wurde aus dem Wagen geschleudert, der sich daraufhin noch einige Male überschlug. Das Mädchen war vermutlich schon tot, ehe der Tank hochging und das Auto ausbrannte.“

 

Frankenstein schloss für einen Moment die Augen und überlegte. „Schicken Sie jemand in den Salon, der die Gänse rauswirft und lassen Sie meine Frau ins Arbeitszimmer kommen“, sagte er dann. „Ich bin sofort da.“ Ohne auf eine Antwort zu warten, warf er den Hörer auf die Gabel. Mit beiden Händen fuhr er sich durch die Haare, ohne darauf zu achten, dass sie noch voller Polierpaste waren, die krümelig-weiß in seinem Haar klumpte. Dann lief er ins Haus.

 

* * *

 

Annie war schon da, zum Glück ohne Thomasina auf den Hacken, der Drache hätte ihm im Moment wirklich noch gefehlt. Seine Frau bestürmte Simon Thomas mit Fragen, alternativ mit der Forderung, sie sofort zu ihrem Sohn ins Krankenhaus zu bringen, ohne ihm dabei Gelegenheit zu einer Antwort zu geben.

 

Der Sicherheitschef wirkte durchaus erleichtert, als er seinen Boss sah. „Wie ich gerade versucht habe Ihrer Frau zu erklären, halte ich es für besser, hier zu warten, bis die Polizei da ist. Ich denke, Sheriff Winston wäre alles andere als glücklich, wenn er den Weg umsonst auf sich genommen hätte. Laut meines Kontaktes auf dem Revier dürfte er in Kürze hier sein.“

 

Wieder einmal schoss Frankenstein durch den Kopf, was doch für ausgezeichnete Kontakte dieser Mann hatte. Er bekam von überall her und geradezu mühelos Informationen. „Gut, dann warten wir.“

 

„Ich will aber auf der Stelle zu meinem Kind.“ Annie klang wütend, hatte jedoch Tränen in den Augen. „Wir wissen doch gar nicht, was mit ihm los ist.“

 

„Liebes, wenn Simon sagt, dass Free nicht schwer verletzt ist, dann können wir uns darauf verlassen.“ Frankenstein legte den Arm um sie, doch Annie machte sich mit einem wütenden Zischen von ihm los.

 

„Das ist alles deine Schuld!“, fuhr sie ihn an. „Du musstest es ihm ja unbedingt beibringen!“ Bevor er reagieren konnte, schlug sie ihm ins Gesicht und rannte aus dem Arbeitszimmer.

 

Es war sehr still. Dann räusperte sich Simon Thomas. „Vielleicht möchten Sie sich umziehen, bevor der Sheriff hier ist und bevor Sie ins Krankenhaus fahren“, schlug er mit Blick auf den schmutzigen Overalls seines Chefs vor.

 

Und da Simon immer wusste, was er sagte, ging Frankenstein sich umziehen.

 

* * *

 

Sheriff Winston war die Begegnung mit Mr. President offensichtlich unangenehm, er schwitzte und räusperte sich ständig. Der Beamte, der ihn begleitete, um seine Antworten aufzunehmen, blickte nicht einmal von seinem Notizblock auf.

 

Frankenstein ließ sich dagegen nichts anmerken. Er warf einen verstohlenen Blick auf die Uhr. „Wenn Sie dann keine Fragen mehr hätten, Sheriff?“

 

„Ähem... nein, ich denke, wir... ähem... wissen alles, Sir. Sie haben also... nicht gewusst.... ähem, ähem... dass Ihr Sohn an diesem Rennen teilnehmen wollte, Sir?“

 

„Ich wusste natürlich nicht einmal, dass solche Rennen veranstaltet werden, Sheriff. Ansonsten hätte ich etwas dagegen unternommen.“ Frankenstein blickte ihn direkt an. „Ich bin im übrigen davon überzeugt, dass mein Sohn nicht teilgenommen hat, sondern ein Unbeteiligter ist. Er war sicherlich nur zufällig dort unterwegs und es kam zu einem bedauerlichen Unfall.“

 

„Die Lage ist leider... ähem... unklar. Der Fahrer des anderen... ähem... Wagens ist flüchtig.“ Der Sheriff wurde noch ein wenig dunkler im Gesicht. „Natürlich... ich wollte damit nicht sagen...“ Er brach ab und wischte sich die Stirn ab. „Sicher... ähem... möchten Sie jetzt zu Ihrem Sohn und Ihrer Frau ins Krankenhaus, Sir.“

 

Eine Beamtin hatte Annie ins Krankenhaus begleitet, während Sheriff Winston Frankenstein befragte.

 

„Ja, das würde ich jetzt gerne tun.“

 

„Wir... ähem... schicken dann in den... ähem... nächsten Tagen jemand vorbei, um die Aussagen Ihres... ähem... Sohnes aufzunehmen, Sir. Aber sicher war es nur ein... ähem... bedauerlicher Unfall, wie Sie bereits sagten, Sir.“ Sheriff Winston wuchtete sich schwerfällig aus dem tiefen Sessel hoch, als der Präsident aufstand.

 

Frankenstein nickte ihm zu, dann ließ er den Staatsdiener stehen und weiter im eigenen Saft schmoren. Er schlug Simons Angebot, die Limousine holen zu lassen aus und stieg statt dessen in sein neuestes Spielzeug, den Lamborghini. Wie stets vergaß er hinter dem Steuer – zumindest für die Dauer der Fahrt – den ganzen Ärger und alle Sorgen.

 

* * *

 

Eine Krankenschwester führte ihn zu dem Zimmer, in dem man seinen Sohn untergebracht hatte. Annie empfing ihm mit einem wütenden Blick. Und als Frankenstein eintrat, entdeckte er zu seinem Kummer, dass die Neuigkeit inzwischen Thomasina erreichte hatte. Der alte Drache stand am Fenster, trotz der späten Stunde wie immer tadellos frisiert und korrekt gekleidet. Ihr Spitzenkragen schien frisch gestärkt zu sein, sie trug ihn wie eine Rüstung. Ihr Blick hätte die Hölle zufrieren lassen können.

 

„Ich hoffe, du bist stolz auf dich!“, zischte Annie. Nur die Tatsache, dass Free schlief, hielt sie davon ab, das Krankenhaus zusammen zu schreien.

 

Frankenstein trat an die andere Seite des Bettes und nahm seinen Sohn in Augenschein. Er hatte ein paar Kratzer im Gesicht und etwas, das aussah wie eine genähte Platzwunde dicht am Haaransatz. Bis auf einen eingegipsten Arm waren keine weiteren Verletzungen zu entdecken. „Was hat der Arzt gesagt?“

 

„Das er unglaubliches Glück hatte. Zwei geprellte Rippen, ein gebrochener Arm, Schnittwunden und blaue Flecken überall.“ Annie starrte ihren Mann wütend an. „Er hätte sich aber auch genau so leicht das Genick brechen können, als er aus dem Wagen geschleudert wurde. Das muss ich dir doch nicht erzählen! Dem Mann, der dadurch berühmt wurde, dass er drei Horrorcrashs überlebt hat!“

 

„Wer ich bin hat dich nicht gestört, als wir geheiratet haben!“, gab Frankenstein zornig zurück.

 

Thomasina griff ein. Sie nahm Annies Arm. „Komm, meine Liebe“, sagte sie mit einem verächtlichen Blick auf den Ehemann ihrer Enkelin. „Wir gehen jetzt in die Cafeteria und besorgen dir einen Kaffee.“ Sie schob sie Richtung Tür. „Und du bist besser nicht mehr hier, wenn wir zurückkommen“, meinte sie. „Du hast schon genug Unheil angerichtet.“

 

Frankenstein ballte hinter dem Rücken die Hände zu Fäusten, um die alte Hexe nicht zu erdrosseln.

 

Als sich die Tür hinter den beiden Frauen geschlossen hatte, erklang eine dünne Stimme. „Hey, Dad.“

 

Frankenstein wandte sich zu ihm um. „Ist dir klar, in welcher Scheiße du steckst?“

 

Free nickte. „Was ist mit Jenny?“, fragte er. „Das Mädchen, das mit mir im Auto saß.“

 

„Sie ist tot.“

 

Free schloss die Augen und holte langsam Atem. „Das wollte ich nicht“, flüsterte er. „Ich versteh’ nicht, warum das passiert ist. Die Straße war perfekt, ich habe alles so gemacht, wie du es mir gezeigt hast, und...“

 

„Halt’ sofort den Mund“, unterbrach ihn Frankenstein. „Ist dir klar, was passiert, wenn irgendjemand erfährt, dass ich dir das beigebracht habe? Die glauben doch sofort, dass ich davon wusste.“ Er seufzte. „Simon Thomas wird sich irgendwas ausdenken, damit diese Geschichte glimpflich ausgeht. Zumindest für dich. Solange du im Krankenhaus bist, können wir uns die Presse vom Hals halten.“ Blieben nur die Eltern des Mädchens. Wenn sie darauf bestanden, dass der „Unfall“ genauer untersucht würde... Frankenstein schob diesen Gedanken beiseite. Auch das würde er Simon überlassen. Simon würde schon etwas einfallen. Er trat ans Bett und fuhr seinem Sohn übers Haar. „Ich bin froh, dass dir nicht mehr passiert ist.“

 

Free grinste. „Hey, schon vergessen? Ich bin Frankensteins Sohn...“

 

 

Ende


Roger Corman’s Death Race 2000 (USA 1974)

Dt. Titel: Frankensteins Todesrennen (ab 30.06.05 auf DVD)

(Death Sport = Fortsetzung)

Darsteller: David Carradine, Sylvester Stallone, Simone Griffin, Mary Woronov, Roberta Collings, Martin Kove, Louisa Moritz, uvm.

Regie: Paul Bartel

 

Um diesen Film wirklich gerecht zu werden, würde es vermutlich eines Textes bedürfen, der wesentlich länger ist als die Story selbst. J Ich versuch es kurz zu halten.

 

Im Gegensatz zu à Safari 3000, ein Corman-Film in dem es ebenfalls um ein Autorennen geht, ist Death Race 2000 keine leichte Komödie. Es ist viel mehr. Es ist eine grimmige Satire, eine schwarze Komödie mit leicht blutigem Einschlag (für die 70er), eine düstere Zukunftsversion und vor allem ein Film, der sich selbst alles andere als ernst zu nehmen scheint. Die Charaktere sind mal hervorragend, mal stereotyp bis comichaft und die Kostüme und Fahrzeuge wirken in etwa so lebensecht wie die der Power Ranger, was sie an sich schon wieder herrlich anzusehen macht. Selbstverständlich gibt es – wie in vielen Filmen mit DC – genug nacktes Fleisch, Blut, Autowracks und halsbrecherische Stunts zu sehen. Ganz zu schweigen von der obligatorischen Prügelei zwischen David und Mr. Stallone.

 

Der Plot ist schlicht. Im Jahr 2000 ist die Welt überbevölkert. Der Nationalsport „Death Race“ ist hierfür die Lösung. Verschiedene Teams treten gegeneinander an. Ziel ist es nicht, das Rennen quer durch die USA leben zu überstehen, sondern dabei auch so viele Zuschauer wie möglich zu überfahren – denn nicht nur der schnellste Fahrer gewinnt, es kommt auch darauf an, die höchste Punktzahl zu haben. Jeder, der sich zur Zeit des Rennens auf der Fahrbahn aufhält, darf überfahren werden. Dabei gibt es unterschiedliche Punktzahlen zu erringen. Eine überfahrene Frau bringt dem Team 10 Punkte, ein Teenager 40, ein Kind unter 12 stolze 70 und eine Person über 75 Jahre ist der absolute Hauptgewinn, dafür gibt es 100 Punkte. (Eine besonders entzückende Szene in diesem Zusammenhang zeigt eine Straße vor einem Krankenhaus. Ärzte und Schwestern stellen ihre alten Patienten in Rollstühlen und Krankenbetten mitten auf der Fahrbahn auf, während sich Frankensteins Wagen nähert. Doch der geht nicht mit dem Plan, weicht den alten Leuten aus und überfährt dafür eine Reihe an Ärzten und Schwester. Spätestens da wird dem Zuschauer klar, dass Frankenstein nicht ganz der ist, der er vorgibt zu sein.) Ganze Fanclubs reihen sich am Straßenrand auf, um von ihren Idolen über den Haufen gefahren zu werden, es müssen jedoch auch Straßenarbeiter und ahnungslose Spaziergänger daran glauben. Während der größte Teil der Bevölkerung und die Medien das Rennen begeistert feiern, formt sich im Untergrund um eine streng-puritanische alte Frau namens Thomasina Paine der Widerstand. Ihre Gefolgsleute tun alles, um das Rennen zu stoppen und den Präsidenten zu stürzen. Ihr Plan besteht darin, alle anderen Fahrer auszuschalten und den Star des Death Race, Frankenstein, dessen größter Fan Mr. President ist, gegen einen Doppelgänger auszutauschen, der ein Attentat verüben soll.

 

Frankenstein (David Carradine) ist ein mysteriöser Mann, der sein offenbar durch Narben verunstaltetes Gesicht hinter einer schwarzen Maske verbirgt. Er überlebte drei schwere Unfälle während der vergangenen Rennen und kam zu seinem Namen, da er jedes Mal von den Ärzten zusammengeflickt werden konnte. Seine Co-Pilotin ist eine junge Frau namens Annie Smith, die ihm als Navigator und Krankenschwester zur Seite gestellt wird. Sie ist angenehm überrascht, als unter der Maske ein zu allem entschlossener – und keineswegs verunstalteter - Mann zum Vorschein kommt, der sich jedoch lange nicht von ihr in die Karten sehen lässt. Er will das Rennen unter allen Umständen gewinnen, doch geht es ihm weder um den Ruhm noch um die Siegerprämie – er verfolgt seine eigenen Ziele. Eins davon (und keineswegs das am schwierigsten zu erreichende) ist, Annie ins Bett zu bekommen. Aber Annie ist eine brave Revolutionärin und weiß, dass man alle Mittel einsetzen muss, um den Feind zu besiegen. Es ist nur irgendwie... unprofessionell... sich in ihn zu verlieben...

 

Sein direkter Gegner ist Machine Gun Joe (Sylvester Stallone) ist ein schmieriger, skrupelloser, kaltschnäuziger, Italo-Gangster, der diese Rolle mit Detailverliebtheit auslebt (und er ist besser gekleidet als Frankenstein <g>). Er setzt alles daran, den erklärten Publikumsliebling Frankenstein auszustechen, egal ob er nun dessen Navigatorin auszuhorchen oder Frankensteins Auto zu manipulieren versucht. Seine Co-Pilotin beweist, dass es schon lange vor der ‚Manta, Manta’-Ära das Klischee des naiv-doofen Blondchens auf dem Beifahrersitz gab.

 

Ein deutsches Team, gebildet von den beiden Nazis Mathilda The Hun und Herman the German, kommen beim Publikum noch schlechter an als Machine Gun Joe, was nun nicht wirklich überrascht. <g> Hier bietet sich der Vergleich mit Graf Borgia aus Safari 3000 direkt an. Sie werden dann allerdings auch ziemlich bald von Thomasinas Resistance aus dem Verkehr gezogen. Endgültig.

 

Ein viertes Team wird von einem überaus ehrgeizigen, texanischen Cowgirl und ihrem Navigator (dem männlichen Gegenstück zu Machine Guns Beifahrerin) gebildet. Genau wie Mathildas Team werden auch sie bald von der Resistance aus dem Weg geräumt, so dass es zu einem Showdown zwischen Machine Gun und Frankenstein kommen kann.

 

Ein besonderer Reiz des Films ist die Live-Berichterstattung der Medien. Immer wieder blendet sich ein Reporter ein und berichtet sozusagen direkt vom Ort des Geschehens, gefolgt von Studioschaltungen zu seiner Kollegin, die das Rennen kommentiert und schon mal die Witwe des ersten Opfers zu sich einlädt, um ihr zu ihrem plötzlichen Ruhm zu gratulieren. Im Hintergrund agiert die Sicherheitspolizei von Mr. President, um zu verhindern, dass das Publikum etwas zu hören bekommt, dass es nicht hören soll. So werden die Attentate auf die Fahrer samt und sonders den feindlich gesinnten Franzosen in die Schuhe geschoben. Streng genommen trägt Frankreich überhaupt und sowieso an allem schuld, lässt Mr. President verkünden.

 

Nachdem der Versuch der Resistance, Frankenstein durch ihren Doppelgänger zu ersetzen, gescheitert ist, konfrontiert der Fahrer Annie damit, dass er über ihre Rolle Bescheid weiß – Annie ist nämlich Thomasinas Enkelin und sollte garantieren, dass Frankenstein in die Falle tappt. Er offenbart ihr, dass er in einer geheimen Regierungsanlage aufgewachsen ist und speziell ausgebildet wurde, um an diesem Rennen teilzunehmen. Seine Bestimmung ist es, so viele Death Race zu fahren, wie er in der Lage ist, zu überleben und wurde somit künstlich zum Liebling der Massen hochgeputscht. Und trotzdem setzt Frankenstein alles daran, sich dem zu widersetzen und das Rennen zu beenden. Daher auch sein fester Wille, zu gewinnen. Denn nur der Gewinner wird Mr. President persönlich die Hand schütteln – und Frankensteins rechte Hand ist eine Prothese mit eingebauter Handgranate (und was könnte ironischer sein!).

 

Die Handgranate schaltet Machine Gun aus, der letzte andere Fahrer, der zwischen Frankenstein und dem Sieg steht, der lästige Reporter erleidet das gleiche Schicksal, wie die von ihm so genüsslich kommentierten anderen Opfer und das Rennen endet wie geplant mit Frankenstein und Annie als Sieger. Annie wird jedoch direkt nach ihrem Eintreffen verhaftet, da Thomasinas Organisation inzwischen aufgeflogen ist. Und Frankenstein? Der fährt mit seinem Wagen einfach gegen die Tribüne, auf der Mr. President auf den Sieger wartet.

 

Trotzdem gibt es ein ‚happy end’ - die Hochzeit von Frankenstein und Annie und Frankensteins Ernennung zum neuen Präsidenten der USA. Seine erste Amtshandlung ist die Abschaffung des Death Race. Thomasina Paine wird eine Ministerin und verkündet freudestrahlend, dass sie ab sofort ihre ganze Kraft dafür aufwenden wird, den Widerstand auszurotten...