neu: Drei Worte zu viel - eine Minute zu wenig (House MD, PG)
Titel: Drei Worte zu viel – eine Minute zu wenig
Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD
Charaktere: House, Wilson
Thema: # 097. Authors Choice: Worte
Word Count: 724
Rating: PG
Anmerkung des Autoren: Vielen Dank an T’Len fürs betalesen.

Summe: Eine kleine Fortsetzung zu Episode 4.3 „97 seconds“ - Wilsons POV, nachdem House nach seinem „Selbstversuch“ mit der Steckdose wieder wach geworden ist. Der gesprochene Text ist direkt aus der Folge übernommen.

Seit den ersten fünf Minuten dieser Serie warte ich darauf, die berühmten drei Worte zu hören – ein Traum ist in Erfüllung gegangen, ich bin fast gerührt. ‚bg’

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Lyrics: ATC


You need to find another way
To get away from this dimension


Als er in den Raum tritt, schläft der Mann im Bett. Cuddy hatte ihn wissen lassen, dass House kurz aufgewacht war, während er selbst sich zusammen mit den Bewerbern für House’ neues Team um ihren Patienten kümmerte, der jedoch bereits jenseits jeder Hilfe zu sein schien. Und nachdem sich die Krebsdiagnose zerschlagen hatte, waren sie wieder bei Null angelangt. House hatte sich den denkbar schlechtesten Moment ausgesucht.

Auf dem Weg hierher hatte er von einer Schwester erfahren, dass der Patient, der vor House’ Augen in der Klinik sein Messer in eine Steckdose gerammt hatte, vor einer Stunde verstorben war. Aber er war durch die Verletzungen von einem erst kürzlich zurückliegenden Autounfall geschwächt gewesen.

Wie würde House das ganze überstehen? Was hatte er sich dieses Mal angetan?

Es war beunruhigend, dass er noch nicht aufgewacht war – und dass House nicht nur vorgab, zu schlafen, bewies ein rascher Blick auf den Monitor. Selbst an den besten Tagen wachte House – ausgestattet mit einem Instinkt für Schutz wie ein Tier auf der Flucht vor Raubtieren - für gewöhnlich auf, wenn jemand einen Raum betrat, in dem er schlief.

Andererseits hat er so Gelegenheit, seinen Freund zu mustern, ohne sich dabei dessen Spott aussetzen zu müssen. Seine Blässe akzentuiert die graugesprenkelten Stoppeln, die stark hervortretenden Knochen der Stirn, Wangen und Kinn und die schmalen, wie blutleeren Lippen. Seine Augen liegen tief in ihren Höhlen, graue Schatten zeichnen sich darunter ab.

Es ist ihm nicht entgangen, dass sich mehr und mehr Silber in dem immer ungekämmt erscheinenden Haar zeigt und die Falten tiefer werden.

Der stille Mann, der vor ihm liegt, ist nicht der House, den er kennt. Nicht der exzentrische, brillante, kindische Mann, ohne den er sich sein Leben nicht mehr vorstellen kann.

Er kehrt zurück ans Bettende, stützt sich dagegen. ‚Wach auf’, denkt er. ‚Verdammt, House, wach’ auf.’

Und als ob er die Worte laut ausgesprochen hätte, öffnen sich blaue Augen. „Du bist ein Idiot“, sagt er und verbirgt seine Erleichterung. „Du hast dich fast umgebracht.“

„Das war die Idee dahinter“, kommt es müde von House.

„Du wolltest dich umbringen?“

„Ich wollte mich fast umbringen.“ House blinzelt. „Geht es ihm besser?“

* * *

Er erwartet nicht tatsächlich, dass House darüber reden will – oder gar erklärt, was ihn wirklich dazu getrieben hatte, ein Messer in eine Steckdose zu rammen. Er versuchte ihn zum Reden zu bringen, aber das war so sinnvoll, als spreche er mit der Wand. Vielleicht war ein Gespräch mit der Wand sogar eher von Erfolg gekrönt. Es war leider nicht das erste Mal, dass House’ Neugier die Oberhand gewann und er einen verrückten Stunt nachmachte, wenn alleine schon die Tatsache, dass es jemand bereits ausprobiert hatte und der in der Notaufnahme gelandet war, dagegen sprach. Aber das war bei weitem das Idiotischste gewesen, dass er jemals getan hatte. Der Stromschlag hätte ihn töten können – hatte ihn getötet. Laut dem Notfallteam hatte House’ Herz für fast eine volle Minute nicht geschlagen, bis sie ihn zurückgeholt hatten.

Er folgt House Blick, der mit einer Mischung aus Verwunderung und Verärgerung auf seiner Handfläche ruht, auf den hässlichen Verbrennungen.

Dann schließt House die Augen, doch nicht rasch genug, dass er nicht den Schmerz darin gesehen hat.

„Dich nur anzusehen, tut schon weh.” Er beschäftigt sich damit, in House’ Akte eine Eintragung zu machen. Wusste, dass House es hasste, wenn man ihm dabei zusah, wenn er Schmerzen hat. „Ich verschreibe dir eine extra-Dosis Schmerzmittel.“

„Ich liebe dich.“

Fast hätte er House gebeten, seine Worte zu wiederholen, weil er überzeugt war, seine Ohren täuschten ihn. Hatte er eben „Ich liebe dich“ gesagt?

Er blinzelt einmal, langsam. Es ist natürlich nicht ernst gemeint. Auch wenn er neben Erschöpfung, Schmerz und Erleichterung keinen Spott in House’ Stimme wahrgenommen hat. Er hat das Gefühl, etwas tun oder sagen zu müssen, doch er weiß nicht, was. Also nickt er nur, zögernd, unsicher.

Als er endlich aufsieht, hat House den Kopf abgewandt und die Augen geschlossen. Leise hängt er das Patientenblatt zurück ans Bett und verlässt den Raum ohne ein weiteres Wort.

‚Ich liebe dich.’

Drei Worte zu viel, die jetzt wie eine unsichtbare Barriere im Raum stehen. Zwischen ihnen.

‚Sein Herz hat für fast eine Minute nicht geschlagen.’

Eine Minute zu wenig, die er nicht vergessen und nicht ignorieren kann.

Eine befremdliche Mischung aus Freunde und Beklemmung liegt wie ein Stein in seiner Brust.


Ende