Titel: Dankbarkeit

Autor: Lady Charena

Fandom: House, MD

Charaktere: House/Wilson, Wilson/Julie

Thema: # 093. Erntedank

Word Count:

Rating: PG, slash

Anmerkung des Autoren: pre-series. Vielen Dank an T’Len für’s betalesen.

Summe: Party bei Wilson

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.

 

 

„Ich hole dir noch etwas zu trinken“, bot James Wilson an. Er ignorierte den enttäuschten Blick seines weiblichen Gegenübers und wandte sich mit einem etwas angestrengten Lächeln ab.

 

Er manövrierte um Julie herum, die mit zwei ihrer Arbeitskolleginnen zusammenstand und glücklicherweise zu abgelenkt schien, um den Mangel an Aufmerksamkeit zu bemerken, den er ihren Gästen entgegen brachte. Das war absolut nicht, was er sich vorgestellt hatte, als Julie davon sprach, zu Thanksgiving ein paar Leute einzuladen, eine Party zu veranstalten, anstatt des üblichen, langweiligen Familienessens. Sie hatte hinzugefügt – etwas spitz, wie ihr Ton in letzter Zeit immer häufiger war – dass er ja schließlich nie Zeit für sie habe und sie sich daher um ihre Freunde und Bekannten kümmern müsse. Er wusste, dass sie recht hatte, seine Abende im Krankenhaus wurden immer länger und wenn er nicht dort war, fand er sich in der Regel auf Greg House’ Couch wieder. So hatte er ihr ihren Willen gelassen und sie hatte sich mit Begeisterung in die Organisation gestürzt. Auch die Auswahl der Gäste hatte er ihr überlassen. Sie hatten erstaunlich wenig gemeinsame Freunde... eigentlich überhaupt keine, nur ein paar flüchtige Bekannte... und so fanden sich auf der Gästeliste hauptsächlich Namen, die er nicht wiedererkannte. Julie hatte niemand aus dem Krankenhaus eingeladen, aber er beschloss, das zu übersehen. House hatte ihm natürlich unter die Nase gerieben, was für ein Weichei er doch war.

 

Apropos House. Wo zum Teufel steckte er? Wilson sah sich um. Die Party war voll im Gange und die meisten Leute schienen sich ausgezeichnet zu amüsieren. Sie aßen sich durch das Buffet, tranken, lachten, ein paar tanzten auch.

 

Jahrelange Vertrautheit mit House brachte ihn schließlich auf eine Idee. Er schnappte sich zwei Bier und machte sich daran, sich durch die Menge zu winden, ohne sich erneut in ein Gespräch verwickeln zu lassen. Er war sich immer noch nicht ganz sicher, warum House gekommen war. Um in seiner verdrehten Art moralischen Beistand zu bieten? House hasste Partys. Er hasste Julie – und das beruhte auf Gegenseitigkeit. Trotzdem hatte er sich selbst eingeladen. Und obwohl Wilson es nicht wirklich geglaubt hatte, Greg tauchte tatsächlich auf. Die Überraschungen rissen damit nicht ab – nicht nur, dass seine Kleidung sauber war und verdächtig wie gebügelt aussahen; er hatte sich sogar rasiert. Wilson konnte sich nicht mehr erinnern, wann er House zuletzt ohne seine Stoppeln gesehen hatte. Das musste irgendwann vor dem Infarkt gewesen sein, auf einer Veranstaltung des Krankenhauses, als Stacy ihn dazu überredete, einen Smoking zu tragen.

 

Genau wie er sich gedacht hatte, fand er House in einer Ecke. Um Platz in der Mitte des Raumes zu schaffen, waren die meisten Möbel an den Rand verschoben worden. Der Partyservice, den Julie engagiert hatte, stellte Paravents aus Papier aus, hinter denen die Möbel dekorativ verschwanden. Und richtig, als er zwischen zwei Paravents hindurch sah, fand er House auf dem Sofa ausgestreckt.

 

* * *

 

House beobachtete aus seinem Versteck heraus das Partytreiben. Es machte ihm nicht aus, abseits zu stehen. Oder genaugenommen zu sitzen. Er war Wilson zuliebe gekommen. Eine Entscheidung, die er durchaus schon bereute. Eigentlich war ihm noch immer nicht ganz klar, warum er sich selbst eingeladen hatte. Vermutlich hatte es irgendwas mit dem resignierten Ausdruck in Wilsons Augen zu tun, als er ihm von der geplanten Party berichtete. Dass es um die Ehe seines Freundes schon wieder einmal nicht zum Besten stand, wusste er längst. Die Sache mit Vogler und Wilsons zeitweiliger Suspendierung... hatte die Dinge sicherlich nicht gerade verbessert. Schließlich war es seine Couch, auf der sich Jimmy ausheulte. Oder genauer gesagt, seinen Kummer ertränkte.

 

Trotzdem, dass er hier war, um moralische Unterstützung zu leisten, musste eindeutig genug sein. Er würde sich nicht auch noch so benehmen, als ob ihm das ganze Spaß machte. Also schnappte er sich vom Buffet was er mit einer Hand tragen konnte, klemmte sich zwei Bierflaschen unter den Arm und suchte sich eine Ecke, in der er in Ruhe gelassen wurde.

 

Auf der Couch, halb hinter den Paravents versteckt, war der perfekte Platz dafür. Er konnte alles beobachten, was vor sich ging, gleichzeitig hielt es die Leute davon ab, her zu kommen und ihm auf die Nerven zu gehen, während er darauf wartete, dass sich Wilson aus den Klauen seiner Frau befreite und sich ihm widmete. Er hob die Hand und rieb sich übers Gesicht, das sich seltsam nackt ohne die vertrauten Stoppeln anfühlte. Wirklich sicher war er sich selbst nicht, was ihn dazu gebracht hatte, all die Mühe auf sich zu nehmen. Sicher nicht, um Julies Gäste zu beeindrucken. Was die Hexe über ihn dachte, war ihm noch gleichgültiger. Aber Wilsons Gesicht, als er die Tür aufgemacht hatte... er grinste unwillkürlich... das war die Anstrengung absolut wert gewesen.

 

Da er schon mal an Wilson dachte... er hatte ihn den größten Teil der Nacht beobachtet. Und erwartet, dass er sich durch die gackernde Gänseschar von Julies Kolleginnen flirtete; ungeachtet der Giftpfeile, die Julie statt Blicke verschoss. Doch heute war Wilson auffallend wenig in Flirtlaune. Für gewöhnlich lief das bei Jimmy wie ein Reflex ab. Doch heute hatte er schon die dritte Dame gezählt, die mit enttäuschter Miene abzog und wunderte sich, dass ihre Kolleginnen so offen vor Julies Augen mit ihrem Ehemann flirteten. Der Tratsch in der Kaffeeküche würde sich verfünffachen. Das ganze war besser als seine Seifenopern.

 

* * *

 

„Weißt du, es bringt dich nicht um, wenn du dich tatsächlich mal mit jemandem unterhalten würdest. Gott bewahre, dass du dich amüsierst.“ Wilson setzte sich neben ihn auf die Couch, darauf bedacht, dass er nicht an House rechtes Bein stieß. Das Linke war angewinkelt und er nestelte sich ohne darüber nachzudenken, daneben. Seine Schulter streifte House’ Knie, als er ihm ein Bier reichte. „Willst du noch was zu essen, bevor das Buffet völlig abgeräumt ist?“

 

House schüttelte den Kopf. Er winkelte den rechten Arm an und stützte ihn gegen die Wand, lehnte dann die Wange gegen die Handfläche. „Du bist der einzige, mit dem ich mich amüsiere. Aber offenbar hast du besseres zu tun.“ Er grinste, als Wilson wegsah, nicht schnell genug, um die verräterische Röte zu verbergen. Amüsiert stieß er ihn mit dem Knie leicht in die Seite. Sicherlich kannte ihn Wilson gut genug, um zu wissen, dass er seine Gesellschaft jeder anderen vorzog – welchen anderen Grund hätte er sonst gehabt, überhaupt hierher zu kommen. Sicherlich nicht, um ihm beim Flirten zuzusehen oder sich Julies schnippische Kommentare anzuhören.

 

Wilson rieb sich mit der freien Hand den Nacken. „Ich bin hier.“

 

„Was mich auf die interessante Frage bringt, warum du dich nicht statt dessen um deine Frau kümmerst.“ Er stellte seine Flasche auf den Boden. Weitaus mehr interessierte ihn allerdings, wie sich Wilson gegen sein Bein lehnte.

 

Wilson löste den Blick von den Partygästen. „Ich glaube, sie amüsiert sich ohne mich besser.“ Er ließ die Hand sinken und blickte House mit einem schiefen Lächeln an. „Möglicherweise wird das bald ein Dauerzustand. Ist deine Couch frei?“

 

House zuckte mit den Schultern. „Wenn du sie willst.“

 

Wilson nickte. „Danke.“ Er stellte seine Flasche ebenfalls zur Seite. „Steht dir übrigens gut. Ich hatte ganz vergessen, wie dein Gesicht hinter deinen Stacheln aussieht.“

 

House schnaubte amüsiert. „Halt’ die Klappe, Jimmy.“

 

„Du bist der einzige Mensch, den ich kenne, der sich beschwert, wenn man ihm ein Kompliment macht.“ Er löste seinen Blick von den blauen Augen und sah lieber auf die weiße Rückwand des Paravents, der sie von dem Trubel abschirmte. „Sexy, muss ich zugeben. Für wen hast du dich eigentlich so in Schale geworfen?“

 

„Gehört alles zu meinem teuflischen Plan, Julie eifersüchtig zu machen.“

 

Jetzt war es an Wilson, ihn überrascht anzusehen. Er zögerte. Entweder behandelte er es weiterhin wie einen Scherz und zog House auf, und alles war wie immer. Oder... er konnte etwas tun, das er sich nie gewagt hatte, bewusst vorzustellen. Und wofür dies absolut die falscheste Zeit und der falscheste Ort war, den man sich nur denken konnte. Er wusste nicht mehr, wie lange es diese Spannung zwischen ihnen schon gab. Vielleicht seit sie sich zum ersten Mal begegnet waren. Er rückte näher an House, wandte sich ihm voll zu. „Soll ich jetzt fragen, warum?“ Er streckte die Hand aus und strich mit den Fingerspitzen über die ungewohnt glatte Haut. Ohne inne zu halten beugte er sich vor und umfasste House’ Kinn, dann küsste er ihn. Zögernd zuerst, um Greg eine Chance zu lassen, das ganze zu stoppen, wenn er das wollte.

 

Doch statt dessen glitt House’ Hand in seinen Nacken, drängte ihn ungeduldig näher zu kommen, vertiefte ihren Kuss.

 

Lautes Gelächter in ihrer Nähe ließ sie aufschrecken. Wilson wich zurück und sah sich um, doch sie waren in ihrer Ecke immer noch alleine und unbeobachtet.

 

Blaue Augen bohrten sich in seine. „Vergiss die Couch“, sagte House rau.

 

Wilson lachte leise. Definitiv ein Thanksgiving, an dem er Grund hatte, dankbar zu sein...

 

* * *

 

Julie stand wie erstarrt da, dann wandte sie sich langsam ab, eine Hand auf den Mund gepresst. Aus den Augenwinkeln hatte sie James vor einer Weile hinter dem Paravent verschwinden sehen. Auf dem Rückweg von der Küche hatte sie ihn daran erinnern wollen, dass sie Gäste hatten, um die er sich zu kümmern hatte. Statt dessen... überraschte sie ihren Mann dabei, wie er einen anderen Mann küsste!

 

Sie hatte von Anfang an gespürt, dass etwas zwischen James und ihr stand; etwas das sie hinderte, sich wirklich nahe zu kommen. Etwas, dass vielleicht James vorherige Ehen zerstört hatte. Aber sie war in ihrer Verliebtheit naiv genug gewesen, zu denken, dass sie das ändern konnte.

 

Woher hätte sie auch wissen können, dass es Greg House war...

 

 

Ende