Titel: Wild Boys: No sneaking out after curfew
Autor: Lady Charena

Fandom: The A-Team

Pairung: Face/Murdock, Hannibal
Rating: PG

Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Hannibal übernachtet in Face Wohnung und erfährt ein wenig mehr über zwei seiner Teammitglieder, als ihm lieb ist.

 

Teil meines Wild-Boys-Universum (slash)

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.

 

 

Eigentlich war er nur wach geworden, weil er einen trockenen Hals hatte. Hannibal setzte sich auf und rieb sich übers Gesicht, während er das Licht anknipste und sich umsah. Auf einen Moment Orientierungslosigkeit folgte die Erinnerung, dass es sich um das Gästezimmer in Face neuer Wohnung handelte. Wie üblich war es seinem Lieutenant gelungen, sich ein Quartier zu besorgen, dass alle Bequemlichkeit aufwies.

 

Dagegen war sein Bett in einem der Crewwagen am Set von „Bride of Aquamaniac - Teil 1“, den er sich mit drei anderen geteilt hatte, kaum besser, als ein Pappkarton auf der Skid Row. Eigentlich stand ihm als Hauptdarsteller ein eigener Wagen zu, aber die Produzenten sahen in ihm nur den Kerl, der in einem Gummianzug steckte und auf Kommando knurrte. Sie hatten keine Ahnung, welches Einfühlungsvermögen es in diese Rolle brauchte, um den Aquamaniac genau diese Mischung aus widerstrebender Lust und Trauer zu verleihen. Und deshalb steckte jetzt irgendein anderer in seinem Kostüm.

 

Als er vom Set geflogen war, hatte er sich zuerst in einem schäbigen Motel eingemietet, doch nachdem er die großzügige Wohnung seines Lieutenants sah, war er kurzerhand dort eingezogen, während er sich nach einer neuen Rolle umsah. Da sie sich in der Zeit zwischen zwei Jobs befanden, war das Team relativ zersplittert. Hulk Hogan hatte B.A. eingeladen, ihn zu seinem nächsten Kampf nach Detroit zu begleiten, dessen Erlös für einen guten Zweck gespendet werden sollte. Und Face und Murdock übten den ganzen Tag für Murdocks Auftritt bei „Wheel of Fortune“. Murdock war erstaunlich gut. Er hatte bereits die ersten beiden Vorrunden gewonnen und war jetzt fest entschlossen, in der nächsten Runde eine Reise nach Hawaii zu ergattern.

 

Und da die beiden schon früh ins Studio fahren wollten, in dem die Sendung aufgenommen wurde, hatten sie sich früh verabschiedet um ins Bett zu gehen. Es war kaum Mitternacht, als Hannibal aufwachte. Er stand auf und verließ das Gästezimmer, das der Küche gegenüber lag. Um zu ihr zu kommen, musste man das Wohnzimmer durchqueren.

 

Er hatte die Tür zum Gästezimmer offen gelassen, so dass genug Licht in den anderen Raum fiel, um zu verhindern, dass er über eins der Möbelstücke stolperte. Und sicherlich rechnete er nicht damit, dass jemand im Wohnzimmer war. Das schmale Sofa war nun wirklich zu klein für den schlaksigen Piloten, als dass er darauf schlafen konnte. Trotzdem war es Murdock offenbar irgendwie gelungen, in einer unbequem aussehenden, zusammengekauerten Haltung einzuschlafen. Zumindest atmete er tief und gleichmäßig. Hannibal zögerte einen Moment und musterte seinen Piloten, automatisch nach den Anzeichen von schlechten Träumen suchend.

 

Dann setzte er leise seinen Weg in die Küche fort und holte sich eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank. Er goss sich ein Glas ein und trank es, an den Küchentresen gelehnt. Als er es in die Spüle stellte, bemerkte er hinter sich im Wohnzimmer eine Bewegung. Instinktiv fuhr er herum, sofort hellwach. 

 

Murdock rappelte sich auf dem Sofa auf und sah in seine Richtung. Er blinzelte ein paar Mal, bis sich seine Augen an das matte Licht gewöhnt hatten und fuhr sich dann mit beiden Händen durch sein wirr abstehendes Haar.

 

„Tut mir leid, Captain. Ich hatte nicht vor, dich zu wecken“, sagte Hannibal leise und trat zum Sofa.

 

Der Pilot ließ den Kopf hängen. „Schon okay“, antwortete er schläfrig. „Ich... ich habe eh nicht gut geschlafen.“

 

„Was machst du eigentlich auf der Couch?“ Hannibal erinnerte sich genau, dass Face und Murdock zusammen verschwunden waren. Er hatte sich noch gewundert, dass Face nicht wie sonst darüber klagte, das Zimmer mit Murdock zu teilen – aber sie waren es schließlich alle gewöhnt, auf engem Raum zusammen zu schlafen und es war nur für eine Nacht.

 

„Face hat mich aus dem Bett geworfen“, meinte der Pilot, ein wenig munterer klingend.

 

„Hast du wieder mit der Taschenlampe Comics unter der Decke gelesen?“, fragte Hannibal mit einem Lächeln. „Du weißt doch, dass Face auf seinen Schönheitsschlaf besteht.“

 

Doch Murdock schüttelte den Kopf und sah weg.

 

„Habt ihr euch über etwas gestritten?“, erkundigte sich Smith wieder besseren Wissens. Er wollte sich ungern in eine Zankerei hineinziehen lassen.

 

Murdock sah zu ihm auf, keine Spur von Schläfrigkeit mehr in seinem Gesicht oder seinen Augen – er wirkte nur traurig. „Ich will nicht darüber sprechen.“ Er wandte sich ab, kuschelte sich wieder auf dem Sofa zusammen.

 

Hannibal runzelte die Stirn. Eigentlich wollte er gerne zurück in sein Bett. Andererseits widerstrebte es ihm auch, Murdock hier alleine sitzen zu lassen, wenn er ganz offensichtlich so verstört war. Er hatte bemerkt, wie wichtig Face diesen Auftritt bei „Wheel of Fortune“ nahm und sollte er den sensiblen Piloten deswegen unter Druck setzen... „Ich bin sicher, was immer es ist, Face hat es nicht so gemeint.“

 

Murdock zog sich die Decke bis zur Nase hoch. „Ich gehe da nicht mehr rein. Glaubst du, ich merke es nicht, wenn man mich loswerden will?“

 

Hannibal versteckte ein Gähnen und setzte sich in einen in der Nähe des Sofas stehenden Sessel. „Niemand will dich loswerden, Murdock“, sagte er mit einem leisen Seufzen. „Und ganz sicher nicht Face. Es tut ihm bestimmt schon leid.“

 

„Wenn ihm irgendetwas an mir liegen würde, wäre er nicht ständig mit den Zwillingen unterwegs“, murmelte der Pilot.

 

Was hatte das nun mit der ganzen Sache zu tun? Smith behielt für sich, dass er die Bekanntschaft von Face entzückenden Nachbarinnen ebenfalls schon gemacht hatte – bei einem gemeinsamen Mittagessen, während Murdock im Studio die Generalprobe absolvierte. Die beiden hübschen, jungen Stewardessen aus dem dritten Stock des modernen Apartmenthauses flirteten heftig mit Face, wobei allerdings auch einige Beachtung für ihn abgefallen war. Aber schließlich war das zu erwarten gewesen, der Faceman blieb nirgendwo lange ohne weibliche Begleitung. „Warum geht ihr das nächste Mal nicht zu viert aus? Zwillinge könnten sogar Face etwas überfordern“, meinte er trocken. Murdock gab ein Schnüffeln von sich und legte einen Arm über die Augen. Weinte er etwa?

 

„Als ich jemand in der Küche hörte, dachte ich, er wäre es“, murmelte er. „Aber sicher schläft er längst wieder. Und besser – ohne mich.“

 

„Ich bin sicher, dass das nicht stimmt, Murdock“, versicherte Hannibal. „Vielleicht überlegt er noch, wie er sich bei dir entschuldigen soll.“

 

„Nein“, beharrte der Pilot. „Wenn er sich hätte entschuldigen wollen, hätte er schon längst nachgesehen, wo ich bin.“ Er schniefte.

 

Er weinte tatsächlich, stellte Hannibal fest. Murdock war leicht über etwas aufgebracht, aber normalerweise genauso leicht wieder zu besänftigen, oder abzulenken. Er fragte sich, was zwischen seinem Lieutenant und dem Captain vorgefallen war.

 

„Es ist schon okay, Hannibal. Du kannst wieder ins Bett gehen. Mir geht es gut.“

 

Gerade diese Antwort zeigte ihm, dass es Murdock gar nicht gut ging und dass er vor allem nicht wollte, dass Hannibal ging. Er sah ihn an. „Ich lass dich nicht die ganze Nacht hier alleine schmollen, Murdock.“

 

Doch in diesem Moment öffnete sich die Tür zum Schlafzimmer und Face kam heraus. Als er Hannibal bei Murdock sitzen sah, blieb er ruckartig stehen und wickelte sich nervös in seinen Morgenmantel. Er öffnete den Mund, vielleicht um eine Erklärung abzuliefern - doch Smith stand auf, bevor er ein Wort herausgebracht hatte. „Ich wollte mir nur etwas zu trinken holen“, sagte er und hob abwehrend die Hände. Er nahm seinen Lieutenant näher in Augenschein und entdeckte eine Spur Schuldbewusstsein in den glatten Zügen des anderen Mannes. Was ging hier vor sich? „Gute Nacht.“

 

Er ging an Face vorbei ins Gästezimmer. Doch er schloss die Tür nicht ganz, ließ sie einen Spalt offen. So unbehaglich er sich auch beim Gedanken daran fühlte, zwei Mitglieder seines Teams heimlich zu beobachten, er hatte das Gefühl, dass ihm hier in letzter Zeit etwas entgangen war, über das er informiert sein sollte.

 

Er konnte nur Face Rücken sehen, als der sich zu Murdock auf die schmale Couch gequetscht hatte. Was sie miteinander sprachen, hörte er nicht, aber es dauerte nicht lange und sah, wie Murdock Face umarmte. Er lächelte unwillkürlich, die beiden kamen schon miteinander klar. Als er sich zurückziehen wollte, sah er jedoch etwas, dass ihn noch einen Moment länger verharren ließ. Die beiden jüngeren Männer küssten sich. Das war... das war nun wirklich etwas auf das er nicht vorbereitet gewesen war. Fassungslos sah er zu, wie die beiden in Face Schlafzimmer verschwanden. Dann schloss er die Tür hinter sich. Das waren unerwartete Neuigkeiten. Face UND Murdock? Und er hatte nichts davon gemerkt? Aber die Stewardessen... Er schüttelte den Kopf. Offensichtlich wurde er tatsächlich alt. Hannibal grinste, als ihm ein anderer Gedanke kam. Sicherlich hatte sein Lieutenant unter diesen Umständen nichts dagegen, wenn er sich etwas intensiver mit den Zwillingen beschäftigte...

 

Erneut schüttelte er den Kopf und ging ins Bett. Das versprach interessant zu werden. Und er musste mit B.A. sprechen, wenn der zurück war, ob ihm die Veränderung in der Beziehung zwischen Face und ihrem Piloten aufgefallen war.

 

Und morgen Abend würde er ganz sicher nicht vergessen, sich vorher etwas zu trinken zu holen...

 

Ende