Titel:              Colada to go      

Autor:            Lady Charena

Serie:             CSI Miami

Folge:             403 Prey

Paarung:         Horatio, Calleigh

Rating:           gen

Beta:              T’Len

Archiv:                     ja

 

Summe:          Eine kleine Fortsetzung.

Coladas sind stark gezuckerte, kubanische Espressi

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Lyrics by Jeff Austin Black

 

 

….Will you tell me to be strong
And that love will save us all
Save a place to rest our souls
Then survive…

 

Die Zeit zerrann wie Sandkörner in einem Uhrenglas. Langsam. Stetig. Unaufhaltsam. Die Sonne ging unter, als er das Büro verließ. Wie viele Stunden waren seither vergangen, wie viele seit er Officer Jessup nach Hause geschickt hatte... vier? Vielleicht auch fünf.

 

Gegen Mitternacht waren die Lichter in Jennifer Wilsons Haus erloschen. Er fragte sich, ob sie wach lag, keinen Schlaf fand. Ob die Erinnerungen sie quälten, die Zeit um zehn Jahre zurückdrehten. Er dachte an die Angst in ihrer Stimme, als er sie angerufen hatte. Vielleicht hätte er zu ihr gehen, persönlich mit ihr sprechen sollen, anstatt nur hier draußen zu warten. Aber etwas hielt ihn zurück, ein Gefühl, das es dafür noch zu früh war. Sie waren beide noch nicht dazu bereit.

 

Er rieb sich die Augen, massierte den Nasenrücken; hinter seiner Stirn lauerten Kopfschmerzen wie wütende Bestien. Er war unendlich müde, doch es war eine Müdigkeit des Geistes. Die Steinsäule am Eingang, gegen die er lehnte, war kalt und ihre Kälte kroch seit Stunden durch seine Kleidung in jeden Winkel seines Körpers. Trotzdem verharrte er, wo er war; anstatt sich in den Wagen zu setzen, der nur einige Meter von ihm entfernt am Straßenrand geparkt war. Obwohl er im Freien ungeschützter sein würde, konnte er nur hier die Geräusche der Nacht wahrnehmen; konnte unterscheiden, welche die Natur hervorbrachte und welche von Menschen erzeugt wurden. Vom Meer her kam eine leise Brise, ließ Blätter rascheln und ersetzte die Abgase mit dem Geruch nach Salz. Hier konnte er mit der Nacht eins werden, während er wartete.

 

Er ließ die Hände an die Seiten zurückfallen, legte den Kopf in den Nacken, schloss für einen Moment die Augen. Ließ seine Gedanken treiben, hierhin und dahin, wie ein Boot ohne Steuer. Ohne zu hinterfragen, wohin sie ihn führten. Ohne an ihnen festzuhalten...

 

Und mitten in der Stille hörte er das leise Klicken von Absätzen auf Asphalt. In die Schatten zu treten und seine Waffe zu ziehen war wie eine einzige Bewegung. Eine schwarz gekleidete Gestalt näherte sich dem Haus, das Licht der Straßenlampen verliehen langem, blondem Haar einen goldenen Schimmer.

 

Er steckte die Waffe weg und trat vor. „Was machst du hier, Calleigh?“, fragte er und ging ihr entgegen.

 

Grüne Augen begegneten seinen ruhig, unergründlich. „Ich dachte mir, du könntest ein wenig Gesellschaft brauchen.“ Sie holte zwei Kaffeebecher hinter dem Rücken hervor. „Und etwas Warmes zu trinken.“ Sie hielt ihm einen davon hin.

 

Doch er machte keine Anstalten, danach zu greifen. „Du darfst nicht hier sein, Calleigh.“ Er sprach mit sanftem Nachdruck. „Ich möchte nicht, dass du Ärger bekommst.“

 

Calleigh hob die Schultern. „Doppelte Coladas“, fuhr sie fort, als hätte er nichts gesagt. „Es gibt hier um die Ecke ein kubanisches Kaffee, das die ganze Nacht geöffnet hat.“

 

Zögernd griff er nach dem Becher, nahm den Deckel ab, nippte. Der Kaffee war heiß, sehr stark und sehr süß – eigentlich nicht nach seinem Geschmack, doch er war dankbar für die Wärme, die sich in ihm ausbreitete. „Woher weißt du, dass ich hier bin?“

 

Calleigh spielte mit dem Deckel ihres Bechers. „Du hast in der Zentrale hinterlassen, wo du bist“, erinnerte sie ihn. „Und...“, sie zögerte kurz. „Alle reden bereits über dich und Rick Stetler. Über eure... Unterhaltung.“

 

Er blickte zur Seite. „Der Korridor war vielleicht nicht der richtige Ort dafür.“

 

Sie lächelte flüchtig. „Ich schätze, es ist besser, wenn ich nicht frage, was du hier machst.“

 

„Ich möchte dich nicht mit in diese Sache hineinziehen, Calleigh.“ Er sprach weiter, als er den Widerspruch in ihren Augen aufblitzen sah. „Bitte. Stetler wartet nur auf so eine Gelegenheit.“ Zögernd hob er die Hand, strich ihr das Haar zurück. „Geh’ nach Hause, Calleigh. Geh’ schlafen.“ Er zog die Hand zurück, trank seinen Kaffee.

 

„Du kannst nicht so weitermachen, Horatio. Stetler wird...“

 

„Calleigh“, unterbrach er sie. „Ich danke dir für den Kaffee. Aber bitte gehe jetzt nach Hause. Wir sehen uns.“

 

Sie zögerte. „Du willst nicht darüber reden.“

 

Er wandte sich von ihr ab, ließ seinen Blick die Straße entlang wandern. „Ich... fühle mich, als würde ich über Glasscherben gehen, Calleigh. Aber ich habe Angst, nach zu sehen, ob ich blute.“ Er sah sie wieder an. „Ja, ich denke, ich möchte nicht darüber sprechen. Geh’ nach Hause. Bitte.“

 

Calleigh sah ihn an, öffnete den Mund als wolle sie widersprechen – und schloss ihn wieder, ohne etwas gesagt zu haben. Dann nickte sie, drehte sich um und eilte davon.

 

Horatio seufzte leise, als er ihr nachsah. Er wusste, dass er Calleigh verletzt hatte. Doch sie durfte nicht in diese Sache hineingezogen werden. Nicht jetzt, wo die Wunde, die Hagens Tod bei ihr hinterlassen hatte, noch so neu war.

 

Um sich selbst machte er sich keine Sorgen. Er sah auf den Kaffeebecher in seiner Hand. Die Kälte war zurückgekehrt.

 

Ende