Titel: Close your eyes
Autor: Lady Charena
Fandom: The A-Team

Episode: 59. Kopfgeldjäger (Bounty)

Pairung: POV Kelly
Rating: gen

Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Kelly denkt über ihre Beziehung mit Murdock nach.

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Lyrics: The Beatles

 

 

 

Close your eyes and I'll kiss you
Tomorrow I'll miss you
Remember I'll always be true…

 

 

Kelly warf fast ihre Teetasse um, als sie sich hastig über den Tisch beugte, um das Radio aus zu schalten. Sie stand auf und trat ans Fenster, die Arme fest um sich selbst geschlungen. Genau hier hatte Murdock auch gestanden, um die Zugangsstraße zum Gelände der Tierklinik im Auge zu behalten.

 

Er hatte sie damit aufgezogen, dass sie mit Van Halen, Frankie goes to Hollywood und Boy George nichts anfangen konnte, als er den lokalen Radiosender in Medford hörte, darauf wartend, dass seine Freunde mit ihm Kontakt aufnahmen. Als sie dann noch die Rolling Stones mit den Beatles verwechselte, kam sie sich völlig weltfremd vor. Doch Murdock lachte nur. Sie hatte sich fast sofort in sein Lachen verliebt.

 

Sie musste ihn einfach in der Klinik besuchen, mit eigenen Augen sehen, dass es nicht einer seiner Scherze war, als er ihr sagte, er würde im Veteranenhospital in Westwood leben. Sie war nicht ganz darauf vorbereitet gewesen, in die psychiatrische Abteilung verwiesen zu werden, als sie am Empfang nach Murdock fragte. Ihre Verwirrung wuchs, als sie ihren Ausweis vorlegen musste und dann von einem Pfleger durch das Gebäude geführt wurde. Sie war fast so weit, umzudrehen und zu gehen, als der Mann sie in einen Park führte und bat, kurz zu warten.

 

Close your eyes and I'll kiss you
Tomorrow I'll miss you
Remember I'll always be true…

 

Er hatte diese Zeilen leise vor sich hingesungen, als sie sich an diesem Tag von ihm verabschiedete. Doch als sie ihn umarmte und die Augen schloss, küsste er sie nur auf die Stirn. Sie war ein wenig enttäuscht gewesen. Sie konnte sich nicht daran erinnern, dass sie jemals zuvor ein Mann so geküsst hatte, wie Murdock, bevor er mit seinen Freunden vor der Militärpolizei floh.

 

In den fast sechs Monaten, die vergangen waren, seit Murdock sich in ihrem Van versteckt hatte, nahm sie an den meisten Samstagen die gut zweistündige Fahrt nach Los Angeles auf sich, um ihn zu besuchen. Ein paar Mal hatte sie die Reise auch umsonst gemacht und man erzählte ihr im Krankenhaus, dass Murdock nicht da war. Er hatte sich etwas vage ausgedrückt, wo er sich aufgehalten hatte, einmal etwas von einem Job in Italien und einer Kreuzfahrt erzählt. Sie war sich nicht sicher gewesen, ob es sich um einen Scherz handelte oder die Wahrheit. Aber irgendetwas hatte sie davon abgehalten, nach zu fragen, als er das Thema wechselte. Vielleicht hatte es etwas mit seinen Freunden zu tun – dem A-Team und der Tatsache, dass sich diese auf der Flucht befanden. Vielleicht hatte er Angst, die Militärpolizei könnte irgendwann auf sie aufmerksam werden und wenn sie nichts wusste, musste sie auch nicht lügen.

 

Doch wenn er da war, war es wunderschön. Sie saßen im Schatten der großen, alten Eichen im Krankenhauspark. Sie brachte ihm jedes Mal eine Pizza mit – Peperoni und Pilze, seine Lieblingssorte. Sie unterhielten sich und lachten und die Zeit verflog wie nichts. Bevor sie sich umsah, war es Abend und sie musste sich auf den Heimweg machen.

 

Und dort hatten sie sich auch ineinander verliebt.

 

Doch seit ihrem letzten Besuch waren bereits einige Wochen vergangen. Sie hatte nicht angerufen. Sie hatte ihm nicht geschrieben, wie in den Monaten zuvor.

 

Sie vermisste ihn. Sie hatte ihm gesagt, sie brauche Zeit, nach zu denken. Sich über einiges klar zu werden.

 

Er hatte einen Moment geschwiegen und in die Ferne gestarrt, bevor er sie wieder ansah und ihr versicherte, dass er das verstehen würde. Dann hatte er nach seinem unsichtbaren Hund Billy gerufen und mit einem unsichtbaren Frisbee geworfen.

 

Das war eines der Dinge, mit denen sie nicht so ganz klar kam.

 

Auf der anderen Seite war Murdock. Ihre Gefühle für ihn. Sie hatte sich zuvor verliebt. Doch noch nie so heftig, so tief. Er war so einfach zu lieben. Er brachte Fröhlichkeit und Glück und Aufregung in ihr recht eintöniges Leben. Nach dem frühen Tod ihrer Eltern hatte sie alle ihre Zeit und Energie in die Tierarztpraxis ihres Vaters gesteckt, hatte ihre Träume hinten angestellt, um seinen zu erfüllen. Sie hatte die Tierklinik aufgebaut, gegen viele Widerstände, die meistens damit begründet wurden, dass sie eine Frau sei oder zu jung – oder beides. Sie war... nein, sie hatte geglaubt, glücklich in ihrer klar geregelten, geschützten Welt zu sein. Den Rest ihres Lebens damit zu verbringen, sich um Tiere zu kümmern – etwas, dass sie sich gewünscht hatte, seit sie ein Kind war.

 

Dann war er in ihr Leben geplatzt. Sie hatte nicht geglaubt, dass sie einmal jemanden so brauchen könnte. Bei ihm fühlte sie sich nicht mehr unscheinbar und vernünftig, sondern hübsch und interessant.

 

Sie hatten über ihre Vergangenheit gesprochen. Über vergangene Beziehungen. Es war bei ihnen beiden eine recht kurze Liste gewesen. Sie war mit ein paar jungen Männern in Medford Falls ausgegangen, hatte die eine oder andere Beziehung gehabt, die jedoch alle nicht wirklich lange hielten. Murdock erzählte ihr von ein paar Mädchen in der Highschool, und der einen oder anderen Krankenschwester in Vietnam, die er gedatet hatte. Manchmal zeigte eine Klientin Interesse an ihm, doch er gab für gewöhnlich vor, es nicht zu bemerken. Denn, wie er gescherzt hatte, war das einfacher, als zu erklären, wo er lebte. Wieder ernst werdend, hatte er gelächelt – dieses strahlende, warme Lächeln, in das sie sich zuerst verliebt hatte – ihre Wange gestreichelt und gesagt, dass er wisse, dass es mit ihr anders sei. Dass er sofort gewusst hatte, dass er vor ihr keine Geheimnisse haben müsse.

 

Damals hatte sie es ihm geglaubt. Die Zweifel waren erst später gekommen.

 

Er hatte ihr vom Tod seiner Mutter erzählt, der Lieblosigkeit seines Vaters, seinen Großeltern. Er hatte über den Krieg gesprochen; über die Albträume, die Vietnam nie hatten enden lassen. Über seine Freunde... die so etwas wie eine Familie für ihn waren.

 

Sie hatte gedacht, damit umgehen zu können. All diese Dinge waren schließlich ein Teil davon, wer er war. Sie hatte geglaubt, ihn für sein Vertrauen nur noch mehr zu lieben.

 

Doch es gab auch Dinge, die nicht so einfach zu akzeptieren waren. Die Tage an denen er, wie er es ausdrückte: „ein wenig depressiv“ war oder den Kontakt zur Realität verlor. Tage, die überhaupt erst zu seinem Aufenthalt in der psychiatrischen Abteilung des Veteranenhospitals geführt hatten. Die Medikamente, die er nahm, ließen diese Tage weniger häufig auftreten. Aber sie kamen immer noch vor.

 

Und sie wusste einfach nicht, ob sie wirklich damit umgehen konnte. Konnte sie mit dieser Unsicherheit leben?

 

Sie wollte eine Familie. Kinder. Konnte sie diesen Traum begraben oder ihn mit einem Mann verwirklichen, der nicht immer hundertprozentig für sie da sein würde? Konnte sie damit umgehen, dass es Stunden, Tage, vielleicht sogar Wochen gab, in denen er sich in seinen Kopf zurückzog und die Realität ausschloss, wie sich ein Kind nach einem Albtraum unter seiner Bettdecke verkroch? Dass er sie ausschloss?

 

Sie spürte die Tränen auf ihren Wangen, als sie weiterhin blind aus dem Fenster sah. Dann schloss sie die Augen.

 

 

Close your eyes and I'll kiss you
Tomorrow I'll miss you
Remember I'll always be true…

 

 

Ende