Titel: Just a classic case scenario

Autor: Lady Charena

Fandom: House, MD

Charaktere: House/Wilson

Thema: # 045. Mond

Word Count:

Rating: A/U, PG, slash, suicide

Anmerkung des Autoren:  Vielen Dank an T’Len für’s betalesen.

 

Summe/Hintergrund: House trifft seine Entscheidung.  (Mini-Spoiler für: 3.3 Informed Consent – Ep-Plot siehe Ende der Story)

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Lyrics: Justin Timberlake

 

 

Don't want to think about it
Don't want to talk about it
I'm just so sick about it
What goes around, goes around, goes around
Comes all the way back around

 

Es war irgendwann nach Mitternacht, die Welt versunken in Dunkelheit und Stille, als er vorsichtig Wilsons Klammergriff um seine Taille löste und sich aufrichtete. Eine Zeitlang saß er auf der Bettkante und betrachtete den schlafenden Mann. Durch die halb zugezogenen Vorhänge fiel ein orangegelber Strahl der Laterne draußen auf dem Bürgersteig quer übers Bett. Das Ergebnis war, dass Wilsons Oberkörper aussah, als wäre er mit antiseptischer Lösung, wie sie zur OP-Vorbereitung verwendet wurde, beschmiert worden. Er schüttelte über sich selbst den Kopf, medizinische Metaphern, selbst jetzt, selbst hier.

 

Wilsons Gesicht lag im Schatten. Seine tiefen, gleichmäßigen, langsamen Atemzüge verrieten, dass er während des Manövers nicht aufgewacht war.

 

Gedankenverloren grub er seine Finger in den Oberschenkel, folgte mit den Fingerspitzen der harten Kontur der OP-Narben. Eine Bewegung, so unbewusst, so instinktiv wie Atmen. Er hatte die letzte Vicodin vor fast sechsunddreißig Stunden genommen, nachdem Cuddy ihn über Ezra Powells Tod informiert hatte und er Allison in der Kapelle gefunden hatte, um ihr zu sagen, dass er stolz auf sie war.

 

Die Ironie war kaum zu ertragen. Der Infarkt hatte ihre Beziehung auf einen neuen Level gehoben, als versuche Wilson für seinen Verlust wett zu machen und er hatte sich lange dagegen gewehrt. Lange genug, dass Wilson sich resigniert in eine neue Ehe stürzte. Lange genug, dass er sich verfluchte. Stacys Rückkehr war Segen und Fegefeuer zugleich. Am Ende schickte er sie weg. Dann verschwand Julie so plötzlich aus Wilsons Leben, wie sie darin aufgetaucht war und hinterließ die schwelenden Trümmer eines Meteoriteneinschlages. Inmitten des Kraters begann es erneut... nicht, dass es je zwischen ihnen geendet hatte. Bis mit den Schüssen in seinem Büro ihre Welt erneut brutal aus ihren Verankerungen gerissen wurde und das Ketamin ihm seine Freiheit wieder zu geben versprach. In seiner Gier, sie zu erreichen, trampelte er über alles hinweg, selbst über den Menschen, der ihm am meisten bedeutete.

 

Doch so unvermeidlich, wie der Schmerz zurückgekommen war, war auch Wilson zurückgekehrt und natürlich verzieh’ er ihm.

 

Er konnte sich selbst nicht vergeben. Und er konnte nicht vergessen.

 

Er wusste, was er vorhatte, war der äußerste Gipfel an Selbstsucht. Wie oft war ihm vorgeworfen worden, dass er denke, die Welt würde sich nur um ihn drehen. Jetzt lieferte er allen den endgültigen Beweis dafür. Zumindest denen, die nur die Oberfläche sahen.

 

Er wusste, dass er dem Mann, der jetzt so friedlich schlief, einen Schmerz zufügen würde, der schlimmer war, als all seine eigenen Schmerzen zusammengenommen. Doch er hatte den Punkt längst erreicht und überschritten, an dem auch das nicht mehr zählte.

 

Langsam löste er die Hand von seinem Bein und lehnte sich über das Bett, ließ seine Fingerspitzen die schlafwarme, vom Licht orange getönte, Haut spüren, bis er unter seiner Handfläche das langsame, beruhigend starke Schlagen eines Herzens spürte. Seine Berührung blieb federleicht, er wollte Wilson nicht wecken. Eine schmale Hand, schlanke Finger – er betrachtete sie, als wären sie nicht Teil seines Körpers, sondern ein fremdes Objekt, von dem er noch nicht wusste, ob es eine potentielle Gefahr war oder nicht – Pianistenfinger, Chirurgenfinger. Er fragte sich, einen Augenblick abgelenkt, ob jemals jemand aufgefallen war, wie stark seine Hände manchmal zitterten und wie erleichtert er war, sein Team damit beauftragen zu können, Blutproben zu nehmen und Lumbarpunktionen durchzuführen.

 

Langsam glitten seine Finger höher, zeichneten die vertrauten Gesichtszüge nach, wie es ein Blinder tun würde. Dann fielen sie, einer nach dem anderen, widerwillig über die Wange nach unten, weg, auf die Schulter.

 

Wilson wandte im Schlaf den Kopf, versuchte unbewusst der Berührung zu folgen. Er lächelte, wurde jedoch nicht wach. Hinter schweren Lidern bewegten sich braune Augen – und für einen Moment bereute er definitiv, sie jetzt nicht sehen zu können. Doch ihre Macht über ihn war viel zu groß.

 

Seine Hand setzte ihre Reise fort, über Wilsons Schulter, seinen Arm entlang, bis sich seine Finger mit James’ verflechten konnten. Er beugte sich vor und küsste ihn, leicht, auf den Mund, dann auf die Schläfe.

 

Wilson murmelte etwas, am Rande des Erwachens, rückte näher an ihn, dann wurde er wieder still.

 

Sanft lösten sich seine Finger von Wilsons und er rutschte zum Bettende, stützte sich mit beiden Händen am Rahmen ab und stemmte seinen Körper hoch. Die Muskeln in seinem Bein und seinem Rücken protestierten, doch er ignorierte es.

 

Er sammelte seine Kleidung vom Boden auf und zog sich an. Ein schiefes Lächeln um die dünnen Lippen, als er sah, dass ihrer Hast früher am Abend ein Knopf seines Hemdes zum Opfer gefallen war. Er spürte ihn unter seinen bloßen Füßen, als er in die Jeans schlüpfte, hob ihn auf und legte ihn auf den Nachttisch.

 

Als er das Schlafzimmer verließ, sah er nicht mehr zurück.

 

Orangegelbes Licht fiel über den schlafenden Mann, der jetzt alleine in dem Bett lag, über das Medikamentenröhrchen auf dem Nachttisch, den Knopf und den Stock, der in Greifweite daran lehnte.

 

* * *

 

Er schob das Motorrad so weit die Straße entlang, wie er es schaffte. Dann zog er den Reißverschluss der Lederjacke hoch, der etwas klemmte. Das Gewicht des Gegenstandes in der rechten Innentasche verzog das Material und das Innenfutter geriet zwischen die Zähne des Verschlusses.

 

Schließlich setzte er seine Sonnenbrille auf, um die Augen vor Fahrtwind und Schmutz zu schützen und startete die Repsol.

 

* * *

 

Sein Weg führte ihn aus der Stadt, auf die Straßen, auf denen er so oft vergeblich versucht hatte, seinem Schmerz davon zu fahren. Seltsamerweise tat es jetzt nicht mehr weh. Mit dem Verlassen der Wohnung schien der Schmerz von ihm abgefallen zu sein.

 

Er hatte keine Ziele mehr und doch wusste er genau, wohin er wollte.

 

Ein einziges Mal hatte er Wilson überreden können, eine längere Tour auf dem Motorrad zu machen. Sie hatten sich prompt verfahren und waren irgendwo in der Wildnis gestrandet, legten an einem kleinen See Rast ein.

 

Die vom Mondlicht erhellten Straßen waren so gut wie leer. Gelegentlich überholte er einen schwerfälligen Transporter oder ein PKW mit müde aussehenden Insassen fuhr auf der Spur neben ihm. Aber niemand schenkte dem Motorradfahrer ohne Helm einen zweiten Blick.

 

Es war noch dunkel, als er den See erreichte und den Motor der Repsol abstellte.

 

Einen Moment lang blieb er auf dem Motorrad sitzen, hörte dem leisen Klicken des abkühlenden Motors zu. Dann hob er mit beiden Händen sein rechtes Bein über den Sitz, rutschte nach und landete auf beiden Beinen neben der Honda. Ein paar Minuten verharrte er, gegen die Maschine gelehnt, bis seine von der Fahrt steifen Muskeln sich kooperativ zeigten.

 

Schließlich nahm er die Handschuhe und die Sonnenbrille ab und legte sie über den Tank. Er stieß sich von der Repsol ab und ging langsam, ohne seinen Stock entsetzlich unbeholfen und schwerfällig, das Ufer entlang. Nach einigen Schritten bildete es eine Art natürlicher Plattform - wie ein Steg, der allerdings kaum mehr als einen Meter über das Wasser reichte.

 

Dort hatte er mit Wilson gesessen, trotz James’ Bedenken, ob der harte Boden gut für sein Bein war. Er hätte in diesem Moment nicht weniger Interesse an seinem Bein haben können, aber so war Wilson eben. James stellte ihn immer vor sich selbst, seine eigenen Bedürfnisse, Wünsche, Träume...

 

Er schloss die Augen und erinnerte sich an jedes Wort, jeden Blick, jede Berührung dieses Tages. Selbst an den Sonnengeruch, der sich irgendwie in Wilsons Haaren verfing. Seinen leisen Spott darüber, dass sie sich wie Teenager benahmen, die die Schule schwänzten und über James’ romantische Anwandlungen. Er meinte nichts davon ernst, und wurde auch nicht ernst genommen. Irgendwann landeten sie im Gras und es war warm und weich und nichts anderes spielte mehr eine Rolle als die Hände auf seinem Körper und der Mund auf seinem.

 

Jetzt spiegelte sich der Mond statt der Sonne im Wasser, als er sich an die gleiche Stelle setzte, an der sie sich an diesem Sommertag geliebt hatten.

 

Langsam zog er den Reißverschluss der Lederjacke auf und zog die Waffe hervor, die ihm sein Vater zum Collegeabschluss geschenkt hatte. Vielleicht um ihm zu zeigen, dass er ihn jetzt für erwachsen hielt. Er wusste es nicht, er hatte die Beweggründe von John House nie verstanden. Aber er hatte sie hinterher nie mehr in die Hand genommen. Trotzdem war sie irgendwie nie verlorengegangen, sondern mit ihm von Ort zu Ort gewandert, bis sie beide in Princeton einen festen Platz gefunden hatten. Er hatte sie halb vergessen, bis er sie aus einem Karton hervorkramte und mit ins Krankenhaus nahm, um das aufschlussreiche Experiment mit dem toten Krebspatienten durchzuführen. In dem Karton befand sich auch ein Reinigungskit und obwohl es gut fünfundzwanzig Jahre zurücklag, seit er zuletzt unter den strengen Augen seines Vater eine Waffe gereinigt hatte, kamen die Schritte ungefragt in sein Gedächtnis zurück. Er dachte kurz an seine Mutter, an ihren letzten Besuch. Immer noch stand sie auf der Seite seines Vaters, immer noch liebte er sie trotzdem. Immer noch spürte er die Wut eines Kindes in sich.

 

Dann schob er das alles zur Seite. Nicht an diesem Ort. Nicht in diesem Moment.

 

Er balancierte die Waffe auf dem Oberschenkel, ihr Gewicht und ihre Kühle drangen durch den Jeansstoff bis in das beschädigte Gewebe darunter vor. Seine Finger locker darüber gelegt. Und starrte auf das stumme Wasser hinaus, in dem er nicht das Spiegelbild des Mondes sah, sondern James Wilson.

 

Er lächelte, als er den Kopf senkte und die Waffe hob.

 

Als Ezra Powell geglaubt hatte, er würde ihm eine Überdosis Morphium geben, um ihn von seinen Qualen zu erlösen, hatte er ihn gefragt, was ihn danach erwarten würde. Er hatte ihm geantwortet, dass nichts auf ihn warten würde. Trotzdem war da ein winziger Teil von ihm der gegen alle Logik hoffte, dass es da etwas gab.

 

Er schloss die Lider, schmeckte James auf seinen Lippen und rief sich das Gefühl der schlafwarmen Haut unter seinen Fingern zurück ins Gedächtnis.

 

Der Schuss verhallte und der Mond war wieder alleine mit der Stille und dem See.

 

* * *

 

Wilson erwachte als Tageslicht durch die Vorhänge sickerte. Er drehte sich auf die andere Seite, doch das Bett neben ihm war leer. Es war nicht ungewöhnlich, Schlaflosigkeit war eine alte Bekannte von House und sie besuchte ihn gerne. Und mit all den Geschehnissen rund um Ezra Powells Tod... „Greg?“, rief er – nicht zu laut, für den Fall, dass House auf der Couch eingeschlafen war.

 

Keine Antwort.

 

Er gähnte und streckte sich und setzte sich auf, um auf die Uhr zu sehen. Der Wecker war abgeschaltet. Verdammt, House! Aber es war noch früh, kein wirklicher Grund also, sauer zu sein. Er streckte die Hand aus – Kissen und Laken auf House Seite waren kalt. Andererseits waren Vicodin und der Stock an ihrem Platz, Greg konnte also nicht weit sein.

 

Er rutschte über das Bett, auf House’ Seite und ließ die Beine über die Kante hängen. Gregs Kleidung war weg. Das hieß, er würde ihn sicher nicht dazu überreden können, noch ein paar Stunden zu schlafen. Die Schmerzen mussten schlimmer geworden sein und House drehte wohl wieder Runden um die Couch - aber dann fand er es seltsam, dass das Vicodin und der Stock im Schlafzimmer waren. Er griff nach dem Medikamentenröhrchen, schüttelte es. Ein paar Pillen klapperten darin, er öffnete den Verschluss, kippte sie in seine Handfläche und zählte sie. Es waren genauso viele wie beim letzten Mal. Das bedeutete entweder, House hatte wieder begonnen, sich Vorräte anzulegen oder er nahm aus irgendeinem unergründlichen Motiv keine Schmerzmittel. Es gab noch eine dritte Möglichkeit – die Metallbox mit dem Morphium auf dem Bücherschrank. Stirnrunzelnd ließ er die Pillen zurück in ihre Verpackung fallen und stellte das Vicodin zurück. Dabei fiel sein Blick auf den Knopf. Gedankenverloren nahm er ihn auf und spielte damit. Als er aufstand und ins Wohnzimmer tappte, hielt er ihn noch immer in der Hand.

 

Aber House war weder in der Küche, in die er beim Vorbeigehen einen Blick warf, noch im Wohnzimmer. Der Fernseher, der quasi immer lief, war stumm und dunkel. Auf der Kommode neben der Tür lag der Motorradhelm, aber Handschuhe und Brille fehlten. Er warf einen Blick in die Garderobe und sah, dass die Lederjacke weg war.

 

Wilson setzte sich beunruhigt auf die Couch. Wenn der Schmerz so schlimm war, dass House das Motorrad genommen hatte, aber keinen Helm, dann sollte er überhaupt nicht unterwegs sein. Etwas knisterte, als er unruhig zur Seite rutschte und er nahm ein Stück Papier hoch, dass nun an seinem Oberschenkel klebte. Er hatte nicht hingesehen und sich darauf gesetzt.

 

Ein flaues Gefühl breitete sich in seinem Magen aus. Es war das Rezept, dass er einen Tag zuvor für House’ Vicodin ausgestellt hatte. Er hatte es nicht eingelöst. Verwundert drehte er es um und sah auf der Rückseite nur ein einziges Wort, in Gregs Handschrift: „James.“

 

Er strich das Rezept glatt und legte es – mit der Rückseite nach oben – auf den Couchtisch, dann den Knopf dazu, als er bemerkte, dass er ihn noch immer mit sich herumtrug. Dann stand er auf, und holte sein Handy, das an einer Steckdose im Schlafzimmer lud. Er wählte House Nummer und zuckte unwillkürlich zusammen, als in einer anderen Ecke des Raumes „Baba O’Reilly“ losdudelte, in voller Lautstärke. Er unterbrach die Verbindung. Und in der folgenden Stille kam es ihm vor, als höre er sein Herz, so laut schlug es in seiner Brust.

 

Wo zum Teufel war House?

 

 

Ende

 

 

 

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Season 3, Episode 3: Informed Consent

Ezra Powell, a renowned pioneer in the field of medical research, collapses in his lab. House is struggling after the ketamine treatment wore off and doesn't want to talk about it. When the team put Ezra through rigorous diagnostic tests and don't come up with anything conclusive Ezra demands the team to help him end his life. Now the team goes through twists and turns of the moral dilemma of ignoring his wishes or to assist in his suicide and abide by Ezra's wishes.

 

Quelle: Imdb.com