Titel: Was ist Chicago schon gegen Köln...
Autor: Lady Charena
Fandom: SK Kölsch

Spoiler: Turteltäubchen

Pairung: Jupp/Klaus
Rating: m/m, ft, NC-17, A/R

Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Dies ist keine Story. Was ihr vor euch seht, ist eine Fata Morgana. <g> Wenn es nicht seit Tagen regnen würde, müsste ich glatt denken, ein Sonnenstich hat mich dazu verleitet, Klaus und Jupp in ein Bett zu stecken...

 

Für alle, die die Folge nicht kennen oder sich nicht dran erinnern: Im Betonfundament einer Baustelle wird eine Leiche gefunden. Klaus verliebt sich während der Ermittlungen in den Baustellenleiter, den Architekten Rolf Weinsberg. Als er Jupp beichtet, dass er mit Rolf die Nacht verbracht hat und dessen Alibi ist, erleidet Jupp einen emotionalen Ausbruch, der in der Misshandlung seines Autos mit Fußtritten gipfelt, so dass ein weniger wohlgesonnenes Huhn fortgeschrittene Eifersucht zu diagnostizieren versucht wäre. Ganz abgesehen davon, dass Jupp diese Situation – wenn auch normalerweise genau umgekehrt – wohlbekannt ist, steht es ihm bestimmt nicht zu, Klaus so runter zu putzen. Schließlich hat unser Schätzchen schon mehr als eine Verdächtige beflirtet. Jedoch wird Rolf schließlich entlastet und bietet Klaus an, ihn zu einem großen Bauprojekt nach Chicago zu begleiten. Und Taube nimmt das Angebot an. Zunächst. Doch am Flughafen verabschiedet er sich überraschenderweise von Rolf und kehrt mit Flo und Jupp zurück. Denn was ist Chicago schon gegen Köln...

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Lyrics by Rob Thomas.

 

 

            But words are only words
            Can you show me something else
            Can you swear to me that you'll always be this way
            Show me how you feel - more than ever baby

            I don't wanna be lonely no more
            I don't wanna have to pay for this
            I don't want to know the lover at my door
            It´s just another heartache on my list

 

“So, Flo ist im Bett.” Jupp kam ins Wohnzimmer und fuhr sich durch die Haare, während er Klaus Rücken anstarrte. Taube stand am Fenster und schien ganz darin vertieft, die Aussicht zu studieren. Jupp zögerte, dann trat er neben seinen Partner. Er hob die Hand, als wollte er Klaus Schulter drücken, ließ sie dann jedoch sinken und stopfte schließlich beide Fäuste in die hinteren Taschen seiner Jeans.

 

Klaus wandte den Kopf und sah ihn an. Es war schwer zu sagen, was er dachte, während er den neben ihm stehenden Mann musterte. „Tja, ich geh’ dann mal besser nach Hause. War ein langer Tag.“

 

„Nein! Ich meine...“ Jupp sah weg, starrte nun seinerseits hinaus in die Nacht, die sich wie eine dunkle Kappe über die Stadt gesenkt hatte. “Es ist doch noch nicht so spät. Willst du wirklich nicht noch bleiben?“

 

„Okay. Ja. Wenn du willst.“ Klaus klang ein wenig überrascht, aber durchaus nicht widerwillig.

 

Jupp nickte. Er sah sein eigenes Spiegelbild in der Fensterscheibe und dachte an eine andere Nacht, knapp zwei Wochen zuvor, als sie auf der Baustelle gewartet hatten und Klaus ihm eröffnete, dass er mit Rolf nach Chicago gehen würde. Genau wie jetzt hatten sich ihre Gesichter nebeneinander im Glas gespiegelt und doch hätten sie kilometerweit voneinander entfernt sein können.

 

Jupp hätte sich eher die Zunge abgebissen, als zuzugeben, dass er damals Klaus am liebsten geschüttelt hätte, und ihm das Versprechen abgenommen, Rolf und Chicago sausen zu lassen. Statt dessen hatte er die Fäuste in die Hosentaschen gestopft und so getan, als würde ihn das alles nicht wirklich interessieren. Oder gar irgendwas angehen. Und im Grunde ging es ihn ja auch nichts an. Es war Klaus Entscheidung, sein Leben. Und er hatte kein Recht... Statt dessen hatte er diese blödsinnige Bemerkung von sich gegeben: ‚Was erwartest du von mir? Eine Liebeserklärung?’

 

Da hatte für einen Moment etwas in Klaus Augen aufgeflackert: Enttäuschung, Schmerz – und war sofort wieder weggewischt worden, ersetzt durch kühle Professionalität. Aber Jupp spürte den Widerhall irgendwo in der Nähe seines Herzens, wie einen emotionalen Querschläger, der am Ende den Schützen selbst getroffen hatte. Er hasste dieses Gefühl, hasste die vermeintliche Schwäche, das erbärmliche Klammern – und die Angst, die er empfand. Die Angst, Klaus aus seinem Leben einfach so verschwinden zu sehen.

 

„Hast du das eigentlich ernst gemeint?“, fragte Jupp. Er lehnte sich vor, presste die Stirn gegen das kühle Glas, schloss die Augen, während er mit klopfendem Herzen auf eine Antwort wartete.

 

„Was ernst gemeint?“

 

Für einen Moment hatte er vergessen, dass Klaus seine Gedanken ja nicht lesen konnte; nicht wissen konnte, an was er dachte. Trotzdem fühlte er einen irrationalen Stich der Enttäuschung. „Was du damals gesagt hast. Dass du mich vermissen wirst... würdest.“ Es blieb so lange still, dass er schließlich die Augen öffnete und den Kopf nach seinem Partner wandte.

 

Klaus sah ihn an und etwas in seinen Augen sagte, dass er sich sehr gut erinnerte. „Ja, das habe ich ernst gemeint.“

 

Jupp zuckte unbehaglich mit den Schultern. „Ich auch. Ich meine, ich hätte dich auch vermisst.“ Er biss sich auf die Unterlippe und stellte die Frage, die ihn schon beschäftigte, seit Taube aus dem Flughafengebäude auf sie zugekommen war.

 

Verdammt, war er froh über seine Sonnenbrille gewesen, er hatte doch glatt feuchte Augen bekommen, als er Klaus da mit Rolf sah, augenscheinlich ein glückliches Paar beim Start in ein neues Leben. Am liebsten hätte er diesen Architekten-Arsch so richtig die Meinung gegeigt, was ihm einfiele, ihm seinen Partner weg zu nehmen – doch er hatte diesen Impuls bekämpft, er musste sich ja nicht in aller Öffentlichkeit zum Idioten machen und schon gar nicht vor seinem Freund – und statt dessen Flo an der Hand genommen und war gegangen. Bis sich dann Flo von ihm löste und „Taube“ rief. Und als er sich umdrehte, stand da Klaus, Flo auf dem Arm und ein breites, zufriedenes Grinsen auf dem Gesicht. Er war tatsächlich sprachlos gewesen. Fassungslos. Also drückte er erst mal Flo an sich, was ihm einen Moment gab, seine Fassung wiederzufinden, bevor er einen Arm um Klaus legte und ihn an sich zog. Um ein Haar hätte er ihn vor lauter Erleichterung geküsst, begnügte sich dann aber damit, seine Stirn kurz gegen die Seite von Klaus Gesicht zu drücken. Irgendetwas, das sich um sein Herz gepresst hatte, verschwand. Das eisige Gefühl des Verlassenwerdens, wieder jemand zu verlieren, der ihm so wichtig war, verschwand. Und als Klaus ihm grinsend an den Hintern fasste, konnte er sich ganz normal geben und in gespielter Empörung Abstand zwischen sie bringen. Schließlich hatten sie den Nachmittag zu dritt verbracht, mit Flo als eine Art Puffer, so dass gefährlichere Themen vermieden werden konnten. Aber jetzt war Florian im Bett, vertieft in eins seiner Comichefte, vielleicht auch schon eingeschlafen.

 

„Ich dachte... ich dachte, dass mit Rolf und dir wäre was... großes... ich mein, festes“, sagte er leise, hob die Schultern, als er die klägliche Formulierung hörte, brachte jedoch nicht über sich, zu sagen, was er eigentlich meinte: ‚Ich dachte, du würdest ihn lieben...’

 

„Was... längerfristiges. Aber trotzdem bist du hier und nicht mit ihm in Chicago. Ich versteh’ das nicht.“

 

„Vielleicht war es nicht... groß... genug, um hier alles aufzugeben“, erwiderte Klaus nach einem Moment.

 

 

                    I don't wanna be angry no more
                    You know I could never stand for this
                    So when you tell me that you love me know for sure
                    I don't want to be lonely anymore

 

 

„Das ist doch Quatsch!“, widersprach Jupp heftiger als beabsichtigt. „Ich meine, du lässt das alles sausen – eine wahnsinnig aufregende Stadt, einen tollen Job und... und einen Kerl... gebildet, smart, charmant, der dich offenbar liebt. Und für was? Für Köln. Für einen stressigen und lausig bezahlten Job bei der Kripo, für den du BKA-Besserwisser eigentlich überqualifiziert bist. Und für...“ Er brach ab, presste die Lippen zusammen. Nein, das kam alles ganz falsch heraus, so hatte er das nicht sagen wollen.

 

„...für genau das und für einen ruppigen, unsensiblen Macho mit einem sagenhaften Dickschädel“, beendete Klaus leichthin.

 

Jupp sah weg. „Ich meinte das ernst“, sagte er mit belegter Stimme.

 

„Ich auch“, erwiderte Klaus ruhig.

 

Er blickte ihn flüchtig an, starrte dann wieder ihre Spiegelbilder auf der Fensterscheibe an, fast so, als beobachte er zwei Fremde. „Wieso?“

 

„Ich weiß es nicht“, erwiderte Klaus nach einer Pause.

 

„Was ist das denn für eine Antwort.“

 

Klaus wandte sich von ihm ab, drehte sich um, lehnte sich mit dem Rücken gegen die Fensterbank, so dass sein Gesicht im Fenster nicht mehr widergespiegelt wurde. Statt dessen starrte Jupp jetzt auf die Reflektion seines Hinterkopfes.

 

„Ich weiß nicht, was du von mir hören willst, Jupp“, fuhr Klaus nach einem Moment fort. Er verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich weiß nur, dass ich es damals ernst gemeint habe. Ich wollte wirklich mit Rolf nach Chicago. Das war nicht nur so dahingesagt. Und Rolf... es war schön mit ihm. Es war sogar sehr schön. Aber es war nicht genug für eine gemeinsame Zukunft. Irgendetwas… fehlte.“

 

“Fehlte?”, echote Jupp. Falten erschienen auf seiner Stirn. „Du meinst, er... also bei ihm ging es nicht so... nicht so tief.“

 

„Nein“, widersprach Klaus sanft. „Es liegt an mir, nicht an Rolf. Da ist etwas, dass ich nie beendet hatte. Und deshalb konnte ich mit ihm nichts neues anfangen. Nichts, was auf Dauer gehalten hätte.“

 

 

               Now it's hard for me
               When my heart's still on the mend
               Open up to me
               Like you do with your girlfriends

 

„Ich versteh nicht, was du meinst“, entgegnete Jupp unsicher. Er spürte eher, als dass er sah, wie Klaus den Kopf drehte, ihn ansah. Er starrte weiterhin geradeaus, ohne etwas zu sehen.

 

„Du bist es“, sagte Klaus nach einem Augenblick des Zögerns. „Genauer gesagt, meine Gefühle für dich, Josef Schatz.“

 

„Quatsch.“ Jupp brachte ein unecht klingendes Lachen zustande. “Wir sind Kumpel. Kollegen. Partner. Aber doch nicht…”

 

„Doch nicht… was?“

 

„Ich bin doch nicht...“ Jupp hob die Achseln. „Ach, nichts. Vergiss, dass ich was gesagt habe.“

 

“Nein.”

 

Er versteifte sich unwillkürlich, als Klaus Hand seine Schulter drückte; weigerte sich aufzusehen.

 

„Nein. Ich glaube, wir hätten schon längst darüber sprechen sollen.“

 

“Es gibt nichts zu besprechen”, erwiderte Jupp heftig. „Ich bin nicht so... ich bin kein...“

 

„Jupp? Sieh’ mich bitte an.“

 

Er hielt es nicht länger aus und wandte endlich den Kopf, um Klaus anzusehen. „Klaus, bitte.“ Bitte, was? Hör auf? Sprich weiter? Er hatte keinen blassen Schimmer. Aber da war diese Hand auf seiner Schulter und eine Nähe zwischen ihnen, die nichts mit Zentimetern zu tun hatte. 

 

„Muss man Gefühle immer in Kategorien einordnen können?“, sagte Klaus leise. „Muss es immer ein ‚Warum’ geben? Oder ein ‚Weil’, muss da eine Begründung, eine Erklärung sein?“ Seine Hand glitt von Jupps Schultern, seinen Arm entlang, fiel dann weg, zurück an seine Seite. „Es tut mir leid“, sagte er, ohne zu erklären, wofür er sich entschuldigte. Klaus wandte sich endgültig von ihm ab. Und ging Richtung Tür.

 

Es dauerte einen Augenblick, bis Jupp verstand, dass Klaus dabei war, zu gehen. Nicht nur aus dieser Wohnung. Er würde vielleicht ganz verschwinden. Nicht körperlich. Aber das, was Klaus für ihn bedeutete, stahl sich aus seinem Leben. Schritt für Schritt. Die Sicherheit, sich auf ihn verlassen zu können. Halt. Und ja, verdammt, eine Geborgenheit, wie er sie zuvor nur bei Ellen gefunden hatte. Wäre Klaus nicht gewesen, wie hätte er da mit ihrem Tod fertig werden sollen.

 

Er hatte stets davor zurückgescheut, den Gefühlen für Klaus einen Namen zu geben. Und er konnte es auch jetzt nicht. Es würde gegen alles sprechen, was er über sich selbst zu wissen glaubte. Gegen seine tiefsten, verborgensten Überzeugungen. Aber konnte er dastehen und zusehen, wie er aus seinem Leben verschwand? „Bleib.“ Es kam eher als ein Krächzen, als ein Bitten über seine Lippen und er räusperte sich. „Bitte geh’ nicht.“

 

Klaus blieb ein paar Schritte von ihm entfernt stehen und drehte sich zu ihm um. Es brannte kein Licht, nur das was von außerhalb in den Raum fiel und so lag sein Gesicht im Schatten, es war schwer, darin zu lesen. „Ich rufe mir draußen ein Taxi. Holst du mich dann morgen früh wie üblich ab?“

 

Es war eine so banale Frage, dass Jupp ein paar Augenblicke brauchte, um zu kapieren. Rolf hatte Klaus die letzten beiden Wochen vor dem Präsidium abgesetzt, es lag auf dem Weg zu seiner Baustelle. Und an den meisten Abenden hatte er ihn auch abgeholt. Ohne es sich eingestehen zu können, hatte Jupp sich zurückgesetzt und vernachlässigt gefühlt. Sich vorgeheuchelt, dass er Klaus das Glück gönnte und dabei die nagende Eifersucht verleugnet. Zum ersten Mal, seit er Klaus Taube begegnet war, fühlte er sich wirklich allein. Fühlte sich allein und wusste nicht, was er mit diesem Gefühl anfangen sollte.

 

Und jetzt? In der ersten Erleichterung, dass Klaus nicht in die USA gehen würde, schien die Einsamkeit verschwunden zu sein. Nur eine weitere Selbsttäuschung. Da war ein Loch in ihm; eine alte Wunde, die nie ganz heilen wollte. Er war der Junge, der zu früh den geliebten Vater verloren hatte. Er war der Mann, der nur heimlich am Grab seiner Frau um sie trauern und weinen konnte. Er war der Mann, der zusah, wie vielleicht der einzig wahre Freund, den er hatte; wie ein Mensch der ihm bedingungslose Zuneigung entgegenbrachte, aus seinem Leben ging.

 

„Du kannst hier schlafen“, stieß er hastig hervor, als wäre es eine Erklärung; ein zwingender Grund für Klaus zu bleiben. „Ich meine, dein altes Zimmer ist ja immer noch frei.“

 

Klaus sah ihn an. Lange. Dann zog er sein Jackett aus und legte es über den Rücken eines Sessels. Er lockerte und löste seine Krawatte und nahm sie ab, um sie achtlos in die Tasche zu stopfen. Dann trat er wieder zu Jupp. Er blieb weniger als einen halben Meter von ihm entfernt stehen.

 

 

            What if I was good to you
            What if you were good to me
            What if I could hold you
            'til I feel you move inside of me

 

Er packte Jupps Hemd mit beiden Händen, halb ihn zu sich herziehend, ihn halb von sich wegstoßend. Gleichzeitig kam er ihm näher, drückte ihn schließlich gegen die Wand neben dem Fenster. Einen langen Moment starrten sie sich an, beide verblüfft, schockiert, über das was da plötzlich und unerwartet zwischen ihnen geschah.

 

Dann zog Jupp die Arme hinter dem Rücken hervor und legte sie zögernd um Klaus Taille.

 

Klaus Griff lockerte sich, seine Hände lagen einen Moment flach gegen Jupps Brustkorb, dann wanderten sie langsam nach oben, umschlossen Jupps Gesicht. Er beugte sich vor, kam nahe genug, um Jupp zu küssen. „Ich würde dich so gerne küssen“, sagte Klaus leise. „Kannst du mich das tun lassen? Nur einmal?“

 

Hätten die Worte trotz ihrer Absurdität nicht so ernst geklungen, hätte er vielleicht gelacht. Jupp schloss die Augen, sein Kopf schüttelte ein unentschlossenes, halbherziges ‚Nein’.

 

„Nur ein einziges Mal.“ Klaus Daumen rieb über Jupps Unterlippe, der die Augen fester zudrückte. Dann beugte er sich vor und seine Lippen berührten die des anderen Mannes. Sanft. Streiften sie und wichen zurück. Kehrten zurück, blieben diesmal länger. Folgten ihrer Kontur mit der Spitze seiner Zunge. Und die Lippen unter seinen öffneten sich zögernd. Klaus lehnte sich vorwärts, seine Hüften pressten Jupp stärker gegen die Wand, doch sein Kuss blieb sanft und fast scheu.

 

Ein Zittern begann irgendwo in ihm. Oder vielleicht echote er nur ein Zittern wieder, das seinen Ursprung in Jupp hatte.

 

Jupps Finger spreizten sich aus, wie um mehr von ihm zu halten, dann glitt eine Hand nach oben, folgte der Wirbelsäule, legte sich flach zwischen Klaus Schulterblätter, drückte ihn leicht nach vorne.

 

Klaus Mund löste sich von seinen Lippen, liebkoste seine Wange, sein Kinn, seinen Hals. Dann wich er zurück, gab ihn frei. „Danke“, sagte er gepresst, wandte sich ab und trat zum Sofa. Seine Bewegungen ruckartig und angestrengt wie die eines doppelt so alten Mannes. Er setzte sich auf das eine Ende, fiel schwer in die Poster, lag flach auf dem Rücken.

 

Jupp öffnete nach einem Moment die Augen. Und folgte ihn. Er blieb vor dem Sofa stehen und blickte auf Klaus nieder.

 

Und Klaus sah zu ihm auf. Er zögerte, dann rückte er zur Seite, schuf Raum für Jupp, sich neben ihn zu legen. Jupp rollte auf die Seite, ihre Körper berührten sich, er lag halb auf Klaus. Doch die Haltung war verkrampft und ungeschickt, bis sich Klaus unter ihm hervorwand, die Arme öffnete und ihn in eine enge Umarmung zog. Nun fanden sie sich besser aneinander, schmiegten sie sich ineinander wie zwei Puzzleteile.

 

Jupp fand einen komfortablen Platz für sein Gesicht an Klaus Schulter. Er schloss die Augen und sein Atem beschleunigte sich noch ein wenig mehr, als Klaus Hände beruhigend über seinen Rücken glitten. Er fragte sich unwillkürlich, wie sich die Berührung ohne das T-Shirt dazwischen anfühlen würde. Seine Gedanken befreiten sich aus der Lähmung, die ihn seit Klaus Kuss ergriffen hatten und er stützte sich auf einen Ellbogen, um ihn anzusehen.

 

Er lag in den Armen eines anderen Mannes. Er hatte einem Mann erlaubt, ihn zu küssen. Und mehr als das... er wollte noch mehr als das erleben, wenn er sich auch nicht wirklich sicher war, wie dieses ‚mehr’ aussah.

 

Er senkte verwirrt den Kopf, legte ihn auf Klaus Brustkorb, spürte das leichte Heben und Senken mit jedem Atemzug wie ein beruhigendes Schaukeln. Er starrte auf die schmalen Lippen, die seine berührt hatten. Er dachte an die unerwartete, unendliche Zärtlichkeit und Geduld, die in ihrer Berührung gelegen hatte. Dann dachte er gar nichts mehr.

 

Klaus Hand war plötzlich zwischen ihnen, seine Finger pressten leicht gegen Jupps Lippen, stoppten ihn. „Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist.“ Das war es sicher nicht. Aber andererseits schien es auch zu spät, noch vorsichtig zu sein. Vielleicht war es schon von dem Moment an zu spät gewesen, als er die Arme öffnete, um ihn fest zu halten. Vielleicht als sie sich zum ersten Mal küssten. Vielleicht auch schon, als er blieb, statt zu gehen.

 

Es war eher Instinkt, als Wissen, das Jupp dazu brachte, den Mund zu öffnen und Klaus Finger damit zu umschließen. Schockiert spürte er seine Erektion und auch, wie er sich unwillkürlich stärker gegen Klaus Oberschenkel presste. Gleichzeitig öffnete er seine Lippen weiter und sog unsicher an den Fingern in seinem Mund. Klaus holte scharf Atem und bewegte sich leicht unter ihm. Etwas Hartes presste sich gegen seine Hüfte. Er biss sanft in das weiche Fleisch unterhalb des Daumens, ließ dann seine Zunge darüber gleiten. Verblüfft über sich selbst, sah er auf. Klaus Augen hatten sich zu Schlitzen verengt, sein Atem ging rasch, sein Körper war angespannt unter ihm.

 

Jupp senkte hastig wieder den Kopf. Presste einen Kuss auf die empfindliche Mitte der Handfläche.

 

Klaus freie Hand glitt über seinen Rücken, und Jupp seufzte unwillkürlich auf, als sie sich in seinen Nacken legte, seinen Kopf nach unten drückte. Ganz langsam, ganz sanft, glitten seine Lippen über Jupps. Seine Finger lagen leicht in seinem Nacken, beruhigend, warm, hielten ihn. Seine Erektion presste härter gegen seinen Bauch und er schloss die Augen.

 

Der Kuss endete und Klaus sah zu ihm auf. Seine Finger glitten über Jupps Gesicht. Dann beugte er wieder seinen Kopf und sie küssten sich erneut. Die Zurückhaltung wurde durch ein wenig mehr Druck, ein wenig mehr Verlangen verdrängt.

 

Jupp presste seinen Körper enger an Klaus, um mehr von ihm zu spüren. Seine Finger krallten sich in Klaus Hemd, haltsuchend und als der darauf reagierte und ihn enger an sich zog, stöhnte Jupp auf.

 

„Sieh’ mich an.“

 

Es dauerte eine Weile, bis die Worte einen Weg durch den Nebel fanden, der seinen Kopf füllte. Jupp öffnete langsam die Augen.

 

Klaus Lippen streiften seine Stirn. „Das ist keine gute Idee“, flüsterte er, die Stirn gegen die Seite von Jupps Gesicht pressend. „Ich will nicht, dass du etwas tust, das du morgen bereust.“ Er setzte sich auf, seine Arme glitten um Jupps Hüften, um ihn fest zu halten, da die Bewegung ihn fast vom Sofa warf. Dabei streifte eine seiner Handflächen über Jupps Schritt.

 

Jupp stützte seine Hände links und rechts von Klaus Körper auf und stemmte sich ein wenig hoch, die Bewegung schuf einen minimalen Abstand zwischen ihnen.

 

Und wie aus eigenem Antrieb kehrten Klaus Finger zurück, er legte die gewölbte Handfläche über Jupps Erektion, die sich unter seiner engen Jeans überdeutlich abzeichnete. Jupp holte tief Luft und sein Kopf fiel nach vorne, er presste sein Gesicht gegen Klaus Schulter.

 

Er hielt völlig still, nur ein gelegentliches Zittern lief durch seinen Körper, als Klaus seinen Gürtel öffnete, den einzelnen Knopf löste, den Reißverschluss nach unten zog. Sein Atem drang heiß und feucht durch Klaus Hemd, brannte auf seiner Haut. Er schob seine Hand unter den Bund von Jupps Slip und schloss seine Finger um dessen steifes Glied.

 

Mit einem Aufstöhnen rollte sich Jupp über ihn, sein Gesicht presste sich gegen Klaus Hals, dann begann er seine Hüften zu bewegen, sein Glied in den Tunnel zu stoßen, den Klaus Finger für ihn formten. Es endete viel zu rasch. Ein paar Stöße, ein wenig mehr Druck und Jupps Körper spannte sich an. Warme Flüssigkeit lief über Klaus Finger, tränkte sein Hemd.

 

Jupp sank schwer auf ihn herab und er zog sanft seine Hand zurück, hielt ihn fest, als Jupp sich von ihm rollen wollte, hielt ihn eng an sich gedrückt. Jupps Gesicht war noch immer gegen seinen Hals gepresst und er spürte seinen Atem heiß und heftig.

 

Langsam hob er die Hand zum Mund, probierte von der glitzernden Flüssigkeit an seinen Fingern, legte dann den Unterarm über Jupps Rücken und hielt ihn weiter fest. Lauschte darauf, wie Jupps Atem langsamer und flacher wurde, sich schließlich im sanften Rhythmus des Schlafes verlor.

 

Jupps Oberschenkel presste gegen seine Erektion und die kleinste Bewegung steigerte seine Erregung noch weiter. Aber er tat nichts, um sein Verlangen zu befriedigen. Er lag so still wie möglich, hielt ihn fest, lauschte auf seinen Atem, spürte das schwere Gewicht von Jupps Körper auf seinem, bis irgendwann der Schlaf wie ein Dieb über ihn kam und sein Bewusstsein stahl.

 

 

             What if it was paradise
             And what if we were symphonies
             What if I gave all my life to
              find some way to stand beside you

 

Ende