Titel: Reden ist Silber und Küssen Gold

Autor: T’Sihek

Serie: TOS

Paarung: Sc/Mc, K/S

Rating: PG-13, First Time

Zusammenfassung: Meine Antwort auf T'Lens Challenge: Verwendet als ersten

oder letzten Satz "Sei endlich still und küß mich" UND verwendet folgende Wörter: Wurmloch, Schott, Dudelsack, Karotte, Vogel. Mehr wird nicht verraten.

Feedback: Gerne! MCKuppler@t-online.de

Archiv: GermanKS-Story-Archiv und hier: http://de.geocities.com/tsihek

Beta: Liliane

Disclaimer: Spock und Kirk gehören Paramount/Viacom. Der Rest gehört mir und

ich beabsichtige nicht, einen Gewinn daraus zu erzielen – außer Spaß zu

            haben.

            Wer unter 18 ist oder homoerotische Erzählungen nicht mag, sollte bitte

            nicht weiterlesen.

 

 

 

Reden ist Silber und Küssen Gold



"Sei endlich still und küß mich!"

 

"Aber gern." Montgomery Scott stellte seinen Dudelsack zur Seite, warf Uhura, Kirk und Spock einen entschuldigenden Blick zu und beugte sich dann zu McCoy, der ihn bereits bereitwillig erwartete. Die beiden Männer versanken in einem nicht-enden-wollenden Kuß, ihre Tischnachbarn und die Umgebung völlig vergessend.

 

Kirk seufzte erleichtert und griff nach seinem Brandyglas. Er nippte an der bernsteinfarbenen Flüssigkeit und lehnte sich dann zu dem neben ihm sitzenden Vulkanier.

 

"Ich dachte schon, Scotty hört nie damit auf, über seinen Dudelsack zu reden. Warum hat er das Ding eigentlich mitgeschleppt", raunte er kaum hörbar in ein elegant geschwungenes Ohr. Spock würde ihn trotz des Lärmes verstehen, wusste er.

 

Dann setzte er sich wieder auf seinem Stuhl zurecht und sah sich auf dem heute besonders gut besuchten Freizeitdeck um. Es hatte sich sehr schnell herumgesprochen, dass aus dem Chefingenieur und dem Bordarzt, wohl nur für die beiden überraschend, ein Paar geworden war. Alle anderen schienen, den Kommentaren zu Folge, wohl schon immer gewusst zu haben, dass die beiden füreinander bestimmt waren. McCoy hatte sich erst vor einigen Stunden bitter deswegen bei seinem Freund und Captain beklagt. Dieser hatte zur allgemeinen Versöhnung eine spontane Feier vorgeschlagen, was natürlich beide - Scott und McCoy - begeistert aufgegriffen hatten. Und so waren sie jetzt hier...

 

Kirk warf dem stillen Vulkanier neben sich einen Blick zu. Insgeheim wunderte er sich, warum er überhaupt gekommen war. Er wirkte in der inzwischen sehr launigen Stimmung so fehl am Platz wie ein Pinguin in der Wüste. Und er wäre wohl auch nicht gekommen, wenn ihn nicht Scott UND McCoy zu dieser kleinen privaten Feier eingeladen hätten.

Kirk grinste in sein Brandyglas, als er sich daran erinnerte, was überhaupt der Auslöser gewesen war....

 

Sie waren vor einigen Tagen in einem noch unerforschten Gebiet auf ein kleines, aber deswegen nicht weniger gefährliches Wurmloch gestossen. Sie waren zwar nicht in einen anderen Teil der Galaxie versetzt worden, aber das Schiff war dennoch so stark durchgeschüttelt worden, dass nun eine mehrwöchige Reparatur im Raumdock über San Francisco anstand. Was Kirk natürlich sofort genutzt hatte, um einen ebenso langen Landurlaub für seine Crew auszuhandeln. Das HQ hatte sich zwar zunächst gesträubt, aber wer konnte dem legendären James T. Kirk schon etwas ausschlagen, wenn er seinen Charme spielen ließ... Und Kirk wusste das sehr genau.

 

Kirks Gedanken drifteten zurück zu Scott und McCoy... Der Chefingenieur war natürlich wie immer an vorderster Front gewesen, als das Schiff im Einzugsbereich des Wurmloches festgesessen hatte. Ein Schott hatte sich verklemmt und er arbeitete fieberhaft daran, die dahinter eingeschlossenen Crewmitglieder zu befreien. Als dann ein Teil der Schiffshülle in unmittelbarer Nähe stark beschädigt wurde und große Mengen ätzender Kühlflüssigkeit ausgetreten waren, hatte es auch ihn erwischt.

Als McCoy ihn, nur Minuten später, in seine Krankenstation bekommen hatte,  erlebte dieser den Wutausbruch seines Lebens. Er hatte den Chefingenieur wie einen unartigen Schuljungen heruntergeputzt, während er die Verätzungen versorgte. Er steigerte sich so in seine Standpauke hinein, dass ihm irgendwann die Luft weggeblieben war.

 

Scott hingegen, so hatte es eine der Krankenschwestern kurze Zeit später auf dem ganzen Schiff verbreitet, hatte nur schweigend dagesessen, und alles still über sich ergehen lassen. Erst als McCoy irgendwann hatte nach Luft schnappen müssen, hatte er nur ganz ruhig gesagt: "Du hast Recht, Len. Es tut mir leid, dass ich dir solche Sorgen mache."

 

Das hatte wohl dem Bordarzt endlich die Augen geöffnet und sie lagen sich Sekunden später in den Armen, gestanden sich vor aller Augen ihre Gefühle.

 

Kirk seufzte leise. >Das Leben konnte so romantisch sein. Warum passierte so etwas immer nur den anderen, und niemals mir? Irgendwie habe ich es langsam satt, immer nur allein zu sein. Aber solange mir nicht "die" Person über den Weg läuft, werde ich mich wohl mit kurzlebigen Affären begnügen müssen<, sinnierte er.  Unwillkürlich wanderte sein Blick zu Spock. >Irgendwie sieht er heute abend besonders gut aus. Oder kommt es mir nur so vor? Kein Wunder, dass die Hälfte der Frauen an Bord hinter ihm her ist.... und auch einige der Männer, wenn ich richtig beobachtet habe... Er sieht schon verdammt gut aus...<

 

Disharmonische, quäkende Töne ließen den Captain zusammenzucken und er verschluckte sich fast an seinem Drink.

Schnell suchte er nach der Ursache und fand sie in Scotts Dudelsack. Der Schotte hatte es sich nicht nehmen lassen, McCoy noch ein Ständchen auf seinem Lieblingsinstrument zu bringen. Das Ganze hatte sich ja noch recht gut angehört, solange Scott noch nicht angetrunken gewesen war. Doch das war nun schon einige Stunden und etliche Drinks her...

 

Kirk stöhnte leise und verkniff sich ein Kommentar über die nun etwas schräg klingende Melodie. Eigentlich mochte er Dudelsackmusik ja, aber das ging dann doch zu weit. So betrunken war er dann doch noch nicht. Aber er brachte es nicht übers Herz, die mit mehr Enthusiasmus denn mit Können vorgebrachte Melodie zu unterbrechen.

 

Diesen Gefallen tat ihm Uhura.

Sie beugte sich zu Spock, der mit unbewegter Mine an seinem, auch nach fast zwei Stunden noch immer halb vollem ersten Glas Brandy nippte, und raunte ihm etwas ins Ohr.

Der Vulkanier sah sie überrascht an, nickte dann, stand auf und verließ zielstrebig das Freizeitdeck.

 

"Wo will er hin?" Kirk sah Uhura fragend an.

 

"Ich habe ihn gebeten seine Harfe zu holen. Wenn er für die beiden etwas spielt, dürfte das Scott davon abhalten, noch weiter seinen Dudelsack zu quälen."

 

"Harfe?" Das Fragezeichen stand förmlich in Kirks Gesicht und Uhura kicherte leise. Auch sie war schon etwas angetrunken.

 

"Ja, Harfe. Er spielt hin und wieder in seiner Kabine und ich habe eigentlich nur durch Zufall erfahren, dass er überhaupt eine hat. Es... ah, da ist er ja wieder."

 

Sie sah erwartungsvoll zur Tür, durch die Spock eben hereingekommen war, ein seltsam geformtes Saiteninstrument im Arm.

Sofort verstummte der Dudelsack. Ebenso wie die meisten Gespräche im Raum. Der Anblick des stoischen vulkanischen Ersten Offiziers mit einem Musikinstrument war wirklich etwas... nun ja... außergewöhnliches.

 

Spock setzte sich und allmählich verklangen auch die letzten Gespräche, als auch der letzte begriffen hatte, dass nun wohl etwas Besonderes anstand.

 

Der Vulkanier ließ sich davon nicht beeindrucken. Er nickte Scott und McCoy zu, die ihn erwartungsvoll musterten und strich dann, wie zur Einstimmung, sehr zart mit den Fingerkuppen über die Saiten.

 

Einige leise, kaum hörbare Akkorde erklangen. Spock ließ sie verklingen und begann dann übergangslos damit eine fröhliche Melodie zu spielen. Er konzentrierte sich völlig auf sein Spiel, doch jedem, der etwas von Musik verstand, wurde sofort klar, dass Spock soeben ein weiteres seiner unzähligen Talente enthüllt hatte - er spielte meisterhaft.

 

Uhura hob überrascht den Kopf und lächelte dann, als sie die Melodie erkannte. Sie wartete einige Takte ab und stimmte dann leise mit ein. Zwar fielen ihr die vulkanischen Laute etwas schwer, aber das merkte wohl nur Spock.

 

Ihre Stimme und der Klang der Saiten verwoben sich zu einer fast überirdisch schönen Melodie. Kirk schloß fasziniert die Augen. Nur selten hatte er etwa so wunderbares gehört. Er öffnete sie erst wieder, als das Lied verklungen war und brausender Applaus ertönte.

 

Spock sah sich etwas verwirrt um. Damit hatte er wohl nicht gerechnet. Ermutigt begann er, ein weiteres Lied zu spielen.

 

Kirk beobachtete ihn heimlich. Es faszinierte ihn, mit welcher eleganten Leichtigkeit die langen schmalen Finger über die Saiten strichen und ihnen die wunderbarsten Töne entlockten. Er hatte ähnliches schon auf der Brücke gesehen, wenn Spock an seinem Platz an der Wissenschaftlichen Station arbeitete. Ein Schauer lief über seinen Rücken und unwillkürlich begann er sich vorzustellen, wie es ich anfühlen mochte, von diesen sanften Händen berührt zu werden.

 

Er zuckte zusammen, als sich eine schmale Hand auf seinen Arm legte.

 

"Es klingt wunderbar, nicht wahr?"

 

Kirk nickte zerstreut, noch immer nicht ganz ins Hier und Jetzt zurückgekehrt. Er atmete tief durch und konzentrierte sich auf Uhura, die gar nicht zu bemerken schien, dass er mit seinen Gedanken ganz woanders war.

 

"... ein schönes Liebeslied, finden Sie nicht auch?", meinte sie gerade im Plauderton und warf ihm einen Beifall-heischenden Blick zu.

 

"Äh... Liebeslied?"

 

Ihre Mimik wechselte von Beifall-heischend zu erstaunt, dann belustigt.

"Ja, Sir. Dieses Lied und das vorherige waren vulkanische Liebeslieder."

 

"Vulkanische  Liebeslieder?"

 

"Ja, Sir. Sie sind sehr alt, stammen noch aus der Zeit vor Surak, wie es die Vulkanier nennen." Sie lächelte ihn an und beugte sich, nach einer kurzen nachdenklichen Pause vertraulich vor und raunte: "Es gibt sehr viele dieser Lieder. Aber sie sollten erst mal die entsprechende Poesie lesen, Sir."

Dann lehnte sie sich mit einem verschmitzten Lächeln zurück und nippte an ihrem Drink.

 

Kirk starrte sie nur verblüfft an. "Liebesgedichte?" Damit hatte er nun wirklich nicht gerechnet. Er hatte ja schon lange vermutet, dass hinter der stoischen Fassade seines vulkanischen Ersten Offiziers und Vulkaniern überhaupt mehr steckte... aber Liebesgedichte... Nein, damit hatte er nun wirklich nicht gerechnet.

 

Still beobachtete er die eleganten Bewegungen Spocks, der nun eine andere Melodie spielte. Als die letzten Akkorde verklungen waren, sprach er ihn, einer spontanen Eingebung folgend, an.

 

"Mr. Spock. Wie ich aus den Urlaubslisten gesehen habe, hatten sie geplant, den Landurlaub, den die Reparatur des Schiffes zwangsläufig mit sich bringt, in San Francisco zu verbringen. Das ist doch sicher langweilig.

Was halten Sie davon, wenn Sie mich auf meine elterliche Farm nach Iowa begleiten?"

 

Spock sah ihn an, die Brauen überrascht gehoben. Was sollte er darauf antworten? Sicher, er hatte vorgehabt in San Francisco zu bleiben, doch noch nicht so recht gewusst, was er mit seiner freien Zeit hatte tun wollen. Diese Einladung kam nun wirklich überraschend. Zumal er heimlich darüber enttäuscht war, die nächsten zwei Monate allein verbringen zu müssen.

>Feigling<, schalt sich Spock sofort. >Sei wenigstens zu dir selbst ehrlich... du bist enttäuscht, weil du die nächsten zwei Monate ohne Jim verbringen sollst!< Schon längst nannte er den Captain der Enterprise, der ihn vom ersten Tag an verwirrend und gleichzeitig faszinierend in seinen Bann gezogen hatte, bei dieser privaten Form des Namens.

 

Unsicher, was er antworten sollte, senkte Spock den Kopf. Er wollte nicht, dass der Mensch, der ihn leichter als sonst jemand durchschauen konnte, merkte, in welchem Zwiespalt er steckte. Er wünschte sich mehr - sehr viel mehr - doch er war zu unerfahren und zu unsicher in diesen Dingen, als dass er es gewagt hätte, sich Kirk zu offenbaren. Er würde nichts lieber tun, als Kirks Einladung anzunehmen, aber konnte das nicht auch ein Fehler sein? Spock kannte Kirk inzwischen gut genug um zu wissen, dass dieser keine Gelegenheit zu einer Affäre ausließ. Besonders während eines Landurlaubs oder auf den diversen Raumstationen. Und jedesmal wieder versetzte es dem Vulkanier einen Stich der Enttäuschung, wenn er davon erfuhr. Nur zu gerne wäre er an der Stelle jener Frauen gewesen. Aber wie dachte Kirk darüber? Er liebte die Frauen... aber würde er auch einen Mann lieben können? Spock machte sich schon längst keine Illusionen mehr darüber, was er selbst bevorzugte, wenngleich er auch noch keine Erfahrungen gesammelt hatte. Andererseits jedoch schien Kirk der Beziehung von Scott und McCoy sehr offen gegenüber zu stehen. Spock hatte den Eindruck gehabt, dass Kirk den beiden ihr Glück gönnte und keineswegs unangenehm berührt gewesen war, als er davon erfahren hatte.

 

>Wenn ich nun diese Einladung annehme? Wäre es eine Gelegenheit Jim näher zu kommen? Oder wäre es nur eine einzige Nervenprobe?<

 

Kirk beobachtete enttäuscht, wie Spock den Kopf senkte. Von den widerstreitenden Empfindungen, die er mit seiner Frage in dem Vulkanier ausgelöst hatte, ahnte er nichts.

Als Spock keine Anstalten machte zu antworten, und sich das Schweigen zu vertiefen begann, redete er einfach drauf los. Aus irgendeinem Grund wollte er unbedingt, dass Spock mitkam. Also galt es einen logischen Grund zu finden. Mit scheinbar logischen Argumenten hatte er Spock noch immer ködern können, und wenn sie noch so an den Haaren herbei gezogen waren.

 

"Spock. Sehen Sie es doch mal so: Sie haben mir bereits mehrfach bestätigt, dass Sie die Menschen und ihre Lebens- und Verhaltensweisen besser kennenlernen wollen. Das wäre doch die Gelegenheit dafür! Sie würden einige Wochen lang direkt miterleben können, wie das Leben auf einer typischen Farm so abläuft, von den zwischenmenschlichen Interaktionen ganz zu schweigen."

 

Kirk hatte sich beim Sprechen so auf Spock konzentriert, dass er den überraschten Blick McCoys übersah, den ihm dieser bei den letzten Worten zuwarf. Ebenso wie er den folgenden, wissenden Blick zwischen Scott, McCoy und Uhura übersah. Denn jedem der drei war klar, warum es dem Captain so wichtig war, dass Spock mitkam.

 

Spock fand keine Möglichkeit mehr, sich aus der Schlinge zu winden. Wollte es eigentlich ja auch gar nicht. Zögernd nickte er.

"Das wäre wirklich eine gute Gelegenheit meine diesbezüglichen Studien zu ergänzen. Ich denke, ich werde Ihre Einladung annehmen, Captain", erwiderte er förmlich, um über seine gut verborgene Nervosität hinweg zu täuschen.

 

"Fein!" Kirk strahlte und rieb sich die Hände. "Das wird sicher interessant." >Für uns beide<, fügte er in Gedanken hinzu. Hatte er doch so ebenfalls einige Wochen lang ungestört die Möglichkeit dazu, Spock aus der Reserve zu locken. Er freute sich wie ein Schuljunge über Spocks Zustimmung.

 

Spock nickte lediglich und schob seinen Stuhl zurück.

 

"Sie wollen schon gehen? Der Abend hat doch eben erst begonnen." McCoy sah verwundert zu dem inzwischen stehenden Vulkanier auf.

 

"In Lab-4 wartet noch ein Experiment darauf, dass ich es beende und auswerte. Bitte entschuldigen Sie mich. Captain...?"

 

Kirk nickte, seine Enttäuschung hinunter schluckend. Er war angenehm überrascht gewesen, als sich Spock spontan dazu entschlossen hatte, an der Feier teilzunehmen. Jetzt, da er so früh ging, verlor sie auch für ihn selbst merklich an Anziehungskraft.

Er stand ebenfalls auf.

 

"Auf mich wartet auch noch Arbeit. Ich muß noch den Bericht fürs HQ fertig machen. Morgen habe ich sicher keine Zeit dazu. Lt. Uhura..." Er deutete eine leichte Verbeugung an und blinzelte dann Scott und McCoy verschwörerisch zu. "Viel Spaß noch ihr beiden und... gute Nacht."

 

Spock war die besondere Betonung der letzten Worte nicht entgangen, aber er konnte sie nicht einordnen.

 

Kirk streifte ihn leicht am Arm, als er an ihm vorbeiging. "Kommen Sie Spock, überlassen wir die beiden Turteltauben ihrem Vergnügen. Auf uns wartet noch Arbeit."

 

"In der Tat, Sir."

 

Die drei anderen Offiziere blieben schweigend am Tisch sitzen und beobachteten, wie der Captain gefolgt von seinem Ersten Offizier das Freizeitdeck verließ. Schließlich seufzte McCoy, als sich das Schott zischend hinter den beiden geschlossen hatte. "Wann werden es die beiden endlich kapieren?"

 

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Kirk streckte sich und lockerte die verspannten Schultern. Die Sonne schien warm und ein leichter Wind trug den Duft des Sommers mit sich.

 

„Willkommen in Iowa, Mr. Spock.“

Er bedachte den wie immer reservierten Vulkanier mit einem aufmunternden Lächeln. „Entspannen Sie sich. Wie haben fast zwei Monate Zeit, um den Stress der letzten Zeit abzubauen.“

 

Spock nickte nur und stellte seine Reisetasche ab.

 

Kirk seufzte leise. Einmal mehr fragte er sich, weshalb Spock seine Einladung, den wohlverdienten Urlaub mit ihm in seinem Elternhaus zu verbringen überhaupt angenommen hatte. Seit ihrer Abreise vom Schiff wirkte der Vulkanier noch steifer und ablehnender als jemals zuvor.

 

Aus den Augenwinkeln beobachtete Kirk den hochgewachsenen Mann. Spock stand abwartend und nur halbwegs entspannt in seiner üblichen Position – hochaufgerichtet, mit auf den Rücken gelegten Händen – vor dem Warteraum des kleinen Raumhafens seiner Heimatstadt. Das Sonnenlicht schuf bläulich schimmernde Reflexe in dem schwarzen Haar und unwillkürlich wünschte sich Kirk, es berühren zu dürfen. Er war sich sicher, dass es sich wie Seide anfühlen würde. Schwarze vulkanische Seide...

 

Nun, er hatte fast zwei Monate Zeit. Zeit, die er mit Spock verbringen würde. Er hoffte inständig, dass es ihm gelingen würde, die Mauern aus Reserviertheit und zuviel Würde zu durchbrechen, die Spock um sich errichtet hatte. Der Vulkanier faszinierte ihn, und nachdem sich im Lauf des vergangenen Jahres eine zaghafte Freundschaft unter der Loyalität des Offiziers aufgebaut hatte, wünschte er sich mehr davon.  Verträumt betrachtete er die samtige Haut am Hals des Vulkaniers. Jene kleine Kuhle hinter dem Ohrläppchen, in der der rasende Puls sichtbar war...

 

Das ungewohnte anachronistische Geräusch eines Pferdewagens riß ihn aus seinen Träumereien. Seine Mutter hatte zwar zugesagt, dass sie sie beiden würde abholen lassen – die Farm lag einige Meilen außerhalb des Ortes – aber sie hatte nicht erwähnt wie.

Kirk seufzte leise, als er den Wagenlenker, besser gesagt, die Lenkerin erkannte. Fabienne Gordon. Sie hatte die beiden Offiziere entdeckt und lenkte das Pferdegespann geschickt näher. Die beiden völlig weißen Schimmel ließen sich durch den Lärm und den Trubel um sie herum nicht aus der Ruhe bringen. Gordon fuhr oft mit dem Wagen in die Stadt. Wie sie auch sonst einige Gewohnheiten pflegte, die ihr den Ruf eingebracht hatten, eigensinnig, extravagant und etwas verschroben zu sein. Doch wer sie kannte, wusste, dass sie hoffnungslos romantisch und gewissermaßen einige hundert Jahre zu spät geboren worden war.

 

Und Kirk kannte sie.

 

Er warf Spock einen Blick zu und freute sich diebisch über dessen verblüffte Mine, als er merkte, dass sie das Ziel des außergewöhnlichen Fahrzeuges waren. Doch Spock hatte sich sofort wieder unter Kontrolle und wartete völlig gelassen ab.

 

Gordon hielt genau vor ihnen und sprang vom Kutschbock. Sie trug eines ihrer geliebten langen Kleider und Kirk gestand sich heimlich ein, dass es ihr hervorragend stand. Sie war groß und schlank, das lange dunkelblonde, teilweise  von der Sonne gebleichte Haar, war im Nacken zu einem festen Zopf geflochten und fiel weit über ihren Rücken hinab. Der Schnitt des Kleides betonte die schlanke Taille und die langen Beine.

 

„Hallo Jimmy. Lange her, dass du dich hast bei uns sehen lassen.“

Sie grinste ihn fröhlich an und schlug ihm kameradschaftlich auf die Schulter. Eine Geste, die Spock zum Heben einer Augenbraue veranlasste.

 

Dann hob sie die Hand zum vulkanischen Gruß.

"Glück und langes Leben, Commander Spock." Ihr durchdringender, unerschrockener Blick überraschte Spock, als er ihren Gruß erwiderte. Sie musterte ihn, als wollte sie in diesem kurzen Moment alle seine Geheimnisse lüften. Er war fast erleichtert, als sie sich wieder Kirk zuwandte.

 

Die beiden unterhielten sich kurz und Spock schloß aus der Vertrautheit des Gespräches, dass beide sich gut kannten.

Sehr gut kannten...

 

Er seufzte unhörbar und zog sich noch weiter hinter seine Maske der Selbstbeherrschung zurück. Es war ihm klar, dass sie eine weitere von Kirks Eroberungen war. Eine weitere jener Frauen, die ihm so oft Gesellschaft leisteten.

Warum nur hatte er die Einladung angenommen? >Feigling<, schalt er sich kurz darauf selbst. Er wusste sehr genau, warum er der Einladung nicht hatte widerstehen können. Aus dem gleichen Grund, aus dem es kaum etwas gab, was er dem Captain der Enterprise, seinem Freund, hätte abschlagen können. Und der Gedanke, zwei Monate allein in San Francisco zu verbringen, war ihm nicht gerade erstrebenswert erschienen. Als Kirk ihn dann auf jener Feier überraschend eingeladen hatte, hatte er schließlich nicht widerstehen können.

Er war lange genug allein gewesen.

 

Zuerst auf Vulkan, dann später als Student und Offizier auch unter den Menschen. Er fand sich damit ab, zog sich zurück und verbannte seine einsame menschliche Hälfte tief in seine Seele. Aber er hörte nicht auf zu träumen.

 

Bis Kirk das Kommando über das Schiff übernahm...

 

Wie ein Wirbelwind zerfetzte er die bisher als eisern angesehenen ungeschriebenen Verhaltensregeln an Bord. Er warf praktisch alles über den Haufen, was Pike in den Jahren seines Kommandos eingeführt hatte. Sein Führungsstil, seine bedingungslose Loyalität zu seiner Crew, sein unerschütterliches Selbstvertrauen, sein einzigartiges Charisma... Alles zusammen führte innerhalb kürzester Zeit dazu, dass die Crew für ihn durchs Feuer ging.

 

Und er zerbrach Spocks Schneckenhaus.

 

Spock hatte in dem Menschen einen Freund gefunden. Er vertraute ihm, wie er nie zuvor jemandem vertraut hatte. Er bewunderte und verehrte ihn. Nicht nur den Captain James Kirk, sondern auch Jim Kirk, den Menschen...

 

Fabienne Gordons fröhliche Stimme riß ihn aus seinen Gedanken.

„Na los, alles einsteigen. Mom wartet nicht gerne auf ihre Gäste.“

 

Kirk lachte und warf ihre Reisetaschen auf die Ladefläche des Wagens auf der sich schon mehrere sorgfältig verladene Kisten befanden, ohne auf Spocks Reaktion zu warten. Dann schwang er sich hinterher und machte es sich auf einem Stapel Decken bequem.

„Setzen Sie sich nach vorn zu Fabienne, Spock. Ich bin es gewohnt, auf dem Wagen mitzufahren, im Gegensatz zu Ihnen. Und der Kutschbock ist weitaus besser gefedert.“

 

Spock nickte nur und kletterte geschickt nach oben. Dann ließ er sich etwas unsicher neben Gordon nieder. Die Bank war relativ breit und tatsächlich gut gefedert, wie er kurz darauf feststellte. Dankbar registrierte er, dass Gordon jede Berührung vermied. Sie wusste offenbar recht gut über Vulkanier Bescheid.

 

Die Fahrt dauerte nicht lang, zumal die Pferde, einmal außerhalb der Stadt, ein schnelles Tempo einschlugen und mit gelassener Sicherheit über die staubige Straße trabten. Spock betrachtete die weite Ebene, die sich rund um sie herum erstreckte. Weite Felder zogen sich bis zum Horizont, nur unterbrochen von einzelnen, weit verstreut liegenden Farmen. Es war angenehm warm und die Mittagssonne brannte heiß auf ihn herab, half ihm die verspannten Muskeln zu lockern.

 

Kirk beobachtete ihn. Er kannte Spock gut genug, um die oft kaum wahrnehmbare Körpersprache lesen zu können. Und so war ihm nicht entgangen, dass Spock ebenso erschöpft war, wie er selbst.

Dann tauchte plötzlich das Farmhaus hinter einer Hügelkuppe auf und Kirk versank in dem vertrauten Anblick.

Weite Pferdekoppeln umgaben die Gebäude und Dutzende der herrlichsten Tiere tummelten sich darauf.

>Als erstes werde ich Spock das Reiten beibringen<, beschloß Kirk bei sich. Er liebte es zu reiten und es hatte für ihn nie etwas schöneres gegeben, als im schnellen Galopp über die Felder zu rasen. Das wollte er mit Spock teilen.

 

Seine Mutter hatte offenbar den Wagen gehört und erwartete sie bereits, als Fabienne vor der Veranda anhielt.

 

Kirk sprang herunter und begrüßte sie mit einer herzlichen Umarmung. Dann deutete er auf Spock, der ebenfalls abgestiegen war und nun zögernd hinter ihm stand.

„Mom, darf ich dir meinen Ersten Offizier Mr. Spock vorstellen?“

 

Spock trat vor und hob die Hand zum Gruß. „Ich wünsche Ihnen Erfolg und langes Leben, Mrs. Kirk. Und ich möchte Ihnen für die Einladung danken.“

 

Ein wenig unbeholfen erwiderte sie die Geste. „Sie sind in meinem Haus jederzeit Willkommen, Mr. Spock. So wie alle Freunde der Familie. Und nennen Sie mich bitte Winona.“

 

Sie lächelte herzlich und störte sich offenbar nicht im geringsten an der unbewegten Mine des Vulkaniers, wie Kirk erleichtert feststellte. Sicher, er hatte in seinen Briefen immer wieder von Spock erzählt, so wie er auch seine anderen Offiziere erwähnt hatte. Aber er wusste nicht, wie sie auf ihn reagieren würde.

 

„Kommt herein. Ich habe selbstgemachte Limonade und Obst vorbereitet. Ihr seid nach der Anreise sicher hungrig.“

 

Kirk grinste und kam einem Einwand Spocks zuvor, indem er die Hand hob und sich, zu ihm beugend leise flüsterte: „ Sie begrüßt alle Gäste so, ganz egal, wie lang die Anreise war. Selbst wenn wir direkt vor die Haustür gebeamt wären, würde sie gleich reagieren.“

 

Spock nickte verstehend und folgte dann den anderen ins Haus. Es war ein typisches Farmhaus. Als erstes betraten sie einen recht großen Vorraum, von dem mehrere Türen abgingen. Einige davon standen offen. Spock konnte einen schon auf den ersten Blick einladend wirkenden Wohnraum, eine geräumige freundliche Küche mit einem riesigen Eßtisch und einen Raum erkennen, der wohl als Vorratslager diente. Eine Treppe führte ins Obergeschoß.

 

"Kommt, und setzt euch!"

Winona Kirk führte die beiden in die Küche, die sich als sehr geräumig, hell und freundlich herausstellte. Überall standen Körbe voller roter, offensichtlich reifer Früchte herum, die darauf warteten verarbeitet zu werden. Auf dem Tisch standen Karaffen mit Saft, Wasser und Limonade, Gläser und eine große Schale mit Obst.

 

Kirk schnupperte und schloß dann mit einem entzückten Ausdruck die Augen.

„Erdbeeren!“

 

Spock, der direkt hinter ihm stand, nickte bestätigend und deutete auf die Körbe.

„Offensichtlich.“

 

Kirk grinste breit, bückte sich zu einem der Körbe und nahm sich eine Handvoll der Früchte.

„Haben Sie jemals Erdbeeren gegessen, Spock?“ Er schob sich eine Frucht in den Mund und kaute genüsslich.

 

Spock nickte knapp und betrachtete abwesend einen Tropfen Fruchtsaft, der auf Jims Lippen schimmerte.

„Das habe ich bereits mehrmals an Bord der Enterprise.“

 

Kirk naschte eine weitere Frucht und schüttelte den Kopf. „Nein Spock. Ich rede von Erdbeeren! Nicht diese fürchterlichen, gefriergetrockneten oder replizierten Dinger, die auf dem Schiff als Erdbeeren betitelt werden. Ich meine das hier...“ er hielt dem Vulkanier eine besonders große Frucht unter die Nase.

„Frische, rote, süße, sonnenwarme ERDBEEREN!“ 

 

Er hob die Frucht etwas an, damit Spock sie nahm. Der Vulkanier betrachtete sie jedoch nur mit leicht gehobener Braue und schräg gelegtem Kopf. Ganz so, als wäre sie ein exotisches Studienobjekt. Man konnte förmlich sehen, wie es in dem wohlgeordneten Verstand des Vulkaniers arbeitete.

 

Kirk schüttelte mit einem leisen Lachen den Kopf. Dann schob er die Erdbeere kurzerhand in Spocks Mund. Dass er dabei mit den Fingerkuppen kurz dessen Lippen berührte, bemerkte er gar nicht. Spock hingegen schon...

 

„Erdbeeren sind zum essen da, Spock, nicht zum analysieren.“

 

Spock nickte nur, zu aufgewühlt durch den Schauer, der bei der unschuldigen Berührung durch seinen Körper gelaufen war.

 

Winona Kirk hatte die Szene unauffällig beobachtet und dachte sich nun ihren Teil. Jim hatte oft genug in seinen Briefen von seinem Ersten Offizier erzählt. Sie wusste von den leichten Schwierigkeiten, die sie am Anfang miteinander gehabt hatten. Sie hatte quasi miterlebt, wie sie im Lauf der kommenden Monate zu Freunden und Vertrauten geworden waren. Und sie hatte auch das gelesen, was nur zwischen den Zeilen gestanden hatte...

 

Lächelnd deutete sie auf den Tisch.

"Nun setzt euch und nehmt euch, was ihr möchtet."

Sie wartete, bis beide Platz genommen und sich bedient hatten.

"Nun, Jim. Was hast du für die nächsten Wochen geplant? Ich kenne deinen Tatendrang nur zu gut und wäre gern zumindest ein wenig vorbereitet", bemerkte sie mit einem Schmunzeln.

 

Kirk zuckte mit den Schultern, da er schon wieder den Mund voller Erdbeeren hatte. Er schluckte und meinte dann: "Nichts bestimmtes. Die letzten Wochen waren ziemlich hart und ich dachte, wir lassen es mal etwas ruhiger angehen..."

 

"Du und ruhig! Machst du Witze?", wurde er lachend von Fabienne unterbrochen, die jetzt auch hereinkam. Sie nahm sich ein Glas Wasser und setzte sich dann ebenfalls.

"Das wäre das erste Mal, dass du irgend etwas ruhig machst."

 

"Hey, mach' mich nicht schlechter als ich bin!", entgegnete Kirk gespielt entrüstet und warf sich in die Brust. Der freundschaftliche Schlagabtausch machte ihm sichtlich Spaß. "Ich bin ein schwer arbeitender Mann und brauche auch einmal meine Ruhe!"

 

Fabienne lachte schallend. "Na, da übertreibst du ja wohl etwas. Ich gebe dir... sagen wir einen Tag... bis du auf einem der Pferde über die Wiesen galoppierst, oder sonst irgendwas auf der Farm machst."

 

"Sehr witzig! Dies hier ist eine Pferdefarm. Was bitte soll ich denn sonst hier machen?"

 

"Oh, zum Beispiel dich gemütlich in einen Schaukelstuhl setzen, lesen, eine Tasse Tee genießen..." Fabiennes Augen funkelten übermütig über den Rand des Glases hinweg. "Schließlich bist du ja ein schwer arbeitender Mann, der sich dringend ausruhen muss", frotzelte sie.

 

Kirk grummelte etwas und ersparte sich eine Antwort, indem er sich wieder über die Erdbeeren hermachte.

Spock hatte den kleinen Wortwechsel zunächst angespannt, dann interessiert beobachtet. Den dunklen Augen schien nichts zu entgehen und Winona konnte förmlich sehen, wie er aus jedem Wort, jeder Geste Informationen extrahierte. Sein Blick schien die beiden zu durchbohren, doch keiner von ihnen störte sich daran. Fabienne nicht, weil sie es gewohnt war, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Und Jim nicht, weil er mit der Art des Vulkaniers vertraut war.

 

"Okay, wenn du also nicht im Liegestuhl sitzen willst, was hast du dann vor? Und was ist mit Ihnen, Spock?"

 

Der Kopf des Vulkaniers ruckte herum und jetzt sah sich Winona im Fokus seines Interesses.

"Captain Kirk hatte mich eingeladen, damit ich mehr Erkenntnisse über den alltäglichen Ablauf des Farmlebens sammeln kann", antwortete er etwas steif nach einem kurzen Zögern. Auch das sagte Winona mehr, als er vermuten würde.

Sie lächelte freundlich.

 

"Oh. Das dürfte hier kein Problem sein. Mittags essen die Cowboys und Jockeys hier im Haus, morgens und abends sind wir vier unter uns, so wie jetzt. Wenn alle da sind, wird viel über die Farm und alles was damit zusammenhängt gesprochen. Es ist immer eine sehr fröhliche Runde. Da wird es Ihnen sicher nicht langweilig werden."

 

"Spock wird es so schnell niemals langweilig, Mom. Das kannst du mir glauben." Kirk warf seinem Ersten Offizier einen freundlichen Blick zu. "Es gibt, glaube ich, kaum ein Fachgebiet, in dem er sich nicht auskennt. Er gilt nicht ohne Grund als der beste Wissenschaftsoffizier der Flotte", bemerkte er nicht ohne Stolz.

"Und was meine Pläne angeht... ich denke, ich werde Spock erst mal die Farm zeigen. Natürlich nur, wenn Sie einverstanden sind, Spock."

 

Kirk wartete Spocks Nicken gar nicht erst ab, er hatte dessen Zustimmung schon in den dunklen Augen gesehen. Sie verstanden sich, wie immer, wortlos.

Sie standen gleichzeitig auf, nickten den beiden Frauen zu und gingen dann nach draußen.

 

Die nächste Stunde verbrachte Kirk damit, den sichtlich neugierigen Vulkanier auf der Farm herum zu führen. Er zeigte ihm die Ställe, Lagerhäuser, die Reit- und Trainingsanlagen und stellte ihm die Cowboys vor, die ihnen auf ihrer Tour begegneten. Kaum einer von ihnen war schon einmal einem Vulkanier begegnet und so reichten die Reaktionen von neugierig, über erstaunt, bis vorsichtig abwartend und reserviert. Keiner war unfreundlich oder offen ablehnend.

Kirk war darüber angenehm überrascht, hatte er doch eigentlich mit durchaus extremeren Reaktionen gerechnet. Doch nachdem der vierte Cowboy es sich verkniffen hatte, Spock die Hand zu reichen - was sie bei ihm selbst sehr wohl taten! - keimte in Kirk der Verdacht, dass seine Mutter die Männer vorbereitet hatte. Sie selbst hatte immer mal wieder in ihren Briefen nach Spock und der vulkanischen Kultur gefragt und er hatte ihr bereitwillig mitgeteilt, was er wusste.

Kirk schmunzelte still vor sich hin.

 

Was Spock nicht entgangen war.

"Was erheitert Sie so, Captain?", fragte er beiläufig, während sie zu einer der Pferdekoppeln gingen. Kirk wollte ihm dort unbedingt etwas zeigen.

 

"Oh, nichts weiter. Aber darf ich Sie etwas fragen?" Er wartete Spocks Nicken ab und fuhr dann fort. " Wir sind hier nicht auf dem Schiff, sondern haben Landurlaub. Zudem sind Sie hier nicht als mein Offizier, sondern als mein Freund.  Ich möchte Sie deshalb bitten, mich Jim zu nennen. Ich hatte es Ihnen schon mehrmals auf dem Schiff angeboten, nur haben Sie dort leider immer abgelehnt. Warum eigentlich?"

Kirk sah fragend zu dem größeren Vulkanier auf.

 

Spock schwieg zunächst, überlegte sich seine nächsten Worte sehr genau. Wusste er doch inzwischen, dass diese persönlichere Form der Anrede unter den Menschen recht schnell und manchmal aus reiner Gewohnheit gewählt wurde. Allerdings hatte ihn Kirk jetzt schon mehrmals darum gebeten ihn mit "Jim" und "Du" anzusprechen.  >Es muß ihm wirklich wichtig sein. Warum also soll ich ihm diesen Wunsch nicht erfüllen?  

"Der Grund hierfür liegt in den entsprechenden Gepflogenheiten auf Vulkan." Er fing einen überraschten Blick seines Captains auf und fügte erklärend hinzu: "Es gibt auch dort eine persönliche und eine distanziertere Form der Anrede. Die persönlichere wird nur unter Familienangehörigen und sehr engen Freunden verwendet, deutet sie doch eine besondere Form der persönlichen Beziehung an, meist eine telepatische Bindung."

 

Kirk wirkte enttäuscht und sah still zu Boden. "Ach so. Das wusste ich nicht."

 

"Wenn es Ihnen so wichtig ist, Cap... Jim, bin ich aber gerne bereit, die persönlichere Anrede zu verwenden." Spocks Stimme klang leise, abwartend. Er wusste schon längst, dass er sich insgeheim mehr wünschte. Bisher war es ihm durch die förmliche Distanz leichter gefallen, seine Wünsche auch vor sich selbst zu verbergen. >Wie mochte es jetzt werden, da ich diese sprachliche Schranke selbst aufgegeben habe?<

 

Kirks Strahlen, als dieser ihn ansah, wischte alle Bedenken bei Seite. >Es muß ihm wirklich sehr viel bedeuten<, wunderte sich Spock im Stillen.

"Wirklich? Dann freue ich mich noch mehr darüber, jetzt wo ich weiß, welche Bedeutung es für.... dich hat."

 

Ein amüsiertes Funken erschien in den dunklen Augen, als selbst Kirk über die Formulierung stolperte. Kirk grinste breit.

"Komm mit, Spock. Genug der ernsten Worte. Ich habe dort drüben eines der Fohlen meines Lieblingshengstes entdeckt. Du musst dir den Burschen unbedingt ansehen!"

 

Wenige Minuten später standen sie an einer weitläufigen Koppel auf der mehrere Fohlen grasten. Sie waren schon fast ausgewachsen, zeigten teilweise sogar schon die kraftvolle Eleganz der erwachsenen Tiere. Einige von ihnen galoppierten mit übermütigen Sprüngen an ihnen vorbei und die beiden Männer bewunderten still den Anblick.

 

Eines der Fohlen, ein langbeiniger kohlschwarzer Hengst mit seidigglänzendem Fell kam neugierig an den Koppelzaun getrabt und schnupperte an den beiden Männern. Kirk riß einige Büschel Gras aus und hielt es ihm auf der flachen Hand entgegen. Er schmunzelte, als das samtweiche Pferdemaul beim Fressen seine Handfläche kitzelte.

 

"Na, du Hübscher." Kirk lächelte und strich sanft über das weiche Maul des jungen Hengstes. Das Tier ließ sich die Berührung kurz gefallen, warf dann den Kopf nach oben, schnaubte und galoppierte dann wieder zu den anderen Pferden zurück, die nun etwas weiter entfernt auf der Koppel grasten.

 

Kirk lehnte sich bequem auf den oberen Holm des Koppelgatters. Bewundernd ließ er den Blick über die kleine Herde schweifen, doch immer wieder sah er zu dem nachtschwarzen Hengst. Das Sonnenlicht schuf bläuliche Reflexe in dem seidigen Fell und Kirk fühlte sich unwillkürlich an etwas anderes erinnert.

 

Spock schwieg. Er verstand nicht viel von Pferden, doch dem anmutigen Anblick des galoppierenden Tieres konnte auch er sich nicht entziehen.

 

"Ein schönes Tier, nicht wahr?" Winona war ihnen gefolgt und gesellte sich nun zu ihnen. "Er hat sich prächtig entwickelt."

 

"Ja, da hast du Recht, Mom. Wenn er auch nur halb so gut ist, wie sein Vater, wird ein wunderbares Rennpferd aus ihm. Er scheint jetzt schon sehr schnell zu sein und das Training hat noch nicht einmal richtig begonnen."

 

"Oh, er übertrifft jetzt schon alle Erwartungen. Dein Entschluß, ihn für die Zucht vorzusehen, war sicher richtig." Winona sah lächelnd auf ihren Sohn, der die Augen nicht von dem jungen Tier reißen konnte.

 

Der Hengst war der erste Sohn von Jims Lieblingspferd Eternity. Er hatte sich gewünscht, das Fohlen zu sehen, sobald es geboren worden war, doch zu dem Zeitpunkt hatte er gerade eben erst das Kommando über sein Schiff erhalten. Also hatte sie kurzerhand einige Aufnahmen von dem Pferd gemacht und sie ihm geschickt. Und um ihm eine besondere Freude zu machen, sollte er den Namen bestimmen. Was er auch getan hatte. Allerdings wunderte sie sich noch immer über seine Entscheidung.

 

"Was ich allerdings bis heute nicht verstehe ist, wie du auf seinen Namen kommst", bemerkte sie beiläufig. Doch sie ließ weder Jim noch Spock dabei aus den Augen.

 

Kirk zuckte mit den Schultern. "Na ja, es sollte ein 'E'-Name sein, da doch auch Eternity mit 'E' anfängt."

 

"Und? Dann hättest du ihn ja 'Enterprise' nennen können. Damit hatte ich fast schon gerechnet."

 

Das brachte ihr einen verwunderten Blick ihres Sohnes ein. " 'Enterprise', wie mein Schiff... Nein. Das passt nicht zu ihm."

 

"Und warum dann 'Enigma' "?

 

Spock drehte verwunderte den Kopf, als er den Namen des Pferdes hörte. Er bedachte Kirk mit einer leicht angehobenen Braue. " 'Enigma' ist sein Name? Das erscheint mir noch weniger logisch. Was könnte an einem Pferd 'rätselhaft' sein?"

 

Kirk warf Spock aus den Augenwinkeln einen fast unsicheren Blick zu, wie Winona erstaunt bemerkte. Dann zuckte er gespielt locker mit den Achseln.

"Der Name ist mir spontan eingefallen, als ich die Aufnahmen sah. Er hat mich an etwas erinnert und irgendwie passte der Name dazu."

 

Winona legte den Kopf schief, nicht ganz mit der Erklärung zufrieden. Aber sie begann zu ahnen, wen Kirk im Sinn gehabt hatte, als er das Pferd taufte. Und sie musste zugeben, dass der Mann an Jims Seite sehr wohl etwas rätselhaftes an sich hatte. Unauffällig betrachtete sie den Vulkanier, der seine ganze Aufmerksamkeit wieder den Pferden widmete.

 

Er war schlank und hochgewachsen, lange sehnige Muskeln formten einen schönen männlichen Körper. Die kurzen, seidigen schwarzen Haare gaben ungehindert den Blick auf die elegant geschwungenen Ohren frei. Was wiederum die markanten, fast hageren Gesichtszüge und die schrägen Brauen betonte. Er war ein sehr attraktiver Mann und seine ruhige, fast förmliche zurückhaltende Art unterstrich seine natürliche Eleganz. Er strahlte eine natürliche Würde aus.

 

Doch was für sie noch wichtiger war: Er hatte einen guten Einfluß auf Jim. Noch nie zuvor hatte sie ihren Sohn so ausgeglichen und zufrieden erlebt. Das hing sicher nicht nur mit seinem eigenen Kommando zusammen...

 

Ein Reiter hielt unvermittelt neben ihnen und riß sie aus ihren Betrachtungen.

 

"Hey, Jimmy! Habe ich also doch richtig gesehen! Was verschlägt dich denn so plötzlich hierher? Ich dachte, du würdest da oben Klingonen jagen!", wurde Kirk überschwenglich begrüßt.

 

Spock drehte sich verwundert zu dem Neuankömmling um. Es war einer der Cowboys, die auf der Farm arbeiteten. Er hatte ihn bisher noch nicht gesehen aber er wusste sofort, dass ihm dieser Mann unsympathisch war. Doch er konnte nicht sagen, woher diese Empfindung plötzlich kam, zumal er sie kaum benennen konnte, so unvertraut war sie ihm. Er beschloß, das Ganze zunächst nicht zu beachten und sich am Abend beim Meditieren näher damit zu befassen. Möglichst neutral betrachtete er den Mann.

 

Er war schlank, fast zierlich, mit dunklen, schulterlangen Haaren, die er im Nacken zusammengebunden hatte. Er trug die übliche Kleidung: Jeans, T-Shirt und Stiefel, doch im Gegensatz zu den anderen, war seine Kleidung hauteng. Es war - fast - jede Einzelheit seines Körpers erkennbar. Spock wölbte erstaunt eine Braue, als es ihm auffiel.

 

"Pete! Alter Junge! Ich dachte, du wärest in Los Angeles." Kirk strahlte den anderen an und schloß diesen, nachdem der sich vom Pferd geschwungen hatte, herzlich in die Arme.

 

Es versetzte Spock einen Stich, als er das sah und er schluckte trocken. Er verbarg seinen Unmut sorgfältig hinter einer Maske stoischen Gleichmuts, als sich die beiden Männer länger als nötig umarmten, wie er fand.

 

Kirk duldete die Begrüßung, dann hielt er seinen alten Freund auf Armeslänge von sich. Er warf Spock einen kurzen Blick zu, doch der Vulkanier hatte sich hinter seiner vulkanischen Maske versteckt.

 

"Ich bin eben erst zurück gekommen. Das Rennen mit den Neulingen dort war ein voller Erfolg, sag’ ich dir!"

 

Kirk lachte fröhlich. Dann musterte er sein Gegenüber. "Du bist noch immer so schlank, wie früher. Wie schaffst du das bloß? Und erzähl mir nicht, du wärest gewachsen, oder seit wann bist du so groß wie ich?"

 

Pete lachte und deutete auf seine Stiefel. "Na ja, manchmal muß man halt ein wenig nachhelfen. Und der Rest ist Disziplin", klopfte dabei auf Kirks flachen Bauch. "Du hältst dich inzwischen aber auch ganz gut in Form."

 

"Sag' das mal meinem Bordarzt. Der liegt mir ständig mit Diäten im Ohr."

 

Spocks Blick wanderte unwillkürlich nach unten und erst jetzt bemerkte er die hohen Absätze an den Stiefeln. Pete musste um einiges kleiner sein als Kirk.

 

Winona, die die Szene bisher schweigend beobachtet hatte, beugte sich zu Spock und raunte: "Pete ist Jockey. Geringes Gewicht und geringe Körpergröße sind wichtige Voraussetzungen für seinen Beruf."

 

Spock nickte, plötzlich verstehend.

 

Winona lächelte ihm zu und wendete sich dann wieder den Pferden zu. Sie wusste, dass es zwischen Jim und Pete einmal mehr als nur Freundschaft gegeben hatte. Und so war sie nicht über diese Begrüßung erstaunt. Sehr viel interessanter fand sie allerdings die Reaktion des Vulkaniers, so unscheinbar sie auch gewesen war. Ein leichtes Zusammenziehen der schrägen Brauen, ein Muskelzucken in der Wange, das die zusammengebissenen Zähne verriet, der Schritt, der ihn unwillkürlich näher zu Jim gebracht hatte...

 

Sie lächelte still in sich hinein. Es würden sicher zwei interessante Monate werden. Dann informierte sie Jim und Spock, dass es bald Abendessen geben würde.

 

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Spock stellte sein leeres Glas zur Seite und stand auf. „Bitte entschuldigen Sie mich, Winona... Jim. Ich bin müde und werde schlafen gehen.“

 

„Natürlich Spock, geh' nur.“ Jim nickte ihm freundlich zu und sah dem schlanken Vulkanier nach, als er den Raum verließ. Ein feines Schmunzeln lag dabei auf seinen Zügen.

 

Winona wartete, bis sie hörte, dass Spock die Tür des Gästezimmers hinter sich schloß.

„Was ist los, Jim? Den ganzen Abend über beobachtest du Spock. Und ich hatte fast den Eindruck, dass du dir ein Grinsen kaum verkneifen konntest.“

 

Kirk grinste sie breit an und zuckte mit den Schultern. „Na ja. Ich musste die Gelegenheit einfach nutzen. Weißt du.... ich habe nicht sehr oft die Möglichkeit, Spock angetrunken zu erleben. Er ist sonst immer sehr reserviert und fast abweisend, musst du wissen.“

 

„Moment, wieso angetrunken? Wir haben den ganzen Abend über nicht einen Tropfen Alkohol getrunken, auch Spock nicht.“ Die Verwirrung war Kirks Mutter deutlich ins Gesicht geschrieben, als sie ihren Sohn ansah.

 

„Alkohol nicht.... aber Fruchtsirup.“ Kirk hob sein Glas leicht an. „Alkohol hat auf Vulkanier praktisch keine Wirkung... außer dass ihnen schlecht wird. Schon deshalb trinkt Spock praktisch niemals welchen. Fruchtsirup jedoch....“

 

Er ließ die Flüssigkeit im Glas kreisen und betrachtete den hellroten Saft. Dann suchte er abrupt den Blick seiner Mutter. „Du bereitest ihn mit Zucker zu, nicht wahr?“

 

Winona war noch verwirrter, wenn das überhaupt möglich sein konnte. „Ja, das weißt du doch. Sirup besteht nun mal aus nichts anderem als aus Zucker und Fruchtsaft. Aber was hat das mit Spock zu tun, bzw. mit seinem Schwips?“

 

Kirk trank einen Schluck. „Stark zuckerhaltige Getränke und Speisen wirken auf einen Vulkanier wie hochprozentige Getränke auf Menschen – sie werden davon betrunken.“

 

„Oh, davon wusste ich nichts“, meinte sie betroffen und warf einen Blick zur Treppe, wie um sich zu vergewissern, dass Spock nicht dort stand. Dann runzelte sie plötzlich die Stirn. „Hätte er es nicht schmecken müssen, dass Zucker enthalten ist?“

 

Wieder verneinte Kirk mit einem Kopfschütteln. „Eben nicht. Ich hab noch nicht rausgefunden, welche Zuckerarten Spock als süß wahrnimmt und welche nicht. Normaler Zucker gehörte jedenfalls nicht dazu, wie mir scheint. Denn sonst hätte er wohl niemals davon getrunken.“

 

„Du hättest ihn vorher fragen können. Oder ihn zumindest darauf hinweisen, dass in dem Fruchtsirup sehr viel Zucker enthalten ist“, rügte sie scharf.

 

>Oh..oh..< Kirk kannte diesen Tonfall zur Genüge! Er grinste seine Mutter entschuldigend an. „Hey, es ist nichts wirklich Schlimmes passiert. Spock hat lediglich einen leichten Schwips. Vermutlich hat er es gemerkt und ist deshalb so früh zu Bett gegangen. Bevor seine Selbstdisziplin leiden würde...“

 

Doch mit diesen Worten goß er nur noch Öl ins Feuer.

„Ich hatte bisher vermutet, dass du in ihm einen Freund siehst! Soweit ich aus deinen Briefen herauslesen konnte, ist ihm seine Selbstbeherrschung sehr wichtig. Du weißt das und trotzdem spielst du ihm einen so gemeinen Streich. Du solltest dich schämen, James Tiberius Kirk!“

 

Kirk war unter der kurzen aber heftigen Standpauke merklich kleinlaut geworden. >Verflixt... sie hat Recht! Es war wirklich nicht gerade ein Beweis meiner Freundschaft... < Entschlossen stand er auf.

 

„Was hast du nun schon wieder vor?“ Winona musterte ihn verwirrt.

 

„Ich werde mich bei Spock entschuldigen. Das war wirklich nicht fair von mir. Er vertraut mir und ich sollte ihn nicht derartig hintergehen.“

 

„Warte besser bis morgen früh. Ich könnte mir vorstellen, dass er jetzt nicht unbedingt Gesellschaft haben möchte.“

 

Kirk zögerte und nickte dann stumm. „Du hast Recht, Mom. Wie immer. “ Er beugte sich zu ihr und küsste sie auf die Wange, dann ging er zur Treppe.

„Aber ich bin auch müde und wird‘ mich hinlegen. Morgen will ich ja in aller Frühe raus und Spock das Reiten beibringen. Da sollte ich ausgeschlafen sein."

 

Winona lachte leise und winkte ihm mit einer Geste, er solle endlich verschwinden.

 

Auf dem Weg zu seinem Zimmer musste er am Gästezimmer vorbei. Er blieb kurz stehen und lauschte, doch hinter der Tür war alles ruhig. Spock schlief wohl wirklich schon.

 

Er irrte sich.

Spock hatte geduscht und sich dann auf das Bett gelegt. Jetzt starrte er in die Dunkelheit.

Er hatte ziemlich schnell gemerkt, dass in dem Getränk eine hohe Zuckerkonzentration vorhanden war und auch Jims erwartungsvolles Schmunzeln war ihm nicht entgangen. Bereitwillig war er auf das Spiel eingegangen. In Jims Gegenwart fühlte er sich sicher genug.

 

Allerdings war er nicht auf seine eigene Reaktion vorbereitet gewesen. Je mehr er von dem verdünnten, gesüßten Fruchtsaft trank, um so mehr spürte er, wie ihm seine Selbstbeherrschung entglitt. Und fasziniert stellte er fest, dass sich exponentiell dazu Jims Anziehungskraft auf ihn verstärkte. Ein erstaunliches Phänomen. Immer stärker wurde in ihm der Wunsch, Jim nahe zu sein... körperlich nahe zu sein. Nicht nur als Freund und Offizier, sondern...

 

Rigoros unterdrückte er den aufkommenden Gedanken. Er stand auf und trat an das weit geöffnete Fenster. Die Geräusche der nachtaktiven Insekten erfüllten die sternenklare Nacht und ein Windhauch brachte eine leichte Abendkühle ins Zimmer.

 

Gedämpft durch die Tür konnte er das Gespräch von Mutter und Sohn hören. Er wollte nicht lauschen, aber sein ausgeprägtes Hörvermögen ließ ihm keine andere Wahl.

Er hatte Jims Vorhaben sofort durchschaut... wusste er doch längst, wie er den für ihn eigentlich geschmacklosen Zucker in Speisen und Getränken dennoch herausschmecken konnte. Und natürlich war ihm bekannte, woraus Sirup bestand.

Deshalb beschämte es ihn nun, dass sich Jim offenbar Vorwürfe über sein Verhalten machte.

 

Leise Schritte kamen näher und verharrten kurz vor seiner Tür. Spock erstarrte. Er war momentan zu aufgewühlt, um jetzt mit Jim sprechen zu können. Jim rief Gedanken und Empfindungen in ihm wach, die er kaum benennen konnte. Und noch viel weniger würde er sich ihnen jetzt schon stellen können. Doch genau dazu wäre er angesichts seiner durch den Zucker durchlässig gewordenen mentalen Abschirmungen gezwungen.

 

Deshalb atmete er erleichtert auf, als Jim weiterging.

Morgen....

 

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Am nächsten Morgen wurde Spock bei den ersten Sonnenstrahlen von einem Vogel geweckt, der sich ausgerechnet sein Fensterbrett ausgesucht hatte, um dort seinen Morgengesang anzustimmen. Eine Weile hörte er dem Trällern zu. Auf Vulkan gab es keine vergleichbaren Tiere und so faszinierte es ihn immer wieder, dem Gesang der irdischen Vögel zu lauschen.

Im Haus war es noch still und so gönnte er sich den Luxus noch etwas liegen zu bleiben. Mit hinter dem Kopf verschränkten Armen dachte er über den vergangenen Tag nach.

Der angenehm herzliche Empfang hatte ihn überrascht. Ebenso wie die Selbstverständlichkeit mit der die Cowboys ihn begrüßt hatten. So fiel es ihm nicht schwer, sich zwischen den noch unvertrauten Menschen zu entspannen. Vor allem Winona und Fabienne machten es ihm mit ihrer unkomplizierten Art leicht. Ebenso wie Jim erwarteten sie nichts von ihm, was nicht seinem Wesen entsprach, akzeptierten ihn so, wie er war.

Fabienne... Spock war sehr schnell klar geworden, dass zwischen ihr und Kirk einmal mehr gewesen sein musste. Doch was immer es gewesen war, inzwischen verband die beiden offensichtlich nur mehr noch eine, allerdings herzliche, Freundschaft. Eine Freundschaft, in die sich Spock wie selbstverständlich miteinbezogen fühlte. Etwas, was ihm bisher noch nie widerfahren war.

Ganz anders verhielt es sich mit Pete Jankins. Er hatte Spock, als er ihm später am Abend ein zweites Mal allein begegnet war, mit eiskalter Höflichkeit begrüßt. Und auch Spock lehnte den Jockey ab, doch er wusste noch immer nicht, weshalb eigentlich. Sobald er an ihn dachte, spürte er Unmut und den Wunsch näher zu Kirk zu gehen, in sich aufsteigen.

 

Spock schob diese etwas unangenehme Erinnerung beiseite, stand auf und widmete sich dem morgendlichen Badezimmerritual. Dann kehrte er in sein Zimmer zurück und suchte seine Kleidung heraus. Bedächtig legte er sie auf dem Bett zurecht und dankte McCoy im Stillen dafür, dass ihm dieser so lange in den Ohren gelegen hatte, bis er sich bereit erklärte nicht nur normale Standardkleidung, sondern auch die typische Cowboykleidung mitzunehmen: Jeans, Hemd und Stiefel.

 

Jetzt war er froh darüber. Jim hatte am gestrigen Abend verkündet, dass er ihm als erstes das Reiten beibringen wollte. Und je mehr er Spock davon erzählte, um so mehr freute er sich offensichtlich darauf, diesen liebsten Zeitvertreib seiner Kindheit und Jugend mit ihm zu teilen. Sein ungeduldiger Enthusiasmus, ähnlich dem eines Kindes zu Weihnachten, hatte Winona ein helles Lachen entlockt. 

 

>Jim wird überrascht sein, wenn er mich so sieht...< , dachte er, während er sich anzog.

Er wollte gerade das Hemd zuknöpfen, als es an der Tür klopfte.

 

"Spock, bist du schon wach?", erklang leise Kirks Stimme.

 

Spock schluckte trocken, als ihn ein warmer Schauer überlief. Seit wann hatte Jims Stimme eine solche Wirkung auf ihn?

"Ja, komm herein, Jim."

 

Die Tür öffnete sich und Kirk trat ein, das heißt, er wollte es wohl. Doch statt dessen blieb er mit offenem Mund im Türrahmen stehen und starrte verblüfft seinen Freund an. Dann pfiff er leise durch die Zähne.

 

"Wow. Du siehst phantastisch aus!", entfuhr es ihm. Im nächsten Moment überzog eine leichte Röte seine Wangen, als ihm aufging, was er da gerade gesagt hatte.

 

Spock sah an sich hinunter. Er konnte beim besten Willen nichts erkennen, was diese faszinierende Reaktion bei Kirk ausgelöst haben könnte.

Er trug ein, noch immer offenes, cremefarbenes Leinenhemd, schwarze Jeans und ebenfalls schwarze Lederstiefel. Dass die Farben seiner Kleidung allerdings einen wunderbaren Kontrast zu seiner leicht olivgetönten Haut bildeten und sein schwarzes Haar betonten, war ihm nicht bewusst.

 

Kirk schluckte trocken und versuchte seine plötzlich feuchten Hände möglichst unauffällig an seiner Jeans abzuwischen.

Dann fuhr er sich durch die Haare um seine Verlegenheit zu überspielen.

"Ich dachte, wir gehen schon mal runter und frühstücken ohne die beiden Frauen. Dann können wir früher aufbrechen. Mom liebt es ausführlich zu frühstücken und das dauert immer ewig!", platzte er mit dem Erstbesten heraus, was ihm einfiel.

 

"Ich bin einverstanden." Spock knöpfte bedächtig sein Hemd zu und schob es in die Jeans. Mit einer Handbewegung deutete er an, dass er fertig war.

 

Kirk blinzelte und zwang sich dazu, den Blick von Spock loszureißen. >Was ist nur los mit mir? Okay, er ist nicht der erste Mann, der mir gefällt und er wäre auch nicht der erste, mit dem ich ein Verhältnis beginne. Aber er ist VULKANIER, verflixt noch mal! Ich habe keine Ahnung, was er davon halten würde... ich weiß ja nicht einmal, wie er über gleichgeschlechtliche Beziehungen denkt... vermutlich findet er sie völlig unlogisch. Und trotzdem...< Unwillkürlich wanderte sein Blick wieder zu Spock, der inzwischen vor ihm die Treppe hinunterging. Mit den Augen tastete er über dessen Rücken und verharrte dann an dem, durch die enge Jeans besonders betonten, wohlgeformten Gesäß des Vulkaniers.

>Oh verflixt!< Kirk atmete hörbar tief ein, als sich ein wohlbekanntes Kribbeln in seinem Körper bemerkbar machte. >Es ist schon schwer genug, auf der Brücke die Fassung zu wahren, wenn Spock an seiner Konsole steht und mir den Rücken zudreht... und wenn er sich dann auch noch bückt... Wie soll ich nur die nächsten Wochen überstehen? Vor allem, wenn er ständig in dieser Kleidung rumläuft...<

 

Fast wäre er in Spock hinein gerannt, als dieser plötzlich stehen blieb und sich umdrehte. "Stimmt etwas nicht, Jim? Hast du Probleme mit der Atmung?"

 

"Ich... äh. Nein. Es ist alles in Ordnung."

 

"Wirklich?"

 

"Ja."

 

Spock bedachte ihn mit einem sondierenden Blick und ging dann weiter. Diesmal achtete Kirk darauf, das sein Seufzer unhörbar blieb.

 

In der Küche bereiteten sie gemeinsam ein schnelles Frühstück zu, aßen und verließen dann das Haus, bevor ihnen eine der beiden Frauen über den Weg laufen konnte.

 

Winona sah den beiden lächelnd nach. Natürlich war ihr nicht entgangen, dass Jim so schnell wie möglich mit Spock zu den Pferden wollte. Sie hatte auch gar nichts anderes von ihm erwartet. Also hatte sie gewartet, bis beide gefrühstückt hatten, und war erst dann nach unten gekommen. In aller Ruhe brühte sie frischen Kaffee auf und deckte gerade den Tisch neu, als Fabienne hereinkam.

 

Sie schenkte sich eine Tasse Kaffee ein, fügte Milch und Zucker hinzu und rührte dann gedankenverloren um.

 

Langsam trat sie, die heiße Tasse in beiden Händen haltend, an eines der Fenster heran. Draußen herrschte strahlender Sonnenschein und es versprach wieder ein heißer, trockener Sommertag zu werden.

Einige der Pferde waren bereits auf die Koppeln gebracht worden und grasten zufrieden in der Nähe des Zaunes. Zwei Männer standen dort und betrachteten schweigend die Tiere.

Jim und Spock.

 

„Alles in Ordnung, Fabienne?“

 

Sie hob den Kopf, sichtlich aus ihren Gedanken gerissen, als Jims Mutter sie ansprach.

„Mh? Wie... oh... ja. Es ist alles in Ordnung. Guten Morgen, Winona.“

 

Die ältere Frau schenkte sich ebenfalls eine Tasse Kaffee ein und gesellte sich dann zu ihr. Sie nippte vorsichtig an dem dampfenden Getränk und deutete dann mit einer beiläufigen Geste auf die friedliche Szene vor dem Fenster.

 

„Die beiden sind schon früh auf heute. Jim hat gestern abend erwähnt, dass er Spock das Reiten beibringen will.... Ich glaube nicht, dass er da große Schwierigkeiten haben wird.... Spock scheint eine sehr gute Körperbeherrschung zu haben.“

 

„Mhh.... du hast wohl recht“, antwortete Fabienne abwesend. Sie sah noch immer nach draußen. Jim lehnte, wie die anderen Cowboys der Farm in Jeans, Stiefeln und einem einfachen Hemd gekleidet, lässig am Koppelgatter. Spock stand in seiner üblichen Haltung – steif aufgerichtet, die Hände auf dem Rücken verschränkt – schräg hinter ihm. Er trug ebenfalls Jeans, Hemd und Stiefel.

 

„Ich kann mir Spock gut auf der Enterprise vorstellen. Er ist selbst in dieser Kleidung der korrekte Offizier“, bemerkte Fabienne unvermittelt. Sie trank einen Schluck ihres inzwischen nur noch angenehm warmen Kaffees und fuhr nachdenklich fort. „Mit Jim als Captain habe ich allerdings so meine Probleme. Er ist irgendwie immer noch der Draufgänger von früher, der nichts als Unsinn im Kopf hatte.“

 

Winona lachte herzlich. „Du klingst, als wärest du seine Mutter. Aber irgendwie hast du recht.... mir geht es ähnlich. Aber es ist ja genau diese Eigenschaft, die ihn zu so einem guten Captain macht.“

Auch sie betrachtete die beiden so unterschiedlichen Männer, die inzwischen in eine rege Unterhaltung vertieft, den Weg zu den Ställen eingeschlagen hatten.

 

„Ich glaube, sie ergänzen sich recht gut. Dort wo Jim zu sorglos und unbekümmert ist, ist Spock  für ihn da und bremst ihn. Er schreibt in seinen Briefen übrigens recht oft über ihn.“

 

„Wirklich?“ Fabienne drehte sich zu Winona um und leerte ihre Tasse mit einem letzten großen Schluck. „Das hast du bisher noch nie erwähnt?“

 

„Nicht? Oh, ich dachte, ich hätte dir schon davon erzählt.“

Winona warf einen letzten Blick aus dem Fenster und nahm dann am Frühstückstisch Platz. „Komm, setz dich zu mir.“

 

„Was schreibt er denn so über Spock?“

 

„Viel. Er berichtet über seine Erlebnisse auf den Planeten, auf dem Schiff, bei den einzelnen Missionen... zumindest das, was keiner Geheimhaltung unterliegt. Und immer ist Spock dabei.“

Sie bestrich eine Scheibe Brot in ihrer üblichen, bedächtigen Art, zunächst mit Butter, dann mit frischer Konfitüre. Den erwartungsvollen, neugierigen Blick Fabiennes ignorierte sie dabei geflissentlich.

 

„Und?“, fragte diese schließlich, als es ihr zu lange dauerte. Geduld war noch nie ihre Stärke gewesen.

 

Winona lächelte, biß ab und kaute genüsslich. Es machte ihr immer wieder Spaß, Fabienne auf die Folter zu spannen. Schließlich schluckte sie, trank einen Schluck Orangensaft und lehnt sich dann ein wenig in ihrem Stuhl zurück.

 

„Nun ja. Er schreibt über ihre gemeinsamen Abende, die sie mit Schach spielen oder Reden verbringen. Sehr oft übrigens, wie mir scheint. Hin und wieder ist auch McCoy, der Bordarzt, oder Scott, der Chefingenieur dabei. Aber den größten Teil seiner Freizeit verbringt er mit Spock, wie mir scheint. Und er macht sich immer große Sorgen, wenn der Vulkanier krank ist oder verletzt wurde. Vor allem dann, weil es geschah, weil er Jim mal wieder aus einer gefährlichen Situation gerettet hatte. Hin und wieder ist auch mal eine Andeutung auf eine seiner unzähligen Affären dabei. Aber immer wieder kommt er auf Spock zu sprechen.“

 

Fabienne beugte sich gespannt vor. „Das ist noch nicht alles. Komm schon, ich kenne dich doch. Erzähl mir auch den Rest.“

 

Winona sah ein weiteres Mal aus dem Fenster. Von Spock oder Jim war weit und breit nichts zu sehen.

„Na ja. Das was er schreibt, ist alles sehr interessant und unterhaltsam. Aber wichtiger ist das, was zwischen den Zeilen steht...“

 

Sie begegnete Fabiennes Lächeln mit einem stillen Nicken.

 

„Du glaubst also auch, dass er für Spock mehr als nur Freundschaft empfindet?“

 

Winona zuckte mit den Schultern. „Darüber kann ich mir... noch... kein Urteil erlauben. Die beiden sind erst seit gestern hier. Aber was ich bisher weiß, ist, dass Spock das Beste ist, was Jim jemals passieren konnte. Ich habe ihn niemals zuvor so gelöst und zufrieden erlebt. Was auch immer zwischen den beiden ist.... es tut Jim gut.“

 

Fabienne nickte, zufrieden darüber, eine Bestätigung ihrer eigenen Einschätzung erhalten zu haben. „Das finde ich auch.“

Dann hob sie fragend den Blick. „Wenn da mehr zwischen ihnen wäre... würde es dir etwas ausmachen?“

 

Winona betrachtete das Muster der Tischdecke, zuckte dann mit den Schultern. „Nein, nicht wirklich. Sicher, welche Mutter wünscht sich keine Enkelkinder von ihren Kindern. Aber ich habe ja Peter. Viel wichtiger ist mir jedoch, dass Jim glücklich ist und Spock ist die Person, die es schafft, Jim glücklich zu machen. Und die  Tatsache, dass beide Männer sind.... tja, damit müssen sich die beiden arrangieren. Das ist nicht mein Problem.“

Sie schmunzelte fast übermütig und widmete sich wieder ihrem Frühstück.

 

Ihr Gespräch wendete sich anderen, die Farm betreffenden Themen zu, doch der Gedanke ließ Fabienne nicht los.

Immer wieder sah sie in Gedanken die beiden Männer an der Koppel stehen. Sie war sich nicht sicher, wie ernst es Jim wirklich war. Aber dass Spock sich mehr von Jim erhofft, war ihr recht schnell klar geworden. Sie hatte die Blicke des Vulkaniers gesehen, die er Jim zuwarf, wann immer er sich unbeobachtet glaubte.

 

Nun, es hatte einmal mehr zwischen ihr und Jim gegeben. Aber damals waren sie beide noch halbe Kinder gewesen. Sie hatten schnell gemerkt, dass sie sich als Freunde weitaus besser verstanden, und so war aus ihrer kurzen, stürmischen Beziehung eine innige, herzliche Freundschaft geworden, die ihr auch von Winona entgegengebracht wurde. Es  gefiel ihr auf der Farm, so dass sie, wann immer es ging, hergekommen war.

Als dann Winona dringend jemanden brauchte, der ihr im Haus zur Hand ging, hatte sie sich angeboten. Und so war sie schließlich hiergeblieben. Sehr zum Verdruß ihrer Eltern, die eigentlich andere Pläne als die einer Haushälterin auf einer Farm für sie gehabt hätten. Aber es war das, was sie wollte und sie fühlte sich wohl mit ihrem Entschluß.

 

Jim hatte sich für ein Leben zwischen den Sternen entschieden. Er hatte schon immer davon geträumt, wie sie wusste. Und sie war durchaus stolz über das, was er innerhalb so kurzer Zeit erreicht hatte.

>Jetzt fehlt ihm nur noch ein Partner an seiner Seite, der sein Leben mit ihm teilt. Und warum um alles in der Welt sollte das nicht Spock sein? Er passt zu ihm, sie mögen sich und... ich mag ihn>, stellte sie leicht überrascht fest. >Nun, die beiden sind ja fast zwei Monate hier. Da sollte es doch möglich sein, die beiden zusammen zu bringen. Bei Jim weiß ich ja, dass er auch Männer mag... aber Spock... hmm... so wie es scheint... mal sehen, da fällt mir doch sicher was ein...<

 

[][][][][]

 

"Okay, Spock. Dann wollen wir mal."

 

Kirk musterte den abwartend neben den gesattelten Pferden stehenden Vulkanier. Er hatte ihm eines der eher ruhigen Tiere gegeben, damit es für ihn als Anfänger nicht zu gefährlich werden würde. Mit einem Sturz vom Pferd war nicht zu spaßen, wie Kirk aus eigener, schmerzhafter Erfahrung wusste.

 

Mit einigen Worten erklärte er dem Vulkanier, wie er Aufsitzen und sich dann zurechtsetzen sollte. Wenn schon, dann sollte er es gleich von Anfang an richtig lernen!

 

Spock tat wie ihm geheißen und stellte sich dabei überraschend geschickt an. Kirk hatte auch gar nichts anders erwartet. Dennoch gab es eine Kleinigkeit zu korrigieren und er wollte diese Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen lassen...

 

"Mhhh, du hast gut zugehört. Aber die Position der Beine stimmt noch nicht ganz. Warte, ich zeige es dir."

 

Bevor ihn sein Mut verlassen konnte, trat er neben den Vulkanier und schob dessen Knie und Unterschenkel umständlicher als nötig in die richtige Position. Spock, der nicht darauf vorbereitet war, zuckte zusammen, als ihn die kühlen Hände berührten. Ein angenehmer Schauer lief durch seinen Körper. Sein Blick huschte zu Kirk, doch der schien nichts bemerkt zu haben.

 

"Gut dann wollen wir mal." Kirk saß ebenfalls auf und zeigte ihm dann, was er zu tun hatte. Eine gute Stunde später war Kirk zufrieden.

 

"Du lernst sehr schnell, Spock. Doch jetzt lassen wir es mal mit der Theorie genug sein. Wie wär's statt dessen mit einem kleinen Ausritt?"

 

"Sehr gern, Jim." Spock sah ihn an und für einen kurzen Moment huschte jenes seltene, scheue Beinahe-Lächeln über sein Gesicht, dass er nur Kirk sehen ließ.

 

Ihre Blicke verfingen sich, tauchten kurz ineinander. Doch dann wandten beide den Kopf ab, verwirrt über die Empfindungen die plötzlich in ihnen aufstiegen. Sie waren beide sorgsam darauf bedacht, sich nichts anmerken zu lassen.

 

"Gut... äh... Ja, was hältst du davon, wenn wir ein Lunchpaket mitnehmen? Dann können wir uns Zeit lassen."

 

"Auch das ist eine gute Idee." Spock hoffte inständig, das Jim das leichte Zittern in seiner Stimme nicht auffiel.

 

Als Kirk wenige Minuten später wieder zurückkam, hatte Spock wieder zu seiner üblichen Gelassenheit gefunden. Sie verstauten Essen und Getränke in den Satteltaschen und verließen dann in gemächlichem Tempo die Farm.

 

Kirk ritt voran und führte ihn auf einen schmalen Pfad, der offensichtlich oft von Reitern benutzt wurde. Er führte an weitläufigen Koppeln und Getreidefeldern vorbei zu einem kleinen See inmitten blühender Wiesen. Dorthin wollte Kirk.

 

Sie ritten schweigend, jeder in seinen Gedanken vertieft. Doch als der Weg breiter wurde, schloß Spock zu Kirk auf, so dass er neben ihm reiten konnte. Die Ruhe, die Wärme der Sonne und das gleichmäßige, geruhsame Tempo der Pferde sorgten dafür, dass er sich merklich entspannte. Und Kirks Gegenwart tat ein übriges.

Kirk riskierte einen etwas längeren Seitenblick.

 

>Ob es wirklich eine so gute Idee war, zum See zu reiten? Dort ist es ziemlich einsam und ich bin mir nicht sicher, ob ich mir selber trauen kann. Einerseits würde ich ihn ja liebend gern verführen, aber der Himmel mag wissen, wie er über so etwas denkt. Bei jedem anderen würde ich es einfach riskieren.... aber unsere Freundschaft deswegen aufs Spiel setzen... so wie ich ihn kenne, würde er es fertig bringen, sofort den Dienst zu quittieren... Oh, verflixt! Wenn Spock doch nur nicht so verdammt gut aussehen würde in dieser engen Jeans...<

 

"Gehört das gesamte Land zur Farm?"

 

Kirk sah überrascht auf, als ihn Spocks Frage unvermittelt aus seinen Tagträumereien riß.

 

"Ein großer Teil, aber nicht alles, was du hier siehst. Ein Teil der Felder gehört schon den nächsten Nachbarn", antwortete er eher geistesabwesend, während sein Blick an Spocks Hüfte klebte, die sich, den Bewegungen des Pferdes folgend, geschmeidig vor und zurück bewegte. Er schluckte trocken und ein wohlbekanntes Sehnen machte sich in seinem Körper breit.

>Mist! Ich muß mich ablenken... irgendwie... bevor er noch was merkt!<

 

Der Weg führte jetzt durch weite Wiesen und in einiger Entfernung konnte man bereits den See erkennen.

Kirk hob den Arm und deutete hinüber. "Schau mal, Spock. Ich dachte, wir könnten am See eine Rast einlegen und dort Essen. Wie wär's mit einem Wettrennen? Das Seeufer ist das Ziel."

 

Statt einer Antwort beugte sich Spock leicht vor und gab seinem Pferd die Zügel frei. Kirk folgte sofort und gemeinsam galoppierten sie zum See.

 

"Hey, nicht schlecht für einen Anfänger!" Kirk war etwas atemlos, als er gleichzeitig mit Spock das Ziel erreichte. Aber der kurze schnelle Ritt hatte genügt, um seine Gedanken abzulenken.

 

"Komm, essen wir was."

 

Sie lockerten die Sattelgurte, banden die Pferde an und ließen sie grasen. Dann setzten sie sich in den Schatten einiger Bäume und machten sich über das Essen her, plauderten dabei über das Schiff und die Farm.

 

Spock bewegte sich etwas ungelenk, was Kirk mit einem versteckten Grinsen registrierte. Auch ihm taten von der ungewohnten Beanspruchung gewisse Körperteile weh. Er reckte sich gähnend und ließ sich dann ins weiche Gras fallen.

 

Spock hockte neben ihm, die Beine angestellt und die Arme darum geschlungen. Nachdenklich sah er über den See. Das fast grelle Sonnenlicht schuf blitzende Reflexe auf der spiegelglatten Oberfläche. Kein Windhauch kräuselte die Wellen.

 

"Jim, ist diese stille Luft typisch für diese Jahreszeit?"

 

"Ja und Nein", brummte Kirk schläfrig. Er war schon fast eingeschlafen. "Es ist sehr heiß und schwül, dazu windstill... so wie es aussieht, gibt es wohl gegen Abend noch ein Gewitter. Aber da sind wir längst wieder zurück. Hast du was dagegen, wenn ich etwas wegdöse?"

 

"Nein, schlaf ruhig." Spock fühlte sich ebenfalls schläfrig und legte sich neben Kirk ebenfalls ins Gras. Wenige Augenblicke später waren sie beide eingeschlafen.

 

Einige Zeit später wurde Spock von kühlen Windböen geweckt. Er schlang aus einem Reflex die Arme um sich, um sich gegen die plötzliche Kälte zu schützen und setzte sich auf. Kirk hatte sich neben ihm eng zusammengerollt und schlief noch tief.

Spock berührte ihn sanft an der Schulter.

 

"Jim... Jim, wach auf. Wir müssen zurück."

 

Kirk war sofort hellwach. Er sah sich um, sprang dann hastig auf. "Ja, verflixt. Das sieht nicht gut aus. Wir müssen uns beeilen, wenn wir noch vor dem Gewitter wieder auf der Farm sein wollen!"

 

Dunkle, schwere Wolken zogen tief über den Himmel, von immer kälter werdenden Windböen getrieben. Das Wasser des Sees wurde aufgepeitscht und kleine, gischtende Wellen klatschten an das Ufer. Die Pferde zerrten unruhig an ihrem Zaumzeug, mit dem sie an einem Baumstamm angebunden waren. Auch ihnen gefiel das Wetter nicht.

 

Schnell packten die beiden Männer die Überreste ihrer Malzeit wieder ein und saßen dann auf.

 

"Wir sollten galoppieren, so lange es geht", meinte Spock, mit einem besorgten Blick nach oben. Er mochte Wasser nicht besonders, stammte er doch von einem fast wasserlosen Wüstenplaneten. Und kaltem Regenwasser ging er deshalb, wo es ging, aus dem Weg. Kirk konnte ein Grinsen nicht unterdrücken, wusste er doch, wie wasserscheu sein vulkanischer Freund war.

 

"Okay. Aber sobald es anfängt zu regnen, werden wir langsamer reiten müssen", warnte er ihn vor. "Der ausgetrocknete Boden kann das Wasser nicht schnell genug aufnehmen und wird sehr matschig und gefährlich rutschig, besonders für die Pferde."

 

Dann stoben sie, quer über die Wiese, davon. Sie waren noch nicht sehr weit gekommen, als die ersten dicken Tropfen fielen. Es wurden schnell mehr und innerhalb von Minuten verwandelte sich der festgetretene Weg, wie von Kirk prophezeit, in ein schlammiges Ungetüm. Es wurde zu gefährlich jetzt noch schnell zu reiten. Widerwillig verlangsamten sie das Tempo.

 

Dann zuckten, nicht weit von ihnen, die ersten Blitze vom Himmel und der Donner grollte überlaut, wie es ihnen erschien. Kirk erhöhte automatisch die Kontrolle über sein Pferd. Aber Spock, der diese Reflexen noch nicht besaß, verlor fast den Halt, als sein Tier plötzlich scheute. Nur ein schneller Griff Kirks in die Zügel verhinderte, dass es ausbrach. Er warf einen raschen Seitenblick auf den sichtlich erschrockenen Spock.

 

"Alles Okay?"

 

Spock nickte nur und versuchte, wieder die Kontrolle über das Pferd zu bekommen, was ihm nur halbwegs gelang. Auch Kirks Pferd begann unruhig zu tänzeln, strebte immer schneller dem sicheren Stall entgegen. Kirk fluchte halblaut. Sie ritten jetzt zwischen hohen Koppelzäunen hindurch, konnten also nicht auf sichereren Grasboden ausweichen.

 

Dann waren sie endlich an den Koppeln vorbei. "Los, quer über die Wiese. Wir nehmen eine Abkürzung."

Kirk hoffte inständig, dass er sich noch an den richtigen Weg erinnerte, und ihnen kein Hindernis in Form einer Koppel Probleme machen würde.

 

Sie hatten Glück.

 

Triefend nass, frierend und im Falle von Spock, unkontrolliert zitternd erreichten sie  wenige Minuten später die Farm. Einer der Cowboys nahm ihnen die Pferde ab.

 

"Los, Spock. Du musst schnellstens in Warme."

 

Kirk packte den zitternden Vulkanier ohne Umschweife am Arm und zog ihn ins Haus und die Treppe nach oben. Dann dirigierte er ihn wortlos in sein Badezimmer.

 

Spock merkte es. "Jim... was..."

 

"In meinem Bad ist eine Badewanne und das ist die beste Möglichkeit, dich jetzt so schnell wie möglich wieder warm zu bekommen. Glaub mir einfach und zieh die nassen Sachen aus!"

 

Noch während er sprach, begann er damit, ein heißes Bad einzulassen.

Spock kannte diesen Ton und fügte sich widerspruchslos. Ihm war viel zu kalt, um zu diskutieren. Aber als er die Wassermenge bemerkte, die inzwischen die Wanne füllte, konnte er sich ein Kommentar dennoch nicht verkneifen.

 

"Jim. Es ist völlig un...sinnig, so viel Wasser... zu verschwenden. Im... Badezimmer neben dem Gäste...zimmer ist eine Dusche, wie du weißt. Es... würde völlig genügen..."

 

Er erntete einen unwilligen Blick von Kirk. "Nichts da! Wir sind weder auf dem Schiff, noch auf Vulkan, wo Wasser wirklich kostbar wäre. Aber hier auf der Erde gibt es mehr als genug davon."

 

Spock  versuchte immer noch mit klammen Fingern, die widerspenstigen Knöpfe an seinem Hemd zu öffnen. Kirk bemerkte es und schob die kalten Hände beiseite.

 

"Jim... ich kann allein..."

 

"Ja sicher. Und Schweine können fliegen!"

 

"Das ist eine... völlig un...logische Aus...sage, die nichts... damit zu... tun hat, dass...ich durchaus... in der Lage... bin, mich... selbst..."

 

"Ja Spock. Ich weiß. Aber du kannst ja inzwischen vor Zittern kaum sprechen, geschweige denn dich ausziehen!" bemerkte Kirk grinsend und schob die triefendnasse Jeans die langen Beine hinunter.

>Oh verdammt! Ich hätte nie vermutet, dass er keine Unterwäsche trägt... Ich muß hier raus, bevor... nicht hinsehen, James... nicht hinsehen!<

 

Trotzdem konnte er es sich nicht verkneifen, einen Blick zu riskieren. >Wow! Er sieht noch besser aus, als ich es mir vorgestellt hatte... nichts wie raus hier! Sonst merkt er noch was...<

 

Kirk betete still, dass Spock nichts von den Veränderungen mitbekam, die seinen Körper erfaßt hatten, und dirigierte den nackten Vulkanier zur Badewanne.

"Kommst du allein klar? Ich sollte auch sehen, dass ich in trockene Sachen komme."

>Ich will ihn! Jetzt, hier und sofort. Und es ist mir verdammt noch mal völlig egal, ob so eine Beziehung auf Vulkan üblich ist oder nicht!<

Er wollte schon die Hand nach Spock ausstrecken, als ihm der eine Punkt bewusst wurde, weshalb er bisher stets gezögert hatte. >Ich weiß noch immer nicht, wie Spock darüber denkt, was er empfindet. Wenn er sich überrumpelt fühlt, verläßt er garantiert das Schiff! Ich muß also vorsichtiger vorgehen...<

"Wir sehen uns beim Abendessen", verabschiedete er sich betont fröhlich.

 

Spock nickte und ließ sich in das für ihn angenehm heiße Wasser sinken. Kirk hatte sich fast verbrüht, als er die Temperatur prüfen wollte. Von der Gedankenflut hinter Kirks Stirn ahnte er nichts.

Er stellte überrascht fest, dass Jim Recht gehabt hatte. Die Wärme des Wasser wärmte ihn schneller, als es eine Decke vermocht hätte. Zudem gelang es ihm so leichter, die erschöpften Muskeln zu entspannen.

Etwas Schaum trieb auf dem Wasser und ein angenehm würziger Duft stieg davon auf. Spock schnupperte und erkannte das von Jim bevorzugte Duschgel. Entspannt rutschte er bis zum Hals ins Wasser und lehnte sich dösend zurück.

 

Er konnte Jim nebenan in seinem Zimmer rumoren hören. Dann erklang plötzlich eine Stimme, Jim lachte amüsiert, plauderte mit seinem Besucher. Doch er war so leise, dass Spock ihn trotz seines guten Gehörs nicht verstehen konnte.

Was jedoch nicht für die zweite Person galt... Spock wurde es trotz des heißen Wassers eiskalt, als er die nächsten Worte des Mannes - leider viel zu deutlich - verstand.

 

"Hey Jim, das tut gut, nicht wahr? Weißt du, dass ich dich vermisst habe? Es ist viel zu lange her, dass wir miteinander im Bett waren, stimmt's?" Er murmelte noch etwas, doch Spock hatte genug gehört.

 

Pete Jankins! Jetzt wusste er, warum er den Jockey instinktiv abgelehnt hatte.

Wieder erklang Jims Lachen, schnitt wie ein Messer in Spocks Herz. Er wusste jetzt zwar, dass Kirk auch Männer mochte, aber er hatte dennoch keine Chance. Dieses Wissen machte es ihm jetzt nur noch schwerer. Da war ein anderer!

 

Mit mechanischen Bewegungen stieg er aus dem Wasser und trocknete sich ab. Dann streifte er, in Ermangelung eigener Kleidungsstücke, Jims Bademantel über und ging in sein Zimmer.

Dort riß er ihn sich vom Körper und warf ihn, plötzlich unfähig sich zu beherrschen, zusammengeknüllt in eine Ecke des Zimmers. Innerlich völlig taub zog er sich an und kniete sich dann auf den Boden.

>Meditation... nur so kann ich unter Kontrolle bekommen, was ich für Jim empfinde... er darf es nie erfahren... <

 

Er erreichte fast sofort die erste Stufe, doch dann trieben ungefragt Bilder von ihrem Ausflug in ihm hoch. Jim... in engen Jeans... ausgelassen lachend... Jims kühle Hände, als er seinen Sitz korrigierte... Jim neben ihm im Gras... blondes, zerzaustes Haar, in dem die Sonne goldene Reflexe aufblitzen ließ... die prickelnden Empfindungen in seinem Körper, seinem Becken wann immer Jim ihn unabsichtlich berührte...

 

Frustriert brach Spock die Meditation ab. >Vielleicht ist es das Beste, wenn ich abreise... Jim und Pete sind wohl ein Paar... und dieser Pete hat ältere Rechte... ich kann und  darf nichts von Jim fordern...<, überlegte er. Dann begann er bedrückt seine Sachen wieder einzupacken.

 

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Fabienne lugte neugierig aus der Küche, als innerhalb weniger Minuten erst Kirk und Spock tropfnass nach oben stürmten und dann ein Dritter ihnen folgte.

>Moment, das war doch eben Pete? Was will er denn jetzt wieder?<

 

Mit einem unguten Gefühl deckte sie weiter den Tisch für das Abendessen, lauschte dabei ständig auf neue Geräusche im Treppenhaus. Und so entging ihr nicht, dass Pete wenige Minuten später wieder herunter stürmte.

Sie stellte sich ihm in den Weg.

 

"Hallo Pete! Was ist denn los?"

 

"Geht dich das irgendwas an, Miss Naseweis?!", schnappte er unfreundlich und wollte sich an ihr vorbei drängen. Sie hielt ihn am Arm zurück.

 

"Vielleicht schon. Immerhin hast du in Jims Zimmer nichts mehr verloren", giftete sie nicht weniger scharf zurück.

 

Sie hatten sich noch nie besonders gut leiden können und die Tatsache, dass sie beide einmal mehr mit Jim geteilt hatten, vertiefte ihre Freundschaft auch nicht gerade.

 

"Ich kann Jim besuchen, wann immer ich will!"

 

"Ach, und warum gehst du dann nach so kurzer Zeit wieder? War er... beschäftigt?"

 

"Häh? Kannst du dich klarer ausdrücken?" Er riß sich unwillig los. "Womit sollte er denn beschäftigt gewesen sein? Wo möglich mit diesem spitzohrigen Kühlschrank? Ach... das geht dich doch überhaupt nichts an!"

 

Mit einem wütenden Schnauben drehte er sich um und stürmte aus dem Haus. Fabienne sah ihm kurz nach, dann wanderte ihr Blick zur Treppe.

>Was sollte das nun wieder? Wenn er wirklich bei Jim war, warum ist er dann so schlecht gelaunt? Ob Jim ihn wohl rausgeschmissen hat? Nun, es gibt wohl nur einen Weg das herauszufinden!<

 

Entschlossen ging sie nach oben.

 

Etwas zögernd blieb sie kurz danach vor Jims Tür stehen. Dann atmete sie tief durch und klopfte energisch.

Die Tür blieb verschlossen, doch von drinnen hörte sie Kirks eindeutig wütende Stimme. "Verschwinde Pete und laß mich in Ruhe. Es ist aus! Akzeptiere das endlich, oder brauchst du es schriftlich!"

 

Sie begann breit zu Grinsen. >Okay, DAS erklärt alles.<

Ohne sich zu erkennen zu geben, wich sie von der Tür zurück. Sollte Jim doch glauben, Pete wäre noch mal zurückgekommen!

 

Ihr Blick fiel auf die Tür des Gästezimmers, in dem Spock untergebracht war und eine Idee begann sich in ihrem Kopf zu formen.

 

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Spock ignorierte das leise Klopfen zunächst. Doch wer immer auch zu ihm wollte, war sehr hartnäckig, so dass er schließlich doch öffnete.

Erstaunt musterte er Fabienne, die wortlos an ihm vorbei ins Zimmer trat.

 

Ihr Blick fiel auf die halb gepackte Reisetasche. Sie zeigte fast anklagend darauf und fixierte den Vulkanier.

"Was soll DAS dort?"

 

Spock zögerte zunächst mit einer Antwort. Die ganze Misere ging diese Frau doch eigentlich gar nichts an. Aber was hatte er schon noch zu verlieren?

 

"Ich packe meine Kleidung ein", erklärte er das Offensichtliche.

 

Fabienne grinste, nahm die Reisetasche und kippte den Inhalt kurzerhand aufs Bett.

"Jetzt nicht mehr", war ihr ganzer Kommentar dazu. Dann setzte sie sich im Schneidersitz daneben.

 

"Und warum wollen Sie davonlaufen? Das klingt nämlich nicht nach dem Spock, von dem Jim in seinen Briefen schwärmt."

 

Spocks Mine wechselte von erstaunt zu vollkommen verblüfft, bevor er sich wieder in der Gewalt hatte.

 

"Er tut was?"

 

"Sie haben schon richtig gehört. Er erzählt nicht nur von Ihnen, er schwärmt geradezu. Warum also laufen Sie jetzt weg, anstatt die Gelegenheit zu nutzen? Und erzählen Sie mir nicht, Jim wäre Ihnen gleichgültig."

 

Sie konnte förmlich sehen, wie sich Spock hinter seiner vulkanischen Selbstkontrolle versteckte.

 

"Stop! Lassen Sie das!"

 

"Was meinen Sie?" Spocks Stimme klang absichtlich sehr kalt und abschreckend, was sie jedoch überhaupt nicht zu beeindrucken schien.

 

"Na, sich hinter diesem Bollwerk aus Disziplin zu verstecken. DAMIT locken Sie Jim niemals hinter dem Ofen vor. Er ist zwar ein Draufgänger, aber wenn's ernst zu werden droht, läuft er für gewöhnlich davon. Wenn Sie wirklich etwas von ihm wollen, dann müssen schon Sie ihn davon überzeugen. Von sich aus wird er wohl nie aktiv werden."

 

"Woher wollen Sie das alles so genau wissen?"

 

Auch mit Sarkasmus ließ sie sich wohl nicht abschrecken, wie Spock sogleich feststellte.

"Schon vergessen? Ich war auch einmal mit ihm liiert. Oder soll ich Ihnen wirklich glauben, dass Sie das noch nicht längst gemerkt haben? Allerdings waren wir damals beide noch halbe Kinder. Sein Verhältnis mit Pete war später, sehr viel später. Aber auch das ist vorbei."

 

Spock wandte sich ab und ging die wenigen Schritte zum Fenster. Stumm starrte er hinaus. Es hatte aufgehört zu regnen und ein bunt schillernder Regenbogen spannte sich über den jetzt wieder aufklarenden Himmel. Er seufzte leise.

 

"Offensichtlich nicht", murmelte er halblaut, sprach mehr zu sich selbst.

 

"Tatsächlich? Da bin ich anderer Meinung."

 

Spock zuckte zusammen, als Fabiennes Stimme direkt neben ihm erklang. Wann war sie aufgestanden?

 

"Ich habe vorhin ein Gespräch zwischen Jim und Pete Jankins gehört. Das genügt mir."

 

"Oh, ich habe sogar ein Gespräch mit Pete geführt und ich bin immer noch anderer Meinung. Jim hat ihn wohl rausgeschmissen, so sauer wie Pete war. Allerdings weiß ich, dass er einen ziemlichen Narren an Jim gefressen hat und sich mit einem 'Nein' auch nicht so leicht zufrieden gibt. Wenn Sie also wirklich etwas von Jim wollen, werden Sie schon selbst aktiv werden müssen. Und sie haben Konkurrenz bekommen. Pete wird nicht damit warten, Jim zu umgarnen. Sie sollten also schon heute beim Abendessen anfangen!"

 

Spock sah sie mit einem ratlosen Blick an. Dann beschloß er ehrlich zu sein.

"Diese Informationen helfen mir nicht weiter. Ich wüsste nicht... wie..."

 

Er verstummte hilflos und starrte wieder aus dem Fenster. In seiner Wange zeichnete sich ein Muskel ab, als er frustriert die Zähne zusammen biß.

 

"So was habe ich mir schon fast gedacht. Aber auch da kann ich Sie mit Informationen versorgen. Jim küsst zum Beispiel sehr gern. Und er kann einer Herausforderung nicht widerstehen."

Sie musterte den noch immer reglosen Vulkanier.

 

"Wissen Sie, wie sich Menschen küssen", fragte sie schließlich sanft.

 

Spock nickte knapp, schüttelte dann den Kopf. "Ja.... eigentlich nein."

 

"Nun, daran soll es nicht liegen."

 

Er drehte verwundert den Kopf und spürte im nächsten Moment, wie eine überraschend kräftige Hand in seinem Genick erschien und seinen Kopf nach vorne drückte. Dann legte sich sanft ein kühles Lippenpaar auf seinen Mund.

 

Spock war viel zu verblüfft und überrumpelt um sich zu wehren. Im  nächsten Moment ließ Fabienne auch schon wieder los. Sie lächelte.

 

"Na, etwas mehr Enthusiasmus sollten Sie schon zeigen." Und kaum hatte sie ausgesprochen, als sie ihn auch schon wieder küsste. Diesmal deutlich energischer.

 

Instinktiv öffnete Spock die Lippen, als ein schmale Zunge Einlaß begehrte und erwiderte den Kuß zunächst zögernd, dann intensiver.

 

Sie waren beide leicht außer Atem, als Fabienne ihn schließlich wieder freigab.

"Schon besser. Jim beißt nicht, zumindest nicht für gewöhnlich. Also keine Scheu, okay."

 

Sie setzte sich wieder auf das Bett und klopfte mit der Hand einladend neben sich. "Kommen Sie und setzen Sie sich zu mir. Ich hätte da noch so ein paar Ideen, wie Sie Jim die Hölle heiß machen könnten. Wenn er dann nicht will, soll Pete ihn haben, würde ich sagen."

 

Spock folgte, noch immer etwas überrumpelt, ihrer Aufforderung. So hatte noch nie jemand mit ihm gesprochen.

 

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Kirk wich Spocks Blick aus, als sie sich einige Zeit später zum Abendessen in der Küche trafen.

Fabienne und Winona traten kurz nach ihnen ein und wechselten einen besorgten Blick, als sie sahen, wie angespannt Kirk war.

 

Die unangenehme Begegnung mit Pete saß Kirk noch in den Knochen. Er war gerade erst in sein Zimmer zurückgekehrt, als sein ehemaliger Geliebter herein gekommen war und ihn in eine stürmische Umarmung zog. Die noch immer präsente, recht eindrucksvolle körperliche Reaktion auf Spocks unverhüllten Anblick bezog er natürlich sofort auf sich. Kirk versuchte ihn lachend davon abzulenken, machte einen Scherz. Er wollte ihn so schnell wie möglich los werden. Schon bei der ersten Begegnung gestern war ihm klar geworden, dass er von Pete endgültig nichts mehr wissen wollte. So schnell es ging, schickte er ihn fort und hoffte inständig, dass Spock nichts mitbekam. Was würde der Vulkanier sonst wohl denken? Er hatte doch geplant, in den nächsten Tagen vorsichtig vorzutasten, wie Spock über eine mögliche Beziehung zwischen ihnen beiden dachte.

 

Aber er konnte ihn ja auch wohl schlecht einfach fragen, ob er etwas gehört hatte. Es war eine verfahrene Situation.

 

Spock hingegen benahm sich wie bisher. Er plauderte mit den beiden Frauen über den vergangenen Tag, während sie aßen. Dabei sah er immer wieder unauffällig zu Kirk hinüber, Fabiennes Ratschläge in den Ohren. Nun, was sie ihm vorgeschlagen hatte, erschien ihm doch etwas zu extrem. Er würde es einfach nicht fertig bringen, nachts in Jims Zimmer zu gehen und ihn einfach zu verführen. Dafür wusste er einfach zu wenig über die entsprechenden... Handlungen.

 

Aber ein anderer Vorschlag klang da nicht ganz so abwegig.

 

Spock griff nach einer Karotte, den Blick unverwandt auf Jim gerichtet, bis dieser ihn fragend ansah. Langsam führte er sie dann zum Mund. Die Lippen öffneten sich leicht und eine Zungenspitze stupste dagegen.

 

Kirk schluckte trocken. Er konnte sich nicht von dem sinnlichen Anblick losreißen. 'Himmel! Seit wann ist es so erotisch, einen anderen beim Essen von Karotten zu zusehen?' Seine Handflächen wurden feucht. Und auch andere Teile seines Körpers reagierten stärker, als es ihm lieb war. >Nein... das wagt er nicht... nicht hier vor meiner Mutter und Fabienne... er ist Vulkanier, verdammt! Vulkanier tun so etwas nicht! Warum tut er das überhaupt?<

 

Spocks Blick ließ ihn nicht los, fesselte ihn, ließ jeden Atemzug zur Qual werden.

Atemlos verfolgte Kirk, wie Spock die Karotte sehr langsam ein kleines Stück weit in den Mund schob, wie sich die sinnlichen Lippen schlossen und der Vulkanier kurz zu saugen schien.

 

>O Gott... wenn er nicht sofort damit aufhört, muß ich hier raus!< Panik quoll in dem sonst so unerschrockenen Raumschiffcaptain empor.

Er zuckte zusammen, als Spock plötzlich zubiß und das eigentlich kaum hörbare Geräusch erschien ihm laut wie ein Peitschenknall. Der Bann war gebrochen.

 

Winona und Fabienne versteckten ihr Grinsen in ihren Teetassen. Denn keiner von beiden war entgangen, 'welches' Spiel der Vulkanier zu spielen begonnen hatte.

>Und wie es scheint, hat Jim seinen Meister gefunden<, dachte Fabienne, amüsiert die kleinen Schweißperlen betrachtend, die auf dessen Stirn und Oberlippe erschienen waren.

 

Spock hingegen tat, als wäre seine Aktion etwas völlig alltägliches gewesen. Dabei schaffte er es kaum seine nervös zitternden Hände zu verbergen. Geflissentlich beantwortete er Kirks fragende Blicke mit einem möglichst ausdruckslosen Gesicht, bis sich dieser schließlich wieder seinem Abendessen widmete.

 

Jetzt kam der nächste Teil. Dabei kam Spock zu Gute, dass er Kirk schräg gegenüber saß und längere Beine als dieser hatte.

Langsam, damit die Gewichtsverlagerung nicht auffiel, schlüpft er aus den bequemen Schuhen, die er trug und streckte  unter dem Tisch ein Bein aus, bis er mit den Zehen gegen Kirks Bein stieß. Dann strich er zart daran auf und ab.

 

Kirk verschluckte sich an seinem Tee und sah hektisch zu Fabienne, die zwischen ihm und Spock saß. Doch sie plauderte gerade mit Winona und ignorierte ihn völlig. Ebenso wie Spock, den er als nächstes fixierte.

Der Vulkanier aß seelenruhig seinen Salat und hörte ganz offensichtlich dem Gespräch der Frauen zu. Er bewegte sich nicht. Der Fuß an seinem Knie hingegen schon...

 

Kirk begann zu schwitzen. >Was soll das? Was für ein Spiel wird hier gespielt? Das kann nicht Spock sein.... völlig unmöglich... und wenn doch? Was sollte das vorhin mit der Karotte? Das war doch kein Zufall?!<

 

"Jim, geht es dir nicht gut?" Winona musterte ihren Sohn besorgt, der merklich blaß geworden war. Auch Spock sah jetzt unschuldig zu ihm.

 

"Ich... mir geht es... gut. Danke Mom. Das heißt... wohl doch nicht... wenn ich es mir so überlege." Er unterdrückte ein Keuchen, als sich ein Fuß unmißverständlich an der Innenseite seines Beines nach oben tastete.

 

Er sprang auf, bevor alles zu spät sein würde, und warf seine Serviette auf den Tisch.

"Ich gehe ins Bett. Es geht mir wohl doch nicht so gut. Gute Nacht."

 

Dann wirbelte er herum und stürmte die Treppe hinauf.

Winona wollte ihm folgen, doch Fabienne hielt sie zurück. "Laß nur, er wird von dem langen Ausritt müde sein."

 

Winona sah sie mit einem Stirnrunzeln an. "Ich weiß nicht... so habe ich ihn noch nie erlebt. Aber vielleicht hast du recht", fügte sie hinzu, als Fabienne warnend ihren Arm drückte und ihr mit den Augen einen Wink gab.

 

Spock stand ebenfalls auf. "Ich werde ebenfalls nach oben gehen, Winona... Fabienne. Gute Nacht."

 

Er wollte gar nicht so genau wissen, was sie beiden Frauen nun über ihn dachten. Wahrscheinlich hatten sie sehr genau gemerkt, was er getan hatte.

 

Langsam ging er die Treppe nach oben. >Jim ist sicher schon in seinem Zimmer...  hoffentlich... es war falsch, völlig falsch! Jim muß gemerkt haben, dass ich es war... wie soll ich ihm nur morgen früh begegnen...<

So vor sich hin grübelnd ging er in sein Zimmer.

 

Er machte kein Licht, sondern ging im Dunkeln zum Fenster und schob den Vorhang zur Seite. Eine blasse, schmale Mondsichel hing am wieder klaren Himmel. Von den Koppeln war im schwachen Licht kaum etwas zu erkennen, dafür funkelten die Sterne um so heller.

Der Vulkanier lehnte den Kopf gegen die Scheibe und seufzte leise.

 

Plötzlich legten sich zwei kräftige Arme um seine Taille und ein kühler Mund fuhr hauchzart über sein Ohr.

Spock erstarrte.

"Jim", flüsterte er erstickt.

 

"Scht, du verrückter grünblütiger... Weißt du eigentlich, dass ich dich liebe?"

 

Der kühle Atem sandte heiße Schauer über Spocks Rücken und er schaffte es nur mit Mühe, sich umzudrehen.

"Was sagst du da?", raunte er, traute seiner eigenen Stimme nicht.

 

"Ich liebe dich, du unglaublicher Vulkanier! Schon eine ganze Weile. Aber es hat wohl etwas gedauert, bis ich es begriffen habe. Und dann wusste ich nicht, wie ich an dich herankomme. Du warst immer so... unberührbar."

 

Während Kirk sprach, verteilte er hauchzarte Küsse auf Spocks Gesicht und Hals, zupfte mit den Lippen zart an den elegant geschwungenen Ohren.

"Ich dachte, ich sehe nicht richtig, als du vorhin das mit dieser Karotte angestellt hast. Wie bist du nur darauf gekommen? Und als du dann noch anfingst mein Bein unter dem Tisch zu berühren... Noch einen Moment länger und die beiden Frauen hätten wirklich etwas zu sehen bekommen." Er lachte leise.

 

Endlich kam Leben in den schlanken Körper.

Spock hob langsam die Hände und legte sie um Kirks Gesicht. "Du... liebst mich?!"

 

Kirk strahlte ihn an. "Ja. Hast du das noch immer nicht begriffen? Und ich will dich, hier, jetzt und sofort."

 

"Dann...", Spock beugte sich vor, und zog Kirk gleichzeitig in eine enge Umarmung. "Sei endlich still und küß mich!"