Titel: Battle scars
Autor: Lady Charena
Fandom: Crusoe
Episode: 1x11 The Hunting Party
Prompt: #004. Late (100 Situations)
Wörter:1268
Charaktere: Crusoe, Friday
Pairing: Crusoe/Friday
Rating: pg-13, slash, humor, oneshot
Beta: T’Len
Archiv: ja

Summe: Nachdem die Kasisi die Insel verlassen haben, pflegen unsere beiden Helden ihre Wunden. Und in dem einen oder anderen Fall auch verletzten Stolz.

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.



“It would not have worked out between her and me. She settles every argument with a machete.” (Friday)
“And she runs faster than you.” (Crusoe)
“There is that.” (Friday) 1x11 The Hunting Party



"Mein ganzer Körper fühlt sich an wie ein einziger blauer Fleck." Crusoe starrte auf seinen Bauch, auf dem sich der Abdruck einer Ferse zu formen begann. "Und bei Sonnenaufgang werde ich auch danach aussehen. Du hättest ruhig etwas weniger fest zutreten können." Er hängte sein Hemd über die Reling des Baumhauses und zog einen Hocker neben das Feuer, um dort von seinem Bad zu trocknen. Seine Beine waren gerade lang genug, dass seine bloßen Füße angenehm gewärmt wurden, ohne in Gefahr zu laufen, dass er sie ankokelte.

„Es musste echt aussehen, oder?“, erwiderte Friday, der an der Feuerstelle stand und ihm den Rücken zuwandte. Das Lachen in seiner Stimme war unverkennbar. Friday machte kein Geheimnis daraus, dass er seinen Freund für wehleidig hielt.

Crusoe warf ihm einen Blick zu, halb verborgen hinter den Haarsträhnen, die ihm feucht ins Gesicht fielen und sog hörbar Luft ein. "Das riecht merkwürdig", brachte er nichtsdestotrotz die nächste Beschwerde vor. Und das war keineswegs übertrieben. Grauer, ätzender Rauch stieg von der Feuerstelle auf, wo Ziegenfett in die Glut getropft war, als Friday es aus dem Topf in die Mörserschale gegossen hatte.

Friday sah nicht auf. Er war damit beschäftigt, Heilkräuter und geschmolzenen Ziegentalg mit dem schweren steinernen Stößel zu einer feinen Paste zu zerstoßen.

Crusoe griff nach seinem Arm und drehte ihn zu sich, um ihn prüfend zu mustern. "Ich denke, es ist unfair, dass man deine blauen Flecken nicht sieht."

"Das bedeutet nicht, dass sie weniger schmerzhaft sind", entgegnete Friday und zog seine Hand weg. "Hör’ auf zu jammern. Ich bin fast fertig. Es ist wichtig, die Salbe frisch zu verwenden."

Crusoe tauchte eine Fingerspitze in die warme Masse und roch dann daran. "Ich bin sicher, es riecht sonst anders. Was ist, wenn du etwas Falsches hineingemixt hast."

"Es ist ein Rezept meiner Mutter."

"Erinnerst du dich an den Ausschlag, den ich bekommen habe, als du dich das letzte Mal bei den Zutaten vertan hast?"

"Es ist nicht, als würdest du mich nicht immer wieder daran erinnern, Crusoe. Ich bin Krieger, kein Medizinmann. Und nun halt' still."

Crusoe hielt still, als Friday hinter den Hocker trat, auf dem Crusoe saß und begann, die Kräuter-Fett-Salbe, die sich schleimig und rau auf seiner Haut anfühlte, auf den Prellungen auf seinem Rücken zu verteilen.

„Kommen wir noch einmal auf den ‚Friday-Effekt’ zurück“, meinte Crusoe. Er ‚hörte’ förmlich, wie Friday hinter ihm mit den Augen rollte und versteckte sein Grinsen hinter den Haarsträhnen, die ihm ins Gesicht fielen, als er den Kopf nach unten hängen ließ.

„Ist das ein Versuch, sich dafür zu rächen, dass ich erwähnt habe, wie Judy dich besiegt hat? Akzeptiere es, Crusoe – es gibt Frauen, die sogar einem Krieger überlegen sind.“

So übel die Mischung auch roch, sie schien zu helfen. Er murmelte einen Protest, als Friday den Handballen in einen besonders schmerzhaften Punkt presste, doch seine verkrampften Muskeln gaben langsam nach und Wärme breitete sich in ihm aus, wie nach einem Tag Sonnenbaden am Strand.

Friday legte beide Hände auf seine Schultern und drückte sie kurz, dann wich er zurück und wischte sich die Handflächen an seiner Hose ab, bevor er nach Crusoes Hemd griff und es ihm in den Schoß warf.

Er legte das Hemd beiseite. Der Abend war warm und das Feuer und die Höhe hielten die Moskitos von ihnen fern. Es gab keinen Grund, sich seine Kleidung mit Fettflecken zu verderben. Vor allem nicht in einer Woche, in der er sich darum kümmern musste, dass sie wieder sauber wurde.

„Du bist dran“, verkündete er und griff nach der Mörserschale mit dem restlichen Ziegentalg-Kräuter-Gemisch.

Friday wich einen Schritt zurück und hob abwehrend beide Hände. „Das ist nicht notwendig, Crusoe.“

„Du willst nur nicht nach Ziege riechen.“ Er näherte sich seinem Freund, der ihm weiter auszuweichen versuchte.

„Es tut schon gar nicht mehr weh.“ Friday, der rückwärts gegangen war, stolperte über den Hocker auf dem Crusoe während seiner ‚Behandlung’ gesessen hatte und landete ausgesprochen unsanft auf den Planken. Er biss die Zähne zusammen und schnitt eine Grimasse, als sich seine eigenen Prellungen bemerkbar machten.

Crusoe grinste, als er ihm die Hand entgegenstreckte, um ihm auf die Beine zu helfen. „Das kann ich sehen.“ Er klopfte Friday auf die Schulter, als der andere Mann sich aufgerappelt hatte, ohne seine Hilfe in Anspruch zu nehmen. „Freunde, richtig? Wir leben zusammen, wir kämpfen zusammen, wir...“

„...stinken zum Himmel zusammen“, beendete Friday resigniert den Satz. „Ich würde mir in nächster Zeit keine Sorgen um Kannibalen machen. Niemand will uns essen, wenn wir so riechen.“

* * *

Ein paar Minuten später saß ein frisch gewaschener Friday auf dem Hocker und versuchte, ein Zusammenzucken zu vermeiden, wann immer Crusoe die Salbe mit zu viel Druck in seine Haut rieb.

Er konnte förmlich fühlen, wie an seinem Hinterkopf die Schwellung wuchs, die von dem Schlag der Kasisi-Jägerin stammte – Crusoe nannte das merkwürdigerweise ein ‚Gänseei’, obwohl weder die Form noch die Größe an ein Vogelei erinnerten – aber das schien auch schon die ernsteste seiner Verletzungen zu sein. Abgesehen von einem Arrangement an oberflächlichen Schnittwunden, Prellungen und Kratzern, die zum Teil von ihrem Kampf miteinander, oder mit den Kasisi-Jägern stammten, aber auch von der Flucht durch den Wald und über Felsklippen. Er dachte an die wilde Kasisi-Jägerin, daran wie sich ihr Körper unter seinem angefühlt hatte und wie stark sie gewesen war – stärker als mancher Mann, mit dem er gekämpft hatte. An das Interesse, das in ihren schwarzen, von kunstvollen Ornamenten umrandeten Augen geleuchtet hatte, als er sich als würdiger Gegner erwies. Ein Interesse, das er gerne erforscht hätte, wären die Kasisi nicht nur zu dem Zweck auf die Insel gekommen, um sie wie wilde Schweine zu jagen.

Friday hob den Kopf und begegnete Crusoes Blick.

Der andere Mann hatte die übelriechende Salbe zur Seite gestellt und seine Hände abgewischt. Jetzt saß er auf den Planken direkt vor Friday, die langen Beine unter sich gekreuzt.

„Ich werde noch mehr von der Salbe machen. Gleich morgen früh.“ Er streckte die Hand aus und berührte vorsichtig Crusoes Brustkorb mit den Fingerspitzen, wo sich über den Rippen hässliche Prellungen formten. Er lachte, als Crusoe eine übertriebene Grimasse des Abscheus schnitt und zog die Hand zurück.

Doch Crusoe hielt sein Handgelenk fest, zog ihn näher zu sich, während er sich gleichzeitig vorbeugte, bis sich ihre Gesichter fast berührten. Er ließ Fridays Hand los, und folgte mit den Fingerspitzen der Linie an Narben, die sich fast rund und wie Perlen an einer Schnur aufgereiht, über Fridays rechte Brust zogen, bis hoch zu seiner Schulter.

Es gab eine Sekunde des Zögerns, des stummen Fragens um Erlaubnis – wie jedes Mal, wenn sie sich so nah kamen – dann überbrückten sie auch die letzte Distanz und ihre Lippen fanden sich.

Für eine Weile war alles andere vergessen, Jäger und heißblütige Prinzessinnen und die Ungewissheit, die jede Minute ihrer Gegenwart und jede Stunde ihrer Zukunft erfüllte, als sie sich im Jetzt ihres Beisammenseins verloren.


Ende