Disclaimer: Teil 1

 

Brusca Teil 5

McCoy wanderte den langen Korridor des Hotelkomplexes entlang, in dem man sie seit zwei Tagen untergebracht hatte. Nachdem er bereits seit einer halben Stunde vergeblich nach Kirk gesucht hatte und ihn auch im Zimmer nicht finden konnte, gab es nur noch eine Möglichkeit. Er betrat den Lift und schickte ihn auf die Dachterrasse.

Dort angekommen hielt er Ausschau, nach seinem Freund. Das Cafe auf der Terrasse war nur gering bevölkert. Es war Abend und die meisten Bruscer waren beschäftigt durch den Asteroideneinschlag Obdachlose unterzubringen oder an den Aufräumarbeiten teilzunehmen. Im Hotelkomplex selber wohnten nur die Diplomaten und Botschafter. Und diese waren seitdem beschäftigt mit Unterhandlungen und anderem.

Kirk saß allein an einem Tisch direkt neben dem Dachgeländer und blickte in die Richtung der großen Rauchsäule, die seit 2 Tagen fast unverändert am Horizont stand.

„Jim?" McCoy setzte sich zu ihm und sah kurz auf Kirks leeres Glas. „Noch was?"

Kirk nickte langsam in Gedanken versunken. McCoy winkte dem Kellner und bedeutete ihm noch einmal dasselbe zu bringen. Dann lehnte er sich zurück und wartete.

Kirk blickte weiter in die Ferne. Blind griff er nach einer Weile das Glas, was der Kellner hingestellt hatte und nippte daran. „Weiß man inzwischen wie viele Bruscer dabei ums Leben gekommen sind?", fragte er schließlich und deutete mit dem Glas auf den feuerroten Horizont und die sich deutlich abzeichnende Rauchsäule.

McCoy nickte, froh das Kirk endlich ein Lebenszeichen von sich gab. In den letzten zwei Tagen hatte er kaum geredet und sie hatten wenig Zeit gehabt. „22 sind gestorben, aufgrund von Kollisionen mit anderen Shuttles, beim Flug aus der Stadt hinaus. Weniger als an normalen Tagen bei Verkehrsunfällen."

Kirk blickte den Arzt verwundert an. „Nur 22? Ich meine, nicht das ich mir wünschte das mehr ... aber..."

„Ich weiß was du meinst, Jim", brummte McCoy nickend und trank von seinem Brandy. „Ich sage dir, da ist etwas was wir nicht wissen. Man könnte fast den Anschein haben, als wäre es ein normaler Tag gewesen. Die Evakuierung, die Ruhe, das Tempo ...die wenigen Verletzten. Die rasche Unterbringung aller die kein Heim mehr haben, das schnelle Umschalten auf eine andere Operationsbasis .... ich weiß nicht. Ich habe das Gefühl, das ist nicht das erste Mal passiert."

„Hm ...", Kirk blickte wieder in die Ferne. „Es ist schon reichlich seltsam. Aber Spock hat den Planeten vorher eingehend gescannt. Ihm wären alte oder neuere Asteroideneinschläge aufgefallen."

„Nun, er hat auch das System gescannt und dennoch ist ein recht dicker Steinbrocken irgendwie durchgerutscht." McCoy sprach nicht weiter und beobachtete Kirk, der wieder schweigend in die Ferne blickte.

Schließlich drehte sich Kirk herum und sah dem Arzt ins Gesicht. „Bones ... ich habe heute die Aufzeichnungen gesehen."

„Oh?" McCoy wurde aufmerksam. „Ferrell hat es also endlich doch geschafft durch den Ring an Geheimhaltung hier zu brechen? Und? Was hat unser vulkanischer Freund da oben veranstaltet?"

Kirk zog eine Grimasse, „Bones,"

„Tut mir leid, ich meinte es nicht so ... aber .." McCoy sah in sein Glas und bereute seine lockeren Worte. Seit zwei Tagen kämpfte Kirk mit Kopfschmerzen, hatte keinen mentalen Kontakt mehr zu Spock und außerdem waren sie immer, wenn sie mehr über den Verbleib der Enterprise erfahren wollten gegen eine Wand aus bruscischem Sicherheitsdienst gelaufen. „Ich kann mir nur einfach nicht vorstellen, das sie nicht mehr da sind. Ich bin sicher, das Spock irgendein Kaninchen aus dem Hut zaubert. Er lässt uns hier nicht allein...dich nicht ....."

„Bones," Kirk sprach leise. „Ich ...mein Herz denkt genauso, aber hier drin ..."er tippte sich an die Schläfe. „...ich spüre ihn nicht mehr. Er ist weg. Einfach so....wie auf den Bildern."

„Auf den Bildern? Du meinst die Aufzeichnungen. Erzähl! Du bist mir im Vorteil, ich habe sie nicht gesehen. Was ist da oben passiert?"

„Tark hat gerade mit ihnen kommuniziert, wie sie sagt, als plötzlich die Verbindung abriss. Die Klingonen haben sie angegriffen und in ein Scharmützel verwickelt. Nach zwei Phaser Treffern hat die Enterprise das Feuer erwidert und als laut den bruscischen Daten, die Schilde auf 60% runter waren haben sie den Asteroiden zwischen sich und die Klingonen gebracht. Das muss gewesen sein, als Spock mit mir Kontakt aufgenommen hat ..."

McCoy zog die Augenbrauen zusammen. „Die Enterprise ist einem Klingonenkreuzer durchaus gewachsen, Spock ist nicht unerfahren und ... was ist weiter passiert?"

Kirk schüttelte den Kopf. „Etwas merkwürdiges. Sie bekamen einen Treffer, direkt auf der Kuppel. Er schien die Schilde zu durchdringen, sie drifteten aus Sicht der Aufzeichnungssatelliten hinter den Asteroiden und gerieten aller Wahrscheinlichkeit nach in die Subraumwelle. Ab da nichts mehr ..."

„..aber ....die Klingonen haben einfach so die Schilde durchschossen? Das geht nicht Jim, das weißt du ... solche Phaser haben sie nicht und bei 60% .... direkt auf die Kuppel? Mein Gott, Das ist ein direkter Treffer auf der Brücke." McCoy sprach nicht weiter als er sah das Kirk noch nicht am Ende war. „Sprich weiter da ist noch mehr oder? ..."

Kirk nickte. „Zur selben Zeit, auf die Millisekunde genau, bekam auch das klingonische Schiff einen direkten Treffer und wurde völlig zerstört. Auch sie, trotz Schilde..."

McCoy starrte Kirk einen Moment sprachlos an. Dann schüttelte er den Kopf. „Spock schießt keine Raumkreuzer mit 200 Leben an Bord vom Himmel über einem Planeten, der Delegationen von Bruscern, Förderation und Klingonen beherbergt. Das glaube ich nicht ....nicht einmal wenn sie grundlos in einer Krisensituation angreifen. Kampfunfähig, ja ... aber nicht .... nein. Nicht einmal Klingonen."

„Das ist auch meine Meinung Bones. Leider nicht die der Klingonen. Sie meinen die Förderation hätte den Asteroiden geschickt. Nur Starfleet hätte die Technik ein so großes Objekt komplett zu tarnen und ein Interesse daran die Klingonen aus den Verhandlungen herauszukatapultieren. Angeblich hätten sie deswegen das Feuer eröffnet...."

„Das ist Unsinn," ereiferte sich McCoy. „Du weißt das es Unsinn ist, Ferrell weiß es ..."

Kirk hob die Hand. „Er weiß es. Aber bis auf weiteres dürfen wir den Komplex hier nicht verlassen. Noch etwas ..."

„Na wunderbar, Ausgangssperre?" McCoy schnaubte verächtlich. Als ob sie irgendwo hin könnten. Das erwartete Raumschiff von Starfleet würde erst in 3 Wochen eintreffen und bis dahin .... „Noch etwas?"

„Die Aufzeichnungen, sie sind alle von einem orbitalen Satelliten aus gemacht worden. Alles was sich hinter dem Asteroiden befunden hat ist nicht sichtbar. Die Phaser Schüsse, die beide Schiffe getroffen haben .... nun, es hatte auf mich den Anschein, das sie nicht von der Enterprise und auch nicht vom Klingonenkreuzer kamen, sondern von etwas was sich hinter oder auf dem Asteroiden befand. Vielleicht getarnt..."

McCoy pfiff leise durch die Zähne und trank einen Schluck aus seinem Glas. Kirk nickte und drehte sich wieder zu der Rauchsäule am Horizont um, betrachtete sie. „Irgendjemand hat ein Interesse daran, dass sich weder die Klingonen, noch die Förderation mit Brusca einig wird."

McCoy nickte langsam. Sie hatten ein ernstes Problem, wenn dieser irgendjemand sich dazu entschloss tätig zu werden während weder Starfleet noch die Klingonen mit mehr als nur einer Delegation vertreten waren.

Einen Moment schwiegen beide und blickten in Richtung der ehemaligen Hauptstadt. Der Himmel war noch immer dunkelrot am Horizont, obwohl die Sonne lange untergegangen war. Feuersbrünste und Strahlung an der Einschlagstelle färbte den Himmel in düsteren blutig roten Farben. Seit zwei Tagen hatte sich das Bild kaum verändert.

„Was beutet eine Subraumwelle, Jim?"

Kirk blickte ihn über die Schulter hinweg kurz an und dann wieder weg. „Spock könnte es sicher genauer erklären. Er ist der Wissenschaftler, nicht ich. Eine große Masse verzerrt den Raum. Wenn sie sich bewegt zieht sie eine Bugwelle hinter sich her aus Raumverzerrungen, die sich in den Subraum ausdehnen. Im Prinzip so etwas, was wir künstlich erzeugen, wenn wir in einer Warpblase sind. Die Enterprise ist vermutlich dort hineingeraten, als sie nach dem Treffer gedriftet ist."

„Und das bedeutet?"

Kirk schweige einen Moment und sah dann McCoy ernst an. „Wenn der Treffer sie nicht erledigt hat, dann die vermutlich Verwerfungen oder der Warpsprung ohne Warpfeld. Eine Subraumbugwelle schleudert ein Objekt was hineingerät unkoordiniert in den Raum über eine Entfernung von Lichtjahren. Es kann ein Raumschiff zerreißen....."

McCoy schluckte, „Gab es solche Vorfälle."

Kirk schüttelte den Kopf, „Keine die mir bekannt sind. Zumindest keine aus denen ein Raumschiff intakt hervorgegangen ist und berichten konnte. Mit hundertprozentiger Sicherheit wird der Warpantrieb und alles was auf Subraumtechnologie basiert beschädigt, aufgrund der Felder und Verzerrungen. Sie könnten sogar in ein paralleles Universum geraten, eine Sekunde vor oder hinter unserem Universum oder ..... ich weiß es nicht Bones."

McCoy nickte, „Ich weiß, Spock ist der Wissenschaftler, ..... nur gut, dass er an Bord ist."

Kirk schnitt wieder eine Grimasse, doch McCoy schüttelte den Kopf. „Ich bin sicher, sie sind irgendwo wieder herausgekommen und unser brillanter Vulkanier hockt bereits jetzt über Gleichungen und Theorien, wie sie schnellstmöglich zu uns zurückkommen können. Jim, was du gerade erklärt hast ist doch Grund genug, dass eure Verbindung abreißt. Siehst du das denn nicht?"

Kirks nickte langsam und sah in sein Glas. „Vielleicht hast du recht Bones. Aber der Treffer auf der Kuppel ... „

McCoy winkte ab und mit einer Überzeugung, von der er selber nicht wusste woher er sie nahm sprach er weiter, „Spock hat einen ziemlich dickes Fell Jim, das solltest du wissen. Und da ist eine hervorragende Mannschaft auf dem Schiff ..."

Einen Moment schweigen beide und hingen ihren Gedanken nach. Dann räusperte sich McCoy. „Was ich immer schon fragen wollte, .... wie habt ihr beiden es eigentlich geschafft. Die Kluft nach V´ger war zwar etwas weniger geworden, aber noch immer zu sehen, für jemanden der euch kennt oder vorher kannte."

Kirk blickte ihn scharf an, „Bones ... das ist wirklich nicht die richtige Zeit ..."

„Doch, genau das ist sie Jim.", erwiderte McCoy hartnäckig. „Wir können ohnehin im Moment nichts tun, außer hier herumzusitzen. Und vielleicht hilft das deine Laune etwas zu bessern, wenn du an erfolgreiche ´Missionen´ denkst." McCoy grinste freundschaftlich.

Kirks Augen wurden etwas sanfter, „Vielleicht hast du recht Bones ... „ einen Moment schien es, als wollte er nicht weiterreden und er blickte in sein Glas, dann wieder zum Arzt. „Du erinnerst dich an die Nacht etwa 2 Wochen nach V´ger in der ich nicht schlafen konnte?"

„Natürlich, du bist auf dem ganzen Schiff herumgetigert. Ich habe dir ein Schlafmittel gegeben und vermutlich hast du es nicht genommen. Eure Bindung war eine Woche später, oder zwei? Was ist passiert? Hat er dich beim Herumstreunen erwischt und der Sache ein Ende gemacht?"

„Sie war eine Woche später. Die Bindung," murmelte Kirk. „Ich habe Spock gesucht und auf dem Observationsdeck gefunden. Dort wo er immer war nachts, wenn er meditiert hat."

„Wenn er eigentlich schlafen sollte, typisch für ihn.", brummte McCoy. „Und dann? Du wirst doch wohl kaum hingegangen sein und ihm gesagt haben, dass du ihn liebst. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass das seine Augenbrauen überlebt hätten."

Kirk lachte leise und nickte, „Doch Bones, genau das habe ich getan."

„Bei allen heiligen des Universums, spann mich nicht auf die Folter, was ist passiert..." McCoy lehnte sich neugierig vor.

Kirk druckste herum, „Na ja, du hast recht ... er war etwas ....sprachlos, ....zuerst ... er hat mich erst nur angestarrt und dann war er hier drin." Kirk tippte sich an die Schläfe.

Der Abend war noch frisch in seinem Gedächtnis, er würde ihn nie vergessen. Ab da hatte plötzlich alles einen Sinn gehabt, war sein Leben wieder dort wo es hingehörte. In den Sternen, auf seinem Schiff und Spock an seiner Seite. Es war nicht einfach, doch am Ende hatten sie sich verstanden.




--- flashback ---

Schuldgefühle, Furcht und Einsamkeit wichen innerhalb weniger Augenblicke als Spocks Präsenz Kirk umhüllte. Er fühlte eine derart tiefe Zuneigung und Liebe, die von seinem vulkanischen Freund ausging, das er einen Moment fast vergaß zu atmen.

All die Jahre, die er seine wahren Gefühle verborgen hatte, sogar vor sich selbst verborgen hatte. All die Jahre, die er davongelaufen war und sich selbst verleugnet hatte. Ein furchtbarer Moment des Streites und zwei Jahre Einsamkeit verschwanden in diesem kurzen Moment, in dem Spock seine mentalen Barrieren senkte und Kirk in sein Innerstes blicken ließ. Kirk sah nur Liebe, Freundschaft, Begehren und auch  Unsicherheit, dasselbe was auch in ihm war, was er selbst fühlte. Spock empfand wie er.

Er hatte das richtige getan. Es war richtig gewesen herzukommen und das Schweigen zu brechen. Er hatte damit die vorsichtig wieder auflebende Freundschaft riskiert aber es war die richtige Entscheidung gewesen. Kirk fühlte wie Tränen warm seine Wangen herunter liefen. Tränen der Erleichterung, Tränen aus Glück und Tränen, die durch die Intensität der mentalen Verbindung hervorgerufen wurden.

Er fühlte Spock. In sich, in seinem Geist. Dort wo er ihn früher gefühlt hatte, als sie noch die hauchdünne mentale Verbindung besaßen. Die Verbindung die Spock irgendwann geschlossen hatte, als er fort gegangen war nach ihrem Streit. Nun war sie wieder zum Leben erwacht.

//Jim ... //

Plötzlich war er wieder fort, so schnell wie er da gewesen war.

Kirk öffnete die Augen und blinzelte die Feuchtigkeit aus ihnen fort. Spock stand noch direkt vor ihm, seine Hand Zentimeter von seinem Gesicht und den Kontaktpunkten entfernt, wie mitten in der Bewegung eingefroren. Er hatte die Augen geschlossen und atmete beschleunigt durch halb geöffnete Lippen. Kirk studierte das so vertraute Gesicht unsicher.

„Spock?", flüsterte er leise und voller Hoffnung. Spock empfand dasselbe für ihn. Er nahm sanft die noch immer neben seinem Gesicht in der Luft schwebende Hand in seine und legte sie wieder gegen seine Wange. Ein Beben lief durch den schlanken vulkanischen Körper.

Einen Moment schien es, als würden Spocks Knie nachgeben, doch die rigide und über Jahre bestens trainierte vulkanische Kontrolle war stärker. Die Augen des Vulkaniers schnappten auf und der Anblick schnürte Kirk einen Moment die Kehle zu. Er konnte den Blick nicht deuten, hatte diesen Ausdruck nie zuvor in diesen dunklen Augen gesehen.

Angst? Misstrauen? Irritation? Wut? Kirk schluckte nervös und drückte die warme Hand in seiner, wollte eine Reaktion, irgendwas. Spock starrte ihn nur an und regulierte nach und nach seine Atmung. Kirk war unfähig ein Wort zu sagen. Er wusste nicht, wie lange sie so standen und suchte in den dunklen Augen nach einem Anzeichen was dahinter vor sich ging.

Schließlich löste der Vulkanier sehr langsam seine Hand von Kirks Wange. Er drehte sich ohne eine Regung in den feinen Gesichtszügen um und ging mit langen Schritten zur Tür.

Kirk blieb wie angewurzelt stehen und sah ihm erschrocken nach. War es doch falsch gewesen? Hatte er eben nicht Spocks Gefühle für ihn so deutlich empfunden? Hatte er sich geirrt? Wies Spock ihn nun zurück?

Der Vulkanier verharrte an der Tür und Kirk wagte es nicht zu Atmen. Es war absolut still in der Lounge, selbst die üblichen Vibrationen des Warpkerns waren hier gedämpft. Er hörte seinen eigenen Atem und seine Gedanken drehten sich im Kreis als er auf den schlanken Rücken Spocks blickte. Es arbeitete in den kräftigen Muskeln und der ganze Körper des Vulkaniers schien angespannt zu sein.

Kirk hatte das Gefühl Achterbahn zu fahren. Eben noch hatte er Angst Spock seine Liebe zu gestehen, dann hatte er es getan und Sekunden später war aus der Angst Erleichterung geworden als Spocks Zuneigung über die mentale Verbindung in seinen Geist geflutet war. Und nun schien Spock ihn zurückzuweisen, zu flüchten, ihn wieder zu verlassen. Kirk fühlte wieder Angst und schlimmer noch, erneute Wut.

Bereits schon einmal hatte ihn Spock verlassen, doch da hatte er selbst ihn zurückgewiesen, ihn vertrieben. Vor 2 Jahren hatten sie ebenfalls aneinander vorbeigeredet oder besser zuwenig geredet. Doch hatte nicht gerade eben Spock gesagt, dass er diesen Fehler nicht noch einmal machen wollte? Warum dann, ließ er ihn jetzt hier stehen? Warum flüchtete er nun wieder? Aber er war noch da. Wartete. Worauf?

Der Vulkanier drehte seinen Kopf zur Seite und Kirk sah nur das Profil seines Gesichts im dunklen Schatten an der Tür. Ein langer Arm streckte sich aus dem dunklen Meditationsumhang und schlanke Finger legten sich auf die Kontrollen des Türmechanismus. Er würde gehen, wenn er jetzt nichts sagte.

„Spock," Kirk schluckte den Kloß in seinem Hals fort. „Spock bitte ...bleib." Kirks Stimme versagte ihm den Dienst.

Abrupt drehte sich der Vulkanier herum und starrte in Kirks Richtung. Selbst aus dieser Entfernung konnte Kirk die Verwirrung und Unsicherheit anhand den düster über der Nase zusammengezogenen Augenbrauen ablesen.

Sehr langsam machte Spock einige Schritte auf ihn zu, fixierte ihn unsicher mit dunklen Augen und blieb wieder stehen. Das Schweigen wurde fühlbar für Kirk.

„Spock bitte, lass uns reden.", flehte Kirk und löste sich aus seiner Erstarrung. Er ging vorsichtig einen Schritt auf Spock zu und streckte eine Hand aus. Der Vulkanier wich einen Schritt zurück in Richtung Tür.

Einen Moment fühlte sich Kirk daran erinnert eine scheue Katze zu zähmen. Wieder einen Schritt vor und wieder ging Spock einen Schritt zurück. Wovor hatte der Vulkanier Angst? Wirklich Angst? Oder eher Misstrauen? Oder ...was?

„Spock sag etwas ....", flüsterte Kirk und ging wieder einen Schritt auf ihn zu. Spock wich wieder zurück. Er war inzwischen wieder an der Tür angekommen und stand mit dem Rücken zu ihr. Einen weiteren Schritt konnte er nicht ausweichen. Warum hatte der Türsensor nicht reagiert?

Kirk ging langsam weiter auf Spock zu und stand nun direkt vor ihm. Die dunklen Augen waren unlesbar im diffusen Zwielicht. Der Vulkanier atmete hörbar und sehr schnell. Kirk war so dicht, das er die höhere Körperwärme des Mannes vor ihm fühlen konnte. Er war weit entfernt von seiner üblichen ruhigen vulkanischen Gelassenheit.

„Spock als du eben ...." Kirk brach ab und begann neu. „Ich habe gesehen, was du empfindest, es gefühlt. DEINE Gefühle zu mir. So lange schon? Warum hast du nie ...? Wir waren Freunde. Wir hätten darüber reden können, müssen. Wir sind noch immer Freunde? Spock?"

Spock schloss die Augen und lehnte sich mit dem Hinterkopf an die Tür hinter ihm. „Jim ...", er klang heiser, leise, fast verzweifelt. Das erste Mal, dass er etwas sagte nachdem er ihm seine Liebe gestanden hatte. „Jim .... ich habe es versucht, ich ....es ....war nie ...angemessen. Ich hoffte, dass die Zeit....." Spock schluckte nervös und stockte.

Kirk wollte ihn in die Arme schließen, wollte ihn einfach halten, als er merkte wie sein Freund versuchte Worte für etwas zu finden, was er offensichtlich jahrelang mit sich herumgetragen hatte. Doch er wusste, das Spock es sagen musste. Das sie dieses Mal einander zuhören mussten und hoffentlich auch verstehen würden. Er wartete.

Spock hatte sich wieder gefangen und fuhr fort. „Als ich es bemerkt habe, dass ich in dir mehr sah als einen Freund, wusste ich nicht, was ich mit den Reaktionen meines Körpers tun soll. Es war mir unbekannt. Ich habe es verdrängt, es war nicht .... angemessen. Du warst, bist, mein vorgesetzter Offizier. Es ist nicht angemessen über eine Beziehung zu ..." er schluckte wieder, suchte nach Worten. „Doch es war nach kurzer Zeit nicht mehr zu verdrängen. Ich versuchte es zu kontrollieren. Unsere Freundschaft bedeutet mir viel, alles ..."

Kirk nickte langsam. Spock konnte es nicht sehen. Er lehnte noch immer mit geschlossenen Augen an der Wand, atmete schwer und focht scheinbar einen inneren Kampf aus.

„Als wir wieder auf der Erde waren, hatte ich gehofft das sich eine Gelegenheit ergibt. Eine neue Mission oder .... du wurdest zum Admiral befördert und nahmst an, gabst die Sterne auf und ... Jim ... Ich wollte nie ein Kommando, ich wollte es damals noch viel weniger, wenn das bedeutet hätte, dass wir getrennt worden wären. "

Kirk nickte wieder, „Sie haben dir die Enterprise angeboten. Wie lange bist du auf diesem Schiff, Spock. 13 Jahre? Es ist zwar mein Schiff, doch es ist noch viel mehr ein Stück von dir, ein zuhause. Ich war ärgerlich auf dich deswegen, das du ...."

Spock schüttelte den Kopf und öffnete endlich die Augen. „Nein Jim. Meine Mutter erzählte mir einmal ein Sprichwort, ein irdisches Sprichwort. ´Zuhause ist dort, wo dein Herz ist´ sagte sie. Und sie hatte recht, sie hatte fast immer recht."

Jetzt kamen sie der Sache näher. „Sie hatte recht? Wo ist dein Herz, wenn es nicht auf der Enterprise ist Spock?"

„Mein Herz ist bei dir Jim. Dort war es immer und .... wenn ich die Enterprise übernommen hätte, wären wir getrennt worden. Du auf der Erde und ich ... " Spock schüttelte fast verzweifelt den Kopf und sah auf den Boden, als er die richtigen Worte nicht fand.

„Du hast die Enterprise abgelehnt – meinetwegen? Unseretwegen?" Kirk konnte es nicht fassen. „Ich war so wütend, so ärgerlich auf dich. Ich hatte dich empfohlen, wusste das mein Schiff bei dir in den besten Händen ist und du lehnst es ab, einfach so, ohne eine Erklärung. Ich habe es nicht verstanden, bis eben ..... ich fühlte mich verraten und verlassen ..... war allein .... dann kam Lori, als ich jemanden brauchte und du nicht da warst, keine Zeit hattest ....."

Spock sah nun fast traurig aus. „Es war wenig Zeit damals. Das Angebot kam überraschend. Ich war irritiert und ich hatte keine Gelegenheit mit dir zu reden. Als ich endlich Zeit hatte und zu dir kam .... und dich mit Mrs. Ciani sah .... ich wollte nicht ...stören... in deinem neuen Leben."

„Oh Spock." Kirk griff nach den schmalen Schultern. „Spock. Ich habe dich so verletzt. Ich wusste nicht, konnte nicht ahnen wie du empfindest. Ich war so blind. Ich ....."

Kirk drückte nervös die Schultern unter seinen Händen, als er nach den richtigen Worten suchte. Er fühlte die Wärme durch den Stoff der dicken Robe und sah in Spocks nun fast schwarze Augen, die ihn intensiv musterten. Er hatte ihn verletzt ohne es zu wissen. Durch seine eigene Gedankenlosigkeit war dies alles erst passiert. Zwei Jahre des Schweigens lagen dazwischen und er konnte es nicht ungeschehen machen.

„Spock ich habe es bereits gesagt, aber ich sage es noch einmal.... ich liebe dich. Mehr als nur als Freund. Ich begehre dich – körperlich und auch geistig. Ich habe es schon damals getan, aber nicht erkannt. Erst als du fort warst. Ich will dich nicht wieder verlieren. Ich werde es akzeptieren, wenn du es bei der Freundschaft belassen willst. Ich verstehe jetzt, wie sehr ich dich damals verletzt habe und ich werde damit leben müssen - aber ich werde nicht aufhören dich zu lieben."

Spock hatte ihm schweigend zugehört. Einen langen Moment sahen sie sich nur an. Schließlich schien Spock einen Entschluss zu fassen. Er hob eine Hand, strich über Kirks Gesicht und legte sie in seinen Nacken, zog ihn langsam zu sich.

„Ich bin nach wie vor nicht erfahren in diesen Dingen Jim, aber .....", warme Lippen schlossen sich über Kirks, eine heiße Zunge strich über seine Lippen und war sogleich wieder fort. „...ich denke, das diese Antwort eindeutiger ist als die Worte, die ich momentan nicht habe."

Spocks Gesicht war nur Millimeter von Kirks entfernt und heißer Atem strich über sein Gesicht. Die Antwort war eindeutig. Der schnelle Atem war eindeutig. Das Verlangen in den nun sanften dunklen Augen war eindeutig. Worte waren nicht nötig und langsam nickte Kirk.

Er musste plötzlich lächeln. „Du bist nicht erfahren? Du hast nie...? Spock du bist 41 .... du bist ein erwachsener Mann. Ich dachte ..." Kirk war erstaunt.

„Ich bin, nach vulkanischen Maßstäben ein sehr junger Mann und erst seit wenigen Jahren geschlechtsreif." Spock legte den Kopf schräg und zog eine Augenbraue hoch. „Vielleicht sollte ich den Computer um eine detaillierte Erklärung bitten, bevor wir intim werden und die Datenbanken ...."

„Intim? Spock ....du willst ....?" Kirk stammelte.

„Natürlich würde ich es bevorzugen wenn du ....", begann Spock, doch Kirk unterbrach ihn.

„Küss mich nochmal."

Eine Augenbraue flog unter den schwarzen Pony und zwei braune Augen sahen ihn fragend an, wanderten zu seinen Lippen und hefteten sich wieder an seinen Blick. Er war so nah. Kirk lehnte sich etwas vor und Augenblicke später konnte er wieder die warmen Lippen auf seinen spüren.

Dieses Mal empfing er die suchende Zunge mit seiner und schob sie in den wärmeren Mund Spocks. Der Vulkanier seufzte leise und Kirk schloss die Arme um den schlanken Oberkörper, zog ihn ganz zu sich, wollte ihn nie wieder gehen lassen.

--- Ende – flashback ---

McCoy hatte sich grinsend zurückgelehnt und Kirk zugehört. „Auch wenn es dich wundert Jim, aber irgendwie wusste ich immer, dass unter dem harten vulkanischen Panzer ein sehr sensibler Mann steckt. Aber ich bezweifle, dass er von selber auf dich zugegangen wäre."

„Bones, wie lange wusstest du es eigentlich schon?" Kirk musterte seinen Freund und Bordarzt intensiv.

McCoy machte eine unschuldige Handbewegung. „Weißt du, wenn man euch länger kennt..... nun ja .... ich wusste, dass bei dem Menschen in Spock wesentlich mehr dahinter steckt als nur Freundschaft. Es ist nicht so offensichtlich, aber wenn man ihn kennt .... aber was seine vulkanische Hälfte daraus macht ..." McCoy zuckte mit den Schultern und trank von seinem Brandy.

Kirk nickte abwesend und einen Moment schwiegen sie wieder und hingen ihren Gedanken nach. Schließlich räusperte sich McCoy. „Jim? Hast du mal nachgerechnet? Ich meine wie viele Jahre ihr euch jetzt kennt?"

„Komisch das du das fragst, ich habe es an dem Abend auch gefragt und ....." Plötzlich starrte Kirk McCoy an, als hätte er einen Geist gesehen. „Du meinst ..... oh mein Gott."

„Was hat er geantwortet? Er hat doch eine eingebaute Atomuhr....er sollte es doch..."

„7,5 Jahre ... wann war sein erstes Pon Far?", Kirk krallte seine Hände um das Glas und rechnete fieberhaft im Kopf nach.

McCoy brummte und nickte. „Etwa ein Jahr, nachdem du die Enterprise übernommen hast und ihr euch kennen gelernt habt. Jetzt seit ihr ein halbes Jahr gebunden .... „

„Bones!!!" Kirk sprang auf.

McCoy sah ihn besorgt an. „Setz dich Jim. Du kannst nichts tun. Chapel ist ausgebildet in vulkanischer Medizin und ich möchte meinen Hippokratischen Eid wetten, dass sie dieses Datum auch noch im Schlaf aufsagen kann."

„Gott .... Spock .... warum hat er nichts gesagt?" Kirk stützte sich auf das Geländer und starrte wieder in den düsteren roten Himmel. „Bones, was wenn sie zu weit entfernt sind, wenn er verletzt ist ...was wenn .......Ich bin nicht bei ihm ... "

„Jim .... Jim ...." McCoy stand auf und legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Hör zu, du KANNST nichts machen im Moment. Es gäbe laut Chapel neue Möglichkeiten den Zyklus hinauszuzögern und nur das Universum weiß, was sein Mix - Metabolismus und die jahrelange Raumfahrt mit seinem Zyklus macht. Und du weißt wie er ist, wenn nicht du es weißt, wer dann?"

Kirk konnte nicht antworten. Eine weibliche Stimme rief sie und unterbrach Kirks Gedankengänge.

„Captain Kirk? Doktor McCoy?"

Sie drehten sich um und sahen Tark auf sie zueilen. Sie sah nervös aus und schaute sich um.

„Mrs. Tark," McCoy lächelte galant. „Was verschafft uns die Ehre?"

„Ich brauche ihre Hilfe. Brusca braucht ihre Hilfe – bitte."

Kirk sah sie verwundert an. Sie wirkte gehetzt und durcheinander. „Setzen sie sich Mrs. Tark. Wenn wir ihnen helfen können, werden wir es gern tun."

Tark setzte sich und sah sich wieder argwöhnisch um.

McCoy blickte in die gleiche Richtung, doch konnte außer dem Kellner niemanden erkennen. „Was schauen sie? Warten sie auf jemanden?"

„Nein Doktor McCoy, es wäre mir im Gegenteil lieb, wenn niemand käme. Was ich ihnen zu sagen habe ist gefährlich." Tark redete leise und bedeutete Kirk sich zu setzen.

Kirk stieß sich vom Geländer ab und setzte sich, in Gedanken noch immer bei Spock und der Enterprise.

Tark schluckte nervös und sah von einem zum anderen. „Der Asteroid war kein Zufall. Wir wurden verraten. Schon seit langem – die südliche Bewegung scheint darin verstrickt und hat nun auch die Klingonen und ihr Schiff – Starfleet - mit hineingezogen. Sie wollen die Regierung stürzen und der Regent ist blind. Er lebt noch immer in seinem alten Hass auf alles was wie Krenn aussieht und will sich den Klingonen anschließen, weil die Förderation Krenn in ihrer Gemeinschaft hat und wenn das passiert, sind wir verloren. Dann wird die südliche Bewegung einen Krieg beginnen und niemand wird ihn stoppen können. Die Klingonen in der Folge unsere Bodenschätze ausbeuten und ... "

Kirk und McCoy starrten sie an und dann sich selbst.

„Krenn? Mrs. Tark? Was sind Krenn?", fragte Kirk schließlich.

Tark sah ihn ungläubig an. „Sie wissen es nicht? Aber ihr Commander ist doch ... er ist doch ein Krenn. Es wundert mich, dass er auf Brusca geduldet wurde. Ich wusste ja gar nicht das er einer ist, aber als ich mit ihm sprach ..."

Kirk sah wieder fragend zu McCoy, doch der schüttelte nur mit dem Kopf. Er blickte wieder zu Tark. „Mr. Spock ist Vulkanier."

„Ich weiß, sie nennen sie so und ich hätte nicht gedacht, dass sie so gut aussehen" Tark errötete und wurde dann ernst als sie Kirks stechenden blick sah.

"Aber.... seine Rasse ist Krenn und ....." Tark schluckte. „die Legenden und Überlieferungen sagen, dass Krenn für die Asteroiden verantwortlich seien und das sie gefährlich sind. Hinterlistig und heimtückisch."

„Vulkanier?" McCoy schüttelte mit dem Kopf. „Mrs. Tark, das ist das friedliebendste Volk was ich kenne und ...."

Tark fuhr zu ihm herum. „Hat er etwa nicht das klingonische Schiff zerstört und sie hier zurückgelassen? Vielleicht hat der Regent doch Recht ...."

Kirk hob die Hand. „Moment, langsam. Mrs. Tark, wenn wir ihnen helfen sollen ..... erzählen sie uns bitte alles ... der Reihe nach."

Tark schluckte nervös und nickte und begann zu erzählen.

(wird in Teil 6 fortgesetzt)