Disclaiemr: Teil 1

 

 

Brusca Teil 10




Zwei Stunden ergebnisloser Suche und Analyse der Scanndaten lagen hinter ihnen. Der Asteroid, seit dem Zwischenfall getarnt, war von ihren Schirmen verschwunden. Fast ebenso spurlos wie der Commander von der Brücke. Kelley hatte das Raumgebiet in einem weit größeren Umkreis abgesucht, als nach der letzten Geschwindigkeitsmessung des Asteroiden möglich war, doch nichts gefunden. Nicht einmal Emissionen.

„Also, was haben wir ...", fragte der Chefingenieur frustriert und blickte in die Runde der noch immer erregten und aufgebrachten Offiziere auf der Brücke.

„Nicht viel," murrte Sulu.

„Da, und die haben Commander Spock. Wie haben sie das gemacht?" schimpfte Chekov.

„Mit einem Tachyonen Richtstrahl. In der richtigen Frequenz durchschneidet er unsere Schilde wie Butter. Ich schätze das sie so auch ihren Phaser durch unsere Schilde bekommen haben vor einigen Tagen." Kelley sah zu Scott. „Sir wir sollten in jedem Fall die Schilde in den Frequenzen modulieren lassen, das macht es ihnen schwerer bis unmöglich noch einmal ... "

Der Schotte nickte. „Aye Junge."

„Scotty, wir müssen Spock da rausholen und zwar schnell....", drängte Chapel. Bisher hatte sie den Aktivitäten schweigend zugesehen. Sie war vor zwei Stunden auf die Brücke gekommen. Eigentlich um sich zu vergewissern, dass Spock trotz Rotalarm seine Injektionszeiten einhielt und um nach Sulu zu sehen, dessen Verletzungen noch recht frisch waren.

 

Sie war mitten in ein Chaos gekommen, nachdem die Turbolifttüren sich geöffnet hatten und Uhura hatte ihr erklärt, was gerade passiert war. Seitdem hatte sie schweigend und besorgt auf dem Brückengeländer gesessen.

„Chris, das würde ich liebend gern tun, aber seit 2 Stunden ist dieses Steinmistding getarnt. Wir können nur vermuten wo es sich jetzt befindet aufgrund des alten Kurses. Wir haben alles getan was in unserer Macht steht." Scott umkreiste grübelnd den Kommandosessel aus dem der Vulkanier vor 2 Stunden verschwunden war. „Nichts würde ich lieber tun, als den Jungen da herauszuholen. Glauben sie mir das."

Einen Moment herrschte Schweigen auf der Brücke. Außer dem gleichmäßigen Surren und piepen einiger Instrumente war nichts zu hören.

„Außerdem können wir es vergessen den Asteroiden zu bremsen.", murmelte Sulu. „Sie haben ihn getarnt."

„Aye", Scott schüttelte mit dem Kopf. „Warum er? Warum Spock?"

Kelley räusperte sich. „Sir, ich habe dort vulkanoide Lebensformen gescannt, bevor sie sich getarnt haben und das passierte. Vielleicht weil er Vulkanier ist?"

Scott blickte ihn scharf an und nickte dann. „Möglich Mr. Kelley, durchaus möglich ... dennoch, wir können nichts mehr tun." Scott setzte sich widerwillig in den Kommandosessel und seufzte mit einem kurzen Seitenblick auf Chapel, die ihn noch immer besorgt ansah. „Wir haben jetzt nur noch zwei Möglichkeiten. Wir bleiben
hinter oder vor dem Asteroiden und hoffen, das die Tarnung löcherig wird – oder ..."

Scott schluckte schwer. „... oder wir fliegen nach Brusca und suchen den Captain."

Chapel richtete sich auf. „Scotty, wir können Spock nicht denen überlassen. Wer auch immer die sind. Außerdem ....", sie zögerte. „....er ist noch angeschlagen und ... benötigt regelmäßige Injektionen."

„Christine...," unterbrach der Schotte leise. „....es fällt mir nicht leicht, glauben sie mir das. Aber es gibt im Moment keinen Weg ihn da herauszuholen und auf Brusca ist noch immer der Captain. Wir werden den Captain suchen und dann zurückkehren."

Kelley sah kurz zu Chapel, deren Gesichtsausdruck die Sorge um Spock verriet. Kelley erinnerte sich an das Erscheinungsbild seines Vorgesetzten als er auf die Brücke kam und fast in ihn gelaufen wäre. Uniformhemd in der Hand, leicht zitternd und offensichtlich vom Alarm unsanft aus dem Schlaf geholt, die Haare noch leicht durcheinander.

Nie hatte er den Commander so gesehen und Chapels Gesicht verriet ihm, dass mehr hinter dem medizinischen Zustand des Vulkaniers steckte als sie laut aussprach. Er hatte es befürchtet. Doch auch er sah keine Alternative, die er dem Schotten vorschlagen konnte und senkte betrübt den Blick.

Scott sah in die Runde. Chekov und Sulu nickten schweigend. Uhura senkte frustriert den Blick und Chapel schüttelte langsam den Kopf.

„Mr. Sulu, Kurs auf Brusca. Warp 2!", befahl Scott schweren Herzens. Einen Moment sah er zu Kelley und dann wieder auf den Hauptschirm.

„Halten sie durch Mr. Spock.", flüsterte Scott leiser und schloss die Augen, als Sulu den Befehl ausführte und die Enterprise in den Warp ging, den Asteroiden mit dem Vulkanier hinter sich lassend.


***


Als Hände seinen Körper sanft berührten und über die erhitzte Haut strichen stöhnte Spock und erschauerte. Seine Knie wollten nachgeben doch irgendetwas hielt ihn aufrecht. Eine warme Hand wanderte über seinen Körper. Jim.

Die Hände fanden den Eingang in Spocks Uniform und sanft schoben sich zwei Hände unter den Stoff. Warme trockene und weiche Haut berührte ihn und strich über seinen Rücken. Nicht Jims Haut. Nicht Jims Haut. Sie war feucht und kühl, nicht warm. Jim?

Er war erregt. So erregt. Er konnte ein Stöhnen nicht unterdrücken und wieder strichen Finger über seine nun entblößte Haut, ließen die feinen Haare sich aufstellen und sendeten prickelnde Erregung durch seinen Körper.

Er zitterte, als Ekstase seinen Körper erschütterte. Lass dich fallen, rief eine Stimme in ihm und zog ihn wieder fort von den vagen Eindrücken seiner Sinne. Ja er wollte sich fallen lassen. Jim. Wo bist du? Seine Erregung wurde unerträglich und ein leiser Schrei bahnte sich seinen Weg durch seine Kehle.

Das Band, er musste zu Jim. Das Band würde ihn leiten. Instinkte besiegten die zerfaserten Reste seiner Kontrollen. Spock öffnete seine Barrieren und wollte sich fallen lassen, dem Band entgegen. Jim war dort. Er musste dort sein.

Schmerz? Ein letzter dünner Halm seines rationalen Verstandes hielt ihn zurück. Nein! Jim! Nein! Er war tot. Das Band war gerissen. Schmerz umfing ihn und Schwärze, dort wo eben noch der Weg zu Jim gewesen war. Nein! Kontrolle. Schirme dich ab. Schirme dich ab. Spock kämpfte mit letzter Kraft gegen den Sog an und verbarrikadierte die wunde Stelle in seinem Geist und wurde sich wieder seines Körpers bewusst.

Er war noch immer erregt. Schweiß kühlte seine Haut. Er hatte Fieber und sein Körper entzog sich den meisten seiner Kontrollen. Er musste aufwachen, meditieren. Er durfte nicht träumen. Jeder Traum riss ihn tiefer in das nicht mehr existierende Band. Er durfte nicht der verlockenden Stimme in ihm folgen. Das Fieber schwächte ihn. Ein Schauer durchlief seinen Körper. Nicht schon wieder. Es war zu früh.

Spock mühte seine Augen auf. Er sah nur verschwommen und blinzelte mehrmals um seinen Blick scharf zu bekommen. Ein Paar hellbrauner Augen starrte ihn an und hielt seinen Blick für einen endlosen Moment gefangen.

Er wollte etwas sagen, wollte sich bewegen doch sein Körper verweigerte ihm den Dienst und nur ein unartikulierter Laut verließ seine Lippen.

Die hellbraunen Augen starrten ihn nach wie vor an und plötzlich berührte eine Präsenz seinen Geist.

//Feind!//

Spock blinzelte wieder. Die Präsenz war verschwunden, ebenso die Augen und er konnte nun seine Umgebung sehen. Er war in einer großen Höhle. An den Wänden standen Männer in einiger Entfernung mit dem Rücken zu ihm und bedienten Instrumente, die in die Wände eingebaut schienen.

Weite rote Kleidung, Lange blonde Haare und ein schlanker Körperbau. Mehr konnte er nicht erkennen, doch fügte er im Geiste noch hellbraune Augen hinzu.

Er selbst war völlig entkleidet worden und an die Wand gefesselt. Beide Arme über dem Kopf und die Füße berührten gerade eben den Boden. Es erinnerte ihn an alte Überlieferungen. Man hatte Gefangene eines fremden Clans entkleidet und auf diese Art gefesselt, hat sie beobachtet und verhört. Wann war das, woher kam dieser Gedanke?

Vorsichtig testete er die Stabilität der Fesseln. Sie waren stabil und hielten ihn unweigerlich an der kalten Felswand fest. Warum war er hier und wer war die Präsenz eben noch in seinem Geist? Telepathen?

Spock schloss die Augen und versuchte seine Gedanken unter Kontrolle zu bekommen. Er musste auf dem Asteroiden sein. Im Asteroiden. Eine Höhle. Er war direkt von der Brücke hierher gebracht worden. Wie? Der Tachyonenrichtstrahl, ein Transporter durch die Schilde? Waren so auch die Phaser durch die Schilde gedrungen? Sie mussten die Frequenzen ändern.

Ein weiteres Schaudern und Zittern lief plötzlich durch seinen Körper, welches er wieder nicht kontrollieren konnte. Er war noch immer schmerzhaft erregt. Der Traum? Wenn es einer war. Seine Injektion war überfällig und sein Körper begann das Pon Farr einzuleiten. Es war zu früh, doch die Anzeichen waren deutlich. Er hatte nicht mehr viel Zeit, ohne fortgesetzte Injektionen würden seine letzten Kräfte sehr bald kollabieren.

Spock verlangsamte seinen Atem, als langsam wieder ein wenig Rationalität in seinen Geist zurückkehrte. Er musste mit den Fremden Kontakt aufnehmen. Irgendwie.

//du bist im Fieber//

Spock zuckte zusammen. Wieder eine fremde Präsenz in ihm, die scheinbar mühelos durch seine Abschirmung drang. Das sollte nicht möglich sein. Er öffnete die Augen, dieses Mal sah er sofort scharf, ohne blinzeln zu müssen.

Ein in rot gekleideter Mann stand vor ihm und musterte ihn – wieder die hellbraunen Augen. Neben ihm zwei weitere Männer. Alle blond, mit langen offenen Haaren und kleinen Zöpfen vorn, die den Blick auf die spitzen Ohren und geschwungenen Augenbrauen freigaben – und hellbraune Augen.

//du bist im alten Fieber, ... //

Spocks Augenbrauen wanderten verwundert nach oben, noch bevor er es kontrollieren konnte. Offensichtlich Telepathen. Irgendetwas an ihrem Aussehen erinnerte ihn an .... was? Hellbraune Augen. Vulkanoide. Warum arbeitete sein Verstand so langsam? Die alten Erzählungen. Konnte es sein?

„Qskath...", krächzte er mühsam über trockene Lippen, als ihm endlich das Wort einfiel um diese Rasse von Vulkaniern zu bezeichnen.

Nun blickten ihn die drei Männer verwundert an und einer von ihnen sprach etwas, was Spock nicht sofort verstand. Dennoch kam ihm die Sprache seltsam vertraut vor. Altvulkan? Nicht ganz, dennoch ähnlich. Zu ähnlich für eine Laune der Natur.

//Woher kennst du das Wort?//, fragte eine klare verständliche Stimme in seinem Kopf. Er wusste nicht welcher der drei Männer es war. Er musste sich konzentrieren, antworten solange eine Verbindung bestand.

//Ihr seid von meinem Volk ...//, antwortete Spock der fremden Präsenz, doch sofort war sie wieder verschwunden ohne eine Antwort. Ebenso ungefragt, wie sie in seinen Geist eingedrungen war, war sie wieder gegangen.

Spock ordnete mit quälender Langsamkeit seine Gedanken und kämpfte keuchend einen erneuten Fieberschub nieder. Mental war die einzige Verständigungsmöglichkeit. Übelkeit stieg in ihm auf, Telepathen, die ungefragt in seinen Geist eindrangen. Was machten sie hier? Auf einem Asteroiden? War es wirklich möglich, dass die Qsakth hier lebten? Waren es tatsächlich Qskath, die ´Gefürchteten´ aus alter Geschichte?

Spock mühte sich in seinen Erinnerungen die Fakten zu finden, die ihm bekannt waren. Zu sehr beeinflusste das beginnende Pon Farr bereits seine Sinne und seinen rationalen Verstand. Die Qsakth hatten Vulkan verlassen. Gemeinsam mit den ´Getrennten´ nachdem Suraks Lehren auf Vulkan verbreitet wurden. Sie galten als verloren, da niemals wieder etwas von ihnen gehört wurde.

Ihre telepathischen Kräfte waren enorm und gefürchtet und sie, die in den alten Jahren des Krieges eine hohe Stellung hatten, waren gemieden in der neuen Zeit des Friedens. Hatten sie etwa hier eine Heimat gefunden? Getrennt von den Rihannsu? Hellbraune Augen, so sagten die alten Überlieferungen, waren ein Zeichen der Clans, die jene Macht hatten mit einem Gedanken zu töten – oder zu heilen.

Einer der Männer drehte sich um und rief etwas hinter sich. Ein älterer Mann kam zu ihnen. Nicht mehr blond, sondern ergraut, doch die selben langen Haare und kleinen Zöpfe vorne. Einen Moment redeten sie leise, dann trat er vor Spock und musterte ihn – Misstrauen und Neugier zugleich in den hellen Augen.

Spock erwiderte den intensiven Blick einen Moment. „Nash-veh Spohkh s´T´Khasi ... vuhlkansu …", krächzte Spock heiser in der Hoffnung, dass er verstanden wurde und seine Vermutung zutraf.

„T´Khasi....", wiederholte der ältere Mann leise. Er blickte überrascht zu den drei Männern, dann wieder zu Spock und kam einen Schritt auf ihn zu. „T´khasi?" Er hob langsam seine Hand und legte die Fingerkuppen sanft an Spocks Schläfe.

Spock zuckte kurz zurück als eine Präsenz in seinen Geist eindrang. Durch den physischen Kontakt nun weitaus intensiver als vor wenigen Augenblicken. Er sammelte die Fragmente seiner Abschirmung zusammen. Doch es war nutzlos. Sie würden nutzlos bleiben, wenn diese Männer tatsächlich Qsakth waren.

Der ältere Mann hätte die Berührung seiner Kontaktpunkte nicht benötigt, doch sie verstärkte die geistige Verbindung um ein vielfaches. Spocks löcherige Schilde konnten ihr nicht standhalten. Er fühlte wie sein Körper sich aufbäumte und erstarrte ohne das er es verhindern konnte.

//Wenn du wahr sprichst, fürchte dich nicht ... Spock von T´Khasi? ....ein Sohn der Heimatwelt meiner Ahnen .... ist es das, was du bist? ...//

Es war wahr. Der Mann hatte ihn verstanden. Es waren Qsakth.

Spock schloss die Augen und fühlte sofort wie die Präsenz seinen Geist durchforschte und lang antrainierte Barrieren einriss. Sein Körper gab endgültig nach und begann unkontrolliert zu zittern als ein weiterer Fieberschub ihn ergriff. Der Fremde forschte weiter in seinen Erinnerungen und verharrte plötzlich.

//...das alte Fieber....ein Partnerband ...es ist gerissen....jemand ruft dich …weit entfernt ...er ist noch da ....höre .... //

Schmerz wallte in Spock auf und er kämpfte mit den Barrieren, welche die schmerzende Stelle in ihm noch immer unter eisernem Verschluss hielt. Einen Moment war er froh über die Fesseln. Unbewusst nahm er war, wie er daran rüttelte, wie das Fieber begann seinen Körper zu übernehmen. Er musste allein sein. Allein in seinem Schmerz des Fiebers und zugleich des Verlustes. Allein in seinen Gedanken. Jim.

//wehre dich nicht ...du warst verletzt, das ist der Grund. Öffne dich wieder. Er ruft dich …//

Er wollte diese Stimme nicht weiter hören. Wollte allein sein. Allein.

//Geh, lass mich allein. Ich werde ihm folgen, wenn die Zeit gekommen ist. Doch jetzt habe ich noch eine Aufgabe. Geh.//

//Nein. Du bist schwach. Das Fieber schwächt dich. Du musst dich öffnen. Er kann es nicht allein. Du kannst es nicht allein. Er wird dir helfen. Ich werde euch helfen. Komm ...//

Spock fühlte wie die Präsenz nach dem Band griff und ihn mit sich zog. Nein. Das durfte nicht sein. Er durfte es nicht zulassen. Er würde sterben, wenn er Jim jetzt folgte. Er musste noch seine Aufgabe erfüllen, erst dann … Spock richtete all seine verbliebene Kraft auf die Abschirmung und seine mentalen Disziplinen doch es war nicht genug.

//Lass dich fallen. Dort ist was du suchst. Komm ... Spock ...//

Spocks Körper schrie als seine Seele verbittert um den letzten Halt kämpfte, obwohl er bereits in den Abgrund fiel. Schwärze und Schmerzen umfingen ihn und er spürte wie die Präsenz des alten Mannes schließlich schwächer wurde und von einer anderen abgelöst wurde. Nein, sie sollten ihn allein lassen. Nein.

//Spock? …. Spock?//

Jemand rief ihn. Wieder die Stimme aus seinen Träumen. Weit entfernt und kaum wahrnehmbar durch die Schmerzen und Krämpfe, die seinen Körper schüttelten. Er musste sich abschirmen, sonst würde er zu weit in die Schwärze fallen. Doch er fiel weiter, seine Kräfte schwanden zunehmend.

//Spock. Dreh dich um. Sieh her. Spock//

Licht? Eine vertraute Person umfing ihn plötzlich und hielt seinen bodenlosen Fall auf. Jim. Es musste Jim sein. Er griff nach ihm und konnte ihn kaum erreichen. Spock fühlte wie sich Tränen formten.

//So viel Schmerzen. Spock ich bin hier....komm.//

//Jim?//

Jim war da. Das Band erwachte mit einem blendenden Gleißen wieder zum Leben. Jim. Blind klammerte er sich an seinen Freund, seinem Partner hielt fest wie ein Ertrinkender und ignorierte die Tränen. Er wollte nicht mehr fallen, er war schwach.

//Jim....//

//Ja. Endlich Spock ... //

//Jim.. ....das Band … es kann nicht …. //

//Es ist hier. Ich bin hier. Du bist nicht allein ....//

//...das Fieber. Jim......keine Kraft ....//

//Shhh, ich weiß. Ich bin hier Spock.//, wie ein kühler Morgenregen klang die Stimme über seine aufgewühlten Gedanken und zog ihn in seinen Bann. Es gab kein zurück. Spock spürte wie sein Körper ihn betrog. Er kämpfte gegen einen weiteren Schub von fiebernder Erregung – er brannte, es war zu früh für die Feuer des Pon Farr, zu früh.

//T´hy´la, .... kann nicht ... zu stark.//

//Lass es zu, kämpfe nicht mehr, ich bin jetzt hier, bei dir ... getrennt und doch vereint.....komm Spock, …. zu mir….//

Die richtigen Worte, die richtigen Gedanken, so richtig und alles was er noch benötigte. Die Überreste seiner Mauern zerfielen zu Schutt und Staub. Er fiel und genoss die vertrauten Berührungen, die Geborgenheit. Er lebte. Jim lebte. Sein Körper lebte und erbebte unter jeder der sanften Berührungen bis er in einer Woge aus Ekstase und Fieber schließlich das Bewusstsein verlor, mit letztem rationalen Gedanken Jims Namen schreiend und das wiedererwachte mentale Band umklammernd.


***


Sorgfältig löste der grauhaarige Mann seine Finger vom Gesicht des nun bewusstlosen und schwer atmenden gefesselten Mannes. Er berührte besorgt und kopfschüttelnd mit einem Finger die feuchte Stelle auf dem flachen Bauch, der sich noch immer rasch hob und senkte und betrachtete die Flüssigkeit.

Weiß und leicht grün. Warm. Samen. Sie würden ihn analysieren, dennoch war sein Urteil gefällt über diesen Mann. Er erschauerte leicht und schüttelte die Reste der abgebrochenen Geistesverschmelzung ab. So intensiv. Lange hatte er nicht mehr die
Hitze des alten Fiebers gespürt, das Verlangen und die Kräfte eines alten Kriegerbandes.

Er betrachtete den Bewusstlosen genauer. So dunkel, das dunkle Haar der Vuhlkansu und Rihannsu, die dunklen Brauen und die tiefbraunen Augen. Die mentalen Disziplinen waren stark, stärker als er es für möglich gehalten hatte, stärker, als seine Vorväter es gekannt hatten. Sanft strich er über die schweißnasse Haut. Die Sonne T´khasis hatte sie berührt. Es war wahr.

Mit einem Seufzen drehte er sich zu den wartenden Männern.

„Macht ihn los und bringt ihn in ein Bett, versorgt ihn und kleidet ihn. Er ist ein Sohn von T´khasi, der verlassenen Welt unserer Ahnen. Er ist noch schwach, doch es wird ihm nach etwas Schlaf und Essen besser gehen. Das Fieber ist fürs erste gebrochen."

Die anderen Männer sahen den Alten zweifelnd an. „Qurak, bist du sicher? Er sieht aus wie die anderen. Er kommt von diesem Raumschiff. Er könnte ..."

„Schweig. Hast du je einen der Anderen im Fieber gesehen? Hat je einer der Anderen Worte unserer Ahnen gekannt? Hat je einer der Anderen den alten Namen der verlassenen Heimatwelt gekannt? Hat je einer der Anderen die Fähigkeit gehabt mit uns im Geist zu kommunizieren?"

Der junge Mann schüttelte den Kopf. „Nein Qurak, aber dennoch. Sie haben Gefangene genommen. Sie könnten unser Erbe mit ihrem gemischt haben."

Qurak sah ihn nachdenklich an. „Das könnten sie. Er sieht aus wie die Anderen, aber er denkt nicht wie die anderen. Sein Geist ist nicht Rihannsu. Sie können nicht Bilder einer Welt, auf der unsere Ahnen lebten in seinen Geist bringen, denn sie haben sie nicht, sie
haben sie nie gesehen. Nicht die Erinnerungen und kein Partnerband. Ein altes Kriegerband. Sein Geist ist stark, wäre nicht das Fieber hätten ich ihn nicht lesen können."

Qurak drehte sich zu dem noch immer bewusstlos in den Fesseln hängenden Körper und strich sanft über die dunklen verschwitzten Haarsträhnen. „...und ich habe Quus in dir gespürt, der du Spock genannt wirst. Er war bei deinem Partner. Er hat geholfen. Der Schaden war groß, doch ist nun geheilt. Ruh aus Spock von T´Khasi.", murmelte er leise zu dem Bewusstlosen.

„Quus? Aber die Berichte sagen er ist tot, seit dem ersten Versuch des Kontaktes.", einer der jungen Männer trat vor und sah Qurak verwundert an.

„Nein, Q´tarak." Qurak drehte sich langsam kopfschüttelnd zu seinen Männern. „Quus lebt. Er war da, ich spürte ihn. Zweifelt ihr?"

Q´tarak sah zu den beiden anderen und langsam neigten sie die Köpfe. „Nein Qurak."

„Macht ihn los. Er ist ein Freund."

Ergeben nickten die drei Männer und begannen Spock von der Wand zu befreien und sanft in Decken zu wickeln.

***

Mit einem Schrei löste Quus seine Hände von Kirks Gesicht und sprang auf. Langsam ging er zum Fenster und sah hinaus. Legan blickte überrascht auf. Dann stand er ebenfalls auf und trat hinter Quus, sprach ihn leise an.

McCoy hatte seit fast einer halben Stunde atemlos zugesehen, wie Quus sich mit Kirks Geist verschmolzen hatte, wie Tränen und Schmerzen über das Gesicht seines Freundes gewandert waren und verschwunden waren und erstarrte nun.

Kirk ließ seinen Kopf in die Hände fallen und atmete heftig.

„Jim?"

„Spock.", flüsterte er leise. „Spock, oh Spock ...."

McCoy gab seinen Platz auf dem Sessel auf und kniete sich vor Kirk. Er nahm beide Hände von Kirks Gesicht und suchte seine Augen. „Jim, was ist passiert?"

Kirk blinzelte, wie um seinen Blick zu klären. „Bones?"

„Ja, natürlich ... Was ist passiert?"

„Spock, er .... das Band. Es ist wieder intakt. Er hatte es abgeschirmt, so stark, dass er es nicht mehr ....... er war da und ... Bones, er ist im Pon Farr, er..." Kirk schluckte und schloss gequält die Augen.

„Im Pon Farr ....na wunderbar, einen besseren Zeitpunkt gibt es nicht ....", schimpfte McCoy ironisch doch rasch wurde sein Blick wieder sanfter. „Jim? Wo ist er? Die Enterprise .... was ist passiert?"

Kirk schüttelte den Kopf und sah kurz zu Quus, dann wieder zu McCoy. „Ich weiß noch nicht ob ich alles verstehe, aber ...ich glaube ich konnte ihm helfen. Im Moment ist er bewusstlos, vom Fieber, doch es geht ihm jetzt besser. Er ruht aus. Ich fühle ihn noch, Bones." Kirk tippte sich an die Schläfe, dann richtete er seine Aufmerksamkeit wieder auf Quus. „Aber ich weiß nicht wo er sich befand ...Mr. Quus?"

Quus drehte sich um. McCoy entging nicht eine feine Linie von Sorge in seinem Gesicht. Zu lange hatte er Erfahrung darin, vulkanische Gesichtszüge zu deuten.

„Captain? Er ist bei .... bei meinem Volk, bei seinem Volk, jemand war bei ihm, ...." Quus schüttelte den Kopf und drehte sich wieder zum Fenster. „Wie soll ich es erklären?"

„Oh," McCoy stand wütend und ungeduldig auf und ging einige Schritte auf den älteren Mann zu. „Am besten ...."

Legan hielt ihn auf und packte ihn am Kragen. „Fassen sie ihn nicht an....", zischte er, doch Quus hob eine Hand.

„Nein Legan, sie haben ein Recht .....", er drehte sich wieder um und blickte zu Kirk. „Aber vielleicht sollte es besser Commander Spock erklären ... jetzt sind andere Dinge wichtiger."

„Was ist wichtiger? Wo ist er?", fragte Kirk drängend und lehnte sich müde zurück. Er spürte wieder das sanfte Vibrieren von Spocks Präsenz in seinem Geist. Er musste zu ihm. Spock rief nach ihm. Bald Spock, bald. Ich komme zu dir.

„Der Asteroid. Ihr .... Commander ist vielleicht dort. Ich weiß noch nicht warum und wie er dort hingekommen ist. Vielleicht ist auch jemand von dort auf der Enterprise. Er war zu schwach, der Schaden im Band zu stark und das Fieber war zu weit fortgeschritten. Ich konnte nicht mehr zulassen....."

 

Quus drehte sich zu Legan und sprach leiser. „Qurak war bei ihm, ich spürte ihn. Er war in der Verbindung. Es war vielleicht unser Glück, die mentalen Barrieren des Vulkaniers sind sehr stark."

Legan machte große Augen. „Qurak?"

„Wer ist Qurak?", fragte McCoy ungeduldig.

„Mein Bruder!", erwiderte Quus knapp. Er wollte weiterreden, doch wurde von einem lauten Klopfen an der Tür unterbrochen.

Legan zog die Augenbrauen zusammen. „Was ist?", rief er.

Die Türen öffneten sich und ein aufgeregter Bruscer lief herein. „Herr ...", er kniete kurz nieder und stand dann wieder auf. „Der Asteroid hat sich vor 2 Stunden getarnt. Der Nordkontinent ist in Aufruhr. Sie wollen die Technik und haben ihre Waffen in Stellung gebracht. Sie greifen uns an ...sie haben Technik der Klingonen und .... "

„Nein!", ächzte Quus. „Legan. Nicht diesen. Wir dürfen diesen nicht vernichten ..."

Legan schloss kurz die Augen. „Quus, der andere ist bereits eingeschlagen. Wir dürfen das bei diesem nicht riskieren. So viele Leben ...."

„So viele Leben auch meines Volkes.", flüsterte Quus.

„Technik der Klingonen?", fragte Kirk dazwischen.

Der jüngere Bruscer sah ihn kurz erschrocken an und dann wieder zu Legan. „Regent? Wir müssen ihnen die Technik geben den Asteroiden zu eliminieren, wenn wir nicht in den Krieg ziehen wollen."

„Spannt die Schilde auf, über jeder Stadt des Kontinents.", befahl Legan.

„Sie werden nicht lange halten Herr."

„Wie lange?", frage Legan ungeduldig und sah mahnend zu Quus, dem das Entsetzen ins Gesicht geschrieben stand.

Der jüngere Bruscer dachte kurz nach. „Die neue Technik dieser Fremden, Klingonen, macht es schwer .... vielleicht einen Tag, Herr."

„Schilde! Bis ich neue Befehle gebe. Wir werden uns zur Zentrale begeben. Der Stab soll sich ebenfalls dort einfinden."

Mit einer Verbeugung verließ der junge Bruscer rasch das Zimmer. Legan wirbelte zu Quus.

„Quus, wir können ihnen das nicht länger verweigern. Wir haben es ihnen bereits länger vorenthalten als wir sollten um diese Männer hier her zu holen." Legan deutete auf Kirk und McCoy die bisher schweigend zusahen. „Er wird eine weitere Stadt zerstören. Wie viele sind dort oben .... 20? 30? 30 Leben gegen eine komplette Stadt? Es ist der Nordkontinent, aber es ist auch mein Volk, meine Welt."

Quus starrte ihn an. „Und meines Legan! Es muss einen anderen Weg geben. Es muss. Sie kommen in Frieden, sie werden nicht ..."

Legan lachte scharf. „Sie werden nicht? Der letzte hat unseren Himmel über Tage verdunkelt, die Erde erzittern lassen, Schaden für Pflanzen und alles was auf dem Planeten lebt. Die vielen in den letzten 150 Jahren, bevor du dein Wissen herausgabst. Sie werden nicht? Sie werden es nicht verhindern können, wenn die Rihannsu .... ach!"

Mit einem Schnauben drehte sich der Regent um und ballte die Fäuste. Kirk und McCoy tauschten wieder besorgte und verwirrte Blicke. Kirk räusperte sich.

„Diese Zentrale, Legan. Könnten sie von dort Kontakt mit einem Raumschiff aufnehmen?"

Legan sah ihn an. „Natürlich, warum?"

„Wenn die Enterprise in diesem Sonnensystem irgendwo ist, und daran zweifele ich nicht, dann müssen wir sie kontaktieren. Dann haben wir vielleicht eine Möglichkeit zu helfen ....und den Botschafter der Föderation müssen wir erreichen. Er sollte Bescheid wissen, was vor sich geht."

Legan sah ihn einen Moment an, dann Quus, der noch immer besorgt aussah.

„Gehen wir."


(...wird fortgesetzt in Teil 11)