Titel: Breakfast treats 2
Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD
Pairung: House, Wilson
Rating: vor-serie, pg [slashy]
Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Nach einer Nacht in der Zelle braucht man ein gutes Frühstück.
Warnungen: Spoiler für Staffel 5 (5.04 Birthmark)

Anmerkung: diese Story ist die Schuld von Anthony Bourdain und seiner Begeisterung für Po-Boy ;) (http://en.wikipedia.org/wiki/Po_boy)

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.




Der Mann, der an der Motorhaube einer Schrottkiste lehnte, schob seine Sonnenbrille ins Haar hoch, steckte die Finger in den Mund und pfiff. „Hey!“ Er war unrasiert, ungekämmt und das dunkelblaue T-Shirt unter einem zerknitterten Jackett zeigte Senfspuren. Alles in allem wirkte er, als hätte er die Nacht entweder in seinen Klamotten verbracht, oder überhaupt nicht geschlafen. Unter dem Saum ausgewaschener Jeans sah ein Paar giftgrüner Turnschuhe hervor, offensichtlich das einzig neue an seiner Kleidung.

Der andere, etwas jüngere Mann, der mit hängenden Schultern und gesenktem Kopf das Polizeirevier verließ, zuckte zusammen und sah alarmiert auf. Sein blasses, übernächtigtes Gesicht färbte sich rot, als er den Mann mit den giftgrünen Schuhen entdeckte. Er zögerte, hob die Hand und fuhr sich durch die braunen Haare, um sich dann den Nacken zu reiben. Seine Kleidung – ein gutgeschnittener und nicht ganz billiger Anzug – war zerknittert und faltig; er hatte eine Krawatte nachlässig in die linke Tasche gesteckt und hielt einen Umschlag in der Hand. „Ähem… oh… Hallo“, murmelte er.

Der Mann mit der Sonnenbrille stieß sich vom Wagen ab und trat auf den anderen zu. Scharfe, blaue Augen nahmen die Erscheinung des Jüngeren genau in Augenschein, dann grinste er. „Na, nicht genug Schönheitsschlaf da drin bekommen?“, spottete er. „Lausige Betten oder lausige Bettgenossen? Ein Zellengenosse, der dir ein Sandwich anbot, obwohl er überhaupt nichts zu essen dabei hatte?“

„Nein! Ich war… allein in…“ Abrupt wechselte der jüngere Mann die Farbe, sein Gesicht nahm einen grünlichen Ton an. Er stolperte ein paar Schritte zur Seite, hielt sich an einem der geparkten Wagen fest und übergab sich in den Rinnstein. „Tut mir… leid“, stieß er atemlos hervor.

Seufzend wandte sich der Ältere ab und öffnete die Beifahrertür seines Wagens, er beugte sich hinein und begann im Handschuhfach zu kramen. Einen Moment später drückte er dem braunhaarigen Mann zwei fast saubere Servietten mit dem Logo einer Fastfoodkette in die Hand, damit er sich den Mund abwischen konnte.

„Danke.“ Unglücklich – oder verlegen – starrte der jüngere Mann auf seine Schuhe, die einige Spritzer abbekommen hatten. „Uh… für alles.“ Er knüllte die Servietten zusammen und warf sie weg. „Ich muss unbedingt in mein Hotel“, murmelte er. „Duschen und mich umziehen.“ Er blickte den älteren Mann an. „Wie spät ist es?“, fragte er alarmiert.

„Zu spät für die Konferenz. Genau richtig für ein Frühstück.“ Blaue Augen verschwanden hinter der Sonnenbrille. „Ich kenne den passenden Ort dafür.“ Er wandte sich ab und ging zu seinem Wagen.

„Eigentlich hätte ich jetzt lieber eine Dusche“, murrte der Jüngere, folgte ihm aber zum Auto. Irgendwie fühlte er sich von den Ereignissen der vergangenen Nacht noch wie betäubt und war fast erleichtert, die Entscheidungen jemand anderem überlassen zu können. Er öffnete die Beifahrertür und ließ sich in den Sitz fallen – um sofort wieder aufzufahren, heftig genug um sich den Kopf an der Decke anzustoßen. Angewidert zupfte er die zerquetschten Reste eines halben HotDogs von seiner Hose und warf sie durch das halb heruntergekurbelte Fenster hinaus. Er versuchte es zu schließen.

„Bemüh‘ dich nicht, das ist kaputt“, kam es vom Fahrersitz.

„Tut mir leid.“

„Hör‘ auf, dich zu entschuldigen.“ Der ältere Mann sah über den Rand der Sonnenbrille. „Es ist nicht mein Wagen.“

„O-okay.“ Der Jüngere sah auf seine linke Hand, die mit Senf und Chutney verschmiert war. Er hielt sie hoch. „Kann ich vielleicht noch eine Serviette haben?“

„Keine mehr da.“ Noch bevor er den Satz beendet hatte, beugte sich der Blauäugige vor und leckte ihm den Senf von den Fingern.

„Was…?“ Mehr brachte der jüngere Mann nicht hervor. „Ähem…“

„Hey, ich habe Hunger. Ich wollte den HotDog noch essen.“

„Wohin bringen Sie mich?“, fragte der braunhaarige Mann. Er beschloss, nicht weiter darüber nachzudenken was eben passiert war. Vermutlich ein Witz.

„Frühstücken.“

„Oh-kay.“ Müde lehnte er sich zurück, als der andere Mann den Wagen auf die Straße steuerte. Das war nicht weniger bizarr als der vergangene Abend. Er schloss die Augen. Was in der Bar passiert war… es schien so unwirklich, wie aus einem Film. Und der Mann neben ihm… Er sah zu ihm hinüber. „Ähem… Ich… ich möchte mich dafür bedanken, dass Sie die Kaution bezahlt haben. Wenn wir zurück in meinem Hotel sind, kann ich Ihnen einen Scheck ausstellen…“

„Leute, die mir 3000 Dollar schulden, können mich duzen“, unterbrach ihn der andere.

„3000 Dollar?“ Der jüngere schluckte. „Es war doch nur ein Spiegel, in einer Bar, kein kein… was weiß ich wie wertvolles…“ Er fuhr matt mit der Hand durch die Luft. „...Ding.“ Wie viel hatte er eigentlich gestern getrunken? Seine Denkprozesse waren so lahm wie seine Zunge bleischwer und sein Mund schmeckte, als hätte er den Rinnstein ausgeleckt.

„Es war ein antiker Spiegel“, warf sein ‚Befreier‘ ein. „Ein wertvoller, antiker Spiegel. Ganz zu schweigen von der Schlägerei, die sich daraus entwickelt hat. Die alleine ist das Geld wert.“ Abrupt kam der Wagen zum Stillstand. „Das heißt nicht, dass ich es nicht zurück will.“

„Selbstverständlich. So bald ich… Ich weiß nicht einmal, wie Sie heißen. Wie du heißt“, verbesserte er sich, als ihn wieder ein Blick aus blauen Augen traf. „Auf welchen Namen muss ich den Scheck ausstellen.“

„Nach dem Frühstück. Du bezahlst.“ Der ältere Mann stieg aus.

Er stieg aus, legte den Umschlag mit seinen Sachen auf den Beifahrersitz und folgte ihm, etwas weniger enthusiastisch. „Ähem… ich bin James Wilson.“ Da kam keine Antwort, aber nach einem Moment traf ihn ein Namensschild; wie das, welches sie am Anfang der Konferenz erhalten hatten, an der Stirn. Allerdings sah das hier aus, als hätte es einen Waschgang überstanden und wäre dann von einem Hund angeknabbert worden. „Freut mich, dich kennen zu lernen, Gregory House“, rief er dem anderen Mann hinterher.

„Nur House, Jimmy“, kam es von House zurück.

„Es heißt James.“ Wilsons schwacher Protest blieb ungehört, denn House war bereits in dem Gebäude verschwunden, über dessen Tür ein halbdefektes Neonschild einer Bierreklame müde vor sich hin blinkte. Er folgte ihm seufzend.

* * *

Der Raum war halbdunkel und nach der Helligkeit draußen, stand James Wilson einen Moment wie geblendet da. Alter Rauch kratzte in seinen übermüdeten Augen und der Mix aus Schweiß, Alkohol und verbranntem Essen ließ seinen Magen einen Salto schlagen. Und zu allem Überfluss wusste er, dass sich der Druck hinter seinen Schläfen in Kürze zu gewaltigen Kopfschmerzen auswachsen würde.

House saß bereits an der Theke und war offenbar damit beschäftigt, mit der Frau dahinter zu flirten. Er lehnte sich vor und schien ihr etwas zuzuflüstern.

Sie musterte ihn neugierig, als Wilson sich neben ihn setzte und schob ihm dann eine Bierflasche zu, ohne auf seine Bestellung zu warten. Vor House stand ebenfalls eine.

„Uh, ich denke nicht, dass ich… ich glaube, ein Kaffee wäre besser. Und ungefähr eine Handvoll Kopfschmerztabletten.“ Er schob das Bier weg. Überhaupt würde er nie wieder Alkohol trinken, um von vorne herein auszuschließen, dass so etwas wie gestern Abend jemals wieder geschehen konnte.

„Nicht auf leeren Magen, Jimmy. Ich habe keine Lust auf eine Wiederholungsvorstellung.“ House drehte sich auf dem Barhocker. „Ich habe uns schon etwas bestellt.“

„Hier?“, fragte Wilson und sah sich um. Es war nicht viel los, kaum verwunderlich angesichts der Tageszeit, doch niemand aß, soweit er erkennen konnte. „Also ich weiß nicht…“

„Vertrau‘ mir.“ House grinste. „Ich war schon einmal hier, vor zwei Jahren. Mit einem Freund. Er wollte unbedingt auf ein Konzert und brauchte jemand, der ihn beim Fahren ablöste. Hat mir zwanzig Mäuse eingebracht. Und fast eine Verhaftung wegen Autodiebstahls, weil dieser Idiot Crandall seinen Vater nicht um Erlaubnis gefragt hatte, bevor er seinen Wagen nahm.“ Er griff in die Brusttasche und zog eine Visitenkarte heraus, die er Wilson zuschob. „Das ist der Anwalt, der den Deal für dich gemacht hat. Vergiss‘ nicht, ihn anzurufen.“

Wilson starrte die Karte einen Moment an, dann steckte er sie in die Tasche. „Danke.“ Gott, was würden seine Eltern dazu sagen, wenn sie davon erfuhren? Die Scheidung würde seine Mutter schon schwer genug treffen. Und sein Bruder… Schnipsende Finger erschienen direkt in seinem Sichtfeld und holten ihn aus seinen Grübeleien.

„Sehnsucht nach der Zelle? Nach nur einer Nacht?“, spottete House.

„Sehr witzig.“ Wilson schlug ärgerlich seine Hand weg – um sofort verlegen: „Entschuldigung“ zu murmeln.

House grinste und nahm seine Sonnenbrille ab, um sie auf die Theke zu legen. „Hör‘ auf, dich zu entschuldigen, Jimmy. Das wird langweilig.“

„Mein Name ist James. Bitte, ich…“ Zwei Teller klapperten auf den Tresen und unterbrachen ihn. Wilson runzelte die Stirn. Pommes und daneben etwas, das aussah wie ein Stück Baguette… ein Stück frittiertes Baguette? „Was ist das denn?“, fragte er.

„s‘n Po‘bo“, kam es von House, um einen großen Bissen herum.

“Pobo?”, fragte Wilson.

House kaute und kaute und schluckte. “Po-Boy”, sagte er verständlicher, nachdem der Bissen unten war und wischte sich mit dem Ärmel Soße vom Kinn. „Ein halbes Pfund frittierter Köstlichkeit. Käse, frittierte Austern, frittierte Krabben, Roastbeef-Soße. Und das ganze wird in Panade gerollt und ebenfalls frittiert.“

Wilsons Magen schlug erneut einen Salto. „Das klingt nicht, als könnte man es essen.“

„Man kann es nicht nur essen, man ‚muss‘ es essen, wenn man in New Orleans ist. Rote Bohnen mit Reis, Soft Shell Krabben, Alligator-Cheesecake.“ House griff nach Wilsons Teller und nahm sich eine Handvoll Pommes, um sie sich in den Mund zu stopfen. „Jambalaya.“

„Bitte. Bedien‘ dich ruhig“, erwiderte Wilson trocken. Nicht, dass er vorhatte, auch nur einen Bissen zu essen. Schon der Gedanke an Essen ließ seinen Magen krampfen. „Ich habe sowieso keinen Hunger.“

„Hey, ein paar Pommes sind nicht zu viel für den Typen, der dich vor einem Knasttattoo bewahrt hat.“ House biss wieder in sein Sandwich. „Schmeckt fantastisch.“ Soße tropfte über den Rand des Brotes, lief über House‘ Kinn.

Wilson dachte plötzlich an die Szene im Wagen, an den Senf an seinen Fingern – und beugte sich ohne nachzudenken vor, um mit der Zungenspitze die Soße von House‘ Kinn zu lecken. „Stimmt.“ Sein Magen schlug wieder einen Salto, der dieses Mal aber nichts mit dem Gedanken an fettiges Essen, aber dafür sehr viel mit einem überraschten Aufblitzen in blauen Augen zu tun hatte.

House lächelte. „Und ich hatte schon befürchtet, diese Konferenz wird totlangweilig…“


Ende