neu: Down into the bottom of every bottle (House md, PG)
Titel: down into the bottom of every bottle
Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD
Pairung: House, OC, Cuddy, Wilson/Amber
Rating: PG
Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Die Frau mit der Bernsteinkette im Bus ist nicht die einzige Frau, der House an diesem Abend begegnet. (Spoiler für 4.16 Wilson’s Heart)

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen, Songtexte und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Lyrics: Nickelback



I was waiting on a different story
this time I'm mistaken for handing you
a heart worth breaking
I've been down into the bottom of every bottle...


Als die Frau im “Sharrie's“ neben ihm Platz nahm, machte er sich kaum die Mühe, den Kopf zu heben. Was er tat, war seinen Arm zurück zu ziehen, der auf dem Tresen gelegen hatte, denn sie streifte ihn – absichtlich? unabsichtlich? – als sie sich auf den Barhocker schwang. Hatte sie noch nie was von Distanz gehört? Privatsphäre? Ein wenig mehr nach rechts und sie hätte halb auf seinem Schoß gesessen! War das eine neue Flirttechnik? Ups, ich habe mich aus Versehen auf Sie gesetzt. Gehen wir zu mir oder zu dir?

Nicht, dass er es wissen wollte. Sein Gehirn war in einem Zustand, in dem es Gedanken aufpickte und wieder fallen ließ, wie ein kaputtes Radio, dass nur die Hälfte der Frequenzen empfing und von Zeit zu Zeit aussetzte.

Ihre Hüfte streifte seinen Oberschenkel, als sie sich zurechtsetzte. Das war Absicht gewesen, oder?

Er war nicht interessiert. Vielleicht wäre er es irgendwann, an einem anderen Abend gewesen – wenn auch nur aus Neugier, um zu erfahren, warum sie gerade ihn ausgesucht hatte. Das “Sharrie's“ war nicht gerade überfüllt, aber was er aus den Augenwinkeln sehen konnte, sprach nicht dafür, dass sie auf verbitterte, alte Krüppel angewiesen war, die sich an ihrem Scotch-Glas festhielten. Seine Jeans und die abgenutzte Lederjacke waren auch nicht die Voraussetzung dafür, dass sie ihn für reich hielt. Überhaupt, jemand mit Geld würde sich nicht ins “Sharrie's“ setzen. Genau deshalb war er hier.

Sie hatte langes, blondes Haar, das ihn an Camerons erinnerte, als sie es über die Schulter zurückstrich.

Auch eins der verdammten Puzzle, die er nie gelöst hatte. Warum sich die Haare blond färben? Stacy hatte... hey, was hatte sie in seinen Gedanken verloren? Egal. Stacy hatte einmal gesagt, dass Frauen gerne ihre Frisur veränderten, wenn sich etwas in ihrem Leben änderte. Oder irgendetwas ähnlich Schwachsinniges. Vielleicht hatte Chase einfach einen Fetisch für Blondinen. Musste so sein, wenn man von seiner eigenen Frisur ausging.

Es gefiel ihm nicht, wohin – oder zu wem - seine Gedanken abwanderten und er leerte sein Glas, winkte dem Barkeeper. Auf keinen Fall wollte er wieder nüchtern werden. Und an all die Ex-was-auch-immer in seinem Leben zu denken, hatte einen bedauerlich ernüchternden Effekt.

Doch kaum stand das volle Glas vor ihm, noch bevor er danach greifen konnte, tauchte eine Hand mit langen, rosa lackierten Fingernägeln in seinem Blickfeld auf und schnappte sich das Glas.

„Hey!“, protestierte er. „Meine Mutter hat mir verboten, fremden Frauen Drinks auszugeben.“

„Klingt als wäre deine Mutter eine sehr weise Frau“, entgegnete sie.

Ihre Stimme klang vage vertraut und er sah irritiert auf. „Kennen wir uns?“ Er konnte ihr Gesicht nur im Profil sehen, als sie trank. Ihre Art, die Schultern zu bewegen, das Glas zu halten... erinnerte ihn an Anica. Aber sie war gut fünfzehn Jahre jünger als Anica. Nein. Ihr Mund, die Nase... eine exotische Nuance in ihrem Teint... abgesehen von der runden Form der Augen sah sie Samira Terzi ähnlicher als Anica. Zu bedauerlich, dass sie nicht gehalten hatte, was ihr Äußeres versprach.

Ihr Äußeres versprach jedoch auch einiges. Ein schulterfreies Oberteil, ansonsten langweilig, in der gleichen Farbe wie die Fliesen in der Dusche im Umkleideraum. Ein schwarzer Lederrock, Vintage, der so eng saß, dass Cuddys Hintern ihn gesprengt hätte und der förmlich mit dem Barhocker zu verschmelzen schien. Bevor er zu ihren Beinen kommen konnte, räusperte sie sich und er hob den Blick.

Ihre Augen waren in der gedimmten Barbeleuchtung bernsteinfarben, als sie sich ihm zuwandte. Er blinzelte verblüfft, als sich ihre Augen verdunkelten. Okay. Entweder war er betrunkener als er glaubte, oder es lag am Licht, irgendeine optische Täuschung. Er hatte Wilsons Augen dunkler werden sehen, wenn er wütend war oder verletzt, aber nie auf diese drastische Weise...

Er sah weg, stützte den Ellbogen auf den Tresen, legte die Stirn gegen die Handfläche. War es nicht Sinn und Zweck der Übung, nicht an Wilson zu denken?

„Wir könnten uns besser kennen lernen“, sagte sie.

Wie originell. „Kein Interesse.“

„Weil ich nicht er bin?“

Ein frischgefülltes Glas tauchte vor ihm auf und er griff danach wie nach einer Rettungsleine. „Nur weil ich nicht auf jede Tresenschlampe anspringe, heißt das nicht...“ Wenn er sich sicher gewesen wäre, dass er aufstehen könnte, ohne auf die Schnauze zu fallen oder sich über ihre Highheels zu übergeben... „Nicht interessiert“, wiederholte er. Er sah aus den Augenwinkeln, dass sie die Schultern hob.

„Er wird nicht mehr auftauchen.“

„Wir waren nicht verabredet.“ Er leerte das Glas und der Alkohol brannte in seiner Kehle, als wäre es das erste. Wieso antwortete er ihr überhaupt?

„Weil er mit jemand anderem verabredet ist.“

„Gebt der Frau ein Psychologiediplom“, spottete er. „Sie ist gut.“

„Ich weiß“, erwiderte sie und da war keine Spur einer Kränkung in ihrer Stimme. „Aber ich bin nicht er.“ Ihr Glas klickte leise, als sie es auf den Tresen zurückstellte.

„Niemand ist... niemand ist er.“ Es war nicht mal ein richtiger Satz, doch er brachte nichts anderes heraus. Die Worte glitten ihm davon, wie Glasmurmeln die aus einer Kinderhand fielen.

Sie rutschte von ihrem Hocker und wieder streifte ihre Hüfte seinen Oberschenkel. Ihre Hand berührte seinen Hinterkopf – wie ein Segen. Oder ein Fluch. Er nahm es kaum wahr, sah ihr nicht nach, als sie ging.

Es bedeutete nichts, dass er Wilson für sich selbst haben wollte. Nur ein weiterer Beweis dafür, dass er ein egoistischer Bastard war, nicht mehr, nicht weniger. Sie waren seit zwanzig Jahren Freunde, war es da wirklich zu viel verlangt, wenn sein angeblich bester Freund Zeit mit ihm verbrachte?

Er stieß das leere Glas über den Tresen, es kollidierte klirrend mit einem anderen und kippte um.

Wilson war irgendwo... mit ihr. Lachte mit ihr. Sprach mit ihr. Berührte sie. Schlief mit... er stoppte sich selbst, bevor er mehr denken konnte. Stoppte sich selbst, bevor er ihren Namen denken konnte. Sie war keine Person. Sie verdiente keinen Namen. Sie war der Feind. Und dieser Krieg war noch nicht zu Ende. Er würde nicht verlieren.

* * *

Als der Barkeeper sich weigerte, seine Motorradschlüssel heraus zu rücken, verlangte er stattdessen das Telefon. Er würde Wilson anrufen und sich von ihm nach Hause fahren lassen. Und egal, wie wütend Wilson darüber sein mochte, dass er ihn von CB wegzerrte, er würde auf seiner Couch sitzen bleiben. Sein jämmerlicher Zustand garantierte dafür. Selbst dieser fremde, veränderte Wilson würde ihn nicht alleine lassen.

Er wartete.

Doch statt Wilson stand Amber plötzlich vor ihm.

* * *

Cuddy schreckte hoch, als sie ihn im Schlaf murmeln hörte. Die Stille, abgesehen vom beständigen, leisen Piepen des Herzmonitors im Hintergrund, hatte sie einnicken lassen. Sie rieb sich erschöpft über ihre Augen, die trocken waren und brannten. Dann setzte sie sich auf und griff nach seiner Hand, erinnerte sich daran, dass er ihr erlaubt hatte, sie zu halten, als er aus dem Koma aufgewacht war. Er reagierte nicht auf ihre Berührung. Sie sah die Falten in seinem Gesicht, um Mund und Augen, tiefere Falten auf der Stirn. Irgendwo inmitten der gemurmelten Worte ein einziges, das verständlich war. Wilson. Sie hob die freie Hand, strich ihm das schweißverklebte Haar aus der Stirn zurück, ließ ihre Finger an seiner Wange entlang gleiten, über sein Kinn, zog sie dann zurück. Sie war sich sicher, er hätte es nicht geduldet, wäre er wach gewesen und so fühlte es sich falsch an, selbst wenn sie hoffte, dass er ein wenig Trost aus ihrer Nähe zog. Selbst wenn sie wusste, dass sie nicht war, wen er wollte. Er würde sich mit ihr genügen müssen.


Ende