Titel: Blutstein

Autor: Myra

Fandom: Star Trek

Typ/Kategorie: K/S

Altersangabe: PG-18

Charaktere: Alle Personen sind dem Film entnommen.

Zusammenfassung: Spock erinnert sich.

Disclaimer: Alle Charaktere und sämtliche Rechte gehören Paramount.

Beta: Lady Charena, REV

 

 


In der Erinnerung widerhallen Schritte

Den Gang entlang, den wir niemals beschritten,

Gegen das Tor hin, das wir nie geöffnet

In den Rosengarten.

(T.S. Eliot)

 

 

Blutstein

 


Auf dem 3. Planeten des Veridian-Systems lebte schon seit langer Zeit niemand mehr. Denn hier gab es nichts außer einer wüstenartigen, ausgedörrten Landschaft mit nur wenigen wilden Tieren, aber keine irgendwie geartete Zivilisation. Er lag zu weit weg von allen wichtigen Verkehrsrouten und barg auch keine Rohstoffe, die wertvoll genug gewesen wären, um ausgebeutet zu werden.

 

Dennoch kannte in der Föderation jedes Kind diesen Planeten. Denn hier war Captain Kirk gestorben. Bei einer Rettungsmission. Und manchmal besuchten interessierte Sternenflotten–Angehörige einen ganz bestimmten Platz auf dem Planeten und erzählten sich von alten Zeiten.

 

Aber danach lag wieder für lange Zeit Grabesstille über dem Hügel, nur unterbrochen vom Heulen des ewigen Windes und dem Kreischen von ein paar - wie Fremdkörper wirkenden – rostenden Metallstreben, die wie mahnende Finger in den gleichgültigen Himmel gereckt, aneinander rieben.

 

Einst hatte hier eine verzweifelte, el-aurianische Seele mit aller Gewalt gehofft, den inneren Frieden und die Liebe seines Lebens wieder zurückzugewinnen. Und hatte doch nur weiteres Unglück in das scheinbar nur aus mitleidsloser Materie bestehende Universum geworfen.

 

Die letzte Funktion, die diese Metallkonstruktion jetzt noch hatte, war der allabendliche lange Schatten, den sie auf den Sand warf, wenn die übermächtig heiße Sonne des Planeten-Systems hinter dem Horizont quälend langsam wieder verschwand.

 

Nur wenige Schritte davon entfernt, lag in einer durch rotbraune Felsen eingerahmten Ecke ein Stoffbündel mit einigen Decken. Darüber wölbte sich unter zwei einfachen Stöcken eine schützende Plane, die sich mit heftigem Knattern immer wieder - wie zum Protest – gegen die unberechenbaren Böen zur Wehr setzte.

 

Noch in Sichtweite ragten künstlich aufgeschichtete Sandsteine aus dem kargen Boden und bildeten eine Art Podest, mit einer aus einem unzerstörbaren Marmor bestehenden Platte darauf. Davor stand einsam ein Mann, der reglos über dem nahen, kilometertiefen Felsabhang auf den fernen Horizont blickte. Ein weiter Umhang zerrte an der hageren Gestalt, und der überall existierende Sand schien die Linien in dem kantigen Gesicht noch tiefer nachzuzeichnen. Es war Botschafter Spock und er nahm die extreme, trockene Hitze kaum wahr.

 

Seit vielen Jahren ließ er sich immer wieder für einige Wochen auf diesen Planeten bringen. Er wusste sehr wohl, dass weder Vulkanier noch Menschen seine Handlungsweise wirklich ganz begriffen. Die Vulkanier lehnten seine jährliche Reise als eine unlogische Vergeudung von Zeit und Energie ab, die sinnvoller für den Erhalt von Frieden und Fortschritt in der Galaxie hätte eingesetzt werden können.

 

Die Menschen verstanden, dass es mit seiner engen Verbundenheit zum Captain der legendären Enterprise zu tun hatte. Aber sie verstanden nicht, warum er sich jedes Mal wochenlang dem mörderischen Klima aussetzte. Und warum er, obwohl normalerweise an die für seine Stellung typischen Bequemlichkeiten gewöhnt, nur wenig mehr als Wasser und ein paar Decken mitnahm.

 

Aber angesichts der besonderen Stellung des Botschafters und des persönlichen Respekts vor seinen Leistungen, sprach niemand laut aus, was viele bei sich dachten: Und zwar, dass der ehemalige Erste Offizier der Enterprise die Vergangenheit nicht vergessen konnte, und darüber wohl etwas sonderbar geworden war.

 

Wäre Spock ein Mensch, hätte er darüber nur still gelächelt. Aber er hatte über die Jahre alles Menschliche tief in sich vergraben. So perlten diese Dinge von ihm ab, da sie nicht mehr wirklich sein Inneres erreichten.

 

Die Sonne von Veridian III senkte sich dem Horizont entgegen und der Botschafter erwachte langsam aus seiner Starre. Dicke Sandschlieren hatten sich in die Falten seines Umhangs festgesetzt und rieselten jetzt bei der ersten Bewegungen wieder zu Boden. Es würde das letzte Mal sein, dass er diesen ganz besonderen Anblick des lachsfarbenen Himmels und der in blassen Farben auftauchenden Planeten und Sterne sehen würde. Spock ließ sich langsam auf seine Knie fallen. Dabei senkte sich sein Blick auf die vor ihm liegenden Steine.

 

„Jim.“

 

Es war sein eigenes Flüstern gewesen, aber der Botschafter presste bei diesem Wort gequält die Augenlider zusammen. Seine Zeit war wieder gekommen und heftige Emotionen schüttelten ihn. Mit tiefen Atemzügen versuchte Spock, diesem Ansturm Herr zu werden.

 

Schmerz

Trauer

Stille

Leere

Und Erinnerung

 

„Jim“, wiederholte er leise und wieder etwas ruhiger geworden.

 

Einen kurzen, aber glücklichen Moment hatte er geglaubt, sich wieder an Bord der Enterprise zu befinden und sich gesehen, wie er - von seiner Station aufblickend - in seine Richtung geblickt und versucht hatte, seine vieldeutige Mimik zu analysieren. Jeden Tag aufs Neue.

 

Mit dem bitteren Wissen, dass das alles schon längst Vergangenheit war, öffnete Spock seine Augen wieder. Seine Hand fuhr über den rauen Stoff seiner langen Tunika, und er zog einen verzierten, länglichen Gegenstand aus einer Tasche, den er rechts neben sich legte.

 

Es war ein Dolch, der Griff schlicht und funktional. Die Schneide würde selbst durch feinste Watte schneiden, ohne das sich eine Faser krümmte. Aber er wollte sich nicht selbst töten - denn er war zu sehr Vulkanier, zu pflichtbewusst, um in dieser menschlichen Schwäche Trost finden zu können.

 

Aber jeden weiteren Tag hatte ihn die Erinnerung an seinen Captain ein Stückchen mehr erstarren lassen.

 

„Jim, du hast mich verlassen, ohne zu wissen, dass ...“ Spock sprach diese Worte laut gegen den Wind und wollte sie doch gleich wegen ihrer menschlich gefärbten Bitterkeit wieder zurücknehmen. Aber es war zu spät. Wie zur Antwort verfärbten sich die Steine auf der Ebene zu tiefen Blau- und dunklen Rottönen. Die Nacht nahte.

 

Tief aufatmend legte der Botschafter - wie an den letzten Abenden - seine flache Hand auf die Platte. Und fuhr bedächtig sämtliche eingravierten Buchstaben entlang:

 

Hier ruht Admiral James T. Kirk, der sein eigenes Leben opferte, um unseres zu retten.

 

„Jim, du warst immer ein Teil von mir“, flüsterte Spock leise und die in den metallischen Vertiefungen gespeicherte Hitze brannte sich in seine Fingerkuppen.

 

Mit gekrümmten Rücken entfernte er sich wieder von der Grabstelle und ging dann auf seine nur notdürftig gegen die mörderischen, klimatischen Bedingungen schützende Plane zu. Heute Nacht wollte er endgültig Abschiednehmen.

 

 

In seinem Zelt entnahm er seiner Tasche verschiedene Kräuter und zerbröselte sie für die zeremonielle Verbrennung in einem irdenen Topf. Daneben stellte er eine kleine, mit blauer Folie verzierte Flasche, die eine silberne Flüssigkeit enthielt und nahm aus einer Schachtel ein durch das schwarze Holz altmodisch wirkendes, aber in der seitlichen, metallischen Verlängerung hochtechnisches Werkzeug, aus dessen einem Ende zwei extrem feine Dornen herausragten.

 

Es war eine zeremonielle Cha-Einsiedlerschlange und Spock erst nach einer gründlichen Überprüfung übergeben worden. Dieses traditionelle Gerät stammte noch aus der Zeit, in der es immer wieder zu jahrelangen Durchquerungen der vulkanischen Wüste gekommen war und sollte letztendlich das Leben in einem neuen Clan ermöglichen.

 

Spock faltete noch ein weißes, mit roten Rispen versehenes Tuch zusammen und legte das Feuerholz aus vulkanischer Konaya und das Machi zum Anzünden des Feuers hinein.

 

Als Spock in seiner typisch effizienten Art alles für das Abschiedsritual zusammengestellt hatte, fühlte er, wie ihn eine erlösende Ruhe erfasste. Etwas, dass er schon seit Jahren nicht mehr gekannt hatte.

 

Wie ein Drogensüchtiger hatte er zahllose schlaflose Nächte, unendlich viele unsichtbare, endlose Kämpfe niedergerungen. Doch immer, wenn die Zeit seines Pon Farrs nahte, war der unerfüllbare Wunsch bei seinem T`hy`la zu sein wie eine erwürgende Welle wieder über ihn gekommen und das hatte ihn mit der Zeit innerlich zermürbt.

 

Darüber bin ich viel zu schnell alt geworden. Die Schatten der Vergangenheit haben mir das Licht zum Leben gestohlen. Es ist endlich Zeit zu gehen. Getrennte Wege zu beschreiten, wie es ihm Jim immer suggeriert hatte.

 

Nur war es damals ein Täuschungsmanöver gewesen. Er hatte es nur nicht gemerkt. Vielleicht auch nicht merken wollen. Spock nahm die Flasche mit der silbern glitzernden Flüssigkeit noch einmal in Augenschein und sah durch das bläuliche Glas den dunklen Abendhimmel mit seinen vielen Lichtern flackern und die Erinnerung wurde wieder zur Realität ...

 

 

*

 

Ihr letztes Treffen hatte nur wenige Tage vor Kirks Besuch auf der Enterprise- B von Captain Harriman stattgefunden. Eine für Jim bittersüße Einladung, denn es war in gewisser Weise noch das alte Raumschiff, aber es gehörte ihm schon lange nicht mehr.

 

Eigentlich hatte er sich zum Fallschirmspringen mit sogenannten Orbitgleitern verabredet. Aber als Spock ihn sehen wollte, war er sofort und mit leichter Hand bereit gewesen, dies um einen weiteren Tag zu verschieben.

 

"Spock - schön, dass du kommen konntest. Tritt ein."

 

Jim führte ihn mit einladender Geste durch ein hochmodernes, und mit jedem erdenkbaren Luxus ausgestattetes Appartement, durch eine weitere Glastür auf einen sonnendurchfluteten, viele Meter großen Vorbau.

 

Spock folgte ihm und ihm fielen sofort die hier merkwürdig deplatziert wirkenden, echten Holzblöcke auf, die bis zur Decke hochgestapelt die beiden Seiten des Vorbaus dekorierten. Sein Blick blieb auf einem extra zugeschnittenen Stamm mit einer darin eingeschlagenen Axt hängen.

 

Jim lächelte ihn amüsiert an. "Ich brauche das manchmal. Ein paar gut platzierte Schläge mit dem Beil, einige Holzscheite mehr und ich fühle mich wieder jung."

 

Spock blickte auf. Dass er selbst so viel länger leben würde, war auch etwas, dass sie nur noch mehr entfremdet hatte. Auf seine merkwürdig, verdrehte Art hatte Jim ihm das nicht verzeihen können.

 

"Auch ich bin nicht mehr jung", antwortete er. Aber noch während er es ausgesprochen hatte, ahnte er, es würde unnötig alte Wunden aufreißen.

 

Aber Jim antwortete nur leichthin: "Spock, ich freue mich sehr, dass du gekommen bist. Aber die Dinge sind, wie sie sind." Dann fügte er noch mit einem breiten Grinsen hinzu: "Okay, dann mach‘ es dir bequem und lass uns die Freuden alter Leute genießen."

 

Als Spock auf einem der weich gepolsterten Stühle in der gemütlichen, aber etwas altmodischen Sitzecke Platz genommen hatte, beobachtete er, wie Jim ihm und sich selbst eine Portion intensiv grüner Flüssigkeit in halbhohe, schmale Gläser einfüllte. Dann legte er noch spezielle Löffel über die Gläser, in denen ein vorher mit dem Alkohol getränkter Zuckerwürfel lag. Er zündete beide an und als die Flammen wieder erloschen waren, tropfte der karamellisierte Zucker in die Gläser. Jim goss die Flüssigkeit mit Eiswasser auf und reichte eines davon Spock. Es war Absinth - oder wie es auch genannte wurde, die grüne Fee.

 

Er setzte sich neben ihn. Gemeinsam schauten sie durch die gläserne Balkonfront über ein Meer von Häusern, und leerten dabei schweigend nach und nach ihre Gläser.

 

"Es ist ein altes französisches Rezept und es soll angeblich den Trinker mit der Zeit langsam vergiften. Aber bis dahin ..."

 

Spock hatte das Glas dankbar angenommen. Er wusste, dass es hochprozentiger Alkohol war, aber die vielen Jahre mit den Menschen hatten auch seinen Körper daran gewöhnt und er genoss die entspannende Wirkung. So etwas wie Wohlbehagen kroch durch seine Glieder. Der Geruch des Holzes und die Stille hoch über der Stadt gab ihm das Gefühl von Weite und Natur und er wünschte, er wäre schon früher gekommen.

Nicht erst jetzt, nachdem er sich endlich doch entschlossen hatte, auch seine persönlichen Dinge endgültig zu regeln. Er hätte sich eigentlich schon längst von der Erde verabschieden und für einen vulkanischen Lebenspartner entscheiden müssen. Aber er hatte das Gefühl, dass nur Jim ihm die Sicherheit geben konnte, damit das Richtige zu tun.

 

Kirk atmete hörbar tief durch und langte ganz unerwartet von der Seite nach Spocks Unterarm. "Genaugenommen freue ich mich außerordentlich, dass du gekommen bist", stellte er plötzlich bedeutungsvoll fest.

 

Spock drehte sich wieder zu ihm hin und sah etwas verräterisch Feuchtes an den Augenwinkeln, aber auch die tiefen Linien in dem von zuviel Sonne und Sorgen geröteten Gesicht. Auch Jims Körper hatte sich über die Jahre verändert. Es war immer noch Jim, mit seinen lebendigen Augen und dem immer zu einem Spaß aufgelegten Lächeln. Schlagartig waren wieder die Gefühle lebendig, die ihn schon einmal fast aus der Bahn geworfen hatten.

 

"Warum hast du die ganzen Jahre dich nicht ein einziges Mal bei mir gemeldet?", fragte Spock leise. Und mit einem verräterisch verletzten Tonfall.

 

"Vielleicht hatte ich nicht die Kraft, noch einmal auf dich zu warten. Mir rennt die Zeit davon", antwortete Jim scheinbar leichthin, aber Spock erkannte in dem Tonfall sofort den nur mühsam unterdrückten Vorwurf.

 

"Jim, bitte - es hat sich nichts zwischen uns geändert." Spock hatte sich das Gespräch einfacher vorgestellt. Sein ehemaliger Captain schien sich inzwischen meilenweit von ihm entfernt zu haben.

 

"Doch, das hat es. Kennst du die Geschichte von Apep aus der ägyptischen Mythologie? Ich habe neuerdings wieder viel Zeit zum Lesen. Apep ist der Name der Schlange, die versucht, die Barke des Re zu verschlingen. Jede Nacht aufs Neue schafft sie es, ein größeres Stück zu fressen. Und irgendwann wird es ihr ganz gelingen!"

 

Kirk drehte sich mit einem brennenden Blick zu ihm, und schien in sein Innerstes sehen zu wollen. "Spock, sag mir, warum bist du hier? In den letzten Jahren habe ich immer nur gehört, dass du wieder in irgendeiner Friedensmission unterwegs bist und jetzt schneist du hier einfach herein und besuchst mich, als wärst du erst gestern das letzte Mal hier gewesen?"

 

Jim litt offensichtlich und das Einzige, was ihm half, waren Vorwürfe. Seinen Arm hatte er inzwischen auch wieder zurückgezogen, wie Spock bedauernd registrierte.

 

"Ich hatte das Bedürfnis über die alten Zeiten zu reden. Unlogisch, zugegeben, aber es würde mir viel bedeuten", wich er aus.

 

"Das kann ich gut verstehen. Ich denke auch oft an früher. Eigentlich immer mehr in letzter Zeit. Tja, das waren unsere goldenen Jahre, nicht wahr? Aber es erinnert sich außer uns kaum noch jemand daran, wie es wirklich gewesen war."

 

Kirk nahm einen tiefen Schluck aus seinem Glas und schien scheinbar wieder besänftigt zu sein.

 

Spocks legte sich in seinen Stuhl zurück und sah nachdenklich über die Balkonbrüstung. Er wollte und konnte jetzt nicht mehr gehen. Sie sprachen lange Zeit über Wale, Sonden, falsche Götter und noch viele andere erstaunliche Begegnungen.

 

Als am Horizont die wärmende Sonne zu verschwinden begann, sprang eine kaminähnliche Anlage an und sorgte in der luftigen Höhe für eine gleichbleibende, angenehme Temperatur. Jim nahm Spocks amüsierten Blicks wahr und erklärte mit einem Lächeln, dass ein künstliches Feuer zwar albern sei, aber ihm hier nichts anderes erlaubt war. "In Iowa wäre das natürlich ganz anders, aber irgendwie mag ich nicht mehr alleine dorthin fahren", fügte er dann mit einem Achselzucken hinzu.

 

"Würde es dir gefallen, wenn wir gemeinsam hinfahren?", fragte Spock in die folgende bleischwere Stille hinein, die plötzlich die ganze unterdrückte Spannung zwischen ihnen wieder entlarvte.

 

"Das wäre wirklich schön, Spock. Ich war eigentlich schon viel zu lange nicht mehr dort." Kirk bekam bei der Vorstellung, jetzt mit Spock auf der Veranda der - inzwischen zu einem Museumsstück gewordenen - Farm zu sitzen, einen angespannten Gesichtsausdruck.

 

"Würdest du das denn wirklich wollen?" Zweifel schwang in seiner Stimme mit. "Hast du überhaupt Zeit für so etwas?"

 

"Nun, ich habe im Moment keine Termine und würde in der Tat gerne etwas mit dir unternehmen." Spock erlaubte seinem Gesicht ein Lächeln. War das der eigentliche Grund für seinen Besuch gewesen? Wieder zu Jim zurückzufinden?

 

"Wirklich?", hatte Kirk, plötzlich misstrauisch geworden, nachgefragt und war dann aufgestanden, um sich an der Brüstung des Balkons festzuhalten und in die Ferne zu schauen. Spock ging ihm nach einigem Zögern nach und legte beide Hände auf seine Schultern.

 

Sichtlich überrascht drehte sich Jim sofort um und sah ihm forschend ins Gesicht.

 

"Spock, was soll das? Ich ..."

 

Bevor er noch weiter reden konnte, nahm Spock mit seiner Hand Jims Wange und Kinn zärtlich an sich heran und küsste ihn dann voll auf den Mund. Es fühlte sich noch genauso wie beim ersten Mal an.

 

Kirk keuchte auf. "Spock, nein. Es ... Oh ..."

 

Spock berührte erst nur vorsichtig seine Lippen aber drang dann mit seiner Zunge tief in den Mund ein. Es schmeckte zugleich bitter, süßlich und auch nach dem genossenen Alkohol. Kirks anfänglicher Widerstand begann, zu bröckeln und mit einem tiefen Aufseufzen packte er Spocks Nacken, um ihn näher an sich heran zu ziehen. Die Hitze zwischen ihren Körpern steigerte sich schlagartig und Spock fühlte, wie sich Jims Erregung auf seinen Unterleib presste.

 

"Es ist so lange her", stöhnte Jim kaum verständlich, als er wieder zu Atem kommen musste.

 

"Warum? Warum kommst du erst jetzt?" Dann griff er mit seiner ganzen Kraft gegen Spocks Schultern und versuchte ihn damit wieder auf Distanz zu halten.

 

"Oh Spock, wie konntest du mir das all die Jahre nur antun?", fragte er gequält.

 

"Jim, es tut mir so leid. Aber ab jetzt wird alles anders." Spock lächelte ihn traurig an und die Verzweiflung über die vielen, falschen Entscheidungen zugunsten seiner Karriere, seines Stolzes und seiner Unfähigkeit, seine wirklichen Bedürfnisse wahrzunehmen, standen deutlich in seinem Gesicht geschrieben.

 

"Ich weiß jetzt, ich werde bei dir bleiben. Nichts wird mehr zwischen uns stehen." Mit seinen Fingern fuhr er die Linien von Jims Gesicht entlang und hatte das Gefühl, damit etwas aufregend Neues zu tun. Er nahm etwas Feuchtigkeit von seinen Lippen und fuhr dann damit über Kinn und Hals. Er konnte den beschleunigten Puls unter der Haut spüren. Dann erkundete Spock die tiefen, rauen Linien am Halsansatz, seinen immer noch kräftigen Brustkorb und dann den durch zuviel gutes Essen und Trinken deutlich vorgewölbten Bauch.

 

"Daran bist du schuld", flüsterte Jim etwas verlegen.

 

"Ich weiß, Jim", antwortete Spock mit einem Lächeln. Dann ließ er nach einem kurzen Zögern seine Hände lediglich an den Seiten der Hüfte entlang gleiten. Und Jim schien ihm dafür dankbar zu sein. Mit einem Aufseufzen legte er seine Stirn schwer an seine Schulter.

 

"Oh, Spock. Du weißt, dass ich es will, schon immer gewollt habe, aber nicht heute. Lass uns zusammen nach Iowa fahren und dann werden wir weiter sehen, okay?"

 

Spock strich ihm sanft über den Hinterkopf. "Natürlich, Jim. Das ist mehr, als ich erwarten durfte."

 

Danach standen sie noch lange an der Balkonbrüstung und schauten auf die Lichter der Stadt und auf die fernen Sterne über ihnen.

 

Als Spock Stunden später der Straßenlärm einer ihm plötzlich ganz fremd gewordenen Stadt umfloss, versuchte er immer noch, Jims Geschmack auf seinen Lippen festzuhalten. Aber das war auch für ihn unmöglich.

 

Am nächsten Tag ließ Jim ihm ausrichten, dass ihr gemeinsamer Ausflug leider noch verschoben werden musste, weil er zu der Taufe der Enterprise - B eingeladen worden war.

 

Ich freue mich schon sehr auf Iowa, also vergiss mich nicht wieder. Jim, war der Nachricht noch beigefügt gewesen. Diese letzten Worte von ihm klangen entsetzlich banal, doch sie wirkten wie der Absinth, den sie gemeinsam getrunken hatten, ein langsam wirkendes, aber tödliches Gift.

 

 

*

 

 

Nur widerstrebend ließ Spock die Realität wieder in sein Bewusstsein einfließen. Die Erinnerungen an Jims hoffnungsvolles Lächeln und die kaum verborgenden Tränen in den Augenwinkeln, lasteten seitdem wie ein schwerer Mantel auf ihm.

 

Spock nahm in dem kleinen Unterstand seine Utensilien auf, um zu der nur wenige Meter entfernten Grabplatte zu gehen. Es war mühsam, im Halbdunkel den Weg zwischen den Steinen zu finden. Der Wind hatte sich zwar etwas gelegt, aber es war immer noch überall ein gleichmäßiges Rauschen und Pfeifen zu hören. Spock kam es vor, wie ein Chor aus Stimmen, der ihm beständig zuflüsterte: Komm, komm zu mir. Es klang wie ein Versprechen, aber es quälte ihn auch zutiefst.

 

Er stellte vorsichtig die mitgebrachten Gegenstände vor dem Plateau auf. Die ersten hellen Sterne erleuchteten die Szenerie mit neuem Licht und es war wie ein endlich zu Hause ankommen. Als er die Schale mit den rituellen Kräutern in die Hand nahm, traf ihn ein Geruch wie von frisch gemähtem Heu.

 

Etwas, dass er damals auch in Iowa gerochen hatte. Spock begann, den Gesang von der ewigen Ainama zu rezitieren, und verlor dabei jegliches Zeitgefühl. Seine Erinnerungen wurden immer lebendiger und er ließ mit einem tiefen Aufseufzen seinen Gedanken freien Lauf.

 

*

 

 

Als er die Nachricht bekam, nach Riverside/Iowa zu fahren, um Jims Nachlass zu übernehmen, reagierte er wie ein typischer Vulkanier: effizient und ohne sichtbare Emotionen. Aber er bestand gegen jede Logik darauf, alleine zu reisen.

 

Jims ganzer Besitz sollte in eine Stiftung umgewandelt werden, aber vorher wollte er noch die ganz persönlichen Sachen an sich nehmen. Es gab in dem alten Haus nur noch wenig, das wirklich von Kirk selbst stammte und fast wäre ihm die kleine Holzschachtel mit seinen privaten Notizen entgangen.

 

Als er aber die ersten Zettel überflog, war ihm schnell klar, dass es darin hauptsächlich um ihre Freundschaft ging. Er nahm die Schachtel mit auf die Veranda und setzte sich auf die Schaukel. Dort angekommen begann er, die Blätter systematisch durchzublättern. Gleich nach ihrer letzten 5 Jahres- Mission waren sie damals beide ihrer eigenen Wege gegangen, so als wäre das damals auf der Enterprise nie passiert.

 

Spock hatte immer geglaubt, dass es ein einmaliges Ereignis und nur wegen der besonderen Situation geschehen war, denn Jim hatte ihn danach nie mehr darauf angesprochen. Im Gegenteil, er hatte offensichtlich immer vermieden, dass sie sich noch einmal allein treffen konnten. Nur manchmal, besonders nach ihren letzten gemeinsamen Missionen, schien es, als wenn Jim sich ihm wieder für einen ganz kurzen Moment genähert hatte. Aber das war schnell wieder vergangen.

 

Spock hatte immer geglaubt, dass Jim ihn nicht mehr als Bindungspartner wollte. Aber diese fast vergilbten Zettel erzählten eine ganz andere Geschichte.

 

 

Sternzeit 2270: Spock kehrt nach Vulkan zurück.

...ich bin soweit gegangen, wie es mir möglich war, aber es hat nicht gereicht. Das Universum ist nicht stehen geblieben. Aber es hat lange gedauert, bis ich das gemerkt habe ...

 

Sternzeit 2271: Die Sonde.

...Ich kann dich nicht aus meinem Kopf bekommen. Tag und Nacht in deinen Armen zu liegen. Das ist mein bestgehütetes Geheimnis und es hätte nur ein Wort von dir gebraucht, um mich aus der Fantasie, die ich von dir habe, zu befreien. Ich warte immer noch darauf, das etwas meine innere Leere füllt ...

 

Sternzeit 2277: Wieder in San Francisco.

...Ist das alles, was die Welt mir zu bieten hatte? Einen Traum von dir? Es ist zu lange her, dass ich nach dir rufen konnte und du warst da. Es gab einmal eine Zeit, wo uns nichts und niemand stoppen konnte ...

 

Sternzeit 2285: Spock ist für uns alle gestorben.

...was ist das für ein Abgrund, in dem ich dich nicht einmal mehr in meinen Träumen finden kann ...

 

Sternzeit 2287: Es gibt keinen Gott. Ich habe es selbst gesehen.

...und ich fange an, deinen Verlust nicht mehr zu spüren, denn ich kann im Spiegel mein Gesicht sehen, und muss mich nicht sofort wieder an dich erinnern. Aber ich glaube, ich habe aufgehört zu leben ...

 

 

Nachdem Spock alle Tagebuchnotizen gelesen hatte, saß er noch viele Stunden reglos auf der Veranda und versuchte zu begreifen, wie es passieren konnte, dass er all die Jahre von Jims tiefsten Gefühlen nie etwas gespürt hatte.

Am nächsten Morgen stand er so mühsam auf, als müsste er wieder neu Gehen lernen, und ließ sich in die vulkanische Botschaft transportieren.

 

Viele Jahre später meldete er sich für die besonders heiklen Missionen nach Romulus.

 

Irgendwann hatte er auch Jims Tagebuchaufzeichnungen verbrannt. Es war nicht mehr notwendig, sie nachzulesen, weil er sie inzwischen beständig in sich trug.

 

*

 

"Warum konnte ich dein wahres Herz nicht erkennen? Warum hast du mir niemals auch nur ein Zeichen gegeben?"

 

Spock hatte sich schon damals diese Fragen bis zur Bewusstlosigkeit gestellt. Und mit derselben Frage wachte er auch jetzt aus seiner Trance auf. Jedes Mal hatte er es mit seiner ganzen geistigen Disziplin geschafft, Jim zu vergessen - aber alle sieben Jahre war die Schärfe des Verlustes wieder ganz da gewesen.

 

Er konnte keine Ruhe mehr finden. Immer wieder erlebte er alles von Neuem und die Hoffnung, dass die Zeit den Schmerz lindern würde, hatte sich für ihn als Trugschluss erwiesen.

 

Mit den Jahren waren die Linien in seinem Gesicht immer tiefer geworden. Die vulkanischen Gelehrten hatten ihm erklärt, wie er sich den Abschied erleichtern könnte, aber das hatte Spock bis jetzt niemals gewollt. Denn es hätte letztendlich auch bedeutet, Jim endgültig zu vergessen.

 

Er ließ sich vor dem Felsplateau schwer auf die Knie fallen und stellte die Schale mit Kräutern wieder auf die Seite zurück. Dann platzierte er das archaisch wirkende, medizinische Gerät und die bläuliche Glasphiole mit der darin ölig schwappenden, silbernen Flüssigkeit auf die Marmorplatte.

 

Mit dem Dolch öffnete er das rot-weiße Tuch und schnitt kleine Stücke aus dem weichen Konaya und entzündete es. Dann legte er die Kräuterschale auf das Feuerholz und die Duftwolken stiegen mit einem dünnen Rauchfaden auf, hüllten ihn langsam ein.

 

Die Temperaturen waren inzwischen deutlich abgefallen, aber die Flammen des kleinen Feuers wärmten die Vorderseite seines Körpers und er atmete tief den Geruch der Iru - Pflanze ein. Es war eine Mischung aus einem rosenähnlichen Duft mit einer schweren, erdigen Note und vernebelte seine Sinne wie ein Aphrodisiakum.

 

Im Licht der vielen Sterne öffnete er seine Kleidung und war sich dabei bewusst, dass er sich ganz alleine auf einem unbewohnten Planeten, weit weg von jedweder Zivilisation befand. Die absolute Einsamkeit lag wie ein schweres, aber auch schützendes Tuch auf ihm. Er fühlte sich seit langer Zeit vollständig frei.

 

 

"Slon Porra T´hy`la Tsaichrani Akaxo."

 

 

Die eigenen, vertrauten vulkanischen Worte erfüllten ihn mit einer Art spirituellen Euphorie, umhüllten ihn wie Weihrauch. Er streckte seine rechte Hand aus und hielt sie über die Flammen. Hitze steigerte sich zu einer Intensität, die kaum ein Mensch ausgehalten hätte. Aber Spock lächelte nur, als er die Hand wieder zurückzog, denn plötzlich erinnerte ihn das Bild an ein von McCoy immer mal gern benutztes geflügeltes Wort:

Man soll nicht mit dem Feuer spielen ...

 

Und er tauchte wieder in seine Erinnerungen ein.

 

 

*

 

Es war auf dem Rückweg zur Erde passiert, am Ende ihrer gemeinsamen Fünf - Jahresmission. Die Enterprise hatte den Befehl zur Heimkehr erhalten und viel zu schnell war der Zeitpunkt gekommen, dass der letzte Kurs angelegt werden musste und Jim die letzten Befehle dazu erteilt hatte.

 

Später, in der künstlichen Nacht des Raumschiffs, waren sie sich dann fast zufällig begegnet, denn der Captain hatte vermutlich nur nach irgendetwas gesucht, dass ihn von seinen düsteren Gedanken ablenken sollte. In der fast unbesetzten Wissenschaftsabteilung traf er dann auf seinen zwischen den leise summenden Maschinen ruhelos hin und her wandernden Ersten Offizier.

 

Und er hatte offensichtlich sofort erkannt, dass auch Spock in der selben unruhigen Verfassung, wie er selbst war. Die Zukunft bot ihnen unendlich viele Möglichkeiten, aber in diesen Stunden fühlten sich beide wie Muscheln, die plötzlich an Land gespült worden waren und an der Luft zu ersticken drohten.

 

"Ich kann jetzt nicht alleine sein. Hättest du vielleicht Lust in mein Quartier zu kommen?", fragte Jim ihn ohne Umschweife und stützte sich an einer der Konsolen zwischen ihnen. Und ließ dabei Spock nicht aus dem Blick. "Und vielleicht sogar die ganze Nacht bei mir bleiben?"

 

Spock war von der direkten Frage zuerst verblüfft und für einen kurzen Moment hatten sie sich nur mit den Augen gemessen, aber dann hatte er an den geweiteten Pupillen erkannt, was Jim eigentlich wirklich von ihm wollte. Als er dann auch noch seine Lippen sich mit einem hinreißend, sinnlichen Lächeln kräuseln sah, war es wie ein Schock für ihn, denn diesen Gesichtausdruck hatte er in den letzten Jahren schon oft an Jim gesehen, aber meistens nur gegenüber bestimmten Frauen.

 

So ist das also, dachte er, ohne seine Miene zu verziehen, wenn Jim sich einen Partner suchte. Bei dieser Vorstellung prickelte Erregung in seinen Eingeweiden, denn sein Körper gab ihm bereits die Antwort, dass auch er nicht immun gegenüber Jim war. Es hatte bisher nur vollständig außerhalb seines Vorstellungsvermögens gestanden, aber nun gab es nichts mehr zu verlieren, denn ihr gemeinsamer Dienst war offensichtlich in Kürze beendet.

 

Spock legte sein Prüfgerät auf den Tisch zurück und ging zu ihm hin. "Es gibt nichts, dass ich im Moment lieber tun würde, Jim."

 

Bereits im Turbolift war die sexuelle Spannung fast unerträglich. Spock versuchte, sich vorzustellen, wie er gleich in diesen Armen liegen, die festen Muskeln unter dem Shirt spüren und auch wie er seine eigene Erregung zeigen würde. Ein winziges Geräusch kam dabei über seine Lippen und Jim schien es sofort richtig interpretiert zu haben, denn er ließ ihn mit seinen Augen nicht mehr los. Dann strich er scheinbar unabsichtlich über seinen Schritt.

 

Spock hielt die Luft an und wie auf ein geheimes Zeichen blieb Sekunden später der Lift mit einem leichten Ruck stehen und die Tür öffnete sich.

 

Als sie kurz darauf in dem richtigen Abzweig angelangt waren, gingen sie mit dem für sie typischen Abstand den Gang entlang. Aber ein zufällig vorbeikommendes Crewmitglied hätte die fast greifbare Ausstrahlung zwischen ihnen sofort bemerkt.

 

In seiner Kabine angekommen, eilte Kirk sofort hinter den Raumteiler und machte sich nicht einmal die Mühe, sich davon zu überzeugen, ob Spock ihm gefolgt war.

 

Abwartend blieb Spock am Gitter stehen und sah auf das mit der üblichen orangefarbenen Tagesdecke bedeckte Bett. Vielleicht war alles doch nur ein Missverständnis.

 

"Jim?", flüsterte Spock fragend und das normalerweise nicht zu spürende Vibrieren des mächtigen Antriebs der Enterprise übertrug sich auch auf seine Stimme.

 

Kirk drehte sich zu ihm um. "Spock, wenn du wieder gehen möchtest, dann solltest du es jetzt ..." Aber seine Augen verrieten, was er wirklich wollte.

 

Da durchquerte Spock mit nur zwei Schritten den restlichen Raum und zog Jims Schultern an sich heran. Kirk hatte bei seiner ersten Berührung laut aufgestöhnt und Spock fühlte, wie bei diesen tiefen Tönen etwas Brennendes durch seine Adern schoss. Als sich ihm die fremden Lippen aufdrängten, öffnete er instinktiv seinen Mund und verfiel in seine vulkanische Muttersprache.

 

"Wani ra Vesla yanamo ro seisha", kam es undeutlich aus seiner Kehle.


Jim hatte seinen Wunsch nach körperlicher Vereinigung sicher nicht wortwörtlich verstanden, aber es schien ihn zu stimulieren, denn seine Zunge stieß tief in seinen Mund.

 

"Oh Spock, hör nicht auf. Das erregt mich, wenn du so sprichst."

 

Spock nahm das Spiel auf und genoss das Eindringen, aber dann nahm er Jim fast den Atem, als er die Oberhand gewann und den Kuss auch auf die ganze untere Hälfte seines Gesichts ausdehnte.

 

Jim gab sich schweratmend hin und versuchte seinerseits, das vertraute Männergesicht mit seinen halbgeöffneten Lippen zu erkunden. Aber seine Hände tasteten dabei immer tiefer über Spocks Rückseite und nahmen dann mit kräftigen Händen davon Besitz. Dann glitten sie wieder über die Hüften, um Spocks Unterleib noch fester an sich zu pressen.

 

"Oh, Jim. Ja", stöhnte Spock als Antwort und spürte dann das erregende Gefühl, als Jims von Speichel noch ganz feuchtes Gesicht an seinen rauen Wangen entlang glitt und seinen Geruch dabei tief einsog. Es jagte ihm Schauer über den Rücken. Dann zupfte Jim ihm animierend das blaue Hemd aus seiner Hose. Spock verstand den Hinweis sofort und zog sich selbst das Shirt schnell über den Kopf und ließ es dann zu Boden fallen. Als er wieder aufblickte, konnte er erkennen, dass Jim ihn dabei mit ungezügelter Begierde beobachtet hatte.

 

"Spock, sag mir alles, was du von mir willst", forderte Jim und seine Stimme war dabei schwer vor Erregung.

 

Er hatte Jim schon öfters sexuell interessiert gesehen, aber es war immer ein nahezu belangloses Ereignis für ihn gewesen. Aber jetzt fühlte Spock bei dem Gedanken, dass das erst der Anfang war, seine Knie schwach werden.

 

"Ich möchte dich ganz nackt sehen", forderte Spock spontan. Und neue Wellen der Erregung sammelten sich in seinem Körper auf einen ganz bestimmten Punkt. Er spürte deutlich, wie die harte Schwellung sich in dem engen Schritt intensiv auf seine Hoden presste.

 

Fast hypnotisiert beobachtete er, wie Jim das gelbe Uniformhemd achtlos auf den Boden und sich dann schwer nach hinten auf das Bett fallen ließ, seine Beine spreizte und dabei ungeduldig den Reißverschluss öffnete und ohne weitere Umstände die Hose samt Slip über sein kurz erhobenes Hinterteil schob.

 

Dabei bildete das orange glänzende Material der Decke und das helle Fleisch des Captains einen reizvollen Kontrast, der Spock nichts mehr verbarg. Aber einen Moment später sah er nur noch seinen breiten Rücken, als Jim sich kurz nach vorne neigte, um auch die Strümpfe und Stiefel mit einem ziemlich ungeduldigen Rucken loszuwerden.

 

"Ich wüsste natürlich auch gerne, auf was ich mich gerade einlasse", kam Jims - in der unbequemen Haltung kaum verständliche Antwort. Dann kam er wieder hoch und grinste Spock entwaffnend an.

 

Spock erlaubte sich als Reaktion nur ein auf seinem Gesicht seltsam fremd wirkendes Lächeln und näherte sich dem Bett des Captains. Ab diesem Punkt konnte er nur noch seinen Instinkten folgen. Jim hätte kaum noch eine ernsthafte Chance gehabt, sich ihm zu entziehen.

 

Kirk erkannte sofort die ungezügelte Lust in seinen Zügen. Schwer atmend kickte er mit seinem rechten Fuß die Stiefel und den Rest der Kleidung achtlos an die Seite und beobachtete, wie Spock ohne große Umstände die eigene Hose über die schmalen Hüften schob und auf den Boden fallen ließ. Und sich dann vor ihn stellte.

 

"Das ist akzeptabel", antwortete Spock mit einer Stimme, die schwer und sinnlich klang. Es gab noch einen belustigten Unterton, der Jim aber völlig entging, weil er von dem Anblick der in seinen Augen perfekt modellierten Genitalien vollkommen absorbiert war. Vor dem Hintergrund von einigen, nachtschwarzen und glatten Schamhaaren und der schweren Hoden hatte das leicht kupferfarbene Glied sich beinahe ganz daraus erhoben und vor den flachen Bauch gelegt.

 

Ohne Zögern nahm Jim das harte Körperteil in den Mund und versuchte, es möglichst ganz in sich aufzunehmen. Aber das war ihm nicht möglich, weil es einfach zu mächtig war. Trotzdem schob er es immer wieder soweit wie möglich in seine Mundhöhle. Und stöhnte dabei erregt unverständliche Silben.

 

Spock dachte, dass der Boden unter ihm zu schwanken begann und krallte sich mit beiden Händen an Jims Schultern fest. Als er spürte, wie der Orgasmus viel zu schnell näher kam, entzog er sich mit letzter Kraft. Es gab in diesem See aus Begehren, in dem er sich fast verloren hatte, die Befürchtung, dass es vielleicht keinen Morgen mehr für sie beide gab. Und es nur diesen einen Moment gab, seine Fantasien Wirklichkeit werden zu lassen.

 

"Jim, du hast gesagt, das ich, dass du ..." Spock brauchte nicht mehr weiterzureden. Kirk hatte sofort verstanden, dass Spock noch mehr wollte.

 

"Du weißt, ich will dich ...", versicherte er und lächelte begehrlich.

 

Spock sah in Jims Schoß das geschwollene Glied, und wie er mit einer Hand - scheinbar unbewusst – langsam daran entlang fuhr.

 

Spock sog scharf seinen Atem ein.

Es war nur eine Sekunde vergangen, aber Kirk hatte sofort gesehen, dass Fantasien durch Spock Kopf schossen.

 

"Spock, was ...?", fragte er, während er sich flach zurücklegte. Aber er hatte mit seinem Rücken noch nicht das Bett berührt, als Spock sich zu ihm auf die Decke legte, ihm einmal flüchtig über die Wange fuhr und sich dann mit leicht gespreizten Beinen bäuchlings neben ihn legte.

 

"Oh, Spock", hörte er noch hinter sich und dann spürte er, wie Jim sich zwischen seine Beine kniete und sie damit noch weiter auseinander zwang.

 

Dann schien er irgendetwas zu tun, vielleicht seinen Penis befeuchten und Spock erregte der Gedanke bis ins Unermessliche, dass Jim jetzt gleich in ihn eindringen würde. Er hob seine Hüften und lehnte sich gegen Jims Schenkel.

 

"Oh, Spock, ich komme gleich", stöhnte Jim hinter ihm und dann spürte Spock, wie der samtige, menschliche Phallus in ihn hineinglitt, begleitet von einer erregenden Süße, die in sein Rückgrat hochschoss und sich dann in seinem ganzen Körper ausbreitete.

 

Immer wieder dirigierte Jim seinen harten Penis in den willigen Körper und trieb sich selbst mit gierigen und kurzen Stößen in eine immer tiefere Ekstase. Spock genoss das ausgefüllt sein, die innere, erregende Reibung und als er Jims Klimax spürte, konnte er auch nicht mehr warten.

 

Schwer atmend blieb er lange unter dem schweren, schweißnassen Körper liegen und versuchte sich jede Wahrnehmung, jedes Geruchsmolekül, jeden Seufzer, jedes in dieser Nacht und am folgenden Morgen noch gesprochene Wort einzuprägen.

 

Und weil es die einzige Begegnung dieser Art bleiben sollte, bekam die Erinnerung ein immer größeres Gewicht in Spocks Leben. Er würde niemals auch nur eine einzige Sekunde davon vergessen. Und es gab immer nur einen logischen Schluss. Nur einen. Jim war sein Weg, sein Ziel, sein letztendlicher geschlossener Kreis. Bis zum bitteren Ende.

 

 

*

 

 

In Schweiß gebadet, hielt Spock seinen schmerzhaft brennenden Unterleib umklammert. Die gerade erlebte Erinnerung verschmolz mit der kalten Steinwüste von Veridian III und dem heißen Feuer, dass gefährlich nahe vor seinem Körper brannte.

 

"Jim", hauchte Spock und war immer noch der junge Offizier auf der Enterprise. Aber die vulkanischen Priester hatten ihm durch eine Mentalverschmelzung den Weg vorgegeben.

 

"Jim, es muss sein. Bitte verzeih mir."

 

Die geflüsterten Worte verloren sich im Wind. Wie eine Marionette griff er mit seiner rechten Hand nach dem silberbläulichen Fläschchen, das schon seit Jahrhunderten Erlösung für die unglücklich Gebundenen gewährte. Mit dem Daumen öffnete er die Phiole und ölige Tropfen trafen auf die geschwollene Eichel. Im ersten Moment schien es keine Wirkung auf sein erhitztes Glied zu haben, doch dann spürte Spock eine Kühle, die ihm erst kaum wahrnehmbar die Erregung nahm. Und der Prozess der Vereisung war nicht mehr umzukehren.

 

Immer höher kroch die toxische Substanz die Adern entlang und verödete auf seinem Weg alle Nervenbahnen. Das Öl würde auch in Zukunft jedes Gefühl aus seinen Genitalien nehmen.

 

Dann griff er zu dem technischen Gerät auf der Marmorplatte. Das kühle Metall reflektierte das unruhige Flackern der Flammen und gab dem Instrument einen fast gefährlichen Glanz. Er setzte es auf sein inzwischen erschlafftes Glied und extrem feine Dorn öffneten viele kleine Löcher in der weichen Vorhaut. Danach klappte sich ein Mechanismus auf und setzte kleine Kupferringe ein. Am Schluss war - bis auf eine kleine Öffnung - der Penis mit einem Kranz von kleinen miteinanderverbundenen Ringen versiegelt. Dieser Eingriff war zwar extrem schmerzhaft, hatte aber keine weiteren körperlichen Folgen und war eher eine Art symbolischer Akt. Er selbst und jeder andere Vulkanier würde in Zukunft wissen, dass Spock ein La - Fokimo war, unfähig zu einer neuen Bindung und losgelöst von dem Auftreten des Pon Farr. Es würde ihm die vollständige Freiheit geben, überall so lange und wo auch immer leben zu können.

 

Als Spock das Gerät wieder abnahm, floss immer noch ein Rinnsal von vulkanischen Blutstropfen auf die trockene, dunkle Grabplatte und perlte in die eingravierten Buchstaben. Und in jedem der schweren Tropfen schimmerte ein kupferner Ton. Noch für Stunden glitzerten die feuchten Worte im Sternenlicht, bis sie sich das Blut zu einem Muster in den Buchstaben verbrannt hatte. Auf dem Blutstein, dem Grab von James T. Kirk. Fast teilnahmslos beobachtete Spock dass stete, schwere Tropfen von der Spitze seines Penis und versuchte sich an den neuen Anblick der Metallringe zu gewöhnen. Die Schmerzen nahm er nur wie durch einen dichten Nebel wahr.

 

Und dann war da noch dieses Band, diese mentale Erinnerung zwischen ihnen. Mit verdrehten Augen wandte er seinen Geist in das Innere und suchte nach den Archetypen seiner Rasse. Sein Flüstern verfinsterte einen bis dahin hellen Weg.

 

Dieses Blut Ist Das Der Le-Matya Gleich, Die Aus Den Tiefen Des Vulkanischen Urmeeres Als Erstes In Die Wüste Gingen. Auch Ich Möchte Ein Neues Leben.

 

Mit einem Ächzen sank Spock schwer auf seine Knie zurück und sah die Vision eines jugendlichen Jims, der sich geisterhaft von ihm löste und mit einem Lächeln auf den Lippen langsam vor dem funkelnden Nachthimmel verblasste.

 

Mit weit geöffneten Mund und tränenverschleiertem Blick verfolgte Spock das Bild, bis er es nicht mehr ertragen konnte.

 

"Jim, verzeih mir!" schrie er laut auf und hob seine Arme in einen Nachthimmel, in dem jeder andere nichts anderes gesehen hätte, als blinkende Sterne ...

 

*

 

 

Am nächsten Tag als die Sonnen bereits am höchsten standen, erwachte Spock aus seinem Koma. Als er auf seine immer noch halb geöffneten Kleider und den mit den Ringen vernähten Penis starrte, murmelte er fast verwundert:

"Habe ich es also endlich getan."

 

In seiner Stimme schwang ein Hauch von Bedauern, aber auch Erleichterung mit. Endlich war er frei. Nachdem er das Feuer endgültig gelöscht und seine Utensilien zusammengestellt hatte, benutzte er den Kommunikator, um sich wieder nach Vulkan bringen zu lassen.

 

Danach starrte er auf den immer noch von seinem Blut eingefärbten Stein, aber es war kein Gefühl mehr dabei. Daran änderte auch der im harten Sonnenlicht längst getrocknete Tränenrest in seinem Augenwinkel nichts mehr.

 

In seinen Gedanken war er bereits bei der Überlegung, wie er seine neugewonnene Freiheit zum Nutzen anderer einsetzen könnte. Nach Veridian III würde er nicht mehr zurückkehren. Bevor er entmaterialisierte, war sein letzter Gedanke, dass dies einem gewissen Captain vielleicht sogar gefallen hätte.

 

Spätere Besucher vermieden es, längere Zeit in der Nähe des Grabes zu bleiben. Angeblich sollten dort in der Nacht vulkanische Buchstaben über dem Stein leuchten und manchmal auch ein unheimliches Flüstern zu hören sein. Aber beweisen konnte das niemand.

 

Ende

 

 

 

 

Cha = Blut,

Konaya = Nahrung

Machi = heiß

Ainama = Schönheit

Iru = Nacht

Slon Porra = schmerzlicher Wunsch nach der Rückkehr nach Vulkan

T`hy`la = Geliebter, Bruder

Tsaichrani = Entschuldige/Auf Wiedersehen

Akaxo = Nicht - Vulkanier

La = ehrenwert

Fokimo = Bruder

Wani ra Vesla yanamo ro seisha = Ich will, das du mir deine Träume gibst

 

Quelle: Vulkanisch von Franziska Dövene.