Titel: Blind Date
Autor: Lady Charena
Fandom: Die Zwei

Paarung: Danny, Brett
Rating: gen, Humor
Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe/Hintergrund: Danny und Brett haben eine fesselnde Begegnung mit einer schönen Unbekannten.

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.

 

 

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„Nur noch fünf Minuten, Mami“, murmelte Daniel Wilde und drehte sich auf die andere Seite.

 

<rrrrrriiiiing-ring-rrrrrrriiiiinnngg>

 

„Was zum Henker...?“ Danny drehte sich wieder um und tastete nach dem Telefon, das dort irgendwo neben dem Bett stehen musste.

 

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„Verdammt, ja doch!“ Nun saß Danny aufrecht im Bett. Nachdem er ein Wasserglas umgeworfen hatte, fand er endlich... den Schalter der Lampe auf seinem Nachtkästchen. Danny knipste sie an, blinzelte und griff nach dem Hörer. „Wer zum Teufel stört?“, brummte er unwirsch.

 

„Daniel, hör’ mal...“

 

„Na hock` ich denn im Spargel. Eure Hoheit beehrt mich mitten in der Nacht mit einem Anruf.“ Danny sparte nicht mit Sarkasmus. „Ich bin so gerührt, dass es mich schüttelt.“

 

„Daniel, ich muss...“

 

„Ich weiß, dass man bei Eurer Lordschaft schiefer Visage keinen Schönheitsschlaf mehr braucht, aber ich lege Wert auf meine Nachtruhe.“

 

„Danny, halt die Klappe!“

 

„Aber mit Vergnügen, mein Bester.“ Danny legte auf. „Na, also ich muss schon sagen, ist das vielleicht eine Art...“

 

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Wilde schüttelte den Kopf.

 

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„Ich schlafe schon längst“, sagte er zum Telefon.

 

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Danny überlegte, ob er das Telefon aus dem Fenster werfen sollte. Es war immerhin ein paar Meter entfernt und Telefone waren etwas unhandlich geformt...

 

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Er nahm den Hörer ab. „Hör` mal, Durchleucht, ich bin nicht deine Nanny, vielleicht...“

 

„Unterlassen Sie diesen Unfug.“

 

Danny stutzte. Das war eindeutig nicht sein Freund Brett Sinclair am Telefon, sondern eine Frau. „Wer ist da?“, fragte er – nun hellwach und misstrauisch.

 

„Ihr Freund Sinclair ist unser... Gast... Mr. Wilde. Vielleicht möchten Sie sich zu ihm gesellen? So sehr wir Gesellschaften lieben, müssen wir doch leider darauf bestehen, dass Sie alleine kommen.“

 

Danny fuhr sich mit der Hand durch seine in alle Richtungen abstehenden Haare. „Also im Klartext – Sie haben Brett gekidnappt und ich soll bei Ihnen antanzen, ohne die Bullen zu verständigen.“

 

„Ich dachte, ich hätte mich klar ausgedrückt.“

 

„Nu’ mal keine Hektik. Und wo wollen Sie mich haben?“ Doch anstelle einer Antwort ertönte nur das leise Klick einer unterbrochenen Verbindung aus dem Hörer. „Ich glaub’ ich träum alb.“ Danny starrte das Telefon an und fragte sich, in welchem Kakao sie nun wieder steckten – oder ob ihn nur jemand durch denselbigen ziehen wollte. Aber da war so ein Vögelchen in seinem Hinterkopf, das meinte, es wäre vielleicht besser, wenn er – wirklich nur so aus Vorsicht und weil er nun schon einmal wach war – zu Bretts Wohnung fuhr und sich dort einmal umsah. Wenn das einer der schlechten Witze seiner Lordschuft war und Brett ihn nur zu einer Party locken wollte, dann könnte er ihm immer noch die adligen Ohren so lang ziehen, dass er sie als Schal um den blaublütigen Hals tragen konnte...

 

Zwanzig Minuten später parkte Danny den roten Ferrari vor der Sinclairschen Räuberhöhle und stieg aus. Es brannte kein Licht in der Wohnung. Die Straße war leer, keine Spätheimkehrer aus den Pubs, keine anderen Autos – nichts Verdächtiges. Trotzdem fühlte sich das Gewicht des Revolvers in seiner Hand sehr gut an, als er ausstieg und äußerlich völlig unbefangen näher kam. Langsam betrat er das Gebäude und trat durch die dunklen Flure. Dann öffnete er eine Tür und steckte den Kopf in den Raum – zwei Sekunden später wurde ihm klar, dass er einen Fehler gemacht hatte. Aber da kollidierte schon etwas sehr Hartes mit seinem Hinterkopf und das war das letzte, was er spürte.

 

* * *

 

Zwei Männer fingen den zusammensackenden Wilde auf und schleppten ihn in den Raum. Grob platzierten sie ihn auf einem Stuhl und banden seine Hände an die Rückenlehne, seine Fußknöchel wurden an den Stuhlbeinen fixiert.

 

Das Licht ging an und Lord Sinclair trat aus dem Schlafzimmer. Seine Begleiterin hielt einen großen und unfreundlich aussehenden Revolver auf ihn gerichtet, der in ihren zierlichen Händen - die besser dazu geeignet schienen, ein Champagnerglas zu halten – fehl am Platze wirkte. Dennoch machte Brett nicht den Fehler, sie zu unterschätzen. Er war überzeugt, dass sie mit diesem Ding umgehen konnte und Blutflecken ließen sich nur ungemein schwer aus Seide entfernen. Der Pyjama war neu und hatte ein kleines Vermögen gekostet. Ein Einschussloch würde ihn wirklich gründlich ruinieren.

 

Brett sah sich um und entdeckte den Stuhl, an den Danny festgebunden war. „Ich verstehe nicht, warum Sie uns beide als Geisel nehmen wollten. Daniel ist wirklich etwas eigen mit seinen Schlafgewohnheiten, wenn er wieder wach ist, wird er sehr schlechte Laune habe.“

 

Die Frau winkte mit dem Revolver. „Oh, man hat mir versichert, dass Mr. Wilde ein vollendeter Gentleman sein kann, wenn er das will.“

 

Ihre beiden Begleiter holten einen zweiten Stuhl und stellten ihn so auf, dass er mit dem Rücken zu Dannys Stuhl stand.

 

„Setzen Sie sich doch bitte, Mylord“, befahl die Frau spöttisch. „Ich habe so ein Gefühl, als hätten wir noch eine lange Nacht vor uns.“

 

Brett musterte sie nachdenklich, dann zuckte er mit den Schultern und nahm Platz. Dannys Kopf war vornüber gesackt und er hatte keinen Blick auf sein Gesicht werfen können, hoffte aber, dass der Freund in Ordnung war. Die beiden Männer traten zu ihm und keine Minute später war Lord Brett Sinclair ebenso fest mit seinem Stuhl verschnürt wie Danny.

 

Brett sah die Geiselnehmerin an, musterte ihren formlosen Overall, in dem sich keine seiner weiblichen Bekanntschaften auch nur tot hätte sehen lassen wollen und fragte sich, wie es eigentlich so weit hatte kommen können. Geweckt hatte ihn das Klirren von Glas im Wohnzimmer. Und als er nachsehen ging, hatte man ihm eine über den Schädel gezogen. Er nahm an, dass Danny eine Dosis der selben Medizin verabreicht bekommen hatte. Das würde eine hübsche Beule geben. Und an einen Stuhl gefesselt aufzuwachen, hob die Laune auch nicht gerade.

 

Er selbst war in seinem Schlafzimmer zu sich gekommen und der erste Anblick, den ihm seine müden Augen geliefert hatten, war der dieses blonden Berserkers mit einer Obsession für große Schusswaffen, der nun neben Danny stand. Allein schon der Umfang seiner Oberarme ließ Brett davon Abstand nehmen, einen Versuch zu wagen, ihm den Revolver abzunehmen. Das Eintreten seiner Begleiterin war allerdings nicht wirklich eine Verbesserung seiner Situation, den im Gegensatz zu ihrem schweigsamen Handlanger machte ihm der holde Engel sehr rasch klar, dass er entweder sofort seinen Freund Daniel anrufen und ihn herlotsen würde – oder seine Verwandtschaft sich über eine Neuarrangierung der Erbfolge Gedanken machen musste. So sehr es Brett hasste, Danny mit in diese Angelegenheit hinein zu ziehen, zu Zweit standen ihre Chancen sicherlich besser. Und selbst, wenn er sich geweigert hätte, diese Frau sah aus, als hätte sie mehr als nur einen Plan B in petto. Nur dummerweise konnte er Danny nicht warnen, weil der ihn einfach nicht zu Wort kommen ließ.

 

„Ich wäre gerührt, wenn Sie mir einen schütteln... einen Drink“, krächzte es da hinter ihm. Offenbar war Danny wieder zu sich gekommen. „In was für einem Saftladen bin ich denn hier gelandet? Ich will einen Creole Scream.“

 

„Mit zwei Oliven“, fügte Brett hilfreich hinzu.

 

„Was?“ Verwirrt starrte ihn die Frau an. „Was redet ihr da? Ist das ein Geheimcode?“

 

„Er trinkt seinen Creole Scream mit zwei Oliven“, wiederholte Brett. „Ich möchte nur eine. Danke.“

 

„Seid’ still, oder ihr bekommt einen Knebel verpasst.“ Ihre Gastgeberin war deutlich aus dem Konzept gebracht.

 

„Ich dachte nur, wenn wir hier schon so nett zusammen sitzen, wäre ein Cocktail zur Auflockerung doch gar nicht schlecht.“ Brett lächelte freundlich.

 

„Binde ihn los“, meinte die Frau und deutete auf Danny. „Wir wollen doch unseren Lord nicht für einen Anruf bemühen.“

 

Kurz darauf war Danny seine Fesseln los und rieb sich die Handgelenke. Misstrauisch blickte er den Muskelprotz an seiner Seite an. Der packte ihn an der Schulter und zerrte ihn Richtung Telefon, quer durchs Wohnzimmer.

 

„Hey, zieh’ mir gefälligst nicht die Flügel lang“, zeterte Danny. „Ich kann nicht schon wieder den Schwan spielen.“

 

Ein knappes „Schnauze!“, kam zurück. Dann prallte Danny gegen die Kommode, dass es nur so schepperte.

 

„Hat denn der Mensch ein Benehmen im Verkehr“, brummte Danny und sortierte seine Knochen. „Und bei wem soll ich anläuten? Wie wär’s mit Scotland Yard...“ Ein Stoß in die Rippen brachte ihn zum Schweigen. Für einen Moment zumindest. „Okay, dann nicht. Wie wär’s dann, wenn ich einen Tisch für vier... pardon... fünf in unserem Stammlokal reserviere, da gibt’s dann auch... echten Creole Scream.“

 

„Ich sagte Ihnen, wenn Danny um seinen Schlaf gebracht wird, ist er unausstehlich.“ Brett lächelte gewinnend.

 

„Halten Sie den Mund. Und Sie...“ Die Frau drehte sich Danny zu. „...Sie rufen Richter Fulton an.“

 

„Richter Fulton?“, fragte Danny.

 

„Richter Fulton?“, echote Brett.

 

„Ich habe mit dem guten Richter noch eine Rechnung offen. Seinetwegen ist jemand gestorben, der mir sehr viel bedeutet hat.“

 

Kaum hatte sie die Worte ausgesprochen, als jemand die Tür eintrat. Plötzlich war der Raum voll Menschen... genauer gesagt, voll Polizisten. Irgendwo in dem Durcheinander wurde Brett losgebunden, die beiden Gangster und ihre –braut in Handschellen gelegt und abgeführt und Richter Fulton schüttelte Danny die Hand. „Sehr gut gemacht, Mr. Wilde. Ich wünsche den Herren noch eine gute Nacht.“

 

Und so rasch, wie sie gekommen waren, zog Fulton mit seiner Truppe wieder ab.

 

„Was...?“ Brett sah sich erstaunt um. Wären da nicht die umgeworfenen Stühle – und die zertrümmerte Tür – gewesen, hätte er fast glauben können, das ganze wäre nur ein schlechter Traum gewesen. „Und wer bezahlt mir die kaputte Tür?“

 

„Schick’ doch Fulton die Rechnung.“ Danny betastete seufzend seinen Hinterkopf. „Da ist sie hin, die Pracht“, murmelte er. „Die Beule krieg’ ich doch nie wieder raus.“ Er blickte Brett an. „Und jetzt brauch’ ich wirklich einen Drink.“

 

„Na gut, dann mix’ ich uns zwei Creole Scream. Mit einer Olive, wie zivilisierten Mensc...“ Ein dumpfes Geräusch ertönte und Brett drehte sich um. Danny lag langausgestreckt auf dem Boden. Besorgt eilte Brett zu ihm, atmete aber erleichtert auf, als er Danny leise schnarchen hörte...

 

 

Ende