Titel: Binky will’s tun
Autor: Lady Charena
Fandom: Orland Outlands Romane

Paarung: Doan/Tim, Binky/Luke
Rating: Humor, PG
Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe/Hintergrund: Binky will’s tun – sie will ihren Luke heiraten. Und wer wäre besser dazu geeignet, eine pompöse Hochzeit auszurichten, als Doan McCandler, der Sherlock Holmes auf Stöckelschuhen? Die Handlung spielt nach dem zweiten Buch „Mordsduft“.

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.

 

 

„Also wirklich, Tim“, Doan klemmte sich den Hörer hinter das andere Ohr, um eine Seite umzublättern, in der anderen Hand hielt er ein Glas Champagner. „Ich weiß echt nicht, wieso ich mich entschlossen habe, ein monogames Leben zu führen, wenn du nie hier bist. Was hält dich denn diese Woche in Hollywood fest? Kommt der ‚Confidential’ keine zwei Tage ohne dich aus? Es gibt doch wohl noch andere Reporter in Los Angeles.“

 

Ein leichtes Schmollen hatte sich in seine Stimme eingeschlichen. Und während er Tims beflissener Entschuldigung lauschte, grübelte er darüber nach, ob er den so angesagten Maxitrend mitmachen wollte oder lieber doch nicht. Dabei hatte er sich erst dieses todschicke Chanelkostüm gekauft. Er fand, in kurzen Röcken sahen seine Beine einfach toll aus. „Also weißt du, langsam habe ich den Eindruck, dass du überhaupt nicht nach San Francisco ziehen willst. Das war schon der dritte Besichtigungstermin, den du abgesagt hast.“

 

Doan blätterte eine weitere Seite um und versank in die entzückte Betrachtung der neuesten Sonnenbrillenmodelle. „Woher ich das weiß? Denkst du, es gibt keine schwulen Makler?“ Eigentlich hatte er ohnehin vorgehabt, dieses Wochenende seine alte Freundin Eleanor Van Owens zu besuchen und daher war es ihm gar nicht so unrecht, das Tim nicht nach San Francisco kommen konnte. Aber so was band man seinem Liebsten schließlich nicht auf die Nase. „Bleib’ mal dran, da kommt ein zweiter Anruf rein. Nein, es ist nur Binky.“ Er legte die Modezeitschrift endlich weg, drückte eine Taste und räkelte sich genüsslich in Erwartung des neuesten Klatsches. „Hallo Binky, was gibt’s?“

 

„Doan, Doan, du wirst es nicht glauben!“, kam es atemlos von anderen Ende der Leitung.

 

„Schätzchen, du weißt doch, ich glaube dir einfach alles.“ Doan griff nach der Champagnerflasche, um sich mit einem weiteren Glas auf alle Eventualitäten vorzubereiten. „Jetzt plauder’ es schon aus, spann’ mich nicht auf die Folter.“

 

„Er hat mich gefragt!“

 

„Du sprichst in Rätseln, Binky. Wer hat was gefragt?“ Doan hoffte, das würde nicht allzu lange dauern. Seit Binky beschlossen hatte „erwachsen“ zu werden, war es einfach nicht mehr dasselbe mit ihr.

 

„Luke! Luke natürlich. Er hat mich gefragt, ob ich ihn heiraten will. Oh Doan, Doan, ist das nicht wunderbar?“, quäkte es aus dem Hörer, der Doans überraschten Fingern entglitten war. „Doan? Bist du noch dran? Sag’ doch was, Doan?“

 

Aber Doan antwortete nicht. Er war ohnmächtig geworden. Der Champagner versickerte langsam in den neuen naturfarbenen Seidenkissen und hinterließ interessante Spuren auf Doans hellblauem Neglige.

 

* * *

 

„Also findest du das nicht einmal für dich zu übertrieben, Doan?“, fragte Binky ein paar Tage später, als sie sich in ihrer Wohnung gegenüber saßen. Doan hatte von der kleinen Bäckerei an der Ecke Bagels und Lachs mitgebracht und Binky den Champagner beigesteuert. Wie so eine kleine Million Dollar das Leben doch angenehm veränderte. „Ich meine, in Ohnmacht zu fallen, während ich dir ‚die’ Neuigkeit meines Lebens erzähle?“

 

„Ich finde, das ist die einzig angemessene Reaktion“, verteidigte sich Doan würdevoll. „Schließlich hätte ich nie geglaubt, dass ich dich an einen aus Italien importierten Polizisten verlieren würde.“

 

„Doan, hör’ auf wie meine Mutter zu klingen“, seufzte Binky. „Und außerdem ist Luke hier geboren.“

 

„Aber seine Eltern sind Italiener, oder nicht?“, trumpfte Doan auf. Er wischte sorgfältig ein paar Brösel vom Revers seiner neuen Chaneljacke. „Sie sind bestimmt schrecklich katholisch und konservativ.“ Er warf einen kritischen Blick auf Binkys neue Frisur. Antoine mochte vielleicht ‚der’ neueste In-Frisör sein, doch das was Binky da auf dem Kopf trug, glich mehr einem verendeten Pudel als einer Frisur. Korrektur: einem verendeten, rot-und-grün-gestreiften Pudel. Vermutlich hatte sie Antoine ebenfalls von ihrer bevorstehenden Hochzeit erzählt und der prompt versucht, die italienischen Nationalfarben auf ihrem Kopf unterzubringen. „Du wirst sehen: sein Vater ist ein kleiner, dürrer Mann, er wird finster dreinkucken, nach Knoblauch riechen und seinen Schnurrbart zwirbeln, während er sich nach deiner Mitgift erkundigt. Und seine Mutter ist eine große dicke Frau, die ihren Schnurrbart zwirbelt, während sie von dir wissen will, ob du auch bestimmt als Jungfrau in die Ehe gehst.“

 

Binky prustete los. „Ach herrje, da hab ich ja ganz schlechte Karten“, kicherte sie.

 

„Warte es nur ab“, prophezeite Doan düster. „Sie werden mit einer Schar an Brüdern, Cousins und Onkels bei dir einfallen und erwarten, dass du sie dreimal am Tag mit Spaghetti fütterst, während sie dir auf den Arsch starren.“

 

Seine beste Freundin schüttelte lachend den Kopf. „Woher hast du diese furchtbaren Vorstellungen? Ich habe seine Familie schon längst kennen gelernt. Seine Mutter ist Krankenschwester und überhaupt nicht dick und sein Vater ist groß und breitschultrig, genau wie Luke und er lacht viel. Und er hat keine Brüder, sondern zwei jüngere Schwestern. Sie waren alle schrecklich nett zu mir.“

 

Doan tupfte sich mit einem Seidentüchlein den Mund ab. „Trotzdem kann das nicht dein Ernst sein, Luke tatsächlich zu heiraten.“ Er erschauerte theatralisch. „Denk’ doch nur einmal an all die anderen, hübschen Männer, die dir wegen dem einen entgehen.“

 

„Erstens habe ich noch nicht ‚ja’ gesagt. Und zweitens, habe ich dich nicht sagen hören, dass du für Tim deine Männergeschichten aufgibst?“, lästerte Binky zurück.

 

Doan winkte lässig ab. „Das sage ich immer, wenn ich verliebt bin“, behauptete er wahrheitswidrig.

 

„Aber natürlich. Entschuldige, ich hatte ganz vergessen, dass du ja weder deiner großen Liebe Stan noch dem guten KC deine Freiheit opfern wolltest, sondern die Beziehung lieber beendet hast, als sie ernster wurde.“ Binky schüttelte ihr frischdekoriertes Haupt. Sie schielte unter den Tisch und begutachtete Doans neue Stiefel, nachdem er ihr beim Nachgießen versehentlich den Absatz in den Fuß rammte. „Sind das neue Manolos?“, fragte sie, einen Augenblick abgelenkt.

 

Doch Doan blieb am Ball. Hartnäckigkeit war eine Grundvoraussetzung für den Beruf des Detektivs. „Lenk’ bitte nicht ab. Was heißt das, du hast noch nicht ‚ja’ gesagt?“, fragte er.

 

„Ich habe Luke gesagt, dass ich darüber nachdenken muss. Immerhin ist das eine ganz gewaltige Veränderung.“ Binky schnappte sich den letzten Bagel. Nachdenklich knabberte sie daran. „Er möchte, dass wir uns ein Haus in den Heights kaufen und endlich zusammenziehen.“ Sie krauste ihr Näschen. „Und als nächstes findet er bestimmt, dass ich das Detektiv-Spielen aufhören soll.“ Sie seufzte und legte den Bagel weg. „Doan, wir brauchen unbedingt einen neuen Fall.“

 

Der Meinung war Doan nun überhaupt nicht. Ihr nervenaufreibender Trip nach L.A. um den Tod eines berühmten Filmstars aufzuklären und Doans Freund Kenny, einen Schwulenaktivisten, vom Mordverdacht zu klären, lag kaum sechs Wochen zurück. Eine gewisse Regenerationszeit konnten sie sich ja dank der großzügigen Spende der Erben gönnen und Doan war entschlossen, das auch zu nutzen.

 

„Jetzt sag’ doch auch etwas dazu“, drängte Binky.

 

Doch Doan schwieg, denn Doan überlegte. Na ja, eigentlich schmollte Doan. Ein klein wenig. Bis zu Lukes Auftauchen war immerhin er der wichtigste und beständigste Mann in Binkys Leben gewesen – ein Fels in der Brandung ihrer Liebhaber. Sie waren beste Freundinnen, Vertraute, Seelentröster. Doan hätte sogar seinen Putzjob bei Binky behalten, nur um einmal die Woche im französischen Dienstmädchen-Outfit bei ihr aufzutauchen, sich auf ihr Sofa zu flegeln, kritisch nach Neuerwerbungen in ihrem Kleiderschrank zu wühlen (glücklicherweise hatten sie immer noch die gleiche Größe) und ihren Kabelanschluss zu nutzen. Inzwischen konnte er sich einen eigenen Kabelanschluss leisten und bei Binky kam dreimal die Woche eine Putzfrau. Es hatte ihn vorübergehend so deprimiert, dass er das Dienstmädchen-Outfit samt Spitzenhäubchen an eine Ledertunte im Club verschenkte und ein Pfund belgischer Kakaotrüffel - die er eigentlich auf Tims durchtrainiertem Oberkörper hatte schmelzen lassen wollen - alleine verdrückte. Und jetzt verlor er sie an einen italienischstämmigen Polizisten, der – wenn Doans Gedächtnis ihn nicht trügte – besonders begabte Hände besaß. Und das schlimmste war... Doan war daran auch noch schuld. Schließlich hatte er Luke auf den Bermudas getroffen, als der ihn am Pool davor bewahrte, sich zu Tode zu brutzeln, als Doan einschlief. Und opferungsbereit wie Doan – und hetero wie Luke - nun einmal war, hatte er sich nachdem er sich beim Eincremen von Lukes Fähigkeiten überzeugt hatte, ans Telefon begeben und Binky (die sich im Laufe ihres Schreibjobs bei der Polizei in Luke verkuckt hatte) eingeladen, auf seine Kosten nachzukommen. Nun gut, es war Eleanors Geld gewesen, aber sie hatte ihm gesagt, er könne es nach Belieben ausgeben. Und so ging das Geld für Binkys Hotelzimmer drauf – in dem sie keine Minute schlief, da sie sich für drei Tage mit Luke in dessen Zimmer einschloss – und für den Zimmerservice, denn selbst Binky konnte nicht von Liebe allein leben. Ganz zu schweigen davon, dass Doan selbst noch die eine oder andere Ausgabe für den hübschen Kerl hatte, den er am Pool aufriss. Trotzdem, es gefiel ihm nicht.

 

Aber dann schien sich ja Binky nicht so ganz sicher zu sein, ob sie diesen Schritt wagen sollte – und im Grunde seines Herzens freute sich Doan zu sehr für sie, als dass er diese Schwäche ausnutzen konnte. Oder? Er begann in seinem reichhaltigen Erfahrungsschatz nach Hochzeitserinnerungen zu kramen.

 

„Ich werde natürlich Brautjungfer“, meinte Doan und zupfte an seinen Haaren. Tim zuliebe hatte er sie sich von ihrer ursprünglichen Länge auf die Hälfte kürzen lassen, denn Tim stand nicht so auf lange Haare. Aber als Brautjungfer würde er Extensions tragen. „Und ich werde ein bezauberndes Kleid aus pfirsichfarbener Seide tragen, kein Taft, das wäre billig“, beschied er. „Denkst du, meine doppelreihige Perlenkette wäre zu gewagt? Und für dich suchen wir natürlich ein hübsches weißes Kleid mit Ballonrock aus.“

 

Binky schnitt eine Grimasse. „Weiß steht mir überhaupt nicht.“

 

Doan ignorierte sie. „Und dazu eine lange Schleppe, die ich tragen werde, aus Spitze selbstverständlich und du brauchst natürlich ein Diadem... nein, das werde ich tragen, steht mir einfach besser. Und einen Lilienstrauß.“

 

„Lilien sind aber doch Beerdigungsblumen“, wandte Binky zaghaft ein.

 

„Papperlapapp.“ Doan winkte ab. „Schatz, du hast von so was überhaupt keine Ahnung, das kommt davon, dass du dich immer vor Hochzeiten gedrückt hast.“

 

„Hör’ mal, Doan, vielleicht sollte ich doch...“, begann Binky ungewohnt kleinlaut.

 

Aber Doans Redeschwall flutete über sie hinweg. „...und natürlich eine riesige Torte. Was wäre eine Hochzeit ohne Torte? Erinnerst du dich an die, die sie in der deutschen Konditorei mal im Schaufenster hatten? Vier Stockwerke, in Herzform und mit diesem hinreißenden Zuckerfiguren-Brautpaar verziert. Natürlich wäre so eine Riesentorte wie in den alten Filmen, aus denen dann ein Überraschungsgast herausklettert, der Hit. Oh, das wäre mein Traum. Stell’ dir das mal vor, ich in einem dieser ultra-mini-Hawaiibikinis, wie ich aus einer Torte klettere.“ 

 

Doan hielt eine Sekunde an, um seine Kehle mit einem Schluck Champagner zusätzlich zu ölen. Er warf einen Blick auf Binky, deren Gesicht einen äußerst zweifelnden Ausdruck angenommen hatte. Zeit für den coup de grâce!

 

„Apropos Filme! Da fällt mir doch noch etwas tolles ein – damit wird deine Hochzeit wirklich unvergesslich bleiben – ich habe mal in einem Film tanzende Hunde gesehen. Weiße Pudel, um genau zu sein. Und du wirst es nicht glauben!!! Die trugen tatsächlich kleine, rosafarbene Röckchen und hatten Federbäusche auf dem Kopf, genau wie die Pferde im Zirkus oder die Vegas-Girls. Das würde die Leute glatt vom Hocker hauen, meinst du nicht? Bestimmt kostet es ein Vermögen, aber wir haben ja jetzt genug Geld.“

 

Binky stand auf und nahm ihre neue Picard-Handtasche vom Sofa. „Es tut mir wirklich leid, Doan, aber ich muss gehen... hab noch ne Verabredung... bin spät dran.“ Ohne ein weiteres Wort verließ sie hektisch ihre Wohnung.

 

Doan grinste zufrieden. Oh ja, er hatte die Nummer immer noch gut drauf, Bühnenerfahrung in jungen Jahren war einfach unschlagbar. Er warf einen Blick auf die zierliche, silberne Uhr mit den Diamanten, der er einfach bei Tiffanys nicht hatte widerstehen können und fand, dass es für heute genug war. Er würde nach Hause gehen und Tim anrufen.

 

* * *

 

Luke Faraglione betrachtete verwirrt das Häufchen Kummer, das ihm in Gestalt seiner Verlobten Binky gegenüber saß. Sie hatten sich zu einem späten Lunch in einem der Cafes in der Nähe des Polizeireviers getroffen. „Natürlich habe ich nichts dagegen, wenn wir mit der Hochzeit noch eine Weile warten. Aber irgendwie verstehe ich nicht ganz, wieso wir auf den Bermudas heiraten sollen und ganz allein. Ich meine, unsere ganzen Freunde und die Familie werden furchtbar enttäuscht sein. Und warum willst du nicht einmal Doan einladen? Das kannst du ihm nicht antun, er ist doch dein bester Freund...“

 

 

Ende