Titel: Bin Lok Days
Autor: Lady Charena (Juni 2009)
Fandom: Forever Knight
Episode: 2.10 Can’t run, can’t hide
Prompt: # 008.
Floor (100 Situations)
Charaktere: LaCroix, Nicholas
Pairing: --
Rating: pg, gen, oneshot
Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe:  Ergänzung zur  Flashback-Szene in der Höhle in Vietnam

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.



1971,  Bin Lok, Vietnam

Das Lärmen der Maschinengewehre, das Schreien und Weinen… alles verstummte plötzlich. Selbst für die geschärften Sinne der Vampire in der Höhle unter dem Dorf war nichts weiter zu vernehmen als die Geräusche des Feuers, das die Hütten verzehrte. Nur Rauch, Blut und der Geruch brennenden Fleisches drangen langsam sogar dorthin durch. Der süßbittere Geruch nach Tod.

LaCroix schickte die anderen mit einer Kopfbewegung zurück auf ihre Pritschen; zurück zu was immer sie getan hatten, bevor Nicholas mit Tagesanbruch in die Höhle stolperte und seine Anschuldigungen gegen sie richtete. Nicholas’ selbst gewählte Distanz zur Gemeinschaft, seine Isolation, sorgten für Unstimmigkeit unter den anderen, doch es gab keine offenen Widerworte. Und niemand hier wagte seine Autorität anzuzweifeln. Bis Sonnenuntergang konnte Nicholas die Höhle ohnehin nicht verlassen.

Unglücklicherweise schien Nicholas die Gastfreundschaft nicht zu schätzen zu wissen. Er hatte sich - wie immer auch räumlich - von den anderen abgesondert und saß auf dem kalten, feuchten Felsboden, in der Nähe des Eingangs.  Den Arm über eine der Sprossen in Schulterhöhe gehakt, lehnte  er seinen Kopf gegen die alte Holzleiter. Seine Augen waren geschlossen.

Ein Sonnenstrahl, der durch eine Lücke in der aus Brettern gefertigten Abdeckung drang, fiel direkt vor Nicholas’ Füßen auf den Boden; berührte fast seine Schuhspitzen. LaCroix kickte unsanft seine Stiefel zur Seite, aus dem Licht. “Wenn dich dein blutendes Herz dazu drängt, Selbstmord zu begehen, dann möchte ich dir eine effektivere Methode anraten. Sicherlich wären auch meine jungen Freunde hier gerne bereit, dir zur Hand zu gehen. Sie sind nicht gerade gut auf dich zu sprechen.”

Nicholas sah auf.  „Lass‘ mich in Ruhe“, entgegnete er tonlos.

Er ging in die Hocke, bis sich sein Gesicht auf der gleichen Höhe wie das des jüngeren Mannes befand. LaCroix erinnerte sich an das Feuer der Wut in seinen Augen, als Nicholas ihn gegen die Wand gepresst hatte, und an den Stolz, dass sein Zögling ihn gefunden hatte - wenn Nicholas auch nicht bewusst die Verbindung zwischen ihnen genutzt hatte, so hatte sie ihn doch zu ihm geführt. Jetzt hatten seine Augen die Farbe von Blei angenommen, kalt und grau, aber noch immer voll Trotz.

LaCroix griff nach dem Messer an Nicholas‘ Gürtel und zog die Klinge ein Mal quer über seine linke Handfläche. Blut quoll an die Oberfläche und floss über die Handkante, tropfte auf den Felsboden. Er tauchte die Fingerspitzen von Zeige- und Mittelfinger der anderen Hand in das Blut und zeichnete damit ein Schriftzeichen auf Nicholas‘ bloßen Unterarm – der Ärmel seines Uniformhemdes war nach oben gerutscht, als er den Arm um die Leiter legte.

Der Ärger und Trotz in Nicholas‘ Gesicht wurden von Verwirrung übertüncht. Das war das Zeichen, das er an dem Baumstamm gesehen hatte. Das Zeichen, von dem ihm die Frau im Dorf gesagt hatte, es bedeute „frei“.  

LaCroix wischte seine Hand an der Hose ab und betrachtete dann für einen Moment seine Handfläche, der Schnitt schloss sich und heilte.

„Die Absolution, die du suchst, Nicholas, ist eine Illusion. Genau wie deine Gerechtigkeit.  Du versuchst so sehr, ein Mensch zu sein - aber diese Menschen, sie haben die Grenze überschritten, die wir nicht überschritten haben - sie töteten die Kinder, an die du dein Herz gehängt hast. Nicht wir. Nicht du.“ Er beugte sich erneut vor und befestigte das Messer wieder an Nicholas’ Gürtel. „Niemand ist frei.“

Mit einem Nicken stand er auf und kehrte zu den anderen zurück.

Nicholas sah ihm verwundert nach.

Ende


Anmerkung: Im englischen Original sagt die Frau mit der Nick spricht, das Schriftzeichen bedeute „clear“ – eine der Übersetzungen davon ist „frei“ und sie passte am besten in den Kontext der Story. Ich weiß nicht, warum sie es in der Episode nicht weiter erläutern, aber ich nehme an (auch wenn die Frau sagt, niemand wisse, was es zu bedeuten habe, dass es in der Nähe des Dorfes in einen Baumstamm geschnitzt war) dass es ein Zeichen war, das irgendjemand darüber informieren sollte, dass das Dorf „frei“ sei: entweder von VC oder Amerikanern. Dafür, dass das Schriftzeichen (wenn auch verändert) am Tatort zu finden ist, und Nick erst auf die richtige Spur bringt, wurde später eindeutig zu wenig darüber gesagt.