neu: BFF (House MD, NC-17, slash)
Titel: BFF
Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD
Pairung: Wilson/House
Rating: NC-17, slash, pre-series
Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Wann braucht man seinen besten Freund mehr als in einer Krise?

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.



Es wurde an seiner Tür Sturm geklingelt, schließlich sogar dagegen gehämmert. Und das, obwohl James Wilson keine Minute brauchte, sich etwas über zu streifen und die Treppe nach unten zu laufen. Er riss die Tür auf, die dem Krach nach nunmehr von Fußtritten malträtiert wurde. „Was zum Teufel...?“, er unterbrach sich, als er die triefnasse Gestalt vor sich erkannte. „House?“ Er sah an seinem Freund vorbei, doch die Straße war trocken, der Vorgarten war trocken, die Nachbarhäuser... also auf jeden Fall war nirgendwo ein Regentropfen zu entdecken. „Wieso bist du klatschnass?“, fragte er und vergaß über seine Neugier fast den Ärger, dass er so unsanft aus dem Schlaf gerissen worden war. Immerhin handelte es sich um House, da war alles möglich.

„Frag’ bloß nicht“, knurrte House unwirsch und schob sich dicht an ihm vorbei ins Haus. Seine Schulter streifte Wilsons Oberkörper.

Wilson wich automatisch zurück, um nicht nass zu werden. „Aber bitte, komm’ doch herein“, murmelte er sarkastisch und folgte House ins Wohnzimmer, der sich - ohne jede Rücksicht - mit seinen nassen Klamotten einfach aufs Sofa warf. Er knipste das Licht an und sah erst jetzt, dass House seine Sporttasche dabei hatte. Sie landete eben schwungvoll auf den Kissen.

Wilson trat zu ihm, nahm die ebenfalls tropfende Tasche hoch und stelle sie mit einem Seufzen auf den Boden. Er schob die feuchten Kissen weg und setzte sich. Die Arme vor der Brust verschränkt, unterdrückte er ein Gähnen. Und zuckte zusammen, als House seine schmutzigen Sneaker auf dem Couchtisch platzierte. Er wusste es besser, als etwas zu sagen, sondern tat es ihm im Gegenteil nach und legte seine bloßen Füße daneben ab. Dann drehte er den Kopf und musterte House.

„Sie hat mich rausgeworfen“, grummelte House, den Blick an die Decke gerichtet.

Wilson wartete, aber es kamen nicht mehr Informationen. „Wieso?“, fragte er deshalb nach einer Weile. „Und wieso lässt du dich aus deiner eigenen Wohnung werfen?“

Es blieb so lange still, dass Wilson sich fast fragte, ob sein Freund vielleicht eingeschlafen war.

Doch dann kam ein tiefes Seufzen von dem Mann neben ihm. „Es sind genau fünf Jahre.“

„Fünf Jahre seit was?“, hakte Wilson nach, weil er auf Anhieb nichts mit den Worten verband. Dieses Mal versteckte er sein Gähnen nicht.

House und Stacy stritten sich so regelmäßig wie andere Leute ihre Hemden wechselten; ihre Beziehung lebte davon. Es kam zwar selten vor, dass House bei ihm auftauchte um zu schmollen, denn meistens ließ eine Versöhnung nicht lange auf sich warten – aber sein nächtliches Erscheinen konnte auch etwas damit zu tun haben, dass House wusste, dass Bonnie zur Zeit ihre Eltern in Boston besuchte. Zwischen seiner Frau und seinem besten Freund herrschte alles andere als eitel Sonnenschein. Stacy hatte nichts dagegen, wenn Wilson für ein paar Tage bei ihnen unterkam, wenn es in seiner Ehe mal wieder heftig kriselte, doch sie war auch nicht glücklich darüber. So „beweinten“ sie ihren Kummer meist in irgendeiner Bar – und für den äußersten Notfall gab es ja noch die unbequeme Couch in Wilsons Büro oder die abgenutzten, aber sehr bequemen Sessel im Aufenthaltsraum der Abteilung für Infektionskrankheiten, in der House mehr oder weniger Zuhause war.

House murrte die Antwort in seinen Bart – nun, zumindest sah es so aus, als arbeite er an einem. Scheinbar war sein Rasierer kaputt, denn die Stoppeln in seinem Gesicht waren länger als je zuvor.

„Was?“, fragte Wilson mit gerunzelter Stirn. Für gewöhnlich war er ganz gut darin, seinen Freund zu dechiffrieren, doch dieses Mal hatte er nichts verstanden.

„Es ist fünf Jahre her, dass sie eingezogen ist“, sagte House laut und deutlich und mit einem Unterton von „Muss-ich-alles-zehnmal-sagen-du-Idiot?“. Einem Tonfall, den er normalerweise für die dümmsten Klinikpatienten vorbehielt.

„Und du hast es vergessen. Kommt’ vor.“ Wilson klopfte ihm in männlicher Solidarität auf die Schulter. Immerhin hatte er auch schon den einen oder anderen Jahrestag oder Hochzeitstag oder Geburtstag vergessen und wusste, wie absurd ernst Frauen so was nahmen. „Sie beruhigt sich wieder.“

„Das ist es nicht.“ Ein erneuter, aus tiefstem Herzen kommender Seufzer. „Sie will...“ House brach ab, hob die Hand und rieb sich übers Gesicht. Ein raues Geräusch, wie wenn man über Sandpapier strich, erklang. „...reden... übers...“ Ein weiteres Seufzen. „...hei...“ Der Rest ging in einem undeutlichen Murmeln unter, als House ein Kissen griff und es sich aufs Gesicht presste.

„Heiraten?“, fragte Wilson nach einem Moment, als er die Bruchstücke zusammensetzte. Er lachte. „Sie will übers Heiraten reden? Deshalb verfällst du in Panik? Also weißt du, das passiert gelegentlich, wenn zwei Menschen...“

House nahm das Kissen vom Gesicht und sah ihn böse an. „Ist das alles, was du dazu zu sagen hast?“

„Was willst du, dass ich sage?“, entgegnete Wilson, immer noch grinsend. „Ich dachte, das mit dir und Stacy ist was Ernstes.“

„Heiraten, das ist nicht ernst...“, erwiderte House düster. „Das ist todernst. Du hast geheiratet, als du kaum aus dem Kindergarten gekommen bist, du solltest das eigentlich verstehen.“

„Ich habe schon darauf gewartet, dass du meine Scheidung hier irgendwo unterbringst.“ Wilson massierte sich den Nasenrücken. Er spürte irgendwo in der nahen Zukunft Kopfschmerzen. „Und wie ging es weiter? Was hast du ihr geantwortet?“, setzte er dann sanfter hinzu. „Wenn es das gleiche wie eben bei mir war, wundert es nicht nicht, dass du rausgeflogen bist.“

House zuckte nur mit den Schultern. Wilson gab sich geschlagen. Er gähnte erneut, stand auf und streckte sich. „Nun, du kannst das Sofa haben. Und du weißt, wo du alles andere findest. Ich gehe wieder ins Bett.“ Finger schlossen sich überraschend um sein Handgelenk, hielten ihn fest. Er sah House fragend an.

„Jimmy?“ House’ Miene war undeutbar.

„Ja?“

„Meine Klamotten sind nass.“

„Du kennst den Weg ins Bad. Ich würde dir ja was von meinen Klamotten borgen, aber...“

„...aber ich lasse mich nicht einmal tot in einem deiner Hemden blicken. Womöglich würdest du mir noch eine deiner scheußlichen Krawatten aufdrängen.“ House deutete mit der freien Hand – die andere hielt immer noch Wilson fest – auf seine Sporttasche. „Ich hab da was drin. Du musst dich also nicht von deiner kostbaren, geschmacklosen Garderobe trennen.“

„Beruhigend.“ Wilson musterte ihn, griff dann nach House’ Fingern und löste sie von seinem Handgelenk. „Es tut mir leid“, sagte er. „Wenn ich nicht gleich morgen früh eine Besprechung hätte, dann würde ich gerne hier bei dir sitzen bleiben und wir könnten uns betrinken...“

House grinste. „Du bist entsetzlich langweilig geworden, seit du befördert wurdest, Jimmy.“

Wilson lachte. „Ich weiß. Und du weißt, dass mich die Hälfte der Ärzte in meiner Abteilung kritisch beobachten, weil sie denken, ich bin zu jung für den Posten und die andere Hälfte...“

„...misstraut dir, weil du mit mir befreundet bist“, beendete House den Satz. „Sie durchschauen deine biedere Fassade, Jimmy-boy.“ Er ließ sich in die Couch zurücksacken und streckte seine lange Gestalt noch ein wenig mehr aus. „Du könntest blaumachen. Wozu ist man der Leiter seiner eigenen Abteilung, wenn man das nicht ausnutzen darf?“

„Du würdest es ganz sicher so machen. Aber ich bin nicht wie du“, erinnerte ihn Wilson. Er musterte seinen Freund und fand, dass er besser als wie bei seiner Ankunft aussah, mehr wie der House, den er seit Jahren kannte.

„Dem Himmel sei gedankt“, erwiderte House sarkastisch, seinen Mund zu einem Grinsen verzogen – doch die hellen, blauen Augen blieben ernst.

Wilson rieb sich den Nacken. „Gute Nacht, House“, meinte er ruhig und wandte sich ab, um zur Tür zu gehen.

„Gute Nacht, Wilson“, ertönte es hinter ihm.

* * *


Wilson hatte keine Ahnung, wie lange es dauerte, bis er zum zweiten Mal in dieser Nacht aus dem Schlaf gerissen wurde. Auch wenn das Erwachen dieses Mal ungleich sanfter und leiser als zuvor vonstatten ging, war es nicht weniger abrupt. Oder zu ignorieren.

Eine Hand hatte sich unter den Bund seiner Boxershorts geschoben und glitt langsam, fast träge, an seinem sich rasch versteifenden Penis auf und ab. Mit einem zustimmenden Brummen hob er die Hüften leicht an, presste sich in die Berührung. „Hey... hmmmh... Bonnie, wieso…” Die Hand verschwand und Wilson war von einem Moment auf den anderen wach. „Was...?“ Er drehte sich auf die Seite und blinzelte den Schlaf aus seinen Augen. Es war natürlich nicht Bonnie, die neben ihm im Bett lag, sondern House.

Es war nicht viel Licht im Raum, House hatte nur die Lampe in der entfernten Raumecke, neben Bonnies Lesesessel angeknipst, vermutlich war er auch deshalb nicht sofort aufgewacht. Doch es reichte aus, um zu sehen, dass sein Freund unbekleidet und auf der Tagesdecke ausgestreckt dalag, den Körper auf einen Ellbogen gestützt, leicht aufgerichtet.

„Ich denke, du hast mich eben beleidigt“, meinte House und studierte seine Hand, als fürchte er, sie hätte Schaden genommen.

Wilson zwang sich das scharfe, hungrige Gefühl zu ignorieren, dass der Anblick des nackten Mannes in ihm wachrief – ganz zu schweigen von der Erinnerung an die warme Hand, die noch vor einem Moment seinen halbharten Penis umschlossen hatte. Er winkelte den Arm an und schob ihn unter den Kopf, imitierte House’ Haltung unbewusst. „Was machst du hier?“

House zuckte mit den Schultern. Er beschäftigte sich noch immer mit seiner Hand. „Auf deiner Couch zu schlafen ist unmöglich, wenn man größer als einmeterfünfzig ist.“

„Richtig, und das von einem Mann, der eine zweihundert-Dollar-Wette gewonnen hat, indem er die ganze Nacht auf einem Motorrad verbrachte – tief schlafend“, erwiderte Wilson trocken. „Ich würde dir ja unser Gästezimmer anbieten, aber du behauptest immer, Bonnies Deko verursache Albträume und Ausschlag.“

House verzog das Gesicht, als erneut der Name von Wilsons Ehefrau fiel. „Kannst du aufhören, von ihr zu sprechen, wenn ich neben dir liege? Ich denke, ich nehme das langsam persönlich.“

Wilson seufzte und rieb sich übers Gesicht. „Was soll das, Greg?“ House war ihm nahe genug, dass er Alkohol an ihm gerochen hätte – aber da war nichts und das hieß, es war kein betrunkener Ausrutscher. Er drehte sich wieder auf den Rücken, brachte damit ein wenig mehr Sicherheitsabstand zwischen sie und sah an die Decke.

Ungeachtet seiner Ehe mit Bonnie und House’ Zusammenleben mit Stacy; den getrennten Karrierewegen, die sie für eine Weile verfolgt hatten, bis sie am PPTH wieder aufeinander trafen, hatte sich die Anziehungskraft zwischen ihnen nicht geändert. Aber Schuldgefühle waren etwas, das leicht in Lust unterging und in der Berührung von nackter Haut an nackter Haut vergessen wurde. Und vielleicht konnten sie sich danach nicht sofort wieder in die Augen sehen, bevor sie nach Hause und zu ihren jeweiligen Partnern zurückkehrten, und möglicherweise dauerte es ein bisschen länger, bevor sie wieder miteinander schliefen, aber sie landeten unweigerlich zusammen im Bett. Wie zwei Planeten festen Umlaufbahnen, die sich immer wieder überschnitten.

„Ich dachte, meine Hand in deiner Hose wäre ziemlich unmissverständlich“, kam es spöttisch von House.

„Hör’ mir zu, ich habe keine Lust, den Blitzableiter für deinen Frust zu spielen. Du bist sauer auf Stacy und mit mir Sex zu haben, ist deine Rache.“ Er ignorierte, dass ein Teil seines Körpers dagegen vehement protestierte, ignoriert zu werden. Verdammt, es war lange her... Und House wurde besonders kreativ, wenn er frustriert war...

Er holte tief Luft, als House’ Hand unvermittelt auf seinem Bauch landete und sich erneut in Richtung des Bundes seiner Shorts schob. „Das ist eine phänomenal schlechte Idee, sogar für dich“, meinte er gepresst. Aber weder stieß er House’ Hand weg, noch stand er auf und zog sich in das anstößige Gästezimmer zurück oder tat sonst irgendwas.

„Ja, ja, ja“, murmelte House und rückte näher. Seine bisher unbeschäftigte Hand gesellte sich zur anderen, und bevor Wilson erneut etwas sagen konnte, hatten sie seine Boxershorts nach unten gezerrt, fesselten seine Knie zusammen.

Einen Moment starrte er auf die Bewegungen unter der Decke, dann stieß er sie mit einem leisen Fluch weg. House’ Berührung nicht nur zu spüren, sondern auch zu sehen, machte ihn auf der Stelle hart und als er den Blick wieder nach oben richtete, las er die Belustigung in den blauen Augen, denen keine seiner Reaktionen entging. Wilson streckte die Hand aus und packte House ein wenig unsanft an der Schulter, um ihn näher an sich zu ziehen. Seine Finger glitten weiter in seinen Nacken und House kam ihm entgegen, es lag kein Zögern darin, als sie sich küssten.

House’ Mund zwang seinen offen, auch wenn er nur zum Schein Widerstand leistete, und er zog dafür Gregs Kopf nach vorne, ihre Zähne prallten aneinander, fast wie zwei wilde Tiere, die aufeinander losgingen. Der Eindruck verstärkte das Grollen, beinahe ein Knurren, das von House kam, als er sich auf den jüngeren Mann rollte.

Wilson kickte seine Boxershorts aus dem Weg, bevor House’ Körper ihn in die Laken drückte und er biss Greg in die Unterlippe, als sie in voller Länge, Haut an Haut, in Kontakt kamen. Ihre Erektionen pressten sich aneinander, rieben aneinander, als Wilson die Fersen in die Matratze grub und die Wirbelsäule nach oben wölbte, House entgegen. Seine Hände glitten Gregs Flanken entlang, mit leichtem Druck der Fingernägel gegen die dort ausgesprochen empfindsame Haut. House reagierte mit einem Fluch und stieß seinen Unterkörper gegen Wilsons. Seine Knie drückten James’ Beine auseinander und er legte für einen Moment seine Stirn gegen Wilsons Brustbein.

Wilson drehte den Kopf zur Seite, sog Luft in tiefen Atemzügen ein. Er schlang seine Beine um House’ lange, strich sie an den glatten, unbehaarten Rückseiten hoch, bis die Innenseiten seiner Knie über House’ Hüften langen, ihn festhielten. Seine Finger bohrten sich in House’ Oberarme, hinterließen blutleere Dellen.

House’ Hüften bewegten sich, pressten seinen Unterkörper gegen Wilsons. Ihre Erektionen rieben aneinander, schneller, leichter, als Schweiß und das erste Preejakulat sich mischten und ein natürliches Gleitmittel lieferten.

Wilson spürte House’ Stoppeln, die gegen die weiche Haut seines Halses prickelten wie feine Nadeln; eine Zunge am Pulspunkt; dann das Nippen scharfer Zähne. Es war die letzte, bewusste Wahrnehmung, danach ging alles in einem Nebel aus Berührungen, Empfindungen und der Reibung ihrer Körper aneinander unter...

* * *

Wilson löschte das Licht in dem ans Schlafzimmer angrenzenden Bad und machte sich eine geistige Notiz, dass er die Handtücher und die Bettwäsche in die Reinigung brachte, so bald es ging. Bonnie plante zwar nicht, vor dem Wochenende nach Princeton zurück zu kommen, aber auf keinen Fall riskierte er, dass sie Beweise dessen fand, was in ihrem Bett geschehen war.

Aber noch war das Gefühl zu gut, als dass er mehr als ein vages Schuldbewusstsein empfand.

House, der vor ihm im Bad gewesen war und dazu das Bett geradezu fluchtartig verlassen hatte, war ein undefinierter Klumpen unter der Decke, die er vom Boden geangelt und halb ordentlich ausgebreitet hatte. Sein Gesicht ins Kissen vergraben, schien er bereits völlig weggetreten.

Er lauschte für einen Moment auf House’ Atem und wusste, dass der andere Mann noch nicht schlief. Geräuschlos trat er zum Bett, hob die Decke an seiner Seite an und glitt darunter. Er streckte sich auf dem Rücken aus und verschränkte die Arme im Nacken. Was er nicht erwartete, war Gregs Hand, die die Distanz zwischen ihnen überbrückte und sich als warmes Gewicht auf seinen Bauch legte.

* * *

„Verdammt, verdammt, verdammt.“

Es war House’ Stimme, die Wilson zum dritten Mal aus dem Schlaf holte. Er blinzelte. Licht fiel in den Raum. Licht von draußen. Morgenlicht, keine Lampe. Es war Tag. Wilson setzte sich auf und blickte zu House hinüber, der auf der Kante der anderen Bettseite saß, ihm den Rücken zugewandt. „House?“, fragte er.

„Schlaf’ weiter.“

Wilson stutzte. Da war ein Unterton in seiner Stimme... „Was ist los?“

„Wow, Jimmy, ich weiß, dass ich gut bin, aber du könntest langsam wieder anfangen, mit dem großen, grauen Gehirn zwischen deinen Ohren zu denken“, gab House spöttisch zurück.

Mit einem Seufzen ließ sich Wilson wieder zurückfallen. „Was auch immer“, brummte er. Er gab sich uninteressiert, wandte aber dennoch den Kopf und sah, dass House die Muskeln des rechten Oberschenkels massierte. „Was...?“, begann er erneut.

„Es ist nichts“, schnappte House und sah ihn über die Schulter hinweg an. Ärger und... noch etwas anderes, vielleicht Unsicherheit? ... blitzte in den blauen Augen. Gregs Lippen waren eine schmale, wütende Linie. „Ein Muskelkrampf. Vermutlich habe ich mich nicht genug aufgewärmt.“ Er stand unvermittelt auf. „Ich gehe duschen.“ Damit verschwand er ins Bad.

Wilson rollte sich herum, auf den Bauch und sah ihm nach, starrte auf die geschlossene Tür, als hätte er Supermans Röntgenblick und könne sehen, was in der Dusche vor sich ging. Dann sah er auf die Uhr. Es lohnte sich nicht, wieder einzuschlafen, sein Wecker hätte ohnehin bald geklingelt.

Er fuhr sich durch die Haare, stand auf, griff nach seinen Klamotten und ging nach unten, um Kaffee zu machen. Wilson hatte so eine Ahnung, als würde er für diesen Tag alle mögliche Unterstützung brauchen.

* * *

Wilson lehnte gegen den Küchentresen, beide Hände um den Kaffeebecher geschlossen und nippte an seinem noch zu heißen Inhalt, als er hörte wie sich die Tür öffnete. Er wandte sich nicht um, sondern hielt den Blick auf Bonnies neuestes Hobby gerichtet – sie hatte angefangen, Puppen zu sammeln, die auf der Fensterbank in der Frühstücksnische Platz gefunden hatten. Irgendwie fühlte er sich von ihnen beobachtet. Wilson grinste über sich selbst. Das Grinsen verschwand, als er in den blankgeputzten Fenstern darüber House’ Spiegelbild entdeckte. Er trug seine inzwischen trockenen Jeans, ein T-Shirt und darüber ein zerknittertes, noch nicht zugeknüpftes Hemd. Seine Füße waren nackt. Vielleicht war es das verschwommene Bild, aber er hatte den Eindruck, dass Greg humpelte. Er ging leicht gebeugt, um seinen rechten Oberschenkel zu kneten.

Ein Klappern ertönte, als House über Hectors Futternapf stolperte. „Verdammt! Wenn sie den Scheißköter mitnimmt, kann sie dann nicht sein Zeug wegräumen?“

Er drehte sich um und House richtete sich abrupt auf, jetzt war auch keine Spur eines Humpelns zu entdecken. „Alles okay?“, fragte er.

„Die Dusche ist frei“, entgegnete House ohne auf die Frage einzugehen.

Wilson schob den zweiten Kaffeebecher in House’ Richtung. Er erinnerte sich an Gregs Worte nach dem Aufwachen. „Du warst schon Laufen?“

House trank seinen Kaffee in einigen großen Schlucken und fluchte leise, als er ihm den Mund verbrannte. „Ich konnte nicht schlafen.“ Er füllte seinen Becher nach, trank dieses Mal langsamer.

„Und hat es etwas gebracht?“, meinte Wilson vorsichtig. „Das Laufen.“

House zuckte mit den Schultern und lehnte sich neben ihm gegen den Küchentresen. „Ich verstehe Stacy nicht. Würdest du mich heiraten wollen?“, fragte er düster, und starrte in seinen Kaffeebecher, als könne er darin wie in Teeblättern die Zukunft lesen.

„Oh, wow. Dieser Antrag kommt sehr überraschend.“ Wilson lachte. „Ich kann dich nicht heiraten, House, das ist illegal.“

Der ältere Mann schnitt eine Grimasse. „Danke, es freut mich sehr, dass du meine Probleme so ernst nimmst.“ Er stellte seinen Becher ab und trat von Wilson weg. Doch nach ein paar Schritten stoppte er und grub mit einem Fluchen die Finger in den rechten Oberschenkel.

Wilson stellte seinen Becher ebenfalls weg. „Das sieht nicht gut aus. Warum lässt du dich heute Nachmittag nicht mal in der Klinik durchchecken?“

House schüttelte den Kopf. „Mir fehlt nichts. Und auf keinen Fall gehe ich freiwillig in die Klinik. Und definitiv nicht an meinem einzigen freien Nachmittag seit zwei Wochen.“ Er ließ die Hand sinken und richtete sich auf, sein Gesicht war verschlossen. „Es geht schon wieder. Ich sagte doch, nur ein Muskelkrampf. Vermutlich habe ich es in den letzten Wochen mit dem Laufen übertrieben.“ House warf ihm einen Blick über die Schulter zu. „Im Gegensatz zu dir. Du hast überhaupt keine Zeit mehr für mich.“

Wilson musterte ihn. „Du weißt, dass Bonnie und ich Schwierigkeiten haben. Und seit ich die Abteilungsleitung übernommen habe, gibt es viel zu tun – mehr Meetings, mehr Papierkram... und jetzt hat Lisa Cuddy mich auch noch in das Transplantationskomitee verpflichtet.“ Er trat zu House und legte die Hand auf seinen Arm. „Hör’ zu“, begann er. „Ich habe heute Mittag meinen letzten Termin, ich könnte mir den Nachmittag frei nehmen – wie du gesagt hast, wozu bin ich Abteilungsleiter. Wir können essen gehen, laufen. Oder wir lassen uns etwas zu Essen kommen, und machen es uns hier bequem... Keine Sorge, ich bin bis zum Wochenende Strohwitwer.“ Er räusperte sich, als er die Belustigung in den blauen Augen sah.

„Woah, Jimmy, versuchst du mich zu verführen?“, fragte House grinsend, mit einer grässlichen Falsettostimme. Aber der Spott war nur halbherzig.

„Lass’ den Quatsch.“ Wilson wandte sich ebenfalls ab, ein wenig sauer auf sich selbst, dass es House geschafft hatte, ihn in Verlegenheit zu bringen. Er starrte wieder auf die Puppen. „Wenn du nicht in die Klinik willst, dann lass’ mich einen Blick auf dein Bein werfen.“

„Ich weiß nicht, ob dir das noch nie jemand erzählt hat, Jimmy, aber ich bin zufälligerweise auch Arzt.“ Dieses Mal überwog der Spott. „Falls du aber nur nach einer Gelegenheit suchst, mich dazu zu bringen, die Hosen fallen zu lassen, das kannst du einfacher haben.“

Wilson zuckte zusammen, als sich plötzlich zwei Arme um seine Taille schlangen und sich House an ihn presste, seinen Unterkörper gegen sein Gesäß stieß.

„Du musst nur fragen“, murmelte House dicht an seinem Ohr und küsste ihn in den Nacken.

Er machte sich von House los, nicht ohne Bedauern. „Ich muss zur Arbeit“, sagte er und wandte sich zu ihm um, musterte den anderen Mann. „Das mit deinem Bein, nimm’ das nicht auf die leichte Schulter, okay?“ Er grinste, um House’ Spott vorzubeugen. „Ich gebe dir keine Gelegenheit, dass du dich vor der Revanche drückst. Du schuldest mir ein Rückmatch.“

„Jimmy, ich schlage dich mit verbundenen Augen beim Tennis.“ House griff an ihm vorbei nach dem Kaffeebecher. Er trank und verzog das Gesicht. „Urghs. Das war deiner. Eine halbe Tonne Zucker drin.“ Er schüttelte sich übertrieben. Ohne Vorwarnung beugte er sich vor und küsste Wilson. Dann leerte er mit einer Grimasse den Becher und stellte ihn weg. „Stacy und ich spielen heute Nachmittag Golf. Sie hat sich mit einer früheren Studienkollegin und deren Mann verabredet und will mich vorführen“, meinte er mit einem Unterton an Abscheu. „Ihre Freundin hat wohl keinen so tollen Fang gemacht. Sie wird auf jeden Fall hingehen wollen, ob wir uns streiten oder nicht.“ Seine Miene verdüsterte sich.

„Erzähl’ ihr, dass dein Bein wehtut und sag’ ab.“ Wilson trat von ihm weg, zur Tür und zog sich auf dem Weg dorthin das T-Shirt, das er trug, über den Kopf. Er musste sich langsam beeilen, wenn er nicht zu spät kommen wollte.

„Ich verwende keine derart konstruierten Ausreden.“ House öffnete den Kühlschrank, um nach Essbarem zu suchen.

Wilson grinste. „Du hast einmal behauptet, dir würden die Haare wehtun und du könntest deshalb nicht zur Arbeit kommen.“

„Ich bin gesund wie ein Pferd“, behauptete House und trank direkt aus der Milchtüte.

„Also weißt du, ich kenne da einen tollen Tierarzt...“, erwiderte Wilson darauf.

„Hat er auch in McGill studiert?“ House grinste, als Wilson ihm sein T-Shirt an den Kopf warf, bevor er die Küche verließ, um endlich zu duschen und sich anzuziehen. Als er alleine war, ließ er das Shirt fallen und stellte die Milchpackung zurück. Er humpelte in die Frühstücksnische und setzte sich auf einen der hohen Hocker dort. Die Lippen zu einem schmalen Strich zusammengepresst, massierte er wieder seinen Oberschenkel.

* * *

Als Wilson geduscht und fertig angekleidet aus dem ersten Stock zurückkam, war House weg. Die Tasche fand sich nicht mehr im Wohnzimmer, seine Kleidung war verschwunden. Er seufzte und rückte seine Krawatte zurecht. Etwas anderes hätte er nicht erwarten sollen. House hasste Konfrontationen und er hasste es noch mehr, wenn man ihn bemutterte.

Er kam nicht dazu, weiter darüber nachzudenken, denn das Telefon klingelte. Bonnies aufgeregte und verweint klingende Stimme begrüßte ihn, als er den Hörer abnahm.

Eine Stunde und einige hektische Telefonate später war er auf dem Weg nach Boston, zu Bonnie, ihr Vater hatte einen schweren Autounfall erlitten.

Er erfuhr erst zwei Tage später von House’ Infarkt, als Stacy ihn nach der OP völlig erschöpft und verzweifelt anrief.


Ende