Titel: Wild Boys: Night before Christmas
Autor: Lady Charena

Fandom: The A-Team

Pairung: Face/Murdock, Hannibal, B.A.
Rating: PG, romance, Feiertag

Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Ein paar vorweihnachtliche Gedanken, Erinnerungen an die Vergangenheit– und ein wenig Liebe und Geborgenheit in der Gegenwart. Familie ist auch ein Gefühl...

 

Teil meines Wild-Boys-Universum (slash)

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Lyrics by Alabama

 

 

 

We didn't take no pictures, but I still remember

one very special twenty-fourth day of December.
Oh, what a night, oh, what a night, night before Christmas I had with you

It all started underneath that mistletoe while we were waiting up to help ole Santa Clause.
We were making merry in ways we'd never thought of

when we heard those sleigh bells and ole Santa almost caught us.


If we don't do this nect year, honey, I'm sure gonna miss it
Why don't we make it a new Yuletide tradition
Oh, what a night, oh, what a night, night before Christmas I had with you…

 

 

Face lehnte sich zurück und beobachtete die beiden anderen Mitglieder des Teams. Das war besser als Fernsehen.

 

Sie befanden sich auf dem Rückweg vom V.A. Murdock durfte das Krankenhaus über die Feiertage verlassen und so hatten sie zur Abwechslung einfach vor dem Eingang gewartet, bis er mit einer Tasche über der Schulter herauskam und in den Van kletterte – wo er darauf bestand, vorne sitzen zu dürfen. Der Grund dafür wurde ziemlich rasch klar, als er das Radio einschaltete und einen Sender mit Weihnachtsliedern einstellte, die er lauthals mitsang.

 

Damit ging er B.A. auf die Nerven, der schließlich am Knopf drehte, bis er einen anderen Sender fand.

 

„Hey, ich will mir das anhören“, protestierte der Pilot. Er beugte sich vor, um den Sender wieder zurück zu drehen.

 

B.A. sah ihn böse an.

 

“Okay. Der Song ist auch gut.” Murdock lehnte sich in den Sitz zurück. „Ist auch viel moderner.“ Er begann im Rhythmus der Melodie mit dem Fuß zu tappen und die Finger zu schnipsen.

 

B.A. verdrehte die Augen.

 

Face grinste auf dem Rücksitz, als der Pilot begann, neue Strophen zu erfinden, die nicht zur offiziellen Story eines gewissen rotnasigen Rentieres gehörten. Irgendwie war er selbst nicht in der richtigen Stimmung für Weihnachtslieder. B.A. schien sich eher daran zu stören, dass sie aus Murdocks Mund kamen, aber mit ihm war es immer schwer zu sagen.

 

Seine Gedanken schweiften ab, als die beiden eine ihrer obligatorischen Zankereien begannen und er beobachtete das Gesicht des Piloten. Murdock verbrachte die Feiertage immer mit dem Team. Und genau wie immer schleppte Murdock diese große Tasche mit sich herum und machte ein großes Geheimnis aus ihrem Inhalt. Doch irgendwie war dieses Jahr nichts wie immer. Das Wiedersehen mit Leslie hatte eine alte Wunde geöffnet, die noch nicht wieder verheilt war. Seltsam, dass es nach fast fünfzehn Jahren noch immer so geschmerzt hatte, einer Frau gegenüber zu treten, die er einmal so sehr geliebt hatte, dass er sie heiraten wollte. Und die ohne eine Erklärung aus seinem Leben verschwunden war. Als er sie erkannt hatte, verunsichert von der strengen Nonnentracht, die sie nun trug, hatte er für eine Weile kaum ein vernünftiges Wort herausgebracht. Es war nicht wirklich ein Trost, nun endlich zu erfahren, wer dieser andere Mann war, den sie ihm vorgezogen hatte...

 

„Was versteckst du da, Spinner?“ B.A. schien beschlossen zu haben, dass er – was die Gesangsdarbietung des Freundes betraf - die Grenze seiner Belastbarkeit erreicht hatte und versuchte, den Piloten abzulenken.

 

„Klamotten.“ Der Pilot brachte das Wort mühelos in einer Strophe von „White Christmas“ unter – und das ohne zwischendurch noch einmal Luft zu holen.

 

„Gut. Wenn du versuchst, diesen unsichtbaren Köter einzuschmuggeln, gibt’s nämlich Ärger.“

 

Wider Willen lächelte Face, als er sich vorstellte, wie B.A. Billy in einer Verfolgungsszene á la Tom-und-Jerry durch das Haus jagte, das er für sie besorgt hatte. Er schüttelte den Kopf über sich selbst – das war das letzte Mal, dass er mit Murdock die Nacht vor dem Fernseher verbrachte und sich durch die Zeichentrickkanäle zappte. Der Pilot drehte sich zu ihm um und musterte ihn, eine steile Falte auf seiner Stirn. Face fragte sich, was in seinem Gesicht zu lesen war.

 

Dann grinste der Pilot breit und wandte sich wieder B.A. zu. „Also weißt du, das ist nicht besonders nett. Billy liebt Weihnachten.“ Er senkte die Stimme und zauberte seinen besten irischen Akzent hervor. „Er hat mir erzählt, dass die Elfen uns besuchen kommen werden. Sie haben nämlich die Nase davon voll, immer nur Spielsachen für den Topf am Ende des Regenbogens zu machen.“

 

„Es ist ein Topf voll Gold, Spinner.“

 

„Wirklich?“, machte Murdock übertrieben erstaunt. „Tja, dann bist du wohl besser vorsichtig, mein Großer. Sie könnten auf die Idee kommen, dass es einfacher ist, sich was von deinem zu schnappen, als neues herzustellen. Elfen sind nämlich ganz schön schlau.“

 

Face beugte sich vor und mischte sich zum ersten Mal ein. „Murdock, das mit dem Topf voll Gold sind doch Kobolde. Du verwechselst da was.“

 

B.A. verdrehte erneut die Augen und murmelte etwas über ‚zwei Spinner in meinem Van’.

 

Der Pilot drehte sich wieder zu ihm um und brachte es trotz des Sicherheitsgurtes fertig, ihn auf die Wange zu küssen. „Schön, dass du deine Stimme wiedergefunden hast.“ Dann wandte er sich wieder an B.A. „Kann ich jetzt wieder auf den anderen Sender zurückschalten? Die sind auch ganz okay, aber ich mag Bing und Bob lieber.“

 

B.A. nickte und Face hatte den Eindruck, als wäre er Zeuge einer für ihn allein gespielten Vorstellung geworden.

 

Murdock suchte sich strahlend durch die Sender, auf denen die alten Weihnachtslieder als Coverversionen der eben angesagten Stars liefen, bis er den Kanal wiederfand, auf dem ein Special mit allen Klassikern lief. Diese Stunde waren Bing Crosby und Bob Hope dran, gelegentlich sogar im Duett.

 

Für eine Weile wurde es still im Van, während sie den Highway entlang fuhren, Richtung Strand, wo es Face gelungen war, ein Haus zu erschwindeln. Er wohnte bereits seit zwei Wochen dort.

 

Es war kalt für diese Jahreszeit, was bedeutete, die Temperatur war auf unter zehn Grad gesunken und es regnete häufiger. Nicht zu vergleichen mit den Wintern in Chicago, wo dieses Wetter eher an den Sommer erinnerte. B.A. gestand sich insgeheim ein, dass er den Schnee vermisste, den er aus seiner Kindheit kannte, als Bing Crosby im Radio anfing, von weißen Weihnachten zu träumen.

 

„Wäre das nicht toll?“, meinte Murdock träumerisch.

 

„Was?“, fragte Face.

 

„Eine Schneeballschlacht.“

 

Hier in Südkalifornien war das tatsächlich nicht mehr als ein Traum.

 

„Etwa am Strand?“ Peck grinste.

 

Murdock sah ihn an. „Ich habe geübt“, sagte er. „Ich zeige dir heute Abend, wie gut ich jetzt bin.“

 

„Es gibt keinen Schnee am Strand, Spinner.“ B.A. schüttelte den Kopf. Er sollte sich eigentlich doch nicht mehr über die Ideen eines Verrückten wundern.

 

„Na und?“, meinte der Pilot mit einem Schulternzucken.

 

„Wie willst du eine Schneeballschlacht ohne Schnee zustande bringen?“ Face legte die Hand auf den Sitz und ließ sie von da aus in Murdocks Nacken wandern, seine Finger fanden ihren Weg unter den Kragen der Lederjacke.

 

„Wir benutzen eben... Watte oder irgend so was ähnliches.“ Murdock grinste triumphierend und lehnte sich in die Liebkosung zurück. „Wir machen es draußen, nachts, wenn es richtig kalt ist und tun einfach so, als ob es Schnee wäre!“

 

„Eine Watteschlacht! Kein Wunder, dass sie dich einsperren.“ B.A. schüttelte erneut den Kopf. Ungewollt entstand in seinem Kopf ein Bild von Murdock, der sich durch kniehoch liegende Wattebäusche schob, sie aufhob und in die Luft warf – um dann zu behaupten, es wäre echter Schnee. Wie er versuchte, daraus Bälle zu werfen und sich wie ein enttäuschtes Kind benahm, wenn sie auseinander fielen, bevor sie auch nur in der Nähe eines Ziels waren. Was wusste der Spinner schon über Schneebälle. Er lauschte nur mit halben Ohr auf das Geplänkel, das sich zwischen Face und Murdock fortsetzte. Nicht, dass er es den beiden verdenken konnte, ihnen fehlte einfach die Erfahrung, die er als Kind gesammelt hatte. Die beiden waren an einem Ort aufgewachsen, an dem die Sonne den ganzen Winter über warm schien. Doch in die glücklichen Erinnerungen an seiner Kindheit mischten sich traurige Gedanken an seine Mutter, die er nicht besuchen konnte, weil sie noch immer unter der Beobachtung der MP stand. Mit einem unhörbaren Seufzen konzentrierte er sich wieder auf die Straße.

 

* * *

 

Das Haus, das Face sich erschwindelt hatte, lag etwas abseits und B.A. verpasste fast die Abfahrt.

 

“Schön”, kommentierte Murdock, als sie in die Einfahrt einbogen.

 

Das Haus war geschmackvoll in die Landschaft eingefügt, umgeben von Bäumen und viel Grün, weiter hinten leuchtete der weiße Sandstein von Klippen, hinter denen der Strand und das Meer anfingen. Trampelpfade führten zum Strand und entgegengesetzt zu einem kleinen Wald. Man konnte Face nun wirklich nicht nachsagen, dass er nicht immer das Beste auftrieb.

 

Murdock holte seine Tasche aus dem Van.

 

„Warte, ich helfe dir damit“, bot Face an, doch der Pilot gab ihm einen Klaps auf die Finger.

 

„Keine Chance. Du musst schon bis morgen warten, Facey.“ Er lächelte und schwang sich den Riemen der Tasche über die Schulter.

 

„Du musst schon bis morgen warten, Templeton.“ Wie oft hatte er diese Worte im Waisenhaus gehört – und nicht nur am 24. Dezember. Immer schien es etwas zu geben, auf das er zu warten hatte. Kein Wunder, dass er gelernt hatte, das Warten zu hassen. Und es schien sich tatsächlich auch immer ein Weg zu finden, schneller an das zu kommen, was er wollte. Nun gut, fast immer.

 

B.A. war schon im Haus verschwunden. Face nutzte die Gelegenheit, dass sie einen Moment allein waren, um sich einen ordentlichen Begrüßungskuss abzuholen. Er legte die Arme um den schlaksigen Piloten und genoss es einfach, ihn an sich drücken zu können. Sie hatten sich seit fast zwei Wochen nicht gesehen, seit er Murdock nach ihrem letzten Job zurückgebracht hatte. Ihre Telefonate waren kein wirklicher Ersatz. „Verdammt, ich habe dich vermisst“, murmelte er.

 

Schokoladenbraune Augen musterten ihn, doch der Pilot sagte nichts. Er beugte sich nur vor und drückte seine Stirn gegen die von Face.

 

„Ich hoffe, du hast das Einkaufen nicht vergessen, Face.“

 

Die beiden schreckten hoch und sahen Hannibal in der Tür stehen, eine Zigarre zwischen den Zähnen.

 

„Ähem... nein.“ Widerwillig löste Face sich von Murdock und öffnete die Schiebetür des Van, um die Einkaufstüten zu zeigen. „Ich habe alles, was auf deiner Liste stand.“

 

„Gut.“ Hannibal grinste und legte Murdock eine Hand auf die Schulter. „Willkommen, Captain. Wo ist Billy?“

 

Murdocks Augen blitzten auf. „Oh, ich denke, er ist im Haus. Wir sind vor dem Mittagessen gegangen.“

 

„Dann sehen wir wohl besser in der Küche nach, bevor er unser Abendessen auffrisst.“ Hannibal sah Face an. “Du kommst mit den paar Sachen doch alleine klar.”

 

„Na klar, sicher, sicher. Mit den paar Sachen komme ich doch alleine klar“, beschwerte sich Face, als er den beiden nachsah, die ins Haus traten. Er schnappte sich zwei der Tüten. „Ich habe ja nur den halben Supermarkt hier drin. Ein Klacks.“ Er eilte ihnen nach und stieß die Tür mit der Schulter auf.

 

Drinnen war es angenehm warm und es roch nach Popcorn und Butter.

 

„Hey, wow, ein Kamin.“ Murdock hatte den Kamin im Wohnzimmer entdeckt, in dem ein Feuer brannte. „Wieso hängen da noch keine Socken dran?“

 

Face bekam Hannibals Antwort nicht mit, da er die Tüten in die Küche brachte. B.A. studierte die Inhalte eines Schrankes und brummte zustimmend, als Face ihn fragte, ob er den Rest der Einkäufe aus dem Wagen holen würde.

 

Dann ging er ins Wohnzimmer und kam gerade rechtzeitig, um zu sehen, wie Murdock seine Geschenke unter dem Weihnachtsbaum versteckte. Er grinste und beobachtete, wie der Pilot die bereits daliegenden Päckchen in die Hand nahm und leicht schüttelte, um heraus zu finden, was sich darin befinden könnte. Er räusperte sich und Murdock sah zu ihm auf, nicht im geringsten verlegen, dabei erwischt worden zu sein, wie er seiner Neugier frönte.

 

Statt dessen setzte sich Face zu ihm auf den Boden und schlang die Arme um Murdock, der sich in seine Umarmung zurücklehnte. Er musterte den Baum. Angesichts der Größe des Raumes schien er fast etwas zu klein geraten. Aber für seinen Geschmack war es genug Weihnachtsdekoration. Er brauchte nicht den ganzen Kitsch, den die Feiertage mit sich brachten. Unwillkürlich dachte er an den riesigen Weihnachtsbaum, der jedes Jahr im Speisesaal des Waisenhauses gestanden hatte, geschmückt mit Dekorationen, die die Kinder selbst gebastelt hatten. Ein sehr bunter, sehr fröhlicher Baum. Dieser hier war nicht einmal echt. Gegenüber den anderen hatte er die Größe und Beschaffenheit aus Plastik damit erklärt, dass er keine Lust hatte, all die Tannennadeln aus dem Teppich zu pulen. Schließlich gehört ihnen das Haus nicht und nach den Feiertagen musste es wieder makellos aussehen. Trotzdem hatte er sich alle Mühe gegeben, einen hübschen Ersatz zu finden, komplett mit Kugeln und allem Schmuck.

 

Es gab noch einen anderen Grund – einen über den keiner von ihnen sprechen wollte. Der wirkliche Grund für den Plastikbaum war, dass es vorkommen konnte, dass sie innerhalb kürzester Zeit von hier verschwinden mussten. Und keiner von ihnen wollte Gefühle in einen Gegenstand investieren, den sie vielleicht schon am nächsten Tag zurücklassen würden.

 

Trotzdem war er sehr schön anzusehen und erfüllte seinen Zweck als Dekoration voll. Außerdem war es Tradition, einen Baum zu haben. Es war alles, was sie hatten: Einander und die Traditionen, mit denen sie großgeworden waren und die sie einhielten, um ihrem Leben zumindest einen Anschein von Normalität zu geben. So wie die Weihnachtslieder, die sie auf der Fahrt im Radio gehört hatten und die Murdock sicher die halbe Nacht weiterhören würde. Oder wie das Popcorn, das in einer großen Schale in der Küche stand und darauf wartete, auf Schnüre gefädelt zu werden, um den Baum zu schmücken. Der größte Teil davon würde allerdings ohnehin ohne Umweg in ihren Mägen landen. Hannibal würde darauf bestehen, zu kochen und ihnen morgen ein üppiges Frühstück auftischen, das bis zum Abendessen reichen musste, das ähnlich festlich ausfallen würde. Und wie immer würde B.A. den größten Teil des Tages damit verbringen, sich Spiele anzusehen und mit Murdock über das Programm zu streiten, der sich die alten Weihnachtsfilme ansehen wollte.

 

Es waren Traditionen, die keiner von ihnen aufgeben wollte. Ihre kleine Familie. Sie hatten nichts anderes.

 

Face unterdrückte ein Schaudern und stützte das Kinn auf Murdocks Schulter. Er schloss die Augen und lauschte dem Weihnachtslied, das sein Liebhaber leise vor sich hinsummte.

 

* * *

 

Face erwachte mitten in der Nacht. Er streckte den Arm aus, doch das Bett war neben ihm leer. Mit einem Seufzen rollte er sich auf die Seite, knipste das Licht an und sah auf die Uhr. Kurz nach drei Uhr. Er rollte sich wieder auf den Rücken und legte einen Arm übers Gesicht. Es war nicht ungewöhnlich, dass er aufwachte und Murdock war weg. Bestimmt saß er im Wohnzimmer vor dem Fernseher und zappte sich durch die Kanäle, bis er einen Sender fand, der Woody Woodpecker oder Wiederholungen des Range Raiders zeigte. Es war Murdocks Weg, mit schlechten Träumen umzugehen.

 

Normalerweise wäre er zu ihm gegangen und sie hätten sich auf dem Sofa aneinander gekuschelt. Oder er hätte sich umgedreht und weitergeschlafen. Er fürchtete nicht, schlecht zu träumen. Wenn er nicht alleine war, blieben die Albträume meistens weg.

 

Eine Weile lag er da und dachte an gar nichts. Dann beschloss er, aufzustehen und sich aus der Küche etwas zu trinken zu holen. Im Wohnzimmer brannte Licht, aber es drang kein Ton daraus. Neugierig öffnete er die Tür.

 

Murdock saß vor dem Baum auf dem Boden. Da das Feuer längst erloschen war, spürte Face die kühle Luft unangenehm durch den dünnen Morgenmantel kriechen, den er übergeworfen hatte. „Hey, willst du nicht zurück ins Bett kommen?“, fragte er und ging neben Murdock in die Hocke, um ihm die Arme um die nackten Schultern zu legen. „Hannibal wird mit uns schimpfen, wenn wir gähnend am Tisch sitzen und er sein Weihnachtsfrühstück serviert.“

 

Der Pilot drehte den Kopf und sah ihn mit einem Lächeln an. „Und ich dachte, du willst, dass ich zurück ins Bett komme, weil du mich vermisst“, meinte er und sein Mund streifte Face Wange. „Was machst du übrigens hier?“

 

„Ich wollte etwas zu Trinken holen“, entgegnete Face wahrheitsgemäß. „Aber ich denke...“ Er ließ seine Hände über Murdocks Brust wandern und hörte zufrieden, wie der Pilot scharf einatmete. „...ich habe...“ Er küsste ihn auf die Schläfe. „...keinen Durst mehr.“

 

„Kakao“, sagte Murdock.

 

„Was?“ Face sah ihn verwundert an, aus seinen Gedanken gerissen, die ebenso wanderten, wie seine Hände.

 

„Ich mache uns Kakao. Zwei Marshmellows pro Tasse..“ Murdock löste sich von ihm und drehte sich um. „Und du ein Feuer im Kamin.“ Er küsste Face und löste den Gürtel seines Morgenmantels. „Ich weiß etwas, dass uns die Zeit vertreibt, bis Santa Clause durch den Kamin rutscht.“ Und dann sprang er auch schon auf und war in der Küche verschwunden, bevor Face an eine Antwort auch nur denken konnte.

 

Seufzend machte er sich daran, das Feuer im Kamin zu entzünden. Warten auf den Weihnachtsmann. Das hatte er nicht mehr gemacht, seit er sehr jung gewesen war. Langsam, ganz langsam spürte er die alte Aufregung in sich hochsteigen. Was wäre so schlimm daran, sich wieder wie ein Kind zu fühlen? Eine Nacht lang? In dieser Nacht vor Weihnachten. Auch wenn er ein paar ganz und gar unkindliche Sachen mit Murdock im Sinn hatte, um das Warten auf Santa zu verkürzen...

 

Ein leises Geräusch ließ ihn aufsehen und er hob den Kopf. Murdock stand in der Tür, zwei dampfende Tassen in der Hand und einen Beutel mit Marshmellows unter den Arm geklemmt. Er lächelte und seine Augen funkelten verheißungsvoll... Er war nicht allein - in dieser Nacht vor Weihnachten.

 

 

Ende