Titel: The house at the Beach

Autor: Lady Charena
Fandom: The A-Team

Pairung: Face, B.A.

Rating: gen

Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: B.A. kann nicht schlafen – und entdeckt, dass er nicht der einzige ist, der mitten in der Nacht noch wach ist.

 

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B.A. war sich sicher, dass ihn das Geräusch der Wellen wach hielt. Ein seltsamer Gedanke, aber das Geräusch unterschied sich definitiv von der vertrauten Geräuschkulisse der Stadt. Warum musste Faceman überhaupt immer ein Haus am Stand haben? Er hätte in sein kleines, schäbiges, aber vertrautes Hotelzimmer zurückkehren sollen und sich nicht breitschlagen lassen, mit den anderen in Face neuer Bleibe zu übernachten. Auch wenn sie groß genug war, um gleich zwei Gästezimmer zu beherbergen. Murdock schlief auf der Couch im Wohnzimmer. Das heißt, falls er schlief und nicht wieder die halbe Nacht vor dem Fernseher saß.

 

Nach weiteren, langen Minuten des Wachliegens, beschloss er endlich, dass er sich aus der Küche ein Glas Milch holen würde. Das hatte ihm schon als Kind immer geholfen, einzuschlafen. Nach dem Tod seines Vaters passierte das oft und seine Mutter pflegte ihm ein Glas Milch zu bringen und dann an seinem Bett sitzen zu bleiben, bis er wieder einschlief.

 

Seine bloßen Füße verursachten auf dem mit glatten Holzbohlen belegten Flur kaum ein Geräusch, als er aus seinem Zimmer trat. Sofort sah er, dass die Tür gegenüber offen stand. Das war Face Raum. Er warf einen Blick hinein. Durch die hohen Fenster kam genug Licht, um ihn erkennen zu lassen, dass das Bett leer war. Und mehr noch machte es nicht den Eindruck, als habe jemand darin geschlafen. Er runzelte die Stirn. Wo steckte Face? Vielleicht saß er unten mit dem Spinner vor dem Fernseher oder hörte Musik oder war in der Küche, um etwas zu Essen zu holen. Es war nicht unbedingt etwas neues, dass Face häufiger unter Schlaflosigkeit litt, als er sie glauben machen wollte. Genau wie Murdock, der behauptete, wach zu bleiben, um die Range-Rider-Wiederholungen nicht zu verpassen, während er in Wirklichkeit Angst hatte, dass er schlecht träumte. Manchmal kamen sie ihm wie die beiden jüngeren Brüder vor, die er niemals hatte (obwohl er nicht älter war als die beiden) – nicht, dass er ihnen das jemals sagen würde – und er sah es als seine Pflicht an, auf sie ein wachsames Auge zu haben.

 

Er ging ins Erdgeschoss. Die Küche war leer. Der große Wohnbereich war dunkel und still. Murdock war nur als unförmiger Umriss unter einer Decke auf dem Sofa zu erkennen, er drückte ein Kissen wie ein Kuscheltier an sich und murmelte im Schlaf.

 

Eine der großen Glastüren, die auf eine Veranda hinausführten, war nur angelehnt. Eigentlich fiel sie ihm nur ins Auge, weil ein Windstoß einen der hellen Vorhänge zum Flattern brachte. B.A. sah nach draußen.

 

Zu seiner Erleichterung war es Face, der da draußen auf der hölzernen Balustrade saß, die die Veranda vom Strand abgrenzte. Er lehnte mit dem Rücken gegen einen Balken, der ein Sonnendach stützte und starrte, offenbar tief in Gedanken versunken, auf den Ozean hinaus.

 

B.A. fragte sich, warum Face immer den Eindruck erweckte, als wäre er völlig allein und verlassen. Er stieß die Glastür ein wenig weiter auf und wartete, bis sich seine Augen an das matte Licht gewöhnt hatten. Sobald er zufrieden war, dass mit ihrem Lieutenant alles in Ordnung war, konnte er zurück ins Bett.

 

„Kannst du auch nicht schlafen?“ Face wandte den Kopf und lächelte.

 

B.A. öffnete die Glastüre ganz, trat auf die Veranda und verschränkte die Arme. Er setzte eine grimmige Miene auf, die die plötzliche Verlegenheit überspielen sollte, die er empfand, beim Herumwandern im Haus entdeckt worden zu sein.

 

„Ich habe gesehen, wie das Licht in deinem Zimmer anging.“ Face deutete nach oben, wo sich das Gästezimmer direkt über ihnen befand.

 

B.A. gab ein unverbindliches Knurren von sich. Dann trat er neben Face und starrte auf den Strand, der sich vor ihnen erstreckte. Was fand Face nur daran? Nichts als Sand und Wasser. „Was machst du hier?“

 

„Ich könnte dich das gleiche fragen, Großer.“ Face schien einen Fleck auf seiner Jeans zu entdecken und rieb daran herum.

 

„Ich war nur durstig.“

 

Face nickte und wandte den Kopf von ihm ab, um wieder aufs Meer hinaus zu starren.

 

B.A. beschloss, den anderen Mann mit seinen Gedanken alleine zu lassen und wandte sich zum Gehen. Er hielt inne, als Face zu sprechen begann. Er blieb beim Eingang zum Haus stehen und sah ihn an.

 

„Als ich ein Kind war... da war ich einfach verrückt nach dem Ozean“, sagte Face leise. „Ich meine, das war das absolut größte und coolste, was ich in meinem Leben gesehen hatte. Einmal im Jahr, im Sommer, machten die Nonnen mit uns einen Ausflug an den Strand und... ich sah Barry und den anderen Kindern beim Spielen zu, während ich mir selbst einen Platz suchte, der so dicht am Wasser war, wie es uns erlaubt wurde. Ich starrte auf den Ozean und fragte mich, was da draußen wohl war. Schiffe und Inseln, von denen ich gelesen hatte.“ Er lächelte bei dieser Erinnerung. „Und jedes Mal wünschte ich mir, dass ich im nächsten Jahr... nicht mehr alleine hier sitzen würde. Das ich endlich eine Familie haben würde und sie mich ganz oft an den Strand mitnahm.“ Wieder rieb er gedankenverloren an dem unsichtbaren Fleck auf seiner Jeans. „Und jedes Mal, wenn es wieder an der Zeit war, ins Waisenhaus zurück zu fahren, konnte ich nicht mehr aufhören zu weinen. Weil ich noch immer allein war...“ Er brach ab, senkte den Kopf.

 

B.A. seufzte leise. Er wusste, dass Face eben mehr von sich preis gegeben hatte, als er wohl beabsichtigte und er nahm an, dass es etwas mit ihrem letzten Job und Jim „Gentleman“ Sullivans Waisenhaus zu tun hatte. Er versuchte sich Face als kleinen Jungen vorzustellen, der im Sand saß und sich eine Familie wünschte. Es war nicht besonders schwer. Hinter der glatten und selbstsicheren Fassade, die andere davon abhielt, zu nahe an ihn heran zu kommen, zeigte sich nur selten sein wahres Gesicht. Aber hinter all dem Auftreten, den Schwindelein und den Seidenanzügen würde Face immer eine Waise bleiben. Was er in Face Augen und seinem Gesicht sah, erblickte B.A. jeden Tag in den Gesichtern mancher der Kinder, die in sein Jugendzentrum kamen.

 

Es fiel ihm schwer, sich vorzustellen, wie es sein mochte, ohne die Liebe und Fürsorge einer Mutter und eines Vaters aufzuwachsen. Und auch wenn sein Vater noch vor B.A.s zehntem Geburtstag gestorben war, so hatte er doch die Erinnerung daran. Und eine Herkunft. Während Face noch nicht einmal wusste, wie sein richtiger Name lautete.

 

„Suchst du dir deswegen immer ein Haus am Strand?“, fragte er. „Weil du den Ozean liebst?“

 

„Ja.“ Face zuckte mit den Schultern und lachte verlegen. „Ziemlich dumm für einen erwachsenen Mann.“

 

„Ich finde es nicht dumm.“

 

Face sah ihn an, ein wenig überrascht von der Antwort. „Vielleicht nicht. Aber ich komme mir dumm dabei vor, noch immer hier zu sitzen und mir Dinge zu wünschen, wie ein kleiner Junge.“ Er rieb wieder gedankenverloren an seiner Jeans.

 

B.A. schüttelte den Kopf. „Und was wünschst du dir jetzt?“, fragte er direkt, und hoffte dass es nichts mit Geld, Erfolg oder Frauen zu tun hatte.

 

Face verschränkte die Arme vor der Brust. Der Ozean erstreckte sich so weit er sehen konnte. Das Wasser war ruhig und glänzte im Mondlicht wie ein Spiegel. „Ich denke, ich wünsche mir, dass wir eines Tages aufhören können, weg zu laufen“, sagte er schließlich leise.

 

„Das ist ein guter Wunsch“, erwiderte B.A. nach einem Moment überraschten Schweigens. „Aber jetzt ist es Zeit, schlafen zu gehen. Oder willst du morgen dem Colonel erklären, warum du müde bist?“

 

Face schwang die Beine von der Brüstung und streckte sich. Er lächelte schief. „Nein. Ich gehe schlafen. In ein paar Minuten. Versprochen.“

 

„Okay“, knurrte B.A. „Wenn du in zehn Minuten nicht in deinem Bett bist, sorge ich dafür, dass du es bist.“

 

Face grinste über die Drohung. „Milch ist übrigens im Kühlschrank. Und Gläser in dem Hängeschrank über der Spüle.“ Er lehnte sich gegen die Brüstung, verschränkte die Arme vor der Brust.

 

„Zehn Minuten“, erinnerte ihn B.A. und trat ins Haus. Er hörte Face leise lachen und erlaubte sich selbst ein Lächeln. Sich an seinen ursprünglichen Plan erinnernd, holte er sich seine Milch. Als er die Treppe in den ersten Stock hinauf ging, stand Face grinsend an der Tür zu seinem Schlafzimmer. Er zwinkerte ihm zu, salutierte und verschwand ohne ein Geräusch in dem Raum.

 

B.A. schüttelte den Kopf und ging in sein eigenes Zimmer. Das Leben war niemals langweilig mit seiner Familie...

 

Ende