Titel: In meiner Badewanne bin ich Kapitän
Autor: Lady Charena
Fandom: SK Kölsch

Paarung: Jupp Schatz, Klaus Taube
Rating: dramedy, gen

Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: In meiner Badewanne bin ich Kapitän...

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.

 

„So ein heißes Bad ist doch was Schönes.“ Jupp streckte sich zufrieden seufzend aus und schob die Arme hinter den Kopf. Dabei erwischte er mit dem Ellbogen einen kleinen Karton, der - ohnehin recht wackelig – auf dem Rand der Wanne stand. Ein bunter Regen aus Schwimmtieren ergoss sich über den Wannenrand und Jupps Schultern. Erschreckt fuhr Schatz herum. Die Bewegung brachte die dümpelnden Fische, Seesterne, Frösche, zwei Schiffe und ein paar knallgelbe Quietschenten ins Schwanken und ließ sie an ihm vorbei auf offene See treiben.

 

„Wo zum Teufel kommt dieser ganze Kram her“, wunderte sich Jupp und machte es sich wieder bequem. „Der Junge ist schon fast so schlampig wie ich.“ Er stieß mit dem großen Zeh eins der Entchen an, das gehorsam ein schrilles Quietschen ausstieß. Man, damit hatten sie zuletzt gespielt, als Flo drei Jahre alt gewesen war. Irgendwann waren sie dann auf einem Regal gelandet und später ganz verschwunden.

 

Irgendetwas stieß ihn sanft in die Seite und Jupp barg ein weiteres Quietschentchen aus dem Badeschaum. Er warf es über den Rand der Wanne und hörte es mit Zufriedenheit irgendwo dagegen klatschen. „Ich muss unbedingt ein Wörtchen mit Flo reden.“ Jupp angelte ein Schiff unter seinem Knie hervor und ließ es dem Entchen folgen. „Wie kommt er dazu, das Bad so voll zu müllen? Und außerdem spielt man in dem Alter nicht mehr mit so nem Krimskrams.“ Er fischte noch ein Entchen heraus und warf es weg, lehnte den Kopf zurück und schloss genießerisch die Augen. Um zu entdecken, dass sich irgendwie ein Seestern unter seinen Hintern geschoben hatte und eine äußerst unbequeme Unterlage bildete.

 

„Sag’ mal, bist du dafür nicht schon ein wenig zu alt?“

 

Jupp schreckte zum zweiten Mal hoch, sprang auf, rutschte auf etwas aus und klatschte zurück in die Wanne. Sein lädiertes Steißbein schrie Zeter und Mordio. Fluchend sah Jupp zu einem grinsenden Klaus hoch.

 

Taube stand mit vor der Brust verschränkten Armen in der Tür. „Warum trittst du mit der Nummer nicht auf unserer nächsten Weihnachtsfeier auf?“, fragte er feixend.

 

Jupp schnaufte verächtlich, und zerrte den beleidigenden Seestern hervor. „Sehr witzig. Und jetzt schwirr ab.“ Er sank zurück, bis er sicher war, dass der Schaum alle strategisch wichtigen Punkte verdeckte.

 

Taubes Grinsen verbreiterte sich noch ein wenig mehr. Er lehnte sich gegen den Türrahmen und machte gar keine Anstalten, zu gehen. „Du kannst dich entspannen, ich habe schon mal einen Mann in der Wanne gesehen.“ In diesem Moment tauchte zwischen Jupps Beinen ein Entchen aus den Schaumbergen auf und Klaus lachte los.

 

Jupp folgte seinem Blick und schnappte sich die Ente. Doch ihr folgte ein knallroter Fisch und danach tauchte noch ein Schiff aus den Fluten. „Mach’ bloß, dass du hier rauskommst. Was willst du überhaupt?“, knurrte er.

 

„Gewöhn’ dir an, die Tür hinter dir zuzumachen, wenn du badest“, entgegnete Taube unbeeindruckt grinsend. „Ich hab mich nur gewundert, mit wem du dich unterhältst.“ Er bückte sich und hob eines der Quietschenten auf, die bis zur Tür gelangt waren. „An so etwas hätte ich allerdings nicht gedacht.“

 

„Das gehört Flo“, erwiderte Jupp sofort. „Ich meine, das gehörte ihm, als er klein war. Keine Ahnung, wie es hierher kommt.“

 

Klaus trat an die Wanne und setzte das Entchen in seine natürliche Umgebung zurück. „Vermutlich hat er es vom Dachboden geholt.“

 

Jupp beäugte ihn misstrauisch. „Und woher weißt du das?“

 

„Er spielt manchmal dort oben. Das ist doch ganz normal, dass er gelegentlich seine alten Spielsachen hervorkramt oder sich Ellens Sachen ansieht.“ Klaus kehrte zu seinem vorherigen Platz an der Tür zurück.

 

„Ellens Sachen?“ Jupp runzelte die Stirn. „Er.. war aber doch nicht an ihren Klamotten, oder?“

 

„Scheiße, Jupp, kannst du nicht einmal deine blöden Vorurteile vergessen? Keine Sorge, er zieht nicht die Kleider seiner Mutter an.“ Klaus schüttelte den Kopf und lehnte sich gegen den Türrahmen. „Er vermisst sie so sehr. Du solltest mehr mit ihm reden, Jupp. Er ist dein Sohn.“ Er sah zu Jupp hinüber, doch der starrte auf die auf der Wasseroberfläche treibenden Spielsachen. Klaus wusste, dass er ein Tabuthema anrührte, aber er hatte Flo ins Herz geschlossen und er konnte auch nicht tatenlos mit ansehen, wie sein Freund litt. Auch wenn er nur wenig tun konnte. „Der Schaum löst sich übrigens nach einer Weile auf“, fuhr er beiläufig fort, bemüht, die Stimmung von ernsteren Themen abzulenken und aufzuhellen.

 

Jupp sah auf. „Was?“, fragte er verständnislos.

 

Klaus ließ seinen Blick auf niederen Regionen weilen, die Jupp vorhin noch unter einem Schaumberg versteckt hatte.

 

Jupps Blick folgte seinem und er griff hastig nach dem bereitliegenden Handtuch. „Mach’ die Flatter, Taube“, knurrte er, hin- und hergerissen zwischen Lachen und Verlegenheit.

 

Klaus grinste. „Jupp, ich versichere ich habe schon...“ Ein Quietschentchen traf ihn gegen die Brust und hinterließ einen feuchten Fleck. „Hey, spinnst du?“ Lachend wich er einem Seestern aus, doch der nachfolgende Schwamm erwischte ihn mitten im Gesicht. Das war zu viel. Klaus raffte zusammen, was an Schwimmtieren auf dem Boden lag und begann mit einem Gegenangriff. Es gelang ihm, Jupp mit einem Schiff an der Schulter zu treffen. Der sprang auf, und erwiderte lachend das feindliche Feuer.

 

Schließlich hielten beide inne, um Atem zu schöpfen und ihren durchnässten Zustand in Augenschein zu nehmen. Klaus grinste. „Ich hoffe, du weißt noch, dass du diese Woche an der Reihe bist, das Bad sauber zu machen.“

 

„Mach’ dass du rauskommst!“ Das nasse Handtuch folgte Jupps Worten, aber Klaus gelang es gerade noch, aus der Schusslinie zu kommen. Verdammt, er würde das vermissen. Er fragte sich, ob er Jupp heute von seiner neuen Wohnung erzählen sollte, oder ob es besser war, damit noch ein paar Tage zu warten. Er drückte hinter sich die Badezimmertür ins Schloss, und ging, um sich trockene Klamotten anzuziehen. Jupp wusste schließlich, wo er ihn zu suchen hatte, wenn er reden wollte.

 

Ende