Titel: Mutter werden ist nicht schwer…

Autor: Lady Charena
Fandom: Psych

Episode: 1.8 Shawn gegen "Das Rote Phantom" (Shawn Vs. The Red Phantom)

Pairung: Detective Carlton Lassiter

Rating: gen, Humor

Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Carlton Lassiters heimlicher Wunsch nach einem Kind geht in Erfüllung.

Die Story bezieht sich auf Lassiters Aussage im Kreißsaal, dass seine Ehe unter anderem auch daran gescheitert sei, dass seine baldige Ex-Gattin denke, er würde keine Kinder haben wollen. Was aber absolut nicht der Wahrheit entspräche. Und so wie er verträumt das Baby festhält, anstatt es Chief Vick zu geben, könnte da sogar was dran sein.

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.

 

 

Ein Schlagloch riss Carlton Lassiter aus dem Schlaf. Er gähnte und streckte sich, die Arme im Nacken verschränkt, soweit das der Sicherheitsgurt zuließ. Mein Gott, war er verspannt. Wie war Chief Vick nur auf die blödsinnige Idee gekommen, dass er sie als ihr Sparringspartner auf ein Seminar über waffenlose Nahverteidigung begleiten musste? Himmel, die Frau war im neunten Monat schwanger und stand kurz vor der Geburt. Waffenlose Selbstverteidigung? Sie konnte noch immer hoffen, jemanden mit ihrem Blick zu töten. Oder darauf, dass die Fruchtblase platzte und ein Angreifer in der Pfütze ausrutschte.

 

Er kicherte ein wenig in sich hinein. Leise und heimlich natürlich. Chief Vick hatte ohnehin nicht die beste Meinung von ihm. Er hatte wohl ein wenig zu offensichtlich durchblicken lassen, dass ihm diese Frau als Interims-Chief auf dem falschen Platz erschien.

 

Bevor er jedoch diesen Gedanken weiter verfolgen konnte, wurde ihm auf einmal klar, dass er auf dem Beifahrersitz saß. Moment, wann hatten sie denn die Plätze getauscht? Und überhaupt, Chief Vick passte mit ihrem derzeitigen Umfang sowieso nicht mehr hinters Steuer – und man glaube nicht, sie hätte es nicht ausprobiert. Er drehte den Kopf zur Seite, doch auf dem Fahrersitz saß seine Partnerin Juliet O’Hara.

 

Erleichtert wollte Lassiter aufatmen, als ihm der nächste Widerspruch auffiel. Juliet O’Hara hatte sie überhaupt nicht zu diesem Seminar begleitet. Und wo war Chief Vick abgeblieben? Er warf einen Blick auf den Rücksitz, doch der war leer bis auf seine Tasche. Was war passiert? Hatten sie einen Unfall gebaut und er das Bewusstsein verloren? Aber dann würde er doch im Krankenhaus sein und nicht in seinem Wagen – der ganz offensichtlich voll funktionstüchtig war?

 

Lassiter öffnete den Mund, um O’Hara zu fragen was zum Teufel hier vorging – doch es kam kein Ton über seine Lippen. Kein verständlicher. Nur so eine Art Grunzen.

 

O’Hara wandte den Kopf nach ihm und lächelte. „Keine Angst, Carlton“, meinte sie aufmunternd. „Wir haben es gleich geschafft. Wir sind gleich da.“

 

Gleich geschafft? Was? Und wohin waren sie unterwegs? Lassiter versuchte sich aus seiner zusammengesunkenen Haltung aufzurappeln, fand seine Arme und Beine jedoch bleischwer – und jetzt kam auch noch ein stechender Schmerz in seinem Unterkörper dazu.

 

Was zum Teufel ging hier vor? Hatte Chief Vick ihn beim Seminar bewusstlos geschlagen oder doch zumindest so fest an den Kopf, dass er halluzinierte? Aber was machte O’Hara in einer Schwesternuniform in seiner Halluzination? IN EINER SCHWESTERNUNIFORM???

 

Das Gefühl warmer Nässe an seinen Beinen lenkte ihn von O’Haras Erscheinung ab und als er an sich herab sah – erblickte er einen monströs angeschwollenen Bauch, der ihm die Sicht nach unten versperrte. Oh Gott, er musste wirklich schwer verletzt sein. Vielleicht verblutete er eben!

 

Plötzlich fand sich Lassiter flach auf dem Rücken liegend vor. Und was immer es auch war, auf dem er lag, es bewegte sich vorwärts. O’Haras Gesicht erschien erneut in seinem Blickfeld. „Wir sind da“, erklärte sie freudestrahlend. „Es ist gleich so weit.“

 

Was? Wo waren sie? Was ging vor sich? Noch immer brachte Lassiter kein Wort heraus, nur ein paar unverständliche Laute. Und sein Bauch! Diese Schmerzen!

 

O’Hara schien ihn trotzdem zu verstehen. Sie tätschelte seine Hand und lächelte noch immer nervtötend munter. „Sie sind gleich im Kreißsaal, Carlton. Der Doktor wartet schon auf Sie.“

 

Kreißsaal? Bekam Chief Vick das Baby? Er hätte gedacht, dass sie das in der Mittagspause zwischen zwei Besprechungen erledigte. Aber wieso wartete der Doktor auf ihn?

 

WAS ZUM TEUFEL GEHT HIER VOR!?!?

 

Plötzlich erschien ein weiteres Gesicht in seinem Blickfeld, es kam ihm bekannt vor, doch ein Mundschutz verdeckte es halb. „Hallo Detective Lassiter. Ist das nicht ein herrlicher Tag, um ein Baby auf diese schöne Welt zu bringen?“

 

SPENCER!! Lassiter hätte den Namen seiner Nemesis gerne laut herausgeschrieen, und eine Erklärung verlangt, von was dieser angeberische Hellseher-Verschnitt brabbelte – aber eine durchsichtige Plastikmaske senkte sich über seinen Mund. Und plötzlich wurde Carlton Lassiter sehr müde.

 

„Ich habe gehört, dass Sie eine Betäubung bevorzugen“, fuhr Shawn Spencer fröhlich fort und presste die Maske auf Lassiters Gesicht, so dass dem überhaupt nichts anderes übrig blieb, als das Gas einzuatmen. Er konnte sich ohnehin nicht bewegen. Dann wurde es dunkel um ihn – das letzte, das er hörte, war Spencers Stimme, die etwas von einer Geburtszange sagte.

 

* * *

 

„Lassiter? Carlton. Huhu, Zeit für Mommy aufzuwachen“, flötete eine Stimme.

 

Lassiter blinzelte. Was war passiert? Er musste einen schrecklichen Alptraum durchgemacht haben. Ja, jetzt fiel ihm auch wieder ein. Die Rückfahrt mit Chief Vick, das geplatzte Fruchtwasser, seine kostbare Tasche ruiniert, und dann musste er mit Chief Vick in den Kreißsaal, weil ihr Mann im Stau steckte. Noch nie hatte er den Stadtverkehr so verflucht wie an diesem Tag. Obwohl er doch nicht verleugnen konnte, sehr stolz gewesen zu sein, dass er die Nabelschnur hatte durchschneiden dürfen – die Hebamme hielt ihn für den Daddy.

 

Er versuchte sich aufzusetzen, doch das ging nicht. Mit einem Schlag war Lassiter hellwach. Er sah sich um. Das war ein Krankenhauszimmer. Was war passiert? Hatte er vielleicht doch einen Unfall gehabt? Er stöhnte gequält auf, als Shawn Spencer in einem Arztkittel auftauchte. Er hatte Chief Vicks Baby in den Armen. Wieso zum Teufel ließ sie zu, dass dieser Idiot ihr Baby anfasste, während sie es ihm – der ihr ja immerhin während der Geburt beigestanden hatte – verbot?

 

Spencer grinste ihn an. „Lassiter, ich muss sagen, dass hätte ich Ihnen nicht zugetraut. So heimlich ein Baby zu bekommen. Aber was für ein hübsches Kerlchen.“

 

Lassiters Augen wurden weit vor Schock. Ein Baby? Er? Aber er war... er war doch... er war ein MANN!! Automatisch nahm er das Baby, das Spencer ihm reichte und sah es an. Ein Schreckenslaut entfuhr ihm. Denn das Baby hatte das gleiche Gesicht wie Shawn Spencer...

 

„Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Sohn, Lassiter“, hörte er Spencer noch sagen, dann umfing eine Ohnmacht Detective Carlton Lassiter.

 

* * *

 

Als Carlton Lassiter zum zweiten Mal wach wurde, befand er sich in seinem eigenen Bett. Glücklicherweise. Es war alles ruhig und still und als er mit hämmerndem Herzen nach dem Schalter der Nachttischlampe griff, sah er auf dem Wecker, dass es noch nicht mal drei Uhr morgens war.

 

Wow. Was für ein verrückter Traum. Er sah sich hastig um, doch die Szenerie veränderte sich nicht noch mal – dieses Mal war es wirklich nur ein Traum gewesen. Er fuhr sich erleichtert durch die schweißnassen Haare und grinste wie ein Idiot. Nur ein Traum. Ein Alptraum. Was für ein Alptraum!

 

Er rieb sich mit beiden Händen übers Gesicht – und als er sie sinken ließ, sah er seinen Bauch, der sich unter der Decke wölbte. Er zog die Bettdecke zur Seite... doch es war nur ein Kissen, das sich dorthin verirrt hatte. Nicht er, sondern Chief Vick hatte das Baby bekommen, er hatte nur zugesehen, und es war glücklicherweise ein Mädchen.

 

Lassiters Puls brauchte trotzdem noch eine halbe Stunde, bis er wieder auf ein Normalmaß gesunken war. Und den Rest der Nacht verbrachte er damit, das Fruchtwasser aus seinem Autositz und von seiner Tasche zu waschen. An Schlaf war nicht mehr zu denken.

 

Ende