Titel: The way the human mind works
Autor: Lady Charena (Nov. 2007)
Fandom: The A-Team
Charaktere: Face/Murdock
Thema: #052. Feuer
Word Count:
Rating: PG, slash
Anmerkung des Autoren: Vielen Dank an T’Len für’s betalesen.

Summe: Face träumt nach seiner Verwundung in der Villa Cucina von einem anderen Moment, in dem auf ihn geschossen wurde. (Fortsetzung zu: "Good things come to boys who wait"

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Lyrics:Evanescence



Consciously you've forgotten it
That's the way the human mind works
Whenever something is too unpleasant, to shameful for us to entertain we reject it
We erase it from our memories
But the answer is always there.
The pain that grips you
The fear that binds you



„Feuer!“

Die Schüsse fielen und Face spürte ein scharfes Brennen, als der Blutpack unter seinem Hemd explodierte. Er schluckte die Kapsel, die ihm Frankie gegeben hatte und ließ sich auf den Boden fallen.

Er lag auf dem Boden, auf dem Rücken. Und dann hörte er die Schritte näherkommen. Panik erfüllte seinen Mund mit einem staubigen Geschmack. Warum war er nicht bewusstlos?

Er war gelähmt, konnte nicht einmal blinzeln.

Aber er konnte hören. Befehle wurden gegeben. Schritte von Männern.

Mein Gott, was wenn sie es herausfanden? Was wenn sie herausfanden, dass er nicht tot war... Er wusste, was dann passieren würde. Der Befehlshaber des Exekutionskommandos würde ihn in den Kopf schießen.

Und es würde keine Platzpatrone sein.

Er würde dieses Mal nicht überleben.

Sie hatten alle gewusst, dass es das Risiko dieses wahnsinnigen, verzweifelten Plans war – aber der Gedanke, dass er mitbekommen würde, was geschah... wäre er dazu in der Lage gewesen, er hätte vor Angst geschrieen. Er würde den Lauf gegen seinen Kopf fühlen, das Waffenöl riechen, hören wie der Bolzen zurückgezogen wurde...

Und dann würde es vorbei sein.

Sie mussten am anderen Ende der Linie begonnen habe, dort wo BA gestanden hatte. Jetzt hörte er wieder Schritte, die sich ihm näherten.

Und dann endlich war es endgültig dunkel um ihn.

Bis er auf einer Bahre im Lagerhaus erwachte und in Carlas Gesicht starrte.

Bis er in einem Bett in einem Apartment erwachte und in Murdocks Gesicht starrte.

„Bist du okay?“, fragte Murdock. Der Pilot saß neben ihm auf dem Bett, halb in eine Decke gewickelt, das Haar wirr und die Augen trübe vom Schlaf. Doch sein Blick klärte sich rasch. „Ein Alptraum?“

„Jetzt nicht mehr“, erwiderte Face mit einem Lächeln.

Murdock musterte ihn kritisch, die Stirn gerunzelt, schien sich aber mit dieser Antwort vorerst zufrieden zu geben und legte sich zurück, rollte näher zu ihm.

„Habe ich dich geweckt?“, fragte Face in die unbehagliche Stille. Nein, korrigierte er sich sofort, nicht unbehaglich. Nichts zwischen ihnen war unbehaglich. Nur eben zu still.

„Nein“, kam es einsilbig von dem Mann, der neben ihm lag.

„Wieso bist du dann wach?“ Er wandte den Kopf nach den Leuchtziffern des Weckers, aber konnte ihn nicht finden. „Wie spät ist es?“

„Kurz nach Mitternacht.“

Die Vorhänge vor dem Fenster waren offen und von der Straßenbeleuchtung draußen fiel genug Licht in den Raum, dass die Augen des Piloten im Dunkeln zu leuchten schienen. „Warum schläfst du nicht weiter?“, schlug Face vor.

Murdock sah ihn an. „Schläfst du weiter?“ Als Face mit den Schultern zuckte, fuhr er fort: „Du brauchst den Schlaf“, sagte er leise, streckte die Hand aus und zog mit den Fingerspitzen Kreise auf Face‘  Brust. Er vermied es, die grellrote OP-Narbe ein wenig tiefer, quer über Face‘  Magen und Seite, zu berühren. Seine Stimme wurde so leicht, neckisch, wie seine Berührung. „Vergiss’ nicht, du bist immer noch nicht wieder ganz gesund. Was wohl der Doktor zu all der körperlichen Anstrengung sagen würde...“

„...zu der du mich verführt hast“, beendete Face den Satz und lachte leise. „Angesichts dessen, dass ich erst seit einer Woche wieder feste Nahrung zu mir nehmen darf, will ich das gar nicht wissen.“ Da er nach wie vor nicht mit Hannibal und BA arbeiten durfte und ihm in Langley die Decke auf den Kopf fiel, war er übers Wochenende in Murdocks Apartment gezogen. Und genau wie der Doktor es verordnet hatte, verbrachte er die meiste Zeit im Bett. Nun, niemand hatte etwas davon gesagt, dass er die ganze Zeit schlafen musste.

Ein paar Minuten lag er einfach nur ruhig, die Arme um Murdock gelegt und genoss das Gefühl des warmen Körpers an seinem.

Es war nicht das erste Mal gewesen, das er von diesem siebzehnten August geträumt hatte. Face hatte nur noch nie jemand von diesem Traum erzählt. Nicht Hannibal, der dabei gewesen war. Nicht Murdock... ganz bestimmt nicht Murdock! Wenn es etwas gab, für das er bei dieser ganzen Sache dankbar war, dann das Murdock nicht dabei gewesen war, alles mit ansehen musste. Und was gab es überhaupt schon groß zu erzählen? Zwanzig, vielleicht dreißig Sekunden lang war er noch bei Bewusstsein gewesen, bevor die Droge ihre volle Wirkung entfaltete. Keine große Sache.

Keine große Sache?

Dreißig Sekunden hilfloses Daliegen. Dreißig panikerfüllte Sekunden, in denen er darauf wartete, in den Kopf geschossen zu werden.

Keine große Sache. Immerhin hatte er sich an diese dreißig Sekunden kaum mehr erinnert, bis zu dem Schuss in der Villa Cucina.

Er hatte die Erinnerung aus seinem Gedächtnis verbannt. In eine der dunklen Ecken, in denen bereits andere unangenehme Dinge verstaut waren. Er stocherte niemals in einer dieser dunklen Ecken herum.

Er kannte den Unterschied zwischen etwas vergessen und es zu unterdrücken, man lernte solche Unterschiede kennen, wenn der Mann, den man liebte, für fünfzehn Jahre in einer Psychiatrie lebte. Aber er hatte nie einen Sinn darin gesehen, an diesen Dingen zu rühren. Er war nur zu glücklich gewesen, nicht in den dunklen Ecken herum zu stochern. Oder war er glücklich gewesen, weil er es nicht tat?

Murdock hatte zu ihm gesagt, dass er in der Therapie gelernt habe, sich den schlimmen Erinnerungen zu stellen, ohne sie noch einmal zu durchleben. Er meinte, dass Erinnerungen dann zurückkommen würden, wenn man dazu bereit wäre, mit ihnen umzugehen. Stark genug, mit ihnen fertig zu werden.

Vielleicht sprach die Tatsache, dass er aus diesem Traum nicht schreiend erwacht war, dafür, dass er diesen Punkt erreicht hatte. Dass er bereit war, sie zu überwinden.

Und wenn es nur war, um sich stattdessen an die Stunde auf dem kalten Küchenfußboden in der Villa Cucina zu erinnern, wo er langsam vor sich hin verblutete.

Er schloss die Augen.

Und als er sie wieder öffnete, schien es ihm, als habe er keine Sekunde geschlafen. Doch es war draußen hell. Noch nicht richtig, das Licht, das durch die Scheibe sickerte, war grau. Aber es war definitiv Morgen.

Er murrte leise, als Murdock sich aus seinem Griff löste und von ihm wegrollte. „Wohin gehst du?“

„Ich muss ins Puppy Platter. Es ist Montagmorgen. Ich habe mit jemandem aus einer anderen Schicht getauscht, damit ich das ganze Wochenende frei habe, aber dafür versprochen, die ganze Woche die Frühschicht zu übernehmen.“ Murdock tauchte neben dem Bett auf, er hatte das T-Shirt gefunden, nach dem er gesucht hatte. Ein Schmutzfleck verunstaltete Snoopy. Er kniete sich neben ihn, um ihn zu küssen. „Aber warum holst du mich nicht mittags ab und wir essen irgendwo etwas? Ich glaube nicht, dass ich jemals wieder einen Burger essen will, seit ich dort arbeite und du bist immer noch auf Diät. Aber Erica hat mir ein ganz tolles Restaurant empfohlen.“

Er wollte wieder weg, doch Face hielt ihn am Arm fest. „Erica, so?“, fragte er gedehnt. „Gibt es da irgendetwas, das ich von dir und Erica wissen sollte?“

Murdock grinste. „Idiot”, erwiderte er nur und küsste ihn erneut. „Roger vermisst sie. Und wenn du mich jetzt nicht loslässt, komme ich zu spät und verliere wieder einmal einen Job. Und das kann ich mir nicht leisten.“

Widerwillig ließ ihn Face gehen. Den Kopf in die Hand gestützt, beobachtete er, wie sich Murdock vollends anzog.

„Schlaf’ weiter“, befahl der Pilot, bevor er den Raum verließ. Dann streckte er den Kopf noch einmal herein. „Fast hätte ich es vergessen. Fütterst du später Roger? Nur dieses eine Mal. Das Hamsterfutter steht neben dem Käfig.“

Dann war er weg. Ein wenig enttäuscht ließ sich Face zurück in die Kissen fallen.

Die Tür ging noch mal auf. Der Pilot lehnte gegen den Türrahmen, seine Lederjacke in den Armen. „Hey, Muchacho“, sagte er leise und wartete, bis Face ihn ansah. „Ich liebe dich.“ Er lächelte und dann war er endgültig weg.

Face zog die Decke um sich und kurz darauf schlief er tief und fest. Und dieses Mal ohne zu träumen.

Ende