Auszug

T’Len

2006

 

 

 

Fandom: SK Kölsch

Charaktere: ev. Schatz/Taube

Kategorie: G

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Summe: Klaus Taube, der einige Zeit bei Jupp Schatz (und zuvor bei dessen Exfrau Ellen) als Untermieter gewohnt hat, zieht aus. Meine Interpretation, warum Taube eigentlich auszieht. (Folge „Vätersorgen“ aus der 2. Staffel)

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Vielen Dank an Lady Charena fürs Beta.

 

 

„Willst du wirklich ausziehen?“ Jupp Schatz lehnte im Türrahmen und sah zu, wie Klaus Taube, sein Partner im Beruf und guter Freund im Privatleben, fein säuberlich Hemden und Hosen in einen Koffer packte.


“Ja“, erwiderte Taube knapp.

 

„Kannst du nicht doch bleiben?“, hakte Jupp nach.

“Nein“, kam die – erneut knappe - Antwort.

 

Jupp seufzte. „Was ist los?“, fragte er.

 

„Nichts.“ Klaus schloss den Koffer und richtete sich auf.

 

„Ist es wegen mir?“, wollte Schatz wissen.

“Nein.“ Taube begann persönliche Unterlagen in einem Aktenkoffer zu verstauen.

 

Jupp kam sich derweil vor, wie bei einem Verhör – bei einem verdammt schlecht laufenden, um genau zu sein. Klaus war ja nie ein Plappermaul, aber so einsilbig nun auch wieder eher selten. Vor allem aber wusste Jupp selbst nicht, was er eigentlich sagen sollte. Er wusste nur, er wollte nicht, dass Klaus auszog.

 

„Der Flo würde sich auch freuen, wenn du bleibst“, sagte er schließlich. „Er mag dich.“

 

Taube drehte sich um. „Ich bin ja nicht aus der Welt“, sagte er. Und als er Jupps zweifelnden Blick sah, fügte er hinzu: „Und immer für euch da, wenn ihr mich braucht.“

 

Jupp wollte sagen: „Das ist nicht das gleiche, als wenn du hier wohnst“, doch er schluckte die Worte herunter. Verdammt, er wollte nicht wie ein weinerliches Weichei klingen. Er klang ja schon fast wie eine Frau, deren Liebhaber sie verlässt. Doch irgendwie fühlte er sich momentan auch fast so, wie damals als Ellen ihn vor die Tür gesetzt hatte.


Ellen. Der Gedanke an seine tote Exfrau versetzte ihm einen Stich. Er vermisste sie und noch immer wachte er manchmal nachts auf und hoffte, alles sei nur ein böser Traum gewesen. Aber es war nicht mehr so schlimm wie unmittelbar nach ihrem Unfall. Wenn Klaus damals nicht da gewesen wäre, ihm stundenlang zugehört hätte, sich um Flo gekümmert hätte – Jupp wüsste nicht, wie er alles hätte durchstehen sollen. Doch irgendwie ging das Leben weiter. Klaus hatte sich einfach um alles gekümmert, die Organisation der Beerdigung, das Regeln des Erbe. Und er hatte ihn nie allein gelassen.

 

Ist es das?, dachte Jupp. Habe ich plötzlich Angst vor dem Alleinsein? Vor der Verantwortung? Oder will ich nur nicht einen guten Koch und Haushälter verlieren? „Werde erwachsen, möglichst noch vor deinem Sohn“, klangen ihm Taubes Worte wieder in den Ohren.


“Ist es meinetwegen?“, fragte er noch einmal. „Ich versprech’ auch, ich räum auf und putz die Fenster.“

 

„Dein Ego in allen Ehren Jupp, aber nicht alles, was auf dieser Welt passiert, hat mit dir zu tun.“

 

„Warum dann, verdammt noch mal?“ Jupp hatte das Gefühl, dass er sich irgendwie im Kreis drehte. Frustriert schlug er gegen die Tür, dann holte er tief Luft. Warum nur war er so wütend darüber, dass Klaus ausziehen wollte? Es würde sich doch nichts ändern. Sie waren nach wie vor Kollegen und konnten sich auch nach Feierabend sehen, so oft sie wollten. Das hatten sie doch auch getan, bevor er nach Ellens Tod in ihre Wohnung zu seinem Sohn – und damit zu Klaus als Untermieter - gezogen war. Nichts würde sich wirklich ändern. Oder? „Tut mir leid. Aber ich verstehe einfach nicht. Es läuft doch so gut mit uns hier zusammen. Warum willst du weg?“

 

Klaus begann erneut einzupacken: „Meinetwegen“, sagte er nach einer Pause. „Ich möchte mein eigenes Leben leben, nicht deins.“

„Hast du wieder ’nen Kerl?“, wollte Jupp wissen und wunderte sich, warum ihm der Gedanke überhaupt nicht behagte und Taubes. „Quatsch“ als Antwort ihn aufatmen ließ.

 

„Warum eigentlich nicht? Ich hab’ dich nie wieder mit einem gesehen, seit...“ Jupp brach ab. Er wusste, wie sehr Klaus gelitten hatte, damals, als er eine Woche zu früh aus seinem Karibikurlaub zurück kam und zunächst behauptete ein Hurrikane sei Schuld daran. Schließlich hatte er Jupp erzählt, dass er seinen Freund mit dem Surflehrer im Bett erwischt hatte. Irgendwie waren sie danach noch engere Freunde geworden. Es schweißte wohl zusammen, dass sie nun beide verlassen worden waren. „Es sollte doch kein Problem sein, was aufzureißen“, sagte Jupp jetzt. „Ich weiß doch, wie viele einschlägige Kneipen es hier gibt. Bist doch ein schnuckeliges Kerlchen. Also?“

 

Für einen Augenblick sah Klaus Jupp prüfend an, dann sagte er: „Ich will keine kurze Affäre.“

„Wenn du nichts anfängst, wirst du aber auch nichts dauerhaftes finden“, erwiderte Jupp.

 

Taube schüttelte den Kopf. „Das was ich will, finde ich sowieso..:“ Er brach ab. „Ach vergiss es.“

 

„Jedenfalls hätte ich kein Problem damit, wenn du jemanden mitbringen würdest“, betonte Jupp: „Ich meine, solange ihr vor dem Flo diskret seit, du weißt schon, was ich meine.“

 

Klaus schloss seinen Aktenkoffer. „Wovor hast du Angst, Jupp?“, wollte er wissen. „Dass du keine Putze und keinen Koch mehr hast? Nimm dir ein Au-Pair-Mädchen, wenn du es allein nicht gebacken kriegst.“

 

Nein, vor dem Alleinsein, wollte Jupp antworten. Doch er schwieg, wusste nicht, wie er Klaus erklären sollte, was er selbst ja nicht verstand. Er wusste nur, dass er nicht wollte, dass der Freund auszog. „Ich...“, mehr brachte er nicht heraus. Er hatte plötzlich das Gefühl, ein wichtiger Teil seines Lebens würde aus selbigen herausgerissen. Irgendwie hatte er Klaus’ Anwesenheit in letzter Zeit für selbstverständlich genommen und nie auch nur daran gedacht, er könnte aus seinem Leben verschwinden, auf die eine oder andere Art.

 

Taube sah ihn eindringlich an: „Schau Jupp, ich kann nicht ständig mit dir zusammen sein. Du musst dein Leben leben und ich meines. Ich sehe dich im Büro. Wir sind oft nächtelang zu Ermittlungen unterwegs. Nach Feierabend trinken wir einen zusammen oder kucken ein Spiel. Auch noch im Zimmer neben deinem zu übernachten, ist mehr, als ich ertragen kann. Versteh doch.“

 

Für einen Moment sahen sie sich schweigend an. „Bin ich wirklich so unmöglich zu ertragen?“, fragte Jupp schließlich. „Ich gelobe auch Besserung.“

 

Er glaubte für einen Augenblick Enttäuschung in Taubes Zügen zu sehen, dann wandte dieser sich ab. „Nein“, sagte er leise. „Du verstehst wirklich nicht.“

 

Er ging zur Tür. „Den  Rest hole ich morgen. Sag Flo bitte, dass ich ihn lieb habe. Ich verabschiede mich morgen von ihm.“

 

„Klaus“, als Jupp seinen Namen rief, drehte Taube sich erneut um, seinen Blick suchend auf Schatz gerichtet. Doch dieser wusste nicht, was er sagen sollte. Und eigentlich hatte er ja wirklich kein Recht, zu verlangen, dass Taube sein Leben nach ihm einrichtete. Er hatte ihm in den letzten Wochen mehr geholfen, als man es eigentlich von einem Freund verlangen konnte, mehr als er ihm wohl je würde zurückgeben können.

 

„Pass auf dich auf“, sagte Jupp schließlich

 

Taube nickte, dann ging er. Jupp hatte das verdammte Gefühl, dass er Klaus enttäuscht hatte, aber er wusste nicht womit, und dass er selbst etwas Wichtiges in seinem Leben verloren, eine große Chance verpasst hatte.

 

Noch lange starrte er auf die geschlossene Tür.


Ende

 

 

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