neu: Atlantic City all over again (House MD, het, PG, House, Wilson/Amber)
Titel: Atlantic City all over again
Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD
Episode: 4.12 Don’t ever change
Pairung: House, Wilson/Amber
Rating: het, PG
Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Nach House’ Zusammentreffen mit Amber und Wilson im Restaurant. Später irgendwann, doch noch in der gleichen Nacht. Alle Zitate stammen aus der o.g. Episode (©2008 FOX BROADCASTING COMPANY)

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Lyrics: Cake




to me, coming from you,
friend is a four letter word.

end is the only part of the word
that i heard

call me morbid or absurd
but to me, coming from you,
friend is a four letter word



“My world could expand. I could form a long-term connection that isn't with you. And since you put the darkest possible construction on everything, you could end up losing a friend. You've thought of all this. And yet you're going along with it. Are you being— self-sacrificing?"

"I'll sacrifice a lab rat. I'll sacrifice a fly. I'll sacrifice two hundred on a mudder at Monmouth Park. I don't sacrifice self. Shabbat Shalom, Wilson."

"Shabbat Shalom, House." (4.12 Don’t ever change, Schlussworte)


Mit der Flasche kehrte er ins Wohnzimmer zurück. Da er den Stock neben der Couch gelassen hatte, stützte er sich nur mit der Hand hier und da leicht ab, um sein Bein zu entlasten. Er nahm Platz, schraubte die Flasche auf und wischte sich mit einem leise angewiderten Laut die Finger an der Jeans ab. Der scharfe Geruch stach in der Nase. Offenbar war während des Transports in seiner Tasche etwas von dem Inhalt in die Verschlusskappe gelaufen, und als er diese nun öffnete, auch über seine Finger.

Mit der anderen Hand rückte er seine Brille zurecht, bevor er nach einer Pinzette und einem feinen Pinsel griff. House konzentrierte sich ausschließlich auf die vor ihm liegende Arbeit, verbannte jeden anderen Gedanken. Mit der Präzision und Geschicklichkeit eines Chirurgen trug er ein wenig Kleber auf und drückte dann den Splitter mit der Pinzette zurück an die Stelle, aus der er gerissen wurde.

Die Augen leicht zusammengekniffen, die Lippen unwissentlich geschürzt, rückte er den Splitter durch leichtes Antippen zurecht, bis er so genau eingepasst war, dass man den Riss mit bloßem Auge nicht mehr erkennen konnte. Als das erledigt war, wischte er Pinzette und Pinsel ab, der Kleber trocknete rasch und würde unschöne Wülste bilden, die abfallen und festkleben konnten. Als das erledigt war, wiederholte er das ganze mit dem nächsten Splitter.

Es war nicht unbedingt notwendig, jeden einzelnen abgerissenen Splitter wieder an seinen angestammten Platz zu bringen. Es war, als würde man mit verbundenen Augen und dicken Fausthandschuhen versuchen, ein Puzzle zu lösen. Der einzige Grund dafür, dass er diese Sisyphus-Arbeit auf sich nahm, war... dass die Gitarre hinterher fast wieder wie neu aussehen würde, wenn er alles richtig machte. Es würde keine Spur zurückbleiben.

Es würde sein... als wäre nie etwas passiert.

Für einen Moment lag ein grimmiges Lächeln um seine Lippen, als er den Pinsel in die Klebstoffflasche tauchte und den Kleber auftrug.

Etwas war passiert.

Die grobe Reparatur hatte er in seinem Büro vorgenommen. Es war einfach unmöglich gewesen, die zerstörte Gitarre in diesem Zustand zurück in seine Wohnung zu bringen. Die vielen feinen Splitter fielen ab, als er das fehlende Stück, das ihm Wilson mit der Lösegeldforderung geschickt hatte, in die „Wunde“ einpasste. Er hatte sie sorgfältig aufgesammelt und auf ein Blatt Papier gewischt, das er zusammenfaltete, so konnte keiner verloren gehen.

Jetzt war dieses Blatt Papier auf dem Tisch ausgebreitet und noch mindestens zwei Dutzend Splitter warteten darauf, an ihren angestammten Platz zurück zu kehren.

Er sah auf und warf einen Blick auf das Display des DVD-Players. Wilsons DVD-Player. Es war kurz nach Mitternacht. House musterte die Splitter. Das könnte noch einige Stunden dauern.

Kein Problem. Er war sich ziemlich sicher, dass dies eine dieser Nächte war, in denen er nicht schlafen ging.

Als er vor ein paar Tagen nach Hause gekommen war, wartete ein dicker, gepolsterter Umschlag eines Kurierdienstes auf ihn in der Halle. John Henry Giles hatte ihm eine Handvoll CDs geschickt – Aufnahmen, die er selbst gemacht hatte; Aufnahmen von Künstlern, von denen Giles dachte, er würde sich dafür interessieren. Er hatte den Umschlag aufgerissen und die CDs durchgesehen. Nur zwei landeten im Mülleimer, den Rest hatte er auf das Regal neben die inzwischen ersetzte Stereoanlage gelegt. Der Mann hatte Geschmack.

Bevor er den Klebstoff aus der Küche geholt hatte, legte er eine CD ein und startete sie. Der kühle Jazz, eine Aufnahme von Giles wie er selbst ohne Blick auf das Cover feststellte, erfüllte die Wohnung.

House wischte einen Tropfen Klebstoff ab und pickte mit der Pinzette den nächsten Splitter auf, um nach dessen angestammten Platz zu suchen. Er war völlig konzentriert, sein Atem langsam und ruhig, und seine Finger zitterten nicht ein einziges Mal.

Er hatte alles unter Kontrolle.

* * *



"This isn't just about the sex. You like her personality. You like that she's conniving. You like that she has no regard for consequences. You like that she can humiliate someone if it serves - Oh my God. You're sleeping with me." (House, 4.12 Don’t ever change)


Amber drehte sich auf die andere Seite, als sich die Matratze bewegte und er aufstand. „Alles okay?“, fragte sie.

„Ja. Ich hole mir nur etwas zu trinken. Schlaf’ weiter.“

Es war zu dunkel, als dass sie sein Gesicht erkennen konnte, aber seine Stimme klang normal. Trotzdem runzelte sie die Stirn. Seit House heute Mittag im Restaurant aufgetaucht war, hatte sie das Gefühl, dass ihr etwas entging.

„Soll ich dir was mitbringen?“

„Nein. Ich bin okay“, entgegnete sie nach einer Weile. „Bleib’ nicht so lange weg.“

Es kam keine Antwort, nur das leise Geräusch der Tür, die geschlossen wurde. Amber drehte sich wieder auf die Seite, zog die Decke über die Schultern hoch und war innerhalb kürzester Zeit eingeschlafen.

Wilson knipste das Licht in der Küche an, öffnete den Kühlschrank und fand eine Flasche Mineralwasser. Er lehnte sich daneben an die Wand und schraubte den Verschluss auf. Kohlensäure und Wasser schossen heraus und über seine Finger. Er schüttelte sie trocken.

Mit halber Aufmerksamkeit lauschte er in Richtung Schlafzimmer, während er langsam trank, mit langen Pausen zwischen den einzelnen Schlucken. Vielleicht wartete ein Teil von ihm darauf, dass Amber auftauchte, dass sie sich mit der Erklärung für seine Ruhelosigkeit nicht zufrieden gab. Er konnte sich ja nicht einmal selbst davon überzeugen, dass Durst der Grund dafür war, dass e in dem halbdunklen Raum stand, anstatt neben Amber zu schlafen.

Er sah auf die Uhr an der Wand. Kurz nach Mitternacht. Eine merkwürdige Uhr, dachte er. Eine dieser kitschig-süßen Katzenuhren, bei denen sich Augen und Schwanz hektisch bewegten – zumindest empfand er sie als hektisch. Sie schien so absurd fehl am Platz in Ambers nüchterner, fast klinisch eingerichteter Küche. Vielleicht war die Uhr ein Geschenk gewesen; ein Scherz von Freunden. Eine Kindheitserinnerung. Es machte ihm bewusst, dass er noch so vieles nicht von ihr wusste. Sie war niemand, der leicht mit privaten Dingen zur Sprache kam, nicht einmal in einer Beziehung.

Wilson lächelte. Vielleicht waren die Veränderungen in seinem Leben doch nicht so radikal, wie er geglaubt hatte.

Trotz der späten Stunde; trotz des anstrengenden Arbeitstages, der zweifelsohne vor ihm lag – ganz zu schweigen davon, was House wieder ausgeheckt haben mochte – und trotz der Frau in dem warmen Bett, die auf seine Rückkehr wartete... Er hatte keine Eile, ins Schlafzimmer zurück zu kehren.

Unter seinen bloßen Füßen war der Steinboden sehr kalt und er trat hinüber zum Esstisch, zog einen der hochlehnigen Stühle heraus und setzte sich. Der Tisch stand auf einem runden Teppich wie auf einer Insel.

Tropfen aus kondensierter Flüssigkeit bildeten sich an der Außenseite der Flasche und er wischte sie gedankenverloren mit der Hand ab, verrieb sie mangels Alternative einfach zwischen den Fingern, bis diese wieder trocken waren.

Er wollte noch einen Moment hier sitzen und trinken. Nur sitzen und trinken. Ohne zu denken, ohne sich zu fragen, was er da tat. Oder worauf er wartete.

* * *

Stunden später legte House endlich die Pinzette weg und wischte den Pinsel sorgfältig ab. Alle Splitter waren wieder dort, wo sie hingehörten und er betrachtete seine Arbeit müde, aber mit zufriedenem Stolz. Jetzt musste der Klebstoff nur noch trocknen. Erst dann konnte er ausprobieren, ob die Reparatur nicht nur optisch, sondern auch akustisch ein Erfolg war. Ob der Klebstoff elastisch genug war, die Splitter zu fixieren und gleichzeitig die Schwingungen zu übertragen.

Vielleicht würde er es versuchen. Etwas war jetzt anders. Etwas war zerstört. Vielleicht unwiederbringlich verloren.

Er betrachtete die Gitarre wie ein Chirurg einen Patienten, der nach einer langen OP noch nicht wieder aus der Narkose aufgewacht war. Und entschied, sie zum Trocknen liegen zu lassen, wo sie war. Nicht nur, weil er in diesem fragilen Zustand zwei Hände zu ihrem Transport benötigte.

House nahm die Brille ab und legte sie auf den Tisch, dann schraubte er den Klebstoff zu. Er lehnte sich an die Sofarücklehne zurück und stöhnte leise auf, als die verkrampften Muskeln in Nacken und Hals, Schultern und Oberarmen über den Wechsel aus der vornüber gebeugten Haltung protestierten. Für einen Moment war es intensiv genug, dass er darüber den Schmerz in seinem Bein beinahe vergaß.

Das Vicodin befand sich wie immer griffbereit in der Brusttasche seines Hemdes. Dummerweise lag sein Hemd auf der Klavierbank, wo er es nach seiner Rückkehr gelassen hatte.

Okay.

Entweder blieb er hier liegen, bis sich seine Muskeln von selbst entspannten – was eventuell länger war, als sein Bein ihm erlaubte. Oder er riskierte es, auf zu stehen und zum Klavier zu gehen. Eine Vicodin zu schlucken. Sich vielleicht eine extra zu genehmigen. Darauf zu warten dass sie wirkte und dann heiß zu duschen. Seine Nackenmuskeln zuckten unwillkürlich bei der Aussicht auf heißes Wasser.

Doch letztlich blieb er, wo er war und starrte an die Decke, die Arme im Nacken verschränkt. Sein Kopf war ein schwarzes Loch, das alle Gedankensegmente ohne Ansehen verschluckte und sie – vielleicht – an einem anderen Ort im Universum seines Verstandes wieder ausspuckte.

Möglicherweise konnte man mit der schwarzes-Loch-Theorie argumentieren und es eher einen Müllschlucker nennen.

Er war sich kaum bewusst, dass er bei diesem Gedanken lächelte.

* * *



"House, you're right. Why not? Why not date you? It's brilliant. We've known each other for years We've put up with all kinds of crap from each other. And we keep coming back. We're a couple."

„Wait a minute. Wait a minute. Why are you doing this? Every time I agree with you, you find a new argument. What are you trying to avoid? - Well, if you'd looked at me with those flashing eyes before I was involved...." (Wilson, 4.12 Don’t ever change)


House’ Worte waren in seinem Kopf wie ein seltsam geformter Stein in den Händen eines Kindes, das ihn wieder und wieder drehte und von allen Seiten betrachtete.

„Du schläfst mit mir!“

Nun, Amber war sicher keine weibliche Ausgabe von House. Er lächelte und legte den Kopf in den Nacken, schloss die Augen. Oh ja, kein Zweifel daran, dass es Greg gefiel zu denken, dass er ihn jetzt sogar in diesem Bereich für „normale“ Menschen verdorben zu haben schien.

„House, du hast Recht. Warum nicht? Warum sollte ich nicht um dich werben? Es ist brillant. Wir kennen uns seit Jahren. Wir sind mit allem zurecht gekommen, was wir uns über die Jahre an den Kopf geworfen haben. Und letztlich finden wir immer wieder zueinander zurück. Wir sind ein Paar.“

Der Ausdruck in Gregs Gesicht, als er ihm seine eigene Logik entgegenhielt... das entschädigte für vieles. Nicht für alles, natürlich.

Er wusste noch nicht, wohin seine Beziehung mit Amber führen würde. Aber er wusste, dass er vielleicht seinen besten Freund dabei verlor.

Wenn House es zuließ. Möglicherweise hatten sie ihr Atlantic City doch noch erreicht...


Ende