Titel: Aphrodisiac

Autor: Lady Charena

Fandom: House, MD

Charaktere: Gregory House/James Wilson

Rating: PG-15, slash

Beta: T’Len

Archiv: ja

 

Summe: Die Kraft der Zärtlichkeit

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. 

 

 

 

„Ich habe gehört, du hattest einen Zusammenstoß mit Foreman?“

 

Irritiert – ohne zu wissen, wieso ihn diese nebensächliche Bemerkung so irritierte – stoppte er mitten in der Bewegung und drehte sich um. Er sah Wilson an, der auf der anderen Seite des Bettes saß und ihn seinerseits beobachtete. „Gibt es in diesem Krankenhaus keinen interessanteren Tratsch?“, fragte er. „Keine neuen, schmutzigen Gerüchte über dich und mich?“

 

Wilson lachte und schüttelte den Kopf. „Da es keine Gerüchte sind, was wäre daran noch interessant für dich?“

 

Das Hemd halb aufgeknöpft; barfuss; die aus ihrem Würgegriff gelockerte Krawatte wie ein windschiefes Segel; die Haare vom Wind zerzaust, der während der paar Schritte vom Auto zu House Apartment an ihren Jacken zerrte... Dr. James Wilson sah aus, als habe er gerade sein erstes Jahr am College hinter sich.

 

„Er hat meine Diagnose angezweifelt...“

 

„...was er seit dem Tag macht, an dem du ihn eingestellt hast...“, warf Wilson grinsend ein. Er duckte gespielt ängstlich den Kopf, als ihn ärgerliches Blitzen aus den blauen Augen des älteren Mannes traf und hob beschwichtigend die Hände.

 

House grollte. „Mir gefällt das Benehmen nicht, dass er an den Tag legt, seit Cuddy ihn zu meinem Boss gemacht hat.“ Er legte den Kopf schief. „Warum zum Teufel hast du überhaupt so gute Laune? Niemand gestorben heute?“ Er wandte sich ab und fuhr mit der mühseligen Anstrengung fort, seine Socken auszuziehen. Sein Bein ließ keine Zweifel daran, dass es etwas dagegen hatte. Er hatte ein Vicodin geschluckt, bevor er Wilson ins Schlafzimmer gefolgt war, doch nach einem langen Tag voller Anspannung schien die Wirkung auf sich warten zu lassen.

 

„Nope“, gab Wilson fröhlich zurück, er streckte sich lang aus und verschränkte die Arme im Nacken. Dabei verließ sein Blick den Rücken des anderen Mannes für keine Sekunde. „Denkst du, ihr werdet euch irgendwann einmal auf irgendetwas einigen können?“

 

House schien darüber nach zu denken. „Natürlich. Wir sind uns einig, dass wir uns nie einigen werden.“ Er zuckte mit den Schultern und setzte sich aufrecht, nachdem er endlich auch das letzte Kleidungsstück losgeworden war, abgesehen von seinen Boxershorts. Sein Blick streifte nachdenklich das Vicodin-Fläschchen auf dem Nachttisch, als er nach seinem Stock griff, um aufzustehen.

 

Wilson hielt den Atem an. Er hatte die Drehung des Kopfes verfolgt, sah worauf House Blick gerichtet war. Sah die Anspannung in den Schultern und Nackenmuskeln des anderen Mannes. Er wusste, dass es ein anstrengender Tag gewesen war. House hatte versucht, drei Patienten gleichzeitig zu diagnostizieren – wobei er sich ziemlich sicher war, dass er einen der Fälle nur angenommen hatte, um sich vor der Klinik zu drücken. Er atmete unwillkürlich auf, als er sah, wie House nach dem Stock, statt nach dem Vicodin griff.

 

Wilson richtete sich auf und glitt übers Bett, um sich hinter House zu knien, der auf der Bettkante sitzen geblieben war. Er legte beide Hände auf die heruntergesunkenen Schultern des älteren Mannes.

 

„Nun, das ist doch schon etwas“, fuhr er im lockeren Plauderton fort, als wären nicht Minuten des Schweigens zwischen ihnen vergangen.

 

House sah nicht auf, er hielt den Blick auf seine Hand gerichtet, auf seine Finger, noch immer etwas zu fest um den Griff des Stocks gekrampft. „Ich glaube, wir waren uns sogar schon einmal einig.“ Er stöhnte leise auf, als sich starke Finger in seine verkrampfte Schultermuskulatur gruben.

 

„Wirklich? Worin?“ Wilson runzelte die Stirn, als er das wahre Ausmaß der Verkrampfung spürte. Er beugte sich vor und presste seine Lippen kurz auf die empfindliche Stelle in House Nacken, wo der in die Wirbelsäule überging und wurde mit einem Schauer belohnt, der durch House Körper glitt.

 

House runzelte die Stirn. „Es war, als...“ Er brach ab, als Wilson einen besonders schmerzhaften Knoten aufspürte.

 

„Es war was?“, fragte der Jüngere und grinste. „Hast du es vergessen? Du?“

 

„Findest du das etwa witzig?“ House versuchte ärgerlich zu klingen, aber was Jimmy da mit seinen Händen anstellte, fühlte sich zu gut an. Er hatte eher das lächerliche Gefühl, gleich wie ein Kater zu schnurren. „Und wisch’ dir dieses Grinsen aus dem Gesicht.“

 

Wilson spürte zufrieden, wie die Anspannung in den Muskeln unter seinen Händen ein wenig nachließ. Nicht viel, aber ein Anfang. Er rückte ein wenig näher, so dass seine Knie House Hüften berührten. „Hmhmmh“, machte er und sein gegen House Nacken gepresster Mund vibrierte leise. „Ich höre auf mit Grinsen, wenn du damit aufhörst, über deine Patienten nach zu denken“, meinte Wilson und hob den Kopf, um ihn anzusehen.

 

„Ich denke... im Moment nicht besonders... gut.“ House schloss die Augen.

 

„Wegen deinem Bein oder wegen dem, was ich gerade mache?“ Wilson ließ seine Hände mit Druck links und rechts von der Wirbelsäule nach unten gleiten.

 

Unter der Berührung stöhnte House leise auf und entspannte sich merklich. Es war Antwort genug und Wilson fuhr mit der Massage fort. Er sah zufrieden, wie sich House um den Stockgriff verkrampfte Finger lösten.

 

Ganz aufhören zu denken konnte House jedoch nicht. Doch seine Gedanken fanden ein anderes Beschäftigungsgebiet, als sich kräftige Hände tief in widerspenstige Muskeln arbeiteten. Er kannte Wilsons Schwachstellen, doch dieser Vorteil wurde dadurch aufgewogen, dass James Wilson die seinigen ebenfalls kannte. Zu gut. Und Jimmy war sich dessen sehr wohl bewusst. Er hatte nie etwas anderes als Freundschaft zwischen ihnen erwartet. Nie an etwas anderes gedacht... was eine Lüge war... Der Mangel an Nähe, an Intimität, an Berührung, war seit seiner Trennung von Stacy wie eine klaffende Wunde in seinem Leben. Er gab vor, nichts von all dem zu brauchen. Trug seine Wut, seinen Schmerz, seinen Frust wie einen unsichtbaren Panzer, der alle von ihm fernhielt. Alle außer Wilson. Und mit dem Instinkt eines Raubtieres, das sich unter der scheinbar biederen Fassade von Dr. James Wilson verbarg, hatte er genau diese Leere in ihm aufgespürt und sie gefüllt. Zuerst als Freund und jetzt... schließlich... als Liebhaber und Partner. Seine Einsamkeit hatte ihn verletzlich gemacht.

 

Ein Gedanke, der ihm nicht immer völlig behagte. Sex war eine der ältesten Methoden, Kontrolle über eine andere Person zu erlangen. Und die Kontrolle jemand anderem zu überlassen, war ihm noch nie leichtgefallen...

 

„Komm’ mit.“ Erst als er Wilsons Stimme hörte, bemerkte er, dass die Massage aufgehört hatte. Und als er den Kopf hob, stand Jimmy nackt vor ihm, die Hand nach ihm ausgestreckt. „Eine heiße Dusche wird dir gut tun.“

 

House blinzelte einmal, dann umschloss er seinen Stock fester und stand auf, Wilsons Hand ignorierend. Er ging voraus ins Bad, zog sich vollständig aus, hinkte als erster in die Dusche. Er verspürte ein fast perverses Vergnügen, Wilson für die Gedanken, die er in ihm hervorgerufen hatte, zu bestrafen, indem er vorgab, ihn zu ignorieren. Er drehte das Wasser auf, heiß, und wandte ihm den Rücken zu.

 

Aber wie... zu... so oft, sah Wilson direkt durch ihn hindurch. Und als die Hände wieder ihre Massage seines Nackens und seiner Schultern aufnahmen, konnte er nicht wiederstehen und lehnte sich zurück in ihre Berührung, darauf vertrauend, dass Wilson sie beide stützen würde.

 

Er schloss seine Augen, hob das Gesicht in den Wasserstrahl, spürte jeden einzelnen Tropfen gegen seinen Brustkorb prasseln. Fühlte die begabten Hände seines Liebhabers... Er holte tief Luft, als Wilson sich eng an seinen Rücken presste, spürte seine Erektion an seiner Hüfte und legte den Kopf zurück an Wilsons Schulter. Es war das einzige Zugeständnis, das er im Moment machen konnte. Es war genug. Wilsons Hände glitten um seine Arme herum, begannen eine weitaus zärtlichere Massage seiner Brustmuskulatur.

 

Heißes Wasser, viel heißes Wasser und nasse Haut und Hände, die ihn hielten und Schaum auf seiner Haut verteilten, ihn wuschen...

 

Und der Schmerz in seinem Bein, der sich langsam auf sein normales Level zurückschraubte. Das Vicodin wirkte. Oder vielleicht war es Wilsons schier magischer Bann, der sich um sie wob.

 

Er lehnte sich in Wilsons Arme zurück, überließ sich ihm.

 

Es war eine wilde Mischung aus Erregung, Bitterkeit und Erleichterung, die in ihm aufstieg, als er sich selbst unter den Berührungen seines Liebhabers hart werden spürte. Das war nicht immer so und der Frust über seine gelegentliche Impotenz, der Ursache in der Mixtur aus Schmerz und Vidocin lag, machte... Er drehte den Kopf auf die andere Seite und schob den Gedanken weg. Auf seinem Gesicht erschien ein fast schmerzlicher Ausdruck, als er Wilsons Mund an seinem Hals spürte.

 

Er öffnete die Augen, nur um sie gleich wieder zu schließen. Seine Gedanken rasten weiter, suchten nach etwas anderem, nach irgendetwas, das ihm half, zumindest einen Rest an Kontrolle zu bewahren.

 

Ein Zitat tauchte aus den Tiefen seiner Erinnerung auf. Jemand hatte einmal gesagt, erregt von anderen gesehen zu werden, sei das stärkste Aphrodisiakum, das man sich vorstellen könne.

 

Sein Mund verzog sich zu einem humorlosen Grinsen. Dann hob er den Kopf, als das Wasser und Wilsons Berührungen fast gleichzeitig stoppten.

 

House holte tief Luft und biss die fast instinktive Abneigung, sich helfen zu lassen, zurück; als Wilson ihn aus der Dusche manövrierte und sie beide abtrocknete. Er ging sogar so weit, sich gegen ihn zu lehnen, einen Arm um Wilsons Taille, als sie ins Schlafzimmer zurück kehrten, sein Stock vergessen an der Wand neben der Dusche.

 

Es war niemals einfach, aber er zwang sich dazu, sich Wilsons Führung zu unterwerfen.

 

Er streckte sich auf dem Bett aus, rollte ein wenig herum, bis er eine – zumindest vorübergehend – angenehme Position für sein Bein gefunden hatte und überließ sich erneut Wilsons Berührungen.

 

Jimmy lächelte, er las es ohne zu sehen von den Lippen, die gegen seinen Körper gepresst waren.

 

Seine Muskeln gaben den letzten Widerstand auf und er sank zurück, besiegt von den nicht endenden, zärtlichen Berührungen; von Wilson; von seinen eigenen, kaum eingestandenen Gefühlen; von den Händen, die seinen Widerstand brachen und jede Nacht aufs Neue seinen Körper entdeckten, als wäre es das erste Mal. „James...“

 

Das war das stärkste Aphrodisiakum

 

Und dann hörte er endlich auf zu denken...

 

 

Ende