Entstanden in der wunderbaren Tradition der 5-Minuten-Stories auf der mash-slash-Liste,

ein Freitags-Challenge mit der Anfangszeile "Black and white –" plus Einflechten von

Referenzen auf die Ostergeschichte.

 

 

 

               "Antithesis"

 

 

von Jimaine

 

c. Ostersonntag 2003

 

Pairing: Hawkeye/Trapper. Hawk's POV

Rating: PG

 

Archiv: Ich hätte gerne ein Nichtraucher-Zelt im Fanfiction Paradies gebucht, komplett mit Latrine,

Destille und Doppelfeldbett. Außerdem einen Sommerwohnsitz im Archiv von T'Len & Lady Charena.

Summary: Hawkeye-ish Gerede über Gegensätze, Oliven und Glauben.

Anmerkung: Ich habe den engl. Namen vom Karfreitag beibehalten, weil sonst der Absatz nicht

funktioniert.

Disclaimer: Mir gehört nichts. MASH und die Charaktere gehören 20th Century Fox, und die

Bibelsachen gehören einem Haufen Leute, die lebten und starben, lang bevor irgend jemand an sowas

wie Copyright dachte. Anders als die Chronisten von anno dazumal (und die Organisation, die dank

ihrer Mühen entstand) verdiene ich nichts mit dem, was ich tue, und es tut mir leid, wenn ich zu flippig

klinge, was Religion und Glauben betrifft. Nehmt's nicht persönlich.

 

 

Schwarz und weiß, Liebe und Haß, Krieg und Frieden.

Das Leben wird bestimmt durch Vergleiche und Gegensätze, und ganz besonders das unsere. Gute

Dinge sind nur deshalb gut, weil wir die schlechten Dinge haben, von denen wir sie unterscheiden

können. Und selbst schlechte Dinge können gut sein, wenn sich etwas ereignet, das noch schlimmer

ist.

Passiert doch täglich, mit der gleichen Garantie wie es jemanden gibt, der "Hubschrauber!" ruft.

Wie alles im Leben wird 'gut' nicht durch das definiert, was es ist, sondern durch das, was es *nicht*

ist. Etwas ist 'gut' aufgrund seiner Differenzen zu ähnlichen Konzepten wie 'in Ordnung' oder 'geht so'.

 

Niemand außer einem Fremden namens Frieden könnte das Kreuz des Krieges von unseren Schultern

nehmen, aber niemand will diese Verantwortung auf sich laden. Blut tropft von den schweren

Holzbalken, unter denen sich unsere Rücken biegen, und das Gewicht macht uns zu gebückten

Marionetten in Khaki. Unser Gang ist zum einem mühsamen Schlurfen geworden.

Die Krankenschwestern, die den Schweiß von unseren Gesichtern wischen, und uns mit Instant-

Orangensaft versorgen, können die Qual nur geringfügig lindern.

 

Der schreckliche Freitag ('Good Friday' nur dem Namen nach) entwickelt sich langsam in Richtung

'erträglich', und bei Sonnenuntergang kann ich mein Skalpell hinlegen und meine Krone aus

Granatsplittern abnehmen, um mich in den Garten von Gethsemane, auch 'Sumpf' genannt,

zurückzuziehen. Dort versinken wir in stille Grübelei, wie immer am Ende eines 48-Stunden-Tages

(man stelle sich vor, wieviel Papier sich sparen ließe, wenn die Army Kalender mit nur dreieinhalb

Tagen pro Woche drucken würde, keiner davon ein Feiertag).

Wir brauchen diese Stille nach dem schmerzerfüllten Stöhnen, den Schreien und gelegentlichen

Granaten, die die Gitterstäbe des alles andere als vergoldeten Käfigs rasseln lassen, in dem uns der Krieg

gefangen hält.

 

Noch viel wichtiger ist, daß ich dich brauche, den Frieden, den ich nur in dir finde und sonst

nirgendwo. Jeder Kuß ist für mich ein Schatten von Bedeutung. Ich habe mich daran gewöhnt,

Verwirrung und zugleich Trost zu empfinden, beides in gleichem Maße. Liebe...das ewige Gegenteil

ihrer selbst, genauso wie mein Haß auf diesen Krieg das exakte Gegenteil von meiner Liebe für dich ist.

 

Hast du jemals Angst vor dem Sterben, frage ich mich, oder bist du schon darüber hinweg und gleich

zum 'zuviel Angst vor dem Angsthaben' übergegangen?

Ich für meinen Teil lege den Gedanken auf Nie-wieder-Vorlage und halte dir mein Glas für eine neue

Füllung hin. Das ist ein Kelch, der nie an mir vorübergeht.

 

Könnte aber ein bißchen kühler sein.

 

"Ich sag' dir was, Trap, diese Hitze macht mich noch wahnsinnig." Keine Reaktion von dir. Nach der

heutigen Session bedarf es wohl mehr als eines Gesprächs über das Wetter, um deine Aufmerksamkeit

zu erregen. "Gestern hätte ich im Offiziersclub beinahe dem Barkeeper meinen Kopf für einen Banana-

Daiquiri angeboten. Es ist einfach unmenschlich, daß Leute 36-Stunden-Schichten bei Yo-Yo-

Temperaturen schieben müssen. Das hält kein normaler Kreislauf aus." Immer noch keine Reaktion.

Was das Wetter betrifft, scherze ich wirklich nicht.

 

Vor einer Woche hat es noch geschneit und wir mußten die Ratten bestechen, mit uns ins Bett zu

kriechen und unsere Füße warmzuhalten. Nun sind es tropischheiße dreißig Grad. Wir marinieren in

unserem eigenen Schweiß und legen der Symmetrie halber die Innenseite in Selbstgebranntem ein.

 

Ohne dich wären die Sommer an diesem Ort Winter, jedes kleine Ding würde ohne dich zu seinem

genauen Gegenteil werden. Wer weiß, ich würde wohlmöglich Wasser trinken, keusch sein und 'Stars

and Stripes' lesen statt 'The Joys of Nudity', wenn du nicht da wärst, um mir einen Martini nach dem

anderen zu reichen, komplett mit einem verführerischen Lächeln. Flüssige Liebe als Antithese zu der

greifbaren Realität, die du verkörperst. Verloren in meinen Gedanken wende ich mit dem Zahnstocher

die Olive in der klaren Flüssigkeit...immer und immer wieder. Hm, ist mir noch nie aufgefallen, wie

ähnlich wir Oliven sind. Sie sehen auch aus, als hätte jemand sie eingezogen.

 

"Hey, Trapper, was war zuerst da, die Army oder die Olive?"

 

Hier kommt die Retourkutsche sofort. "Hast du bei deinem letzten Patienten etwas zuviel von dem Äther

eingeatmet?"

 

Unglaublich effizient wie immer schafft es die Army, sich in jede Schicht unseres Lebens

einzuschleichen, ein Leben, dem es ohnehin schon an Vielschichtigkeit mangelt. Die Army ist überall

zugegen, sogar in dem Getränk, mit dem wir uns vollschütten, um zu vergessen, daß wir Teil von ihr

sind. "Jemand sollte Oliven erfinden, die eine etwas fröhlichere Farbe haben", verkünde ich gewichtig.

"Gelb vielleicht." Ja, ein sonniges Butterblumengelb wie dein Bademantel, dieses Kleidungsstück, das

sich so irritierend stark von den uns umgebenden Nicht-Farben abhebt.

 

Du hast keinen Kommentar für meine brillante Idee übrig. Nun gut...

 

Unterschiede machen das Leben aus. Gestern unterscheidet sich vom Heute, das Heute vom Morgen,

aber es gibt keine festgesteckten Grenzen, die Veränderungen unterbinden und Tugend vom Laster

trennen, Weiß von Schwarz. Wir können kategorisieren, klassifizieren, trennen und differenzieren so

viel wir wollen, aber es ist nutzlos. Am Ende zählen die bunten Linien und von Menschen geschaffenen

Barrieren doch kein bißchen, sie verblassen und lösen sich auf.

Und an diesem Ort können sie nicht einmal entstehen.

 

Ich höre dich erst beim zweiten Mal. "Hey, Hawk! Deine Olive vertrocknet. Noch einen?"

 

"Raucht MacArthur Pfeife?" Du läßt alle Tugend bizarr erscheinen, Weiß sickert ins Schwarz und

schafft Grau.

 

Was wir miteinander haben wird definiert durch all das um uns herum, das nicht 'wir' ist. Grau ist

nichtexistent, solange du nicht da bist. Du bist Grau. Meine Grauzone.

 

Hier auf unserem Kalvarienberg.

 

Für uns Chirurgen gibt es nur Leben und Tod. Das ist die eine, die einzige Grenze, die wir anerkennen,

und sie kann nur in einer Richtung überschritten werden. Einhundertdreiundfünfzig Verwundete haben

heute den OP durchlaufen, an diesem 'Good Friday', ihre Leben flossen über unsere Hände und dreißig

schlüpften uns durch die Finger, konnten nicht gerettet werden.

Nicht von uns, nein. Doch was ist mit Gott?

Dreißig heute, dreißig morgen...und übermorgen das gleiche. Jeder Tod ist ein Nagel, den man mir

durch Hände und Füße treibt.

Dreißig, so wie die dreißig Silberlinge, für die Judas Jesus verriet.

Dreißig Leben.

Einunddreißig, Jesus mitgezählt.

 

Ich beneide Father Mulcahy um seinen Glauben (ich bin überzeugt, daß er wie jeder Priester, den es je

gegeben hat und geben wird, die weltlichen Leiden während der Feiertage noch viel stärker spürt als

sonst), denn er gibt ihm eine zusätzliche Wahl neben Leben und Tod: die Wiederauferstehung.

 

Was wird am Montag mit den Dreißig sein, die heute gestorben sind?

 

Diese Frage verlangt nach einer Antwort, und so stelle ich das Glas ab und stehe auf.

 

"Gehst du? Ich dachte, wir hätten Pläne für heute abend."

 

Die Behandlung der körperlichen Leiden wird noch etwas warten müssen, jetzt brauche ich zunächst

Erste Hilfe für meine Seele. Beziehungsweise für die Reste davon, die paar Stücke, die ich noch nicht in

Patienten verloren habe, im Alkohol...oder in dir.

 

"Es wird nicht lange dauern, Trap", verspreche ich und fahre dir mit einer Hand durch die blonden

Locken, bevor ich das Zelt lautlos verlasse.

 

Ja, ich werde bald zurück in meiner Grauzone sein, meinem Schutzgebiet zwischen Tag und Nacht,

Traum und Realität. Was den Rest der Welt angeht – sollen sie uns doch mißverstehen, Schwarz mit

Weiß verwechseln, und sich eine weitere Nacht vom Grau blenden lassen.

 

 

 

 

FINIS