Titel: Wild Boys: Lovers to friends
Autor: Lady Charena
Fandom: The A-Team

Episode: 17. Zwei Nonnen zuviel (The Only Church In Town)

Pairung: POV Face, Face/Murdock, Hannibal

Rating: PG

Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Nach dem Abschied von seiner Jugendliebe Leslie denkt Face darüber nach, wie sich seit ihrer Trennung vor über 15 Jahren seine Wünsche und Träume verändert haben.

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Lyrics by Nelly Furtado.

 

 

 

Travelling I only stop at exits
Wondering if I'll stay
Young and restless
Living this way I stress less
I want to pull away when the dream dies
And the pain sets in and I don't cry
I only feel gravity and I wonder why

Flames to dust
Lovers to friends
Why do all good things come to an end

 

Der Flug zurück ist ausgesprochen lang und ereignislos. Und dieses Mal ist auch die Anspannung der Ungewissheit darüber, was uns am Ende unserer Reise erwartet, weg. Wir fliegen nach Hause. Für eine Weile dachte ich schon, Hannibal würde tatsächlich mit B.A.s Plan gehen und wir ein Schiff nehmen. Drei oder mehr Wochen mit den Jungs auf kleinstem Raum eingesperrt, ohne die Möglichkeit, sich mal aus dem Weg zu gehen? Ich frage mich, wer von uns als erster über Bord gesprungen wäre, um den Rest der Strecke lieber mit den Haien zu schwimmen.

 

Seufzend rücke ich meinen Hut wieder gerade und sehe mich um. Amy hat sich eine ganze Reihe des kleinen Fliegers gesichert und sich auf den Sitzen ausgestreckt, um zu schlafen. B.A. ist in seinen Sitz geschnallt und träumt sicherlich von all den schmerzvollen und hässlichen Dingen, die er uns antun wird, sobald das Betäubungsmittel nachlässt. Zumindest lächelt er im Schlaf. Hannibal sitzt neben ihm, die Beine ausgestreckt, die Arme verschränkt, das Kinn auf die Brust gesunken. Dieser Mann könnte auch auf Glasscherben schlafen.

 

Ich lege das Buch zur Seite, in dem ich gelesen habe – oder es zumindest versuchte, denn ich kann mich an kein Wort erinnern. Abgesehen vom Geräusch der Motoren und dem leisen Schnarchen meiner Freunde ist es still. Vermutlich ist es das, was mich aus meinen Gedanken geholt hat. Du hast aufgehört zu singen. Du liebst es, dir auf langen Flügen mit dem Singen von Opern die Zeit zu vertreiben und dich wach zu halten. In der Regel treibt es uns fast in den Wahnsinn, aber für gewöhnlich ist es ein Garant, dass alles in Ordnung ist.

 

Vermutlich hätte ich daran denken sollen, uns ein Flugzeug mit Autopilot zu besorgen, damit auch du ein paar Stunden Schlaf bekommst. Schließlich hast du genauso hart wie wir alle gearbeitet – und darüber hinaus noch jede freie Minute mit den Kindern verbracht, die in dir den perfekten Spielkameraden gefunden hatten. Ich weiß aber auch, dass du dich bewusst von mir und Leslie... Schwester Teresa – ich weiß nicht, ob ich mich je an diesen Namen gewöhnen werde... fernhieltest.

 

Ich weiß – wir hatten einen Job zu erledigen und Hannibal ist ziemlich streng damit, was unseren Umgang mit Klienten angeht. Auch wenn ich dieses Mal der Klient war. Strikte Professionalität bedeutet in seinen Augen auch, dass wir unsere Beziehung hinten anstellten für die Dauer des Jobs. Was auch bei all dieser Professionalität nicht immer leicht ist. Außerdem war Amy die ganze Zeit bei uns. Sie weiß nichts von dir und mir. Vielleicht ahnt sie etwas. Nach der Sache mit diesem Irren Martin James stellte sie ein paar seltsame Fragen über deinen Bubblebath-Auftritt. Ich nahm damals an, sie mache einen Scherz, als sie meinte, ob du immer so eifersüchtig reagieren würdest, wenn ich mit einer Frau flirte.

 

In der ersten Nacht nach unserer Ankunft in Ecuador konnte ich nicht schlafen. Wir hatten uns in dem örtlichen Hotel... oder wie auch immer sich dieser baufällige Schuppen schimpfen mochte... eingemietet. Ein Raum für uns fünf. Normalerweise hätte zumindest Amy ein eigenes Zimmer bekommen, doch wir mussten unter Umständen rasch verschwinden, sollten Federales auftauchen und da war es nicht ratsam, sich auch nur für ein paar Stunden und einen Flur weit zu trennen. Also bekam Amy das Bett beim Fenster, Hannibal das zweite bei der Tür und der Rest von uns machte es sich dazwischen leidlich in unseren Schlafsäcken bequem.

 

Nun ja, wir hatten schon unter schlimmeren Bedingungen geschlafen. Es war nicht mehr so heiß, der Fußboden zwar keine Matratze, aber eben und trocken – wer einmal in einer Sumpflandschaft oder im Dschungel schlafen musste, wusste solche kleinen Annehmlichkeiten sehr zu schätzen – und die geschlossenen Fenster hielten das meiste des blutsaugenden Ungeziefers von uns fern. Es gab sogar so etwas ähnliches wie eine Klimaanlage: ein alter, rostiger Ventilator in einer Raumecke, der sich leise quietschend drehte.

 

Ich starrte an die Decke, die im fahlen Mondlicht nicht mehr als ein Schatten über uns war. Die Stille draußen war entnervend. Das Fehlen jeglichen Straßenlärms, all die Geräusche der Stadt, an die ich gewohnt war – das erinnerte zu sehr an andere Nächte in einem fremden Land, zu einer anderen Zeit. Am liebsten wäre ich aufgestanden und zu dir gegangen. Doch zwischen uns lag – wie eine lebende, schnarchende Version der großen chinesischen Mauer – B.A. Er hatte einen sehr leichten Schlaf, wenn er nicht in seinem eigenen Bett schlief und wenn er mich dabei erwischte, wie ich über ihn kletterte, würde er mir vermutlich alle Gräten brechen. Er war ohnehin nicht gut auf mich zu sprechen, da es mir zugefallen war, ihm im Auto seine Gute-Nacht-Spritze zu verpassen, bevor wir zum Brandon Airfield rasten. Außerdem war ohnehin nicht sehr viel Platz auf deiner Seite frei. Du hattest deinen Schlafsack gleich neben dem Bett des Colonels aufgeschlagen und Hannibal hatte verdammt gute Ohren. Ich hätte mich damit zufrieden gegeben, dich neben mir atmen zu hören – zu wissen, dass du nahe genug bist, dass ich nur die Hand ausstrecken musste, um dich zu berühren.

 

Das Flugzeug macht eine Art Hüpfer, vielleicht sind wir in eine Luftströmung geraten, dann ist es wieder still. Es war genug, um mich aus meinen Gedanken zu holen. Die anderen schlafen ruhig weiter. Ich habe noch zwei Flaschen Cola, die ich dem Hotelbesitzer abgeschwatzt habe und ein paar Schokoriegel und Twinkies in meinem Rucksack. Vielleicht hast du nichts gegen einen kleinen Imbiss und ein wenig Gesellschaft da vorne im Cockpit.

 

* * *

 

„Hey.“ Ich setze mich in den Sessel des Copiloten und sehe einen Moment nach draußen – nichts als Dunkel. Ich frage mich, wo wir sind.

 

„Wir werden rechtzeitig zum Frühstück in L.A. landen.“ Dein Blick ist auf die Anzeigen gerichtet.

 

„Dann willst du die hier also gar nicht?“ Ich hole die Twinkies aus der Tasche, die ich extra für dich aufbewahrt habe und als du mich ansiehst, hellt ein kindliches Strahlen deine Züge auf.

 

„Facey, ich könnte dich küssen. Ich dachte schon, ich verhungere hier vorne.“ Du greifst nach dem Twinkie, doch ich ziehe rasch meine Hand zurück und beuge mich vor. Unsere Nasen kollidieren, aber nun ist auch dein Mund in Reichweite. Ich glaube, niemand hat mich je so geküsst, wie du – deine Küsse sind wie dein Wesen: unberechenbar, enthusiastisch, manchmal wild, manchmal mit einer Zärtlichkeit, die in ihrer Intensität fast weh tut. Manchmal atemlos, unsicher und zögernd wie ein Teenager, nur mit sehr viel mehr Geschick...

 

Du lachst leise. „Face, du bestehst wohl immer auf eine Bezahlung, was?“

 

Ich zucke mit den Schultern. „Wenn das für die Twinkies war, was bekomme ich dann erst hierfür?“ Ich hole meine andere Hand hervor, mit der ich die Colaflasche auf dem Rücken versteckt hatte.

 

„Woooo-hooo!“ Du grinst und schnappst dir die Kuchen. „Ich denke, darüber sprechen wir, sobald wir Zuhause sind. Dein neues Apartment hat doch sicher noch mehr zu bieten als ein Bett, das in der Wand verschwindet.“ Doch dann verschwindet das Grinsen von deinem Gesicht und du siehst wieder auf die Anzeigen vor dir. „Oder ist das Gails Apartment?“

 

„Nein.“ Ich weiß, meine Antwort klingt vielleicht etwas zu scharf, etwas zu unaufrichtig. Gail hält mich für einen Neurochirurgen, das Apartment ist Teil meines Covers, aber das ist auch schon alles. Pater O’Malley war mit Leslies Brief bei mir aufgetaucht, bevor mehr daraus werden konnte, als ein Abendessen und ein wenig Knutscherei auf dem Sofa. Und als er weg war, schickte ich auch Gail nach Hause.

 

Deine Bemerkung verwundert mich. Hatten wir das nicht schon vor Jahren zwischen uns geklärt? Ich brauche meine Eroberungen, die Verführungen, die Bestätigung. Du hast nie verlangt, dass ich dir treu bin. Du kennst mich zu gut. Und wir wissen beide, wie die Realität aussieht – du lebst im Krankenhaus und ich bin ständig auf der Flucht vor der MP. Die Zeit, die wir zusammen verbringen können, ist begrenzt und zu oft steht die Arbeit, das Team, im Vordergrund. Meine Flirts, meine Affären mit Frauen wie Gail... Das hat nichts mit uns zu tun. Nichts mit dem, was ich für dich empfinde. Du bist der einzige Mensch auf der Welt, den ich wirklich liebe, der einzige mit dem ich ehrlich sein will.

 

Ich lehne mich in meinen Sessel zurück, stelle die Flasche in den schmalen Korridor zwischen die beiden Sitze.

 

„Was hast du Amy eigentlich erzählt?“

 

„Was?“ Aus meinen Gedanken gerissen, sehe ich dich verblüfft an.

 

„Auf dem Hinflug. Ich weiß, dass du mit ihr über Leslie gesprochen hast, als Hannibal zu mir nach vorne ins Cockpit kam.“ Das Auspacken eines Twinkies nimmt offenbar deine ganze Konzentration in Anspruch.

 

„Die Wahrheit. Was soll das? Du kennst die Geschichte. Wir saßen lang genug in... in Dan Hoi, um uns unsere Lebensgeschichten zehnmal zu erzählen.“ Irritiert nehme ich meine Hand vom Kragen weg, da ist keine Krawatte, die gerade gerückt werden müsste. Hannibal ermahnt mich immer wieder, mir diese nervösen Ticks abzugewöhnen, aber hat er eine Ahnung, wie schwer das ist, wenn man selbst nicht merkt, was man tut?

 

„Welche Wahrheit? *Die* Wahrheit oder deine Version der Wahrheit?“

 

Ich verfolge die Krümelspur auf deinem T-Shirt. Verdammt. Ich weiß nicht, ob du das absichtlicht machst oder ob du einfach nur neugierig bist, aber es tut weh. Du kennst mich zu gut, nicht wahr? Wieso bist du nur immer noch ein Rätsel für mich? Nach all der Zeit?

 

„Ich habe ihr nicht erzählt, dass ich in Wirklichkeit erst sechzehn war, als Leslie und ich miteinander gingen, ich mich aber zwei Jahre älter gemacht hatte. Zufrieden?“ Plötzlich fühle ich mich verdammt müde.

 

„Und bist du zufrieden mit dem, was du jetzt weißt?“

 

„Wovon sprichst du?“ Vielleicht bin ich eingeschlafen und träume diese Unterhaltung auch nur, so zusammenhanglos erscheint sie mir.

 

„Ich meine, das was Leslie dir gesagt hat, warum sie dich verlassen hat, warum sie Nonne wurde. Reicht dir diese Erklärung?“

 

Ich starre auf meine Hände. „Ja. Nicht, dass es noch eine große Rolle spielt, nicht nach all den Jahren. Eigentlich hätte ich es merken müssen. Ich meine, ich bin immerhin in einem katholischen Waisenhaus großgeworden. Leslie besuchte eine Schule, in der Nonnen unterrichteten. Es ist nicht so, dass man es dann noch für eine ungewöhnliche Berufswahl hält.“

 

„Nonne zu werden ist nicht gerade einfach einen Beruf ergreifen zu nennen.“

 

Ich versuche mich an einem Grinsen, doch es will mir nicht recht gelingen. Ich kann keine meiner Masken aufsetzen, weil ich weiß, dass du durch alle hindurch sehen wirst. „Ich bin ziemlich sicher, Pater Marghil und Pater O’Malley hatten auch so ihre geheimen Hoffnungen, dass ich in ihre Fußstapfen trete – zumindest bis ich in die Pubertät kam.“

 

Als ich zu dir rübersehe, spielt ein Lächeln um deine Lippen. Als wir uns in Vietnam begegnet sind, als Hannibal dich als unseren ständigen Piloten ins Team holte, war ich nicht mehr als ein Bündel an Unsicherheiten hinter einer hübschen, glatten Fassade. Ich war ständig in Schwierigkeiten, entweder wegen meiner Geschäfte oder wegen eines Rocks und Hannibal hatte Mühe, mich aus dem Gefängnis heraus und am Leben zu halten, bis ich mich gefangen hatte. Er hat mir geholfen, erwachsen zu werden, meine Fähigkeiten zu erkennen, sie zu entwickeln. Du hast mir gezeigt, dass ich mehr sein kann, als ein hübsches Gesicht und eine silberne Zunge.

 

Endlich siehst du mich wieder an. „Und verstehst du auch, warum sie es dir damals nicht gesagt hat?“ Deine Stimme klingt unschuldig, aber dein Blick hält mich fest.

 

Natürlich. Irgendwann musste einer von euch beiden ja die einzige Frage stellen, von der ich nicht sicher bin, ob ich sie überhaupt beantworten will. „Nein.“ Ich sehe wieder auf meine Hände. „Aber ich kann mit ihrer Erklärung leben.“

 

„Kannst du es wirklich?“

 

Ich hatte diese Frage offen gestanden von Hannibal erwartet. Er zog mir damals die Wahrheit förmlich aus der Nase, als ich mich erneut verpflichtete. Die ganze Wahrheit. Warum ein Siebzehnjähriger lieber durch Sümpfe kroch und im Dschungel kämpfte, als auf ein College zu gehen. Und dann auch noch bleiben wollte, obwohl ihn fast alles dort halb zu Tode erschreckte. Ich weiß nicht, was ich befürchtete – dass er mich bleiben lassen oder dass er mich nach Hause schicken würde. Aber ich konnte ihn nicht belügen – ebenso wenig, wie ich dich belügen kann – und am Ende klopfte er mir nur auf die Schulter und meinte, dass „Sex nichts mit Liebe zu tun hat, Junge“.

 

Nicht, dass das für mich irgendeinen Sinn damals machte. Was wusste ich damals schon über Liebe? Ich war dir noch nicht begegnet.

 

„Habe ich dir eigentlich schon gesagt, dass ich froh bin, dass du mitgekommen bist? Auch als Hannibal und B.A. sich darüber witzig machten. Ich habe dir gar nicht dafür gedankt.“

 

Du lächelst, schüttelst den Kopf. „Face.“

 

Du sagst nicht mehr, aber ich kann all die Bedeutungen darin hören. Die Akzeptanz. Wie ich mich für etwas bedanken will, dass du ohne jedes Zögern jederzeit für mich tun würdest; als auch dafür, dass ich das Thema wechsle. Schließlich kenne ich dich auch ein wenig.

 

„Ich weiß, dass ich euch nicht um etwas gebeten habe, das selbstverständlich ist.“ Wie sollte ich das in Worte fassen? Mein ganzes Leben lang wollte ich wohin gehören, zu etwas... zu jemandem. Ein Teil sein... ein Teil einer Familie. Bei Menschen, die für mich da sind, weil sie mich lieben. Weil ich sie brauche. Weil ich sie bitte, da zu sein. Und es auch zu sein, wenn ich nicht darum bitte.

 

Plötzlich spüre ich eine Hand auf meiner Schulter und drehe mich um. Hannibal steht hinter uns. Wie lange steht er schon da? Wie viel hat er mitangehört? Er legt die andere Hand auf deine Schulter.

 

„Du wusstest, dass wir trotzdem mit dir kommen und für dich da sein würden“, sagt er leise. „So ist das in einer Familie, Face.“ Er drückt meine Schulter und dann lässt er uns wieder allein.

 

Ich sehe dich an. Die Realität mag weit davon entfernt sein, was ich mir damals mit Leslie erträumt hatte. Eine Bilderbuchfamilie, mit Kindern, einem Haus im Grünen, einem guten Job und vielleicht einen Hund.

 

Ich habe etwas anderes... etwas, das vielleicht für mich besser ist. Ich habe meine Familie. Und ich habe dich.

 

Ja, genau wie Hannibal gesagt hat: ich hatte wirklich verdammtes Glück.

 

Ende