Titel: All Is Well That Ends Well?
Autor: Lady Charena
Fandom: SK Kölsch

Paarung: Jupp Schatz, Klaus Taube
Rating: gen

Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Auch nach einem „happy end“ geht es weiter.

 

Hintergrund: In der Folge „Kindertag“ entführt ein Mann seinen Sohn, den er nicht sehen darf, da die Mutter des kleinen Jungen mit einem anderen verheiratet ist. Er ist bewaffnet und selbstmordgefährdet. Zufälligerweise wird Jupp – der mit Klaus und Florian verabredet ist - Zeuge der Entführung, ohne diese als solche zu erkennen und ist daher der einzige, der weiß wie der Mann aussieht. Zusammen mit Taube macht er sich auf die Suche nach ihm und es kommt schließlich im Fantasialand zu einer Zuspitzung der Lage. Als man ihm das Kind wegnimmt, dreht der Mann völlig durch und droht Jupp vor den Augen von Florian zu erschießen. Es gelingt ihm jedoch, den verzweifelten Mann zum Aufgeben zu überreden.

 

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„Dein Kopf ist ja noch dran“, scherzte Klaus Taube, als sein Kollege Jupp Schatz im Schankraum des Rättematäng erschien.

 

Ellen war stinksauer gewesen – nicht nur, weil Jupp sich nicht wie versprochen um Flo gekümmert hatte, sondern auch weil ihr Sohn Zeuge dieser Szene im Fantasialand geworden war. Sie hatte immer akzeptiert, wie wichtig und ernst Jupp seinen Beruf nahm und es lange auch hingenommen, dass es auf Kosten ihrer Familie ging. Aber dieses Mal war er zu weit gegangen. Dass Jupp nicht gewusst hatte, dass Flo aus Enttäuschung über den abgesagten Ausflug nicht nach Hause gehen, sondern auf eigene Faust losziehen würde, um dann zufällig am gleichen Ort wie der Entführer zu enden, ignorierte die wütende Mutter. Was sie sah, war, dass Jupp und Klaus Florian versprochen hatten, an ihrem freien Samstag einen Ausflug mit ihm zu machen und dass dann nur Klaus alleine mit dem Jungen loszog, weil Jupp sich wieder einmal verspätete. Und dass sie dann später hören musste, dass die beiden ausgerechnet dann die Ermittlungen in einem Entführungsfall und dem damit zusammenhängenden Mord an einer Taxifahrerin übernehmen mussten. Schlimmer noch, Flo kam nicht nach Hause und Jupp ging noch nicht einmal an sein Handy. Kein Wunder, dass ihr da der Kragen geplatzt war, kaum hatten die drei das Lokal betreten.

 

Jupp setzte sich neben ihn. „Du, hör’ mir bloß auf damit“, sagte er düster. „Wenn wir nicht schon geschieden wären, würde sie sich sofort scheiden lassen. Ellen hat mir gedroht, dass Flo nicht mehr bei mir übernachten darf, wenn er mich besucht. Das kann sie doch nicht machen.“ Trübsinnig starrte er auf das Kölsch, das vor ihm stand. Noch war im Lokal nicht viel los, nur ein paar Stammgäste saßen in einer Ecke.

 

Das konnte sie und wenn Ellen es für notwendig hielt, würde sie es auch tun. Klaus nippte an seinem Wasser. „Und wie geht’s Florian?“

 

„Er hat sich natürlich furchtbar erschreckt – was erzähl’ ich dir das, du warst doch dabei. Verdammt, ich hatte doch auch eine Scheißangst, dass dieser Irre mich erschießt. Oder dich. Oder eins der Kinder verletzt wird.“ Jupp schloss für einen Moment die Augen. Erst jetzt im Nachhinein wurde ihm wirklich übel bei dem Gedanken daran, was ein Mann mit einer Schusswaffe in einem gut besuchten Freizeitpark hätte anrichten können. „Ellen hat ihn erst mal in die Wanne gesteckt und jetzt ist er in seinem Zimmer, Comics lesen. Wenn ich nur dafür gesorgt hätte, dass er nach Hause geht; notfalls hätte ich ihn in einem Streifenwagen heimschicken sollen, anstatt ihm Geld für die U-Bahn in die Hand zu drücken!“

 

„Hey, Selbstvorwürfe ändern jetzt auch nichts mehr.“ Klaus sah ihn an. „Flo ist doch sonst ein vernünftiger Junge, du konntest doch nicht wissen, dass er sich in der Stadt herumtreibt.“

 

Wütend schlug Jupp mit der Faust auf den Tresen. „Aber ich hätte es wissen *müssen*. Er war so enttäuscht.“ Er seufzte, rieb sich die Stirn. „Glaubst du, ich bin ein schlechter Vater?“, fragte er dann niedergeschlagen und so leise, dass Klaus sich anstrengen musste, ihn überhaupt zu verstehen.

 

„Ich denke nicht, dass ich...“

 

Jupp fuhr fort, ohne auf den Einwand seines Partners zu hören. „Ellen hat das gesagt. Nicht direkt. Am Telefon, als ich ihr sagte, dass ich Flo nach Hause schicken würde, weil wir arbeiten müssen. Sie meinte, du würdest dich mehr um Florian kümmern, als ich. Das hat gesessen.“ Er vergrub die Hände in den Taschen seiner Jacke. „Und vielleicht stimmt das ja auch. Vielleicht braucht Flo einen Vater wie dich – jemand der zuverlässig ist, Verabredungen einhält, ihm bei Mathe hilft und ihm zuhört... Mich braucht er ganz bestimmt nicht.“

 

„Jetzt mach’ aber mal einen Punkt.“ Klaus unterbrach die uncharakteristische Tirade an Selbstmitleid, bevor Jupp Atem holen konnte, um weiter zu sprechen. „Du bist kein schlechter Vater. Gut, du kannst nie pünktlich sein – aber du bist da, wenn er dich wirklich braucht. Du nimmst ihn ernst, seine Wünsche und Träume. Und du liebst ihn. Meinem Verständnis nach ist es das, was einen Vater ausmacht und nicht, ob er ihm bei den Mathehausaufgaben hilft.“ Er lehnte sich zurück, streckte sich. „Aber wie du mir schon mal gesagt hast, verstehe ich nichts von Kindererziehung.“

 

Jupp blickte ihn von der Seite an und grinste schief. „Ich habe mich mal wieder wie ein perfektes Arschloch benommen, was?“

 

Klaus erwiderte das Grinsen. „Nobody’s perfect.“ Er zuckte mit den Schultern. „Außerdem, was sollte Flo mit ner Schwuchtel als Ersatzvater anfangen. Wo ich doch nichts von Fußball verstehe.“

 

Jupp lachte und fuhr ihm über die Haare, brachte sie durcheinander, weil er genau wusste, dass Klaus das hasste. „Ich glaube, wir haben ein verdammtes Glück.“ Als Klaus ihn fragend ansah, fuhr er fort: „Flo, weil du ihm geholfen hast, seine Mathenoten zu verbessern – und ich, weil du mir den Kopf zurechtrückst, wenn es notwendig ist. Danke.“ Er drückte Klaus Schulter und stand auf. „Ich denke, ich gehe noch mal nach oben und rede mit Ellen. Vielleicht hat sie sich inzwischen beruhigt.“

 

„Mach’ das.“ Klaus zog eine seiner geliebten Zigarren hervor. „Ach und, Jupp... erinnere mich daran, dass ich meinen nächsten freien Samstag nicht mit dir verbringe. Ich kann mir etwas erholsameres vorstellen, als durch die Stadt zu hetzen, einen suizidgefährdeten Mörder zu suchen und mir dann eine Waffe unter die Nase halten zu lassen, während ich in einem albernen Bärenkostüm stecke.“

 

„Dabei hast du doch so niedlich darin ausgesehen.“ Jupp grinste schief, ein wenig verlegen. „Wenn das alles ist“, entgegnete er und fuhr sich durch die Haare.

 

Klaus blickte ihn an. „Nein. Vor allem möchte ich nie wieder erleben müssen, dass mein Partner fast vor meinen Augen erschossen wird, ist das klar?“

 

„Ich...“, setzte Jupp an, stoppte dann aber und machte mit der Hand eine hilflose Geste. Dann wandte er sich ab und ging nach hinten, wo eine Treppe zu der Wohnung im ersten Stock des Gebäudes führte.

 

Klaus seufzte und sah ihm nach. Es war auch für ihn ein langer Tag gewesen. Er schob sein halbleeres Wasserglas zur Seite und griff nach Jupps unberührtem Kölsch. Hinter ihm öffnete sich die Tür und herein kam eine Schar lärmender Menschen. Zurück zur Normalität. Bis zur nächsten Katastrophe. Er konnte nur hoffen, dass auch diese ein happy end nehmen würde. All is well, that ends well...

 

Ende